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global news wb15.35 04-07-10: Neoliberal macht’s möglich: Immer mehr Reiche und Superreiche in der Welt

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12 Responses to wb15.35

  1. Gaby sagt:

    Hallo zusammen,

    Reicher Mann und armer Mann
    Standen da und sah’n sich an.
    Und der Arme sagte bleich:
    „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“.

    Bert Brecht

    Wir dürfen also gespannt sein, wie diese paar Reichen und Superreichen unter Ausschluss der breiten Konsumentenschichten das ökonomische Kunststück fertig bringen, die Volkswirtschaften dieser Welt in gesundem Lauf zu halten.

    Das wird nicht gelingen!

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

  2. Rote Socke sagt:

    Einspruch, Euer Ehren!
    Die Volkswirtschaften dieser Welt, soweit man von so etwas reden kann, keuchen aus dem letzten Loch! Sie müßten erstmal wieder radikal (im ureigensten Sinne des Wortes) gesundet werden, damit sie auch laufen können. Marxens Logik nach: „Der Kapitalist hat immer den Ausweg aus der Krise in einem Krieg gesucht.“ So, oder ähnlich.

    Ich hoffe, Marx irrt.

  3. Gaby sagt:

    Liebe Rote Socke und Mitlesende,

    ich bin beiliebe nicht sattelfest, wenn es um Karl Marx geht, aber wo hast Du denn das Marx-Zitat (oder so ähnlich) her?

    Marx spricht zwar im Kapital I vom Krieg, aber von dem in vorindustriellen Zeiten, die während der Entwicklung der Menschen stattgefunden haben. Raub- und Eroberungskriege verschwinden zwar nicht im Kapitalismus, aber sie verändern, laut Marx, ihren Charakter. Börsianer können z.B. nicht beraubt und bekriegt werden wie eine Nation von Ziegenhirten.

    Wer tatsächlich vom Waffenkrieg im Kapitalismus spricht, ist Malthus. Er ist derjenige, der meint, wenn alles kaputt ist, könnten wir wieder neu anfangen. Das ist nachzulesen in „Die Theorien des Mehrwerts“. Hier nimmt Karl Marx Malthus’ fragwürdige ökonomische Heilmittel auf’s Korn. In „Todesstrafe“ führt Marx aus, dass die absolutistische Kriegsführung durch die kaufmännische ersetzt wird – Kapital statt Kanonen.

    Marx, der großartige Analyst und Visionär, hat in vielem Recht behalten, bis heute. So hat er auch Recht damit, dass die Kapitaleigner imaginäre Kriege gegen die Menschen führen. Heute ist das sehr deutlich zu sehen. Die radikale Umverteilung des Geldes von den unteren Bevölkerungsschichten zu denen ganz oben, ist Krieg und heißt Neoliberalismus. Dieser Krieg, der ohne Gewehre und Bomben geführt wird, ist im Ergebnis für den Einzelnen mitunter genau so schlimm, wie physisch ausgebombt, vertrieben und Hungers gestorben zu sein. Millionen Existenzen werden per Kapitalumverteilung auf ein elendes Lebensniveau gedrückt.

    Krieg, egal, wie geführt, ist kein Ausweg aus einer ökonomischen Schieflage. Im Gegenteil: Die physische wie kapitale Kriegsführung verschlimmert die Probleme eines Landes, weil die Staatsschulden und damit die Zinslasten explodieren. Im schlimmsten Fall droht der Staatsbankrott und somit eine Währungsreform, die für den größten Teil der Bevölkerung sehr ungünstig verläuft.

    Klüger und fruchtbar ist, die neoliberale Kriegserklärung zurück zu nehmen und daran zu arbeiten, die Geldmittel gerechter zu verteilen. Wie das geht, hat uns John M. Keynes gezeigt und seine Rezepte lassen sich, etwas modifiziert, ins Jahr 2010 übertragen. Man muss übrigens weder Keynesianer noch Marxist sein, um zu erkennen, dass es so, wie es jetzt läuft, nicht mehr weiter gehen kann. Warum sonst werden die Rufe von wohlhabenden Unternehmern und neuerdings auch reichen Schlagersängern immer lauter, die Vermögenssteuer wieder einzuführen sowie Gewinne und Erbschaften wieder viel zu höher zu besteuern?

    Diese Leute haben, im Gegensatz zu unseren Politikern erkannt, dass der neoliberale Krieg nicht gewonnen werden kann. Am Ende hat nämlich niemand mehr irgendeinen Besitz von Wert.

    Herzliche Grüße

    Gaby

  4. Rote Socke sagt:

    Bewundere alle, die sich durch das „Kapital“ gequält haben. Mir hat das immer zu sehr auf der Nase gedrückt… 😉

    Nachdem sich das, was als „real existiert habender Sozialismus“ in die Annalen der Geschichte eingegangen ist, in Wohlgefallen aufgelöst hatte, war ich voller Zuversicht und spuckte in die Hände und klotzte ran, denn es könnte ja nur besser kommen. Besser kam es nicht, sondern schlimmer…

    Langer Rede kurzer Sinn: Eines Tages traf ich einen Typen vor dem ehemaligen Konsument-Warenhaus in Dresden, heute (weiß nicht) Kastadt? Jedenfalls war der mit roter Fahne bewaffnet, Baskenmütze mit rotem Stern – die blanke Karikatur! Und der bot Schriften aus eigener Produktion an, und er fragte mich nur: „Wann hast du das letzte Mal im Manifest gelesen?“ – Habe ich, bzw. hatte ich, 25…30 Jahre davor in der Schule, habe mich nie für sowas interessiert…

    Dann habe ich es wieder mal rausgekramt und drin geschmökert … und von da an wurde ich immer mehr zur „roten Socke“ und werde es jeden Tag, den dieses Theater weiter andauert, noch mehr!

    Wenn es niemand raus-ikst – geht mal auf folgenden Link:
    http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_I

    Bitte dabei beachten: Das wurde vor 150 Jahren geschrieben, ist aber so aktuell wie nie zuvor!

    Hugh!

    • globalnote sagt:

      „Besser kam es nicht, sondern schlimmer…“: Wenn das Ihr Vergleich zwischen DDR und Bundesrepublik Deutschland sein sollte, sind Sie hier wirklich im falschen Film.

      • Rote Socke sagt:

        Und wer nicht frohlocket wird der himmlischen Scharen verwiesen, oder wie soll ich das verstehen, Herr Jahnke? Außerdem bitte ich Sie darum, etwas mehr zu differenzieren, auch wenn Sie der Hausherr hier sind: Es geht schon lange nicht mehr um das, was war, sondern darum, was wird.

        Wobei es mir nicht anders als Millionen meiner Mitbürger gegangen ist: Wir waren voller Optimismus (kommen Sie mir aber nicht wieder mit Ihrem „Bonzenschmonzes“!), bis wir dann auf den harten Boden der Realität geknallt sind: D-Märker hatten wir plötzlich, aber keine „Intershops“ mehr, Löhne, wie im Osten, Preise und Tarife, wie im Westen – da schmolz so manche Illusion dahin…

      • Rote Socke sagt:

        Bitte an den Freischalter: Sind Sie bitte so nett und nehmen meinen letzten Beitrag wieder raus? – Danke!
        R.S.

  5. Heiner sagt:

    @rote socke:zu spät!
    MfG

  6. Heiner sagt:

    @rote socke: besser demnächst erst alles in Kladde schreiben und 3mal durchlesen und korrigieren vor dem Abschicken!
    MfG

  7. Gaby sagt:

    Hallo, Rote Socke und Mitlesende,

    Danke für den Link auf die umfangreichen Werke Marx und Engels. So konzentriert auf einem Internet-Flecken habe ich sie noch nie gesehen.

    Aber ich will noch etwas zu Marx loswerden. Seine Texte müssen unbedingt, wie Du ja bereits geschrieben hast, im Kontext seiner Zeit gelesen werden. Sie entstanden im Frühkapitalismus, der nicht frei war von feudalen Verkrustungen und immer noch sehr weit verbreiteter Subsistenzwirtschaft. Der Kapitalismus war damals nicht in der gereiften Form existent, wie der aktuelle globale Neoliberalismus und bezog sich zu Marx Zeiten vornehmlich auf England, Frankreich, Italien, Niederlande und, ziemlich verspätet, auf Deutschland.

    So kommt es, dass uns vieles ziemlich altbacken gestrig erscheint, geradezu wie „Hegelianische Spinnereien“ oder „philosophischer Murks“. Wenn man aber versteht, dass der Frühkapitalismus ein Verpuppungsstadium zur nächsthöheren Reife des Kapitalismus war, erkennt man, dass Marx Kapitalkritik im Kern richtig ist und gerade heute eine erstaunliche Gültigkeit entfaltet. Marx schrieb, so kann man es zusammenfassen, in einer Zeit der inneren Ungleichzeitigkeit des Kapitalismus.

    Darüber hinaus gab es „zwei“ Karl Marx; den exoterischen und den esoterischen. Marx war innerlich zerrissen.

    Exoterisch (nach außen gewandt) bedeutet, dass Marx, der liberale Bürger, dem Kapitalismus und seinen Wohltaten absolut nicht abgeneigt gegenüber stand und den Kapitalismus deshalb auch nicht ablehnte. Bereits im Vorwort des „Kapitals“ lässt er das unmissverständlich erkennen.

    Esoterisch (nach innen gewandt) heißt, dass der scharfe Analytiker dennoch ein exzellenter und bis heute nicht übertroffener Kritiker des Kapitalismus gewesen ist.

    Und all das, was im Laufe der letzten 150 Jahre aus Marx’ Theorien politisch, ökonomisch und sozial gemacht wurde, vor allen von denen, die Marx nie gelesen haben, fasst der polnische Aphoristiker Stanislaw Jerzy Lec treffend zusammen: „Sie haben ihn durch ein Denkmal gesteinigt“.

    Bis demnächst,

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      „… in einer Zeit der inneren Ungleichzeitigkeit des Kapitalismus“

      Naja, höhere Philosophie, denke ich mal. Meine Meinung ist die, daß die Erörterung solcher Fragen eigentlich nicht in dieses Forum gehören.

      Für mich ist lediglich der Umstand frappierend, daß der Mann aus Trier ziemlich treffend genau das beschreibt, was sich heute vor unseren Augen abspielt. Und wenn die Analyse stimmt, was schließlich durch die Zeit 200 Jahre danach explizit bewiesen wird, warum soll dann die Synthese falsch sein?

      Zudem bestätigen Herrn Jahnkes Statistiken immer wieder neu Marxens Aussagen.

      Freut mich, daß der Link Interesse gefunden hat. Will mich, wie gesagt, nicht weiter dazu auslassen, nur soviel noch: Wahrheit ist eine der philosophischen Kriterien. Die Wahrheit von Aussagen ist in der Praxis nachprüfbar. Es sollte da unerheblich sein, in welchem Stadium einer Erscheinung Aussagen zu dieser getätigt worden sind, wenn diese aufgrund der gemachten Analyse die Existenzberechtigung der Erscheinung selbst in Frage stellen.

      (@Heiner: jaja, habe vorher auf Kladde geschrieben 😉

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