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global news 2533 04-11-11: Das (falsche) Märchen vom armen griechischen Mädchen und dem bösen Spekulanten-Wolf

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15 Responses to 2533

  1. Was das CDS-Volumen angeht, mit dem mehr oder weniger nackt herumspekuliert wird, sollten wir den Blick vielleicht nicht zu sehr auf Griechenland verengen. So haben allein US-Banken aktuell ein 518 Milliarden Dollar Risiko in CDS auf europäische Staatsanleihen. Interessant wäre mal zu sehen, in welchem zeitlichen Verlauf dieses Portfolio auf US-Seite aufgebaut wurde 😉

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/30248/

    • globalnote sagt:

      Ja. Ich habe doch selbst geschrieben: „Dieser mögliche Domino-Effekt auf die CDS-Verkäufer und vor allem bei einer Ansteckung von CDS für Anleihen anderer Krisenländer muß von den Behörden überwacht werden, und deshalb braucht der gesamte und äußerst gefährliche CDS-Markt viel mehr Transparenz. Nackte CDS müssen unbedingt verboten werden, so schnell wie möglich. Doch das ist nicht das Problem für Griechenland. Doch das sind bei Leibe nicht alles und wahrscheinlich nicht mal mehrheitlich „nackte“ CDS. Das meiste dürfte reguläre Versicherung von Anlegern sein, die Staatsanleihen halten.

      Doch geht es mir vor allem um die Hysterie bei Griechenland und Spekulaten. Das ist der Sinn meines Rundbriefs.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Hajdy Do Bajdy sagt:

    Da blickt doch keiner mehr durch.

    Jedoch ist klar, dass durch CDS erst ein Anreiz besteht, dass Länder in Krisensituationen kommen. Ist also das gleiche Muster wie mit den Gewinnen bei Krieg.
    Da bei CDS nicht unbedingt ein Schaden entstehen muss, ist es also nicht wichtig, dass Griechenland wirklich pleitegeht. Es ist sogar nicht erstrebenswert. Wichtig ist, dass eine Krisensituation geschaffen ist, in der man mit CDS reichlich handeln kann.

    Dies ist die Welt der Banker und die Banker befriedigen damit die Politiker, die Schulden aufnehmen.

    Die Schulden sind das Druckmittel, mit denen man bis jetzt jede Politik durchsetzen konnte. Diese Argumentation hat man in den Medien ungefähr vor 10-15 Jahren versteckt von Wirtschaftsexperten, die der CDU nahestanden, erfahren können. Aus der heutigen Sicht würde ich sagen, dass man damit bewusst das Rechtssystem der BRD unterwandern wollte und möglicherweise schon in Angriff genommen hat.

    Was mich augenscheinlich bei den jetzigen Nachrichte am meiste beunruhigt, dass ist die größere Bedeutung des IWFs.

    Einerseits könnte man dies verstehen, gerade im Zusammenhang mit der Erscheinung der G20. Jedoch die Geschichte des IWF lehrt uns doch, dass diese Einrichtung kein einziges Land jemals aus der Krise geführt hat. Eher im Gegenteil. Solche Länder wie Brasilien hatten gerade das Schlimmste verhindert, da diese sich unabhängig von der Politik des IWF gemacht haben.
    Wenn man an Argentinien denkt, dann kann die jetzige Entscheidung der G20 mit dem IWF richtige Ängste hervorrufen.

    • globalnote sagt:

      Ich versuche doch gerade Ihnen und Anderen beim Durchblicken zu helfen. Wenn Sie sich nicht helfen lassen wollen, kann ich es eben nicht. Wir sprechen hier über Griechenland, wo eben nicht reichlich mit CDS gehandelt wurde, eher zu wenig (sonst hätten die Banken nicht diese Probleme). Das zeigen die von mir zitierten Volumina. Sie werfen jetzt das Thema CDS mit der Sozialisierung der Schulden durch staatliche Entlastung der Banken durcheinander, was ein ganz anderes Thema ist.

      Was die Schuldenargumentation vor 10 bis 15 Jahren gewesen sein soll, ist mir nicht klar. Und von einem Unterwandern des Rechtssystems Deutschlands (wir sind auch nicht mehr BRD, die besonders in der DDR für die Bundesrepublik Deutschland übliche Bezeichnung, sondern seit der Wiedervereinigung schlicht „Deutschland“).

      Die von Ihnen angesprochene, und in der Vergangenheit sicher nicht besonders überzeugende Rolle des IWF hat mit meinem Rundbrief sehr wenig zu tun und ist ein anderes Thema. Sie sollten allerdings auch akzeptieren, daß sowohl Griechenland wie Italien jahreland in Schulden gesuhlt haben und für ihre Probleme zunächst einmal selbst verantwortlich sind, bevor der deutsche Steuerzahler, der immerhin – anders als sehr viele Menschen in Griechenland oder Italien – in der Regel seine Steuern zahlt, einspringt. In Griechenland gibt es auch heute noch kein funktionierendes Steuersystem. Daß Steuern nun über die Stromrechnung eingetrieben werden sollen, sagt doch allles. Es gibt auch kein Katastersystem, mit dem die Immobilien der Reichen erfaßt werden können (auch deswegen der Umweg über die Stromrechnungen) und es gibt kein System zur Erfassung der Luxusjachten in Piräus, außer gelegentlichem Augenschein durch Steuerbeamte, die ihrerseits sehr oft bestechlich sind. Das sind, bitte schön, einige der Realitäten, bevor Sie Ihre Sorge vor dem IWF darstellen.

      • Hajdy Do Bajdy sagt:

        Bleibt kompliziert.
        Auch wenn aus dem Artikel klar hervorgeht, dass mit CDS prozentual nicht so gehandelt wurde. Da ich nicht verstehe, wie sich die Banken damit vor einem Kreditausfall schützen können, da ja jemand die Zeche zahlen muss.
        Ich gehe hier von dem einfachen Verständnis der CDS aus, also so, wie es bei Wikileaks erklärt wird 🙂 Und dieses bezieht sich dann ja auf den ganzen virtuellen Handel, in dem Sie sich fachlich auskennen. Daher wird es wohl nicht verwundern, dass Sie zu anderen Schlüssen kommen können, weil Sie einen größeren Überblick haben. Für mich als Laie reicht ja schon aus, um anhand der Bedeutung zu dem Schluss zu gelangen, dass hier gerade ein Handel stattfindet, weil eben eine Krise geschaffen wurde.
        Über das Steuersystem in Griechenland möchte ich nicht urteilen, da es sich hier bestimmt auch um gewachsene Dinge handelt. Also mehr Dienstleistung als Produktion usw. Auch könnte die (nichtvorhandene) Reichensteuer zusammenhängen mit der langen Verbindung zu den USA, um eben seine Reichen an der Stange zu halten. Dort zahlt man ja kräftig für Besitz. Mit ähnlichen Befürchtungen plagen sich ja auch Politiker in Deutschland herum. Wollte niemand zu nahe treten mit der kürzeren Verwendung BRD, da sich Deutschland ja immer noch aus Bundesländern zusammensetzt. Was Sie meinen verstehe ich eher unter dem heutigen Gebrauch des Begriffs der „Bonner Republik“. Wir leben ja weiterhin in einem Bund, wenn auch nicht mehr im Rheinischen Bund, den Napoleon geschaffen hat 🙂
        Was sie ansprechen mit Steuerproblemen habe ich in Artikeln so war genommen, dass es hier um Versäumnisse der konservativen Regierung davor ging. Gerade mit deren Widerstand in der jetzigen Opposition hing ja auch das Taktieren von Papandreou zusammen, welches ich jedoch nach Aussagen von Michael Hudson, in der letzten Sendung von democracynow, auch mit einem versteckten Druck der USA verband, da ja die Wall Street darauf drängen soll, um eben keine Schuldenschnitte durchzuführen, weil dies mit Fonds in den USA verbunden ist, welche dann in Gefahr geraden können.
        Bezüglich meiner Erwähnung der Steuerlast. Dies ist keine Verschwörung, sondern auf den Gedanken bin ich selber gekommen. Habe in meinen jüngeren Jahren noch in die Glotze geschaut und habe daher die Aussagen von Experten in Erinnerung wie ich es geschildert habe. Der Gedanke, dass dahinter eine Absicht gestanden haben könnte, um eben eine Wirtschaftsideologie durchzudrücken, kam mir erst später, in der heutigen Zeit, ung. vor 1-2 Jahren.
        Ich denke mal, dass ich über den IWF nicht unbedingt meine eigene Meinung wiedergegeben habe und mich auch politisch nicht einseitig ausgedrückt habe. Ich bin in keinem politischen Lager verhaftet. Ich hatte mit der Erwähnung des IWF nicht im Sinne, um den Artikel in irgendeiner Weise zu schmälern. Habe ihn sogar schon 2 Mal gelesen und werde dies wohl noch ein tpaar Mal tun 🙂

      • globalnote sagt:

        Sie müssen wirklich die beiden Parteien von CDS unterscheiden. Die europäischen Banken, die zu viel Griechenlandanleihen getankt haben, sind nicht die, die das andere Ende der CDS-Wetten halten. Am anderen Ende sind vor allem einige wenige Hedgefonds und große Investmentbanken, vor allem in USA, und bei den im Falle Griechenlands allerdings weit weniger zahlreichen nackten CDS tummeln sich die verschiedensten Spekulanten.

        „Für mich als Laie reicht ja schon aus, um anhand der Bedeutung zu dem Schluss zu gelangen, dass hier gerade ein Handel stattfindet, weil eben eine Krise geschaffen wurde.“ Das reicht eben nicht aus. So einfach ist das nicht, weil Gleichzeitigkeit nicht Kausalität bedeutet. Die Krise ist geschaffen worden, weil im Falle Griechenlands die dortigen Regierungen sträftlicherweise darauf spekuliert haben, daß die Zinsen immer so niedrig bleiben wie für Deutschland, und daher glaubten, voll und riskolos in die Verschuldung fahren zu können. Noch einmal das Urteil der deutschen Bankenaufsichtsbehörde: Die deutsche Finanzmarktaufsichtsbehörde das Volumen an offenen CDS auf Griechenlands Staatsschuld hätte über Monaten unverändert bei nur 9 Mrd US$ gelegen; bislang gäbe es keine Anhaltspunkte für massive Spekulation gegen griechische Anleihen. Das muß doch auch für Sie als Laie verständlich sein können.

        Papandreous Familie ist schon in der dritten Generation in der Regierung. Da kann sich Niemand reinwaschen, und auch zu Zeiten des derzeitigen Papandreous hat sich wenig geändert und wurde die Korruption fortgesetzt. Papandreou ist klar von seiner eigenen Partei im Parlament und auch seinem Finanzminister zum Kurswechsel gezwungen worden, nicht von irgendwelchen Leuten in USA. „Democracynow“ muß nicht immer recht haben.

  3. Hajdy Do Bajdy sagt:

    globalnote sagt:
    November 5, 2011 um 3:34 pm

    Danke für die Antwort!

    Was Sie ansprechen mit

    „bislang gäbe es keine Anhaltspunkte für massive Spekulation gegen griechische Anleihen.“

    Kann vielleicht mit der Tatsache zusammenhängen, da die Banken bezüglich gegenseitiger „Schuldgarantien“ nicht mehr über die Börsen gehen, sondern dies im direkten Handel unter sich vereinbaren. Es gibt somit auch kein öffentliches Material für eine Analyse. Ist dies auch mit „mehr Transparenz“ im Artikel angesprochen worden?
    Ich weiß nicht mehr, ob in einem Rundbrief oder in einem anderen Artikel darauf eingegangen wurde. Habe aber irgendwo über diese Materie noch etwas im Hinterkopf.

    • globalnote sagt:

      Das Bafin hat den gesamten Markt für CDS auf Griechenland untersucht. Er ist einigermaßen bekannt. Was nicht ausreichend transparent ist, ist wer die Wetten auf der anderen Seite hält und damit Schaden nehmen könnte. Wenn ein und dieselbe Finanzinstitution beispielsweise in USA, wie bei Subprime Hyptheken die AIG, die Gegenwetten konzentriert halten würde, kann sie im schlimmsten Fall untergehen. Deswegen ist mehr Transparenz nötig, und wird bereits teilweise geschaffen, indem solche Derivate wie CDS zunehmend über die Börsen gehandelt werden, was sie transparent werden läßt.

      Doch noch einmal: das ist nicht das Thema einer Griechenland in den Konkurs treibenden Spekulation, wie oft behauptet wird.

      • Hajdy Do Bajdy sagt:

        Danke!

        Komme bald dazu, um mir die Lehrvideos von khanacademy.org durchzunehmen über Wirtschaft. Bin derzeit noch bei der Auffrischung von Mathe.

        Werde hoffentlich dann nicht mehr zu solchen verwirrenden Fragen kommen.

        Schönes Wochenende!

      • globalnote sagt:

        Danke auch meinerseits für die Möglichkeit, Einiges noch etwas klarer zu machen. Die Zusammenhänge sind in der Tat kompliziert und werden leider auf den meisten Webseiten und Blogs nur polemisch verarbeitet.

  4. Axel sagt:

    Habe erst kürzlich in einem Vorwort eines jüngeren Buches von Michael Lewis gelesen, dass ein Hedgefonds-Manager namens Bass seine größten Short-Positionen auf Frankreich und Japan hält(was aber nur Sinn machen würde, wenn Japan Dollarschulden hält? Die schöpfen ihr Geld ja noch selber im Gegensatz zu Frankreich.). Gegenparteien sind dann die amerikanischen Investmentbanken, die man als „werden in jedem Fall vom Staat gerettet“ ansieht. (Morgan Stanley, GS,…) (Steht so in dem Buch, ob’s stimmt… Fragezeichen.)

    Sarkozys gefühlte Panik und sein Aktionismus bei den neulichen Gipfeln sprechen ja dafür, dass er begründetes Muffensausen um Frankreich hat. (Frankreichs Wirtschaft ist ja stark in Italien „engagiert“…)

    Sicher reiten diese „Investoren“ nicht gerade eine hilfreiche Strategie, aber man muss schon klar herausstellen, dass sie nicht die Veruracher des Problems (der Verschuldung, wobei ich ausdrücklich nicht „Staats“verschuldung, sondern Verschuldung im Allgemeinen meine) sind, aber durchaus an den Symptomen verdienen wollen. Je mehr Politiker mit dem Finger auf diese „Investoren“ zeigen, und es greift ja auf den nichtlinken Teil des Politikersprekturm über, desto klarer wird wohl, dass da Diebe „Haltet den Dieb rufen.“ Also ein Nebenkriegsschauplatz in einem viel größeren Endspiel.

  5. matt_us sagt:

    Herr Jahnke, ich bekenne mich natuerlich schuldig einer der webseiten zu haben, http://eurogate101.com/, wo es ja darum geht CDS einzuschraenken und „polemisch zu verabeiten.“

    Ich meine wir sind uns einig, dass es nackte CDS verboten gehoeren.

    Was die anderen CDS angeht, sagen sie dass die Bafin sagt, dass nicht mit CDS spekuliert wird. Woher wollen die das wissen? Die wissen doch noch nicht mal wer die CDS haelt? Die Bafin ist eine der Hauptinstitutionen in D, mit der Bundesbank, die sich nicht um die Bankenregulierung gekuemmert hat, so dass wir Probleme wie HRE und West LB haben, die den deutschen Staat 240 Mrd extra Schulden kosten. Das waren die ausfuehrenden Funktionaere, die uns mit in dei Scheixxe geritten haben.

    Also, denen wird hier von irgendwelchen Investment Bankstern erzaehlt, es gibt keine ANhaltspunkte fuer CDS Spekulation, und dann wird daraus die NAchricht, mit CDS wird nicht gegen Griechenland spekuliert.

    Und dann, wenn sie 9 Mrd Dollar zitieren, das sind natuerlich die Netto Summen. Nicht die Brutto Summen der CDS die sich auf einen weit groesseren Betrag belaufen. Die aktuellen Zahlen von letzter Woche waren 4 MRd Netto, 75 Mrd Brutto fuer Gr. Wenn Gegenparteien ausfallen, in dem CDS Spiel, dann werden diese Bruttosummen relevant. (Lisa Pollack seit Oktober 2011 in ft Alphaville sehr gute Artikel.)

    Dann kommt noch dazu, dass die Banken nicht Rueckstellungen machen muessen, um evtl. CDS Zahlungen auszahlen zu muessen. Und ihre Risiken nach fair Value prinzip bilanzieren koennen.

    Ausserdem wissen wir, dass CDS Preise Renditen in die Hoehe schnellen lassen koennten, die Bundesbank in ihrem Monatsbericht (Dez. 2010) spricht von der Preisfuehrerschaft der CDS.

    Auch CDS die nur zur Abdeckung von Risiken gekauft worden sind, koennen zur Spekulation fuehren, denn man kann die CDS unabhaengig verkaufen.

    CDS sind und bleiben gefaehrlich, auch wenn man damit was versichert.

    Die sollten verboten werden! Nackte CDS sofort, wie sie auch sagen, aber auch die anderen die als Versicherungen dienen, Ausser wenn Banken Reuckstellungen dafuer machen muessen, wie es Versicherungen tun, und das Risiko nicht vom Steuerzahler, wenn es schief geht.

    • globalnote sagt:

      Eigentlich halte ich eine Diskussion mit einer Webseite, die sich auf dieses Thema konzentriert, in diesem viel breiter angelegten Diskussionsforum nicht für sehr sinnvoll. Die meisten Zeitgenossen/innen wissen ohnehin nicht, was CDS sind und schon gar nicht, wo hier der Unterschied zwischen brutto und netto liegt. Daher nur so viel:

      Sie müssen mich schon korrekt zitieren. Ich habe geschrieben: „Die deutsche Finanzmarktaufsichtsbehörde Bafin fand schon im März vergangenen Jahres nach einer Untersuchung, daß das Volumen an offenen CDS auf Griechenlands Staatsschuld über Monaten unverändert bei nur 9 Mrd US$ lag. Bislang gäbe es keine Anhaltspunkte für massive Spekulation gegen griechische Anleihen.“

      Natürlich hat Bafin nicht gesagt, daß gar nicht mit CDS spekuliert würde, wie Sie jetzt Bafin und mir in den Mund legen. Während nicht bekannt ist, wer die CDS auf der Gegenseite hält, sind die Größenordnungen einigermaßen bekannt (siehe DTCC). Die Beträge müssen genettet werden, weil ein hoher Anteil der Wetten gegeneinandersteht und nur in eine Richtung ausfallen kann. Darauf hat auch BIZ immer wieder aufmerksam gemacht.

      Es ist schön, daß Sie sich als Sachverständiger ausgeben, auch wenn Ihre Polemik und Wortwahl nicht unbedingt dafür bürgt. CDS werden nie total verboten werden, weil sie solange unverzichtbar sind, wie wir frei wirtschaftende Finanzinstitutionen zulassen (viele sollte man besser verstaatlichen und zu große im Interesse der Steuerzahler zerschlagen). Rückstellungen der Banken werden nun mal auf der Basis von fair value Beurteilungen vorgenommen. Das gilt aber nicht nur für CDS sondern für alle Formen von sehr oft sehr zweifelhaften Anlagen, wie Ramschanleihen von Griechenland oder Subprime-Papiere aus USA.

      Daß Griechenland ganz andere Probleme hat als CDS, sollte wohl inzwischen ziemlich deutlich geworden sein. Würden Sie denn Ihr Kleingeld in griechischen Staatsanleihen anlegen wollen? Deswegen macht die CDS-Diskussion gerade bei Griechenland wenig Sinn.

  6. matt_us sagt:

    „Die meisten Zeitgenossen/innen wissen ohnehin nicht, was CDS sind und schon gar nicht, wo hier der Unterschied zwischen brutto und netto liegt.“

    Ok, dass die ganze Sache schoen kompliziert ist, stimmt. Das ist ja gewollt so, damit das keiner versteht ausser denen, die damit spekulieren (und es geht hier hautpsaechlich um die naked CDS – die ich meine, den Grossteil des CDS Volumens ausmachen. sie glauben es nciht, aber keiner weiss es).

    Sie, wie ja auch ich, machen auf das Thema aufmerksam, Das ist schon mal gut. Denn CDS haben m.E. bis jetzt zu allen Bankenpleiten in den letzten Jahren beigetragen, sie mitverursacht.

    CDS Spekulation ist der Grund dafuer, dass man aus bestimmten Kreisen nach einer Pleite Griechenlands ruft. Es kann durchaus vernuenftige oekonomische Gruende haben, einen Schuldenschnitt zu fordern, aber es kann auch (und wenn es Soros oder PIMCO Chef El Erian machen) einfach sein, weil man mit CDS auf Griechenlandpleite spekuliert hat. Solche Meinungen werden dann in der Finanzpresse verbreitet. Je mehr nach einer Pleite rufen, umso wahrscheinlicher wird sie. Also die Griechenlandsituation ist nicht durch CDS verursacht, aber das Treiben in einen Schuldenschnitt, aber schon.

    Die ganze Daseinsberechtigung des FT alphaville blogs scheint darin zu bestehen, CDS Preise in die Hoehe zu treiben, wenn man sich mal anschaut, was dort alles geschrieben wird. Es wird ja nicht umsonst von der CDS Marktvereinigung MarkIt gesponsort. Solte sowas erlaubt sein? Denn solche Meinungen beeinflussen natuerlich den Markt.

    Und was Sie sagen mit der fehlenden Transparenz, das stimmt auch. Aber nur zum Teil. Denn was ich ja sehe, ist dass die CDS Organisation DTCC alle Informationen hat, aber dass die Bafin die nicht hat. Zum Beispiel. Jedenfalls ueber alle CDS die ueber deren Clearingstelle abgewickelt werden. Wie gibt es sowas, dass eine private Organisation Informationen ueber Risiken im Deutschen Banksystem hat, die eine deutsche Bankenaufsichtsbehoerde nicht hat?

    Oder dass die Bafin zum Beispiel gar nicht fragt, wer denn in D diese CDS haelt, und wer die Gegenparteien sind. Das sind die rudimentaersten Aufgaben einer Bankenaufsicht, Man stellt den Banken Fragen: „Haben sie dieses oder jedes Risiko?“

    Und dann sollte schon, nicht vielleicht jeder Zeitgenosse, aber zumindest jeder Bundestagsabgeordnete wissen, was es mit den Risiken der Banken, wie zum Beispiel der Deutschen Bank auf sich hat. Denn die sind die Gesetzesgeber. und die Banken haben reichlich CDS in ihren Bilanzen, die grossen. Da werden natuerlich viele sagen, das verstehen wir so genau wiederrum nicht. Wenn das der Fall ist, sollte man gewisse Produkte verbieten. Meine ich.

    Denn es geht ja wohl nicht an, dass man ohne zu wissen was die Banken fuer Risiken haben, denen einfach glaubt, dass Risiken genettet werden koennen. Ist das wirklich so? Denn warum werden dann die Brutto Betraege in den Bilanzen gezeigt? Was passiert wirklich wenn eine Gegenpartei ausfaellt? Die Risiken werden naemlich im System genettet. Also drei Banken A->B->C->A. Wenn B ausfaellt, durch Insolvenz, muss C an A zahlen, und auch A an B. Dadurch werden Bruttopositionen relevant. Denn warum werden brutto positionen genannt, wenn sie total irrelevant sind?

    Die CDS Haendler, meine ich, wollen die Risiken herunterspielen, die haben ganze Lobbygruppen, die den Politikern einen vom Pferd erzaehlen, es ist alles gar nicht so gefaehrlich, etc. – oder es erhoeht die Liquiditaet. Ich meine das stimmt nur wenn CDS Praemien extrem klein sind, sobald die richtig hoch gehen, reduziert es die Liquiditaet.

    Eine CDS Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt macht wenig Sinn, wenn es ueber Griechenland geht, das ist richtig. Aber vor 2 Jahren war das wahrschienlich sehr relevant.Aber was ist von CDS von Deutschland zu halten? Ich denke gar nichts, denn wer soll die bitteschoen auszahlen, wenn es zum Schadensfall kommt? Denn wenn D seine Anleihen nicht mehr bezahlen kann, dann bricht wohl das ganze Finanzsystem auseinander. Und alle CDS Ausgeber sind auch pleite. Trotzdem werden CDS auf Deutschland verkauft.

    Da gibt es noch andere Beispiele. Anscheinend gibt es CDS auf Saudi Arabien,aber Saudi Arabien gibt ueberhaupt keine Anleihen heraus. Das ist doch ganz klar Betrug, so etwas zu verkaufen. Ok ,das sind wieder Nackte CDS, aber trotzdem, die gibt es immer noch und die wird es auch immer noch weiter geben, denn m.E. sind die Auflagen nicht streng genug, die ab naechstes Jahr gelten sollen.

    Man kann gerne traditionelle Kreditversicherungen verkaufen, wenn man genug Eigenkapital hat oder Rueckstellungen macht, auch als Bank, meinetwegen. aber das muessen nicht unabhaengig handelbare CDS sein, die gehoeren verboten.

    • globalnote sagt:

      Die Kompliziertheit ist keine Besonderheit der CDS sondern gilt für fast die ganze Ökonomensprache. Nach einer Forsa-Umfrage fühlt sich jeder zweite Deutsche beim Thema Geldanlagen und Finanzen unzureichend informiert.

      Der Schuldenschnitt für Griechenland ist zwingend und hat mit CDS nicht das Geringste zu tun. Sie bauen hier wirklich einen Popanz auf. Das einige nach einem Schuldenschnitt rufen, ist nicht der Auslöser. Machen Sie sich doch mal bitte mit den fundamentalen Daten der griechischen Verschuldung und Wirtschaftsentwicklung vertraut. Die Bafin-Zahlen sind nicht viel anders als die von DTCC, nur daß Bafin seine Ermittlungen vor mehr als einem Jahr vorgenommen hat. Sie können davon ausgehen, daß Bafin DTCC durchaus kennt.

      Die Banken haben nicht nur CDS sondern auch viele andere ebenso gefährliche Papiere. Da hilft wirklich nur, die großen Investmentbanken aufzuteilen und die Kundeneinlagen vom Investmentgeschäft zu isolieren, so daß das „too big too fail“ aufhört (wie jetzt in USA geplant) und das auch und gerade für die Deutsche Bank.

      CDS sind nun mal die wichtigste Form der Kreditversicherung. Das werden Sie nicht ändern. Und eine Hysterie zu CDS zu schüren, macht deshalb auch wenig Sinn. Wenn man die Banken und Hedgefonds endlich weniger systemrelevant machen würde, wäre das der richtige Weg, kombiniert mit Transparenz wegen des counter party Risikos durch Beschränkung auf Börsenhandel und nicht mehr OTC (intransparente Absprachen zwichen den CDS-Parteien) plus Verbot nackter CDS.

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