1967

global news 1967 31-03-10: Die Wahrheit vom Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitslosigkeit in „Unterbeschäftigung" versteckt

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11 Responses to 1967

  1. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    ich komme zu der Überzeugung, dass John Maynard Keynes der bisher fähigste Ökonom gewesen ist. Er hat gezeigt, dass er das System „Kapitalismus“ durchschaut und nicht bloß sein kratzfüßiger Diener ist, sonst wäre dieser intelligente Mann nie auf so sarkastische Ideen gekommen, wie „Pyramiden bauen“, „Geld in Flaschenhälse stecken, sie vergraben und wieder ausgraben zu lassen“ oder „Löcher zu schaufeln und wieder zu verschließen“ – mit Hilfe staatlicher Subventionen, versteht sich.

    Keynes hat meines Erachtens nicht nur gewusst, wie fragil und nicht aus sich selbst heraus funktionierend der Kapitalismus ist, sondern auch, dass es eine jahrtausendealte Menschheitsgeschichte gibt, in der der Kapitalismus keine Rolle spielte, sonst hätte er dem Merkantilismus in seiner „Allgemeinen Theorie“ nicht ein so ausgiebiges Kapitel gewidmet.

    Und mit welchen Ökonomen müssen wir uns heute herum plagen? Das kleinste Hoffnungsschimmerchen vom Arbeitsmarkt wird hochstilisiert, als hätten wir Deutsche die gesündeste Ökonomie der Welt. Es werden Prognosen erstellt, deren Wahrheitsgehalt Kaffeesatzleserei gleicht und diese ganzer Mist wird sogar noch hochgerechnet bis ins Jahr 2050 und höher.

    Die Ökonomie hat insgesamt den Geruch einer Religion, die die heute darbenden Menschenmassen lediglich auf’s Morgen verweist. „Morgen wird alles besser, ganz bestimmt!“ Dieses Versprechen wird seit 400 Jahren immer nur punktuell eingelöst, aber nie weltumspannend. Kaum sind die Menschen einzelner kapitalistischer Länder tatsächlich mal satt und sauber, wie Vieh im Stall, bricht die ganze schöne Hokuspokus-Ökonomie auch schon wieder in sich zusammen und wir leben mal wieder in einer Black Box – drehen also durch, werden wahnsinnig, schlagen wild um uns, vernichten gezielt menschliche Sündenböcke, machen Krieg. Pfui deibel!

    „Ökonomen bejubeln deutsches Jobwunder“, dass ich nicht lache! Wissen unsere Eliten eigentlich, welche Lunte, welches Tal der Tränen, da unter ihren und unseren Sesseln brennt, in denen wir uns gerade gemütlich räkeln?

    Die Arbeitslosigkeit und somit das Massenelend wird weltweit unerträglich zunehmen! Dafür sorgt nicht nur die Dritte industrielle Revolution der Rationalisierung und Automatisierung per Mikrochips, sondern auch eine moralisch vollkommen enthemmte neoliberale Ökonomie, die nichts anderes als ein irre gewordener Kapitalismus ist; in manchen Teilen der Welt schlimmer noch als zu den Zeiten des Frühkapitalismus.

    Die „schöne Maschine Kapitalismus“ läuft derzeit siedendheiß und entzündet sich letztlich selbst. Zurück bleibt verbrannte Erde, auf der wir alle unsere kläglichen Brosamen werden suchen müssen.

    Bis demnächst,

    Gaby

  2. Tino Kober sagt:

    Sehr geehrter Herr Jahnke,

    mich würde gern interessieren, wie Sie die Zahlen für die Unterbeschäftigung sowie dren Anstieg gegenüber des Vorjahresmonates ermittelt haben.

    Nach Durchsicht der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ergibt sich für mich ein etwas anderes Bild. Zwar ist die Unterbeschäftigung gegenüber des Vorjahresmonates gestiegen, aber nur um 3,1%. Begründet ist dies durch den teilweise starken Rückgang arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, wie ABM (86% weniger Teilnehmer als im Vorjahr), AGH (4% weniger Teilnehmer als im Vorjahr), vorruhestandsähnliche Regelungen § 428 SGB III (95,9% weniger Betroffene als im Vorjahr) etc.

    Eine Steigerung kam trotzdem zustande, da ein großer Teil an der Aktivierung und beruflichen Eingliederung gem. § 46 SGB III teilgenommen hat. Aber wie oben schon erwähnt, hat sich die Unterbeschäftigung nicht um 16% gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht. Auch wurden bzw. werden verstärkt Gelder für arbeitsmarktpoltische Maßnahmen gesperrt, d.h. es können gar nicht mehr soviele Maßnahmen angeboten werden wie voriges Jahr.

    • globalnote sagt:

      @Tino Kober,

      Ich habe, wie die Abbildung ausdrücklich zeigt, die Unterbeschäftigung ohne die offen ausgewiesene Arbeitslosigkeit angesprochen. Die lag im März 2009 bei 1.002.793 und nun im März 2010 bei 1.163.364, also 16 % mehr.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  3. Hallo Herr Jahnke,
    habe eine ihrer Grafiken im Marx-Forum verwendet, aber mit Hinweis auf ein Fehlerteufelchen.

    Hier: http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=3834

    Gruß Wal

    • globalnote sagt:

      @Wal Buchenberg,

      Mein Grafikprogramm ist ein englisches, deswegen der Punkt. Aber jeder weiß, daß wir (noch) nicht Milliarden an Arbeitslosen haben.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. Hallo Herr Jahnke,
    ich will ja nicht spitzfindig werden, aber Ihre Leser/Nutzer benutzen die deutsche Sprache und nicht Englisch.
    Gegenüber Ihrem Programm sind Sie „rücksichtsvoll“, gegenüber Ihren Lesern nicht.
    (Länger werde ich mich aber mit dem Thema nicht aufhalten!)
    Sorry und Gruß Wal

    • globalnote sagt:

      @Wal Buchenberg,

      Marx war sicher nicht so kleinkarriert. Kein anderer Leser hat sich bisher beklagt und es waren zehntausende auf dem Rundbrief.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Gaby sagt:

        Hallo, Wal und Mitlesende,

        das hüpfende Komma ist der springende Punkt, deshalb heißt es ja auch „punktgenau“, „Punktum!“, pünktlich“, „punktuell“ etc. pp. 😉 😉

        Karl Marx war tatsächlich kein staubtrockener Analyst, sonst hätte er nicht permanent solche humorigen „Klöpse“ wie zum Beispiel diese hier von sich gegeben, die völlig modern klingen:

        „Von meiner Alten erhielt ich gestern Antwort. Nichts als „zärtliche“ Redensarten, but no cash. Außerdem teilt sie mir mit, was ich längst wusste, dass sie 75 Jahre alt ist und manche Gebrechen des Alters fühlt.“ – Karl Marx an Friedrich Engels, 1861

        „Der gesellschaftliche Fortschritt lässt sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts (die Hässlichen eingeschlossen).“ – Marx an Ludwig Kugelmann, 12. Dez. 1868

        Na ja, und das respektable „Kapital“ liest sich stellenweise so herzerfrischend simpel, als ob „Die Sendung mit der Maus“ es erklärt.

        Schöne Ostern!

        Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag

      „Der Parteimann, dessen eigne Parteigenossen vom Gegner gegen ihn zitiert werden, findet regelmäßig, daß die wesentlichste, den wahren Sinn bestimmende Stelle im Zitat weggelassen ist. Das ist etwas so Alltägliches und so viele individuelle Ansichten Zulassendes, daß kein Mensch auf dergleichen Anklagen das geringste Gewicht legt.“

      http://www.mlwerke.de/me/me22/me22_093.htm

      MfG 😉

  5. Paten sagt:

    Guten Tag. Beunruhigend ist, dass die Presse, vor allem die großen Meinungsbildner, immer mehr auf die statistischen Tricks und gedeichselten Erfolgs-Darstellungen der Regierung einschwenken, fast schon voauseilenden Gehorsam zeigen. Mal wieder alles nach dem Gleichtakt im Gleichschritt?

    MfG

    • Gaby sagt:

      Hallo, Paten und Mitlesende,

      für mich ist das ein eindeutiges Krisenzeichen. Der unsinkbar geglaubte Kapitalismus ist im Laufe der Jahrhunderte lebensgefährlich Leck geschlagen, gleich einer Titanic, aber die Bordkapelle spielt fröhlichst, bis zum Untergang. Wehe, die Passagiere, also das Weltvolk, geraten in Panik und hauen alles kurz und klein. Da ist es doch besser, per Medien selbst die winzigsten Konjunkturverbesserungen als phänomenalen Erfolg zu feiern und die Menschen hiermit in Sicherheit zu wiegen.

      Oder glaubst Du ernsthaft, dass unsere rund 500 hochkapitalen Weltenlenker nicht wissen, wie es um ihre „schöne Maschine“ bestellt ist? Kapital- und Produktionseigner mögen skrupellos sein, aber sie nicht blöd.

      Es ist unübersehbar, dass der Weltmarkt rund 60 % aller Arbeitskräfte aufgrund seiner enormen Produktivität als unbrauchbar ausspuckt und somit gleichsam alle Märkte dieser Welt seit Beginn der 1980er Jahre wegen zu geringer Nachfrage schrumpfen; spätestens seit dem Jahr 2000 auch die westlich-kapitalisierten Kernländer.

      Die Warenproduktivität ist mittlerweile viiiel zu hoch, als das der Weltmarkt die Waren vollständig aufsaugen könnte. Somit endet der Selbstzweck der wunderbaren Geldvermehrung des Kapitalismus, der in den letzten 400 Jahren aus menschlicher Arbeitskraft, Boden und Kapital immer mehr Geld schuf und durch seine stets mangelhafte Allokation permanent viel, viel mehr bitterstes Elend als Wohlstand erzeugte.

      Der Königsweg ist meiner Meinung nach, das monetäre Denken aufzugeben und das Kalkül der betriebswirtschaftlichen Logik zu branntmarken. An ihre Stelle muss eine Welt-Solidarität rücken. Die Warenfülle unserer ungeheuren Produktivkräfte müssen allen Menschen zur Verfügung stehen dürfen, egal, ob sie sie bezahlen können oder nicht. Die Suppenküchenromantik der westlichen Kernländer genügt nicht, für eine gleichere Verteilung des Reichtums dieses Planenten zu sorgen. Die Menschen sollten in bindenden Gemeinschaften ihre Marktwirtschaft wieder in die eigene Hand nehmen, wie es zu Zeiten des ausgehenden Spätmittelalters in Europa Gang und Gäbe war vermittels des Rätesystems.

      Ich weiß, das ist Wunschdenken, aber Skandinavien macht uns vor, dass sich mein Traum „einer für alle und alle für einen“ im kapitalistischen System verwirklichen lässt. Wenn wir Skandinaviens Beispiel nicht folgen, gehen die übrigen westlich-kapitalisierten Kernländer unter der Fahne des ungeheuer despotischen Neoliberalismus genau so vor die Hunde, wie wir es an den Entwicklungsländern studieren können.

      Bis demnächst,

      Gaby

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