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global news wb14.33 28-06-10: Alter – Renten – Staatsverschuldung, was tun?

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5 Responses to wb14.33

  1. emorfine sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jahnke,
    wahrscheinlich habe ich nur die Hälfte verstanden, ich sehe Widersprüche. Sie gehen bei der Gestaltung der nächsten 20 Jahre von weiterer Globalisierung und Vermögenstransfer von unten nach oben aus. Richtig?
    bei der bevorstehenden großen Krise (Crash, Hyperinflation, menschliche Revolution…) besteht durchaus die Möglichkeit, dass Globalisierung zurückgefahren werden muß.
    Soweit ich von Ihnen und anderen gelernt habe, steigen bei uns die Lohnstückkosten und es ist deshalb durchaus möglich, dass weniger Erwerbstätige mehr Rentner „durchfüttern“ können, wenn wir nicht nur auf Export setzen. Der demographische Wandel erscheint mir nicht das Problem.
    Sie malen ein Menetekel der Staatsschulden. Den Staatsschulden stehen immer auch Gläubiger (in Deutschland hauptsächlich innländischen)gegenüber.
    Dies ist doch eine Sache der Verteilung der Vermögen. Noch hat der Staat die Steuerhoheit.
    Als Letztes verstehe ich nicht, wieso die Regierung sich verschuldet, wenn Rentner ihre über Umlagen finanzierte Rente bekommen.
    Ich hoffe nicht zu naiv zu sein, aber die Sache mit den Schulden leuchtet mir sowieso nicht ein.
    Wieso können die Banken Neugeld schöpfen? Ist das nicht eigentlich Aufgabe des Staates? Dieses neue Geld leihen sie über Staatsanleihen dem Staat, kassieren Zinsen und geben dafür den Anleihen-Eignern auch noch etwas ab. Das ist doch Betrug oder?
    wissbegierige Grüße von Emorfine

    • globalnote sagt:

      @emorfine,

      „Soweit ich von Ihnen und anderen gelernt habe, steigen bei uns die Lohnstückkosten und es ist deshalb durchaus möglich, dass weniger Erwerbstätige mehr Rentner „durchfüttern“ können, wenn wir nicht nur auf Export setzen“: Die Lohnstückkosten steigen viel zu wenig und real sind die Arbeitnehmereinkommen sogar negativ seit 2000. Natürlich könnten wir mit weniger Rücksicht auf den Export stärkere Lohnsteigerungen haben und dementsprechend größere Sozialabgaben zugunsten der Renten. Doch derzeit findet das nicht statt.

      „Sie malen ein Menetekel der Staatsschulden. Den Staatsschulden stehen immer auch Gläubiger (in Deutschland hauptsächlich innländischen)gegenüber. Dies ist doch eine Sache der Verteilung der Vermögen. Noch hat der Staat die Steuerhoheit. Als Letztes verstehe ich nicht, wieso die Regierung sich verschuldet, wenn Rentner ihre über Umlagen finanzierte Rente bekommen“: Die Rentenlasten für die schon lebenden künftigen Rentner sind nun mal eine Schuldenlast, die erst noch finanziert werden muß. Bei weniger Arbeitenden pro Rentner geht es nicht mehr über die Umlage, weil die Sozialbeiträge prohibitiv hochsteigen würden und sich immer mehr Schwarzarbeit oder Arbeitslosigkeit ausbreiten würde. Geht man ohne steigende Staatsverschuldung in eine drastische Steuerfinanzierung der Renten durch Steuern auf die Besserverdiener (wofür ich mich ausgesprochen habe), so ist das gesamtwirtschaftlich kein großes Problem, zumal diese Einkommensschicht ohnehin nur einen begrenzten Teil ihrer Einkommen für Konsum ausgibt und derzeit die Produktivität der Volkswirtschaft noch stärker zunimmt als die Rentenlast. Wird aber, um die Besserverdiener zu schonen, am Ende durch mehr Staatsanleihen finanziert, so ergeben sich höhere Zinslasten und mehr Umverteilung von Unten nach Oben. Versucht man es durch Beschränkung der Renten und Kürzung von Sozialleistungen, so leidet der Konsum und die Volkswirtschaft insgesamt. Da gibt es nicht viele politische Alternativen. Daß es inländische Gläubiger der Staatsschulden gibt, löst nicht das Verteilungsproblem. Auch wird die Anlagebereitschaft abnehmer, wenn sich die Staaten erkennbar überschulden.

      „Wieso können die Banken Neugeld schöpfen? Ist das nicht eigentlich Aufgabe des Staates? Dieses neue Geld leihen sie über Staatsanleihen dem Staat, kassieren Zinsen und geben dafür den Anleihen-Eignern auch noch etwas ab. Das ist doch Betrug oder?”: Die Banken können über Kreditgewährung in den Grenzen ihrer Eigenkapitalausstattung Geld schöpfen. Da jedoch die Eigenkapitalausstattung gering ist, müssen sie selbst am Kapitalmarkt über Anleihen Kredit aufnehmen oder für Depots Zinsen zahlen. Wie die Banken ihr Geld anlegen, z.B. in Staatsanleihen, ist ihre Sache. Allerdings könnte der Staat, statt sich bei den Banken zu verschulden, eigene Anleihen an die Zentralbank Geld verkaufen. Das haben die amerikanische Fed und die Bank of England gemacht. Für mich ist das der billigere Weg und auch der sozial bessere, solange keine Inflationsgefahr besteht.

      • emorfine sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke, danke für Ihre schnelle Antwort.
        Seit einem Jahr schon profitiere ich vom Infoportal und kann sogar schon ein bißchen kompetent mitreden.
        Vorher, in meinem Leben vor Politik und Wirtschaftsinteresse, habe ich nicht gemerkt, wie sehr man in diesem Land doch für dumm verkauft wird. War das vor 40 Jahren auch schon so? In ihren „Gedanken“ glauben sie das auch nicht. Es ist einfach schlimm zu beobachten, wie mich für (geb 1950) so Selbstverständlichkeiten wie Demokratie und vor allem Rechtsstaatlichkeit immer mehr mit den Füßen getreten werden.
        Bitte machen Sie unbedingt weiter, darin sehe ich unsere einzige Chance
        Gruß von Eva Scherrer

      • emorfine sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke, danke für Ihre schnelle Antwort.
        Seit einem Jahr schon profitiere ich vom Infoportal und kann sogar schon ein bißchen kompetent mitreden.
        Vorher, in meinem Leben vor Politik und Wirtschaftsinteresse, habe ich nicht gemerkt, wie sehr man in diesem Land doch für dumm verkauft wird. War das vor 40 Jahren auch schon so? In ihren „Gedanken“ glauben sie das auch nicht. Es ist einfach schlimm zu beobachten, wie mich für (geb 1950) so Selbstverständlichkeiten wie Demokratie und vor allem Rechtsstaatlichkeit immer mehr mit den Füßen getreten werden.
        Bitte machen Sie unbedingt weiter, darin sehe ich unsere einzige Chance
        Gruß von emorfine

  2. martin sagt:

    Hallo Herr Jahnke,
    ich möchte ihnen zustimmen. Für den Staat gibt es immer zwei Möglichkeiten die Einnahmeseite zu verbessern. Entweder er nimmt Schulden auf und verschiebt die Lösung des dann gewachsenen Problems in die Zukunft. Oder er holt das Geld da, wo es ist – bei den Reichen! Die haben das Geld, deshalb sind sie ja reich.
    Andererseits könnte man sich natürlich auch die Ausgabenseite des Problems vornehmen und Millionen Rentnern die Zahlungen kürzen. Wie demokratiefreundlich das wäre, müsste man mal sehen.

    Ergänzend sollte für Leute, die an die Kapital gedeckte Rente glauben, erwähnt werden, dass auch diese das Problem der Überalterung nicht löst. Angespartes Rentenkapital vermehrt die Anzahl der jungen Leute nicht, es stellt lediglich eine andere Legitimationsbasis dar als die Umlagerente. Echte Transferleistungen könnte diese nur bringen, wenn diese aus dem Ausland kämen. Nur welches Land sollte dies sein – wenn sich fast alle Länder in die Überalterung bewegen?

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