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global news wb12.30 16-06-10: Wie Deutschland mit seinen Frauen umgeht und die Folgen für die Demographie

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9 Responses to wb12.30

  1. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    da fragt man sich doch, ob die Zerfallserscheinungen unserer bürgerlichen Familien neu ist oder ob es so etwas in der Vergangenheit bereits gegeben hat und wenn ja, ob darüber geschrieben wurde.

    „Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter, je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Proletarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Arbeitsinstrumente verwandelt werden“. Karl Marx, Kommunistisches Manifest

    Diese harschen Worte veröffentlichte der Wuschelkopf aus Trier im Revolutionsjahr 1848. Heute schreiben wir das Jahr 2010 und können uns nur wundern, wie recht dieser Mann doch behalten hat.

    Unsere neoliberale Marktwirtschaft lässt bei unseren jungen Leuten kaum den Gedanken an reale Reproduktion aufkommen. Wie auch, wenn allerorten die wirtschaftliche Basis eine unsichere bzw. prekäre ist und der Lohn oft genug nicht reicht, dass ein Single seine Arbeitskraft erhält. Wie soll der Kinderwunsch, der ohne Frage häufig genug vorhanden ist, realisiert werden in einem Wirtschaftssystem, dass die Menschen zwingt, hochflexibel mobil zu sein, also ständig der Arbeit hinterher ziehen zu müssen?

    Das ganze scheinheilige Getrauere unserer liberalen Eliten wegen der immer rückläufigeren Geburtenzahlen ist in der Tat ekelhaft, denn die Ursachen, wozu auch mangelhaft vorhandene Kinderbetreuungseinrichtungen gehören, werden nicht beseitigt.

    Zu Marx Zeiten gab es grauenvollste Kinderarbeit und diese Epoche gehört mit Sicherheit zu den finstersten Abgründen des Kapitalismus. Nun dürfen wir uns aber nicht zurück lehnen und glauben, dieser Missstand sei überwunden. Kinderarbeit existiert offiziell lediglich in wenigen historischen Gewinnerländern nicht mehr, aber auf dem überwiegenden Teil unseres Planeten ist sie nach wie vor Gang und Gäbe und dient dazu, die kapitalistischen Peripherien gegenüber dem hohen Kapitaleinsatz der Zentren konkurrenzfähig zu halten. In vielen Ländern dieser Welt sind Kinder tatsächlich Handelsartikel (Kinderhandel, Prostitution) und Arbeitsinstrumente.

    Aber auch in den stetig ärmer werdenden historischen Gewinnerländern, wie z. B. Deutschland, verdienen viele Kinder aus armen Familien nach der Schule ein Zubrot, teils durch einfache, teils durch körperlich anstrengende Tätigkeiten. Aber weil nicht ist, was nicht sein darf, schauen wir da nicht so genau hin.

    „So furchtbar und ekelhaft nun die Auflösung des alten Familienwesens innerhalb des kapitalistischen Systems erscheint, so schafft nichtsdestoweniger die große Industrie mit der entscheidenden Rolle, die sie den Frauen, jungen Personen und Kindern beiderlei Geschlechts in gesellschaftlich organisierten Produktionsprozessen jenseits der Sphäre des Hauswesens zuweist, die neue ökonomische Grundlage für eine höhere Form der Familie und des Verhältnisses beider Geschlechter“. K. Marx, Kapital I

    Nun ja, diese „höhere Form der Familie und des Verhältnisses beider Geschlechter“ hat sich vermutlich anders entwickelt, als der Visionär Marx es voraus sah. Heute gibt es in Deutschland rund 650.000 alleinerziehende Mütter und Väter mit ca. 1 Mio. Kindern, die ökonomisch gesehen regelrecht um ihre Existenz kämpfen. Es gibt die Patchworkfamilien und jede Menge Kinder, die einen pendelnden Elternteil höchstens mal am Wochenende sehen. Was wir heute an familiären Auflösungserscheinungen beobachten, ist mit Sicherheit noch ekelhafter, als Marx es im 19. Jhr. beklagte.

    Die „entscheidende Rolle der Frauen im organisierten Produktionsprozess“, gibt es tatsächlich und zwar spätestes seit der 2. Industriellen Revolution, dem Fordismus. Die Frauen wurden von der Industrie in den 1950er/60er Jahren als Absatzmarkt entdeckt und zwar für all die schönen Fernseher, Waschmaschinen, Kühlschränke, Kaffeemaschinen, Autos etc. pp. Ein männlicher Verdienst reichte damals kaum, sich all die flinken Haushalts-Helferlein zu kaufen. Also wurden den Frauen die gesellschaftlich gelegten Steine aus dem Weg geräumt und sie mit Kusshand im Produktions- und Dienstleistungsbereich empfangen. Dieser ganze Vorgang wurde uns als „Emanzipation der Frau“ verkauft! Genialer Schachzug!

    Die Folge ist, das wissen wir heute, dass die Mütter unter der Doppelbelastung Beruf, Kinder, Haushalt mehr als häufig schier zusammen brechen und es gilt ganz allgemein das Vorurteil, dass eine Frau, die nicht lohnabhängig arbeitet, ein faules Menschenexemplar sei. Der gesellschaftliche Druck, einer Arbeit nachzugehen, ist enorm.

    Da frage ich mal ganz naiv in diese Runde: Welche junge Frau, die erlebt hat, wie sich die eigene Mutter in diesem kapitalen System vorzeitig ins Grab strampelte, hat unter dem Zwang, arbeiten zu müssen, in dieser kinderfeindlichen Republik noch Lust auf Nachwuchs?

    Es gibt in Deutschland eine ganz böse Redensart, vorzugsweise von Männern geäußert: „Wenn eine Frau mit 40 nicht tot umfällt, hat sie sich nicht rentiert!“ Ekelhaft, nicht wahr?!

    Ach je, ich könnte noch viel mehr schimpfen, aber ich lass jetzt mal gut sein.

    Schönen Tag noch,

    Gaby

  2. Heiner sagt:

    @gaby: Der Satz mit der Frau und 40Jahre ist wohl noch zu Zeiten der Leibeigenschaft geäußert worden und nicht mehr heute.
    MfG

  3. Gaby sagt:

    Heiner,

    ob Du es glaubst oder nicht, dieser Satz wird unter meinen männlichen Arbeitskollegen gern und oft mit hämischem Grinsen geäußert.

    Aber Dr. Jahnke hat ja schon einmal angemerkt, dass ich nicht gerade von schillernden Blüten akademisch geschulter, hochbezahlter Intelligenz umgeben bin. Er muss es wissen, er hat schließlich mehr Berufserfahrung als ich.

    Dieser fiese Satz bringt es jedoch eiskalt auf den Punkt: Frauen werden als Arbeitsinstrumente gesehen. Erst seit kurzem weiß ich, welche Tragweite tatsächlich in diesem Satz steckt. Vermutlich ist mir das heute sogar bewußter, als denjenigen Kollegen, die ihn so locker leicht daher reden, nur um uns Frauen ein wenig zu ärgern.

    Unter all diesen widrigen Umständen, die schlimmstenfalls allerböseste Häme einbringen, müssen wir uns wirklich nicht wundern, dass junge Frauen mehr und mehr auf Kinder verzichten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

  4. ishaltnetso sagt:

    Ich weiß nicht, wieso man umbedingt noch eine Geschlechterschlacht auslösen sollte?
    Zusammenhalten ist wichtig!!! Von was soll uns das ablenken?
    ( Ist meine Meinung ! )

    • globalnote sagt:

      @ishaltnetso

      Die Geschlechterschlacht findet doch längst am Arbeitsmarkt und in vielen Famlien statt mit verhängisvollen Folgen für Deutschland. Warum soll man das verschweigen? Es paßt in das Weltbild eines ausbeutenden neoliberalen Kapitalismus im globalen Maßstab! Da wird nichts abgelenkt, sondern auf einen wesentlichen Faktor aufmerksam gemacht. Was erregt Sie denn daran so schrecklich?

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  5. Taylor_two sagt:

    Guten Abend in die Runde,
    Sie haben es gesagt Herr Jahnke. Ich halte diese Gegensätze zwischen Männern und Frauen für eiskaltes Kalkül. Was mich erschreckt, ist die Zielstrebigkeit und die Unerbittlichkeit mit der die Gesellschaft in allen Bereichen gespalten wird. Dazu möchte ich noch erwähnen, daß ich aus einer weithin verachteten Gesellschaft komme, in der wir zwar nicht alle Gegensätze beseitigen konnten, aber die Bemühungen dahin waren sichtbar und wirken noch heute nach.
    @ Gaby
    Ich habe noch was für Dich (betrifft Malthus). Google doch mal „nssm200“, es paßt sogar zum Thema.

    mfg

    • Gaby sagt:

      Hallo, Taylor_two und Mitlesende,

      man kann die „NSSM200“ für eine Verschwörungstheorie halten oder nicht, Fakt ist, dass unsere Marktwirtschaft von „fremden Mächten“ gelenkt wird und somit die Ökonomie des Individuums Tag für Tag beeinflusst. Unter „fremden Mächten“ verstehe ich die wirtschaftlichen wie politischen Verflechtungen, die uns allenthalben begegnen plus den dazugehörigen Ideologien, denen wir selten aus dem Weg gehen können.

      Darunter verstehe ich allerdings auch das, was mir heute mal wieder (!) widerfahren ist:

      Gegen 9.00 Uhr fing ein Kollege, Anhänger der Freien Wählergruppe, der sich in unserem Stadtrat politisch engagiert, an davon zu faseln, dass der DIW-Reichtums-/Armutsreport mal wieder gezeigt habe, dass in Deutschland die Falschen die Kinder kriegen und es die Deutschen gleichermaßen verstünden, Gewinner wie Verlierer dieses Systems zu sein. Es kommt nur darauf an, dass man sich ordentlich anstrengt und sich nicht auf die Alimente des Staates verlässt, dessen Schmarotzer zudem das Vermögen des deutschen Volkes aussaugen. 70 % des Haushaltsetats unseres Kreises und der Stadt gingen für Sozialleistungen drauf, worunter nicht nur Hartz-IV zu verstehen ist, sondern auch die Schulbuss-Beförderung, die Kindergärten und die Ganztagsbetreuung an manchen Schulen in Stadt und Kreis.

      Er hat vor einigen älteren männlichen Kollegen, die eifrig mit dem Kopp nickten, folgende Vorschläge gemacht:

      Frauen müssen per geringer „Herdprämie“ dazu überredet werden, daheim zu bleiben und ihre Kinder bis zum 4. Lebensjahr in den eigenen vier Wänden zu versorgen. Das spare jede Menge Krippen- und Kitaplätze und somit Personal und überhaupt tut es den Kindern gut, so dass sie später nicht straffällig werden und sich somit die Kosten für unsere Gefängnisse reduzieren.

      Sobald eine Frau schwanger ist, müssen Sozialarbeiter prüfen, ob die Frau bzw. die Eltern überhaupt in der Lage sind, Kinder zu anständigen und klugen Menschen heran zu ziehen. Wenn’s hapert, muss ihnen klipp und klar beigebracht werden, wie man mit Kindern richtig umgeht und die Eltern sollen, solange das Kind keine 18 Jahre alt ist, unter permanente Beaufsichtigung gestellt werden.

      Auch die Ganztagsschulen gehören wieder abgeschafft, weil es ein Unding ist, dass Lehrer und Hilfspersonal die Aufgaben erledigen, die Mütter nachmittags zu erledigen haben. Und überhaupt ist es Quatsch, dass wir angefangen haben, Haupt- und Realschule zusammen zu legen. Er sagte allen Ernstes, dass bereits im Alter von 10 Jahren feststeht, was aus einem Kind wird. Die meisten Menschen sind nicht für höhere Berufe geeignet, folglich genügt die Hauptschule und nur das soll gelehrt werden, was nötig ist, einen einfachen Beruf auszuüben. Das spare Zeit, das spare Lehrer und sicher auch Schulbuchkosten. Da ist mir ziemlich sauer rausgerutscht: „Hört, hört, Malthus spricht!“ und der Kollege schnauzte zurück: „Schubladendenken bringt uns nicht weiter. Typisch links! Kein Konzept, nur wirres Gerede!“

      Und so weiter und so fort. Ich möchte nicht alles wiederholen. Der Kollege hat Gymnasiallehrer Geschichte und Englisch studiert, allerdings keine Lehrerstelle erhalten. Er hat zwei erwachsene Söhne, beide haben studiert, einer sitzt daheim, weil er keinen Arbeitsplatz findet und seine Frau ist verbeamtete Hauswirtschafts-Lehrerin.

      Solche Leute, wie dieser von mir seit vielen Jahren absolut nicht gut gelittene Kollege, der sich Bildungsbürger nennt und seine Sprüche durchaus auf Anerkennung stoßen, finden sich mit Sicherheit allerorten und bestimmen, wenn sie entsprechende Macht und Einfluss haben, das Leben von Millionen von Menschen.

      Sag mal Taylor_two, was meist Du eigentlich, wenn Du schreibst, dass Du aus einer „weithin verachteten Gesellschaft“ kommst? Für mich gibt es mancherlei Menschen, denen ich lediglich höflichen Anstand zolle, ihnen darüber hinaus aber aus dem Weg gehe, weil ich sie nicht leiden kann. Aber ein ganzes Volk in „Sippenhaft“ zu nehmen, geht gegen meine innere Überzeugung.

      Freundliche Grüße

      Gaby

  6. StriX sagt:

    Nun, die Frage ist ob man nicht von einem ganz anderen Blinkwinkel aus die Sache betrachten sollte.
    Sollen überhaupt so viele Frauen berufstätig sein?
    Wäre es nicht besser die Männer hätten ein höheres Einkommen und die Frauen würden wieder ihre angestammte Rolle als Hausfrau u Mutter einnehmen.
    Ich weiß, das ist gegen den Gender Mainstraim, aber es wäre sicherlich aus meiner Sicht der bessere Weg als immer zu versuchen noch mehr Frauen in Arbeit zu bringen. Die Familie würde aufgewertet, der Zusammenhalt würde steigen usw.
    Wir müßten wieder mehr in Richtung der 70er bei diesem Thema zurück. Nur meine Meinung.

    • Gaby sagt:

      Hallo, StriX und Mitlesende,

      Deine Gedanken sind der Überlegung wert, aber hast Du eine Vorstellung davon, welchen enormen wirtschaftlichen Einbruch es mit sich brächte, wenn sich der „Absatzmarkt Frau“ beruflich aus dem Wirtschaftsleben zurück ziehen würde?

      Da ein einzelner Verdienst nun mal weniger ist als ein Doppelverdienst, auch wenn der männliche Verdienst durchschnittlich sehr gut bezahlt würde, würden sich die Frauen in ihrem Konsumverhalten mit Sicherheit ganz anders verhalten. Selbermachen stünde wieder auf der Agenda – Zeit genug wäre vorhanden und die Lust darauf würde wachsen. Do it yourself in Haushalt und Garten würde mit einem Male bundesweit wieder richtig hipp.

      Das würde die Baby-/Kinder-, Textil-, Kosmetik-, Pharma- und Fertignahrungsmittel-Industrie sofort konsumeinbrechend treffen. Ich denke, der einzige Industriezweig, der hierdurch einen Aufschwung erleben würde, wären die Fahrradproduzenten.

      Es hat meiner Meinung nach weder etwas mit Frauenemanzipation noch mit Gender und dem ganzen Geschwurbel zu tun, dass sich Frauen heute regelrecht gezwungen fühlen, arbeiten zu gehen. Es hat vor allen Dingen damit zu tun, dass die Doppelbelastungen der Frauen einen gigantischen Absatzmarkt eröffnet haben und die Gesellschaft nicht wollen kann, dass dieser Markt versiegt.

      Nun kann man einwenden, dass die so häufig erzwungene weibliche Halbtagstätigkeit doch auch begünstigt, dass sie wieder sehr viel selber machen, statt es fertig zu kaufen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, was ich bisher nur vom Hörensagen kannte: Eine Halbtagsstelle zwingt den Chef regelrecht dazu, den Frauen derart viel Arbeit aufzubrummen, dass die Erschöpfung bereits nach vier Stunden eintritt. Die Arbeit, die früher in acht Stunden erledigt wurde, muss in vier Stunden bewältigt werden. Das ist Stress pur!!! Nach diesem Stress kommt kaum Lust auf, sich an den Herd zu stellen und selbst etwas zu kochen oder zu backen, statt ins Regal zur Fertigsuppe zu greifen oder zum Fertigkuchen, sofern frau es sich finanziell leisten kann.

      Wir können nicht in die 1970er Jahre zurück! Dafür sind die Produktivkräfte mittlerweile viel zu gigantisch. Es würde, gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise, zu zusätzlichen verheerenden Wirtschaftseinbrüchen kommen, wenn plötzlich Millionen von Frauen die Pausenbrote für Mann und Kind wieder selbst schmieren würden, statt sie zu ermuntern, belegte Brötchen in der Kantine, im Supermarkt oder beim Bäcker zu kaufen (um nur ein winzig kleines Beispiel zu nennen).

      Liebe Grüße

      Gaby

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