1836

Gedanken zur Zeit 1836 15-08-10: BILD, die Rente mit 67 und der Blödsinn mit der Menschenwürde

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7 Responses to 1836

  1. Kalle sagt:

    Erst die „Alten“ zwischen 40 und 60 zuhauf rausschmeißen weil zu teuer, um sie jetzt wieder zu Dumpinglöhnen in prekäre Stellen bis 67 zu drücken. Und dann noch die derzeit höchste Jugendarbeitslosigkeit weltweit.Da fehlen mir die Worte.

  2. Detlef sagt:

    Kalle, das ist nur die Spitze vom Eisberg.
    Mal ganz davon abgesehen das ab 40Jahre das Bewerben schon an Volksbelustigung grenzt da 90% aller Bewer-bungen mit einer nichtssagenden Ablehnung enden und die in den zuständigen Büro’s sich nur über die Bewerbungen lustig machen, ist doch fakt das es kaum Arbeit für die junge Generation gibt.
    Dieses ganze Geschwafel von „zu wenig Fachkräfte“ usw. ist hahnebüchener Unsinn da mehr wie genug Facharbeiter, Ingenieure etc. zum Nichtstun verdonnert wurden weil sie den Unternehmen „zu viel kosten“.
    Diese Verschiebung des Rentenalters ist einfach eine Verlagerung der Kosten. Wer erst mit 67 in Rente geht, muß länger H4 beziehen. H4 wird aber nicht vom Staat sondern den Kommunen getragen, also spart Vater Staat auf Kosten der Kommunen.
    Auf Grund des längeren Bezuges von H4 wird durch Vater Staat weniger Rente ausgezahlt und der Fehlbetrag bis zum Existenzminimum muß wiederum durch H4 (also durch die Kommunen) aufgestockt werden.
    Wie lange dies die Kommunen durchhalten ist noch fraglich.
    Dieser Staat steht mit einem Schaufelradbagger auf dem Acker und schaufelt sich in Windeseile sein eigenes Grab und die dafür Verantwortlichen schweben auf ihren rosa Wolken und bekommen garnicht mit das unter ihnen alles kocht und brodelt.
    Es dauert nicht mehr all zu lange bis zum nächsten großen Aufwachen!
    http://www.deutschland-geht-auf-die-strasse.info

  3. Rote Socke sagt:

    Lieber Det, lieber Kalle,
    Hallo, Herr Jahnke!
    Aus den BILD-Zeilen springt wirklich blanker Hohn. Es stimmt, was im Artikel gesagt wird, daß Mitarbeiter mit Erfahrung eine Bereicherung für jedes Arbeitskollektiv sind, es stimmt aber ebenso, was Detlef sagt – ab einem gewissen Alter ist man/frau als Arbeitskraft out.

    Es gibt aber noch einige andere Weisheiten. So ist die zur Produktion von Waren erforderliche Anzahl von Arbeitskräften dank Technisierung, Automatisierung und Computerisierung in den zurückliegenden Jahren erheblich gesunken. Sie sind von der „Wirtschaft“ mit kühnem Schwung der Gesellschaft auf den Hals geworfen worden. Herr Jahnke hat bestimmt einige nette Statistiken dazu auf Lager.

    Gleichzeitig fehlen bei dem noch auf Prinzipien aus der Steinzeit (ja, Herr Jahnke, aus den frühen Jahren der Republik) aufbauenden System der Rentenfinanzierung die Zugänge aus Arbeitslöhnen. Sie fehlen nicht nur, sie sind sogar rückläufig. Dito die übrigen Kassenbeiträge. Dafür schießen die Unternehmensgewinne Purzelbaum – ich sage nur 14849 bzw. 2101, wo der Link zum Diskussionsforum immer noch broken ist.

    Dafür wird die Angstkeule geschwungen und auf die ältere Generation eingedroschen, und Zwietracht gesät zwischen Jung und Alt nach dem Motto „die Alten fressen uns die Haare vom Kopf“.

    Angesichts der potentiellen Produktionszahlen ist das Land durchaus dazu in der Lage, jedem ein würdiges Leben zu sichern, wenn es denn die exitierenden Ressourcen nutzen und nicht in vereinzelte private Taschen stecken würde. Dazu ist nicht eine Erhöhung des Renteneintrittsalters erforderlich, sondern, ganz im Gegenteil und auch logisch, dessen Senkung, vorschlagsweise auf 55, damit ich auch was von habe. Um das zu erreichen, ist ein Mindestlohn erforderlich, aber auch ein Maximallohn und eine Besteuerung der Nettorenditen von nicht unter 80%, denn die Nettorenditen sind nichts anderes als unanständig hohe Gewinne unter anderem durch die „Freisetzung“ von u.a. Produktionspersonal, die dazu noch uns einfachen Menschen durch den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen aus unseren ohnehin löchrigen Taschen gezogen worden sind.

  4. Manfred Steingrube (Betriebsratsvorsitzender) sagt:

    Meine persönlichen Beobachtungen dazu sind andere als die der „Schmierenkomödianten“. Die Politik, die längst im Hintergrund und fern von der Öffentlichkeit im Ausland für Fachkräfte wirbt, ist doch längst dabei, die meisten älteren Arbeitnehmer aufzugeben. De facto bleibt es nur bei Appellen an Arbeitgeber die Arbeitsfähigkeit und Qualifikation älterer Arbeitnehmer voranzutreiben, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen und Arbeitgeber für ältere Arbeitnehmer zu sensibilisieren. Alles in allem betrachtet sind das eigentlich keine neuen Erkenntnisse. Alter Wein in neuen Schläuchen.

    Vielfach sieht es auf betrieblicher Ebene so aus, dass der Gesetzgeber mit den §§ 96 – 98 BetrVG den Betriebsparteien zwar ein Mittel in die Hand gegeben hat, innerbetrieblich über die Förderung der Berufsbildung (besonders eben auch für ältere Arbeitnehmer!) gemeinsam zu beraten. Allerdings muss diese „betriebsverfassungsrechtliche Vorschrift“ doch überwiegend infrage gestellt werden, denn tendenziell gibt es immer weniger Unternehmen mit einem Betriebsrat.

    Die Hälfte aller Arbeitnehmer arbeiten bereits heute in einem Unternehmen ohne Betriebsrat (Anmerkung: ca.3 Millionen Unternehmen mit 27.500.000 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer), so eine Studie von Soziologen der TU München (Böcklerimpuls 3/2009). „Der Mangel an Arbeitnehmervertretung ist nach Analyse der Wissenschaftler besonders misslich für die meist prekär Beschäftigten von Discountern, Wachdiensten, von Betrieben der Gebäudereinigung und im Gastgewerbe. Das sei meist von den Arbeitgebern so gewünscht, bereits die Organisation des Unternehmens solle eine gemeinsame Interessenartikulation der Belegschaft behindern.“ Diese Branchen stehen allerdings nicht allein für betriebsratslose Unternehmen. Sie ließen sich beliebig fortsetzen, besonders in den hoch qualifizierten Branchen.

    In tarif- und betriebsratslosen Unternehmen erstellt demzufolge der Arbeitgeber allein eine Bedarfsanalyse zur betrieblichen und beruflichen Weiterqualifizierung seiner Mitarbeiter. Diese Situation trägt allerdings wenig zum Aufbau eines Systems lebenslangen Lernens bei. Die also eigentlich gut gedachten Instrumente bereits bestehender Weiterqualifizierungen von Arbeitnehmern verpuffen also weitestgehend, wenn faktisch keine „vorausschauende Personalpolitik“ zu einer Unternehmensführung gehört, um das Bestmögliche im Wettbewerb zu erreichen.

    In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen wird dem Faktor „Bildung und demografische Entwicklung“ ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt. Investitionen in Qualifizierungen von Mitarbeitern, so heißt es vielfach auch in Arbeitgeber-Stellungnahmen, bedeuten eine Stabilisierung und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt. Deshalb erstaunt es umso mehr, dass ältere Arbeitnehmer in Deutschland nur in unzureichendem Umfang an inner- und außerbetrieblichen Weiterbildungen teilnehmen. Hierzu lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen, der beispielhaft aufzeigt, wie es scheinbar in deutschen Unternehmen mit der betrieblichen und außerbetrieblichen Weiterbildung aussieht und zum großen Teil tatsächlich auch aussehen wird. Nach einer VDI-Studie (Verein Deutscher Ingenieure, Management und Qualität 1-2/2009) „wird noch immer in zu hohem Maße von den Mitarbeitern verlangt, sich selbst um ihre Qualifizierung zu kümmern.“ Weiter wird in der Studie festgestellt, „dass die Ausgaben für Weiterbildung seit Jahren stagnieren. Hinzu kommt, dass das Potenzial der eigenen Fachkräfte nicht richtig eingeschätzt und infolgedessen nicht richtig gefördert wird.“ Untermauert wird diese „Diagnose“ durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in der Auswertung der dritten europäischen Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung (CVTS3). Danach rangiert Deutschland nach Anteil der Teilnehmenden an betrieblichen Weiterbildungskursen im Mittelfeld. Die Gründe für das nicht sehr gute Abschneiden betrieblicher / außerbetrieblicher Weiterbildungen von Arbeitnehmern in Deutschland hat eine Vielzahl von Gründen. Das BiBB benennt einen gravierenden Grund für die rückläufige Weiterbildung in Deutschland: „Die Abnahme der Teilnahmequote in Deutschland ist teilweise auf den Rückzug eines Teils der Unternehmen aus der betrieblichen Weiterbildung zurückzuführen.“ Darüber hinaus stellt auch das Statistische Bundesamt fest, dass besonders ältere Arbeitnehmer (über 54 jährige) weniger an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen als jüngere Arbeitnehmer (unter 54 jährige). Und weiter: „Mit Blick auf das Konzept des lebenslangen Lernens ist der Beitrag der deutschen Unternehmen im europäischen Vergleich bisher eher unterdurchschnittlich: In Deutschland ist, zumindest im Vergleich mit den EU-Mitgliedsstaaten, der Anteil weiterbildender Unternehmen relativ niedrig.“

    Wenn nicht endlich wirklich der Hebel einer anderen Politik umgelegt wird, rasen wir in schnellen Schritten auf eine Altersarmut zu, die ähnlich oder gleich der Weimarer Republik sein könnte. Wovon sollen Arbeitnehmer z. B. Rücklagen bilden können, wenn nicht von ihrer Hände Arbeit, aber über 6 Millionen Arbeitnehmer gerade 9 € und über 2 Millionen nicht einmal 6 € für ihre Vollzeitarbeit bekommen!?

    • carolus sagt:

      vollkommen richtig!wovon rücklagen bilden?leiharbeiterlohn wird dies nicht ermöglichen.auch die tatsache,dass sich immer mehr betriebe aus der tarifbindung und damit gewerkschaftlicher kontrolle lösen oder erst garnicht anstreben zeigt,dass wir immer weiter in ein kapitaldominiertes chaos abdriften und uns immer mehr in richtung sklavenhaltergesellschaft entwickeln.nach dem motto haste was biste was!die breite masse kann sehen wo sie bleibt!
      bildzeitung schwingt dazu die neoliberale propagandakeule und versucht der mehrheit noch ein schlechtes gewissen einzureden,dass sie ja doch eigentlich liebend gerne sich zu tode arbeit und natürlich niemals das rentenalter-neuerdings 70 ist ja gefordert!-erreichen wird ausser man arbeitet in der chefredakteursetage von bild oder anderen neoliberalen schmierblättern oder fernsehsendern und lässt sich im tessin fitspritzen,um 100 zu werden.

  5. Manfred Steingrube (Betriebsratsvorsitzender) sagt:

    Als einen Propheten, der Untergangsstimmung verbreitet, will ich mich keinesfalls zur Schau stellen. Jeder vernünftig denkende Mensch wird aber wohl davon ausgehen müssen (siehe Bergbau, Schiffsbau, Automobilindustrie etc.), dass beim Kippen der Wehrpflicht ebenfalls massiv Arbeitsplätze verloren gehen. (Ich spreche in erster Linie von Zulieferfirmen!) Da der Herr von Guttenberg wohl kurz- oder mittelfristig eine Berufsarmee plant, wird dies auch zur Folge haben, dass junge Menschen zukünftig dem Arbeitsmarkt noch weniger zur Verfügung stehen könnten (das passt wieder ins Bild der „heimlichen Werbung für Fachkräfte im Ausland!“) – noch mehr als bisher schon. Nach neuester Sprechart der Politiker brauchen wir nämlich keine Soldaten mehr im bisherigen Umfang, die die Grenzen verteidigen müssen, sondern nur noch „Profis“ wie es der „Heute Journal Sprecher Claus Kleber“ formuliert hat. Heranwachsende Menschen also, die mit ziemlicher Sicherheit aus „Unterschichten (bitte nicht als Diskriminierung verstehen!) kommen werden“. Also junge Leute, die für sich eher keine Perspektive in Deutschland sehen als sich eben bei einer zukünftigen „Freiwilligenarmee“, die einen „professonellen richtigen Krieg führt“, zu melden. Dass sich die Söhne von Politikern oder Managern freiwillig zur Armee melden, ist für mich persönlich beinahe ausgeschlossen.

  6. Rumpel (Link korrigiert) sagt:

    Die Rettung der HRE war doch wohl auch eine Rettung der privaten Altersvorsorge, denn wo haben Apotheker-, Ärzte- und Architektenkammern ebenso wie Lebensversicherungen das Kapital für ihre private Altersvorsorge angelegt? Schließlich sind (oder waren?) LV ja gesetzlich verpflichtet, das Geld der Versicherten risikoarm anzulegen und nicht zu verzocken. In meiner Jugend gabs noch die Werbung für die „mündelsicheren“ Pafandbriefe und Kommunalobligationen. Aber die Depfa wurde erfolgreich privatisiert, mußte Steuern zahlen und ging daraufhin nach Irland, finanzierte langfristige Hypotheken mit kurzfristigem Geld, und wurde dann von der von der Allianz als Bad Bank gegründeten HRE aufgekauft. Das war ein Win-Win-Geschäft, die HRE wurde dadurch so groß, daß ein Zusammenbruch systemrelevant würde…

    Also wenn der Staat mal ebensoviel Steuergelder in die Rentenversicherung stecken würde…

    Stattdessen geht es fröhlich weiter mit der Ausplünderung der Rentenkassen durch versicherungsfremde Leistungen:

    Rentenkassen-Ausplünderung – 1957 bis 2002 – rd. 700 Milliarden Euro incl. 300 Mrd. Euro Zinsen:

    http://www.bohrwurm.net/Rentenklautabelle.htm

    der Autor hat es aufgegeben die Tabelle zu aktualisieren, nicht daß etwa der Eindruck entstünde, seit 2002 würde der Staat zahlen…

    Wen’s interessiert, durch welche versicherungsfremde Leistungen geplündert wird:

    http://www.bohrwurm.net/Rentenkassen%20Pluenderkatalog.htm

    der letzte Punkt im Katalog:
    12.) 1994 hat das Institut der Deutschen Wirtschaft bereits darauf hingewiesen, dass Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung für die versicherungsfremden Leistungen pro Jahr mehr als 170 Milliarden DM aufwenden müssen. Der Bund als Verursacher beteilige sich daran nur mit 70 Milliarden DM; auf den restlichen 100 Milliarden DM blieben die Beitragszahler sitzen. Da diese Zusammenhänge also den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bekannt sind, stellt sich die Frage nach deren wahren Intentionen, wenn sie den weiteren Abbau sozialer Leistungen fordern, ohne zuerst diese Ungerechtigkeiten zu bereinigen.

    Natürlich kann man die Zahlen von 1994 nicht mit 2008 vergleichen, aber ich mach es trotzdem mal:
    Ende 2008 gab es in der gesetzlichen Rentenversicherung 52 Mio Versicherte, davon 35Mio aktiv, aber nur 26.5 Mio versicherungspflichtig Beschäftigte. deutsche-rentenversicherung.de Daten (180kb PDF)

    Das wären grob 4000€ jährlich pro Kopf, auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Beim Arbeitgeber kann man das als Steuer betrachten, ein Unternehmen hat halt diverse Kosten. Beim Arbeitnehmer hingegen ist das eine erhebliche Mehrbelastung gegenüber Beamten, die keinerlei persönlichen Beitrag für versicherungsfremde Leistungen zahlen…
    2000€ jährlich in eine Kapitallebensversicherung eingezahlt gäben im Alter ein „hübsches Sümmchen“, wie der LV-Vertreter sagen würde.

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