2476

global news 2476 26-08-11: Warum Prof. Hickel und andere Eurobond-Befürworter den Euro mehr gefährden, als daß sie ihm helfen

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5 Responses to 2476

  1. rockenergy sagt:

    Ich habe, wie wir alle, für Blödsinn keine Zeit; deshalb las ich auf Ihren Hinweis, Herr Dr. Jahnke, danke dafür, den Beitrag des Gastes Professor Doktor Hickel im Handelsblatt.

    Oh je:


    „Das zweite Rettungspaket wirft gutes Geld schlechtem nach. Griechenland wird mindestens zwei Drittel seiner Schuld abschreiben müssen (ausgenommen seine Schuld gegenüber dem IWF) wahrscheinlich um 2013/14, um seine Schuldenlast dem Durchschnitt der Eurozone von 80 % des BIP anzupassen. Die wenigen letzten Tage haben diese Realität näher gebracht“.

    Es verbietet sich darüber nachzudenken, was es bedeutet wenn ein Ökonomieprofessor am 26. August des Jahres zweitausendundelf tatsächlich etwas aus der Realität der letzten, leider nur wenigen Tage, gelernt hat. Mein vorauseilender Sarkasmus erläutert sich aus der Summe der Fehlleistungen in nur einem Gastbeitrag!

    Ich würde gerne fragen: Welches gute Geld meinen Sie denn Herr Professor? Und meinen Sie tatsächlich, daß Griechenland um 2013/14 mit 80% Schuldenlast bei dann mindestens halbierter Wirtschaftskraft (über-)leben werden kann. Ich befürchte, da wird Ihnen in den dann letzten, wenigen Tagen vor 2013/14 was anderes auffallen müssen.


    Der wichtigste Vorteil wird in der Übernahme der Verantwortung des gesamten Euro-Lands für die Staatsverschuldung vor allem in den zahlungsunfähigen Krisenländern gesehen.

    Sprechen und verstehen wir deutsch? Na, dann heißt das Ergebnis Ihrer Verklausulierung nicht „Übernahme der Verantwortung“ sondern „Übernahme der Schulden“!


    Ein wichtiger Vorteil: Die Nachfrage nach Euro-Bonds auch als Anlagewährung gegenüber den US-Staatsanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten wird groß sein. Beispielsweise wären die Euro-Bonds für die chinesische Notenbank als Anlageprodukte wichtig.

    Erläutere mir bitte mal einer (a) was die größere Nachfrage nach Eurobonds, so sie denn tatsächlich käme und nicht der Banksters neuestes Kasino wäre, bringen wird außer der Tatsache, daß Schuldenmachen wieder noch leichter wird aber insgesamt die Abhängigkeit von den Bankstern (oder ist das nicht mehr zu steigern) noch größer wird und was (b) daran für die Chinesen wichtig ist. Wichtig ist China ausschließlich Märkte im Griff zu haben und nur das! Daß sie da Gesten des Austauschens des grünen Abfallpapiers gegen irgendwelches europäisches erlauben ist pure Berechnung; clever, für China der berechnende Tausch eines Übels gegen das andere, nicht wichtig und in unserer europäischen Situation nicht mal wirklich hilfreich.


    Schließlich lassen sich durch eine einheitliche Ausrichtung der Nutzung von Staatsanleihen die heutigen Hilfen durch Rettungsschirme abbauen.

    Wat’n Deutsch, Herr Professor?!
    Hier tauschen wir – um es ganz alt-deutsch zu sagen – die eine Sau gegen die andere; mehr nicht!


    Die Möglichkeit, daß weltweit akzeptierte Bonds gegenüber der mechanistischen Durchschnittsbildung wegen deren Attraktivität mit niedrigeren Zinssätzen zu verkaufen sind, wird übersehen.

    Für solch’ einen Satz und seinen Inhalt, Herr Hickel, muß man Professor sein, Vorlesungen halten und `ne Brille aufsetzen, also wirklich! Sie setzen (a) voraus, daß Eurobonds aus dem Mix vollkommen überschuldeter und dazu, wie sie selbst sagen, zahlungsunfähiger Krisenländer überhaupt eine Attraktivität besitzen, die es erlaubte, über Durchschnitt zu liegen. Welchem eigentlich? Und wo liegt der denn wenn sich alles in Schweizer Franken, Gold und die wichtigsten Commodities geflüchtet hat, Dollar und Euro sich in QEx verlieren und YEN und Pfund in ihren Morasten rumdümpeln?

    Man soll einem Gast Freundschaft entgegenbringen, gut, daß das Handelsblatt den Gastgeber geben muß; das fiele mir schwer und dabei muß ich gestehen, daß ich Ihnen vor Jahren immer gerne zuhörte, Herr Professor. Es muß die Frage erlaubt sein, habe ich zugelegt, oder…? Denn…


    Gegenüber diesen „Blue Bonds“ werden darüber hinausgehende „Red Bonds“ nur durch das jeweilige Land verantwortet.

    Helllooo? So ein Nonsense! Rot soll wohl Schlager des Jahrtausends werden, die Farbe gilt ja eh’ immer eher dem Feindbild, steht einem linken Ökonomieprofessor auch, wenngleich, meines Erachtens, die Lehre der Ökonomie nicht linkes oder rechtes vielmehr richtiges Gedankengut hervorbringen sollte? Also unter 50 oder 75% Zins wird da mit Rot nichts gehen, und darüber dann alles. Zur Ergänzung schlage ich vor, die dafür notwendigen Rettungspakete dann ebenfalls in rot zu nehmen; das eliminierte jede Verwechslungsmöglichkeit.


    Gegen die Einführung von Euro-Bonds steht die Sorge, dadurch würde das Euro-Land endgültig zu einer Haftungsunion. Diese Kritik übersieht, dass bereits Transferleistungen zur Stabilisierung des Euro-Lands eingesetzt werden: Aus dem Gemeinschaftshaushalt der EU wird eine Hilfe von 60 Milliarden Euro für Krisenländer zur Verfügung gestellt.

    Also, ich, und ich denke mit mir ganz viele Normaldenkende, sahen diese Sorge schon lange vor der Einführung irgendwelcher neuer Tricks, ob Bonds, Bad oder Worst Banks; wir haften eh’ mit Haut und Haar, Job, Rente, Familie, Gesundheit und Geldbeutel für die Krise und ihr Ende; und wo wir uns verweigern wird die Krise stante pede zum Chaos werden; nur so ist der Unsinn zu erklären, der von erwachsenen Menschen, wenngleich politisch Tätigen, zum vermeintlichen Eurowohl an Pfusch und tausend Placebos verbrochen wird.

    Allerdings hielt ich Ihren Kommentar bis hierher eher für ein abgehobenes Vorlesungsprotokoll; daß sich nun aber die Kritik an etwas Kritisierungswürdigen gegen das Übersehen etwas bereits zuvor und per se heftig Kritisierten aufheben soll muß neuester Ökonomielehre entstammen. Da sind Sie jeder Logik weit enteilt, augenscheinlich in dem Versuch, dem mainstream hurtig wohlzugefallen.


    Die Euro-Bonds stellen derzeit allerdings eine Chiffre für den Willen zum Ausbau der Währungs- und Wirtschaftsunion dar.

    Glauben Sie wirklich, was Sie da sagen? Entspringt der Satz auch der Realität der letzten, wenigen Tage, Herr Professor? Meinen Sie tatsächlich, es sei auch nur ansatzweise Willen vorhanden, das alles unter einen Hut einer W&W Union zu stecken.

    Das Wort Chiffre steht übrigens u.a. für „leer“ und „Null“.

    Wie gesagt, ich habe keine Zeit: Oh je! Aber eigentlich kann der Rest des Weges nicht mehr lang sein; ehrlich, bei soviel Non-sense!

    caw

    • Christof sagt:

      @rockenergy

      Habe den Hickel eigentlich immer gerne mal im TV gesehen, mir ist aber sein derart trockener Humor bei diesen Gelegenheiten nicht wirklich aufgefallen.

      Insofern Respekt – in der Tat – für diese herrliche Einlage am Ende der ersten Seite:

      „Dies ist jedoch das Ergebnis einer statischen Rechnung. Die Möglichkeit, dass weltweit akzeptierte Bonds gegenüber der mechanistischen Durchschnittsbildung wegen deren Attraktivität mit niedrigeren Zinssätzen zu verkaufen sind, wird übersehen.“

      „Die Möglichkeit….wird übersehen“ – Chapeau!! Rein formal hat er natürlich Recht. In diesem Leben werden viele Möglichkeiten übersehen. Erkenntnistheoretiker haben schon vor Jahrhunderten darauf hingewiesen, dass aus der Tatsache, dass seit Jahrtausenden morgens die Sonne aufgeht, nicht zwingend geschlossen werden kann, dass das morgen auch noch so sein wird! Nicht wahr, diese Möglichkeit wird schlicht und ergreifend übersehen.

      Übrigens mag sich Herr Hickel an einem bezüglich „mechanistischer Durchschnittsbildung“ wirklich Maßstäbe setzendem historischen Event orientiert haben. Vor etwa 6 Jahren, zur Bundestagswahl 2005, hatte die CDU eine Mehrwertsteuer-Erhöhung von 2% im Wahlprogramm, die SPD eine solche von 0% (keine Erhöhung). Und – oh Wunder – nachdem sich der deutsche Wahl- und Steuerdepp in seiner unsäglichen Einfalt auf eine simple „statische Rechnung“ und eine „mechanistische Durchschnittsbildung“ eingestellt hatte (nämlich: 1% mehr), wurden daraus im Rahmen der grossen Koalition dann 3% MWSt-Erhöhung – nun, in Hickels Worten, eine wahr gewordene „Möglichkeit“, die er, der deutsche Wahlbürger, „schlicht und ergreifend übersehen“ hatte.

      VG,
      Christof

      • globalnote sagt:

        Siehe dazu jetzt auch hier zum Herunterladen eine pdf (mit Hickel hatte ich dazu eine ziemlich unergiebige Diskussion): http://www.jjahnke.net/eurobonds.pdf

      • rockenergy sagt:

        „Trockener Humor“ ist gut!
        Ich mag das Mechanistische daran;
        nicht aber das Nasse darin.

        Das verrät übrigens des Professors Wissen um die Tatsache, daß nicht allein die Mechanik des Rechnens den Durchschnitt bildet sondern einer oder mehrere während des Rechenprozesses an dem Rad drehen, welches für das „Istische“ der Mechanik zuständig ist.

        Ich hab’s ja immer nur geahnt, aber nun…!

        Gruß

        caw

  2. Heiner sagt:

    Zu den angeblich guten „Eurobonds“ mal was aus einer anderen wissentschaftlichen „Ecke“:
    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:wirtschaft-und-sprache-beruhigungspille-eurobonds/60092390.html
    MfG

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