2062

global news 2062 08-07-10: Mehr als ein Fünftel aller Haushalte hat finanzielle Probleme

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3 Responses to 2062

  1. chriwi sagt:

    In Bild 1425 hat sich ein Fehler eingeschlichen.

    -2.9% können nicht vorkommen (unterste Angabe)

  2. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    mich überrascht die Studie überhaupt nicht, bestätigt sie doch Beobachtungen, die ich schon vor dem Herbst 2009 gemacht habe, die sich im Zuge der Wirtschaftskrise jedoch verschärft zeigen.

    Mein Arbeitgeber gehört traditionell keinem Arbeitgeberverband an und die Gewerkschaft hat es erst kürzlich geschafft, im Betrieb Fuß zu fassen, sehr, sehr zum Ärger der neoliberalen Geschäftsleitung. Trotzdem sind unsere Löhne und Gehälter nach wie vor nicht tarifgebunden und vor allen Dingen die Arbeiter wurden in den letzten Jahren immer schlechter entlohnt und zudem mussten sie zusehen, wie im Verlauf dieser Wirtschaftskrise die Zuschläge für Schicht- und Akkordarbeit auf heute Null zusammen schrumpften. Es wird nur noch das an Zuschlägen gezahlt, was der Gesetzgeber vorschreibt. Letzten Monat gab es einen Tankgutschein in Höhe von 25 Euro, die monatlichen Lohnverluste, die die Wirtschaftskrise erzwang, auszugleichen.

    Es gibt einige mir bekannte Arbeiter, die müssen schon lange ihr Konto überziehen, wenn die jährliche Wohnungsnebenkosten-Abrechnung ins Haus flattert. Andere überziehen ständig ihr Konto, um monatlich ihre Kinder (meistens zwei) und ihre halbtags arbeitende Frau durchzubringen. Größere Anschaffungen werden, so weit wie es geht, in die Zukunft geschoben. Und oft genug ist notgedrungen nur Geld für einen „neuen“ kleinen Gebrauchtwagen vorhanden und das auch noch per teurer Kontoüberziehung, denn an zinsbilligere Kredite ist derzeit schwer ranzukommen. Selbst eine Festanstellung eines Arbeiters und Angestellten zählt heute als zu unsicher für die Banken.

    Früher hielt die Arbeiter nichts vom jährlichen Urlaub in der Ferne ab. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise entdecken sie das stress- wie geldsparende Balkonien, stark unterstützt durch mediale Propaganda, die den Urlaub auf der Veranda oder dem Balkon mittlerweile wertschätzt. Und wenn doch Urlaub, dann bitteschön in Deutschland – wir sind doch alle Patrioten, erzählen uns die Medien, vor allen Dingen BILD.

    Im gleichen Umfang, wie die Eltern sich kaum mehr auswärtigen Urlaub gönnen, wachsen in meiner Region örtlich stationierte Kinderfreizeiten während der großen und kleinen Ferien, die gerne gebucht werden. Vorzugsweise sind das Abenteueraufenthalte in Wald und Flur, die pfadfinderähnlichen Charakter haben. Den Kindern macht es Spaß, die daheim gebliebenen Eltern haben tagsüber oder gar wochenweise ihre Ruhe und mich erinnert das an Kinder- und Jugendorganisationen längst vergangen geglaubter Zeiten. Der individuelle Demokrat versumpft aus Geldnot in der Konformität der Masse!

    Dr. Jahnke schreibt: „Etwa jeder achte Haushalt (12,7%) hatte 2008 nach eigener Einschätzung in den vergangenen zwölf Monaten einen erheblichen Einkommensrückgang zu verzeichnen.“ Ich selbst habe seit dem 1. Nov. 2009 ein paar Hundert Euro netto weniger pro Monat, weil ich gezwungen wurde, meine Volltagsstelle in eine Halbtagsstelle zu wandeln, bei gleichem Arbeitsumfang, versteht sich. Das Totschlagargument der Personalleitung lautete sinngemäß: „Sie sind zu alt und uns viel zu teuer. Entweder verlassen sie unser Unternehmen oder sie nehmen die angebotene Halbtagsstelle!“ Ich habe das wirtschaftlich kleinere Übel gewählt und schränke meine Ausgaben seither ein. Ich gebe kein locker sitzendes Geld mehr für Kinkerlitzchen aus, die mich und als Geschenk andere Menschen erfreuen!

    Dass ich tierschützerisch engagiert bin, deshalb seit vielen Jahren nie mit kostenlosen Ratschlägen zur Tierhaltung spare, wenn ich gefragt werde und zwei Wohnungskatzen mein Eigen nenne, ist in der Firma allgemein bekannt. Kürzlich hielt mich ein mir gut bekannter Gabelstapler-Fahrer auf dem Hof an und sagte sinngemäß:

    „Unsere Katze Mimmi ist vorgestern von einem Auto angefahren worden, gleich vor unserer Haustür. Meine Frau und ich haben überlegt, ob wir sie zum Tierarzt bringen, schließlich kostet das eine gute Stange Geld. Aber unsere Kinder waren so scheißlaut am Flennen, dass wir alle gemeinsam zum Arzt gefahren sind. Mimmi musste notoperiert werden. 600 Euro hat uns das gekostet, viel mehr, als wir dachten. Das müssen wir vom Ersparten bezahlen – das war unser diesjähriges Urlaubsgeld. Dieses Jahr bleiben wir daheim und kümmern uns um Mimmi, die den Unfall überlebt hat. Die Kinder schicken wir in die Ferienfreizeit“. Ich war wie vom Donner erstarrt…

    …Deutschland, ein Armenhaus! Leben oder Tod kann derzeit an zu erwartenden Kosten scheitern! Ein Umstand, der mir, der ich in der Sozialen Marktwirtschaft aufgewachsen bin, ein völliges Unding zu denken und mich nicht daran zu gewöhnen ist!

    Nicht nur, dass Geiz nicht (!) geil, sondern lebensgefährlich ist, nein, die geizige Profitgier unserer Unternehmer würgt die Binnenwirtschaft ab, stürzt die Menschen in unsichere ökonomische Zeiten, die darauf mit vielerlei psychischen Krankheiten, an erster Stelle Angstzuständen, reagieren. Es darf für viele Menschen wirklich nichts finanziell Unvorhergesehenes dazwischen kommen! Wenn doch, landen viele Leute in einem finanziellen Desaster.

    Die Leute meines Dunstkreises sparen, soweit es eben geht, nicht an ihren Kindern, aber sie sparen auf Teufel komm raus an sich selbst, ihrem Hauswesen und untergeordneten Lebewesen, wie beispielsweise Haustieren und stellen ihre gewohnte Spendengroßzügigkeit vollends ein, weil sie das einst locker verschenkte Spendengeld längst selbst benötigen, ihren Hausstand lebendig zu halten.

    Ganze Industriezweige, die sich während der Sozialen Marktwirtschaft putzmunter aufgebaut und entwickelt haben, werden unter neoliberaler Führung zusammenbrechen, da viele Millionen von Menschen über Jahre hinaus gezwungen werden, Monat für Monat knapp auf Kante zu leben. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern global für die neoklassisch-kapitalisierte Welt!

    Gaby

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