2119

global news 2119 29-08-10: Skandinavien schlägt Deutschland im Ländervergleich der Wirtschafts- und Sozialverhältnisse um Längen

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8 Responses to 2119

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend,

    zugegeben, unsere Nordmannen und –frauen haben etwas Bemerkenswertes auf die Beine gestellt, nämlich das Modell eines tragfähigen Sozial-, bzw. Teilhabekapitalismus und halten erfolgreich an diesem Modell fest, obwohl ihre Volkswirtschaften ebenso Teil der neoliberalen Globalisierung sind wie Deutschland, also im direkten Wettbewerb zum Weltmarkt stehen. Aber warum funktioniert in Nordeuropa effektiver, was wir einst Rheinischen Kapitalismus bzw. Soziale Marktwirtschaft nannten? An der Intelligenz kann es nicht liegen!

    Meiner Ansicht nach ist die Vernunft die Fähigkeit des Menschen, die Welt gedanklich zu begreifen und sich selbst in ihren Bezug zu stellen, im Gegensatz zur Intelligenz, worunter ich die Fähigkeit verstehe, die Welt mit Hilfe des Verstandes zu manipulieren. Die Vernunft ist eine Fähigkeit, die ein Mensch viele Jahre üben muss, um sie zu entwickeln. Die Vernunft ist zwar unteilbar mit seinem jeweiligen Träger/in verbunden, aber sie kann per Gespräch und aktives Vorbild vermittelt werden.

    Um Vernunft zu entwickeln, braucht es Bildung und sorgfältige Betreuung in den vielen Jahren unseres Heranwachsens. Das kostet Geld, viel Geld. Ein Staat ist also gut beraten, nicht an der Bildung zu sparen, wenn er Wert darauf legt, vernünftige und somit solidarische und leistungsfreudige Menschen hervor zu bringen.

    Wenn ich mir die Grafik 13004 in Dr. Jahnkes Datenbank anschaue, sehe ich, dass Deutschland in 2006 4,8 % seines BIP für die Bildung seines Nachwuchses ausgab, Dänemark 7,3 %, Schweden 6,3 %, Finnland 5,8 % und Norwegen 5,4 %. Den Nordeuropäern scheint ihr Nachwuchs wertvoller zu sein, als den Deutschen, was sich sowohl in der beispielhaften skandinavischen Kinderbetreuung, dem schulischen Werdegang jedes einzelnen Kindes, als auch in der allgemeinen Familienbetreuung niederschlägt, worunter ich auch die Berufstätigkeit der Frauen rechne, die in Skandinavien mit Kind sehr viel leichter zu realisieren ist, als in Deutschland.

    Ein Mensch, der sich von Kindesbeinen an darauf verlassen kann, dass ihm bei seinen kleinen wie großen Problemen während seines Heranwachsens ohne bürokratische Hürden und endlose Diskussionen ganz praktisch und einfühlsam an Ort und Stelle geholfen wird, ein solcher Mensch wird sich, wenn er erwachsen ist, mit seiner Nation solidarisch zeigen. Er wird zum Wohle seiner Nation mehrheitlich ein fleißig arbeitender Mensch, der trotzdem Individuum bleibt, mit Vorliebe die Produkte seines Landes konsumiert und einen gesunden Nationalstolz besitzt. Dr. Jahnkes global news 2119, in dem wir uns gerade befinden, zeugt, statistisch darsgestellt, von dem sehr groben real existierenden Unterschied der Volkswirtschaften zwischen Deutschland und Skandinavien.

    Dieses Solidaritätsgefühl mit der eigenen Nation drückt sich bei den Skandinaviern auch dadurch aus, dass sie ohne Murren ziemlich hohe Steuern zahlen und daran lediglich die Bedingung knüpfen, der Staat möge das Geld nicht vergeuden, sondern für soziale Zwecke ausgeben. Auch Unternehmen bleiben nicht verschont. Ihre Steuer- und soziale Ausgabelast ist um etliches höher als in Deutschland, teilweise verlegen auch sie Arbeitsplätze ins billigere Ausland, aber sie bleiben in den skandinavischen Ländern ansässig, denn auch Unternehmer wissen, dass sie von der Gesamtheit der in den skandinavischen Staaten vermittelten „soft skills“ profitieren, wozu, das weiß ich von Dänemark, der zweisprachige Schulunterricht gehört, der meist in der Heimatsprache und muttersprachlischem Englisch, aber auch in Deutsch erfolgt.

    Mein persönlicher Eindruck ist, dass in Deutschland weniger die Vernunft, als die Intelligenz eine Rolle spielt. Intelligenz ist angeboren, die entwickelt sich mehr oder weniger von ganz allein. Aber Intelligenz ohne Vernunft ist wertlos, verleitet sie doch allzu häufig dazu, andere Menschen zu manipulieren, wie es derzeit der Bundesbanker Sarrazin tut, indem er einen weiteren Keil in unsere Gesellschaft schlägt, als hätten wir mit solchen Spaltungen nicht schon genug zu kämpfen: Alt gegen Jung, Hartz-IV-Empfänger gegen Geringverdiener, Gesunde gegen Kranke, finanziell Schwache gegen den Mittelstand, Frauen gegen Männer, Alleinerziehende gegen verkrustete Moralvorstellungen, kinderlose Frauen gegen Mütter etc. pp.

    Eine Gesellschaft, die per intelligenter Elite und Medien, manipulativer Talkshows und ebenso manipulativ gesteuertem, bewusst volksverdummendem Privatfernsehen derart brutal gespalten wird, wie das deutsche Volk, muss sich nicht wundern, wenn die Solidarität aller sozialen Gruppierungen untereinander von Tag zu Tag mehr schwindet, die Menschen ihren Staat mental sogar aufgeben, ins volkswirtschaftlich enorm schädliche Angstsparen verfallen und vor ihm ins Ausland, oft genug nach Skandinavien, flüchten. Die Ökonomie der Bundesrepublik Deutschland schafft seit rund 20 Jahren kein Vertrauen mehr, mag sie sich auch noch so intelligent per Lohndumping und Kündigungsschutzlockerung den globalisierten Märkten per neurotischem Exportwahn stellen.

    Und warum lassen wir uns tagtäglich durch unsere Polit-Elite, durch hochkarätige Unternehmer und Banker, durch die Medien, Klimavänderungs-Verneiner und so weiter und so fort zu ihren Zwecken manipulieren? Vermutlich, weil es vielen unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen eklatant an der Vernunft, also dem gesund gewachsenen Menschenverstand fehlt und dieses Manko sehe ich in unserem marode unterfinanzierten, antiquiert dreigliedrigen Bildungssystem begründet (ich spreche ausdrücklich nicht die Mitlesenden meines Beitrags an, vor allem nicht Dr. Jahnke und auch nicht Heiner, unseren Moderator). Aber, was ist das für eine schreiende Unvernunft, die Bildungschancen eines Schülers, einer Schülerin, die auf deutschem Boden leben, am Elternhaus festzumachen?!?!?!? Preußens Zuchtanstalten lassen noch immer grüßen!

    Die Unvernunft unserer Politiker entscheidet letztlich darüber, ob sie den ihnen vom Volk anvertrauten Staat in den vernichtenden Strudel neoliberaler Modernisierung entlassen oder nicht. Im Gegensatz zu Skandinavien sind die deutschen Würfel längst gefallen! In der unvernünftigsten, also ökonomisch dümmsten Weise, bauen wir unsere Sozialstaatlichkeit und unser Bildungssystem ab und züchten auf höchster politischer Ebene mehr als genüsslich noch und nöcher gesellschaftsfeindliche Spaltpilze.

    Allein die Intelligenz ist es, die manchen (es werden immer mehr!) unserer Spitzenpolitiker dafür sorgen lassen, dass sie während ihrer Amtszeit den neoliberalen Wünschen der Wirtschaftsbosse per neuer Gesetze entsprechen und sich gleichzeitig ein hochdotiertes Plätzchen in irgendeinem Vorstand sichern, auf dem sie späterdings ihr Gnadenbrot frißten.

    Dummheit, Frechheit und Egozentrik siegen – jedenfalls in Deutschland. Pfui deibel!

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @ Gaby,

      Bei Skandinavien nicht zu vergessen: die weit bessere Integration der Frauen in das Berufsleben zwischen Beruf und Familie mit hoher Teilhabe an der Beschäftigung, aber auch hoher Kinderzahl.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Jeg vil gerne tale med dig,

    ich weiß von Ihrem Einwand, Herr Dr. Jahnke, habe es ja auch angesprochen, indem ich schrieb: „…worunter ich auch die Berufstätigkeit der Frauen rechne, die in Skandinavien mit Kind sehr viel leichter zu realisieren ist, als in Deutschland.“

    Kürzlich sah ich in unseren öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten eine Reportage bezüglich Dänemark und Kinder. Der Film ist leider gelöscht, sonst hätte ich ihn nur allzu gerne verlinkt.

    Da wurde gezeigt, dass seit 1936 jede schwangere dänische Frau, egal, ob sie reich ist oder arm, mit einem Baby-Paket noch vor der Geburt ihres Babys von der Regierung umjubelt wird. In dem Paket ist eine komplette zweiteilige (!) Babyausstattung, Fläschchen, Babynahrung, Babyspielzeug, Pflegemittel, Windeln und sogar ein Erstlings-Bilderbuch plus Mobile enthalten und die Kiste, in der die üppige Erstlingsausstattung angeliefert wird, dient gleichzeitig als stabiles Babybett. Ein rundum herzlich warmes All-Inklusive-Paket für die werdende Mutter schickt der dänische Staat seit dem Jahr 1936 an seine schwangere Frauen.

    Die schwangeren dänischen Frauen freuen sich, dieses Paket zu erhalten und laden ihren Freundinnen ein, den Inhalt des Paketes zu bestaunen. Es ist jedes Mal ein Fest, weil die Babysachen den jeweils modernsten Trends entsprechen, also keine abgetragenen, verwaschenen Almosen verteilt werden, wie in Deutschland.

    Die dänische Regierung erlaubt, das Babypaket gegen Bargeld einzutauschen. Die Regierung zahlt auf die Hand, also unbürokratisch, 150 Euro. Aber keine schwangere Frau will dieses Bargeld, denn der Inhalt des zugestellten Paketes ist mehr als das Dppelte wert. Gerade alleinstehenden Schwangeren, kommt dieses Baby-Begrüßungspaket mehr als gelegen. Der dänische Staat signalisiert damit „Uns ist jedes Baby wichtig!“

    In Deutschland gibt es dürre Babypakete, die den Frauen ab der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus übergeben werden. Es ist extrem kalt mit funktionellen Baby-Probe-Produkten ausgestattet, aber dafür umso mehr mit Werbung gefüllt. Das ist extrem langweilig! Da kauft die deutsche Frau die Erstlingsausstattung selbst – mittlerweile mehr auf Flohmärkten als in steuerpflichtigen Geschäften. Der Flohmarkt blüht in Deutschland, nicht mehr der steuerpflichtige Einkauf. Flohmarkt wird mehr und mehr zum Tauschmarkt, gar Schwarzmarkt.

    Der gleiche Film hat gezeigt, wie dänische Familien ihr Frühstück täglich organisieren – superdufte!!!! Vater und Mutter bereiten es vor und teilen es gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. Vater und Mutter kümmern sich darum, dass der Nachwuchs ordentlich isst.

    Danach geht es ab in die Kinderbetreuung oder die Schule. Vater wie Mutter sind auf Fahrrädern unterwegs oder mit dem Auto, die Kinder tagsüber in die Bildungsstätten zu bringen. Väter auf Fahrrädern, die vorne im aufgesetzten Korb ein Kleinkind in die Kita fahren oder hintenan, ans Fahrrad geheftet, einen Wagen ziehen, in dem zwei oder drei Kinder sitzen und sie sie, in Anzug und Krawatte gekleidet, ganz selbstverständlich in Kindertagesstätten (Kitas) oder der Schule absetzen. Diese allmorgendlichen Fahrradkollonen, gestrampelt von Frauen in Business-Kostümchen und Männern in Business-Anzügen hat in mir die herzlichste Solidarität mit den Dänen hervor gerufen, die ich je empfand, seit ich mich vor Jahren schon für die Dänen interessiere.

    3.600 Kinderbücher erscheinen pro Jahr in den skandinavischen Ländern, voller phantastischer Geschichten von Trollen, Erdgeistern oder dem realen Leben plus praktischer Problembewältigung. Lehrer wie ein Kinderbuchautoren genießen in Skandinavien höchstes Ansehen, obwohl gerade die Lehrer weit schlechter bezahlt werden wie in Deutschland und keinen Beamtenstatus genießen.

    Von meinen Arbeitskolleginnen weiß ich, dass in Deutschland kaum ein Kinderbuch eines deutschen Autors erscheint. Seit Michael Endes „Momo“ und die „Unendliche Geschichte“, dem Dauerbrenner in deutschen Kinderzimmern, aber auch dem uraltem Janosch, mit dessen „Zauberkarussell“ ich vor bald 50 Jahren groß geworden bin und seiner formedablen „Tigerente“ (die erschien, da war ich 13 Jahre alt; interessiere mich also nicht mehr dafür) scheint Schluss zu sein mit deutscher Phantasie, unseren Kindern gegenüber.

    Deutsche Kinder stürzen sich folglich auf „Harry Potter“, eine englische Produktion, die ihre Phantasie und somit Leistungsfähigkeit in die höchsten Höhen treibt, denn es ist schon komisch, das mit den Harry-Potterbüchern zeitgleich Englische Dictionarys erschienen, als ob der deutsche Nachwuchs endlich per Potters´Zaubersprache aufs Englische, die einstige Kolonialsprache, getrimmt werden kann.

    Mein politisch linksgerichteter Onkel schenkte mir einst die skandinavischen, ins Deutsche übersetzten Bücher, wie „Die Mumins“, „Pippi Langstrumpf“, „Karlsson vom Dach“ und weitere Produktionen aus den skandinavischen Ländern wie, „Herr Lillebror Lilienstengel“, „Wir Kinder aus Bullerbü“ „Michel aus Lönneberga“. Meine konservativen Eltern liefen Sturm gegen diese Bücher, da hatte ich sie längst unter der Bettdecke per Taschenlampe gelesen! Das Skandinavische war in meinem Elternhaus ein Fluch, ein Teufel, weil er die Menschen verführt, frei zu leben.

    Nicht die deutsche Literatur, wie sie mir meine Eltern empfahlen, nämlich die Hanni & Nanni-Serie, die kapitalistisch angepasste „Bummi“-Serie (Mädchen, das ihr Lebensglück letztlich nur als Hausfrau und Mutter sieht) haben mich geprägt, sondern die mir von Onkel Rolf geschenkten, quicklebendigen skandinavischen Kinderbücher.

    Ich will nicht behaupten, dass es in Skandinavien keine Probleme gibt, aber sie erscheinen mit vernünftigen Augen betrachtet kleiner, als es die deutschen Probleme derzeit sind, die allein von der Intelligenz geleitet sind.

    Hag`det got!

    Gaby

  3. carolus sagt:

    mich ärgert einfach,dass es hier in deutschland auch eine sozial-liberale koalition gab unter willy brandt (der ja auch während der nazizeit in schweden im exil war/verheiratet mit einer schwedin),die eine wirtschaftspolitik betrieb,die sich nur wenig vom schwedischen modell unterschied.
    was ist davon geblieben.wieso wurde das alles über bord geworfen?
    warum hat es der kohlsche kurs so leicht gehabt die lambsdorfsche linie so schnell durchzusetzen?
    haben die köhlers und tietmeyers und deren geistige klone,die in der beamtenschaft bis zum heutigen tag das technokratische fundament gelegt für diese massive umsteuerung auf markt total?war es wirklich so banal?
    jetzt stehen wir vor einem scherbenhaufen,der nur noch politik der verbrannten erde betreiben lässt.merkel zeigt deutlich,dass sie nur noch politik für den der am meisten schreit betreibt siehe laufzeitverlängerung bei atomkraftwerken.alles andere wie sozialpolitik fällt durch den rost,stichwort eigenverantwortung(du hast die freiheit in armut zu verrecken) und sparkurs!das muss ein ende haben!

    @gaby was diesen bundesbanker betrifft,der gerade sein buch bewirbt kann ich nur sagen wie es die volksabstimmung in hamburg deutlich gezeigt hat,gibt es genug elitäres dünkel sodass solche leute eben mit ihrem geschwätz genügend anhänger finden!
    siehe dazu link

    http://www.fr-online.de/politik/rechtspopulismus-pur/-/1472596/4598620/-/index.html

    • globalnote sagt:

      @carolus,

      Die Wegbereiter waren nach meiner sehr persönlichen Erfahrung sehr konservative Menschen, die sich nie mit dem Kurs der SPD unter Brandt angefreundet haben und hohe Ämter in der Politik und Verwaltung innehatten (oder noch haben). Viele aus der Beamtenschaft, wie Tietmeyer, haben auch noch ausgerechnet während der SPD-Kanzlerschaften Karriere gemacht (so doof und naiv war die SPD) und Köhler ist von SPD-Schmidt an SPD-Schröder für den IWF-Chefsessel empfohlen worden, der diesem dann das Sprungbrett in das Bundespräsidialamt wurde. Das ganze war ein Netzwerk von Neoliberalen mit Zentren im Wirtschaftsministerium, der zur Bäckerpartei gewandelten FDP, in Teilen der CDU und vor allem den Wirtschaftsverbändern und Unternehmensbossen der Exportkonzerne. Einige Wichtige aus diesem Netzwerk haben später die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gegründet, die praktisch auf eine Beseitigung der Reste der eigentlichen Sozialen Marktwirtschaft hinarbeitet.

      Diese Kräfte konnten in Deutschland nur so stark werden, weil sie über die globalen Bande spielten, sprich die EU und die Internationalen Organisationen, wo sie andere neoliberale Kräfte vorfanden, in der EU vor allem aus Großbritannien und später den osteuropäischen Beitrittsländern. So wurden über die Billigstkonkurrenz aus Osteuropa und China, die dazu absichtlich an Bord geholt wurde, die sozialen Standarts in Deutschland und anderen westlichen Ländern ausgehebelt. Einige konnten einigermaßen widerstehen, jedenfalls bisher: vor allem Skandinavien, aber auch Österreich (siehe den nächsten Wochenbrief mit dem Alpenländer-Vergleich); in Frankreich ging die Arbeiterschaft sehr wirkungsvoll auf die Straße und verhinderte das Schlimmste. In Deutschland ließen sich die Gewerkschaften und viele Dumme auf der linken Seite (einschließlich heute die Linkspartei) von den ihnen angepriesenen Exportmöglichkeiten und den Vorteilen der Globalisierung einlullen.

      An dieser Stelle im Streit um Vor- oder Nachteile der Globalisierung habe ich mit Wut im Bauch und in persönlicher Kenntnis einiger der neoliberalen Spieler, wie Lambsdorff und Tietmeyer oder auch Stark (heute EZB-Vorstand) meine kritische Arbeit mit dem Infoportal vor fünf Jahren begonnen und bisher 5 Bücher zu diesem Thema geschrieben und auch die Ländervergleiche gestartet. Mein erster Konflikt war dann mit NachDenkSeiten und Menschen wie Flassbeck, die der Globalisierung kein Haar krümmen wollten und alles Gut im Sinne von Entwicklungshilfe fanden. Müller von NDS warf mir damals öffentlich vor, mit Hysterie politische Ziele zu verfolgen (die nicht seine waren).

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • globalnote sagt:

      @carolus,

      Hier noch ein Augenöffner, der mir gerade zugemailt wurde, für den man allerdings etwas Englisch braucht (die Einführung durch die Dame ist unwichtig). Es geht um die „Superklasse“, die Dank Globalisierung global existiert: http://www.youtube.com/watch?v=LHtNFZ6K0pE .

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • globalnote sagt:

      Und nocht etwas zu der globalen Bedeutung des roll-back von Sozialstaatlichkeit. Lambsdorff war ein wichtiges Mitglied der Trilateralen Kommission. Dazu Wikipedia: Die Trilaterale Kommission (TK) ist eine private Organisation. Sie wurde im Juli 1973 auf Betreiben von David Rockefeller gegründet. Sie ist eine Gesellschaft mit über 300 Mitgliedern aus Europa, Nordamerika und Japan mit dem Ziel, die Zusammenarbeit dieser Regionen zu verbessern. Die großen Wirtschaftsblöcke USA/Nordamerika, Europa (EU) und Japan werden in der Internationalen Politischen Ökonomie auch als Triade bezeichnet.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    Danke für Ihren Bericht, der einen kleinen Einblick in die gigantische Arbeit unserer politischen wie wirtschaftlichen Eliten gewährt. Mich ärgert, dass ich seit wenigen Monaten jedes Mal angeschaut werde, wie ein Alien, wenn ich behaupte, dass unsere derzeitige Wirtschaftspolitik bewusst eingefädelt und ebenso bewusst voran getrieben wurde. Mein Umfeld hält mich für einen Spinner. Die Leute glauben tatsächlich mehrheitlich, die globale Wirtschaft fällt vom Himmel, die Weltökonomie sei Schicksal und unsere Politiker seien die Getriebenen fremder Mächte. Sie mögen nun ungläubig den Kopf schütteln, aber es ist in konservativen, leider auch politisch linken Kreisen wirklich so; selbst Akademiker, unsere Bildungselite, reden so.

    Heftigen Widerspruch ernte ich jedes Mal, wenn ich darauf hinweise, dass unser katastrophales Gemurkse nicht von jedem Land übernommen worden ist, obwohl sie, genau wie wir, mittendrin hängen in der Globalisierung. Es heißt dann stets, es sei reines Wunschdenken zu glauben, in Skandinavien würden die Uhren anders ticken. Außerdem sei Skandinavien nicht mit Deutschland zu vergleichen, denn die haben keine Probleme mit ihren ausländischen Mitbürgern wegen der Einreise-Selektion und außerdem sind die Bevölkerungszahlen bei weitem geringer, also viel leichter zu handhaben (zu kontrollieren) als ein Volk von gut 80 Millionen Einwohnern.

    Überdies wird mir entgegen gehalten, dass die Skandinavier keinen Kündigungsschutz haben und die Frauen gezwungen (!) sind, arbeiten zu gehen, weil die Steuerbelastung viel zu hoch sei. Ein Verdienst reicht nicht, um im Norden gut leben zu können! Und die Sache mit der Rundum-Kinderbetreuung wird sehr skeptisch gesehen, denn es weckt deutsches Misstrauen, wenn sich der Staat allzu sehr in die Erziehung der Kleinen einmischt. Und überhaupt sind Kinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr viel besser bei Muttern aufgehoben – alles andere ist Rabenmuttertum bzw. Selbstverwirklichungs-Quatsch. Basta! Darüber hinaus sei zu bedenken, dass den Frauen die ganze Kinderaufzucht nur deshalb so leicht gemacht wird, weil die nordeuropäischen Staaten geringe Bevölkerungszahlen aufweisen – die wollen zahlenmäßig anschwellen, sonst nichts.

    Das Thema Bildung und liebevolle Kindererziehung, auf das ich gerne hinweise, wird auch tot geredet. Wenn die Skandinavier ein so gutes Schulsystem hätten, wie behauptet, warum bringen sie dann keine bedeutenden Erfindungen hervor, warum keine bedeutenden Persönlichkeiten, außer Märchenerzähler?

    Alle anderen Dinge, die ich von den Skandinaviern, bevorzugt von den Dänen zu berichten weiß, lassen Konservative nicht gelten, denn es ist nicht alles Gold was glänzt und jede Medaille hat zwei Seiten. Ein Skandinavier schimpft garantiert genau so auf seinen Staat, wie die Deutschen.

    Ach, hat doch keinen Sinn, sich mit deutschen Komissköppen zu unterhalten, die noch immer an das Märchen vom Deutschen glauben, der hart wie Krupp-Stahl und zäh wie Leder sei. Ich denke während solcher Meinungsverschiedenheiten:

    Komisch nur, dass die Schweden von sich behaupten, die beste Demokratie der Welt zu leben. Merkwürdig, dass die Dänen meinen, die glücklichsten Menschen Europas zu sein. Und noch erstaunlicher ist die PISA-Tatsache, dass die finnischen Kinder so ziemlich die schlausten Schüler der Welt sind. Das passt nicht zu den negativen Pauschalurteilen der Menschen meines rheinland-pfälzischen Dunstkreises.

    Schönen Gruß

    Gaby

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