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global news wb21.48 18-08-10: Konjunktur: V (rasche Erholung) oder W (doppelter Einbruch), das ist hier die Frage

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17 Responses to wb21.48

  1. Manfred Steingrube (Betriebsratsvorsitzender) sagt:

    Herr Jahnke, Ihre Analyse ist nachvollziehbar und einleuchtend. Besten Dank dafür!

    Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind noch nicht überstanden. Zwar deutet die Arbeitslosenstatistik (Achtung: Es wird wird in den amtlichen Statistiken vielfach beschönigt, dass sich die Balken biegen!)und der Auftragseingang (Achtung: Auftragseingang bedeutet nicht gleich mehr Umsatz!) der letzten Monate darauf hin. Doch so ganz glücklich machen kann das eigentlich niemanden. Höchstens Zweckoptimisten“ wie vielleicht ein Prof. Dr. Hans-Werner Sinn sein könnte.
    Die wirtschaftliche Erholung ist also noch längst kein robuster Aufschwung und kann sich sehr schnell wieder zu einer Weltwirtschaftskrise entwickeln, wenn Deutschlands Handelspartner wie beispielsweise Amerika oder die EU-Länder wegbrechen. Und danach könnte es so aussehen wie die Daten des Infoportals erkennen lassen. Jubelmeldungen der vergangenen Tage, die sich ausschließlich auf den Export bezogen, sind also mehr „aufgesetzt“ und „irreführend“ als objektiv richtig. Besonders deutliche Umsatzrückgänge verzeichneten Exportunternehmen aus den Schlüsselindustrien wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau. Besonders die Automobilindustrie, aber auch der Maschinenbau haben noch lange nicht zur „alten Stärke“ zurückgefunden trotz der Abwrackprämie.
    (Bei einem Besuch in Bremerhaven vor wenigen Tagen erst sagte mir ein Reiseleiter, dass insbesonders die Japaner mit jedem Autoschiff, das dort Woche für Woche (2 pro Woche mit über 10.000 Autos)in den Hafen eingetroffen ist, einen Blumenstrauß für Angela Merkel mitgebracht haben!)

    Ein weiterer Aspekt spricht eigentlich auch gegen einen stabilen Aufschwung, nämlich die Vernachlässigung der Binnenkonjunktur auf höchstem Niveau durch die politisch Verantwortlichen in Berlin. Zwar wird es differenziert zu beurteilen sein, jedoch spricht vieles dafür, dass besonders Menschen am „Existenzminum“ lebend, schon einmal vorsorglich von dem Wenigen was ihnen bleibt sparen könnten, weil sie nicht wissen, was aus Berlin für sie in den nächsten Monaten für finanzielle Einschnitte vorbereitet werden. Das würde zumindest einen Teil des Einbruchs des Einzelhandelseinbruchs in Folge erklären.

    Welche „Folterwerkzeuge“ mögen wohl vorbereitet werden!?

  2. Gaby sagt:

    Guten Abend, Herr Steingrube,

    ich lese Ihre Beiträge sehr gerne und bedauere, dass sie für mein Dafürhalten viel zu selten auf dieser Website zu lesen sind. Das gleiche gilt für Herrn Wittkes Beiträge. Aber das nur nebenbei bemerkt.

    Gestern traf ich zufällig einen langjährig bekannten Kollegen aus der Produktion im Aufenthaltsraum der Arbeiterschaft. Der erzählte mir, dass nach der großen Entlassungswelle der alten Mitarbeiter in 2009/2010 jetzt 40 (!) sehr junge Produktionsarbeiter eingestellt worden sind, die ausdrücklich sehr viel weniger verdienen (6,50 Euro/Std statt 15,00 Euro) nicht Zeit- oder Leiharbeiter heißen, sondern „neue Mitarbeiter mit verlängerter Probezeit“. Ich guckte ziemlich dumm aus der Wäsche und fragte, was das bedeute. Da lachte mich der dreckverschmierte Kollege an und flüsterte: „Nix anderes wie prekär beschäftigt! Arme Schweine, arm bezahlt, neues Etikett!“

    Darüber hinaus erzählte er, dass unser Arbeitgeber nun täglich vier Schichten an allen fünf Maschinen fahren lässt. Ich guckte noch perplexer aus dem Kragen und erwiderte: „Wir sind immer drei Schichten gefahren, vier kriegen wir doch gar nicht hin, der Tag hat doch nur 24 Stunden!“

    Und wieder lachte der Kollege bitter: „Die haben uns alle auf sechs Stunden Arbeitszeit pro Tag gesetzt mit entsprechender Lohnkürzung, so können sie vier Schichten fahren und alle Arbeiter verdienen nur das Geld, das sie in sechs, nicht in acht Stunden verdienen. Das ist eine grobe Lohnkürzung für jeden von uns.“

    Dieses seit mehr als 150 Jahren absolut ungewohnte Vorgehen meines Arbeitgebers trägt vermutlich dazu bei, dass mein Arbeitgeber in der Krise noch viel mehr Profit macht als vor der Krise und hat im Ergebnis sicher auch negative Auswirkungen auf unsere Steuer- und Sozialsysteme.

    Mir wird in jüngster Zeit immer wieder derart kotzübel ob unserer Wirtschaftsnachrichten von Mensch zu Mensch…, kann ich nicht in Worte fassen, nur würgen, als ob mir etwas im Halse hängen geblieben ist, das ich unbedingt loswerden werden will, aber keine geeignete Brechtüte finde, meinem sozialen Ungerechtigkeitsempfinden Luft zu verschaffen.

    Liebe Grüße,
    Gaby

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke!

    Meines Erachtens beantwortet sich die Frage nach V oder W angesichts der sträflichen und jedoch erwarteten Unterlassungen der Regierenden von selbst.

    Okay, wir hatten Sommer und wer sich’s leisten mußte oder konnte auch Urlaub; mediale Schlammlöcher gab’s gerade genug um nicht nur Brisant und Bild zu füllen aber nun ist der Sommer vorbei.

    Bei den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind wir noch gar nicht angekommen, Herr Steingrube darf das so wohl nicht sagen; gäbe es den EURO nicht säße D ganz tief im Tal der Tränen auf einer spröden Währung umspült von (neuen) alten europäischen Währungen, die kaum das Papier wert wären, geschweige denn die Farbe; allen gemein wäre das Feilbieten, oder besser, das Verschleudern von Zeit, Arbeit, Raum, Urlaub, Pizzen und Oliven.

    An einem funktionierenden EURO arbeitet nun aber keiner; Griechenland war hier erst gestern Thema, heute lese ich völlig ohne Überraschung, daß Frankreich u.U. seine Kreditwürdigkeit verlieren könnte; klar, das rating der Ratten unterstützt wohlwollend der Banksters Spielsucht; klar ist aber auch, daß alle anderen EUROLänder mit dem Rücken zur deutschen Exportwand stehen und man sich fragen muß, wer nimmt nun den unvermeidbaren Dolch in die Hand?

    Solange der Krug immer neuer Rettungspakete gefüllt bleibt, parallel zu den Big Spending Wellen der USA, wird sich keiner trauen, zuzustoßen; dem entgegen laufen allerdings – und das haben Sie in Ihrem heutigen Wochenbrief exakt auf den Punkt gebracht, Herr Dr. Jahnke – die Rennen der asiatische Tiger um allen voran Arbeit und gleich danach jegliche Ressourcen dieser Welt. An denen nimmt Europa wenn überhaupt nur peripher als vermeintlicher Nutznießer billigster Herstellung und hohen Margen teil; der Rest wird Geschichte.

    Da einer selten alleine kommt, steckt damit bereits ein anderer Dolch in Deutschlands Welt; den Spagat, EUROLands Schieflage auszugleichen und gleichzeitig auch nur annähernd mit dem asiatischen Streben nach Macht, Einfluß und ganz handfesten Rohstoffen mitzuhalten während der Rest Europas nur zuschaut ist nicht zu bewerkstelligen; schon deshalb nicht, weil da Spieler mit völlig konträren Spielregeln am Tisch des Globus sitzen was die törichten (Ver-) Spieler u.a. deutschen Silbers immer noch nicht hören/verstehen/kapieren wollen.

    Das „W“ wird vor dem vierten Schenkel in ein Auf- und Ab münden, das dem Hüpfen eines Balles gleichkommt, dem lange keine Energie zufließt. Wie lange? Sehr lange, denn andere, ganz große Probleme sind ja auch alle in konstanter Tradition unbeantwortet.

    Mal sehen, wie lange der hüpft.

    Carpe diem!

    caw

    P.S.:
    Gaby!
    Danke!

    • Manfred Steingrube (Betriebsratsvorsitzender) sagt:

      Hallo Christian A. Wittke,

      es kommt wohl auch mit darauf an, wo ich ansetze, zu sagen, bei den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind wir noch gar nicht angekommen. Dieses tiefgründige und facettenreiche weltweite Problem ist mit Sicherheit so einfach nicht zu lösen. Mir persönlich ging es lediglich darum aus einem kurzen Blickwinkel heraus das Hier und Jetzt zu umschreiben. Es hat damit im Wesentlichen nur ein wenig Gegenwartswert, mehr nicht.

      Natürlich ist es richtig, zu sagen, dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftkrise weder national noch international politisch gelöst wurden. Es ist wohl auch zu vermuten, dass so schnell keine gute Lösung gefunden wird, und zwar im Sinne der von der Krise hart getroffenen Menschen. Deshalb werden wir auch weiterhin in Geiselhaft genommen, für etwas, an dem wir gar nicht beteiligt sind.

      Ein Ergebnis des Zusammenbruchs des Finanzmarktes war, dass Banken untereinander kein Vertrauen mehr hatten. Dieses Mißtrauen wurde auf Unternehmen / Betriebe übertragen, die nachfolgend von den Banken nur sehr schwerfällig, wenn überhaupt, finanziell bedient wurden, allerdings unter Bedingungen, die haarsträubend waren und sicherlich auch für sehr viele Unternehmen / Betriebe weiterhin sind. In der Regel haben mittelständische Unternehmen mehrere „Geldinstitute“ im Hause. Darunter auch Sparkassen vor Ort, die Ausnahmen von der Regel waren. Hier hat sich die Lage inzwischen für viele Unternehmen / Betriebe verbessert.

      Eine weitere Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise war, dass die Auftragseingänge massiv eingebrochen sind, zum Teil bis zu 80% (60% in meinem Unternehmen). Inzwischen haben sich viele Unternehmen in Ostwestfalen (darunter Unternehmen wie Miele, Dr. Oetker, Thyssen etc.) aufgrund eines verbesserten Auftragseinganges ein wenig erholt. Also Luft zum Atmen bekommen haben. Das Jahresniveau 2008 hat noch kein Unternehmen – soweit ich den Überblick hier in der Region habe – erreichen können. Insofern hat sich die Gesamtsituation vieler Unternehmen / Betriebe ein wenig entspannt. Deutschland befindet sich aber nach wie vor in der Finanz- und Wirtschaftkrise. Ein sicheres Ende wird niemand vorhersehen können.

      In diesem Sinne noch einen schönen Abend

      • Guten Abend Herr Steingrube,

        Ich stimme Ihnen weitestgehend zu; in Schottland am PC sitzend kann ich allerdings nur mit einem größeren und damit gröberen Maßstab auf die deutschen Verhältnisse schauen glaube aber zu verstehen, daß das, was Teile der Presse bereits als verteilbaren Aufschwung feiern nichts anderes als eine Dampfblase ist. Wohl wird dem einen oder anderen Exporteur über die Währung geholfen, von Breite oder gar Nachhaltigkeit kann aber keine Rede sein; vielmehr droht genau von dieser Währungsseite großes Ungemach.

        Der EURO wird nicht halten, die Ausgleichzahlungen an immer weniger importbegeisterte Abnehmer werden nicht genügen, gleichzeitig im globalen Wettbewerb zu bestehen kann auch Deutschland nicht leisten, dazu fehlt es an allem von Aus-bildung bis Zu-wanderung. Das mag alles pauschalisiert anmuten jedoch verzögern die vergleichsweise billige Währung und das gedrückte Lohnniveau den Ausbruch der eigentlichen Krankheit, die da heißt: zu viel Spiel(er), zu wenig Arbeit(er).

        Das „verloren gegangene“ Vertrauen der Banken untereinander halte ich für den simplen Ausdruck der des Wissens um die eigene Schieflage; ergo, es ist nicht die Angst, der andere könnte insolvent sein oder werden, sondern ein „wir sind alle pleite, Du aber geh’ voran!“ Damit ist was so fair und gentlemanlike klingt in Wahr- und Klarheit ein Vertrauensverlust in das eigene System, das man allerdings noch so lange wie möglich und natürlich solange ein anderer die Zeche zahlt melken will wozu die Vergabe an lästige Kreditnehmer im Allgemeinen und Besonderen nicht gehört (Sparkassen, Volksbanken: glückliches Deutschland! UK sieht da ganz anders aus!)

        Systemrelevanz nicht nur der schieren Größe sondern auch der Länge des Durchhaltens nach soll die Teilhabe am Neuanfang sichern wobei Otto Normal eigentlich nur von vorne anfangen werden darf.

        Schönen Abend von Loch Ness.

        Christian A. Wittke

    • Gaby sagt:

      Guten Tag, Herr Wittke und Mitlesende,

      ich habe mir das Video „Fiddler on the Roof – Tradition“ angeschaut. Das Filmchen gefällt mir sehr gut, so dass ich den Link in meine Favoriten gespeichert habe.

      Eine zusammenhaltende Dorfgemeinschaft ist nicht das Schlechteste und entspricht vermutlich unserem angeborenen Bedürfnis nach gemeinschaftlicher Geborgenheit, schließlich hat dort jeder seinen Platz, seine Aufgabe und ist kaum jemals allein, allerdings auch selten unbeobachtet. Ich vermute, dass sich viele unserer modernen, neoliberal gebeutelten Gesellschaftsatome nach mehr sozialer Geborgenheit unter vertrauten Menschen sehnen. Es macht den meisten Menschen ganz bestimmt keinen Spaß, wie der Fiedler auf dem Dach einsam auf unsicherer Existenzbasis ihr Leben zu fristen.

      Herzlich grinsen musste ich allerdings, dass in dieser Dorfgemeinschaft sogar das Essen, Trinken, Schlafen etc. tradiert ist. Hmm, das geht für meinen Geschmack zu weit, obwohl ich grundsätzlich nichts gegen Traditionen habe. Aber mein Zweifel war geweckt, ob mir wirklich klar ist, was Traditionen sind. Folglich habe ich einen Blick ins „Kleines Pädagogisches Wörterbuch“ geworfen und dort steht unter dem Stichwort Tradition unter anderem folgendes:

      „Nur auf der Grundlage von Traditionen kann sich historisches Bewusstsein entwickeln. Tradition findet vor allem in Erziehung und Unterricht statt, weshalb sich Erzieher und Lehrer um eine kritische Bewertung und Auswahl dessen, was tradiert werden soll, bemühen müssen.“

      Aha, Tradition beinhaltet also auch Progressivität. Mit dieser Interpretation kann ich gut leben und wünsche mir für uns alle ein historisches Bewusstsein und kritisches Denkvermögen, denn nicht alles, was wir schon immer so gemacht haben, muss heute noch gut für uns sein. Das sollten sich auch diejenigen mal durch den Kopf gehen lassen, deren Wirtschaftsideologie für meinen Geschmack zu stark an Adam Smith ausgerichtet ist.

      Mit freundlichen Grüßen

      Gaby

  4. Hallo Heiner!

    Danke, stimmt:

    „Die Amerikaner sind bereit, für niedrigere Löhne zu arbeiten als früher „, sagte Bhasin. „Wir können in den USA gestandene Manager für weniger Geld bekommen.“

    … die Deutschen auch, die Franzosen ein bißchen weniger, aber der Rest: gerne, wenngleich ja oft auch ein Mehr durch ein Höher, nämlich an Abgaben, Kosten oder Inflation wieder abgeschnippelt werden kann; alles nicht freiwillig und immer aus der Not geboren, sich und die Seinen irgendwie durchbringen zu müssen. Auch da ist global gleich total und was der Lohnbezieher alleine nicht mehr schafft muß dann das Rennen um die schwächste Währung und den niedrigsten Zins tun. Dennoch gibt es Solche die meinen, mit einem Austritt Deutschlands oder auch einem Rausschmiß Griechenlands wäre das alles in einem Zug zu erledigen weil ja Deutschland schon immer mit einer harten Währung zurecht kam.

    Hello? Wäre das heute auch noch so nach dem Wüten der Neolibs?

    Da dem aber allem so und Globalisierung überall ist bestimmt im Grenzwert gegen „bald“ der ebenso asiatische wie arbeitssuchende Landarbeiter das Lohnniveau auf dem Globus und damit alle Standards, auch den des Lebens. Ich weiß, den Satz gab ich schon mal zum Besten und akzeptieren (wollen) ihn immer noch die Wenigsten.

    Deshalb ist er nicht weniger wahr.

    caw

  5. Heiner sagt:

    @caw:Also dem Satz mit dem Landarbeiter aus Asien und dem Standard weltweit kann ich nicht zustimmen, weil kein Landarbeiter in Europa von 30€ im Monat leben kann.In Frankreich gibts eben 8,50€ und das ist auch gut so.Es ist aber zugleich so,das Löhne und Gehälter
    immer weiter gedrückt werden, und wer diese Erfahrung macht wie Dreck bezahlt zu werden,fühlt sich irgendwann auch als Dreck. Egal wo auf der Welt!
    Noch was zu den USA:
    Noam Chomsky hat 1998 das Buch Haben und Nichthaben geschrieben.(Lesenswert!)neben anderen!
    Auszug S.147 von einem Interviewer an den Autor:(Und diesem Fragesatz würde ich uneingeschränkt zur sozialen Lage in den USA 1998 wie jetzt zustimmen):In demselben Artikel schreibst du über die „Forcierung der bewußten Politik,das Land in ein Modell nach dem Vorbild der Dritten Welt
    hineinzutreiben, in dem es Sektoren, die hochgradig priviligiert sind, eine wachsende Zahl von Menschen, die in Armut und wirkliches Elend absinken und eine überflüssige Bevölkerung, die in Slums eingeschlossen ist oder in das rasch expandierende Gefängnissystem hineingestoßen wird.
    Wie gesagt es geht um die USA!
    Und alle wirtschaftlichen Fundamentaldaten der USA haben im Moment nur eine Richtung: wieder nach unten!
    MfG

    • Heiner

      Die Arbeit – im gegenwärtig völlig losgelösten System – geht dahin, wo sie am billigsten zu bekommen ist. Das meine ich mit dem sicherlich überspitzen Satz über den Landarbeiter; Frankreich macht vieles besser und könnte es noch besser tun, so es seine eigene freie Währung wieder hätte. Das sagte mein zweiter Absatz.

      Zur rhetorischen Frage zu den USA und Chomskys geistiger Selbstverteidigung kann ich nur mit dem Kopf nicken. Wir versuchen uns ja alle die wir uns hier tummeln.

      Schönen Abend.

      caw

  6. Gaby sagt:

    Guten Morgen, in die Runde,

    Heiner, ich habe gerade echt fiese Bauchschmerzen bekommen, als ich den von Dir zur Verfügung gestellten Auszug aus Chomskys Buch las. Alles in mir weigerte sich spontan, diese Prophezeiung zu akzeptieren.

    Ich denke, ich sträube mich deshalb mit allen Sinnen gegen diese dunkle Zukunft, weil ich eine viel bessere Vergangenheit, nämlich die der echten Sozialen Marktwirtschaft kenne und ganz sicher nicht vergessen habe, wie wohlhabend und sozial abgesichert die Deutschen bis zirka zur Jahrtausendwende lebten. Hunger stand jedenfalls nicht auf der Agenda der Menschen, die ich gekannt habe und dass jemand zu wenig Geld gehabt hätte, um über den Monat zu kommen, habe ich damals in meinem Umfeld auch nie kennen gelernt.

    Aber was ist mit den jungen Menschen, mit allen, die lange nach mir geboren wurden? Ich kann sie an meinem Arbeitsplatz erleben, Jahr für Jahr immer wieder eine Handvoll neuer. Es sind 18-, 20-, 25-jährige. Wenn ich mich mit denen unterhalte, staune ich, wie sehr sie das gegenwärtige Wirtschaftsgemetzel völlig widerspruchslos verinnerlicht haben. Für diese jungen Menschen ist klar, dass sie nur mit Rücksichtslosigkeit, mit persönlicher Ausbeutung ihrer geistigen und körperlichen Kräfte und am besten ohne Kinder durchs Leben kommen. Sie buckeln schleimig nach oben und treten arrogant nach unten. Es ist kaum politisches wie ökonomisches Interesse vorhanden. Sie arbeiten übereifrig, sie geben ihr Bestes für eine Sache, die nicht die ihre ist und ihre Freizeit hängen sie faul vor dem Fernseher oder im Biergarten ab und besaufen sich (nicht alle, aber eine ganze Menge). Sie sind wie Roboter. Sie sind gekünzelt freundlich, haben ein einoperiertes Lächeln im Gesicht und misstrauische, leicht aggressiv dreinblickende Augen. Diese jungen Menschen bilden untereinander mehr oder weniger oberflächliche Beziehungen, aber keine Freundschaften.

    Wir Alten sterben langsam aus und mit uns das Wissen um eine Wirtschaftsform, die allen wohl und kaum einem Menschen weh tat. Ich glaube, Chomsky hat Recht mit seiner Voraussicht des Laufs der Dinge. Es wird in 20, 30 Jahren kaum noch jemand über den Rheinischen Kapitalismus sprechen, wenn nicht auf der Stelle dieser selbstmörderische neoliberale Wahnsinn aufhört. Aber er wird nicht aufhören, sondern immer stärker vorangetrieben werden von Menschen, die gar nichts anderes kennen, als den Gürtel stetig enger zu schnallen und trotzdem glauben, dass sie über ihre Verhältnisse leben. In der Psychologie nennt man ein solch widersprüchliches Denken und Verhalten Schizophrenie.

    Ich komme mir wirklich vor wie in Michael Endes unendlicher Geschichte. Jeden Tag bricht ein Stück der wohlmeinenden Ökonomie, in die ich hinein geboren wurde, weg. Ganz aktuell wird darüber gestritten, dass sechs Wochen Urlaub viel zu viel sind und sich der Deutsche auch in jährlich fünf oder vier Wochen von der Arbeit erholen kann.

    Wahnsinn!

    Liebe Grüße

    Gaby

  7. Heinz Göd sagt:

    Hallo Gaby

    Das Schaubild der Deutschen Bank:
    http://www.inwo.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=756&POSTNUKESID=d7ce67391419d59ba3daca4393868c39
    zeigt die Entwicklung der Löhne, des BIPs, der Geldvermögen
    seit 1950.
    Die Löhne fangen schon in den 1980-er an nachzuhinken.
    Der gute ‚Rheinische Kapitalismus‘ ist also wohl
    eher ein Wunschdenken.

    Grüße
    Heinz Göd

    • Gaby sagt:

      Hallo, Heinz Göd und Mitdiskutanten,

      wir dürfen nicht übersehen, dass sich unser Nachkriegswirtschaftssystem ab den 1970er Jahren im Zuge der inflationären Ölkrisen peu á peu aufzulösen begann und stattdessen mit neoliberalen Ideen unterspült wurde. So richtig Fahrt hat die neoliberale Globalisierung in Deutschland ab ca. dem Jahr 2000 aufgenommen. Seither wird in unserem Land eine missratene Reform nach der anderen durchgepeitscht, die bei Millionen unserer Mitbürger/innen ziemlich starke Ängste auslösen, die sich immer häufiger zu echten Depressionen auswachsen.

      Der Begriff „Rheinischer Kapitalismus“ wurde 1991 von Michel Albert (franz. Wirtschaftswissenschaftler) im Rahmen seines Buches „Kapitalismus contra Kapitalismus“ geprägt. Albert beschreibt die Soziale Marktwirtschaft im Vergleich zum neo-amerikanischen Kapitalismus als gerechter, effizienter und weniger gewalttätig.

      Ich hänge also keinen Wunschvorstellungen an, wenn ich vom Rheinischen Kapitalismus spreche. Eine Wunschvorstellung ist allenfalls mein Wunsch, zu diesen ökonomisch ruhigeren und vor allen Dingen sozial sichereren Wirtschaftszeiten zurück zu kehren.

      Alles Gute!

      Gaby

      • globalnote sagt:

        Die Entwicklung der Lohnquote sagt eigentlich alles: http://www.jjahnke.net/index_files/14636.gif (dagegen kann ich den Creutz’schen Vergleich von Löhnen und Geldvermögen nicht nachvollziehen, da die Zahlen der Bundesbank anders sind; außerdem darf man bei so langen Zeitreihen die Inflation nicht ausklammern).

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Heinz Göd sagt:

        Hallo Gaby,

        Zu „Kapitalismus“ gibt es mehrere Theorien.
        Mit der Wirklichkeit überein stimmt meiner Beobachtung nach
        nur die von H.C.Binswanger („Geld und Wachstum“):
        „Ein Wirtschaftssystem mit Geld muss wachsen(=zunehmen),
        ein Lauf auf gleichbleibener Höhe ist unmöglich“
        Meine Beobachtung:
        Jahre mit zuwenig Wachstum waren eher ungute Jahre.
        Das stellt jegliche Form des Kapitalismus in frage.
        Wer Wachstumskurven kennt, weiß,
        dass zuerst alles gut ausschaut und dann plötzlich …
        Grüße
        Heinz Göd

  8. Heinz Göd sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke,

    Auf dem Schaubild von Creutz steht:
    „Quelle: Bundesbank Monatsberichte …“
    Das Original habe ich nicht gefunden,
    ich nehme an,
    – dass Creutz sie wirklich von dort hat
    – dass die Bank die Daten inflationsbereinigt hat.

    Beste Grüße
    Heinz Göd

    • globalnote sagt:

      Nein, die Bundesbankdaten-Daten sind nicht inflationsbereinigt. Und die Daten, die ich bei der Bundesbank sehe, zeigen einen wesentlich geringeren Anstieg der Geldvermögen der privaten Haushalte an, als Sie Creutz in seiner Grafik hat.

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