1791

Gedanken zur Zeit 1791 12-06-10: Umwelt und Sozialismus

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3 Responses to 1791

  1. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sich Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus und Umweltschutz nicht miteinander vereinbaren, schließlich kann es nicht gesund sein, einem Wirtschaftssystem zu huldigen, das uns allen letztlich die Lebensgrundlage entzieht. Wo bleibt denn da die heutzutage so gerühmte Nachhaltigkeit?!

    Jean Baudrillard weist in seinem Buch „Der symbolische Tausch und der Tod“ darauf hin, dass beim Thema Umweltschutz das komplette „produktive System“ durch die Beseitigung seiner Abfälle wieder aufbereitet wird. Es handelt sich um eine gigantische Gleichung mit dem Resultat Null. Aber zugleich ist das Ergebnis doch nicht Null, denn mit der Dialektik von Umweltschmutz und Umweltschutz entsteht in unseren Köpfen die fatale Hoffnung auf ein unbegrenztes kapitalistisches Wachstum.

    Das benannte Buch erschien 1976, einer Zeit, als sich das Establishment öffentlich über die langhaarigen Greenpeacer und späterdings sockenstrickenden, bärtigen GRÜNEN lustig machte und diese Leute für zutiefst unseriös hielt.

    Heute lacht niemand mehr, denn Umweltschmutz und Umweltschutz sind hochprofitable Bestandteile unseres warenproduzierenden, ach so fortschrittlichen Systems geworden. Anlageberater haben mit Sicherheit das geringste Interesse, die trügerische Null-Gleichung der wunderbaren Geldvermehrung, bestehend aus Kapital und recycelbar scheinender Umwelt, zu zerstören. Aber nicht nur die! Politiker und Unternehmer genau so wenig.

    Nur haben wir die Party in den letzten 250 Jahren ohne den Wirt gemacht, der uns noch in Saus und Braus leben lässt, indem er unsere luxuriösen Zechen zuverlässig anschreibt. Der Wirt, von dem ich spreche, ist unser Planet, ein hochkomplexes, quieklebendiges All-in-One-System, dessen all inclusive Regelwerke wir vermutlich niemals vollständig entschlüsseln werden; dem wir also auf Leben und Tod hilflos ausgeliefert sind. Wenn wir Menschen für diesen Planeten unerträglich geworden sind, wird er alles daran setzen, seine ihm lästig gewordenen Parasiten entweder harsch zur Ordnung zu ermahnen oder ohne Umschweife den größten Teil der Menschheit vernichten.

    Die seit Mitte der 1980er Jahre beständig zunehmenden Umweltkatastrophen, die uns mittlerweile täglich in den Medien begegnen und schon längst an unseren Haustüren angekommen sind, sind mir Hinweis darauf, dass der Wirt darauf drängt, dass wir endlich die Zeche zahlen. Diese Zeche kann nicht mit Geld beglichen werden, sondern nur mit bescheidenem Maßhalten und echter, also profitloser Nachhaltigkeit. Ich denke, Pelikane haben uns in mancherlei Beziehung eine ganze Menge voraus!

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Samstag,

    Gaby

  2. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Gaby und Mitlesende,

    Dein Beitrag gefällt mir und Du hast gute Argumente angebracht. Es sieht so aus, als ob alle Anderen (Männer) vom Fußballfieber gepackt sind und wir beide alleine diskutieren.

    Nun muss ich den Versuch unternehmen, zu verstehen, was die Essenz Deines Beitrags und dem Beitrag von Herrn Jahnke ist.

    Ich entnehme also aus Deiner Meinung, dass die Erde sich mittels Naturkatastrophen gegen die zerstörerische und rücksichtslose Gier der Menschen wehren wird.

    Damit habe ich folgendes Problem: Die Naturkatastrophen treffen meist die, die sich nicht so rücksichtslos und verantwortungslos verhalten haben. Die, die den Planeten und die Natur ausrauben, blieben doch bis jetzt weitestgehend verschont.
    Aber, mag sein, dass die Erde einem anderen Plan folgt, der unserem eingeschränkten Einzelbewusstsein nicht (oder noch nicht) zugänglich ist.

    Bis jetzt konnten wir uns darüber einigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Raubbau und der Zerstörung unserer natürlichen Existenzbasis (Neoliberale Glaubensangehörige ausgenommen – die gehen, wie immer, den Sonderweg der Absurdität).

    Jetzt wird von Herrn Jahnke die Frage gestellt, ob der Sozialismus überhaupt in der Lage ist die Umweltfrage zu lösen, nachdem der Kapitalismus offensichtlich, weder ideologisch, noch real dazu in der Lage ist?

    Dazu zunächst einmal meine Anmerkung: Es gibt meiner Meinung nach keinen realisierten Sozialismus, genau so wenig, wie es keinen Wohlstand für Alle im Kapitalismus gibt.
    Das Pseudosozialistische Regime steht in materieller Konkurrenz zum pseudodemokratischen Regime. Beide Staatsformen sind in der Wirklichkeit weder sozial, noch demokratisch.

    Das Hauptproblem ist die Konkurrenz und der Anspruch auf die Vorrangstellung.

    Das Konkurrenz-Prinzip muss durch das Verantwortungs-Prinzip ersetzt werden, denn
    nur so, kann man eine Fürsorglichkeit wieder beleben um die Natur, das Leben und die Erde vor der Zerstörung zu schützen.

    Freundliche Grüße
    Gisela

    • Gaby sagt:

      Liebe Gisela und Mitdiskutanten,

      es wird wohl nicht möglich sein, mit unserem Planeten darüber zu diskutieren, doch bitteschön nur die Verursacher des Treibhauseffektes zu bestrafen.

      Der Wissenschaftler James Lovelock fasst unser Dilemma in bemerkenswert einfachen Worten zusammen:

      „Mit Gaias Augen sehe ich Wissenschaft und Technik als Merkmale von Menschen, die das Potenzial haben, viel Gutes zu tun und viel Schaden anzurichten. Weil wir Teil von Gaia sind, nicht von ihr zu trennen sind, ist für sie unsere Intelligenz ebenso sehr eine neue Fähigkeit und Stärke wie auch eine neue Gefahr. Die Evolution macht Umwege, begeht Fehler, rennt in Sackgassen; mit der Zeit aber sorgt die große Korrektorin, die natürliche Auslese, in der Regel für eine saubere, wohlgeordnete Welt. Vielleicht war der größte Irrweg von Gaia und uns der bewusste Missbrauch von Feuer. Sich Fleisch über einem Holzfeuerchen zu braten wäre vielleicht noch akzeptabel gewesen, aber die absichtliche Zerstörung ganzer Ökosysteme durch Brände, nur um die Tiere herauszutreiben, war mit Sicherheit unsere erste an der lebendigen Erde begangene große Sünde. Seither plagt uns dieses Laster, und die Verbrennung von Kohlenstoff könnte jetzt zu unserem Scheiterhaufen, zum Grund für unser Aussterben werden“.

      Quelle: Gaias Rache – Warum die Erde sich wehrt -, Seite 207

      Meiner Auffassung nach gibt es weder einen reinen noch einen unreinen Sozialismus, weil bis heute nämlich nicht definiert ist, was Sozialismus eigentlich ist. Bereits in den 1920er Jahren gab es, laut dem Soziologen Werner Sombart, 260 Definitionen. So komme ich zu dem Schluss, dass der Sozialismus eine Form des Kapitalismus ist, der versucht, die schlimmsten Misshandlungen der Menschen zu mildern, der aber nicht versucht, sie zu beseitigen. Dieser Versuch ist, wie wir aus der Historie wissen, ziemlich brutal gescheitert.

      Nun ja, der mörderische, kapitalistische Konkurrenzdruck hat die menschlichen Innovationen bezüglich Wissenschaft und Technik ja nur so explodieren lassen. Da kann ich nur staunen, was in uns Menschen alles steckt! Aus diesem Grunde sehe ich den Konkurrenzdruck gar nicht mal als unser vorrangiges Problem. Das Grundproblem unserer heutigen sozialen, ökonomischen wie ökologischen Verwerfungen ist der Fetischcharakter des Kapitals, also die Magie des Geldes. Wenn es um’s Geld geht, hört bei sehr vielen Menschen jeglicher Gedanke an verantwortliches Handeln auf.

      Liebe Grüße an alle,

      Gaby

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