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global news 2347 10-04-11: Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft: Die Menschen glauben immer weniger daran

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52 Responses to 2347

  1. Rote Socke sagt:

    Hallo, allerseits.
    Die Fragen sind für meine Begriffe tendenziös gestellt. Der Begriff selbst ist schwammig, nicht eindeutig, was in der Definition bei Wikipedia auch bestätigt wird:

    Das Bedeutungsspektrum reicht vom geschlossenen ordnungspolitischen Konzept über den offenen, dynamischen Charakter einer Kompromissformel, unter der sich unterschiedliche Akzentuierungen subsumieren lassen, bis zur Bewertung als Leerformel ohne eigene Bedeutung.

    Demzufolge sind die Antworten und deren Wertung mit Vorsicht zu genießen, kommen eher aus dem Bauch raus, als daß sie nachvollziehbar begründet wären.

    Die Lesart als »Dritter Weg« kommt der Sache wohl am nächsten, wird aber mit dem Moment redundant, wo der zweite Weg schlicht fehlt.

    Solange darauf bestanden wird, daß sich der Staat aus wirtschaftlichen Vorgängen komplett rauszuhalten hat, solange also keine Eingriffe in die Verwendung des gesamtgesellschaftlichen Mehrprodukts getätigt werden und der Staat, gegenteilig, von den mittlerweile offen global agierenden Monopolen und Oligopolen bevormundet bis gesteuert wird, ist jedwede Diskussion in der Richtung bedeutungslos und leer.

    Erst dann, wenn sich eine Regierung (egal, wo) dazu aufrafft und das Grundgesetz mit aller Konsequenz zur Anwendung bringt, wird es eine Entwicklung zum Wohle aller geben, also »sozial« im eigentlichen Sinne des Wortes werden, aber ob das noch »Marktwirtschaft« heißt, wage ich zu bezweifeln.

  2. Gaby sagt:

    Guten Tag, Rote Socke und Mitdiskutanten,

    es gefällt mir, was Du schreibst, aber ganz sicher ist eine Soziale Marktwirtschaft auch eine Marktwirtschaft. Da führt kein Weg dran vorbei.

    Was sind die hervorstechendsten Elemente einer Marktwirtschaft? Sie ist dezentral organisiert, basiert auf dem Privateigentum der Produktionsfaktoren und der Wettbewerb entscheidet darüber, welche Produkte von wem und wie zu welchen Preisen gefertigt werden. Die Marktwirtschaft entscheidet, ob und wie die Einkommen sich auf die Produktionsfaktoren verteilen, die Einkommen gespart, investiert oder für den Konsum ausgegeben werden. Die Marktwirtschaft regelt die autonomen Pläne der Einzelwirtschaften wie Haushalte und Unternehmen und gewährleistet durch die größtmögliche Freiheit des Einzelnen und gesamtwirtschaftliche Effizienz die auskömmliche Versorgung möglichst aller Marktteilnehmer. Zur Marktwirtschaft gehören darüber hinaus Rechtssicherheit, die Wahrung des sozialen Friedens und natürlich der Staat, der die Rahmenordnungen als notwendige Voraussetzung der Marktwirtschaft steckt. Ohne Marktwirtschaft kein Kapitalismus, ohne Marktwirtschaft kein Kapitalismus.

    Die Soziale Marktwirtschaft erfüllt alle oben genannten Kriterien. Allerdings unternimmt sie, staatlich gelenkt, den Versuch, die Marktwirtschaft mit einer Politik des sozialen Ausgleichs zu beeinflussen, indem sie den reinen Liberalismus schlichtweg ablehnt. Der Markt darf zwar dem freien Spiel der Kräfte folgen, aber der Staat (die Politik) ist stark und integer genug, über die Funktionsfähigkeit der Märkte zu wachen und dies geschieht durch eine Rechtsordnung, die Machtmissbrauch verhindern soll und die Belange der Sozialpartner hinlänglich berücksichtigt. Die wichtigsten Gesetze für den normalen Bürger sind unter anderem: das Betriebsverfassungsgesetz, das Arbeitsförderungsgesetz, stabile Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherungsgesetze, das Mietrecht, das Sparprämiengesetz, Kindergeld etc. pp. Das Leitmotiv der Sozialen Marktwirtschaft ist: Wachstum für alle ist die beste Sozialpolitik!

    Du siehst, der „Dritte Weg“ ist nichts anderes als ein Kapitalismus mit menschlicherem Antlitz. Leider bewegt sich Deutschland mehr und mehr hin zum reinen Liberalismus und das ist schlecht, denn nur sehr reiche Menschen halten auf Dauer das existenzbedrohende Spiel der freien Marktkräfte aus, dem sie ohne staatliche Eingriffe schutzlos ausgeliefert sind. Die Bezeichnung „Dritter Weg“ ist durchaus noch immer relevant, weil uns das Scheitern des Sozialismus und Kommunismus noch lebhaft vor Augen steht und eine historische, jederzeit nachlesbare Tatsache bleibt.

    Schönen Abend noch,

    Gaby

    • Gaby sagt:

      Herrjeh, ich habe mich vertippt!

      Im zweiten Absatz soll es heißen: Ohne Kapitalismus keine Marktwirtschaft und ohne Marktwirtschaft kein Kapitalismus.

      Gaby

    • annimarr sagt:

      Sehr geehrte Frau Gabi,
      trotz aller Schalmeienklänge bleibt die „Soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard“ die für uns beste Wirtschaftsordnung. Seine „ordnungspolitischen Rahmenvorgaben“ haben Politik, die Menschen/Gewerkschaften und die Wirtschaft verbunden. Die heutige Regierung in Deutschland, aber auch die restliche EU müssten Mut zeigen! Mut der Wirtschaft einheitliche Rahmenbedingungen zu geben. Mut heißt auch, erkannte Fehler zurückzunehmen. Unsere Regierung sollte endlich wieder Charakter und wirtschaftliche Weitsicht für uns und Europa zeigen und sich der bewährten und erprobten „Sozialen Marktwirtschaft“ bedienen.
      Die Wege unseres großen Bruders auf zu viel Pump und Spekulation zu leben, sind in eine Sackgasse geraten.
      Das Vertrauen in die Wirkung des Wettbewerb ist in der Gesellschaft fast völlig verloren gegangen.
      Gruß
      annimarr

    • Rote Socke sagt:

      Ein herzliches Hallo zurück!
      Ich denke mal nicht, daß Du, Gaby, mit den Brüdern Grimm gefrühstückt hast 😉 Die Theorje ist das eine, das andere ist die Praxis, die wir tagtäglich neu erleben dürfen. Zudem: Die Marktwirtschaft, ob sozial oder nicht, ist lediglich eine der möglichen Erscheinungsformen des Wirtschaftssystems, bei dem die Gewinne kapitalisiert, die Verluste aber der Gesellschaft aufs Auge gedrückt werden.

      Um also nicht in Verlusten zu versinken, ist die Gesellschaft schlicht gefordert, die Grundbestrebungen es Kapitals zu steuern, und das bedeutet, ein rigides Regelwerk zu schaffen, was aber gegenwärtig eher abgebaut wird bzw. schon längst auf dem Müll liegt, oder gar nie existiert hat.

      Was die Rechtssicherheit angeht – ich bin in einer Gruppe involviert, die wegen ihres guten Rechts im Clinch mit den Gerichten des Rechtsstaats Deutschland liegen, und da helfen denen keine rosigen Behauptungen, von wegen daß alles eine Ordnung und sie ihr Hab und Gut zurecht verloren haben, sondern es würden einzig und allein gerichtliche Entscheidungen helfen, die das Grundanliegen des Gesetzes in einer Demokratie beherzigt, und zwar den wirtschaftlich Schwachen vor der Willkür des Starken zu schützen (LaFontaine 2006 in Berlin). Bei den Fällen, die mir bekannt sind, sind Menschen zu Sozialfällen geworden, weil sie meinten, in einem »Rechtsstaat« zu leben!

      Zudem entscheidet die Marktwirtschaft gar nix. Der Eigner der PM, sofern ihm nicht auf die Pfoten gegeben wird, entscheidet, was mit seinen Pfründen geschieht und bestimmt auch, was die Regierung zu tun bzw. zu lassen hat. Das war so, das ist so, und wenn nichts Weltbewegendes passiert, bleibt das auch so. Leider.

      Daß das unter anderen Bedingungen anders war, will ich nicht bestreiten. Wir haben oft mit feuchten Augen Richtung Westen geschielt, aber das, was mal war, ist längst nicht mehr – da gebe ich Dir voll und Recht! Ob das, was im Osten war, der Ausweg aus dem Desaster war, bröckelt bei mir auch mehr und mehr die Überzeugung, denn das war alles andere als das, was die großen Vordenker gewollt hatten.

      Mal schaun, was noch so kömmt.

  3. Jens sagt:

    Auch Märkte sind soziale Institutionen der Gesellschaft. Nur sind diese Märkte durch Monopole/Polypole und Regeln für die Reichen und die Gewinner gekennzeichnet. Es gibt sicherlich auch Phasen des Marktes mit freien Regeln und Wettbewerb, meist in diversifizierten Akteursstrukturen in den Anfangsstadien regionaler und weltwirtschaftlicher Technologieinnovationen wie bei den erneuerbaren Energien, Traktoren oder Automobilen. Also reine Wettbewerbswirtschaft gibt es nur in theoretisch perfekten Märkten.
    Neben der sozialen Marktwirtschaft gibt es Mischwirtschaften in den uns genau dadurch sozioökonomisch (auch im Wachstum) überlegenen skandinavischen Ländern.

  4. Gaby sagt:

    Guten Tag, Rote Socke,

    mit diesen bürgerlichen Volksverdummern namens Gebrüder Grimm möchte ich wirklich nicht in einem Atemzug genannt werden, werde also auch nicht mit ihnen frühstücken. :o) Allerdings ist Dein Hinweis interessant, dass die Marktwirtschaft nur eine der vielen Erscheinungsformen des Kapitalismus ist. Welche gibt es denn noch, wenn ich fragen darf?

    Den Aussagen Deines zweiten Absatzes stimme ich zu.

    Mit dem Begriff „Rechtssicherheit“ meine ich keinesfalls, dass jedem, der Recht hat, auch Recht gesprochen wird. Vielmehr meine ich damit die Rechtsklarheit, die Bestimmtheit und die Beständigkeit unserer rechtsstaatlichen Rechtsprechung. Ein geringes Aufkommen an Korruption kann man meines Erachtens in einem Atemzug miterwähnen. Probleme ergeben sich gewöhnlich zwischen der Rechtssicherheit und der materiellen Gerechtigkeit. Dieses Problem hat einen Namen, nämlich die Verjährung. Die Verjährung zwingt den Gesetzgeber bei der Gesetzgebung zur Abwägung beider Interessen. Und wo die Abwägung Raum hat, hat auch die herrschende Wirtschaftsideologie Platz.

    Es stimmt nicht, dass der Markt gar nichts entscheidet und der Kapitalist schalten und walten kann, wie er will. Zum einen setzt der Staat per Gesetze, Abgaben, Verbraucherschutzverordnungen, Monopolverboten, Zöllen, aber auch der Bereitstellung der Infrastruktur wirtschaftliche Schranken bzw. lockert sie, zum anderen muss sich der Kapitalist mit seinen Wettbewerbern, der menschlichen Arbeitskraft, knappen Rohstoffen und der Allokation seiner Waren herumschlagen. In der Sozialen Marktwirtschaft haut der Staat dem Kapitalisten allerdings häufiger auf die Finger, als in einer deregulierten Marktwirtschaft. Der Begriff „Markt“ lässt sich auch mit dem Wort (nationaler wie internationaler) „Handelsraum“ übersetzen. Ich denke, dass ist die verständlichere Bezeichnung.

    Karl Marx hat leider nicht so genau beschrieben, was er sich unter Kommunismus vorstellt. Marx war allerdings ziemlich im Kapitalismus verhaftet und genoss seine angenehmen Seiten, inklusive dem erfolgreichen Spekulieren an der Börse. Folglich kann ich mir gut vorstellen, dass Marx so etwas wie der real existierende Kommunismus bzw. Sozialismus vorschwanten. Rosa Luxemburg hingegen war klar, dass es ohne die Emanzipation vom Kapitalismus keinen Kommunismus geben kann. Da der Kapitalismus allerdings ein Ereignis im planetarischen Maßstab ist, ist es närrisch, davon zu träumen, dass sich ein einzelner Staat aus den Fesseln der kapitalistischen Kategorien befreien könnte und völlig autonom vor sich hinwurstelt. Wenn die Menschen sich jedoch eines Tages entschließen sollten, den Kapitalismus auf den Schrotthaufen der Geschichte zu werfen, kann das nur global und gleichzeitig geschehen. Jedes andere Experiment wird scheitern!

    Bleibt uns zum jetzigen Zeitpunkt also nur, unser Augenmerk noch einmal auf den „Dritten Weg“, die Soziale Marktwirtschaft zu legen. Diese Konstruktion hat funktioniert. Allerdings sehe ich derzeit nicht, dass sich unsere globalen Eliten, bis auf wenige Ausnahmen, noch einmal für das Soziale in der Marktwirtschaft erwärmen könnten.

    Bis denne und macht’s gut,

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Hallo, Gaby.
      Warum mich wohl Dein Beitrag zum Widerspruch reizt? Nein, nicht die Grimms! Ich mag sie, beide, und Märchen mag ich auch! Auch wenn die jeden Horrorfilm in den Schatten stellen. Nur, merkst Du nicht selbst, daß viele Deiner Vorstellungen in Anführungszeichen gehören? Es sind – so, wie es heute ausschaut – Wunschvorstellungen! Leider ist es nicht so, wie es sein sollte, sonst hätte Herr Jahnke auch keinen so reichhaltigen Stoff, um sein Internetportal damit zu füttern. Es gibt doch beinahe kein Thema, was von ihm nicht in dieser oder jender Weise aufgegriffen wird. Und zurecht!

      Und dann kommst Du mit solch wirklich frommen Wünschen! Nur kleines Beispiel: Wer richtet die Bilderberger Konferenz aus? Die Staatsoberhäupter der Welt, klar, und die laden sich die Industriellen dazu ein. – Wie, etwa nicht? – Aber so sollte es doch wohl sein, oder?

      Mit »Rechtssicherheit« meinst Du natürlich nicht, daß Recht gesprochen wird. Was dann? «Vor Gericht und auf Hoher See liegt unser Schicksal in Gottes Hand.» – Nein, nicht von mir. Nur ein Beleg für Rechtssicherheit in deutschen (und nicht nur dort!) Landen! Und – wer sein Hab und Gut im guten Glauben an Recht und Gesetz verloren hat, soll sich gefälligst ein Taschentuch nehmen und sich die Tränchen abtrocknen und das tägliche Halleluja singen, oder wie? Der Schaden geht in erhebliche Größenordnungen! Menschen gehen dabei entweder vor die Hunde oder werden Sozialhilfeempfänger! Beispiele gefällig?

      Zwecks Erscheinungsform des Kapital-Ismus: Ich gebe zu, daß ich nicht genügend Wirtschafts- oder Gesellschaftswissenschafler bin, um das umfassend zu klären, will nur auf solche Formen, wie dem Kolonialismus oder die (am krassesten die faschistische) Diktatur (die Wirtschaftssystem und Gesellschaftsform in einem in sich vereint) – Kapitalismus? Mit oder ohne Marktwirtschaft???

      Marx (Engels, Lenin): Die wußten es nicht anders! Die haben auch an das sogenannte Gute im Menschen geglaubt! In keinem von Marxens oder Lenins Werken steht was davon drin, daß Andersdenkende in Gulags & Co. gehören! Keiner von denen hat darauf orientiert, daß die Menschen bespitzelt gehören und daß der Einmalführer der Immerführer zu sein hat! Und – mach bitte dem Karle keinen Vorwurf daraus, daß er die Spielmöglichkeiten, die die Gesellschaft und das Leben bietet, genutzt hat!

      Abschließend: Möglich schon, daß so etwas wie eine »Soziale Marktwirtschaft« unsere Zukunft wird. Wenn sie denn den Inhalt bekommt, den sie bekommen müßte. Dann hätte auch ich nix zu meckern!

      • Gaby sagt:

        Hallo, Rote Socke,

        ich empfehle Dir dringend, Dich mit der Entwicklung des Kapitalismus seit dem Merkantilismus zu beschäftigen.

        Dann wirst Du sehen, dass Staat und Nation Produkte des einst aufkeimenden Wirtschaftsliberalismus sind, sich also Politik und Wirtschaft bis heute nicht wirklich trennen lässt. Weiterhin wirst Du lernen, dass Kapitalismus und Marktwirtschaft ebenso zusammen gehören wie der konkurrenzgetriebene Kapitalismus solche Widerwärtigkeiten wie Kolonialismus, Imperialismus, Rassismus, Faschismus und die Diktaturen des 19. Jhr. hervor brachte. Darüber hinaus wirst Du erkennen, dass Lenin und Stalin keine Gutmenschen waren, sondern bewußt schlimmste Repressalien gegen die eigene Bevölkerung einsetzten, um die vorwiegend bäuerlich geprägten Menschen dazu zu zwingen, sich in die kapitalistische Produktionsweise zu fügen, schließlich wollten die kommunistischen, aber auch die sozialistischen Eliten den gereifteren Westen an Wirtschaftsmacht nicht nur einholen, sondern sogar überholen.

        Und vergiss nicht, unterwegs Deine Nase in die Schriften von Hobbes, Mandeville, Bentham, Malthus, Kant, Schopenhauer und Hegel zu stecken, damit klar wird, zu welch‘ bestialisch ekelhaften Raubaffen diese großen Denker uns Menschen degradiert haben, nur um die kapitalistische Konkurrenzbeißerei zu erklären und zu legitimieren.

        Kapitalismus ist seit rund 500 Jahren eine brandgefährliche, der menschlichen Natur widernatürliche Angelegenheit! Ich bin kein Befürworter dieses Systems, sondern jemand, der versucht, sich möglichst sachlich mit diesem Konstrukt auseinander zu setzen. Dein Verdacht, ich würde in frommen Wunschvorstellungen schwelgen, betrifft mich ganz bestimmt nicht.

        Schönen Tag noch,

        Gaby

      • Gaby sagt:

        P.S.:

        Ich habe mich vorhin böse vertippt. Sorry! Ich meine natürlich die Diktaturen des 20. Jhr. und während meiner Aufzählung der grandiosen Philosophen, die uns den Kapitalismus als „natürliche Natur des Menschen“ unterschoben, habe ich Nietzsche glatt unterschlagen. Die Unterschlagung entstammt meinem Ekel, den ich vor diesem Mann empfinde!

        Nietzsche ist derjenige Volltrottel, der von der Herren- und Sklavenmoral faselte und Gott, also das kleinbürgerliche Leben und das der Arbeitslosen schlechthin, für tot erklärte. Dieses Ekelpaket hat die gesunden menschlichen Regungen im Sinne des stets konkurrierenden, ja kriegerischen Kapitalismus fürchterlich in den Dreck getreten, den deutschen Herrenmenschen herauf beschworen und gehört meines Erachtens radikal in die rechtsextremistische Ecke geschoben, statt ihn heute noch in deutsch-bürgerlichen Bildungskreisen zu verehren und seinen Schandartikeln einen Platz im edlen Bücherregal zu reservieren.

        Was ein Glück, dass die meisten Neo-Nazis Nietzsche heutzutage nicht lesen, sonst könnte ihr wirres Geifern gegen Gott und Welt doch noch einen bürgerlich abgesegneten, ideologischen Unterbau kriegen.

        Mit herzlichen Grüßen

        Gaby

      • Rote Socke sagt:

        Hallo, Gaby.
        Eigentlich wollte ich schweigen, aber nachdem Du noch ein PS drangehängt hast… Sei’s drum.

        Es ehrt Dich und zeichnet Dich aus, daß Du derart viiiiiel Literatur in Dich reingezogen hast! Ausgehend davon, daß ich mich mal an einem Werk von Leibniz versucht habe, das ich zur Jugendweihe bekommen habe, und der Tatsache, daß ich das nach nicht mal der Hälfte in die Ecke geknallt habe, weil ich trotz mehrfachen Lesens nix verstanden habe, was der Knabe eigentlich will (und dabei gebe ich so leicht nicht auf!), und angesichts der Fülle an Autoren, die Du aufzählst und der Masse an Papier, das die im Laufe ihres Lebens beschrieben haben, und eingedenk dessen, daß da fleischt noch andere Literatur in Deiner Bibliothek zu finden war, dürftest Du ein annähernd biblisches Alter erreicht haben, und da hättest Du die ganze Zeit nur gelesen! Und nach Deiner Einschätzung zu urteilen, muß die Lektüre nicht unbedingt erbauend gewesen sein. Und nun verlangst Du, daß auch andere Leute sich solche Lektüre reinziehen, um dann resigniert festzustellen: Das war’s nicht!? Bitte entschuldige, meine Lebenszeit ist mir zu kurz, um mich mit Dingen zu befassen, wo ich schon im Vorhinein weiß, daß sie mir nicht bekommen.

        Danke aber dennoch für die Hinweise. Bin ja kein Ignorant, auch wenn ich mich mit rot und Socke tituliere.

        Zur Frage Marktwirtschaft und Kapitalismus – Du hast ganz Recht, man sollte sich wirklich mal ernsthafter mit den Dingen befassen, aber bei einer Monatsarbeitszeit von bis zu 300 Std. komme ich kaum dazu. Vielleicht wird es mal anders, was ich momentan nicht hoffe, und da lasse ich mich gern einen Ignoranten schelten. Ich weiß doch, von wem es kommt 😉 Nicht böse sein, gelle?

        Interessant der Hinweis bei Wikipedia zu diesem Thema. Wenn ich das richtig verstehe, ist die M. nichts weiter als ein Euphemismus für den K., wobei die Meinungen von Leuten, die ich für intelligenter und bewanderter als mich einschätze, durchaus auseinandergehen in dieser Frage.

        Inwiefern nun eine wirtschaftliche Ordnung (zu der Auffassung tendiere auch ich, denn sie ist m.E. vernünftig, will sagen, entspricht meinen Vorstellungen von Vernunft), die offenbar entwicklungsgeschichtlich bedingt ist, kreuz- und brandgefährlich sein soll, bringt mich zum Grübeln: Ist es das wirtschaftliches System als solches, oder ist es die Form bzw. sind es die Tendenzen, in der es sich in der Gegenwart präsentiert? Der Jens [:Hallo, Jens!:] bringt ins Spiel, daß es durchaus regionale/nationale Unterschiede ein und derselben Sache gibt, also Schwedenkapitalismus, Finnlandkapitalismus (mit Sauna!) oder Ami-Kapitalismus (mit Schießbörger!) oder (nicht sauberer, sondern Rheinischer) Deutschlandkapitalismus??? Vielleicht noch Russenkapitalismus (nur mit Wodka zu ertragen)? Schön, das. Frage von mir: Ist es nun wirklich nur eine Frage des (wirtschaftlichen) Systems, wie sich das Dingens entwickelt, oder spielt da nicht vielleicht auch noch die Poltik, die von den jeweiligen Regierungen geführt wird, eine Rolle?

        Wenn Letzteres zutreffen sollte, dann finde ich es nicht in Ordnung, daß nationale Unterschiede in der Entwicklung des wirtschaftlichen Systems durch die für meine Begriffe durchaus vernünftige Vereinigung Europas derart geschliffen werden.

        Es gibt in der dialektischen Philosophie (naja, ein bißchen habe ich schon geschmökert) den Begriff des Aufhebens, der als Wortspiel allerdings nur im Deutschen so richtig funktioniert, und zwar das Aufheben als konservieren und das Aufheben als Vernichten einer Sache. Warum werden in einem neuen und modernen Europa ausgerechnet die Tendenzen des alle umfassenden wirtschaftlichen Systems aufgehoben i.S.v. konserviert, die uns Menschen (will sagen, dem kläglichen Rest von 80%++ der Bevölkerung) nicht gut zu Gesichte stehen, und das, was im Rahmen dieser Ordnung an Positivem erreicht wurde, wird mit kühner Hand und unter Publikumsbeifall unter den Teppich gekehrt???

        Vielleicht finden wir so, auf diese Weise, einen gemeinsamen Nenner. Bin ja gespannt, was Herr Jahnke zu den neuerlichen amerikanischen Bocksprüngen in Bezug auf die Einsparung von 2 Billionen USD im Staatshaushalt der USA zum Besten geben wird.

      • Gaby sagt:

        Hallo, Rote Socke und Mitdiskutanten,

        Wilhelm Leibniz war auch so eine sozial vereinsamte, misanthropische Monade der sogenannten „Epoche der Aufklärung“. Wilhelm fabulierte von der prästabilisierten Harmonie der Welt, die sich selbst, von einer imaginären Vernunft gelenkt, im Gleichgewicht hält. Mit der Weltvernunft rechtfertigte er die „abstrakte Arbeit“ und die gibt es flächendeckend nur im Kapitalismus.

        So kommt es, dass die unsichtbaren Hände Adam Smiths, der Weltgeist Hegels, das menschenverachtende Vernunftstreben Kants, die Glorifizierung Nietzsches Herrenmenschen und viele noch heute berühmter Narren uns Zeile für Zeile tiefer in die Unmündigkeit des Kapitalismus befördert haben. Die Vernunft der Aufklärung ist nichts anderes, als dass der Mensch mit Freuden erkennen möge, dass er ganz und gar vom Gelde abhängig ist und sich von Kapitalisten verwursteln lassen muss (!!!), sofern er auch nur ein bisschen an seinem, im wörtlichen Sinne, armseligen Leben hängt. Wer sich fügt, ist vernünftig.

        Die Denker der Aufklärung fanden viele Theorien, die vom Kapitalismus erzeugte bitterste Armut, den Konkurrenzkampf der Nationen und die damit einhergehende Weckung der niedersten menschlichen Triebe und natürlich die Geldgier der Kapitalisten zu legalisieren, gar als „natürliches Verhalten“ zu proklamieren, indem sie das mechanische Newton’sche Weltbild auf die Menschen übertrugen und die Ökonomie (den Weltgeist, der der Vollendung zustrebt) zur Wissenschaft erklärten. Diese großen Denker haben natürlich auch über die Frauen, die Kinder, die Armen, die Alten und die Kranken nachgedacht, die in ihren Augen nur Geld kosten, Ärger machen und niemandem nützen, schon gar nicht dem Kapital. In der schlimmsten Weise haben sie über diese in ihren Augen unnützen Menschen geschimpft.

        Wir müssen die Schriften dieser Knüppelbrüder nicht gelesen haben und kennen sie trotzdem. Wir leben und denken in ihren Ideologien, denn die bekommen wir, ohne dass wir es merken, in der Familie, in der Schule, in der Ausbildung und im Beruf beigebracht. Kulturgut kann auch ätzend schlecht sein! Brandgefährlich werden die Theorien der Aufklärer in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Wehe, der ökonomisch ins Elend zurück gestoßene Deutsche erinnert sich eines Tages daran, dass ihm eigentlich die Weltherrschaft gehört, er zum Herrenmenschen geboren ist, weil der deutsche Kulturdünger (angeblich!!) schon immer der fruchtbarste und treibendste unter allen Völkern dieser Erde gewesen ist. Solche Denkweisen, denen alsbald Taten folgen, können die halbe Welt in Brand stecken – haben wir ja im 20. Jhr. erlebt. Das ist der Grund, warum ich den Kapitalismus par excellence für eine brandgefährliche Angelegenheit halte.

        Wir mögen die fremdbestimmten Zwänge, die Marktkonformitäten, in denen wir leben, trotz alledem als erträglich empfinden, weil wir ja in einer Demokratie leben und diese politische Gesellschaftsform uns glauben lässt, frei zu sein, also frei denken, frei reden, frei handeln zu können. Dem ist aber nicht so. Die Demokratie macht die Diktatur des Kapitals nur ein bisschen erträglicher. Wir werden an der langen Leine geführt, die jederzeit wieder eingeholt werden kann.

        Nun zu Deiner Frage: Die Entwicklung des Kapitalismus seit dem 16. Jhr., insbesondere die Entwicklung der gnadenlosen Konkurrenz auf dem entstehenden Weltmarkt, hat zur Durchsetzung seiner Kapitalinteressen den Nationalstaat benötigt; die Nationalstaaten entstanden dann auch im 18., 19. und 20. Jhr., selbstverständlich unter kräftiger ideologischer Hilfe unserer großen Aufklärer.

        Die Wirtschaft war und ist also mit dem Staat sehr eng vernetzt, gar verfilzt. Wirtschaft und Staat befinden sich aber meistens in einem strukturellen Dilemma. Einerseits kann die Verwertung des Kapitals und die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft nur funktionieren, indem der Kapitalist sich auf zahllose infrastrukturelle und soziale Rahmenbedingungen stützt, für die der Staat, also die Politik, zu sorgen hat. Aber damit der Staat sich kümmern kann, muss er Steuern einziehen, auch von den Unternehmern, die gleich anfangen zu schreien, dass „zu viel Staat“ nichts als Wirtschaftskrisen verursacht. Dieses Dilemma kann innerhalb des Kapitalismus nicht gelöst werden. Es bleibt ein Dauerbrenner.

        Die Politik kann per entsprechender Gesetzgebung das Leben der einfachen Wirtschaftssubjekte angenehm machen, kriegt aber, wie bereits erwähnt, sofort Ärger mit den Kapitalisten. Folgt die Politik aber zu sehr den kapitalistischen Forderungen nach Steuer- wie Abgabensenkung, gar Senkung des Lohnniveaus, beschneidet sich der Staat in seinem Handlungsspielraum und die einfachen Marktteilnehmer bekommen das sofort zu spüren, weil sie mit immer mehr Einschränkungen und steigenden Steuern zu leben haben. Höhere Abgaben und niedrigere Löhne belasten den Markt; es kommt zur Absatzschwäche, was die Unternehmer veranlasst, sich in den Export zu stürzen.

        Die Soziale Marktwirtschaft, auch „ausgleichender Kapitalismus“ genannt, bot einen recht guten Ausweg aus diesem Dilemma. Die Unternehmer wurden per Steuern nicht so stark belastet, dass es ihnen weh tat, aber doch genügend, dass der Staat reichlich Steuern einnehmen konnte und die Löhne richteten sich nach der Produktivität der Wirtschaft, sie stiegen also viele Jahre lang, so dass Deutschland über einen recht kräftigen Binnenmarkt verfügte, der nicht nur das Unternehmerherz höher schlagen ließ, sondern zusätzlich die Staatskassen per Mehrwertsteuer etc. füllte. Nur leider haben es die Politiker versäumt, in guten Wirtschaftsjahren einen guten Teil derjenigen Schulden zurück zu zahlen, die sie in konjunkturell schlechten Jahren aufnehmen mussten. Schulden plus schlechter Konjunktur, gar Inflation, machen angreifbar! Friedmans Neoliberalismus griff in den 1970er Jahren an und setzte sich durch. Neoliberalismus ist so ziemlich das Gegenteil der Sozialen Marktwirtschaft.

        Der Kapitalismus ist vermutlich das Unlogischste und Unmenschlichste, das sich die Menschen je ausgedacht haben. Das Ding existiert von Anfang an von seiner eigenen Legende, die da heißt: Wohlstand für alle. Dieser Wohlstand für die Massen ist, wenn überhaupt, immer nur punktuell und temporär aufgetreten. Und wie bezeichnet man eine Legende noch? Genau, Ammenmärchen! Wer nimmt schon Ammenmärchen für bare Münze? Der moderne Mensch! Da frage ich mich, ob wir wirklich so modern und aufgeklärt sind, wie wir meinen zu sein.

        Zum anderen war der Kapitalismus von Anfang an nichts anderes, als ein wildes Hin- und Hergeschubse von Handelsbilanzen zwischen den Nationalstaaten. Die einen exportieren viel zu viel und importieren nur das Nötigste, die anderen importieren viel zu viel und exportieren zu wenig. Von einem Newton’schen Gleichgewicht, einer unsichtbaren Hand und einer Weltvernunft kann keine Rede sein, bis heute nicht. Und immer noch gilt diejenige Nation als Sieger im knallharten, mittlerweile globalisierten Konkurrenzkampf, die die positivste Handelsbilanz, also die meisten Exporte vorzuweisen hat, auch wenn das noch so zerstörerisch auf den eigenen Binnenmarkt zurück schlägt.

        Von der Epoche der Aufklärung sind wir noch sehr weit entfernt! Jetzt ist erst mal Kapitalismus!

        Schönen Tag noch,

        Gaby

      • Rote Socke sagt:

        Dank für den schönen Tag, Gaby!
        Zustimmung in fast allen Punkten, um das Thema beschließen zu können.

        Zur Reihe der abscheulichen Literaten darfst Du gern den Herrn Sarrazin noch hinzufügen. Obgleich seine Analysen sehr aufschlußreich sind, seine Synthese ist es in ihrer Weise auch, und fördert genau die Emotionen, von denen Du in Deinen Ausführungen sprichst (hast Du eigentlich schon selbst Bücher rausgegeben? Dein Schreibstil klingt danach!)

        Mit der Kapitalismusdefinition bin ich allerdings nicht einverstanden. Wie Du schreibst, ist es eine Formation, die ob ihrer Menschenfeindlichkeit überwunden werden kann und sollte. So richtig?

        Die Frage ist doch aber nicht die, ob das System als solches überwunden werden soll oder kann, sondern wie es möglich wäre, dem System die Krallen zu stutzen, bis es einen gangbaren Ausweg gibt. Da kommen wir wieder zu dem Phänomen der »sozialen Marktwirtschaft«. Sie ist aber nix weiter, als eine aufgepeppte Version des K., ohne die eigentlichen Grundlagen angetastet zu haben.

        Es gab mal einen wunderbaren Werbeclip, der ausnahmsweise kein Einkaufstip war, sondern ein gut gemeinter Hinweis: „AUCH DU BIST DEUTSCHLAND!“. Anknüpfend daran könnte ich mir eine Bewegung vorstellen, unter dem Logo einer Karikatur aus Sowjetzeiten, wo ein Rotarmist gebieterisch den Zeigefinger Richtung Bildvordergrund hält, praktisch auf den Betrachter zeigt, und dann diese Parole, und gemünzt auf all die, die Land und Leute aussaugen und das Volksvermögen verprassen und Krise auf Krise heraufbeschwören in ihrer Gier nach höherem Profit – denn nichts anderes habe ich mit meinem Hinweis auszudrücken gewollt: Der Anteil des Staates MUSS größer werden, die Vermögen MÜSSEN gestutzt werden, das Leben MUSS wieder lebenswert werden!

        In dem Sinne – frohes Schaffen!

      • Rote Socke sagt:

        Erlaube mir noch ein PS:
        Läßt mir keine Ruhe: Warum nehmen wir eigentlich den Begriff des Kapitalismus als gegeben hin? In einigen Auführungen soll er ja mit Marktwirtschaft umschrieben worden sein. Vielleicht ließe sich für den Zeitraum nach dem Ende des Feudalismus eine andere Bezeichnung finden?

        Ich meine damit, Gaby, daß es doch sicherlich förderlich wäre, Wesen und Erscheinungsform auseinander zu halten, oder? Das Wesen der Formation nach dem Feudalismus ist kapitalistisch orientiert, will sagen, daß der gesamtgesellschaftliche Gewinn kapitalisiert wird. Die Dinge, die Du weiter oben aufzählst, sind m.E. verschiedene Hüte ein und derselben Sache:

        Faschismus ist (nach einer Definition, die ich einmal bei einem arbeitslosen Arzt in Dresden gefunden habe und die für meine Begriffe sehr treffend ist, aber leider existiert die Quellangabe im Internet nicht mehr) ein ideologisches Mittel zur Beeinflussung von breiten Massen der Bevölkerung zur Durchsetzung von machtpolitischen Zielen durch die Überbetonung von Unterschieden in der Rassenzugehörigkeit (Natonalismus, Rassismus, Anti- und Semitismus bzw. Zionismus /ASZ/), Geschlecht (Feminismus, Patriarchismus), Religion (Katholizismus, Islamismus, ASZ), Weltanschauung (Stalinismus als »roter F.«!) usw.

        Kolonialismus ist eine der Formen der Beziehungen zwischen einem oder einer Gruppe von Staaten zu einem anderen oder einer anderen Gruppe von Staaten. Hier würde ich den Begriff des Imperialismus mit eingliedern. Die Sache ist ausbaufähig, denke ich.

        In dieser Hinsicht, meine ich, sollte mehr überlegt werden. Wie aber nennen wir nun den Kapitalismus?

        Beste Grüße!

      • Gaby sagt:

        Guten Tag, Rote Socke und Mitlesende,

        der Begriff „Kapitalismus“ ist ab dem 16. Jhr. ziemlich undifferenziert entstanden und bezeichnet heute eine Gesellschaftsform bzw. eine Produktionsweise, in der der Mensch in ethischer und moralischer Hinsicht immer wertloser, aber das Geld immer wertvoller wird. Zudem kennzeichnet den Kapitalismus, dass die Produktionsmittel in den Händen weniger Kapitalisten verteilt und die einfachen Menschen ihrer Subsistenzmittel verlustig geworden sind, sie also ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um leben zu können. Die ersten konkreteren Andeutungen lassen sich im 18. Jhr. finden. Im 19. Jhr. wurde der Begriff „Kapitalismus“ weit häufiger gebraucht und gegen Ende des 20. Jhr. wurde das Wort durch „Marktwirtschaft“ ersetzt, weil „Kapitalismus“ durch die vielen kriegerischen Unruhen der letzten 500 Jahre ganz einfach zu negativ besetzt ist.

        2004 hat der US-amerikanische Politwissenschaftler Matthew Lyons folgende (von mir stark verkürzte) Faschismusdefinition vorgelegt: „Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologie, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfalls.“

        Wir erinnern uns, dass ich weiter oben geschrieben habe, dass der Kapitalismus einen Ordnungsrahmen, also einen Staat, eine Nation braucht, um seine Kräfte entfalten zu können. Die Nationen und mit ihnen das Nationalgefühl bildeten sich ab dem 18. Jhr. heraus. Der durch die anonymen kapitalistischen Weltmärkte und immer ausgefeiltere technische Produktionsmethoden ausgelöste Konkurrenzkampf unter den Nationen führte im 19. Jhr. recht schnell zu dem, was wir heute Rassismus nennen. Unsere deutschen Aufklärer haben es sich zudem nicht nehmen lassen, stets die angeblich (!) große kulturelle wie technische Bedeutung der Deutschen überzubetonen, was unser Nationalgefühl vor allem im 20. Jhr. ziemlich anheizte, nachdem wir den 1. Weltkrieg verloren hatten und wenige Jahre später Nietzsches Herrenmensch folgerichtig eine Wiedergeburt in Form des Nationalsozialismus erfuhrt. Faschismus ist ein Produkt des Kapitalismus – so sehe ich das jedenfalls.

        Die Begriffe „Kolonialismus“ und „Imperialismus“ zu erklären, sprengt diesen Rahmen. Da empfehle ich Wikipedia. Bereits im 19. Jhr. wandelte sich der Begriff „Kolonialismus“ in „Imperialismus“. Vor allem die marxistischen und sozialistischen Geistesströmungen gehen davon aus, dass es zum Imperialismus der kapitalistischen Großmächte gekommen ist, um neue Absatz- und Rohstoffmärkte der eigenen Nation zu unterwerfen. Der Imperialismus ist in diesem Sinne eine Ausgeburt des Kapitalismus. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Kosten, die Kolonien zu unterwerfen, den Nutzen bei weitem überstiegen, wenn auch nicht in jedem Bereich, man denke nur an die Kolonialwarenhändler. Das eigentlich Neue am Imperialismus war die Entfesselung der militärischen Hochrüstung Europas und der übrigen industrialisierten Welt. Da allein der Kapitalismus den technischen Erfindergeist der Menschen seit dem 16. Jhr. enorm beflügelte, ist die militärische Aufrüstung der Moderne dem Kapitalismus geschuldet und die eigentlichen Gewinner des Imperialismus sind die Kriegswaffen-Produzenten.

        Und wenn wir nun ein paar Schritte weiter denken, wird klar, warum der 1. Weltkrieg als „die Urkatastrophe des 20. Jhr.“ gilt und auch der 2. Weltkrieg nicht von der Erscheinungsform des Kapitalismus trennbar ist. Alle diese Entwicklungen sind der Grund, warum ich immer wieder behaupte, dass Kapitalismus eine brandgefährliche, äußerst destruktive Angelegenheit ist. Ich vermeide aus innerem Protest heraus den verniedlichenden Begriff „Marktwirtschaft“ und nenne unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsform schlichtweg Kapitalismus.

        Beste Grüße

        Gaby

  5. Jens sagt:

    Ich seh es einfach so:
    Im sozioökonomischen Ranking liegt Skandinavien gefolgt von einer Gruppe aus GB, F, NL und B in Europa vorn. Alle anderen EU 15 Staaten und der Großteil der ehemaligen Ostblockstaaten bauen massiv ab, da ihrer Sozial- und Steuersysteme, Staatsektoren, Gewerkschaften und die politische Teilhabe zu schwach und ungerecht sind, soll heißen sie sind nicht zukunftsfähig. Natürlich bleiben die erstgenannten Länder nicht vom Neoliberalismus verschont, doch sind ihre historisch gewachsenen und gewollten wohlfahrtsstaatlichen und gesellschaftlichen Institutionen bis jetzt entscheidend.

  6. Wotan sagt:

    Vorschläge für ein paar Verkehrsregeln in der „sozialen Marktwirtschaft“:
    1) Beschränkung der Unternehmensgröße zur Wahrung der
    Konkurrenz durch Gesetz. Kein Unternehmen darf für sich systemrelevant oder zu mächtig werden. Das heisst: Zerschlagung der Energiekonzerne und der großen Banken. Sonst gibt es keinen Markt.
    2) Beschränkung der Globalisierung durch Handelsschranken zur Vermeidung von Sozial, Lohn und Umweltdumping. Der Protektionismus ist für die Neoliberalen die allergrößte Bedrohung, schlicht Teufelszeug: Freiheit fürs Kapital aber Mauern für die Menschen. Also: Lokal vor Global beim Wirtschaften ohne falschen Nationalismus.
    Jedes Lebewesen besteht aus Zellen, die kooperieren, aber jede Zelle schützt sich durch eine Zellwand und kontrolliert Ein und Ausgänge: Biologische Marktwirtschaft.
    3) Mitbestimmung der Arbeitnehmer über Produktion, Strategie und Gewinnverteilung ihres Unternehmens. Betriebsrat und Mitbestimmung (Drittelparität) per Gesetz. Eine soziale Marktwirtschaft mit tyrannisch geführten Unternehmen kann nicht funktionieren.
    4) Bedingungsloses Grundeinkommen, Rücknahme der asozialen Arbeitsmarktgesetze.
    5)Widerherstellung der demokratischen Kontrolle durch parlamentarische Institutionen, Priorität der Politik, z.B. die EZB darf nicht der politischen Kontrolle entzogen sein. Energievesorgung und andere lebenswichtige Güter müssen staatlich betrieben werden. Schluss mit der falschen Privatisierung.
    6) Nachhaltiges Wirtschaften ohne Wachstumsfetischismus, die soziale Frage kann nur ökologisch gelöst werden. Wachstum ist nur erforderlich zur Stabilisierung der tendenziell sinkenden Profitrate, also für die Anleger. Für die Bevölkerung wäre eine stabile Wirtschaft weit besser. Das waren nur einige Ideen, die für mich zählen, bevor ich die Philosophen befrage.

    • Rote Socke sagt:

      Gut gebrüllt, Löwe!
      Die angebotene Palette kann gern noch erweitert werden:

      Für die fortgeschrittensten Länder werden … die folgenden [Maßnahmen] ziemlich allgemein in Anwendung kommen können:

      1. Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben

      2. Starke Progressivsteuer.

      3. Abschaffung des Erbrechts.

      4. Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen.

      5. Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschliesslichem Monopol.

      6. Zentralisation des Transportwesens in den Händen des Staats.

      7. Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinschaftlichen Plan.

      8. Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.

      9. Vereinigung des Betriebs von Ackerbau und Industrie, Hinwirken auf die allmähliche Beseitigung des Unterschieds von Stadt und Land.

      10. Öffentliche und unentgeltliche Erziehung aller Kinder. Beseitigung der Fabrikarbeit der Kinder in ihrer heutigen Form. Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion usw.

      Sind im Laufe der Entwicklung die Klassenunterschiede verschwunden und ist alle Produktion in den Händen der assoziierten Individuen konzentriert, so verliert die öffentliche Gewalt den politischen Charakter. …

      (Quelle)

      Klingt alles etwas verstaubt, nach 150 Jahren, sollte mal neu aufpoliert werden. Ich meine, daß da durchaus Ansätze drin sind, die es lohnen täte zu verfolgen.

      • Gaby sagt:

        Guten Tag, Rote Socke und Mitlesende,

        dass unsere politisch linksdrehenden Artgenossen seit der Revolution von 1848 die linke Schwinge des Liberalismus sind, geht ganz deutlich aus diesen Worten hervor. Solche Vorstellungen wie „Arbeitszwang“ und „industrielle Armeen“, überhaupt die ganze psychische wie physische Gewalt, die in diesen Zeilen steckt, hat bereits der erzliberale, geistig vollkommen irre Jeremy Bentham zu Papier gebracht (1748 – 1832).

        Wie ich schon mehrfach schrieb: Karl Marx war bereits viel zu tief in den Kapitalismus versunken, als dass er sich ein Leben jenseits dieser Gesellschaft- wie Wirtschaftsform vorstellen konnte. Allerdings hat er den Kapitalismus in bis heute unschlagbarer Weise analysiert. Dafür schätze ich Karl Marx sehr. Aber ich schätze ihn nicht wegen des Kommunistischen Manifests.

        Wirtschaftsformen, egal welches ideologische Etikett sie tragen, die aufgrund ihrer Menschenfeindlichkeit nur mit Gewalt durchgesetzt werden können, lehne ich grundsätzlich ab. Die Soziale Marktwirtschaft war, trotz aller systembedingter Schwächen, für die einfachen Menschen ganz ok, glaubt es mir. Das war der beste Kapitalismus, den die Welt je hatte.

        Schönen Tag noch,

        Gaby

      • Rote Socke sagt:

        Einspruch, Euer Ehren!
        Was stört Dich an dem »Arbeitszwang«? Geh doch mal zurück, 150 Jahre (gesellschaftlich haben wir uns schon wesentlich weiter zurück entwickelt, nur die Produktivkräfte sind uns 200 Jhre voraus!): Marx wollte, daß gefälligst ALLE etwas zum Erfolg beitragen, und nicht, daß einzelne nur durch ihre pure Existenz oder Geburt Anspruch auf die Früchte der Arbeit anderer erheben.

        »Arbeit muß zu einem Bedürfnis werden!« – für mich ist es das, und für rund 16 Mio. meiner Landsleute war es das auch so, bis 89, jedenfalls. Und heute? – Wohin man schaut, Arbeit ist da, en masse! Aber – kein Geld, keine Leute! Das sind die primitivsten Ausreden, die nach wie vor gebraucht werden!

        Wenn wir auf Marx hören, dann wird auch genügend Geld da sein, um die Leute zu bezahlen, die die liegengebliebene Arbeit erledigen. Das hat mit Zwang nix zu tun, jedenfalls nicht primär, Gaby. Und das hat mit Ideologie auch nur sekundär was zu tun, und zwar von dem Moment an, wo man eine Denkweise zur herrschenden erhebt, zum Dogma, wie wir es 40 Jahre lang gehabt haben und wo uns eingebläut worden ist: Der Marxismus IST KEIN DOGMA! – Ist er auch nicht, aber man hat eins draus gemacht.

        Und: Warum habe ich (zum wiederholten Male) genau dieses Beispiel gebracht? – So ziemlich jede Reihe an Voschlägen, die zur Überwindung der gegenwärtigen Misere gemach werden, lassen sich auf die marx’schen Punkte aus dem M. zurückführen. Oder durch diese ergänzen. Zufall?

  7. Gaby sagt:

    Hallo, Rote Socke, Wotan und Mitdiskutanten,

    das Soziale einer Marktwirtschaft liegt stets im Auge des Betrachters. Und dieses Auge wird politischer- wie wirtschaftlicherseits solange nicht getrübt, wie der soziale Friede gewahrt ist, es also nicht unvermittelt zu großflächigen Sozialrevolten wie im 18. und 19. Jhr. kommt. Über 100 Jahre kapitalistischer Bürgerkrieg in Europa zwangen die Regierenden einst, eine Antwort auf die „soziale Frage“ zu finden, die sich für die Unternehmer jedoch nicht stellte.

    Von solch revolutionären Verhältnissen, wie sie aktuell nicht einmal in Griechenland zu finden sind, ist Deutschland weit entfernt, was unsere Politiker veranlasst, nach wie vor vollmundig zu behaupten, dass wir eine Soziale Marktwirtschaft haben und sich im neoliberalen Lager zynischerweise sogar eine Initiative gebildet hat, die sich Neue Soziale Marktwirtschaft nennt und mit allerlei neo-klassischen Rezepten den Abbau der noch vorhandenen sozialen Strukturen vorantreibt und gleichzeitig das liberale Unternehmertum fördert.

    Die Kampagne „Du bist Deutschland“, deren Slogan (leicht abgewandelt) aus der Nazi-Zeit stammt und die von Bertelsmann koordiniert wurde, sollte uns Bundesbürgern Mut machen, ganz im Sinne des Neoliberalismus mehr Eigeninitiative, mehr Eigenverantwortung, mehr spontane Freude und Nationalbewußtsein ob der negativen sozialen wie beruflichen Veränderungen in unserem Land zu entwickeln. Diese Kampagne hat rund 30 Millionen Euro gekostet, aber so dumme Sprüche wie „Dein Wille ist wie Feuer unterm Hintern“, haben nicht wirklich dazu beigetragen, den Deutschen das Unbehagen, das sie ob der ungezügelten Globalisierung und der sozialen Verwerfungen empfinden, zu nehmen. „Du bist Deutschland“ hat aber gezeigt, wie tief der Graben zwischen den Elementen Sozial und Marktwirtschaft seit dem 21. Jhr. geworden ist, dieser Umstand von unseren Politikern aber kaum (bewußt oder unbewußt) wahrgenommen, ja obendrein unsere berechtigten Existenzängste sogar noch in der naßforschsten Weise verhöhnt werden.

    Das Soziale liegt im Auge des Betrachters und solange die Deutschen weitgehend stumm, mit Hang zur psychischen Depression und der nicht Inanspruchnahme ihres Wahlrechts dem Abbau ihrer Sozialen Marktwirtschaft und des gesellschaftlichen Zusammenhalts zuschauen, wird das von unseren Politikern nicht nur als Einverständnis ihres Tuns gewertet, sondern werden sich unsere rechts- wie linksdrehenden Politiker ermuntert fühlen, ganz im Sinne der Wirtschaft dafür zu sorgen, dass die einzelnen Komponenten der sozialen Sicherheit immer weiter zusammen schrumpfen. Nach unten gibt es nur eine extrem niedrig angesetzte Grenze des menschlich Zumutbaren, wie uns nicht nur die europäische Kapitalismushistorie zeigt, sondern ganz aktuell die sozialen Verhältnisse in China, den Schwellenländern, der USA etc. pp.

    Zwar wird es niemals eine bundesweit publizierte Aufklärungskampagne „Du bist ein armseliges humankapitalisiertes Wirtschaftssubjekt“ geben, aber ich denke, Dr. Jahnkes Wirken trägt viel dazu bei, uns in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht zu bilden, uns also aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit des Kapitalismus zurück zu führen zum gesunden Menschenverstand. Gesellschaftliche Veränderungen, positive wie negative, nehmen ihren Anfang in den Köpfen, im Bewußtsein der Menschen.

    Ich wünsche Euch einen geruhsamen Sonntag,

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Nachdem ich paarmal drübergelesen habe –

      Hallo, Gaby,

      kann ich mich nicht zurückhalten, doch ein paar Worte dazu zu verlieren: Meinst Du wirklich, es sei subjektives Empfinden, inwiefern eine Gesellschaft sozial ist oder nicht? Oder anders, wann eine Marktwirtschaft sozial ist oder nicht?

      Meinst Du wirklich, es gäbe keine objektiven Indikatoren dafür? Schließlich betonst Du das 2x!

      Was den Slogan anbetrifft – Dank für die Nachhilfe, habe meinen Beitrag aber nicht so rum, sondern anders rum gemeint: AUCH ALDI, Ackermann und rund Tausend andere SIND DEUTSCHLAND! Auch sie müssen was dazu beitragen, daß sich das Land entwickelt und nicht nur dafür sorgen, daß Kapital, Volksvermöen, in den Händen von immer weniger Familien konzentriert wird.

      Geld ist liquides Gut und gehört in einen Kreislauf. Jedwedes Horten bringt den Kreislauf früher oder später zum Erliegen – genau den Zustand haben wir heute!

      Ich will der sarrazinschen Neiddebatte nicht das Wort reden. Das ist Quatsch! Kaum einer »neidet« den Herrschaften was, solange sie ihr Schärflein zum Wachsen der Gesellschaft beitragen. Millionäre sollen meinethalben solche bleiben, solange sie nix Besseres zu tun haben, aber sie sollen ihren Teil dazu beitragen, daß sich die Räder weiter drehen!

      Es kann nicht sein, daß in einer Welt, in der noch nie in der bisherigen Geschichte so viel Werte pro Zeiteinheit von so wenig Menschen produziert worden sind, wie heute, die Zielgemeinschaft dieser Produktion überwiegend unterdurchschnittlich subsistiert, es nur zu einem erheblichen Teil noch (!) nicht merkt, und sich die für sie produzierten Werte gar nicht leisten kann. Wofür produziert denn dann die Gesellschaft? Für den Export? Haha!

      Wir reden von Skandinavien und anderen Ländern, in denen diverse Dinge besser geregelt sind, als bei uns in D – aber warum? Sehen wir genau hin, dann sehen wir, daß der staatliche Sektor dort weit mehr entwickelt ist, als in D, daß dort dieUnternehmenssteuern enorm höher sind, als in D, und daß die Unternehmer dort – anders, als von der Politik in D befürchtet – alles andere tun, als von dort zu verschwinden, denn sie wissen ganz genau, daß ein prosperierendes Volk der beste Garant ist für ein weiteres Bestehen der Firma!

      Es ging mir um ein objektives Merkmal für Soziales in einer Marktwirtschaft. Da hätten wir sowas!

  8. Heinz Göd sagt:

    Guten Abend, Frau Gaby, Rote Socke und Mitdiskutanten,

    Dr.H.C.Binswanger hat in den 1990-er anhand eines
    einfachen Modells der Marktwirtschaft befunden:
    „Ein Wirtschaftssystem mit Geld und Zins muss wachsen(=zunehmen),
    ein Lauf auf gleichbleibender Höhe ist nicht möglich.“,
    dargelegt im Buch ‚Geld und Wachstum‘.
    2008 kommt auch Dr. Jürgen Kremer zum gleichen Ergebnis,
    siehe

    http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf


    http://rheinahrcampus.de/fileadmin/prof_seiten/kremer/applets/DynamicAnalysis/AppletDynamicAnalysis.html
    Kremer zeigt in seiner Berechnung auch, dass die
    ‚Umverteilung von unten nach oben‘ zwangsläufig ist.
    Er kommt zu dem Schluss:
    „Alternativen zu unserem zinsbasierten Finanzsystem
    sollten ernsthaft diskutiert, entwickelt, experimentell erprobt
    und schließlich umgesetzt werden.“

    Denkansätze für Alternativen gibt es ja bereits,
    einige davon zusammengestellt auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html

    Bis wir das neue System haben,
    muss aber das derzeitige System halbwegs gehalten werden –
    und dafür leistet Herr Dr.Jahnke mit seinem Infoportal
    einen wertvollen Beitrag.

    • Rote Socke sagt:

      Danke für die Hinweise und die Eigenwerbung, Heinz. Meine Meinung ist, es wurde schon genug experimentiert. Warum solche schwülstigen Konstrukte, wenn die Gute doch so nahe liegt? Ein Konzept, das auf einer Erhöhung der Verbrauchssteuern aufbaut, ist Schund, aber kein Konzept. Und – es läßt diejenigen außen vor, die ihre Taschen zum Bersten füllen und zwingt diejenigen wieder in die Knie, die ohnehin schon bis zum Hals im Dreck stecken!

      Daher kann es nur einen Weg geben, und das ist eine Besteuerung überdimensional großer Einkünfte, Vermögen und Gewinne (bei letzteren – um eine Hausnummer anzugeben – von nicht unter 80%, denn es ist Geld, das zusätzlich zur Kalkulation aus den Abnehmern rausgepreßt wurde!). Im Gegenzug kann die Gesellschaft, der Staat, Möglichkeiten schaffen, damit ein möglichst großer Kreis von wirtschaftlich aktiven Menschen angemessene Bestätigung ihres Seins finden können, sprich Kindereinrichtungen, Alteneinrichtungen, Museen, Paläste der Kultur und der Kunst, Gesundheitseinrichtungen usf., was in D mehr und mehr in den privaten Bereich entgleitet.

      So ville datsu.

  9. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Göd und Mitlesende,

    Zinsen sind keine Erfindung des Kapitalismus, die gab es bereits in den Tempelbanken der ersten Großreiche der Antike. Die Zinslast lag damals sogar bei 30 bis 50 %. Daran hat sich, meines Wissens nach, nie jemand gestört, weil wir es in den vorkapitalistischen Gesellschaften noch mit echter wertschöpfender Arbeit zu tun hatten. Ein Viehzüchter, der sich Geld auslieh, um seine Herde zu vergrößern, konnte relativ sicher sein, seine Schulden plus Zinsen bezahlen zu können, schließlich wuchs seine Herde, das Fleisch seiner Tiere wurde gebraucht und der Verkaufserlös seiner Tiere brachte ihm über die Zinslast hinaus einen auskömmlichen Gewinn. Das gleiche gilt für den Kaufmann, der sich Geld für die Versendung seiner Waren bei den Tempelpriestern lieh. Der ziemlich gewiss voraussichtlich zu erzielende Gewinn deckte die zu zahlende Zinslast und ließ natürlich noch einen guten Erlös übrig.

    Das christlich-katholisch geprägte Mittelalter verbot den Zins, weil es als undenkbar galt, dass sich Geld, also ein totes Ding, vermehren kann. Von den Juden, die einst Geld gegen Zins ausleihen durften, will ich jetzt nicht sprechen, da es den Rahmen meines Beitrags sprengen würde.

    Im Kapitalismus, einem System der reinen Geldvermehrung, dient der Zins als Anreiz, Geld zu sparen und dient somit als Anreiz für Investitionen, Altersversorgung, Konsum oder was auch immer. Das gilt sowohl für den Unternehmer wie den Privatmann. Die Produktionsweise des Kapitalismus dient aber grundsätzlich, im Gegensatz zu allen zuvorigen Zeiten, nicht der Bedürfnisbefriedigung der Menschen. Der Unternehmer produziert auf’s Geratewohl und kann sich glücklich schätzen, wenn der Markt seine Produkte abnimmt. Kapitalismus ist ein ziemlich abstraktes Glückspiel und unterscheidet sich nicht nur in diesem Punkt von der antiken und mittelalterlichen Lebens- und Produktionsweise.

    Die destruktiven Probleme des Zinses und Zinseszinses innerhalb der Kategorien des Kapitalismus entstehen immer dann, wenn der in der Ausleihung von Fremdkapital getane Vorgriff auf den erwarteten Mehrwert in Wirklichkeit nicht eintrifft, das Produkt also nicht verkauft werden kann. Wenn der Markt, die Konsumenten, das Produkt ablehnen, sei es, weil es uninteressant ist, sei es, weil die Kaufkraft fehlt oder die Konkurrenz das gleiche Produkt billiger anbietet, erzielt der Kapitalist keinen Erlös, mit dem sich der im Vorfeld aufgenommene Kredit plus Zinsen bezahlen ließe. Die Zinslast kumuliert trotzdem per Zinseszins und bedeutet im schlimmsten Fall den Bankrott des Produzenten und der Gläubiger verzeichnet einen Verlust, der ihn nun seinerseits in den Bankrott treiben kann.

    Der Zins an sich ist nicht das Problem. Problematisch ist allein die kapitalistische Produktionsweise, die sich im 16. Jhr. von den lokalen mittelalterlichen Märkten in den anonymen Weltmarkt hinein entwickelte. Um für den Weltmarkt produzieren zu können, muss immer mehr und mehr Fremdkapital im Vorfeld der Produktion für Investitionen in Maschinen und Rohstoffe aufgenommen werden. Ob dem aber ein entsprechender Erlös folgt, steht in den Sternen. Im Einzelfall ist der Bankrott eines Unternehmers ein bedauerliches Schicksal. Aber der Zins kann im Kapitalismus durchaus ein gesamtgesellschaftliches Destruktivereignis werden, wie wir seit der Wirtschaftskrise 2008 sehr anschaulich wissen.

    Dass die Zinsen heutzutage zu einer existenzvernichtenden Falle werden, ist der Absurdität der kapitalistischen Produktionsweise geschuldet und kann nicht dadurch gelöst werden, dass wir die Zinsen einfach abschaffen. Würden wir das tun, fehlte allen Marktteilnehmern der Anreiz, Geld zu sparen und Geld zu investieren. Die Produktiv- und Erfindungskraft des Kapitalismus würde erlahmen, es käme zum Stillstand, wie einst in der Sowjetunion und der DDR, die beide versuchten, die offensichtlichen Schwächen des Kapitalismus per Planwirtschaft zu mildern.

    Wenn man dem Raubtier Hauskatze die Krallen stutzt, um die Metapher Rote Sockes aufzugreifen, ist es kein Raubtier mehr, weil ihm wesentliche Elemente seines Seins fehlen. Vielmehr wird eine krallengestutzte Katze depressiv, weil sie sich weder gegen ihre Artgenossen wehren, noch auf Bäumen turnen, noch Kleintiere fangen kann. Wenn man der Katze die Krallen stutzt, ist sie keine Katze mehr; wenn man die Zinsen aus dem Kapitalismus entfernt, ist es kein Kapitalismus mehr. Eine verkrüppelte Marktwirtschaft kann keine praktikable Lösung innerhalb der ja trotzdem weiterhin existierenden Kategorien des Kapitalismus sein!

    Beste Grüße und alles Gute für die neue Woche,

    Gaby

  10. Wolfgang sagt:

    Kapitalismus floriert nur bei ständigem Kapital- und Absatz-Wachstum aus zwei Gründen: (1) die tendenziell sinkende Profitrate (Wettbewerb) kann nur durch Wachstum stabil gehalten werden. (2) Die steigende Produktivität erlaubt immer mehr Produkte pro Zeit zu produzieren. Der Profit kann nur dann stabil sein, wenn die Mehrproduktion auch abgesetzt werden kann. Wachstumsstörungen führen zu den bereits von Marx analysierten Krisen. Wir sind gerade in einer solchen. Andererseits hat schon der Club of Rome in den 1970er Jahren festgestellt, das das Wachstum aus stofflichen Gründen an Grenzen stößt. Der Kapitalismus ist also nicht kompatibel mit begrenzten Resourcen. Er ist aus Prinzip nicht nachhaltig: Wenn der Brennstoff verbraucht ist, erlischt das Feuer oder es zieht weiter. Mit der Globalisierung sind die planetaren Grenzen erreicht. Die Speicherfähigkeit für Abfallprodukte ist erschöpft. Weiteres Wachstum wird durch Rückkopplungseffekte teils katastrophal eingeschränkt. Wir brauchen eine stationäre Wirtschaft am Bedarf, oder neudeutsch an den „Bedarfen“, orientiert. Es wird nicht anders gehen: der Weltverbrauch und die Produktion von Gütern muss reguliert werden, nach möglichst ökologischen Prinzipien. Cuba z.B. liegt in der globalen Nachhaltigkeitsskala vorn, nicht mehr lange! Nicht alles am Sozialismus war schlecht. Die schlecht wirtschaftende sozialistische DDR hat nur wenige Prozent der Schulden angehäuft wie die prosperierende kapitalistische BRD. Wer hat über seine Verhältnisse gelebt? (Ironie)

    • Rote Socke sagt:

      Hallo, Wolfgang.
      Das ist doch eine Katze, die sich in den Schwanz beißt! (nein, nicht die, der ich dem Hörensagen nach die Krallen stutzen will! Das ist Gabys Erfindung! Ich will sie dem Geier stutzen, die Krallen, meine ich, aber der ist keine Katze nicht! 😉

      Also mal sorum gesagt, K. funktioniert nur dann, wenn er – intensiv oder extensiv – wachsen kann. Und wenn er das nicht kann?

      Wenn also im Werk nur noch ein Heinzelmann arbeitet und der mit Knopfdruck alle Maschinen bis zur Abfüllung bedient, wo früher mal 1000 Mann malocht haben … dann stehen 999 draußen im Regen und die Produkte gehen in den Export, ja? Und was, wenn dort auch niemand mehr die abolut wohlfeilen, weil bar jeglicher menschlicher Arbeit hergestellten Produkte abnehmen kann? Geht dann der K. nach Hause und heult sich aus, weil nix mehr looft?

      Interessant Deine Schlußfolgerung: Wenn nix mehr looft, dann looft Planwirtschaft, richtig? – Na? … Oder etwa nicht? – Oder Krieg: Haut’s alles z’samm!!! Und dann: »Bau auf, bau auf …« – Oh, Verzeihung. Aber irgendwoher kenne ich das Lied… Aber wenn man so richtig drüber nachdenkt – es geht halt nix über eine funktionierende solche, Planwirtschaft, meine ich, nicht das, was wir in der Zone hatten, Kommandowirtschaft. Oder?

  11. Heinz Göd sagt:

    Schönen Nachmittag, allseits

    Der Denkanstoß für mich, über Wirtschaftssteme nachzudenken,
    war die (politische) ErdölKrise 1973.
    Damals war ich als Techniker in einer Firma mit ca. 6000
    Beschäftigten in einem Ort mit ca. 40000 Einwohnern –
    die Firma war also lebenswichtig für den Ort.
    Die Araber haben damals kurz den Ölhahn zugedreht
    und innerhalb kurzer Zeit hatten wir in der Firma
    Kurzarbeit und Zwangsurlaub,
    aber in den verschiedenen Sparten verschieden.
    Es war für mich erschreckend, wie schnell da die
    niederen Instinkte des Menschen auf den Plan treten
    und wie schnell ein Ort absackt .
    Der Spuk war dann zum Glück schnell vorbei, weil
    die Saudische Königsfamilie für ihren aufwändigen
    Lebensstil die Erdöl-Einnahmen brauchten.
    Mich hat das aber nicht mehr losgelassen, dass eine
    so kleine Störung solche Auswirkungen hat.
    Meine Beobachtung des Verlaufes der Wirtschaft
    deuteten auf einen Wachstums(=Zunahme)-Zwang.
    In einer Diskussion mit Kollegen meinte einer:
    “Die Wirtschaft muss wegen der Bankzinsen wachsen
    (=zunehmen)”
    Hat mir eingeleuchtet –
    das entspricht auch der Modellrechnung von Binswanger
    und Kremer –
    und ich habe daraus geschlossen:
    “Der Kapitalismus ist grundsätzlich falsch, denn auf
    einer endlichen Welt kann nichts immerfort wachsen
    (=zunehmen)”.
    Daraufhin habe ich ein krisensicheres System gesucht,
    das Ergebnis meiner Überlegungen ist bekannt 🙂

    Ich glaube nicht an die ‚Soziale Marktwirtschaft‘,
    denn das war meines Erachtens lediglich
    ‚Kapitalismus nach einem Neustart‘
    und war etwa 1975 zu Ende,
    siehe das Schaubild der Deutschen Bundesbank

    Um wieder 25 Jahre ’soziale Marktwirtschaft‘ zu bekommen,
    bräuchte es möglicherweise wieder einen ‚Neustart‘,
    ich bin mir aber nicht sicher,
    ob ohne billiges Erdöl ein 2. Wirtschaftswunder nochmals möglich ist.

    Dass ‚Wirtschaftssysteme mit Geld und Zins‘
    schon im Altertum Probleme machten,
    lese ich aus dem ‚Erlaß-Jahr des Moses'(3Mo25,10) heraus,
    die jetzigen Probleme gab also schon vor 3000 Jahren
    – das ‚Erlaß-Jahr‘ war wahrscheinlich schon damals
    keine brauchbare Lösung
    und ich habe auch keinen Hinweis gefunden,
    dass es jemals durchgeführt wurde.

    Vielleicht liege ich falsch, und die derzeitigen Probleme
    lassen sich dauerhaft mit den Vorschlägen von
    Herrn Dr. Jahnke, Frau Gaby, Rote Socke, ….
    dauerhaft lösen.
    Leider gibt es kein Rechenprogramm, mit dem sich die
    Wirkungen dieser Maßnahmen über einen längeren Zeitraum
    berechnen lassen.

    Die nächsten Jahre werden sicher nicht einfach …

    Schönen Abend noch

    • Rote Socke sagt:

      Danke für die Graphik, Heinz!
      Die sagt doch genau das, was Herr Jahnke dauernd anspricht, und was an sich nix als eine Folge des Verteilungssystems im K. ist, solange nicht von der Politik gegengesteuert wird. Dem liegen auch meine Überlegungen zugrunde, denn von den überdimensional großen Vermögen profitiert ein lumpiges Prozent der Bevölkerung, 20% wähnen sich noch als die Gewinner, aber 80% sind eindeutig die Verlierer in diesem ungleichen Spiel. Daher meine ich – aufbauend auf den Slogan »AUCH DU BIST DEUTSCHLAND«, daß die Supervermögen mit mindestens 16% (Hausnummer) als Vermögens-Sondersteuer zur Kasse gebeten werden müssen. MÜSSEN! Alles andere ist kalter Kaffee. Und es MÜSSEN Schranken her, die sowas verhindern, daß der Markt von liquiden Mitteln leergefegt wird.

      Ich denke, da könnte was draus werden, oder?

      Unter den Voraussetzungen wären auch leistungsfreie Grundeinkommen möglich, ohne daß die Verbrauchssteuern angetastet werden müssen (die sollten, gegenteilig, eher wech).

      Beste Grüße!

    • Rote Socke sagt:

      Nohmal zu meinem Vorschlag: Mijardäre bleiben Mijardäre, und Mijonäre bleiben dabei Mijonäre, nur – wir könnten den Binnenmarkt beleben, ohne auf den Export angewiesen zu sein!

      Allerdings – was Du in Bezug auf die Endlichkeit alles Irdischen sagst – dem stimme ich zu. Diese Verschwendungssucht kann so nicht weitergehen! Aber – das haben wir vor 30 Jahren gesagt, vor 20 Jahren noch dran geglaubt, und vor 10 Jahren wurde angefangen, die sogenannten SUV zu bauen – fritzspressende … ähem, spritfressende quasimobiele Monster ohne ökonomischen Nutzen.

  12. Gaby sagt:

    Hallo, Rote Socke, Wolfgang und Mitdiskutanten,

    selbstverständlich ist die Soziale Gerechtigkeit subjektiv. Bitte schaut mal in die Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Gerechtigkeit

    Was mich an Marxens‘ Manifest stört? Beispielsweise der Zwang zur abstrakten Arbeit. Der Zwang zur abstrakten Arbeit ist ein Element des Kapitalismus! Weitere Elemente sind: die marktgerechte Vergesellschaftung der Menschen, ein moderner Staatsapparat plus Nation, industrielle Warenproduktion, Lohn, Profit und selbstverständlich, neben einigen anderen Dingen, die Konkurrenz. Marx spricht in seinem kommunistischen Manifest von einer Modifikation des Kapitalismus und nicht davon, sich vom Kapitalismus zu emanzipieren. Der real existierende Kommunismus und Sozialismus haben sich auch nicht vom Kapitalismus emanzipiert, sondern genau diese vorhin beschriebenen kapitalistischen Kategorien für sich selbst in Anspruch genommen. Damit sind sie eindeutig im Kapitalismus verhaftet geblieben.

    Wenn allerdings versucht wird, dem Kapitalismus auch nur eines seiner ureigensten Elemente herauszuschneiden, wie beispielsweise das freie Unternehmertum durch eine Planwirtschaft zu ersetzen, stirbt die Lust, Profit zu machen und das wiederum lässt die Innovationskraft der Unternehmer gegen Null sinken, womit dann auch der Wettbewerb stirbt. Am Ende, und das kommt ganz schnell, steht der Zusammenbruch eines derart verkrüppelten Kapitalismus.

    Es ist meiner Meinung nach keine praktikable Lösung, den Kapitalismus dadurch menschenfreundlicher zu machen, indem der Staat die Zinsen abschafft oder die Planwirtschaft einführt oder Unternehmern vorschreibt, wie viel sie produzieren, verkaufen und exportieren dürfen. Viel sinnvoller ist, wenn der Staat den Unternehmern die größtmögliche Freiheit lässt, er gleichzeitig dafür sorgt, dass die menschliche Arbeitskraft nicht über Gebühr ausgebeutet wird und er von den bereits erwirtschafteten Profiten einen guten Teil Steuern abzapft, um dieses Geld nicht nur für seine eigenen Belange, sondern vor allem für das Soziale in der Marktwirtschaft auszugeben. Das ist der „Dritte Weg“ – ein recht praktikabler, wie sich gezeigt hat.

    Schönen guten Abend, Herr Göd,

    gerne habe ich Ihre Ausführungen verfolgt, jedoch erlaube ich mir, einen kleinen Einwand bezüglich der Sozialen Marktwirtschaft zu machen:

    Die Soziale Marktwirtschaft wurde nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland vor allem deshalb installiert, um den Kapitalismus, also die Marktwirtschaft, zu stabilisieren, denn immerhin saßen unseren Politikern noch die Schrecken der vielen Sozialrevolten des 18. und 19. Jhr. tief in den Knochen. Außerdem gab es nach dem Krieg viel zu viele BürgerInnen, die die Nase gestrichen voll hatten vom Kapitalismus, wie damals, während der Großen Depression. Es war ein dringendes Gebot der Stunde, dem Kapitalismus ein menschlicheres Antlitz zu verleihen und natürlich diente die Soziale Marktwirtschaft auch dem zutiefst albernen (!!!) Zweck, den Kommunisten und Sozialisten beweisen zu wollen, dass der westliche Kapitalismus der bessere ist.

    Dass diese beiden Staatszusammenbrüche die Menetekel unseres eigenen Untergangs gewesen sein könnten, nehmen wir natürlich nicht wahr. Ebenso nehmen wir nicht wahr, dass uns im Falle eine Falles keine gereiftere Marktwirtschaft wird aufsaugen können, so, wie Deutschland die Menschen der untergegangenen DDR in seine Marktwirtschaft integrierte.

    Ja, wir brauchen einen Neustart und zwar in den Köpfen unserer globalen Führungstruppe. Unsere Kapitalisten sollten endlich einsehen, dass es ihnen selbst am meisten schadet, wenn eine Handvoll Menschen Milliarden von Dollar auftürmen, Millionen Menschen jedoch nicht einmal zwei Dollar am Tag verdienen, sich also gar nichts aus der bunten Glitzerwelt kaufen können. Da wir derzeit nicht aus dem Kapitalismus aussteigen können, wünsche ich mir, dass jedes Land dieser Erde wenigstens die Soziale Marktwirtschaft einführt. Aber das sind pure Wunschträume, wenn ich mir die global verstreuten, lobbygetriebenen Leit-Egomanen so anschaue.

    Bis denne und noch einen schönen Abend in die Runde,

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Ja, Gaby,
      nun bring doch bitte nicht alles durcheinander! Machst mich ja richtig meschugge! Wer redet denn hier von »Gerechtigkeit«? Dazu noch eine soziale solche? Klar doch, Gerechtigkeit an sich ist subjektiv! Da brauchen wir nicht drüber zu streiten. Aber die so oft besungene »Soziale Marktwirtschaft« sollte doch zumindest objektiv nachvollziehbar sein, oder? Also: Entweder, sie ist konkret nachweisbar da, oder sie ist nicht da. Und wenn sie nicht da ist – was ja bis jetzt von so ziemlich allen Seiten festgestellt wird – was ist denn dafür erforderlich, damit sie wieder da ist?

      Und Deine Kritikpunkte am Karlemann – kann ich nicht teilen. Was ist schlecht am Zwang zur abstrakten Arbeit??? Klar doch, daß jedes Mitglied einer Gesellschaft dieser so viel an Nutzen geben sollte, wie es dazu in der Lage ist, das zu tun. Und wer das nicht tut, fliegt raus! Jemand, der nur auf Kosten anderer – ohne eigene Gegenleistung – dahinschmarotzt, ist alles andere, als nützlich für die Gesellschaft.

      Die Betonung liegt dabei auf »nützlich«! Weiß schon, worauf Du anspielst – Arbeitszwang in der DDR: Die Formel als solche ist zuuuuu simpel! Es gab einen Zwang dazu, nicht der Gesellschaft auf der Tasche zu liegen, sofern es keine objektiv bedingten Gründe dafür gab (z.B. Invaliden). Also, eine Familie, in der die Entscheidung getroffen wurde, daß Madame sich Heim und Kindern widmet (wie das in der einen Ehe bei mir der Fall war, schade nur, daß die Dame das dafür ausgenutzt hat, mit dem Nachbarn vom Schrebergarten anzubändeln…), da war die Frau seffaständlich anerkannt dahingehend, daß sie ja die familiären Dinge in Ordnung hält und somit nützlich für die Gesellschaft ist. Ein Schlumich aber, der sich durch Glücksspiel und hier und da paar zwielichtige Geschäfte über Wasser hielt (wie das für die moderne Gesellschaft nix Besonderes ist!), galt als nicht tragbar für dieselbe und mußte »erzogen« werden. Dafür hat es bis Anfang der 70-er Arbeitslager gegeben. Mein Onkel war 2x zu Gast in einem solchen. Ist ihm »gut bekommen«. Er selbst hatte keine Arbeitsstelle, auch keinen Bock auf A., seine Frau auch nicht, und er hat mal hier mal da geschurwerkt… Sieht so aus, als hättest Du einen Horror vor abhängiger Arbeit, oder?

      Die anderen Punkte: Dialektische Aufhebung, haben wir das genannt (s. Stück weiter oben). Bis was Neues erfunden wird, muß es erstmal auch so gehen. Und es ging. Problematisch in der heutigen Diskussion ist, daß Plan- und Kommandowirtschaft munter durcheinander gewürfelt werden. Das eine hat nur bedingt was mit dem anderen zu tun, das andere ist schädlich – das haben wir durch. Ohne Plan wird keine Wirtschaft, auch nicht die in der Gegenwart, und ohne Industrieproduktion gehen wir alle zu Fuß und sitzen im Finstern.

      Dank übrigens für den Hinweis darauf, daß Marx nicht von Revolution, sondern von Modifikation des K. spricht – genau das ist meine Meinung auch!

      Deshalb habe ich mir ja auch einen Bart wachsen lassen!

      🙂

    • Rote Socke sagt:

      Entschuldigung, mir ist da noch was in die Nase gefahren.

      Hallo, Gaby.
      Im letzten Absatz – was Du ausdrücken willst, ist mir schon klar, aber – ich bin mir sicher, daß 100% des deutschen Präkariats froh wäre, wenn es mit einem Gegenwert von 2 Dollar – wie Du schreibst – pro Tag auskommen, sich ernähren, kleiden, wohnen könnte und nicht mit Kleinigkeiten geizen müßte. Die Löhne und Gehälter auf Kuba sollen in der Größenordnung liegen.

      Ehe ich die Entscheidung getroffen hatte, mein Glück im Reußenlande zu versuchen, habe ich auch erstmal Marktanalyse betrieben. Ich war erstaunt, daß meine jetzige Madame mit sagenhaften 180 Euretten umgerechnet (6.000 Rubel, damals Kurs 1/30, heute 1/40) hat über den Monat kommen und noch einen Kleinkredit bedienen können.

      Es kommt nicht auf die Höhe dessen an, was ein Mensch für seine Arbeit bekommt, es kommt m.E. darauf an, was er mit seiner Knete anfangen kann. Es ist horrend zu sehen, wie die Preise und die Kosten in D und anderswo in die Höhe schießen!

      Deshalb begrüße ich die Idee mit einem gesellschaftlichen Neuanfang, wie immer er auch aussehen möge, wenn er denn ein Leben frei von den heutigen Sorgen und Nöten brächte.

      • Gaby sagt:

        Guten Tag, Rote Socke und Mitlesende,

        Entschuldigung, dass ich jetzt indiskret erscheinen mag, aber welchen Lebensstandard führt Deine Lebensgefährtin von umgerechnet 180 Euro? Was kann sie sich leisten und was nicht?

        Beste Grüße aus dem sonnigen Rheinland,

        Gaby

      • Rote Socke sagt:

        Grüße aus dem langsam abtauenden Eisschrank!
        Von Lebensstandard kann freilich nicht die Rede sein, aber: Sie hat ihre Wohnung davon bezahlen können (damals ca. 50 eus/Monat, inkl. Müll und Wasser, rund 40 qm Altbau 1917 Bj.), Gas/Heizung (15 eus), Telefon (ca. 8 eus), Strom ca. 5 eus, Kreditrate ca. 50 eus und leben können, auch als Quarzerin (ich auch, *öhö-öhö* Quarzer, jaja, ich weiß, ist nicht gut usw., Schachtel Kippen 50 Ct.). Monatskarte Straßenbahn/Bus 100 Rubel/3 eus, Lebensmittelpreise damals: Kartoffeln 25 ct./kg, Brot 30 Ct./500 grs., Butter 180 grs. 80 ct., Eier 10 Stck. 60 ct., Fleisch ca. 7 eus/kg, usw. und sich kleiden (Garderobe um 20..50 eus).

        Seit 2006 haben die Preise um 100 … 150 … 200% zugelegt. Nur 2 Beispiele: Straßenbahnfahrt 2006 fünf Rubel, heute 12 Rubel, Brot heute 50 ct., Kartoffeln 1 euro… bei gleich gebliebenem Gehalt. Naja, Arbeitsstelle wexeln ist nicht, sie geht auf Mitte 50 zu. Ab 35 ist mann/frau hier auch alt.

        Ich selbst bin für russische Verhältnisse Großverdiener im unteren Mittelsegment mit ca. 5.000 eus offiziell (cs. 6.000 mit Schwarz) pro Jahr bei 10% Abzügen (Steuer/ Rentenv./ Sozialvers.). Eine Krankenschwester hat hier um 3.000 Rubel, leitender Arzt 8.000, Lehrer 5.000-8.000 je nach Verantwortungsbereich (weil die nix Vernünftiges gelernt haben und dauernd die Kinder fragen müssen ;), Türsteher im Kaufladen 12.000 (bei täglich 14 Std. Dienst), Busfahrer um 20.000, ich habe um 30.000 Rubels/Monat. Kurs 1/40.

        Wie gesagt, es müssen nicht hohe Beträge sein, die jemand kriegen soll für seine Arbeit, er muß nur mit auskommen können. Leider galoppiert hier die Inflation, aber keiner geht hin … ähem, keinen hebt das an. Ich bin der einzige, der dauernd meckert. Ich durfte auch schon mal zu Fuß gehen, weil mich ein Busfahrer rausgesetzt hat… Ja, so sindse hier, rauh, und doch habe ich sie alle lieb!

  13. Heinz Göd sagt:

    Hallo Rote Socke

    Ja, ich glaube auch, dass Du das richtig siehst
    und dass Deine Vorschläge auch greifen.
    Ebenso kann ich auch die Vorschläge von Herrn Dr. Jahnke
    unterschreiben.
    Dass ich das Infoportal für wertvoll halte,
    habe ich ja gesagt.
    Ich weiß nur nicht, wie lange der Kapitalismus hält.
    Die ErdölKrise 1973 hat mir die Zuversicht genommen:
    ich habe den Kapitalismus als zu störanfällig wahrgenommen.
    Meine Problemliste ist auch noch ein bisschen länger.

    Kann sein, dass sich alle Probleme innerhalb des
    Kapitalismus lösen lassen – ich weiß es leider nicht;
    die Theorie scheint zwar dagegen zu sein, aber
    vielleicht gilt auch da der Spruch der Techniker:
    „Theorie ist,
    wenns gehen sollte und doch nicht geht;
    Praxis ist,
    wenns geht und keiner weiß warum.“
    Als ehemaliger Techniker in einer EntwicklungsAbteilung
    war für mich das Experiment der Normalzustand
    und ich hatte mich auch immer bemüht,
    für alle Fälle auch ein paar Ersatzpläne zu haben.
    Das hat sich auch ganz gut bewährt,
    denn in der Technik läuft es öfter nicht so,
    wie man sich das am Anfang so schön vorgestellt hat.

    Für mich sind die Maßnahmen in der Wirtschaft
    auch nur Experimente – weiß ja auch keiner sicher,
    wie es ausgeht – und ‚2069‘ betrachte ich als ‚Plan B‘:
    Dass er dem westlich aufgewachsen Menschen nicht gefällt,
    war mir schon zu anfang klar 🙂
    Spielt auch keine Rolle, denn vorerst müssen wir ja
    mit dem derzeitigen System klarkommen und da hast Du
    und Herr Dr. Jahnke eindeutig die Nase vorn.

    Freundliche Grüße

    PS; das Diagramm habe ich von
    http://www.inwo.de/index.php?id=79
    ist jetzt geändert,
    meines ist nicht das Original der Bundesbank
    steht aber als Quelle drauf (Lupe)
    orange Säulen=Geldvermögen(alle,nicht nur priat???)

    • Rote Socke sagt:

      Zustimmung, Heinz! Danke!

      Ergänzung zu dem, was ich oben gebracht hatte: Muß Dir wieder klein beigeben – es ist in der Tat so, daß eine vernünftige und auf Zukunft programmierte Gesellschaft von allen Elementen was hat bzw. haben sollte, marktwirtschaftliche (um nicht kapitalistische zu sagen), sozialistische i.S.v. der Verteilung des gesellschaftlichen Mehrprodukts, und auch kommunistische i.S.v. Schaffung und Erhaltung von staatlichen Betrieben und Einrichtungen (mehr ist und mehr soll kommunistisch auch nicht sein – vor allem, bar jeglicher Idiotologie!).

      Zu unserem Glück haben wir das Grundgesetz so, wie es derzeit noch besteht. Leider gibt es eine unselige Bewegung in unserem Lande, die vorgibt, sich vom 146-er Artikel des GG leiten zu lassen, wonach das GG mittlerweile obsolet sei. Ich hoffe in meinem Innersten, daß diese Banausen NIE mit ihren Vorstellungen durch kommen, denn noch ist die durch das GG besiegelte verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik so gestrickt, daß sie sowohl Einschnitte in die Verteilung, als auch Vergesellschaftungen zuläßt, also sowohl sozialistische (Art. 14) als auch kommunistische (Art. 15) Erscheinungen (nach meiner zugegebenermaßen unbedarften Lesart).

      Wollte das nur noch zur Diskussion gestellt haben.

      • Heinz Göd sagt:

        Hallo, Rote Socke,

        Ich bin laut Pass ‚Österreicher‘,
        abstammungsmäßig irgendeine altösterreische
        Promenadenmischung und möglicherweise hat auch
        ein Hunne ein paar Gene beigesteuert –
        meine Base hat Augen mit einer Mongolenfalte 🙂
        bin daher im deutschen GG nicht sattelfest
        und fühle mich auch nicht berechtigt,
        über deutsche Politik zu diskutieren,
        mich kostet die österreichische olitik
        bei jeder Wahl vor lauter Zähneknirschen einen Zahn,
        weil mir eigentlich kein ParteiProgramm richtig passt.
        Mir wäre direkte Volksabstimmung zu wichtigen Themen
        lieber – in der Schweiz geht das ja auch.
        Was in die Hände von Staat bzw. Kommunen soll,
        darüber sollten m.E. die Bürger abstimmen.

        Da die österr. Wirtschaft stark von der deutschen abhängt,
        schaue ich ab und zu übern Zaun,
        da finde ich Verwandtschaften, z.B:
        http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/schulden-staedtetag-kommunen-2
        http://www.zeit.de/2009/12/DOS-Cross-Border-Leasing
        http://de.wikipedia.org/wiki/Cross-Border-Leasing
        Die Artikel in der Zeit-Online sind zwar zu poetisch –
        aber dafür sind die Kommentare sehr aufschlussreich
        bezüglich der deutschen Befindlichkeit –
        wie repräsentativ sie sind, kann ich natürlich nicht beurteilen.

        Wünsche Euch in D noch viel Glück im ‚Wahljahr 2011‘,
        es bewegt sich ja etwas in unerwartete Richtungen,
        z.B. Baden-Württemberg (kenne ich ein bisschen)

        Freundliche Grüße

  14. Heinz Göd sagt:

    Schönen guten Abend, Frau Gaby,

    Vielleicht war die ’soziale Marktwirtschaft‘
    in Österreich und Deutschland nicht gleich.
    In Österreich habe ich das so in Erinnerung:
    Der Wiederaufbau in Deutschland bewirkte eine
    Hochkonjunktur in Österreich.
    Es gab Arbeit für alle, wirklich alle.
    Die Arbeiter konnten gute Löhne verlangen.
    Die Unternehmer und Manager glaubten,
    dass dies so bliebe – und taten etwas dagegen:
    Man holte ‚GastArbeiter‘ ins Land.
    Die Werber versprachen den zukünftigen ‚GastArbeitern‘
    das ‚Blaue vom Himmel‘.
    Und die Menschen kamen,
    zügeweise Männer, übernächtig, zigarettengeselcht,
    mit Pappkoffer und Plastiksack,
    kaum Frauen.
    Die ‚GastArbeiter‘ wurden in die miesesten Unterkünfte
    gepfercht, Baracken, feuchte Kellerwohnungen, –
    und das zu unverschämt hohen Mieten.
    Die Österreicher sprachen mit ihnen ‚Kanaksprach‘ und
    schanzten ihnen die schlechtesten Arbeiten zu.
    Die ‚Gast‘-Arbeiter waren ‚Fremd‘-Arbeiter,
    behandelt als Menschen 2. und 3.Klasse,
    ‚Gäste‘ waren sie nicht –
    dabei kamen sie aus Ländern, in denen Gastfreundschaft
    viel galt – wer damals in Jugoslawien und Türkei war,
    weiß das.
    Wer in einer Baracke lebt, riecht danach,
    daher wurden die FremdArbeiter von den Einheimischen
    auch nicht eingeladen (integriert).
    Die FremdArbeiter suchten also Ihresgleichen
    und bildeten Parallelgesellschaften –
    2 Gesellschaften mit gegenseitiger Verachtung.
    In Österreich war die ’soziale Marktwirtschaft‘
    eine üble 2-KlassenGesellschaft und
    der Mensch ein Kostenfaktor genauso wie jetzt.
    Wie das in Deutschland war, weiß ich nicht,
    ich habe Sarrazins Buch nicht gelesen -werds auch nicht-,
    denn so wie ich ihn einschätze, erwähnt er die
    Vorgeschichte der’GastArbeiter‘-Misere nicht,
    zudem weiß ich für jetzt auch keine Lösung für diese ‚Altlast‘ aus der ’sozialen Marktwirtschaft‘.

    Tut mir leid, dass ich das Zeitalter der ’sozialen Marktwirtschaft‘ nicht so positiv sehe. Ich hatte
    während meiner Schulzeit bedingt durch ein Erlebnis
    mehr jugoslawische, griechische, türkische, ägyptische
    und arabische als österreichische Freunde.
    Und ich träume von einem Wirtschaftssystem, in dem
    alle Menschen ihre Stärken einbringen können und
    in dem ihre Schwächen ausgeglichen werden.
    Das verstehe ich unter sozial und ich glaube, dass
    das die Menschheit eher weiterbringt.

    Allseits noch einen guten morgigen Tag

  15. Wolfgang sagt:

    ich stimme Heinz voll zu. Die „Fremdarbeiter“ waren eine Erfindung der Kapitalisten genauso wie die EU, um die Löhne zu drücken. Heute heisst das Facharbeitermangel. Immerhin gab es die 68 Revolution im Paradies der sozialen Marktwirtschaft. Wie soll ein dritter Weg aussehen? Mit diesem Slogan haben Schröder und Blair die asoziale Marktwirtschaft voran getrieben. Auch die nordische Variante ist dabei, in völkischem Radikalismus zu ertrinken. Ein freies Unternehmertum und ein liberalisierter Markt führen fast zwangsweise zum Monopolkapitalismus. Marx Kritik an Adam Smith war berechtigt. Smith`s Ideen funktionieren in der Biologie für die Evolution der Arten wie Charles Darwin richtig abgeschaut hat, aber nicht in der Wirtschaft.

  16. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    der wirtschaftsliberale Friedrich-August von Hayek hat in seinem Buch „Die verhängnisvolle Anmaßung: Die Irrtümer des Sozialismus“, 1988, einen ziemlich entlarvend Satz geschrieben:

    „Obwohl der Missbrauch des Wortes sozial weltweit nachweisbar ist, nahm er seine extremste Form vielleicht doch in Westdeutschland an, wo die Verfassung des Jahres 1949 vom „sozialen Rechtsstaat“ spricht und von wo aus sich die Vorstellung einer Sozialen Marktwirtschaft verbreitete – in einem Sinne, die sicherlich nicht in der Absicht ihres Protagonisten Ludwig Erhard lag. (Er versicherte mir einmal in einem Gespräch, für ihn müsse die Marktwirtschaft nicht erst sozial gemacht werden, sie sei es bereits von ihrem Ursprung her.)“

    Das heißt, dass die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland bis in die 1970er Jahre und in reduzierter Form vermutlich bis zum Ende des 20. Jhr. aus wirtschaftsliberaler Sicht eine recht beispiellose Form des sozialen Interessenausgleichs zwischen Kapital und Bürgern war. Und genau so habe ich diese Republik auch persönlich wahrgenommen. Die Abkehr von der Sozialen Marktwirtschaft, insbesondere seit Anfang 21. Jhr., skizziert sich (in unvollständiger Aufzählung) folgendermaßen:

    Die Reduktion des Einflusses der Gewerkschaften,

    die allgemeine Veränderung der Wirtschaftspolitik Richtung deregulierter Märkte,

    die Beschränkung der Staatsausgaben, vor allem im sozialen Bereich,

    die Senkung der Steuern für höhere Einkommen,

    die Privatisierung verstaatlichter Industrien und sonstiger Staatsbetriebe,

    Einführung der Privatwirtschaft bezüglich des nationalen Gesundheits- und Erziehungswesens,

    der Begriff „Freiheit“ bedeutet heutzutage, insbesondere für unternehmerische Individuen, die ungehinderte Generierung ihres steuerlich geförderten Wohlstandes.

    Dreh- und Angelpunkt der Abkehr von der einstigen bundesdeutschen Sozialen Marktwirtschaft ist die Auffassung, dass die Reichen steuerlich entlastet werden müssen, weil sie die meisten Investitionsmittel bereit stellen können. Auf diese Weise tropft der Wohlstand angeblich automatisch von oben nach unten.

    Zur Abkehr von der Sozialen Marktwirtschaft gehört auch die Annahme, dass die steuerliche Entlastung großer Einkommen nicht zu einer Minderung des staatlichen Steueraufkommens führt, sondern sogar ein größeres Steueraufkommen erwarten lässt.

    Weiter gilt, ganz im Gegensatz zur Sozialen Marktwirtschaft, die Auffassung, dass es relativ sinnlos ist, die Armen zu fördern.

    Ich hoffe, ich habe verständlich erklärt, was die einstige Soziale Marktwirtschaft Deutschlands, trotz aller ihrer von den Mitdiskutanten genannten Schwächen, auszeichnete und wie sich die Situation heute darstellt. Wie Dr. Jahnke bereits titelte: „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“.

    Das Deutschland, in dem wir heute leben, ist sehr stark von den beschriebenen neoliberalen Einflüssen geprägt. Wir sind mittlerweile eine recht kaltschnäuzige, hartherzige Nation geworden (womit ich nicht die Mitglieder dieses Forums meine und auch nicht Herrn Dr. Jahnke).

    Bis denne,

    Gaby

  17. carolus sagt:

    sinn eines wirtschaftssystems ist jedem mitglied einer gesellschaft eine faire basis zu verschaffen,in der jeder mensch nach seinen möglichkeiten sich entfalten kann.soweit so gut.
    aber was hat man in der realen wirtschaft,wie sie jetzt in D betrieben wird,aus diesem hehren ziel gemacht?
    wie es aus dieser seite von j.jahnke klar beschrieben hervorgeht,ist die wirtschaft nur noch mittel zum zweck für ein paar wenige(dem obersten prozent).
    begriffe wie solidarität,mitgefühl und auch sozialer ausgleich geschweige denn sozialer friede interessiert kein schwein mehr in den vorstandsetagen und auch parteizentralen.
    wie aktuell wieder deutlich zu sehen,wird immer nur bei den ärmsten gestrichen.
    ( http://www.fr-online.de/politik/meinung/sparen-bei-den-schwaechsten/-/1472602/8355694/-/index.html )

    was ist mit der transaktionssteur,was mit erhöhung des eigenkapitalanteils bei den banken?was ist mit erhöhung der reichensteuer?was ist mit erbschaftssteuer?was ist mit einführung des mindestlohns?was ist mit klarer einwanderungspolitik mit klaren regeln wer überhaupt kommen soll siehe kanada?
    und so weiter

  18. Rote Socke sagt:

    Hallo, Carolus.
    Möche mich da kurz zumischen: Ich bin konsequenter Gegner von solchen Diskussionen, von wegen »Mitgefühl« oder »Soliarität«. Wer soll mit wem mitfühlen oder sich solidarisieren? Die untersten Gruppen der Bevölkerung? – Da hat jeder mit sich selbst zu kämpfen. Die kommen gar nicht erst auf den Trichter!

    Die, die noch Arbeit haben und sich überlegen wähnen? – Wer hat mit denen Mitgefühl, wo sie doch der offen vertretenen Meinung sind, daß sie die Hartzler durchschleppen müssen!

    Die Vorstandsetagen? Die Regierung vielleicht? Das Uschi? – Da kommt nix! Heart of stone! Steinernes Herz – Hoffmann läßt grüßen, aber nicht der Ex-Verteidigungsminister! Wenn der Jüngling (komme jetzt nicht auf den Namen) nicht sein Herz gegen ein solches aus Stein getauscht hätte, hätte er auch nicht solch ein Vermögen machen können! Genau das wiederholt sich in eben jenen Kreisen. Scheint Natur zu sein.

    Wemst soll Mitgefühl helfen? Dem Hartzler? Der braucht kein Mitgefühl, der braucht eine Aufgabe und entsprechende Entlohnung. Und das zu geben braucht es weder das eine, noch das andere, sondern kluge Entscheidungen auf Regierungsebene, damit solche Arbeitsstellen entstehen, und keine Klugschwätzer, wie einen Herrn Sarrazin, der sich mehrfach selbst widerspricht – aber der darf das ja, hat die Kohle dazu!

    Wollte das nur mal so in die Diskussion gestreut haben.

    • carolus sagt:

      ohne echtes mitgefühl und echte solidarität ist alles verloren.
      nicht zu verwechseln mitgefühlsduselei ,um das ehrenamt und die tafel als universallösung für die armut in d zu propagieren.das menschen wie ursula von der leyen nicht die richtigen ansprechpartner sind,ist klar.
      es muss sich einiges ändern.nicht nur in den parteien und vorstandsetagen,sondern eben auch in den medien wie sie jetzt existieren.
      aber du hörst nur noch ein wort.sparen.es wird nur noch irgendein blödsinn gesendet.wenn überhaupt etwas kritsches gesendet wird,dann zu absolut schrägen sendezeiten,wo niemand mehr zusieht oder eben formel 1 oder fussball auf den anderen kanälen läuft.

      das war auch der grund warum ich den kommentar der fr hier reingestellt habe.

      • Rote Socke sagt:

        Versteh Dich schon, Carolus.
        Nur: Wem nutzt »aechte« Solidarität? Ein halberwege vernünftiger Zusammenhalt des Präkariats wäre ja schon mal was, aber – da scheiden sich auch die Gemüter: Die einen sind linksgestrickt, wie gewisse Socken, andere drehen rechts rum, andere wiederum drehen gar nicht oder durch und wählen aus Tradition schwarz, anstatt so zu arbeiten! Und immer wieder: Jeder gegen jeden! Schlimm, das!!!

        So ein Haufen muß sich selbst erstmal solidarisieren, ehe er andere zu sich ziehen kann! Daher meine ich, hohle Diskussion, das. Herr Jahnke gibt eine Richtung vor, die (nicht nur) ich durchaus für gangbar halte, unabhängig von gewissen Vorlieben, gibt Rüstzeug für die Diskussion. Was fehlt, ist unsere Reaktion. Schon gut, daß wir uns weitestgehend wertefrei austauschen können. Wäre noch schöner, wenn wir über Klüfte hinweg des anderen Hand finden könnten – aber nicht aus Solidarität, sondern aus Kampfgeist für ein besseres Morgen.

        Boah!

  19. Wolfgang sagt:

    hallo Rotsocke, ich bin auch etwas allergisch auf alte Fremdwörter, „es lebe die Sodilarität des Protelariats…“ aus einem Kinderbuch für Erwachsene gegen „Fremdwörter“ (Walter Moers, Der Schrecksenmeister, Hörbuch). Außerdem empfehle ich J. Rifkin „die empathische Zivilisation“ als Gegensatz zur Wettbewerbsideologie. Von Rifkin habe ich zum ersten Mal (in einer Außenansicht der SZ) die richtige Erklärung der Finanzkrise gehört: Lohnsenkungen in den USA in den 90 wegen Produktionsverlagerung nach China, kompensiert durch billige Kredite, um die Konjunktur zu stabilisieren. Die faulen Kredite haben die Krise nur hinausgezögert, waren aber nicht die Ursache. Darüber hatte ich eine heftige Telefondiskussion mit Herr Müller (NDS). Gabi hat die wesentlichen Elemente der neoliberalen Revolution präzise zusammengefasst. Für mich fehlt nur: Arbeitszeitverkürzung bei teilweisem Lohnausgleich zur Teilhabe der Arbeitnehmer an der Produktivitätssteigerung wird ersetzt durch: Immer weniger müssen immer mehr für immer weniger arbeiten. Statt Altersteilzeit nun Rente mit 67.

    • Rote Socke sagt:

      Und genau da funken wir auf einer Welle, Wolfgang! Ist auc schon entweder beim Herrn Jahnke oder beim Herrn Kreutzer angeklungen: Diese Banausen in der Regierung machen genau das Gegenteil von dem, was sie tun müßten, um das Lehm in D in Schwung zu halten:

      Anstatt die Unternehmenssteuern zu erhöhen und ungerechtfertigt hohe Vermögen und Erbschaften an der Schaffung und Erhaltung blühender Landschaften und gesunder Kinder zu beteiligen, werden die Verbrauchssteuern (sprich MWSt.) und – ganz enorm – die mobilitätsbedingten Steuern (Sprit und Kfz.-Steuern) erhöht. Das ist Schwachsinn!

      Und in diesem Atemzug noch das Rentenalter: Es müßte runter auf 55…50 für Männlein und Weiblein! Eben WEIL immer weniger immer mehr in immer kürzerer Zeit schaffen! Und was machen die? Reden dummes Zeugs von einer Überalterung der Gesellschaft!

      Klar doch! (s. Jahnke-Rundbrief von heute) – Wenn weniger Kinder in die Welt gesetzt werden, sind automattisch mehr Alte da als Junge, und selbst für die wenigen, die geboren werden, werden über kurz oder lang die Arbeitsplätze nicht reichen, und dann noch diese unselige Zuwanderung – die sind doch alle entweder meschugge oder bekloppt!

      Nein, nicht alle, Wolfgang, wir hier nicht! Aber auf uns hört ja keiner. Sch…weinerei. Prost! На здоровье !

  20. Gaby sagt:

    Herzlichen Dank für Deine gestrige, detaillierte Antwort bezüglich des Lebensstandards im Reußenlande, Rote Socke!

    Deine Argumentation „Es kommt nicht auf die Höhe dessen an, was ein Mensch für seine Arbeit bekommt, es kommt [..] darauf an, was er mit seiner Knete anfangen kann“, hört sich im ersten Moment ungeheuer plausibel an, aber beim zweiten Hinsehen tut sich eine ziemlich marktradikale Denkweise auf, die da heißt:

    ‚Es kommt nicht darauf an, dass sich der Lohnabhängige ein genüßliches, sorgenfreies Leben zu leisten vermag, sondern es kommt darauf an, dass er seine Arbeitskraft erhält und sich selbst reproduziert, damit den Kapitalisten die Arbeitsarmeen nicht ausgehen.‘ Deiner Argumentation, Rote Socke, fehlt meines Erachtens schlichtweg die soziale Sicherheit und der Genuß in Form der Möglichkeit, sich viele schöne, völlig überflüssige Dinge aus purem Spaß am Konsumieren leisten zu können.

    In der Sozialen Marktwirtschaft war es gesellschaftlicher Konsens, die Lohnabhängigen derart reichlich zu entlohnen, dass sie sich vielerlei Luxus leisten konnten, der weit über das Existenzminimum und die Reproduktionskosten hinaus gingen; selbst das vorzeigbare Eigenheim wurde für viele, auch für mich, real. Nie zuvor in der 500-jährigen Geschichte des Kapitalismus haben die Mehrzahl der Deutschen, auch die, die keine Arbeit hatten, derart satt, gesund, gut gekleidet und mit allerlei Luxus ausgestattet gelebt, als in den wenigen Jahrzehnten der deutschen Sozialen Marktwirtschaft. Das ist historisch wirklich einmalig!

    Seit ca. 1990 ist es neoliberaler bundesrepublikanischer Konsens, die Löhne, Gehälter und Arbeitslosenunterstützungen der einfachen Menschen derart zu drücken, dass sie mit ihrem Geld kaum mehr auskommen, ohne ständig ihre Girokonten allmonatlich zu überziehen. Diese Leute träumen erst gar nicht vom Eigenheim, gar Premium-Auto, die sind froh, wenn sie ihre Mieten bezahlt bekommen und am Monatsende nicht hungern müssen. Der Neoliberalismus macht, ganz im Gegensatz zur Sozialen Marktwirtschaft, aus den Deutschen peu á peu das, was sie seit den Anfängen des Kapitalismus immer waren, nämlich armselige Kartoffelfresser, die sich teilweise nicht mal den Überfluss erlauben können, die Kartoffelschalen den Schweinen vorzuwerfen.

    Es kommt also sehr wohl auf die Höhe der Einkommen an, die heute, aufgrund der enormen Produktivkräfte der deutschen Wirtschaft, noch sehr viel höher liegen sollten, als in der einstigen Sozialen Marktwirtschaft. Ohne Moos nix los! Das gilt insbesondere für unseren Binnenmarkt, der nicht florieren kann, wenn den Menschen nur ihr existenzieller Mindestbedarf entlohnt wird. Und wo kein blühender Binnenmarkt, da wächst die Arbeitslosigkeit mit all den vergesellschafteten, verheerenden Folgekosten.

    Bis denne,

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Klar doch, Gaby, ich wollte aber nicht des Konsumdenkens bezichtigt werden! Wenn ich schreibe, dass man was mit dem, was man so bekommt (das übliche Dilemma in D: Die einen bekommen nicht annähernd das, was sie verdienen, andere verdienen nicht das, was sie bekommen, und noch andere nehmen sich einfach das, was sie meinen zu brauchen – 🙂 – Jaja, soll ein Witz sein! – 🙂 etwas anfangen können sollte, dann impliziert das für mich die einfache UND die erweiterte Reproduktion, wofür der Kapitalist auch seine Haut zum Markte trägt, und das Recht fordere ich für uns Fußvolk auch!

      Und die erweiterte Reproduktion bedeutet, für mich jedenfalls, mir mehr leisten zu können, als die bloße Erhaltung der Art oder der Race, wie es mein alter Freund Karlemann ausdrücken würde.

      Wenn mich niemand dafür verurteilt, bin ich so frech zu sagen, daß wir es trotz der für deutsche Verhältnisse vergleichsweise geringen Einkommenslage im vergangenen Jahr geschafft haben, rund 60% der Haushatsgeräte (gezwungenermaßen, weil sie über den Jordan gingen, teils noch mit Hammer und Sichel drauf) zu erneuern, und einen höherwertigen Staubsauger brauchten wir auch, denn der andere war ein Turbo-Staubpuster, Marke „Sojus“, Bj. 1984, und 2 Laptops (1x für Herrn Sohn, 1x für Madame) haben wir uns auch zugelegt und sind im September 2 Wochen durch D gedüst in einem Kleinbus, und außerdem gehen wir mindestens 1x/Monat in eine Kulturveranstaltung, alle 2 Wochen zieht es mich in eine Kneipe zu einer Art Verein – alles Dinge, die ich mir die letzten rund 10 Jahre in D entweder habe verbeißen müssen oder für die es erst gar keine Möglichkeit gab (wie Kultur, z.B., also Klassikkonzerte, dich man sich anhören kann).

      Gaby, sieh doch bitte nicht alles so schwarz! Das Leben ist so herrlich, jeden Tag geht die Sonne wieder neu auf, und wenn man sie nicht sieht, wäscht vielleicht der Regen gerade die Luft draußen wieder sauber – Kapitalist hin, Leben her!

      Und … Ober! – zwei … was möchtest Du gleich trinken?

    • Rote Socke sagt:

      Oh, Verzeihung, bin etwas abgeglitten…

      Nur noch 1..3+/- Zeilen, ok? – Was die Frage der 70-er ++ Jahre betrifft und das Leben der einfachen Leute bzw. die Frage Marktwirtschaft und sozial – ich will nur in den Raum stellen, daß es zu der Zeit eine Konkurrenzgesellschaft gegeben hat, über die der Durchschnittsbundesbürger herzlich wenig aufgeklärt gewesen ist, dank damals schon sehr tendenziöser Berichterstattung.

      Mehr sage ich nicht dazu. (trau mich nicht…)

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