2038

global news 2038 13-06-10: Der Globalisierung als Entwicklungshilfe Quatsch gehört endlich begraben

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One Response to 2038

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag in diese Diskussionsrunde,

    da ich im ideologischen Dunstkreis des ungleichen Wettbewerbs des „bemitleidenswerten Südens“ gegen den „ausbeuterischen Norden“ aufgewachsen bin, prallte Dr. Jahnkes China-Kritik anfangs an dem „Brett vor meinem Kopp“ ab. Weil ich Dr. Jahnkes Kritik nicht verstanden habe und mich das maßlos ärgerte, las ich in Folge mancherlei Bücher. Erst orientierungslos der Nase lang, dann, von der „Allgemeinen Theorie“ gefeuert.

    Ich glaube, mittlerweile dahinter gekommen zu sein, warum es für politisch Linke so schwer ist, die destruktive Bedeutung Chinas für den Weltmarkt zu erkennen. Wohlgemerkt, es ist nur ein Versuch der Erklärung! Wenn ich mich irre, möge man mich bitte korrigieren.

    Linkspolitische Zeitgenossen argumentieren, dass es die Globalisierung schon immer gegeben habe. Sie stützen sich mit ihrer Aussage vermutlich auf Marx:

    „Nicht ganz unberechtigt beginnen unsere Geschichtsbücher die Epoche des Kapitalismus mit den Entdeckungs- und Eroberungsfahrten der Europäer in alle Welt, denn der Weltmarkt bildet selbst die Basis dieser Produktionsbasis“. Karl Marx, Kapital III

    Diese Worte erinnern mich heute sehr stark an das, was ich in der Vergangenheit bezüglich der Globalisierung in den Büchern Albrecht Müllers „Die Reformlüge“, gelesen habe und in Heiner Flassbecks Buch „50 einfache Dinge, die Sie über unsere Wirtschaft wissen sollten“. Prinzipiell, da gebe ich Dr. Jahnkes Unmut heute aus eigenen Studien und Anschauung uneingeschränkt Recht, gehen politisch links von der Mitte gerichtete Geister doch davon aus, dass die Globalisierung ein „alter Hut“ ist.

    Karl Marx legte in den Weltmarkt (Globalisierung) große Hoffnungen:

    „Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse. Die Herrschaft des Proletariats wird sie noch mehr verschwinden machen.“ Karl Marx, Kommunistisches Manifest

    Karl Marx hat Bücher um Bücher geschrieben, die sich mit dem Thema „Weltmarkt“ beschäftigen, ich kann hier nur Highlights wiedergeben.

    Vermutlich aufgrund dieser Marx’schen Worte argumentieren politische Anhänger des traditionellen Arbeiterbewegungs-Marxismus, dass die Globalisierung nicht Schuld am Rückbau unserer Sozialstaatlichkeit sein kann und nichts damit zu tun hat, dass die Steuern der Reichen sinken, die Abgaben der Mittelschicht steigt, die wenigen Aufschwünge der letzten Jahre brutal abgewürgt wurden, die Märkte dereguliert, privatisiert und die Löhne gedrückt werden. Sie halten diese ökonomischen Sünden lediglich für nationale (!) Phänomene ökonomisch unfähiger Politiker.

    Eine solche Annahme impliziert allerdings meines Erachtens, dass sich der Kapitalismus seit Jahrhunderten nicht fortentwickelt hat, sondern sich lediglich die politischen Verhältnisse der Nationalstaaten und sich die herrschende Klasse der Kapitalisten den neuen Verhältnissen automatisch, in humanistischer Weise, zum Guten ändern.

    Eine Annahme, die die Anhänger der „Wertkritik“ nicht teilen. Als „Wertkritik“, das habe ich während meiner autodidaktischen Ausflüge in die Welt der Bücher staunend zur Kenntnis genommen, bezeichnet man ein Theoriegebäude postmarxistischer Kritikansätze an der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.

    Der klassische Marx-Anhänger bejubelt die Bankrotte der Sowjetunion und der DDR, ist doch endlich die der Globalisierung im Wege stehende Mauer gefallen. Der postmarxistische Wertkritiker hingegen verweist auf die ökonomisch-destruktiven Hebelwirkungen, die sich vor allen Dingen durch die vorschnelle Einbindung Chinas in 2001 in den Weltmarkt ergeben haben mit der Folge der globalen Ausbreitung des Neoliberalismus als nächsthöhere Reife des Kapitalismus, die unmittelbar dem ordoliberal angehauchten Keynesianismus folgen musste, prompt, als die Mauer und die Ideologien des Kommunismus und Sozialismus in den weit stärker westlich entwickelten Kapitalismus aufgesogen wurden und sich jetzt der schon lange vor Adam Smith schwelende Wirtschafts-Liberalismus wieder volle Bahn brach und bricht. Heute mit dem Namen Neoliberalismus bzw. neoklassische Ökonomie.

    Wenn wir uns nun diese beiden Theoriegebäude „Marxismus“ und „Wertkritik“ anschauen, werden wir feststellen, dass ganz, ganz viele Annahmen gleichauf liegen, aber die Bewertung der Globalisierung seit Anfang der 1990er Jahre und die Ausbreitung des Neoliberalismus hat in beiden Theorien unterschiedliche Bedeutungen, geht in beiden Theorien unterschiedliche Wege und hat unterschiedliche Ursachen und Folgen.

    Die marxistisch angehauchten Linken hoffen per Globalisierung auf Friede, Freude, Eierkuchen unter den Völkern; die Wertkritiker wissen, wie stark die Konkurrenz Chinas in den Alptraum der Schuldenwirtschaft (!) der kapitalistischen Welt reinhaut und für sie ist es keine Frage, dass China per Währungsmanipulation seit 2001 falscher spielt, als es Griechenland mit seinen geschönten Bilanzen je tat. Die Wertkritiker stimmen bereits den Abgesang des Kapitalismus an.

    Dr. Jahnke ist meines Erachtens kein Anhänger einer der beiden Gesellschaftstheorien oder beider zusammen, denn für den Marxismus ist er zu aufgeklärt, für die Wertkritik zu optimistisch.

    Das ist mir Vorbild genug, nach der Lesung vieler, vieler Bücher, erst einmal die ideologisch prägende Erbschaft meines Onkels von mir zu werfen und heute (mit 48 Jahren) intellektuell neutral zu bleiben, aber auch Notwendigkeit genug DIE LINKE zu wählen, damit es in unserer Regierung eine starke, im ökonomischen Kern halbwegs richtig tickende, starke Opposition gibt, die die erzkonservativen Parteien, die nichts anderes als die klassischen Herrschaftsverhältnisse im anti-marxistischen Sinne fortbestehen lassen, zu pieksen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gaby

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