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global news 2535 08-11-11: Der große Irrtum: Die neoliberale Form der Globalisierung ist nicht einfach eine Fortsetzung älterer Formen

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13 Responses to 2535

  1. Hajdy Do Bajdy sagt:

    Wobei interessant ist, dass in der US-Wirtschaftslehre es gar nicht auf die Arbeitsqualität ankommt, sondern nur auf die Arbeitslosenzahl.
    Laut Timothy Tayler, in der Video-Lektion “TTC – America and the New Global Economy”, ist der Produktionsanstieg in Europa von 1970 bis in die 1990, ohne gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen, also Produktionsanstieg bei gleichzeitig “hoher” Arbeitslosigkeit, damit verbunden gewesen, dass der Arbeitsmarkt in Europa zu reguliert war. Zuviel Urlaub, Lohn, zu teure Sozialversicherungen. Dies ist die gängige Wirtschaftslehre in den USA.
    Da kann man sich doch an den Kopf fassen, dass nur wichtig ist, dass die Firmen einstellen. Dies heißt, wenn die Arbeit fast kein Kostenfaktor, also Risikofaktor ist.
    Jedoch wie sich zeigt, so hat diese Einstellung ein Gesundheitssystem geschaffen, dass eben die US-Ökonomie in die Knie zwingt. Vor allem mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung.
    Hier könnte man, vielleicht, auch die Motivation suchen für die jetzige Beschäftigungsstatistik in der BRD. Hauptsache irgendwie beschäftigt. Dies macht eigentlich keinen Sinn. Der Wert, so scheint es, kommt erst durch führende Wirtschaftsexperten, die Beschäftigung vollkommen losgelöst als wirtschaftliches Maß ansetzen.
    Und wenn man dann noch auf die heutige Arbeitslosenzahl in den USA sieht, obwohl der Markt noch weniger reguliert ist und sogar schon Schulen privatisiert werden.
    Komme jetzt zum 6 Video von insg. 38. Vielleicht lerne ich ja noch etwas dazu. Man könnte ja Menschen in ein Drehrad stellen, das Strom produziert 🙂 Wer schneller läuft, der bekommt eher Rente 🙂

  2. puk sagt:

    Dass die deutschen Arbeitnehmer keine Gewinner der Globalisierung sind liegt nicht an der Globalisierung selbst, sondern an den Gesetzen im Zuge der Agenda 2010. Sie haben ja oft dazu geschrieben, dass gerade die Dumpinglöhne zu einer Abwärtsspirale und einem Niedriglohnsektor in Deutschland geführt haben, der seinesgleichen sucht in Euroland. Hätten in den letzten 20 Jahren die Löhne mit der Produktivität und dem Inflationsausgleich mitgehalten, wären die Löhne heute um mindestens 20% höher.

    • globalnote sagt:

      Die Agenda 2010 war auch und gerade eine Reaktion auf die Globalisierung und war nur mit dem Argument ihrer Notwendigkeit im globalen Wettbewerb durchsetzbar. Natürlich stand die Bundesregierung gleichzeitig an der Front der Globalisierungsbetreiber, was in Deutschland meist nicht verstanden wird, vor allem nicht im linken Spektrum, siehe die ziemlich dümmliche Bezeichnung von Flassbeck als „Deutschland“ = Gewinner und die langjährige Begeisterung auch deutscher Linker für die Exportüberschüsse. Der Globalisierungsdruck kam natürlich nicht aus der Eurozone, sondern aus Osteuropa nach Osterweiterung der EU (besonders von Deutschland auf dem Balkan nach Rumänien und Bulgarien betrieben) und vor allem aus China, dessen WTO-Aufnahme auch wieder sehr stark von Deutschland mitbetrieben wurde. Dazu kamen dann die ständigen Verlagerungsdrohungen deutscher Unternehmen, die die Gewerkschaften weichklopften. Und sehr oft ist ja Produktion nach China verlagert worden oder dorthin abgewandert, was zu diesen enormen chinesischen Exportüberschüssen (auch mit Deutschland) und Devisenreserven geführt hat.

      Sie müssen wirklich die Globalisierung im Detail analysieren, um ein volles Bild zu bekommen.

      • puk sagt:

        Der Export nach Asien und die USA beträgt gerade mal 30% der in die Eurozone 40% und nach Gesamteuropa 70%. Wie sie daraus einen Druck der Osterweiterung und vor allem China herleiten können ist nicht ganz schlüssig. Dass die SPD und andere die Globalisierung als Druckmittel benutzt haben und weiterhin benutzen ist unstreitig.

      • globalnote sagt:

        Es geht hier nicht um die Mengen sondern um die Lohnverhältnisse. Informieren Sie sich bitte zu den enormen Lohndifferenzen mit den Beitrittsländern und vor allem mit China, denn von denen geht der Globalisierungsdruck auf die deutschen Löhne aus, zumal wenn die Arbeitgeber mit Verlagerung drohen oder Verlagerung vornehmen.

        Außerdem geht es nicht um Exporte sondern Importe.

      • puk sagt:

        Entscheidend sind die Lohnstückkosten nicht die Löhne oder wie Sie schreiben: Lohndifferenzen. Bei den Lohnstückkosten, einem Indikator für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, hat sich Deutschland gegenüber den meisten Ländern in der EU erneut
        verbessert. 2008 stiegen zwar auch die deutschen
        Lohnstückkosten etwas an, in den letzten 10 Jahren seit Einführung des Euro konnte aber nur Finnland als einziges Land im Euroraum seine Konkurrenzfähigkeit stärker steigern als Deutschland. Deutschland ist bei den Arbeitskosten sogar nur am oberen Rand der Niedriglohnländergruppe.

      • globalnote sagt:

        Es ist sehr schwer, mit Ihnen zu diskutieren, weil Sie ständig hin und her springen. Es geht nicht um die Eurozone (das habe ich schon einmal betont), sondern um den globalen Wettbewerb mit dem Rest der sich entwickelnden Welt, vor allem den Beitrittsländern und Asien und hier China. Da sind auch die Lohnstückkosten wesentlich niedriger als in Deutschland. Ich wäre dankbar, wenn wir die Diskussion hier ruhen lassen könnten. Denn mit Ihrer Methode, ständig vom Thema abzuweichen, kommen wir nicht weiter.

  3. [...] sagt:

    Ich denke, der entscheidende Unterschied zwischen der heutigen neoliberal-geprägten Globalisierung und der ursprünglichen Form von Globalisierung ist der Verlust unseres Wertesystems. Wir alle haben bereits eine Form von sozialer Marktwirtschaft kennengelernt, die auch global handelte, aber den einfachen Arbeitnehmer am Gewinn teilhaben ließ. Umso größer ist der Schock, dass es heute nicht mehr so sein soll. Es wäre auch heute noch möglich eine sozial-gerechte Form von Globalisierung zu etablieren ohne dass global-agierende Konzerne in den Ruin zu treiben. Aber diese Entwicklung konnte nur möglich gemacht werden, weil die Entscheidungsträger von heute anscheinend nicht mehr über gesunde Werte wie Respekt, Rücksichtnahme, Toleranz, Demut oder gar Bescheidenheit verfügen. Was hat man Menschen wie Schröder in der Schule beigebracht, dass er kaltherzig genug war eine ganze Gesellschaftsschicht verarmen zu lassen?

  4. Torsten sagt:

    die neoliberale Globalisierung ist in der Tat ein Sysmemwechsel, herbeigeführt durch vielerlei Entgrenzungen und Deregulierungen.
    Z.B gab es bis vor der neolibarealen Globalisierung Zölle, Kapitalverkehrskontrollen und regulierte Wechselkurse. Aktien konnten nicht in Riesenpaketen steuerfrei verkauft werden, und Speukation war eingedämmt weil erstens die Nationalstaaten mehr zu sagen hatten und zweitens Lehren aus der Weltwirtschaftskrise 1929 gezogen worden waren. Das war einmal Konsens aller Parteien! Im Schutz dieser sinnvollen Regulierungen konnten Länder wie Korea, Taiwan und auch Japan ihren Aufstieg vollziehen, weil nur so ein Aufstieg überhaupt gelingen kann, wie es uns zuletzt China vormacht. WIe es garantiert nicht geht, beweisen die tödlichen Rezepte von IWF und Weltbank: staatliche Energieversorger, Wohnungsbau- , Telefongesellschaften und andere Renditeträger ans Kapital – am besten Heuschrecken – verscherbeln und dem Staat die Kostentreiber überlassen. All das war in der 70er Jahren auf dem europäischen Kontinent undenkbar. Wir brauchen wieder Grenzen, Kapitalverkehrskon-trollen, Ächtung der Steuerparadiese (auch auf den Kanalinseln) und ein Zurechtstutzen der Finanzmafiaplätze in London und an der Wallstreet, die längst zu Feinden der Realwirtschaft geworden sind. Und dann muss dringend eine gerechtere Einkommensverteilung erkämpft werden.

  5. Gaby sagt:

    Guten Tag miteinander,

    ohne die rasante Computerisierung der Welt seit Mitte der 1970er Jahre würde es keine neoliberale Globalisierung geben. Allein in dieser Technik liegt bereits der Unterschied zu allen früheren internationalen Handelsbeziehungen.

    Der neoliberale Kapitalismus ist mit dem Ziel angetreten, durch hohe Profitanreize mehr Wachstum und Beschäftigung zu erzeugen. Heute können wir feststellen, dass die Globalisierung grandios gescheitert ist. Es entsteht kein Wachstum, Unternehmensgewinne werden nicht beschäftigungswirksam sondern arbeitsplatzvernichtend reinvestiert und als Folge davon fehlt es den Binnenmärkten an Kaufkraft. Wann hat es jemals in der Geschichte der Menschheit einen derart destruktiven weltumspannenden Handel gegeben? Es ist kompletter Blödsinn, die Globalisierung des 21. Jhr. als „alten Hut“ zu verniedlichen.

    Nicht nur dass, wie […] anmerkt, die Menschen ihre sozialen Sicherheiten verlieren, hinzu kommt, dass mittlerweile viele junge Leute der kapitalistischen Kernländer (!) nicht einmal mehr die Hoffnung auf ein gutes Leben haben. Sie gleiten in die Perspektivlosigkeit ab, was zur noch stärkeren Erosion der Gesellschaftsverträge führen kann. In Brasilien wird fast täglich auf Straßenkinder, Bettler, Obdachlose, Prostituierte, Kleinkriminelle etc. geschossen, als gelte es, Ungeziefer los zu werden. Oft sind es reiche Angetrunkene, die aus ihren teuren Autos heraus auf die von diesem abartigen System ausgespuckten Menschen schießen. Der Wert eines Menschen reduziert sich im Neoliberalismus auf seinen Nutzen für die Arbeitswelt; die Menschen werden eingeteilt in edle, niedere und überflüssige Humanressourcen.

    Wie nie zuvor in den globalisierten Handelsbeziehungen, haben wir es heute mit einem brutalen Wirtschaftskrieg zu tun, der die Menschen millionenfach ausbeutet, in die Armut speit und ihnen ihre Zukunft raubt und das alles (noch) weitgehend ohne militärische Gewalt. Nein, diese enorm destruktiven Dimensionen aller Orten sind kein altbekannter „Hut“.

    Viele Grüße

    Gaby

  6. Heiner sagt:

    Zum Thema:
    Die Transnationalisierung der Weltökonomie hatte die nationalen Volkswirtschaften als Ausgangspunkt. Heute dringt sie an ihre Quellen zurück und setzt die nationalen Volkswirtschaften unter den unausweichlichen Zwang zum transnationalen Wettbewerb. Die Produktion von „Hochwertprodukten“ die das globale Konsummuster prägen findet fast ausschließlich innerhalb transnationaler Netzwerke unter Führung sogenannter“Systemführer“ statt. Ihre transnationale Organisationsfähigkeit setzt sie in die Lage, und zwingt sie auch, Forschungs-Entwicklungs- und Produktionsstandorte an vielen alternativen Orten in der Welt zu errichten. Ganze Nationen werden gezwungen, sich als „Standort“ anzubieten, d.h., mit Infrakstruktur und „wettbewerbsfähigen“ Arbeitsbedingungen gegeneinander zu konkurrieren.
    Weltweit setzt sich die Tendenz durch, gerade in den dynamischen Wirtschaftszweigen immer mehr die Arbeitskosten, damit auch die betreffenden Einkommen zu „flexibilisieren“, d.h.,
    ZU SENKEN!. Nur jene Menschen, die im immateriellen“Problemlösungsbereich“ tätig sind, die wegen ihrer besonderen Fähigkeiten nicht einfach wegrationalisiert werden können, sind mit hohen Einkommen an den Vorteilen des technologischen Spitzenwettbewerbs beteiligt. ÜBER DEM REST hängt ständig das Damoklesschwert des Qualifizierungs-, Status-, Arbeits- und Wohlstandsverlusts infolge des transnationalen Wettbewerbs; er lebt in ständiger Angst des sozialen Abstiegs.
    Selbst Angesichts dieser Bedrohungen können die Nationen dem transnationalen Anpassungszwang nicht entrinnen. Sonst riskieren sie, das die „Systemführer“ entweder Zulieferer in anderen Ländern unter Vertrag nehmen oder ihre Produktionsstätten dorthin „auslagern“
    „Ausscheren“ ist aber auch aus anderen Gründen nicht möglich.
    Keine Gesellschaftsschicht wird freiwllig auf die Möglichkeit verzichten wollen, sich am „High-Tech“ Konsum zu beteiligen. Der basistechnologische Unterschied zwischen Luxus- und einfachen Konsumgütern ist mit wenigen Ausnahmen fast verschwunden. Wer wollte heute die Geräte der Unterhaltungselektronik, Autos, Verkehrsflugzeuge, Informations- und Kommunikationsmittel usw. zum Luxus erklären?……….
    Das Warenangebot ist im Vergleich zu früheren Jahrzehnten fast unendlich groß geworden. Auf die Wachstumschancen der Weltwirtschaft wirken sich diese perversen Formen des transnationalen Wettbewerbs indes katastrophal aus.
    …….Das Problem weltweiter kapitalistischer Organisation betrifft aber nicht nur die weltmarktinternen Widersprüche und Konflikte.Es besteht darüber hinaus darin, daß die diversen Segmente des Weltmarkts, der Handels-, der Produktions-, der Geldmarkt u.ä. m., zwar von einzelnen Institutionen in weltweiter, von den entwickelten Ländern dominierter Kooperation geregelt werden soll- wie GATT bzw.IHO,IM,Weltbank,Siebener Konferenz(Der Schreiber:heute sind es halt andere und G20 und gleich verstrickt und unfähig)
    Es gibt jedoch keine Instanz, die die einzelnen“Märkte“ gesamtökonomisch und weltgesellschaftlich auch nur zusammenzusehen und ihren mikro- und makropolitischen Folgen zu kalkulieren und zu verantworten vermöchte.
    Auch in dieser Hinsicht ist die Nichtinstitution Weltmarkt in einem prekären Zustand.(Der Schreiber:wie HEUTE!)
    Vermehrter Grund, die Wachstumszwickmühle zu überspielen, und sich in Wachstum sans phrase zu stürzen, das die sozialen Probleme periodisch und regional überdeckt.
    Also:
    Die Weltökonomie weist nicht nur Ungleichheiten auf; sie reproduziert dieselben ständig.
    Aus:Narr/Schubert/Weltökonomie/Die Misere der Politik/94
    MfG

  7. Frank D. sagt:

    Ökonomisch kommt man nicht weiter.

    Wie wärs mal mit einer politischen und gesellschaftstheoretischen Analyse? Stichworte:

    Interventionismus als Globalstrategie.
    Imperialismus nach INNEN und AUSSEN.
    Militärisch-industrieller Komplex.
    Konzernmedien und ein betrügerisches Finanzsystem zum Zweck der
    Herrschaftssicherung einer 1% Elite.

  8. Gaby sagt:

    Guten Tag in die Runde,

    nachdem ich gerade eben die neuesten Kommentare gelesen habe, habe ich mich gefragt, welche Lektüre mir am allerbesten geholfen hat, die neoliberale Globalisierung zu verstehen. Es ist das Buch

    „Globalisierung: Legende und Wahrheit“,
    ISBN 978-3-940459-56-5,
    Autor: Dr. Joachim Jahnke.

    Hier wird uns Laien verständlich erklärt, was Globalisierung ist, wie uns unsere Politiker veräppeln, welche Auswirkungen die derzeitige aggressive Form der Globalisierung auf uns Menschen materiell und psychisch hat und in welcher Weise unter anderem die Volkswirtschaft China als rabiates Brecheisen eingesetzt wird, nimmersatte Vermögensinteressen gegen die sozialen Erwartungen der „einfachen“ Menschen weltweit durchzusetzen.

    Das Buch ist im Jahr 2008 erschienen, hat aber absolut nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil. So manches Ungemach, das sich in 2007/2008 diffus abzuzeichnen begann, hat Dr. Jahnke thematisiert und heute sehe ich ganz konkret, dass Dr. Jahnke keine „Teufel an die Wand“ malte, sondern Recht behalten hat.

    Viel Spaß beim Lesen!

    Gaby

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