1814

Gedanken zur Zeit 1814 13-07-10: Es herrscht Krieg in Deutschland und keiner schaut hin?

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13 Responses to 1814

  1. Die Soziale Bewegung Land Brandenburg (SBB) veranstaltet unter der Trägerschaft des Förderverein SBB e.V., eine Aktion zum Thema „Zunahme von unsicheren Arbeits- und Lebensverhältnissen“, mit dem Titel
    Zug der Tagelöhner
    Vom 19.07.2010 bis 28.07.2010

    Wir sind vom Sozialabbau betroffene Menschen, deren Stigmatisierung seit Jahren betrieben wird und die es satt haben ständig gegeneinander ausgespielt zu werden.

    Diese Aktion soll eine breite gesellschaftliche Diskussion befördern. Deshalb wünschen wir uns, dass sich möglichst viele von der Thematik betroffene Organisationen an der Aktion beteiligen. Wir würden uns über begleitende Aktionen und Veranstaltungen z.B. Infostände, Podiumsdiskussionen, Tribunale oder ähnliches, aber auch finanzielle Unterstützung sehr freuen.

    Wir laden alle Organisation, einschließlich deren Untergliederungen, ganz herzlich zum Mitmachen ein.

    Wann und Wo?
    19.07.2010 13:30 Uhr in Jüterbog auf dem Marktplatz
    20.07.2010 14:30 Uhr in Finsterwalde auf dem Marktplatz
    21.07.2010 abends in Eisenhüttenstadt auf dem Sportfest
    22.07.2010 08:00 Uhr in Eisenhüttenstadt vor der ARGE
    22.07.2010 16:30 Uhr in Schwedt auf dem Platz der Befreiung
    23.07.2010 08:30 Uhr in Angermünde vor dem Grundsicherungsamt
    23.07.2010 12:00 Uhr in Eberswalde auf dem Wochenmarkt
    24.07.2010 – (evtl. weitere Veranstaltungen in Eberswalde)
    25.07.2010 – (Auch Tagelöhner brauchen mal einen Ruhetag)
    26.07.2010 16:00 Uhr in Brandenburg a der Havel am Altstädtischen Markt
    26.07.2010 18:00 Uhr in Brandenburg an der Havel Montagsdemo
    27.07.2010 16:00 Uhr in Potsdam am „Brandenburger Tor“
    28.07.2010 Fahrt zum Deutschen Bundestag in Berlin und Übergabe von unterwegs gesammelten Forderungen der Bürger.

    Michael Maurer

  2. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    wenn ich vor vielen Monaten nicht per Zufall auf Ihrer rundum lehrreichen, zum autodidaktischen Lernen anregenden, den persönlichen e-Mail-Kontakt zu Ihnen nicht verwehrenden und überaus sympathischen Webseite gelandet wäre, hätte ich bis heute keinen blassen Schimmer von der Ökonomie, die in Wirklichkeit die wichtigste Grundlage unserer aller Existenzen ist.

    Nach wie vor würde sich unser Wirtschaftssystem für mich auf Einkommen, fixe Ausgaben und Shopping beschränken und ich würde immer noch genau das Gleiche denken, das die Mehrzahl der Leute meines Dunstkreises denkt und spricht: „Mir geht es gut, also kann das große Ganze nicht so schlimm sein!“ Und, der sicher unemanzipatorischste Gedanke: „Die da oben“ werden schon wissen, was sie tun“, ein Gedanke, der impliziert, dass „die da oben“ es nicht schlecht mit dem deutschen Volk meinen.

    Leute, die so lammfromm denken, empfinden unsere wirtschaftliche Situation nicht als existenzbedrohenden Krieg und schon gar nicht merken sie, dass ihnen die Felle wegschwimmen, denn der Deutsche denkt und handelt reflexartig: „Alles könnte ja noch viel schlimmer sein. Also bin ich froh, dass es so ist, wie es ist. Es ist für mich erträglich, ich lebe gut“. Die Toleranzschwelle nach unten, also hin zu noch schlechteren Lebenslagen, ist in der deutschen Mittelschicht ziemlich groß, denn viele deren Mitglieder hat ein enormes Finanzpuffer, gespeist aus Erbschaften, die im Ordoliberalismus der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut wurden.

    Ich, die Bewohnerin der deutschen Mittelschicht, hätte ohne Kontakt zu Ihrer Webseite bei der letzten Bundestagswahl genauso gewählt, wie es die meisten meiner Artgenossen getan haben. Entweder CDU oder FDP, denn beide Parteien erscheinen wie Besitzstandswahrer und meinen Besitz gilt es zu schützen. Ohne Ihre, Herr Dr. Jahnke, tägliche Aufklärungsarbeit wäre ich nach wie vor ein genügsames, voll und ganz in den Kapitalismus domestiziertes Mittelstandsweibchen geblieben, dem die Politik und die Wirtschaft bedeutungslos sind, weil beide Angelegenheiten meinen Alltag augenscheinlich nicht unmittelbar berühren. Das nennt man auch Vogel-Strauß-Mentalität und das politische Programm der Partei DIE LINKE hätte mich nie interessiert. Nun aber habe ich DIE LINKE gewählt und halte an ihr fest. Der Fall „Gauck“ ändert nichts an meinem künftigen Wahlverhalten.

    Den heutigen Nachmittag habe ich bei meinen Freunden Eberhard und Jutta verbracht. Beides superliebe, weltoffene, aufgeklärte Mittelstandsmenschen in gehobenem Alter. Eberhard ist Pensionär und lässt kaum etwas Negatives auf seinen einstigen staatlichen Arbeitgeber kommen.

    Wie aus der Pistole geschossen haben beide wie immer geschimpft wie die Rohrspatzen. Sie schimpfen über die angeblich faulen Arbeitslosen, die egoistischen alleinerziehenden Mütter, schimpfen gegen die leistungsschwachen Südländer, die Spekulanten und Banker und zeigten sich außerordentlich empört, weil die Chinesen neuerdings behaupten, die Europäer seien faule Zeitgenossen. Ein Geschimpfe noch und nöcher, vor allem gegen die Chinesen, weil sie es wagen, uns als faule Leute zu betrachten. Das ist für die deutsche Mittelschicht ein echter Affront!

    Selbstverständlich lassen mir Jutta und Eberhard Zeit, zu erklären, wie ich die Dinge sehe. Sie nehmen alle Informationen sehr interessiert auf, gerade so, wie eine Sensation, die es nicht im TV zu erhaschen gibt, gerade so, als würde ich ihnen eine neue Welt erklären, aber sie verarbeiten diese Informationen nicht wirklich.

    Sie konsumieren sie, verdauen sie, scheiden sie gleich wieder aus, ohne dass sich in ihrem Herzen auch nur der Hauch eines Verständnisses für die Ökonomie entwickeln würde. Es bleibt dabei, um nur ein kleines Beispiel zu nennen, dass den Deutschen niemand verbieten kann, so wunderbare Produkte zu schaffen, nach denen sich die ganze Welt reißt, also gilt uns zurecht der Titel Exportweltmeister. Sollen sich doch andere Länder ein Beispiel an uns nehmen und ebenso innovativ, diszipliniert, fleißig, pünktlich und korrekt sein wie die Deutschen. Eberhard, der einstige deutsche Staatsdiener, verficht am fleißigsten dieses dumme Urteil.

    Unsere Politiker, auch die Mainstream-Medien, allen voran die BILD, wissen sehr wohl, die Vorurteile des Mittelstandes für ihre Zwecke auszunutzen und als Waffe gegen diejenigen einzusetzen, die nicht so gut bestallt sind, wie die fette Mittelschicht. Sie tun das, Tag für Tag!

    Das Geschilderte ist nur ein winzig kleiner Splitter des geistig-mentalen Zustandes der meisten Menschen meines Umfeldes, von dem ich ja hin und wieder in diesem Forum schildere. Schimpfen ja – Hinzulernen nein. Und wenn sich die Leute ihren imaginären Ärger von der Seele schnabuliert haben, verlustieren sie sich in ihrer täglichen Routine und glauben, alles sei in bester Ordnung, weil sie ihren Beruf, ihr Haus, ihr Auto, ihren Garten, ihr Bett und ihren Herd, ihren Ehepartner etc. pp. noch haben.

    Ökonomischer Volkskrieg findet nur dann statt, wenn die Leute ihre Situation als kriegerisch, als groben Angriff auf ihren Wohlstand empfinden. Aber von dieser Einsicht ist der große Teil der Mittelschicht weit entfernt, weil die Enteignung ihrer Vermögen ziemlich sachte verläuft und das Gedächtnis des kapitalistisch geprägten Marktmenschen obendrein extrem kurz ist.

    So schließe ich mit der seit vielen Monaten täglich neu gewinnenden Erkenntnis: Schlimmer geht im Mittelstand geht immer!

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Vielen Dank. Ein bißchen viel Blumen für mich.

      Ihre Berichte von der Front in diesem Krieg sind immer wieder wichtig. Da lassen sich viele verdummen und einspannen, wie einst im echten Krieg („Denn heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“).

      Es ist immer dieselbe Frage: Wo kann eigentlich Veränderung herkommen? Es braucht entweder Verstand und Voraussicht und vor allem Sensiblität, wie sie beispielsweise die Studentenbewegung der späten 60er Jahre um den Globus herum hatte. Oder ein ausreichendes Maß an Verzweifelung, das in Deutschland noch lange nicht erreicht ist. Dazu bräuchte es mindestens noch einmal zwei globale Finanzkrisen, eine Hyperinflation und noch irgendetwas, was mir jetzt nicht so schnell einfällt, was aber ziemlich schrecklich sein muß. Leider.

      Beste Grüße
      Joachim Jahnke

      • Heiner sagt:

        @globalnote:
        Statt nochmaligen globalen Finanzkrisen und Hyperinflationen und alles andere wären doch wählbare politische Parteien und Konstellationen auch im jetzt vorhandenen 5 Parteien System in Deutschland besser als darauf zu hoffen, das wenn alles nur noch schlimmer wird, die Deutschen aufwachen werden.Dem Glauben, durch Krisen wird das Veränderungsbewußtsein gestärkt(impliziere das in ihrer Aussage)kann ich nicht zustimmen.
        Ich denke die Menschen müssen wieder zu Millionen mehr an die Wahlurne zurück;
        aber vorher müssen Sie auch überzeugt werden wofür Sie diesen demokratischen Gang antreten, und auf wen Sie sich verlassen können!
        MfG

      • Gaby sagt:

        Schönen Dank, Herr Dr. Jahnke,

        dass Sie meine „Frontberichte“ nicht langweilen. Mitunter traue ich mich gar nicht, meine Beobachtungen zu schildern, weil ich annehme, dass Ihr alle glaubt, ich würde an gestörter Wahrnehmung leiden.

        Aus diesem Grund bedanke ich mich bei Hagnum, der ähnliches in seinem Alltag erlebt. Auch in meinem Umfeld ist es so, dass Die Linke für unwählbar gehalten wird und gefährlich obendrein, denn in ihren Reihen tummeln sich anarchistische Kommunisten. Der Hinweis, dass sich nach dem 2. Weltkrieg massenweise Alt-Nazis in unseren elitären Kreisen bewegt haben, zählt nicht, weil das „etwas anderes ist“.

        Wissen Sie eigentlich, Herr Jahnke, dass Sie so ziemlich der einzige mir bekannte Senior sind, der die Vokabel „Studentenbewegung der späten 60er Jahre“ im positiven Sinne verwendet? In meinem Umfeld gelten die 68er bei Menschen > 55 Jahre als langhaarige Bombenleger, die letztlich an allem Schuld sind. Sie sind Schuld am Niedergang unseres Bildungssystems, an der Verrohung der Sitten, an der Disziplinlosigkeit unserer Jugend, an der Emanzipation der Frauen, an der hohen Scheidungsrate, an der sozialen Kälte, am Egoismus des Einzelnen, der wachsenden Kriminalität etc. pp. Es gibt etliche verbiesterte Zeitgenossen, die möchten die 1960er und 70er Jahre am liebsten aus unserer Historie rausschneiden.

        Sie fragen: Wo kann Veränderung herkommen? Ich denke, sie kommt nicht, solange die bürgerliche Mittelschicht sich die Welt schön redet und sich, egal welches ökonomische Ungemach sie trifft, immer und immer wieder kuschelig in der neue Situation einrichtet. Vermutlich haben Sie recht, dass es weiterer Wirtschaftszusammenbrüche bedarf, bevor die Menschen aufwachen. Aber dann ist es wahrscheinlich schon viel zu spät.

        Vorhin erlebte ich im Büro mal wieder „absurdes Theater“. Ich ging nachdenklich über den Flur und wurde prompt von einer älteren Kollegin angehalten: „Was ist denn mit dir? Geht es dir nicht gut?“ – „Ich habe nichts, allerdings denke ich darüber nach, dass sich unsere Gesellschaft längst in einem sozialökonomischen Krieg befindet“. Die Kollegin guckte sehr verblüfft, dachte eine Sekunde nach, sah mir tief in die Augen und flötete prompt übertrieben fröhlich: „Gaby, alles wird gut! Du musst immer daran denken, dass alles gut wird. Das musst du dir immer wieder sagen!“ Sprach’s und huschte von dannen.

        Soviel zur Mittelschicht in der rheinland-pfälzischen Provinz. Alles wird gut!

        Mit freundlichen Grüßen

        Gaby

  3. Markus sagt:

    Heißt das Motto für Volksverdummung nicht seit der antiken Römerzeit „Brot und Spiele“? Leider wird`s von den Mächtigen immer noch mit Erfolg betrieben, weil die zu „Untertanen“ gemachten Menschen dieses ungute Spiel vielfach nicht zu durchschauen in der Lage sind.

    Daher verwundert es auch nicht, daß der neu gewählte Bundespräsident Wulff (bekannt für seine „Wohlfühlpolitik“, aber nicht minder neoliberal „durchtrieben“ wie Amtsvorgänger Köhler) flugs Bundestrainer Löw das Bundesverdienstkreuz verleihen will und für die Mannschaft springt auch noch ein silbernes Lorbeerblatt heraus. Wie lachhaft einerseits und wie empörend andererseits Menschen gegenüber, die nicht privilegiert in der Öffentlichkeit stehen, sich aber vielleicht ein Leben lang ehrenamtlich für das Gemeinwohl eingesetzt haben!

    Sport und besonders Fußball ist eben nicht mehr die „wichtigste Nebensache der Welt“, sondern längst ein gesellschaftliches Großereignis und ein Politikum geworden, daß sich machthungrige Politiker und clevere Geschäftemacher ohne Umschweife zunutze machen. Die im „wirklichen Leben“ vielfach arg enttäuschen Menschen dürsten eben nach etwas Positivem und werden dadurch für Instrumentalisierungen leichter empfänglich.

  4. Hagnum sagt:

    Schönen Tag,

    zum Thema Gesellschaftskrieg hat sich auch schon Warren Buffet geäußert,
    sinngemäß etwa:“Natürlich ist Krieg.Es ist Krieg zwischen der Oberschicht und der Schicht der Habenichtse.Und seine Schicht,die reiche Schicht,gewinnt.“

    @Gaby

    Die Gleiche Erfahrung mache ich auch.Man kanns erklären wie mans will,und es nutzt doch nichts.Am Ende sind die Griechen Schuld und der Sozialstaat,und alle haben über die Verhältnisse gelebt.Nun muß gespart werden.

    Und nur nicht die Linken wählen.Die sind nicht demokratisch.Und hoffentlich gehts schief in NRW.Damits doch ne GroKo gibt.

    Bloß nicht die Linken,die machen alles noch schlimmer, und der Gleichen mehr.

    Grüße
    Hagnum

  5. Eva Scherrer sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke,
    passend zu Ihren Gedanken hier mein offener Brief an Frau Dr. Merkel.
    Herzlichen Gruß von Eva Scherrer

    Von Leistungsträgern und Schmarotzern
    Von Überflüssigen und Eliten

    Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
    ein Doktortitel impliziert, dass man Erkenntnisse aus Fakten ziehen kann, dass man selbständig denkt und beides zu etwas Neuem zusammenfügen kann. Sie haben zusätzlich noch nachweisen müssen, dass Sie sich auskennen betreffend Marxismus und Leninismus.
    Aus diesem Grunde wende ich mich an Sie als die Bestimmerin der Richtlinien der Bundesrepublik Deutschland und stelle ein paar Fakten vor, die Sie vielleicht im Zusammenhang noch nicht bedacht haben.

    Die amerikanische Verfassung kennt das Recht auf Glück. Dies soll wohl soviel wie Chancengleichheit oder auch Chancengerechtigkeit bedeuten.
    Das deutsche Grundgesetz, welches immer noch nicht durch eine vom Volk selbst frei gewählte Verfassung ersetzt worden ist – dies hätte spätestens nach dem Einigungsvertrag vor etwa 20 Jahren geschehen müssen (warum ist das nicht passiert??) – sieht vor, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, keiner, aus welchem Grund auch, vor -oder benachteiligt werden darf.

    In den letzten Jahren geht die Schere zwischen Vermögenden und Armen immer weiter auseinander. Immer mehr Menschen verarmen massiv während gleichzeitig die Anzahl der Milliardäre und Millionäre ansteigt.

    Herrscht Chancengleichheit oder Gerechtigkeit?

    Jeder aktiv am Wirtschaftsleben Beteiligter, schaffe er Werte als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, verdient einen bestimmten Eurobetrag pro Zeiteinheit. Der Arbeitgeber zieht seinen Gewinn aus seinem Unternehmen, der Arbeitsnehmer hat einen kumulierten oder tariflich vereinbarten Stundenlohn.

    Die Menschen sind eben nicht gleich, deshalb verdient ein hoher Leistungsträger auch wesentlich mehr Geld als ein ungelernter Arbeitnehmer. Das ist in Ordnung.

    Wie hoch aber ist das gemittelt pro Stunde anfallende Honorar dieser Hochleistungsträger?
    Nehmen wir den Buhmann der Nation Josef Ackermann. Er verdiente im Jahr 2007
    11,9 Millionen Euro. Sie seien ihm gegönnt. 11.900.000 € geteilt durch 50 Wochen – mehr als zwei Wochen wird er keinen Urlaub machen – sind 238.000 € pro Woche. Diesen wöchentlichen Verdienst teilt man durch 80 Stunden, er macht ja nichts anderes als sich mit seiner Arbeit zu beschäftigen. Wir rechnen 238.000 € geteilt durch 80 Arbeitsstunden. Das macht 2975 € Verdienst pro Stunde.

    Soweit so gut. Andere verdienen nur 5 € die Stunde. Nehmen wir einmal an, es gäbe den bis jetzt verweigerte allgemeine Mindestlohn von 10 € die Stunde. Das sind 0,34 % des Verdienstes eines Bankmanagers.
    Es sei dahingestellt, ob die Entlohnung einfacher Arbeit oder Managerleistung so große Differenzen aufweisen darf. Der durchschnittliche IQ aller Deutschen, der Arbeiter und der Manager liegt bei 100 Punkten, also relativ dicht beieinander.
    Aber auch ein Stundenlohn von 3.000 € sei unseren Hochleistungsträgern vergönnt. Wir wollen keine Neiddebatte entfachen
    Geht man davon aus, dass ein Arbeitgeber, der sein Unternehmen selbst aufgebaut hat,
    3.000 € als Verdienst pro Stunde für sich generiert, so sind das 3.000 € pro Stunde mal 80 Wochenstunden mal 50 Wochen pro Jahr mal 40 Jahre durchschnittliche lebenslange Erwerbstätigkeit, so kommen wir auf ein Vermögen von 480.000.000 €.

    Das sind 0,5 Milliarden Euro, die ein Mensch ehrlicher- und redlicherweise in seinem Leben verdienen kann. Geht man jetzt noch davon aus, dass er eine Milliarde Euro geerbt hat, so sei ihm auch das gegönnt.
    Von 1,5 Milliarden € muss man die Hälfte wieder abziehen, die an Steuern, sonstigen Abgaben und für den Lebensunterhalt – man lebt sicherlich nicht wie ein ALG II Empfänger- aufgebraucht werden.
    Diese Summe von 750 Millionen Euro ist damit wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeflossen. Ein Mensch in unserer Gesellschaft kann also maximal 0,75 Milliarden € von seinen 1,5 Milliarden verdienten und geerbten Vermögen in seinem Leben horten.
    2007 gab es in Deutschland geschätzte 122 Milliardäre. Das ist Raub an der Allgemeinheit.
    Diese Konzentration von Vermögen kann nur erworben werden, wenn andere Wirtschaftsteilnehmer massiv benachteiligt werden. Den Spekulationsgewinnen an den Börsen steht immer eine reale Arbeitsleistung gegenüber. Wenn der eine hohe Boni bezieht, ist für den anderen keine Erhöhung des Tarifvertrages mehr möglich.
    In dem Maße wie hier das Vermögen angehäuft wird, sei es durch exorbitante Gewinne an monetären Spekulationen – man denke nur an die Warenterminbörsen, bei denen auf Lebensmittel ein Wetteinsatz gegeben wird – sei es durch Profitgier in den Unternehmen – eine Rendite unter 20 % ist nicht mehr wirtschaftlich – bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke und immer weniger können sich die Gewinne teilen.

    Wer arbeitet kann kein richtiges Geld damit verdienen, stattdessen ist Casino angesagt.

    Die in den letzten 10 Jahren gemachten Wirtschaftsgesetze sorgen dafür, dass Global Player und Unternehmer sich immer höhere Profite zugestehen können, und dieses auf Kosten der Lohn- und der Lohnnebenkosten. Das ist staatlich sanktionierter Raub am Volkseinkommen.

    Die Manager dieser Super-super-Leistungsträger-Milliardäre und Vielmillionäre bekommen als Wasserträger der Kapitalistengötter bei einer Rendite von 20 % natürlich ihre exorbitanten Boni.
    Fällt denn Niemandem in Ihrer demokratischen Regierung auf, dass Boni und sonstige Sonderzahlungen nur so hoch ausfallen können, weil gleichzeitig an den Kosten, sprich Löhnen und Gehältern gespart wird? Die lohnabhängig Beschäftigten werden von den sogenannten Eliten und Leistungsträgern betrogen. Und dieser Raubbau und Betrug wird staatlich gefördert!

    Der Staat soll sich weiter um die Armen kümmern, aber nur von den Steuern, die die Armen noch zahlen können. Richtig? Reichensteuer? Besteuerung von Unternehmenveräußerungen? Erbschaftssteuer? Finanztransaktionssteuer? Statt dessen Leistungsentzug bei den abhängig Beschäftigten, bei den prekär Entlohnten, bei den Hartz IV- lern, bei Rentnern und Krankenkassen-Pflichtversicherten. Und damit ist noch nicht die Sippeninhaftnehmung vieler Kinder, die das Pech hatten in eine arme Familie hineingeboren worden zu sein und deshalb, allein wegen Wegfall von Kindergeld und Elterngeld, weniger Chancen auf Bildung haben, mit angesprochen.

    Was macht den großen Unterschied, ob man Gewinner oder Verlierer in unserem Volk wird?

    Bürgerarbeit und Managerpositionen – wer ist Leistungsträger?
    1. bei gleicher Qualifikation bestehen Chancen entweder für sein nacktes Überleben „Bürgerarbeit“ für alle leisten zu müssen oder bei bis zu 3.000 € Stundengage die Gewinne für die Superreichen abschöpfen zu dürfen.
    2. Bildung ist kein Garant in diesem Staat selbstbestimmt leben zu können, auch wenn Sie noch so oft die Bildungsrepublik ausrufen und ein Verschiebebahnhof der Zuständigkeiten veranstalten. Den wenigsten hilft es.
    3. Ellenbogen statt Bildung und reiche Herkunft entscheiden, ob man Schmarotzer oder elitäres Mitglied der Leistungsträger sein darf. Das ist Sozialdarwinismus pur, Frau Dr. Merkel. Soziale Marktwirtschaft sieht anders aus.

    Schmarotzer und Eliten – wer lebt in spätrömischer Dekadenz?
    1. In unserem Land müssen weder Eliten noch Schmarotzer arbeiten. Sie unterscheiden sich nur dadurch, von wem sie ihr Geld zum Überleben oder zum fürstlich Hofhalten bekommen.
    2. Eliten müssen nicht arbeiten, sie leben von ihrem leistungsfreien Einkommen in Form von Besitztümern und Kapital. Beides ist, wie schon oben dargestellt, den Arbeitnehmern und dem Staat geraubt.
    3. Sogenannte Schmarotzer werden um ihre Arbeit gebracht und müssen für Selbstverständlichkeiten wie einen Platz zum Leben und Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken in den Argen bürgerliche Ehrenrechte für eine Grundsicherung verkaufen.

    Unsere Regierung, besonders Sie, Frau Dr. Merkel, soll Schaden vom Volk abwehren, den Nutzen mehren u.s.w. So haben Sie es gelobt, so wahr Ihnen Gott helfe!
    Gehören nur noch Milliardäre und Millionäre und reich belohnte Wasserträger zu dem Volk, welches Sie vertreten?
    Die Regierung, die Politik hat das Vertrauen der meisten Bürger verloren. Sie kann sich nur noch über immer mehr dem Grundgesetz widersprechenden „Ermächtigungsgesetzen“ halten.
    Die Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht eingreift, wird auch immer geringer. Denn auch die Justiz wird von Ihnen, der Exekutive eingesetzt, und ist damit nur bedingt unabhängig.

    Quo vadis Deutschland?

    Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, wie wollen Sie in die Geschichte eingehen? Noch haben Sie wenigstens die Chance zu versuchen das Richtige für alle Deutschen zu tun. Ihre Beschwörung des Wachstums bringt der Bevölkerung rein gar nichts. Exporteure weltweit freuen sich darüber. Die einfachen Menschen schuften für den Export. Die anderen Staaten können die Schulden bei deutschen Exporteuren nicht mehr zahlen. Also muss der deutsche Michel nun auch noch diese Schulden begleichen.
    Oder wähnen Sie sich, wie Ihr Vizekanzler, im Rom der Kaiserzeit. Dort gab es
    Leibeigene / Sklaven, die nicht zum Volk zählten und Bürger Roms, der Stadt und des Erdkreises, die sich in ihrem Reichtum eingerichtet hatten und Almosen für den städtischen Plebs bereit hielten. Brot und Spiele. Ist es das?
    Ein bisschen Zivilcourage in Ihrer Position täte uns Deutschen und auch Ihnen gut.

    Sie haben die Wahl

    Mit freundlichen Grüßen
    Eva Scherrer

    • Gaby sagt:

      Guten Tag, Frau Scherrer und Mitlesende,

      mit großer Neugierde habe ich Ihren offenen Brief an Frau Merkel gelesen. Ich finde ihn in Ordnung und würde ihn mitunterzeichnen.

      Meine Befürchtung ist jedoch, dass Frau Merkel diesen Brief gar nicht zur Kenntnis nimmt. Und wenn doch, kann sie sich in ihrer berufenen Funktion, nämlich einer der vielen, vielen Funktionäre und Verwalter des Großkapitals zu sein, die Hände rein waschen.

      Frau TINA (There is no alternative!) mag vielleicht in stillen Mußestunden, sofern sie die überhaupt hat, darüber nachdenken, dass sie eine asoziale Sozial- und Wirtschaftspolitik betreibt, aber sie wird im real existierenden Alltag nicht von ihrem Kurs abweichen, auch wenn sie während ihrer Reden ständig die Soziale Marktwirtschaft, die Bildungsrepublik und die gerechte Gesellschaft beschwört.

      Den neoliberalen Kurs zurück zur Sozialen Marktwirtschaft können nur aktive Wähler wählen, die den etablierten Parteien ordentlich die Suppe versalzen, indem Die Linke eine unverhofft hohe Zahl an Wahlstimmen erhält. Aber um diesen meinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, muss in der Mittelschicht zuerst einmal die dringend behandlungsbedürftige Angst vor den Restbeständen der Alt-Kommunisten fallen.

      Diese Angst wird aber nicht vergehen, denn unsere Journalisten schreiben sich die Finger wund, die Reporter quatschen sich heiser, uns permanent wissen zu lassen, wie grauenvoll die angeblichen Schnapsideen der Linken auf den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft wirken würden.

      Aber in Wirklichkeit geht es diesen wunden, heisern, fremdgesteuerten Demagogen nur um eines: Der Neoliberalismus, die Umverteilung des Geldes von unten nach oben, darf auf gar keinen Fall gestört werden. Das ist meine Meinung ob des ökonomischen Wahnsinns, der mich tagtäglich umzingelt.

      Mit herzlichen Grüßen

      Gaby

    • N sagt:

      Hallo,

      guter Brief. Trifft den Nagel auf den Kopf.

      -N

  6. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    schaut Euch das mal an, vor allem die Videos. Da klingt die Parole „Alles wird gut!“ wie blanker Zynismus.

    http://www.mdr.de/fakt/7485585.html

    Gaby

  7. Heiner sagt:

    http://www.aufdemhoevel.de/68erII.htm
    @Gaby: Hier ist noch ein kurzer Text zu der Enstehung
    der“langhaarigen Bombenleger“ und der 60er Jahre!
    Ganz interessant,wer das nicht erlebt hat.
    MfG

    • Gaby sagt:

      Hallo, Heiner und Mitlesende,

      Danke für den Link; sehr empfehlenswert für alle, die sich dafür interessieren!

      Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit dem, was wir Kapitalismus nennen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, dass ein diesbezüglich Interessierter weder an der 68er-Bewegung, noch an der RAF vorbei kommt. Durch Zufall stieß ich vor einigen Monaten im Internet auf die RAF-Auflösungserklärung vom März 1998. Dort las ich zu meinem allergrößten Erstaunen:

      „Das Ende der RAF fällt in eine Zeit, in der die ganze Welt mit den Folgen des Neoliberalismus konfrontiert ist. [..] Der Neoliberalismus ist die ideologische und ökonomische Grundlage für einen weltweiten Optimierungsschub der Verwertung von Mensch und Natur für das Kapital. Die Systemvertreter nennen das „Reformschub“ oder „Modernisierung“. Es ist mehr als deutlich, daß die gegenwärtige Entwicklungsstufe des Systems für den überwältigenden Teil der Menschheit weitere soziale und existenzielle Härten bringt. Für die Mehrheit auf der Welt bedeutet Neoliberalismus eine neue Dimension der Bedrohung ihres Lebens.“

      Den Rest traue ich mich nicht, zu zitieren, denn es wird in diesem Abschiedsbrief ein ganz, ganz düsteres Bild bezüglich der weiteren Entwicklung des Neoliberalismus gezeichnet.

      Von wegen, dumme langhaarige Bombenleger! Diese Menschen ahnten bereits, was auf uns zukommt, zu einer Zeit, als ich wahrscheinlich noch in die Windeln gemacht habe, denn eigentlich ist es nicht richtig, von den 68ern zu sprechen, denn deren Macher sind in den 1940/50ern geboren worden. Und etwas verblüfft habe ich im Laufe meiner autodidaktischen Studien gelernt, dass Frauen wie Meinhof und Ensslin die intellektuellen Drahtzieher der RAF waren. Das sagt mir, dass Frauen eine ganze Menge bewegen können, wenn sie die Nase voll haben von politischen und wirtschaftlichen Härten.

      Ich will jetzt bitte nicht missverstanden werden: Ich befürworte die Gewaltaktionen der RAF nicht, ich rufe niemanden dazu auf und ich würde mich nicht an Gewalttaten beteiligen.

      Mit verschwitzten Grüßen (in meinem Hobbyzimmerchen ist es derzeit plus 31 Grad heiß)

      Gaby

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