1702

Gedanken zur Zeit 1702 11-03-10: Ein persönliches Wort zur Bonuskultur der Banken

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10 Responses to 1702

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. „Leistung muss sich endlich wieder lohnen“. Im Gastgewerbe wird bekanntlich Trinkgeld verteilt. Ursprünglich, weil die Arbeit schlechter bezahlt wurde als die Fabrikarbeit und so die Kundenzufriedenheit als umsatzbestimmendes Arbeitsergebnis in direktem Verhältnis zur Qualität der Arbeitsleistung gestellt ist.

    Nun steht die ganze Produktionskette ja nicht beim Gast am Tisch, sondern der Kellner its an vorderster Front und weil er auch kassiert, bekommt er auch das sgn. Trinkgeld. Registrierkassen dort haben oft extra eine TIP-Taste zur Erfassung der Boni.

    Da Köche genauso wie das Management für die gesamte Dienstleistung herumrackern und im Wettbewerb zu anderen Einrichtungen stehen, was ja noch durch öffentliche Wertungen wie Sterne-Hotel, Sterne-Küche, Touristenführer, Internet-Wertungen usw. transparent gemacht wird, werden zumeist die Boni in der produktionskette aufgeteilt,

    Früher waren das steuerpflichtige Einkommen. Erst die Schröder-Regierung hat die Steuern darauf abgeschafft, was in manchen beseeren Einrichtungen natürlich einen sehr spürbaren Einkommenszuwachs ergibt. und den Verteilungskampf stark verschärfte, obwohl der Rechtsanspruch nur bei dem besteht, der vom Gast bedacht wurde, was meistens und zwangsläufig der Kellner ist, wenn nicht ausdrücklich ein anderer Empfänger benannt wurde.

    Zur selben Zeit fanden die Grünen, dass Prostitution ein ordentliches Gewerbe und steuer- sozialerversicherungsfähig ist.. Die hohen Trinkgelder aber nicht.. Und heute werden von der FDP die Bordelle und Stundenhotels um 12% MwSt auf die „Übernachtungsleistung“ geringer besteuert., obwohl die Branche kaum litt. Und so kommen die einen Boni mit den anderen Boni unter eine Decke. Die Politik gönnt sich auch Boni und der Beamtenapparat hat wohl noch 800 verschiedene Zulagen für jede Körperbewegung. Und Parteien bekommen Boni für gezogene Wählerstimmen und Boni der Lobbyisten für durchzubringende Gesetze.

    M..E. kaufen überzogene Banker-Boni keine Loyalität, weil diese eine moralische Gesinnung bedingt, sondern Hörigkeit, Egosimus und dem Gelde Untertanentum. Es ist schlicht -viellciht zugespitzt ausgedrückt- geistige Korruption zur Erzwingung von systemischen Prostitutionsdienstleistungen. Kurz: Für Geld machen die alles. Und spekulieren auf Staatsbankrotte, Währungseinbrüche und Welthunger. Das sind die Quellen ihrer Boni.

    MfG
    .

  2. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    das Bonus-System gibt es auch in der Industrie, allerdings nicht in solch gigantischem Ausmaß, wie in Welt der Hochfinanz.

    Am Anfang des Jahres wird festgelegt, welche Leistung erbracht werden muss und die Boni sind je nach Erreichen der Leistung gestaffelt. Das Boni-System gilt nur für Führungspersonal. Da eine bestimmte Leistung, zum Beispiel das Entwickeln eines neuen oder verbesserten Produktes, nicht alleine, sondern nur mit Hilfe der Mitarbeiter zu erreichen ist, werden die entsprechend unter Leistungsdruck gesetzt. Das führt zur Entsolidarisierung und zum Vertrauensbruch dem Vorgesetzten gegenüber. Ist die gewünschte Leistung am Ende des Jahres erreicht, kassiert die Führungskraft den Bonus – mithelfenden Mitarbeiter gehen leer aus.

    Der Trick dabei ist, dass die Mitarbeiter nicht wissen, welche Leistungsvorgaben ihre Führungskraft hat und sie wissen auch nicht, in welcher Höhe die Boni ausgezahlt werden. So kommt es, dass ein zeitweise sehr ungerechter, unberechenbarer Chef lediglich in den Verdacht gerät, mit seinem Privatleben würde etwas nicht stimmen, statt darauf zu tippen, dass dieser Mensch nichts anderes will, als mit aller Gewalt seinen Bonus zu kassieren und zwar in voller Höhe. Das ist ein total perfides System!

    @Paten

    Das Wort „Prostitution“ in einem Atemzug mit Lohnarbeit zu nennen ist richtig. In den ersten dreihundert Jahren des modernen, warenproduzierenden Sytems galt die Lohnarbeit den einfachen Menschen tatsächlich als Prostitution (= verkaufen der eigenen Arbeitskraft) und wurde als derart ehrenanrührig angesehen, dass es viele Menschen vorzogen, zu verhungern, statt in der Fabrik zu arbeiten.

    Heute, nach 450 Jahren kapitalistischer Dressur und völliger Umkremplung vor- und mittelalterlicher Marktwirtschaften, reißen wir uns darum, uns zu „prostituieren“, also unter der Führung eines anderen Menschen zu arbeiten. Es bleibt uns kaum eine andere Wahl, auch wenn wir noch immer das Unbehagen spüren, dass im Grunde etwas nicht in Ordnung ist.

    Gaby

  3. Elfi sagt:

    Hallo,
    ich kenne niemand der in einer Bank arbeitet.

    Nur schon beim Lesen der ganz gewöhlichen – dieses Thema btr. – Nachrichten fiel mir auf, dass es sich um Korruption der Mitarbeiter handeln muss.
    Wie wir ja heute alle sattsam wissen geschehen in unseren Investmentbanken und allgemeinen Banken Dinge, die ohne Weiteres für mich dem Begriff hoch assozial bis kriminell zuzuordnen sind.

    Viele die dort aufsteigen und es gar bis zum COE( DB, Goldman Sachs, City Bank usw.) bringen, wissen doch wohl, dass sie auf ein Gaspedal treten, dabei Menschen überfahren können und das auch bestens geeignet ist den ganzen Karren – Bank wie Industrie und die ganze Gesellschaft – an die Wand zu fahren.

    Auch weiss man dann als COE, dass ein Schuldiger wenn es ruchbar wird – wie in der heutigen Zeit – gefunden werden muss. Auch weiss man, dass es zu unter Umständen einen als Top Manager selber treffen kann. Solche Ahnungen oder Wissen im Hinterkopf, wird er sich so teuer wie möglich verkaufen, denen deren Geschäfte er tätigt. Immer darauf bedacht für sich selber noch so viel wie möglich mitzunehmen, um finanziell auf der sicheren Seite zu sein, bevor die Titanic untergeht.

    Kleinere Bankangestellten mögen es als Schmerzensgeld erleben, wenn sie ihren Kunden – wohl wissend, dass das nicht zu deren Vorteil ist – etwas andrehen, was allein der Bank dient. Je nach Charakter haben sie dann kaum noch ein ruhiges Gewissen.
    In den Medien gab es in den letzten beiden Jahren einige Veröffentlichungen in denen Angestellte anonym aussagen konnten, wie sie im System gezwungen sind solche im Grunde assozialen Operationen auszuführen, da sonst Diskriminierung in der Mitarbeitersitzung oder Entlassung droht.

    Nur ganz dumme und noch sehr junge, unerfahrene Angestellte der Bank können meines Erachtens in diesem System funktionieren ohne selber seelischen Schaden zu nehmen – und auch das nicht für ewig. Irgendwann macht wohl jeder, der in den Banken in der Investmentsparte arbeitet, solche Erfahrungen, wie sie auch Herr Jahnke machte und hier nun beschrieb.

    Die kleineren Angestellten sind dem oft alternativlos ausgeliefert. Und die COE`s sagen sich m. E. ich spiele mit aber zum Höchsteinsatz dürft ihr mir das vergolden.

    Ich schliesse mich Paten an: Für Geld machen die alles. Und spekulieren auf Staatsbankrotte, Währungseinbrüche und Welthunger. Das sind die Quellen ihrer Boni.
    Beste Grüsse
    Elfi

  4. Gaby sagt:

    Liebe Elfi,

    so wütend Du auch bist, muss ich aber den Einwand tun, dass das Spekulieren auf Nahrungsmittel, Rohstoffe, Staatsbankrotte, Währungseinbrüche etc. pp. Teil der neoliberalen Marktwirtschaft ist. Deshalb wird es ja auch nicht verboten. Es wird lediglich von gewissen Einschränkungen gesprochen (!), aber es gibt keine Verbote.

    Und wir alle, auch Du und ich, sind Teil dieser Marktwirtschaft und verhalten uns in unserem Alltag sehr häufig marktrational. Der einfache BürgerIn schaut genau so nach dem besten Preis für eine Ware und will seine Arbeitskraft für sich gewinnbringend verkaufen, wie der Kleinanleger hohe Zinsgewinne bzw. Renditen haben will, der Unternehmer an die Befriedigung seiner Kapitaleigner denkt und die Banker an die Gewinnmaximierung ihrer Bilanzen und ihrer eigenen Geldbörsen per Boni.

    Ich glaube, woran wir tatsächlich Anstoß nehmen, ist das unterschwellige Gefühl, dass der Kapitalismus in erster Linie die niedersten Instinkte der Marktteilnehmer anspricht und fördert; der Neoliberalismus insbesondere. Wer so empfindet, dem gebe ich Recht, aber ich kann niemandem Recht geben, der darüber schimpft, dass die Banker mit allen legalen Mitteln probieren, so viel Gewinn wie möglich zu machen. Das gehört zu diesem verrückten System dazu und wer nicht mitmacht, sieht die „rote Karte“.

    Damit will ich keinesfalls Verständnis für die meines Erachtens asoziale Zockerei erheischen, sondern nur den Versuch tun, zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie derzeit ist.

    Beste Grüße

    Gaby

    • Elfi sagt:

      Hallo Gaby,
      ich war nicht wütend. Das ist eine von mir aus sachliche Erkenntnis.
      Offensichtlich hast du da deine eigenen Gefühle hineinprojeziert.
      Und geschimft habe ich schon gar nicht. Sachbezogenheit ist geradezu mein Markenzeichen.
      Alle die mich kennen wissen das.

      Du hast ja vor kurzem geschrieben, dass es in eurer Firma im Moment wieder Restriktionen gibt und dir das Ganze verständlicherweise sehr nahe geht. Vielleichthast du beeindruckt durch diesen Sress, nicht so genau lesen können.

      Ich schrieb:
      Ich schliesse mich Paten an: Für Geld machen die alles. Und spekulieren auf Staatsbankrotte, Währungseinbrüche und Welthunger. Das sind die Quellen ihrer Boni.
      Damit habe ich Paten zitiert, der mit seinen Worten m. E. dasselbe feststellt wie ich.

      Also, niemand hat geschimpft, nur festgestellt woher deren Reichtum kommt. Wenn all das, was nicht ausdrücklich verboten ist, erlaubt und daher nicht zu kritisieren ist, dann ist die LINKE, die auch du ja zur Wahl wiederholt empfohlen hast, überflüssig mit ihrer Kritik und Forderung nach Verstaatlichung der privaten Großbanken. Du vergisst, wer manchmal Gesetze für wen macht oder Regulierung unterlässt.

      Alles Gute
      Elfi

      • Gaby sagt:

        Liebe Elfi und Mitlesende,

        und wieder bewahrheitet sich, dass die Dinge meist nicht so sind, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

        So kommt es, dass ich mit zunehmenden Erkenntnissen meine ursprünglich vertretene Meinung ändere, natürlich auch bezüglich der linksgerichteten Geistesströmungen, die den Menschen leider keine tragfähigen Lösungen ihrer persönlichen wie gesellschaftlichen Finanzmisere anbieten können. Im Zweifelsfall werden sie sogar wieder das, was sie ursprünglich waren, nämlich Liberale.

        Meine Meinung zu Boni & Co. ist, wenn ich das so grob holzschnittartig schreiben darf:

        Wenn man allein den „gierigen“ Bankern und auch ökonomisch schlecht gebildeten Politikern die Schuld für unsere derzeitige Wirtschaftskrise anlastet, stellt man die Tatsachen auf den Kopf. Diese Finanzkrise hat nicht ihren Ursprung in Boni, geplatzten Finanzblasen oder gar dem Neoliberalismus, sondern die aktuelle Misere begann Anfang der 70er Jahre mit der Dritten industriellen Revolution.

        Zum ersten Mal in der Geschichte des modernen Kapitalismus wuchsen die Produktivkräfte extrem viel schneller, als sie die von ihr verursachte Arbeitslosigkeit wieder aufsaugen konnten, wie wir das noch in der Ära der Dampfmaschinen und im Fordismus erlebten. Mit dem niedlichen Wort „Ölkrise“ und zunehmender Staatsintervention wurde kaschiert, dass der Kapitalismus an eine innere Schranke gestoßen war, die einerseits massenhaft billigste Waren hervor brachte, andererseits aber Massenarbeitslosigkeit und damit sinkende Kaufkraft produzierte. Trotz massenhafter Warenströme wuchs die Armut.

        Die Dritte industrielle Revolution, in der wir uns heute befinden, ist die Basis zu dem, was wir entfesselten Finanzblasen-Kapitalismus nennen. Um trotz sinkender Massenkaufkraft massenhaft produzieren zu können, brauchen Unternehmer immer höhere Kredite. Ein Kredit ist der Griff auf zukünftig erhoffte Gewinne. Realisiert sich diese Hoffnung nicht, platzt der Kredit.

        Das Problem der mangelnden Mehrwertproduktion, das in den 70er Jahren durch Staatskredite kaschiert worden ist, hat sich im Laufe der Zeit auf die Finanzmärkte verlagert. Hier wurden plötzlich Scheinwerte geschaffen und in der Realökonomie entwickelte sich ein sogenanntes finanzgetriebenes Wachstum. Das kapitale, warenproduzierende Räderwerk dreht sich wie zuvor, aber dieses Mal vorzugsweise kreditfinanziert und nicht wertschöpfend. Das substanzlose Geld aus dem Finanzhimmel wurde und wird genutzt, um künstliche Kaufkraft für den Konsum und Investitionen zu schaffen. Alle Welt hat die wirtschaftlichen Aufschwünge der letzten 30 Jahre für real gehalten, obwohl sie gar keine reale Grundlage hatten.

        Wenn wir nun allein der angeblichen Gier der Banker die Schuld an der Wirtschaftskrise geben, tun wir so, als wäre die Realökonomie der letzten Jahrzehnte gesund gewesen, obwohl sie lediglich aus den Finanzblasen, deren Hüter und Verwalter die Banker sind, künstlich ernährt wurde.

        Man kann nicht von der Schuld und dem Fehlverhalten einzelner Akteure sprechen, sondern meiner Meinung nach ist eine historische Entwicklung dabei, zu Ende zu gehen. Das Ende der Dritten industriellen Revolution kann nicht durch isolierte nationalstaatliche Gesetze verhindert werden. Das wäre, wie in Pflästerchen in eine große klaffende Wunde zu legen, die viel mehr einer international organisierten Notoperation bedarf.

        Beste Grüße

        Gaby

  5. Rumpel sagt:

    Bevor ich mich selbständig machte war ich Abteilungsleiter Entwicklung in einer 40-Kopf-Firma. Als ich als Student in dem Laden anfing, war das Betriebsklima gut, aber irgendwann war es so gekippt, daß tatsächlich gestreikt wurde, der Boß einen Haustarifvertrag abschließen mußte. Und demzufolge mußte ich dann 1x jährlich ein Mitarbeitergespräch führen, und eine Bonuszahlung festlegen, Obergrenze 15%.
    Dazu gab es einen Bewertungsbogen mit glaube ich 4 Kategorien, egal, das ganze war ein Witz. Ich war nicht frei in meiner Beurteilung, hatte eine Vorgabe vom Chef.
    Weswegen soll ich einem Mitarbeiter wegen schlampiger Arbeit den Bonus kürzen, wenn dieser Mitarbeiter wegen Messestress 80h/Woche arbeitete? Ich weiß noch nicht mal, ob das damals noch legal war. Seine Frau arbeitete bis zwei Wochen vor der Entbindung.
    ich habe 10% an alle verteilt, statt da Lob und Tadel auszusprechen. Natürlich habe ich Schlampigkeit kritisiert, aber das kann doch nicht zur Abwertung führen, wenn sowas unter auferlegtem Zeitdruck geschah. Die Alternative wäre Dienst nach Vorschrift gewesen, und es gab von der Gewerkschaft auch eine vorgeschriebene Mindestzulage, ich glaube 5%.

  6. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Gaby,
    leider kann ich Dir nicht beipflichten.
    Z. B. Spekulationen auf Kreditschulden gehören meiner Meinung nach nicht mehr (Wer weiß welche Finanzprodukte schon wieder in der Entwicklung sind?) in den Bereich legale Volkswirtschaft.

    Es gehören dringend Regulierungsgesetze für den Finanzmarkt her. Die Bonizahlungen sollten eine gewisse Höhe nicht überschreiten und sollten sich nach einem Langzeiterfolg ausrichten. Wenn ein Wirtschaftsverhalten letztendlich zur Zerstörung eines Betriebes oder der Volkswirtschaft führt, so ist das zweifellos kriminell.
    Die Gesinnung mag bei den Kleinen und den Großen die Gleiche sein, aber man sollte doch auch die Verhältnismäßigkeiten mit einbeziehen, denn letztendlich hat die Unüberschaubarkeit (die absichtlich herbeigeführt wurde) zum Desaster geführt.
    Dass Alles so ist, wie es ist, heißt noch lange nicht, dass Alles so weitergehen soll.
    Wenn die Fehler im Finanzsystem nicht korrigiert werden und nicht rückwirkend behoben und verantwortet werden, brauchen wir hier gar nicht mehr zu diskutieren.
    Wir wollen doch mehr demokratische Kontrolle und wir wollen die Verursacher a)weg von den Schalthebeln haben und b)zur Verantwortung gezogen sehen.

    Grüße
    Gisela

    • Gaby sagt:

      Liebe Gisela und Mitlesende,

      ich kann nur wiedergeben, wie ich den Neoliberalismus bisher verstanden habe. Und da dieses Ding den Kapitalismus als Basis hat, bleibt mir nichts anderes, als auch auf diese Art der Marktwirtschaft ein nachdenkliches Auge zu werfen.

      Dein Einwand, dass die Finanzmärkte reguliert werden müssen, ist zwar aus neoliberaler Denke heraus falsch, aber aus dem gesunden Menschenverstand resultierend richtig. Der Neoliberalismus verlangt jedoch die Freiheit der Märkte und unsere Spitzenpolitiker spielen per entsprechender Gesetze munter mit. Das ist der Stand der Dinge.

      Aber wenn wir nun diesen Teilaspekt, also die Finanzmärkte unserer Marktwirtschaft, regulieren würden, wären die eigentlichen Probleme nicht aus der Welt, die schon damit beginnen, dass der Kapitalismus ein fragiles Ding ist, das eher Arbeitslosigkeit und asoziales Elend erzeugt, als Wohlstand für alle. Das Problem des ständigen Wachstumszwangs, der die Umwelt in nie zuvor gekanntem Maße ausbeutet, gar zur Klimaveränderung dieses Planeten führt, ist damit auch nicht gelöst. Und das widerwärtige Problem, dass überschüssige Waren, Nahrungsmittel und Medikamente, die nicht verkauft werden können, verschrottet werden, statt sie an Bedürftige zu verschenken, bleibt nach wie vor. Auch hört der monetär getriebene Konkurrenzkampf, der so viele Menschen glatt überrollt, nicht auf und auch nicht der Warenproduktion zugrunde liegende „abstrakte Arbeit“ von Millionen von Menschen weltweit, die als Nebenprodukt die massenhafte Mobilisierung von Verkehrsmittel Tag für Tag nötig macht. Auch der Widerspruch, trotz sich steigernder Produktivität immer mehr Armut zu erzeugen, ist nicht gelöst, indem der Finanzmarkt einen Maulkorb bekommt.

      Dieses Forum und die Diskussionen darin sind deshalb so wichtig, damit so viele Menschen wie möglich erkennen, wie verrückt unsere Marktwirtschaft tickt. Zwar gibt es derzeit keine Alternative zur gegebenen Marktradikalität, aber das heißt nicht, dass wir uns keine Gedanken machen sollten.

      Der Ökonom Keynes hat den Kapitalismus einst gerettet, als das Ding während der Großen Depression zur Disposition stand und rettungslos ad absurdum geführt schien. Keynes Rezepte haben uns die goldenen Wirtschaftsjahre der Bundesrepublik beschert. So ist es also auch möglich, dass eines Tages jemand erscheint, der die Quadratur des Kreises, also die Weiterentwicklung des Keynesianismus unter Einbeziehung größtmöglicher Freiheit der Märkte zum Wohle der Menschheit erdenkt – den Kapitalismus also zu einer höheren Reife führt, als wir sie heute kennen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf!

      Herzliche Grüße

      Gaby

  7. hans-in-glück sagt:

    Hallo miteinander,

    also bei Banken und Boni von Kultur zu sprechen, ist schon sehr gewagt. Es ist Methode, die Mitarbeiter gefügig zu machen – wei Herr Jahnke auch richtig dargestellt hat.

    Dazu kommt der unselige Hang der Menschheit, alles was machbar ist, auch irgendwann zu machen, ob sinnvoll oder nützlich oder auch zur Ausrottung der Menschheit führend – egal!
    Wer liest heute in der Schule noch „Professor Mamlock“? Oder „Nathan der Weise“?

    Moralisch-ethische Werte?
    Sind selbst den Wissenschaftlern, also hochgebildeten Menschen abhanden gekommen – es ist dem System gelungen, uns alle auf Geld und nur auf Geld zu konditionieren – angesichts der (jederzeit möglichen durchschlagenden) Wertlosigkeit der buntbedrucketen Scheinchen schon fast ein Witz!

    Gibt es Alternativen zu diesem auf wertlosen Zahlungsmitteln beruhenden Irrsinns-System?

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