1792

Gedanken zur Zeit 1792 13-06-10: Für BILD ist soziale Kälte nur ein eingebildetes Phänomen

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18 Responses to 1792

  1. Gaby sagt:

    Schönen Sonntag in die Runde,

    zunächst einmal danke ich Dr. Jahnke für die Richtigstellung der von der BILD-Hetze verdrehten Fakten.

    Gleichzeitig möchte ich an folgendes erinnern:

    Die Architekten, Monteure und Funktionäre des Kapitalismus begriffen spätestens im 19. Jhr., dass aus dem Versprechen „Wohlstand für alle“ nichts wird, sondern das Gegenteil, Massenverelendung, die Folge der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ist.

    Aber wie erklärt man das dem verarmten Menschenvolk und zwar so, dass der Pöbel endlich die Klappe hält und mit seinen verdammten Sozialrevolten aufhört? Thomas Robert Malthus hatte seinerzeit die zündende Idee! In seinem „Bevölkerungsgesetz“ ließ dieser angebliche Menschenfreund ganz frech verlauten, dass Armut die Schuld des Einzelnen, nicht aber die Schuld der Marktwirtschaft oder der Regierung ist.

    Hier sind ein paar Kostproben aus dem „Bevölkerungsgesetz“:

    „Es hat sich gezeigt, daß infolge der unvermeidlichen Gesetze der Menschennatur manche menschliche Wesen der Not ausgesetzt sein werden. Diese sind die unglücklichen Personen, die in der großen Lebenslotterie eine Niete gezogen haben“ (Bd. 2, 31).

    „Recht aber gibt es, dessen Besitz dem Menschen allgemein zugesprochen worden ist, das er meiner Überzeugung nach weder besitzt noch besitzen kann – ein Recht auf Unterhalt, wenn seine Arbeit ihn füglich nicht erstehen kann. Unsere Gesetze sagen allerdings, daß er dies Recht hat, und verpflichten die Gesellschaft, denjenigen Beschäftigung und Nahrung zu verschaffen, welche dieselbe
    nicht auf dem gewöhnlichen Markte erhalten können. Aber indem sie dies tun, stürzen sie die Naturgesetze um.“ (Bd. 2, 281).

    „Daß die hauptsächliche und andauerndste Ursache der Armut wenig oder gar keine direkte Beziehung zu den Regierungsformen oder zur ungleichen Verteilung des Eigentums hat, daß, da die Reichen tatsächlich nicht die Macht haben, Beschäftigung und Unterhalt für die Armen zu finden, die Armen der Natur der Dinge nach kein Recht haben können, beides zu fordern, das sind wichtige, aus dem Bevölkerungsgesetze hervorgehende Wahrheiten.“ (Bd. 2, 383).

    „Als erster Schritt zu jeder großen Veränderung in dem gegenwärtigen Systeme, welche die Zunahme der zu erteilenden Unterstützung beschränken oder aufhalten könnte, sind wir, wie mir scheint, durch Gerechtigkeit und Ehre verpflichtet, das Recht der Armen auf Unterhalt in aller Form in Abrede zu stellen.

    Zu dem Zwecke möchte ich ein Gesetz des Inhalts vorschlagen, daß kein eheliches Kind, das nach Verlauf eines Jahres, und kein uneheliches, das nach Verlauf von zwei Jahren vom Datum des Gesetzes ab geboren wird, jemals einen Anspruch auf Gemeindeunterstützung haben solle.“ (Bd. 2, 296 ff.).

    Diese hirnverbrannten Aufrufe zu sozialen Greueln wurden in den Kreisen des liberalen Bürgertums mit Kußhand aufgenommen und gründlich studiert. Es entbrannten in den besseren Kreisen regelrechte Wettbewerbe der Ideen, wie man die „Überflüssigen“ am effektivsten vernichten könnte. Von Friedrich Engels wissen wir, dass 1838 in England, unter dem Psynonym „Marcus“, ein Pamphlet veröffentlicht wurde, das „eine Staatsanstalt zur schmerzlosen Tötung der Kinder der Armen“ forderte.

    Nun mag der eine oder andere unter Euch murren, dass die olle Gaby wohl nicht alle Latten am Zaun hat, mit so ollen Kamellen aus längst vergangenen Zeiten daher zu kommen. Diesen Kritikern sei versichert, dass das „Bevölkerungsgesetz“ nach wie vor zum Bildungskanon der Liberalen gehört und es uns heute wieder ganz schamlos an allen Ecken und Kanten dieser Republik begegnet, wie zum Beispiel in dem von Dr. Jahnke zitierten BILD-Kommentar. Dieser Kommentar ist einer von derzeit täglich aufflackernden zynischen Rechtfertigungsversuche einer ebenso absurden wie antihumanen Gesellschaft. Und wohin eine solche Sozialhetze führt, haben wir in unserer jüngeren Geschichte bereits erlebt. Stichwort: Gas.

    Auch aus den asozialen Sparvorschlägen unserer Bundesregierung röchelt uns der modrige Odem Malthus entgegen, von den unerhörten Bemerkungen solcher nichtsnutzigen Zeitgenossen wie Sarazzin, Metzger, Mißfelder & Co. ganz zu schweigen.

    Bis demnächst

    Gaby

  2. HandaufsHerz sagt:

    Hallo an Alle,

    entweder ist es böse Absicht von Bild hier wieder Desinformationen zu streuen, oder es ist volkswirtschaftlich Inkompetenz.
    Es ist aber genauso verantwortungslos, wenn Vertreter der Regierungsparteien die Öffentlichkeit über die wirklichen Ausgaben der einzelnen Bereiche im Unklaren zu lassen.

    Im Anschluss an diese manipulierenden Behauptungen von Bild kommen dann wieder die Angaben, dass die Besserverdiener 60% der Haushaltseinnahmen des Bundes tragen.
    Soweit ich informiert bin, sind es 60% der Einkommenssteuer. Das Gesamtsteueraufkommen des Bundes besteht aber nicht nur aus der Einkommenssteuer, sondern auch aus Verbrauchersteuern, die bis jetzt, den größeren Teil der Steuereinahmen ausmachten.

    Da aber die Binnennachfrage ständig durch unsere neoliberalen Regierungen geschwächt wurde, werden sich auch die Verbrauchersteuereinnahmen vermindern.
    Ob unsere Besserverdienenden die Steuermindereinnahmen mit ihrer 60%-Strategie wieder ausgleichen können, wage ich zu bezweifeln.

    Freundliche Grüße
    Gisela

  3. Heiner sagt:

    Wenn man ein bißchen durch Zahlen wühlen will:
    Die wichtige, den dummen Artikel von Bild betreffende Statistik über die SOZIALLEISTUNGSQUOTE
    findet man ziemlich weit unten.
    http://www.bmas.de/portal/38586/statistisches__taschenbuch__2009.html
    MfG

    • globalnote sagt:

      Danke, Heiner. Hier ist aus gleicher Eurostatquelle ein grafischer Vergleich der Sozialleistungen pro Kopf in Euro für 2007: http://www.jjahnke.net/index_files/14238.gif . Das ist noch etwas neuerer und pro Kopf ist wahrscheinlich ein besserer Vergleich, da er das durchschnittliche Einzelschicksal ins Visier nimmt statt die Gesamtleistung pro BIP. Deutschland hat mehr Leistungsempfänger und kommt daher bei einem BIP-Vergleich etwas besser heraus als bei einem pro Kopf-Vergleich.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • globalnote sagt:

      An Alle,

      Jetzt hier eine ausführliche Zusammenstellungen von Grafiken gegen die BILD-Hetze: http://www.jjahnke.net/rundbr72.html#2039 .

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. WerdeNichtJünger sagt:

    13.06.2010 auf 19:21

    Es bleibt ja die unbeantwortete Verteidigung, wenn man die Leistungsträger belastet, auch wenn sie mehr verdienen, dann wird keine Leistung erbracht.

    Es wird ja der heimtückische Eindruck erweckt, dass es eigentlich egal ist, wie viel ein Hartz IV’ler bekommt. Es darf eben nur nicht den Leistungsträger belasten, da der sonst ins Ausland abwandert.

    Auf diese Propaganda fallen die meisten rein, auch die kleinen Leute. Darum bauen auch die Parteien ihre Wahlschlachten und Parteipropaganda auf. Eine verlangt mehr Abgaben für die Armen, die Andere mehr von den kleinen. Im Grunde gibt es jedoch keinen Unterschied, da ja keine etwas am Status Quo ändern möchte. Es geht ja nur um das Parteiprofil.

    Die Grundversorgung kann man ja nicht mit der Höhe eines Gehaltes vergleichen. Die Grundversorgung ist das Fundament der Infrastruktur eines Staates. Wo sogar die Grundversorgung privatisiert wird, wie in den USA, da fällt der staatliche und der gesellschaftliche Unterbau (die Infrastruktur)auseinander.

    Die Bildzeitung spricht ja nur das Kleinhirn an, dieser Bereich des Hirns, welches man als Echsenteil, Reptilienhirn bezeichnet.

    Daher ist der Bildzeitung der Überbau des Großhirns nicht wichtig. Wahrscheinlich geht die Bildzeitung davon aus, dass die Reptilien millionen von Jahren überlebt haben, wenn man einmal von den Dinos absieht 🙂

    Man könnte sich auch die Frage stellen, warum die Leistungsträger sich gerade in der Politik tummeln und sich nicht ein schönes Leben in der freien Wirtschaft gönnen?

    Ich denke, es sollten nur Menschen in die Politik gehen, die sich um Grundsicherung und um das Gemeinwohl kümmern möchten und dazu in der Lage sind.

    Das Großhirn würde eher über das Zeitalter der Technisierung, Rationalisierung, Mechanisierung grübeln. Gerade zu deren Weiterentwicklung bedarf es eines ausbaufähigen Sozialsystems/Grundsicherungssystems, dass die gesellschaftlichen Ressourcen freisetzt, um diese fortschrittlich weiterzuentwickeln.

  5. HandaufsHerz sagt:

    Lieber Herr Jahnke,

    vielen Dank, die Daten werde ich, so gut wie möglich, versuchen mir zu merken, um einer Diskussion standzuhalten.
    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich eine neueste Zusammenfassung des Steueraufkommens des Bundes, als Diskussionsgrundlage hätte.
    Leider fehlen mir dafür bei einer Diskussion noch die nötigen schlagkräftigen Argumente.
    Wie sieht das Steueraufkommen der Besserverdiener prozentual in Bezug auf das Gesamtsteueraufkommen etc. … aus. Wahrscheinlich haben sie dieses Thema längst behandelt. Ich habe auch Einblick in eine Grafik älteren Datums gehabt, aber leider habe ich momentan nicht so viel Zeit und Geduld mir die neuesten Daten zusammen zu suchen.
    Außerdem kommt es mir auch sehr auf Ihre Bewertung in Ihren Begleitkommentaren an.
    Vielleicht haben Sie ja auch einen Link für diesen Themenkomplex. Vielen Dank!

    Freundliche Grüße
    Gisela

  6. HandaufsHerz sagt:

    @ globalnote

    Danke, Herr Jahnke,

    diese Vergleiche (aus den Links) hatte ich doch schon durchgesehen -sie wurden ja auch schon heiß diskutiert hier im Forum.
    Vor ungefähr zwei Jahren hatte ich eine Kuchengraphik (oder wie sie heißt) auf Ihrer Seite gefunden, die das gesamte Steueraufkommen der BRD, unterteilt in Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer, sonstige Verbrauchssteuer etc. …, im Verhältnis zueinander darstellte.
    Ich hatte auch einen Link zu der Abbildung, der mir, wegen meines inzwischen „verstorbenen“ Computers, verlorenging.
    Diese Abbildung war mir sehr von Nutzen, weil ich damit sehr viele Rechnungen, natürlich in Bezug zu den übrigen statistischen Erhebungen, selbst erarbeiten konnte.
    Gibt es schon neuere Zahlen bezüglich der Gesamtsteuereinnahmen des Bundes mit dieser Unterteilung.

    Hoffentlich habe ich mich verständlich ausgedrückt (mir fehlen leider noch sehr viele Fachbegriffe).

    Herzlichen Dank für Ihre Mühe und
    freundliche Grüße
    Gisela

  7. HandaufsHerz sagt:

    @globalnote,

    auch von mir vielen Dank, Herr Jahnke,
    genau das ist die, von mir gesuchte, Abbildung und die Daten sind auch neueren Datums.
    Was mich wundert, ist, dass das Steueraufkommen höher ist als die Steuereinahmen des Bundeshaushalts der Regierung.
    Wie kommt denn der Unterschied zustande?

    Es tut mir leid, dass ich schon wieder eine Frage habe.
    Da ich nicht weiß, ob die Beantwortung meiner Frage auch im Interesse der anderen Diskussionsteilnehmer liegt, möchte ich die Gedankengänge auch nicht unbedingt stören und Sie nicht aufhalten.

    Über eine Beantwortung würde ich mich jedoch sehr freuen.

    Nochmals vielen, vielen Dank.

    Mit freundlichen Grüßen
    HandaufsHerz

  8. HandaufsHerz sagt:

    @ globalnote und Mitdiskutanten,

    Herr Jahnke, Ihren Rundbrief (obiger Link) habe ich zum Teil durchgearbeitet.
    Mit der Abbildung: 04968 Steueraufkommen 2009 bekommt er für mich eine besondere Brisanz, weil zu erkennen ist, wie groß der Anteil der Einkommenssteuer im Verhältnis zum Gesamtsteueraufkommen ist.

    … „Doch lediglich 51 Mrd Euro oder knapp 11 % des gesamten Steueraufkommens enfielen auf veranlagte Einkommenssteuer, nicht veranlagte Einkommenssteuer und Zinsabschlagsteuer, also Steuern die ganz überwiegend bei den höheren Einkommensklassen erhoben werden (Abb. 04968).“ …

    Das ist also die tatsächliche Steuerleistung, die die „Leistungsfähigen“ erbringen!
    Rechnet man die vielen Steuerschlupflöcher und Sonderbegünstigungen noch hinzu, was bleibt dann noch an Leistung übrig?

    Ich frage mich, wie gehe ich also damit um, wenn die Behauptung aufgestellt wird, dass die oberen Einkommensbezieher die Hauptsteuerlast tragen?

    Sollte man sie (hier Bildzeitung) nach Nachweisen fragen, die diese Behauptungen begründen?

    Nach dem Durchlesen Ihres Rundbriefes sieht die soziale Wirklichkeit noch grausamer aus, als ich dachte.

    Angeblich haben Liberale und Konservative die bessere Wirtschaftskompetenz.

    Wer nicht in gesamtvolkswirtschaftlichen Zusammenhängen denken kann, der ist absolut inkompetent.

    Nur auf der Profitschiene zu fahren und Staatseinahmen auszugeben, ist keine volkswirtschaftliche Leistung.

    Leider nehmen viele Menschen hier im Lande diese Kälte zurzeit nicht wahr, weil die Stimmung durch die Fußballweltmeisterschaft aufgehellt ist.

    So wird das Erscheinungsbild der Regierungsparteien, ohne deren Zutun, wieder harmonisiert.
    Die Medien der Regierungsparteien sorgen derweil, mit Lügen- und Hetzkampagnen gegen Minderheiten, für die Durchsetzung des unsozialen Sparpakets.

    Meiner Meinung nach, zeigt das Verhalten einiger Medien schon faschistische Züge.

    Freundliche Grüße
    HandaufsHerz

    • Gaby sagt:

      Liebe Gisela und Mitdiskutanten,

      es ist eine Illusion zu glauben, unsere liberalen Eliten würden uns mehr Bildung angedeihen lassen, als nötig wäre, unsere Arbeitskraft an sie zu verkaufen. Nee, nee, da müssen wir uns schon selbst drum kümmern.

      In allen Epochen des Kapitalismus war Bildung der Massen Mangelware und wurde und wird systematisch erschwert. Jedwedes Studium an unseren Universitäten vermittelt lediglich Halbwissen, ich bin sogar so dreist und nenne es Dummwissen. Der Lyriker Rainer Kunze hat es treffend ausgedrückt: „Unwissende, damit ihr unwissend bleibt, werden wir euch schulen“.

      Das faszinierende an der Wirtschafts- und Sozialliteratur vergangener Kapitalismus-Epochen ist die Ehrlichkeit ihrer Verfasser, die wahrlich kein Blatt vor den Mund nahmen, die kapitalistische Zurichtung der Menschen voran zu treiben. Mit einer geradezu erschreckenden Unverfrorenheit, die keinerlei politische Korrektheit kennt, waren solche Leute wie Mandeville, Hobbes, Bentham, Malthus, Kant & Co. Wegbereiter der disziplinären Zuchtanstalten des auf die reine Arbeitskraft reduzierten Menschenmaterials. Ihre teils mörderischen Geistesblitze erhellen vor allen Dingen in wirtschaftlichen Krisenzeiten immer wieder Köpfe unserer uns regierenden Gesellschaftslenker.

      Aber bleiben wir bei dem Zyniker und Menschenverächter Bernard Mandeville (1670 – 1733). Er stellte nicht nur fest, dass nicht die Tugend, sondern das Laster dem Gemeinwohl nützlich ist, sondern er fabulierte darüber hinaus:

      „Als nächstes müssen wir gutes Benehmen und Höflichkeit in Betracht ziehen, die den Armen in den Armenschulen beigebracht werden sollen. Ich bekenne, dass es nach meiner Meinung völlig unnütz, wenn nicht gar schädlich ist, diese Eigenschaften in irgendeinem Maße zu besitzen; zumindest gibt es für die arbeitenden Armen nichts Überflüssigeres. Was wir von ihnen haben wollen, sind nicht Komplimente, sondern ihre Arbeitskraft und ihre Dienstbeflissenheit.“ (Mandeville, Die Bienenfabel oder Private Laster als gesellschaftliche Vorteile)

      „Aus dem Gesagten wird klar, dass in einer freien Nation, wo Sklaven nicht erlaubt sind, der sicherste Reichtum in einer großen Zahl arbeitsamer Armer besteht; denn abgesehen davon, dass sie einen nie versiegenden Nachwuchsquell für Flotten und Armeen bilden, gäbe es ohne sie kein Vergnügen, und kein Produkt irgendeines Landes könnte einen Wert haben.

      Um die Gesellschaft glücklich und die Menschen unter den bescheidensten Umständen zufrieden zu machen, ist es erforderlich, dass eine große Anzahl von ihnen nicht nur arm, sondern auch unwissend ist. Gedeihen und Glück jedes Staats und Königreiches erfordern daher, dass die Kenntnisse der arbeitenden Armen auf den Bereich ihres Berufes beschränkt bleiben und niemals über das hinausgehen, was mit ihrer Tätigkeit verbunden ist.

      Je mehr ein Schäfer, Pflüger oder sonstiger Landmann von der Welt weiß und von Dingen, die seiner Arbeit oder Beschäftigung fremd sind, um so weniger wird er geeignet sein, ihre Strapazen und Härten heiter und zufrieden zu ertragen. Lesen, Schreiben und Rechnen sind sehr notwendig für jene, deren Tätigkeit eine solche Qualifikation verlangt, aber wo der Lebensunterhalt der Leute von diesen Künsten nicht abhängt, verderben sie die Armen, die ihr täglich Brot mit ihrer täglichen Arbeit verdienen müssen. Nur wenige Kinder machen Fortschritte in der Schule, wären aber sehr wohl in der Lage, in dieser Zeit einer produktiven Beschäftigung nachzugehen, so dass jede Stunde, die Kinder armer Leute über ihren Büchern zubringen, ebensoviel verlorene Zeit für die Gesellschaft ist.“ Grrrrr, in dieser unerträglichen Weise geht es munter weiter.

      Zitiertes gilt heute noch. Es ist nicht gut, wenn wir zuviel wissen, das macht uns nur unhöflich, undiszipliniert und aufmüpfig, gar revolutionär. Ein unaufgeklärter, gutmütiger Kopf lässt sich zudem wesentlich leichter manipulieren und glaubt ohne viel Murren auch noch das brutalstmögliche Vorurteil, dargeboten als BILD-Dung.

      Danke, Herr Dr. Jahnke, dass Sie uns die Wahrheit nicht verschweigen und uns anregen, der täglichen medialen Berichterstattung kritisch zu begegnen.

      Liebe Grüße

      Gaby

  9. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Gaby,

    Mann-oh-Mann, welch harte Töne, aber zutreffend.
    Nun, solche Bücher, wie die oben Zitierten (außer Kant), kenne ich nicht und will sie auch nicht kennen lernen. Sie sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben wurden.

    Schade um die gefällten Bäume.

    Hier ein Lied von Hannes Wader: „Es ist an der Zeit“

    Jetzt muss ich raus an den Rhein um wieder Kontakt zur Natur zu finden um dem politischen Irrsinn inneren Widerstand bieten zu können.

    Liebe Grüße
    Gisela

  10. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Gaby,

    ich hoffe so sehr, dass Du meine Kritik an den Büchern nicht auf Dich bezogen hast.
    Meine Kritik galt nur den Autoren, die Du zitiert hast.
    Für mich ist es einfach vollkommen unverständlich, dass solche Zyniker und Menschenverächter wie Mandeville oder Malthus überhaupt öffentliche Bedeutung erhalten haben.
    Leider bin ich nicht in der Lage, solche Typen zu lesen, weil mein natürliches Empfinden derart gestört wird, dass ich (persönlich) mich weigere sie zu lesen.
    Deshalb, bewundere ich Dich, dass Du eben diese Beispiele anführst um klarzumachen, zu welcher Inhumanität ein liberaler, materialistischer und egomanischer Geist fähig ist.

    Darum bitte um Entschuldigung für meine unklaren Worte im vorherigen „post“.

    Liebe Grüße
    Gisela

    • Gaby sagt:

      Liebe Gisela und Mitlesende,

      nicht die Bohne musst Du Dich bei mir entschuldigen. Ich brauche ja selbst einen Übelkübel, um diesen geistigen Müll zu lesen.

      Mitte letzten Jahre habe ich gemerkt, dass ich mit meinen beschränkten Kenntnissen in diesem Forum ganz schnell an meine intellektuellen Grenzen stoße, wenn ich nicht endlich bereit bin, mich mit dem Kapitalismus auseinander zu setzen, der ja nicht nur aus Geld, einem Arbeitsplatz und Shoppingmeilen besteht, sondern eine komplizierte Mechanik aufweist und voller Unlogiken steckt. Es ist zwar hipp, das schicke Wort „Neoliberalismus“ zu gebrauchen, aber was bedeutet „Liberalismus“ und vor allem, wie ist diese Denk- und Handlungsart entstanden, wie hat sie sich durch die letzten 450 Jahre entwickelt? Und von der „neoklassischen“ Ökonomie kann ich nur dann sprechen, wenn ich weiß, was die klassische Ökonomie ausmacht.

      Seit ich weiß, dass der Frühkapitalismus nur mit brachialer Gewalt und nur mit der Hilfe ideologischer Wegbereiter wie Mandeville & Co. durchgesetzt werden konnte, steht die Literatur dieser Ekelpakete auf meiner Agenda und erklärt ganz nebenbei, wie die Liberalen, zumindest teilweise, heute ticken. Christliche Werte sowie ein positives Menschenbild suche ich jedenfalls seitenweise vergeblich – da schaue ich eher in den Schlund der Hölle. Gott mutierte zum alleinigen Tröster der Armen.

      Nun sollten wir den ideologischen Wegbereitern, die allesamt studierte, hoch angesehene Menschen waren, nicht allzu böse sein, denn sie haben in bester Absicht nichts anderes getan, als die breite Masse der besitzlosen, aber höchst anti-kapitalistisch eingestellten, widerspenstigen Menschen derart in den Kapitalismus hinein zu domestizieren, dass sie sich in dieses Ausbeutersystem kampflos fügen und es letztlich, wie mittlerweile geschehen, global als alternativlos ansehen und darüber hinaus für die beste aller Marktwirtschaften halten.

      Karl Marx war so ziemlich der erste Analytiker, der, bis heute unübertroffen, dahinter kam, was diese Marktwirtschaft im Innersten zusammen hält und was diese Wirtschaftsform aus den Menschen macht.

      Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Dr. Jahnke, dass er der Veröffentlichung so mancher Ekelzeile die Erlaubnis erteilt.

      Also, liebe Gisela, mach’ Dir keine Sorgen um ungelegte Eier und ich freue mich sehr, wieder von Dir zu lesen.

      Alles Gute an Euch alle und noch einen schönen Tag,

      Gaby

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