1805

Gedanken zur Zeit 1805 02-07-10: Blick zurück im Zorn

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13 Responses to 1805

  1. Rote Socke sagt:

    … das die soziale Marktwirtschaft in der „BRD“ [warum die Gänsefüße?] verteufelte…

    Zunächst schon im Vorfeld Dank für dieses Thema, gleichzeitig aber ein kleiner Hinweis: Der Durchschnitts-DDR-Bürger war i.a.R. besser über das informiert, was im „Westen“ gelaufen ist, als die meisten Bürger aus dem anderen Teil Deutschlands es waren! Tut mir leid, Herr Jahnke, ich selbst will nicht spalten, aber Sie reizen dazu heraus!

    Und die Anspielung auf das Alter – blicken Sie mal aufmerksam auf die 20 zurückliegenden Jahre! Merken Sie was? – Sie sind gerade im Begriff, das aufzuschreiben, denke ich.

    • globalnote sagt:

      @Rote Socke,

      Nun habe ich nicht von DDR-Bürgern gesprochen, sondern von der „DDR“ und habe die Bundesrepublik Deutschland abgekürzt, weil die DDR nur die BRD kannte. Sie sollten das nicht so schnell vergessen haben.

      • Rote Socke sagt:

        Das „DDR“ stand bei BILD & Co. stets in Anführungszeichen… Wer hat vergessen??? Zudem – in der Tat, der Durchschnitts-Zoni hatte beide Info-Möglichkeiten, natürlich ARD – Außer Raum Dresden… Bei allem Frust auf die Zone, Herr Jahnke, aber wo keiner ist, sollte man auch keinen hinbauen.

        Bin auf Ihren „Blick zurück im Zorn“ gespannt!

  2. carolus sagt:

    „kreative zerstörung“.der mann hat doch echt eine macke.
    kreative zerstörung!wen trifft sie denn?wer muss denn den schlammassel ausbaden?
    ja klar soziale marktwirtschaft war eine gute zeit.doch jetzt gibt es nur jeder gegen jeden.wulff hat sich in seiner antrittsrede auch eindeutig auf seiten der neoliberalen hardliner gestellt.internationalisierung war sein zauberwort.
    also verschärfung des wettbewerbs,was nichts anderes bedeutet als der sozialen marktwirtschaft bzw was davon übrig ist den todesstoss zu versetzen.
    garniert mit schönen bildern der modernen,dauergrinsenden patchworkfamilie wulff,die BILD und BUNTE perfekt inszeniert.

  3. Volker Hamburg sagt:

    Das Filmchen ist klasse!
    Nutzt allerdings wenig, denn leider wird jeder Ansatz einer Rückkehr zu, realwirtschaftlich orientierter Wertschöpfung mit adequater Berücksichtigung auch der Nachfrageseite oder gar tatsächlich sozialer Marktwirtschaft, von der neoliberalen Priesterschaft mit dem Hinweis auf den Zusammenbruch des Ostblocks erfolgreich abgeblockt… -denn genau darum beim fröhlichen Linksparteibashing eigendlich!
    MfG, V.H.

    • globalnote sagt:

      @Volker Hamburg,

      Die Neoliberalen bemühen gar nicht den Ostblock als Argument. Sie sagen einfach: Höhere Löhne = mehr Arbeitslosigkeit und bringen dabei die Globalisierungskeule ins Spiel. Und die in dieser Hinsicht wirklich dumme Linkspartei (ebenso wie Nachdenkseiten) hat sich noch nicht zur Kritik der neoliberalen Globalisierung durchringen können mit der Forderung nach Anti-Dumpingmaßnahmen und Subventionsrückfoirderungen, wenn Unternehmen verlagern, und vieles mehr. Für die ist Globalisierung so etwas wie Entwicklungshilfe für die armen „Genossen“ im Süden!

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. Gaby sagt:

    Schönen guten Morgen, in die Runde,

    vorhin habe ich mich surfend im Internet verlustiert und stieß auf der Seite „derFreitag“ auf einen Artikel vom 18. April 2008 „Welcome to the real world“. Es handelt sich um ein Streitgespräch zwischen einem baden-württembergischen Unternehmer und Dr. Jahnke. Zwar habe ich dieses Streitgespräch seinerzeit auf Dr. Jahnkes Webseite gelesen, aber so gut wie kein Wort verstanden, weil mir schlichtweg die Grundlagen der Ökonomie fehlten. Dieses Manko hat sich mittlerweile ein bisschen gebessert.

    Umso interessanter ist mir das Streitgespräch heute zu lesen. Stellenweise blieb mir die Luft weg, zum Beispiel beim Vorwurf an Dr. Jahnke, er wäre mit seiner Denke in der marx’schen Welt des 19. Jhr. stehen geblieben oder die Forderung nach einem Mindestlohn gliche einem Perpetuum Mobile oder die unternehmerische Behauptung, dass selbst in Zeiten sinkender Reallöhne immer noch mehr Lohn gezahlt wird, wie die Arbeit vieler Menschen wert sei. Aus meinem heutigen Verständnis heraus hagelt es nur so an Zumutungen, die der Unternehmer, anscheinend ohne jeden inneren Zweifel von sich gibt. So sieht er auch kaum einen Zusammenhang zwischen Lohn und Binnenmarkt. Unglaublich! Wer hier im 19. Jhr. stehen geblieben ist, liegt auf der Hand. Es ist der neoliberale Unternehmer!

    Da kann man wirklich nur mit großem Zorn zurück blicken auf die Goldenen Jahre der Bundesrepublik Deutschland (1952 – ca. 1975). Damals, unterfüttert mit den ökonomischen Nachfrage- und Regulierungs-Rezepten eines John M. Keynes, haben etliche unter uns erlebt, wie die Mechanik von guten Löhnen, aufblühendem Binnenmarkt, daraus resultierendem moderatem Export/Import und Sozialstaatlichkeit funktioniert. So gut wie damals ist es der Masse der auf deutschem Boden lebenden Menschen noch nie gegangen, seit es den Kapitalismus gibt!

    Um auf den blöden Witz des Unternehmers zurück zu greifen, den er zum besten gab: Wir sitzen alle in einem Boot, das das Gleichgewicht verloren hat und uns in die hochaufgewühlte See einer global außer Rand und Band geratenen Ökonomie spuckt.

    Da kann man wirklich nur zornig zurück blicken!

    Ich verlinke, das Einverständnis Dr. Jahnkes vorausgesetzt, auf „derFreitag“, damit Ihr das Streitgespräch lesen könnt.

    http://www.freitag.de/2008/16/08160601.php

    Schönen Samstag wünscht Euch

    Gaby

    • Rote Socke sagt:

      Danke, Gaby, und Chapeau, Herr Jahnke!
      In diesem als Interview-Auszug gestalteten Beitrag ist wirklich alles enthalten, was uns gegenwärtig bewegt, und es wird auch gezeigt, wie wenig unsere Witschaftskoryphäen begreifen, wie Wirtschaft als solche funktioniert.

      Ohne die umfangreiche Statistikensammlung durchforsten zu wollen, sollte doch mal ein Augenmerk darauf gelegt werden, wie die gesamtgesellschaftliche Produktionsleistung in den zurückliegenden Jahren angestiegen ist und wie in einem Zuge damit die für das Erreichen dieser Leistung erforderliche Anzahl an Arbeitskräften rein quantitativ zurückgegangen ist. Ich stelle mal die Behauptung auf, daß noch nie in der Geschichte ein einzelner Produktionsarbeiter im Durchschnitt so viele Werte an Produkt geschaffen hat, wie heute, und daß noch nie in der Geschichte die Anzahl der für die Produktion überflüssigen Kräfte, dafür in der Sphäre der Konsumtion dringend notwendigen Konsumenten, so groß gewesen ist, wie gerade heute!

      Dieses Problem findet seinen direkten Ausdruck wieder in dem Schwindel erregenden Höhenflug der „Managergehälter“ und dem stetig und sicher sinkenden Einkommen der eigentlichen Konsumenten, für die im Endeffekt die Produktion gedacht ist.

  5. Heiner sagt:

    Dazu noch ein Wort von Ludwig Erhard aus den Jahren:
    Maßstab und Richter über Gut und Böse der Wirtschaftspolitik sind nicht Dogmen oder Gruppenstandpunkte, sondern ist ausschließlich der Mensch,der Verbraucher,das Volk.Eine Wirtschaftspolitik ist nur dann und nur so lange für gut zu erachten, als sie den Menschen schlechthin zum Nutzen und Segen gereicht.
    MfG

  6. Rote Socke sagt:

    Der Rück- und Ausblick läßt scheinbar noch auf sich warten. Mir geht das Thema als solches aber nicht aus dem Kopf. Ich ärgere mich immer wieder darüber, wie von meinen Zeitgenossen von jenseits der ehemaligen Demarkationslinie die damalige Gesellschaft verglorifiziert wird, ohne zu erkennen, daß das, was sie selbst durchlebt haben, ein Trugbild gewesen ist, wenngleich auch ein wunderschönes und angenehmes.

    Zum Thema Arbeitslosigkeit in Deutschland hatte ich mal eine sehr aussagefähige und – für meine Begriffe – ehrliche Statistik („Traue keiner Statistik, die du nicht selbsts gefälscht hast!“) gefunden, finde die aber leider nicht mehr. In der Jahnke-DB ist für den Zeitraum 1949 bis heute nichts zu finden, leider. Dafür habe ich über google diese hier (etwas scrollen) gefunden.

    Was sagt diese Statistik mir? Erstens: Arbeitslosigkeit ist systemimmanent. Eine extrem hohe Arbeitslosigkeit lag in der Zeit vor, in der das Land in Scherben gelegen hat. Das änderte sich radikal, als „die andere Seite“ andere Saiten aufzog. (Meine Lesart! Dieselbe radikale Änderung gab es, nachdem diese Saiten gerissen waren.)

    Zweitens: Das Wirtschaftssystem des Kapitalismus ist ein System mit eingebautem Defekt. Ohne diesen Defekt wäre es kein kapitalistisches Wirtschaftssystem. Diese Tatsache bedeutet aber nicht, daß das System als solches über eine gewisse Zeit durchaus eine relative (s. Ereignisse 1968) soziale Ruhe vorgaukeln könnte (eben die von Vielen auf dieser Seite so hoch gepriesene „soziale Mark_wirtschaft“). Wer die Statistik aufmerksam verfolgt wird nicht umhinkommen festzustellen, daß der verklärte Blick auf jene Zeit alleinig dem Umstand geschuldet ist, daß die Quote der Beitragszahler für die jeweils zuständigen Kassen deutlich höher war, als die Quote derer, die sich ihrer aus welchen Gründen auch immer bedienen mußten.

    Ich bin mir sicher, daß zu dieser Situation die Präsenz eines neuen gesellschaftlichen Systems beigetragen hat, will das aber nicht überbewerten.

    Vor allem zwei Umstände sind es, nach meiner Auffassung, die zum sozialen Desaster in Deutschland geführt haben. Das ist einerseits wohl sicherlich nicht ohne politischen Lobbyismus erfolgte gnadenlose Öffnung des bundesdeutschen Marktes für Billigprodukte, die die Textilindustrie u.a. in der Region Barmen/Wuppertal zum Erliegen gebracht hat. Das wurde in den 90ern verschärft fortgeführt durch Verlagerung der eigentlichen Produktion in Billiglohnländer.

    Der andere Umstand liegt im wirtschaftlichen System bedingt: Mit der Entwicklung von Technisierung und Automatisierung werden immer mehr Werte von immer weniger Arbeitskräften hergestellt. Letztere werden somit für die Produktion als solche überflüssig, werden aber nach wie vor noch als Konsumenten gebraucht. Aber das ist ein anderes Thema.

    Was will ich mit dem Beitrag ausdrücken? Kapitalismus ist und bleibt ein Wirtschaftssystem mit Webfehler, der die Nationen zyklisch (!) in immer tiefere Krisen treibt. (Die Zyklen können in o.a. Graphik gut nachvollzogen werden!) Diese Krisen werden solch eine Dimension erreichen, daß sie mit den ureigensten Mitteln des Wirtschaftssystems selbst nicht mehr zu lösen sind. Dann kommt es zu einem Qualitätssprung, der entweder in der totalen Zerstörung aller geschaffenen Werte liegen kann, oder aber in der Aufhebung des Wirtschaftssystems als solchem. Jeder andere Gedanke ist absurd.

    Soweit meine Meinung zur Diskussion.

    Hugh!

    • globalnote sagt:

      @Rote Socke.

      Der Rückblick auf die 70er Jahre befindet sich im Wochenbrief 16, den Sie doch abonniert haben.

      Zu Ihrem Schlußabsatz: Ich bin total sicher, daß wir beide – entgegen Ihrer Spekulation – Zeit unseres Lebens weder eine totale Zerstörung aller Werte oder eine Abschaffung des Kapitalismus erleben werden. Sie täuschen sich in der Überlebensfähigkeit dieses Systems. Notfalls kann es auch zur Sozialen Marktwirtschaft zurückfinden, wenn die Wähler in den in großer Mehrheit jetzt demokratisch verfaßten Staaten das erzwingen. Auch da bin ich aber nicht überoptimistisch.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Rote Socke sagt:

        Danke für den Hinweis! WB 16.38 habe ich soeben auch erhalten.

        Ihre Sicherheit kann ich bestätigen: Wir beiden, wie auch die Masse der LeserInnen und SchreiberInnen dieser Seite werden weder das eine noch das andere erleben, eher eine allmähliche Talfahrt.

        Und ich stimme Ihnen nochmal zu: Dreh- und Angelpunkt ist die Politik! Wenn die Sozialdemokraten genau das tun würden, was in ihrem Logo fixiert ist, wäre das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

        Der allgemeine Tenor heißt doch „Verluste sozialisieren, Gewinne kapitalisieren“. Wenn es der Politik gelingen sollte, die Verluste der Wirtschaft von den Lasten des Staates abzuwenden und mehr Gewinne der Wirtschaft zu sozialisieren, den Spieß also umzudrehen, dann könnte es zu dem Umstand kommen, den Sie als „soziale Marktwirtschaft“ bezeichnen. Das zieht noch einen ganzen Rattenschwanz nach sich, auf den hier einzugehen zu weit führen würde. Gipfeln würde das in einer Aussage, die in der Präambel der Menschenrechtskonvention aus dem Jahre 1948 getroffen worden ist:

        …da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen, …

        Wenn es also der Politik gelingen würde, das Ruder entscheidend rumzureißen, könnte es passieren, daß wir einem würdigen Alter entgegen gehen können.

        Wenn ich mir allerdings diese, unsere Regierung(en) ansehe, kommen mir dabei allerdings erhebliche Zweifel…

    • globalnote sagt:

      Rückblick auf die 70er Jahre jetzt auch hier und offen für Diskussionsforum: http://www.jjahnke.net/rundbr73.html#wb16.38 : Bitte dort weiterdiskutieren.

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