1935

global news 1935 06-03-10: Und nun die Inflation: Der immer stärkere Ruf nach Inflation hat Hintergründe und Opfer

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24 Responses to 1935

  1. georgi sagt:

    Lieber Herr Dr. Jahnke!

    Kann man sich denn 4% Inflation einfach so wünschen? Das Umfeld paßt doch gar nicht dazu. Es herrschen doch anhaltende Massenarbeitslosigkeit, Sozialkahlschlag bzw. Angst davor, hoher Lohndruck etc. und damit Konsumzurückhaltung. Wie gelingt es denn Unternehmern, die Preise für ihre Produkte anzuheben?

    • globalnote sagt:

      @georgi,

      Es ist unheimlich viel Liquidität draußen und Importpreise für Rohstoffe und Halbwaren sind im Januar bereits um 12,5 % gestiegen. Der geschwächte Euro läßt diese Preise weiter steigen. Die Leute haben derzeit bei uns sicher Angst, Geld auszugeben. Doch das Geld ist bei sehr vielen vorhanden, sie sitzen nur drauf. Das kann sich schnell ändern, zumal wenn sich das Sparen bei niedrigsten Habenzinsen weiterhin nicht lohnt. Ich habe ja nur gesagt, daß ein Wendepunkt kommt. Das muß nicht gleich die große Inflation sein. Doch war immer schon klar, daß erst eine depressive Phase kommt, die dann von einer inflationären abgelöst wird. Das wird ein fließender Übergang werden, wenn nicht in diesem, dann im nächsten oder übernächsten Jahr.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Josef sagt:

        „Doch das Geld ist bei sehr vielen vorhanden, sie sitzen nur drauf.“
        Diese Satz hätte ich gern näher erklärt.
        Wieviele sind „sehr viele“? 20%, 40% oder mehr als 50%?
        Ich vermute, dass mehr als 50% mit ihrem Einkommen mal besser, mal schlechter gerade so über die Runden kommen. Sie sind arbeitslos, in Kurzarbeit, haben Angst vor Arbeitslosigkeit, sind Rentner, deren Renten auf Jahre eingefroren sind, usw.
        Weitere 20-30% werden das was am Monatsende noch übrig ist zunächst mal sparen, aus Angst vor der prophezeiten und auch mit Sicherheit kommenden nächsten Krise.
        Der Rest hat ihr Konsumverhalten auch in der jetzigen Krise nicht geändert, da genügend vorhande finanzielle Mittel.
        Und was heißt „sitzen drauf“? Haben die Bündelweise 100-ter und 500-ter €-Scheine unter der Matratze liegen? Dann müsste es „drauf liegen“ heißen.

        En schöner Gruß
        Josef

      • globalnote sagt:

        @Josef,

        Das ist so eine Frage. Hier nur der Versuch einer Antwort:

        Das unterste Fünftel in Deutschland ist schlecht dran (die Armutsgefährdungsquote liegt bei 13 %). Die anderen vier Fünftel könnten wahrscheinlich mehr ausgeben, wenn sie weniger ängstlich wären oder im Fall der Westerwelle-Gefolgschaft wenn sie nicht schon Alles hätten. Nach einer Umfrage von 2006 hatten 43,4 % der Haushalte nach Abzug aller Kosten, wie z. B. Miete, Einkaufen und Versicherungen, monatlich mehr als 150 Euro frei verfügbares Einkommen (darunter 8 % mehr als 500 Euro).

        Ich bin nur ein parmal im Jahr in Deutschland. Vor einiger Zeit war ich mal zufällig bei Aldi oder einem anderen Discounter und stieß gleich auf mehrere große Karossen, wie Porsches, die ich dort nicht erwartet hatte. Das ist natürlich eine Minderheit.

        Die deutschen Rentern und Beamten sind in der Regel ebenfalls besser dran, weil sie in der Privatwirtschaft in guten Zeiten gut bezahlt wurden und sparen konnten oder als Beamte nie arbeitslos waren.

        Das Meiste, was beim deutschen Konsum abgeht, ist psychologisch, schon wenn Sie mal den Vergleich zu allen anderen Ländern ansehen, die weit besser konsumieren (sogar Griechenland in Euro-Kaufkrafteinheiten pro Kopf 6 % mehr). Nach den neuesten Zahlen von Eurostat hat Deutschland zwischen 2005 und Januar 2010 vor Italien, Spanien und Dänemark mit minus 2,2 % die drittschlechteste Entwicklung des Einzelhandels in den 15 Alt-EU-Ländern gehabt. Die Entwicklung der anderen 14 Länder war um 6 Prozentpunkte besser. Die Deutschen sind meiner Meinung nach patologisch ängstlich und geradezu sparwütig, auch die, die es nicht nötig hätten.

        Ich habe da so meine persönlichen Erlebnisse von jeder Menge gut situierter Geizhalse. Wir sagten immer: „Die Armut fängt ab … an“. Auch kleinere deutsche Gruppen sind z.B. in Frankreich dafür bekannt, daß sie im Restaurant alles auseinander rechnen lassen und getrennt bezahlen, was Franzosen nie tun würden.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Josef sagt:

        Ich weiß nicht, ob ich jetzt mit meiner Interpretation falsch liege, aber ich versuch mal laut zu denken: „43,4 % der Haushalte haben mehr als 150 Euro frei verfügbares Einkommen“, heißt das, dass 56,6% weniger oder gar kein „frei verfügbares Einkommen“ haben? Dann lieg ich mit meinen geschätzten 50% gar nicht so weit daneben. D.h. dann, mehr als 50% können nicht MEHR konsumieren (oder sie müßten entsprechend SCHULDEN machen), und der Rest will nicht mehr konsumieren, weil sie eh schon Alles haben.
        Und haben wir nur desshalb eine Krise, weil wir zu wenig konsumieren? Konsumiert unsere „Wegwerfgesellschaft“ nicht eher zu viel? Wo bleibt die „Nachhaltigkeit“?
        Und wenn mehr konsumiert werden soll, wie bringt man dann die Deutschen zum konsumieren? Allgemein gültige Theorie ist: mit MEHR INFLATION. Und damit nimmt man der unteren Hälfte von ihrem wenig verfügbaren Einkommen noch mehr weg.
        Ich bin aber der Meinung, dass wir eine höhere Inflation nur dann bekommen, wenn man viel Geld der unteren Häfte zur Verfügung stellt. Aber dafür gigt es keine Anzeichen.

        Gruesse
        Josef

      • globalnote sagt:

        @Josef,

        Es reicht doch völlig aus, wenn die ca. 57 % (das ist nur ein Umfrageergebnis von 2006 und nicht unbedingt zutreffend) ihre Angst aufgeben und mehr konsumieren würden, wie das alle anderen Länder um uns herum tun. Natürlich wollen die nicht mehr konsumieren, weil sie schon alles haben. Das trifft wieder nur auf einen kleinen Teil von denen zu (eben die Westerwelle-Bestverdiener). Nachhaltigkeit ist ein qualitatives Merkmal. Man kann quantitativ mehr konsumieren, ohne deswegen die Umwelt zu zerstören. Wenn die Menschen Arbeit finden wollen, müssen ihre Produkte gekauft werden, sonst herrscht Arbeitslosigkeit in unerträglichem Umfang (Deutschland hat das zeitweise durch exzessiven Export seiner Arbeitsleistung überbrücken können). Inflation hat es immer wieder gegeben. Sie ist nicht nur ein soziales Verteilungsproblem. Wie gesagt, auch die 57 %, die mehr ausgeben können, können sehr schnell Inflation produzieren. Und Inflation kann sehr schnell importiert werden, siehe die 12,5 % Preissteigerung im Januar bei Rohstoffen und Halbwaren.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • heiner sagt:

        @Josef: dazu reale Daten von 2007: Einkommen:
        http://www1.bpb.de/files/SHQFDM.pdf
        Es ist im übrigen in diesem Zusammenhang auch völlig unwichtig wieviele hochpreisige Fahrzeuge vor irgend einem Billiganbieter stehen. Das sind immer nur persönliche Momentaufnahmen.
        In Deutschland ist halt das Problem so, das wir hier seit vielen Jahren zuviel Verkaufsfläche pro Bewohner haben und das geht immer weiter. Aber wenn sich das für die Billiganbieter noch irgendwie rechnet werden sie so weitermachen.
        Die Sache mit der Inflation wird sich ja in den nächsten Monaten und Jahren zeigen. 1993 hatten wir ja noch 4,4%. Danach dümpelte die Rate bei maximal bis zu 2,7%.Da die realen Wirtschaftsdaten zB. Maschinenbau Januar 2010:
        -3% gegenüber Vorjahr/-17%Inland/+6%Ausland auch nichts gutes versprechen:Autoabsatz Inland: Januar2010:195TSD!x12= ca.2,4Mill.aufs Jahr!
        Letzes Jahr mit Prämie 3,8Mill.
        Ich würde da eher auf den Beginn der japanischen
        Krankheit tippen, zumal ja auch 2011 Herr Schäuble die Karten auf den Tisch legen wird/muss.(Wegen der unsinnigen Schuldenbremse)
        MfG

      • globalnote sagt:

        @heiner,

        Es ist im übrigen in diesem Zusammenhang völlig unwichtig auf was Sie tippen. Das sind immer nur persönliche Momentaufnahmen.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • georgi sagt:

        Lieber Herr Dr. Jahnke!

        und Importpreise für Rohstoffe und Halbwaren sind im Januar bereits um 12,5 % gestiegen. Der geschwächte Euro läßt diese Preise weiter steigen.

        Diese Art Preissteigerung ist bestimmt nicht im Sinne Blanchards. Handelt es sich dabei überhaut um Inflation? Steigende Preise für Rohstoffe und Halbwaren verursachen höhere Kosten für Unternehmen und rauben den Konsumenten zusätzlich Kaufkraft, anstatt den Unternehmen mehr Umsatz zu verschaffen, damit diese ihre Schulden tilgen können. Insgesamt verstärkt sich die Deflation dadurch.

      • globalnote sagt:

        @georgi,

        Natürlich ist das Teil der Inflation. Das kommt über den Energiepreis direkt beim Verbraucher an und wird von den Unternehmen weitergewälzt. Blanchard sagt doch nur, daß die Notenbanken die Inflation bis 4 % oder so nicht mit Zinsanhebung bekämpfen sollen. Also schön den Zins unten lassen. Die Geldentwertung hilft der Staatsverschuldung.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • globalnote sagt:

        @georgi,

        Hier noch einmal mit neuen Abbildungen zur Inflationsenwicklung: http://www.jjahnke.net/rundbr68.html#1935 .

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    in den letzten Tagen habe ich öfter in den Medien den Vorschlag vernommen, es auf eine „kontrollierte Inflation“ ankommen zu lassen. Mitunter sind jährlich 10 % angedacht. Das ist deshalb so erstaunlich, weil Notenbanker nichts so sehr hassen wie Inflation und nichts so sehr lieben wie Geldwert- und Preisstabilität.

    Unzweifelhaft ist eine Inflation die eleganteste Exit-Strategie, einem Staatsbankrott zu entgehen; welcher Staatsmann will schon als Bankrotteur in die Geschichtsbücher eingehen?

    Allerdings schadet die Inflation den einfachen Bürgern insbesondere wegen der Umverteilung der Einkommen: Kaufleute können Gewinne auf Kosten der Sparer und Arbeiter, deren Löhne kurzfristig gesehen, fixiert sind, realisieren. Das ist gut für die Geschäftswelt, aber es schadet dem Kapitalismus auf lange Sicht, da die Inflation das Angebot an Spareinlagen schrumpft.

    Die eleganteste Exit-Strategie für wohlhabende, liquide Menschen dürfte sein, in Gold und Sachwerte zu flüchten, was nur noch schneller die Spareinlagen, mit denen Investitionen finanziert werden, sinken lässt.

    Man kann die kapitale Krankheit „Inflation“ drehen und wenden, wie man will, Verlierer ist immer der „kleine“ Mann und die „kleine“ Frau, also solche Menschen, die aufgrund fehlender Geldvermögen nicht aus diesem Entwertungssystem flüchten können. Deren existenzielle Sicherheiten schrumpfen mit jedem Prozent Inflation.

    Was ich von einer solch unsittlichen Marktwirtschaft halte, verkneife ich mir, Euch zu erzählen.

    Gaby

  3. ErhardsLudwig sagt:

    Wenn Olivier Blanchard, derzeitiger Chefökonom des IWF, zusammen mit Giovanni Dell’Ariccia und Paolo Mauro in dem am 12.02.2010 veröffentlichten Beitrag „Rethinking Macroeconomic Policy“ (IMF Staff Position Note SPN/10/03) für eine Anhebung der Besteuerung durch mehr Inflation plädieren, soll damit dieser allein der Politik offen stehende Weg für den zukünftigen Abbau der zur Rettung der Finanzgroßwirtschaft aufgetürmten, auf anderen Wegen nicht mehr zu tilgenden Staatsschulden vorbereitet werden.

    Jede Inflation dieser Art ist ein Stück Enteignung. Man kann darin auch so etwas wie eine Steuer sehen, deren Initiatoren mit weniger Widerstand rechnen im
    Vergleich zu einer offenen Steuererhöhung.

    Seit Existenz unserer heute flächendeckend verbreiteten, substanzlosen Papiergeldwährungen verwenden die Staaten immer wieder die Inflation als den in solchen Systemen nur ihnen allein offen stehenden Weg zum Schuldenabbau. Diejenigen, die im Blanchard-Papier argumentieren, wissen genau, wovon sie reden und was sie tun.

    Es ist von größter Bedeutung, dass sich alle Kritiker einer solchen Verfahrensweise möglichst früh und möglichst deutlich bemerkbar machen. Deshalb kann dieser warnende Rundbrief Dr. Jahnkes gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

    Wenn wir uns bewußt machen, dass es „Big Finance“, den global agierenden Großbanken, längst – aus deren Sicht meisterhaft – gelungen ist, den Zusammenbruch ihres Kartenhauses möglichst weit von sich fern zu halten und stattdessen uns allen aufzubürden und vor allem dadurch die Staatsschulden in unserer
    westlichen Hemisphäre ins Unermeßliche (will sagen, aus zukünftig zu erwirtschafteten Erträgen niemals mehr rückzahlbar) steigen zu lassen, ist allerdings mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit der
    Zug schon längst abgefahren, der noch eine Schuldentilgung über Inflation und Währungsreform verhindern könnte.

    Schließlich hat es „Big Finance“ ja geschafft, die politische Gestaltungsmacht, wenn nicht voll zu übernehmen, so doch wenigstens massiv zu beeinflussen. The Quiet Coup läßt grüßen.

    Was uns bleibt, ist der Kampf gegen das Fortbestehen des „unheiligen“ Gestaltungseinflusses der Finanzgroßwirtschaft. Nur wenn der gewonnen werden
    kann, was für sich genommen eine Herkules-Aufgabe darstellt, eröffnet sich eine Chance, die bestehenden Schuldtürme so sozialverträglich, wie nur irgend möglich, zu schleifen. Doch bleibt offen, ob das jemals ohne eine Währungsreform gehen wird.

    Wenn jedoch „Big Finance“ seinen Einfluß behält und die Finanzwirtschaft weiterhin über die Realwirtschaft stellen kann, steuern wir mit Höchstgeschwindigkeit auf den nächsten Crash zu. Danach wäre zumindest die ökonomische Welt von den
    Überlebenden ganz neu aufzubauen. Es bleibt zu hoffen, dass diese dann aus unseren Fehlern mindestens zeitweise gelernt haben werden.

    Wir sollten jetzt alle Energie darauf richten, doch noch eine wirksame Entflechtung und Entmachtung der Finanzgroßwirtschaft zu erreichen und deren stillen Staatsstreich zunichte machen.

  4. Gaby sagt:

    Guten Abend, Georgi und Mitlesende,

    der Kapitalismus nimmt keine Rücksicht auf die einfachen Menschen, sondern nur auf seine geldschwere Klientel; der Neoliberalismus, der meines Erachtens eine neue Reife des derzeit globalisierten Kapitalismus ist, insbesondere.

    Der Kapitalismus kennt kein Mitleid, kein soziales Öl, keine Trauer für diejenigen Menschen, die völlig überflüssig aus dieser Markwirtschaft ausgespuckt werden. Allein der Staat kann Gesetze schaffen, die Abartigkeiten des Kapitalismus in humanere Bahnen zu lenken und hier sei insbesondere auf den Ökonomen Keynes verwiesen.

    Was den Kapitalismus am milliardenfach verfügbaren Menschenmaterial auf dieser Erde interessiert, ist einzig und allein die Arbeitskraft jedes Einzelnen benötigten Menschen und im Zuge der stark mikroelektronisch voranschreitenden Robotisierung und Automatisierung werden immer weniger Menschen gebraucht, ein extremes Ausmaß an Überproduktionen von Waren herzustellen, die keiner kauft, weil weltweit die Kaufkraft fehlt. Die Roboter unserer Fabriken fabrizieren längst ohne Menschen!!!! Der Kapitalismus führt sich derzeit ab absurdum, war er doch ursprünglich auf Herz, Nerv und Muskel der von ihm versklavten Menschen angewiesen.

    Es ist dem Kapitalismus/Neoliberalismus vollkommen egal, ob es Massenarbeitslosigkeit, sozialen Kahlschlag, hohen Lohndruck und damit Konsumzurückhaltung gibt. Hauptsache, aus einem Euro werden zwei und noch viel mehr gemacht. Das ist das Wesen des Kapitalismus! Es geht um’s Geld, nicht um die Menschen.

    Ich weiß, es ist eine grausame, absolut asoziale Erkenntnis, hinter die Kybernetik des Kapitalismus zu schauen. Es ist deshalb so unglaublich schwer, weil wir ja alle mittendrin leben. Deshalb ist es für linke wie gewerkschaftliche Strömungen kaum möglich, sich von dieser Marktwirtschaft zu emanzipieren. Beide humanen Strömungen versuchen völlig hilflos lediglich, innerhalb des Kapitalismus die ekelhaftesten kapitalistischen Auswüchse gegen die Menschlichkeit zu lindern

    Das bedeutet für uns: Augen zu und durch! Wir haben keine andere Wahl.

    Wie die Inflation wirkt und welch eleganter Weg sie aus dem Staatsbankrott ist, habe ich weiter oben anschaulich beschreiben und, wie liquide Wohlhabende sich per Gold und Sachwerten aus der Misere der Inflation retten.

    Ein Wirtschaftssystem, das in den letzten 250 Jahren insgesamt 22 schwerwiegende Wirtschaftskrisen produzierte, so wie derzeit, ist nicht nur unsittlich, sondern gehört, nach logischen Maßstäben, verschrottet.

    Gaby

  5. heiner sagt:

    Noch ein bisschen was zu Deutschen /Essen/bezahlen/
    http://www.goethe.de/ins/gb/lp/prj/mtg/typ/spa/de3942268.htm
    MfG

  6. heiner sagt:

    @globalnote: Das sehe ich auch so!
    MfG
    wie bei jedem Menschen!

  7. Till sagt:

    Eine Anmerkung, welche ich in Blogs aufgeschnappt habe:

    Wenn wir Inflation bekommen, steigen auch die Verbraucherkredit-Zinsen an, über kurz oder lang, die Banken verschenken das Geld nicht.

    Vor allem EU-Länder wie Spanien werden dann zu leiden haben, da dort die meisten Privat-Immobilienkredite flexible Zinsen haben. Das bedeutet, das für eine Menge Leute die Kredite damit automatisch unfinanzierbar werden.

    Und das heist dann Wohnungsverlust, sowie Bankenkrise 2.0 da die Zwangsversteigerungen expodieren.

    Dasselbe Problem bekommen Staaten und Firmen, die viel umfinanzieren bzw. kurzfristig finanziert haben. Auch dort kann es schnell zu Solvenz-Krisen kammen, bevor die Inflation ihre rettende Schulden-Reduzierung entfaltet. Diese funktioniert nur, wenn der Hauptteil der Schulden über 10 Jahre und mehr festgeschrieben ist und somit der Gläubiger die Zeche zahlt.

  8. ErhardsLudwig sagt:

    Dr. Jahnkes Hinweis, dass derzeit nicht mit einer Anhebung der Zinsen durch die EZB zu rechnen sei, trifft ins Schwarze. Das Blanchard-Papier fordert die Zentralbanken ganz offen auf, bei der extrem leichten Geldpolitik zu bleiben und damit zur bekannten Politik der FED aus den frühen 2000er zurück zu kehren. Wörtlich: „This issue, which was on the mind of the Fed in the early 2000s, is one we must return to.“

    In einer Rede am 21. November 2002 brachte es Bernanke klar auf den Punkt: „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heutzutage ihr elektronisches Äquivalent), die es ihr gestattet, ohne Kosten so viele US-Dollars zu produzieren, wie Sie will.“ Und weiter: „Natürlich wird die US-Regierung nicht beginnen, Geld zu drucken, um es beliebig zu verteilen (obwohl es, wie wir … sehen werden, praktische geldpolitische Maßnahmen gibt, die diesem Verhalten nahe kommen.)“ Soweit 2002-Originalton Bernanke.

    Diese erstaunliche Offenheit hat in Notenbankkreisen bis heute noch nicht einmal einen „pflichtschuldigen“ Aufschrei der Entrüstung hervorgerufen. Ganz abgesehen davon, dass Bernanke hier auch noch systematisch eine weitere Grenze überschreitet, in dem er die Notenbank tatsächlich als Teil der Regierung betrachtet und sich noch nicht einmal mehr bemüht, den Schein einer Unabhängigkeit zu wahren.

    Im Mai 2003 veröffentlicht dann das Research Department der Federal Reserve Bank of Dallas die Studie „Monetary Policy in a Zero-Interest-Rate Economy“, in der die Autoren die Einführung eines negativen Zinssatzes als Steuer auf liquide Mittel erörtern. Für bei Banken gehaltene Gelder, so heißt es dort, sei ein beispielhafter Negativzins von 1 % pro Monat technisch problemlos durchzusetzen.

    Bei der Eintreibung einer solchen Steuer auf Banknoten entstünden allerdings Schwierigkeiten, die jedoch mit einem Vorschlag von Irving Fisher aus den dreißiger Jahren gelöst werden könnten. Man brauche das gedruckte Bargeld nur mit einem Verfallsdatum zu versehen. Das auf diese Weise endgültig der Illusion von Werthaltigkeit beraubte, schnell verderbliche Geld müsse in gewissen Zeitabständen dann einfach neu abgestempelt werden, um das Verfallsdatum zu verlängern. Dabei könne die Steuer kassiert werden. Unterbliebe die Abstempelung, verlöre das Geld seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel und werde damit wertlos.

    Die Autoren beenden diesen Absatz mit der Feststellung, eine derartige „carry tax on money“ sei noch kein Thema im nächsten Jahr, wohl aber eine richtige Antwort auf Ereignisse, die in den nächsten 10 Jahren auftreten könnten. Und das war in 2003!

    Nun kann man sich durchaus auf den Standpunkt stellen, eine derart leichte Geldpolitik sei nötig, um die Gefahr einer Deflation zu bannen. Und sollten sich später dann einmal inflationäre Tendenzen zeigen, könnten die Zentralbanken diese ja begrenzen, indem sie die vorher enorm vergrößerten substanzlosen Papiergeldmengen schnell wieder einsammeln und
    still legen würden.

    Die dafür nötigen Instrumente stehen den Zentralbanken zur Verfügung. Es gibt aber mindestens zwei Gründe, die zweifeln lassen, ob die Zentralbanken dann wirklich die Geldmenge zur Inflationsbekämpfung im erforderlichen Umfang zurückfahren werden.

    1. Eine derartige Restriktionspolitik verlangt kräftige Zinserhöhungen und führt zu Liquiditätsengpässen, die den Bankenapparat, den aufkeimenden wirtschaftlichen Aufschwung und letztlich unser gesamtes derzeitiges Wirtschaftssystem stark gefährden. Welcher Regierungs-Politiker wird dann darauf verzichten, den Versuch zu unternehmen, die Zentralbank von einer solchen Restriktionspolitik abzuhalten? Und auf eine regierungspolitische Unabhängigkeit der Zentralbank sollte man lieber nicht vertrauen.

    2. Seit Existenz unserer substanzlosen Papiergeldwährungen dienen vorzugsweise inflationäre Entwicklungen dazu, die immer weiter wachsenden Staatsverschuldungen teilweise abzubauen (über schleichende Geldentwertung). Im Falle gravierender Verschuldungs-Systemkrisen werden sie aber immer wieder auch zum fast vollständigen, substanzfreien Abbau der Staats-Schulden (durch Hyperinflationen und Währungsreformen) eingesetzt. Welcher Politiker wird der Versuchung widerstehen, auf diese relativ leichte und aus seiner Sicht sogar elegante Weise die zukünftige Generation von der erdrückenden, auf übliche Weise nicht mehr bedienbaren Schuldenlast zu befreien? Und das sogar ganz ohne Verwertung von Schuldnervermögen. Die Entschuldungslast tragen allein die Gläubiger, die vergeblich an die Werthaltigkeit ihrer Forderungen geglaubt haben.

    Die handlungspolitischen Spielräume unserer Zentralbanken sind längst massiv eingeschränkt, wenn es darum geht, eine heraufziehende Inflation zu bekämpfen. Da viele Geschäftsbanken ihre Bilanzen inzwischen mit Staatsanleihen prall gefüllt haben, können die Notenbanken nicht mehr so ohne weiteres den Leitzins erhöhen. Dies würde das Bankensystem wegen des eintretenden Abschreibungsbedarfs erneut an den Rand des Ruins bringen.

    Wenn Banken Staatsanleihen kaufen, so setzen sie dafür nur einen Bruchteil ihres eigenen Kapitals ein. Die (wie lange noch?) hohe Bonität von Staatsanleihen erlaubt es ihnen nämlich, einen hohen Fremdkapitalhebel anzulegen. Bei einem Hebel von 10:1 leiht sich eine Bank zehn Teile Fremdkapital entweder von der Notenbank oder auf dem Geldmarkt und fügt dann einen Teil Eigenkapital hinzu, um für die gesamte Summe Staatsanleihen zu kaufen. Ist –
    wie derzeit – die Differenz zwischen den Zinsen für dieses Fremdkapital und den Zinsen aus den Staatsanleihen groß, ist das für die Geschäftsbanken ein sehr lukratives Geschäft (positiver Leverageeffekt).

    Die Laufzeit von Staatsanleihen ist allerdings wesentlich länger als die Laufzeit der Kontrakte für das geliehene Fremdkapital. Erhöht die Notenbank nun zu einem späteren Zeitpunkt den Leitzins, verteuert sich das Fremdkapital und die Staatsanleihen werden weniger profitabel. Übersteigt der Leitzins sogar die nominale Verzinsung der Staatsanleihen, wird aus dem lukrativen Geschäft ein Verlustbringer (negativer Leverageeffekt). Da die Banken keine passende Anschlussfinanzierung finden, müssen sie verkaufen.

    Übersteigt das Angebot aber die Nachfrage, sinkt der Wert für Staatsanleihen in den Keller, was wiederum dazu zwingt, noch mehr Papiere auf den Markt zu werfen.

    Ein solcher massiver Verkaufsdruck wäre katastrophal für den Staat, dessen Kreditkosten dann ins Unbezahlbare stiegen, und auch für das Bankensystem. Sollte auch diese Blase platzen, wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende des Wirtschaftssystems, wie wir es kennen. Dies zu verhindern, liegt dann wiederum in der Macht der Notenbanken – nur dass sie dann die Leitzinsen nicht mehr anheben dürfen mit der Folge, hilflos zuschauen zu müssen, wenn die vorher künstlich geschaffenen Billionen in der Realwirtschaft ankommen und dort die Inflation anheizen.

    Um die Zinsen für Staatsanleihen nicht allzu sehr in die Höhe zu treiben, sind bereits jetzt einige Zentralbanken – unter ihnen auch die FED – dazu übergegangen, selbst Staatsanleihen zu kaufen. Damit haben sie mit dem ehernen Grundsatz der Geldpolitik gebrochen, dass der Staat sich nicht selbst Geld leihen darf.

    Diese aus „Bananenrepubliken“ bekannte Praxis wurde vom Markt regelmäßig mit steigenden Inflationsraten bestraft. Es gibt keinen Grund, ein solches Szenario in den USA und anderen westlichen Wirtschaftsräumen für ausgeschlossen zu halten.

    Wenn die FED Staatsanleihen kauft, ist dies nichts anderes, als dass der Staat „im Keller“ seine Geldruckmaschine anwirft. Diesem Geld steht keine reale Gegenleistung gegenüber. Es wirkt inflationär, sobald es im realen Wirtschaftskreislauf ankommt und dort auf Angebotsengpässe trifft.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Staat so etwas mit Vorsatz einkalkuliert. Denn sobald die Inflation steigt, werden auch die heute im Volumen beispiellosen Staatsschulden „weginflationiert“, im Extremfall einer Hyperinflation mit anschließender Währungsreform sogar (nahezu) vollends.

    Es ist schon jetzt ganz schön eigenartig – die Banken verzocken sich, der Staat rettet sie auf Kosten der Steuerzahler. Und mit den Schulden, die der Staat für diese Rettung aufnehmen muss, machen die Banken prächtige Gewinne, die ihrerseits natürlich(!) nicht zur Minderung der Schulden eingesetzt werden, die den Steuerzahler auf Generationen hinweg belasten
    werden. Allerdings kann der Staat den Banken auch kaum verbieten, auf diese Art und Weise Gewinne zu machen, denn wer – außer den Geschäfts- (und Zentral-)banken – sollte seine Staatsanleihen letztlich kaufen? Paradoxerweise führt allerdings genau dies dazu, dass der geldpolitische Handlungsspielraum der Notenbanken praktisch massiv eingeschränkt wird.

    Es gehört daher verdammt viel Mut (oder auch Naivität?) dazu, noch daran zu glauben, die FED und andere Zentralbanken würden die neu geschaffenen substanzlosen Geldmengen rechtzeitig wieder einfangen können, selbst wenn sie es wollten. Aber werden sie es überhaupt wollen?

  9. ErhardsLudwig sagt:

    Und hier noch schnell der Blick auf Kurt Tucholskys Analyse des stillen Staatsstreichs der Finanzoligarchie (1930 veröffentlicht in „Die Weltbühne“):

    Wenn die Börsenkurse fallen,
    regt sich Kummer fast bei allen,
    aber manche blühen auf:
    Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

    Keck verhökern diese Knaben
    Dinge, die sie gar nicht haben,
    treten selbst den Absturz los,
    den sie brauchen – echt famos!

    Leichter noch bei solchen Taten
    tun sie sich mit Derivaten:
    Wenn Papier den Wert frisiert,
    wird die Wirkung potenziert.

    Wenn in Folge Banken krachen,
    haben Sparer nichts zu lachen,
    und die Hypothek aufs Haus
    heißt, Bewohner müssen raus.

    Trifft’s hingegen große Banken,
    kommt die ganze Welt ins Wanken –
    auch die Spekulantenbrut
    zittert jetzt um Hab und Gut!

    Soll man das System gefährden?
    Da muss eingeschritten werden:
    Der Gewinn, der bleibt privat,
    die Verluste kauft der Staat.

    Dazu braucht der Staat Kredite,
    und das bringt erneut Profite,
    hat man doch in jenem Land
    die Regierung in der Hand.

    Für die Zechen dieser Frechen
    hat der Kleine Mann zu blechen
    und – das ist das Feine ja –
    nicht nur in Amerika!

    Und wenn Kurse wieder steigen,
    fängt von vorne an der Reigen –
    ist halt Umverteilung pur,
    stets in eine Richtung nur.

    Aber sollten sich die Massen
    das mal nimmer bieten lassen,
    ist der Ausweg längst bedacht:
    Dann wird bisschen Krieg gemacht!

    Auch heute sind die Hauptverursacher der Krise wieder deren Gewinner. Den Kampf um eine Neuordnung der Finanzbranche haben Angela Merkel und ihre Kollegen trotz großer Worte gar nicht erst angetreten.
    „Die wichtigste Lehre der Krise sollte sein, dass wir Banken keinen politischen Einfluss mehr geben dürfen, wir müssen die Macht der Wall Street brechen“, fordert Krisenexperte Johnson. Damit sind die Regierungen allein offenkundig überfordert. Es wird Zeit sich einzumischen. Wer das versäumt, bekommt vermutlich schon bald die Krise, die er verdient.“
    So heute Harald Schumann auf Zeit Online unter der Überschrift „Politik und Banken: Ein Schauspiel der Ohnmacht“ – natürlich der Politik und nicht der Banken.

    http://www.zeit.de/meinung/2010-03/schauspiel-der-ohnmacht?page=all

    Wie sagte doch J.P. Morgan?
    „Gebt mir die Macht über das Geld und es ist mir egal, wer die Gesetze macht.“

    • globalnote sagt:

      @ErhardsLudwig,

      Leider ist das ein gefakter Tucholsky.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • ErhardsLudwig sagt:

        Ja, habe ich auch gerade festgestellt. Der Wiener Autor Richard G. Kerschhofer schrieb das Gedicht. Gemeinsamkeiten mit Tucholsky bestehen nicht. Ich bitte um Nachsicht wegen der fehlerhaften Quellenangabe. Hier mehr zu der Geschichte: http://wien.orf.at/stories/318946/
        Doch auch ohne Tucholsky als Verfasser halte ich das Gedicht für lesenswert, wenn es auch dadurch im landläufigen Sinn nicht mehr so „wertvoll“ erscheint.

    • Gaby sagt:

      Guten Abend, ErhardsLudwig und liebe Mitlesende,

      Du hast Dir die Antwort auf Deine berechtigte und auch von mir getragene Empörung bereits selbst gegeben mit den Worten: „Auch heute sind die Hauptverursacher der Krise wieder deren Gewinner.“

      Um dieses, von Dir völlig richtig formulierte Paradoxon zu verstehen, müssen wir wissen, dass die sich aus dem absolutistischen Merkantilismus entwickelte Gegenströmung der Liberalismus war und noch ist. Die Neusprech-Vokabel „Neoliberalismus“ ist nicht zufällig entstanden und in ihrer gesellschaftlichen wie ökonomischen Bedeutung sehr schwerwiegend für das Schicksal aller marktteilnehmenden Wirtschaftssubjekte. Letzteres Wort muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welchen Stellenwert die einfachen Menschen im Kapitalismus tatsächlich haben…, aber jetzt bin ich abgeschwiffen, sorry!

      Der Wirtschaftsliberalismus sieht das Recht auf Eigentum, also das Recht, tote Dinge zu besitzen, zu vermehren und aus ihrem Abverkauf einen Mehrwert zu erzielen, als naturgegeben an. Dieses Recht haben solche Männer wie John Locke, Hugo Grotius, Samuel Pufendorf, aber auch Robert Nozick und Ayn Rand mit viel überflüssigem Blabla und inhaltslosen Plastikwörtern formuliert.

      Aus ihren Theorien leitet sich die unbedingte Befürwortung des Kapitalismus, die freie Marktwirtschaft und der Freihandel ab. Das ist die seit gut 250 Jahren währende Basis, auf der Güter produziert werden, sich Dienstleistungen entwickeln und untereinander gegen Geld ausgetauscht werden mit dem unbedingten Ziel, Geld zu akkumulieren.

      Und dann gesellte sich zu allem Überfluss in den Zeiten des Frühkapitalismus auch noch ein Adam Smith in diese illustre Männerriege ein und erklärte ohne jeden inneren Zweifel, dass der Kapitalismus von einer geradezu göttlichen, unsichtbaren Hand geleitet, ein Füllhorn des Wohlstandes über die Menschen ausgießt. Darüber hinaus stellt ein freier Wettbewerb angeblich (!) sicher, der Marktwirtschaft das optimalste Steuerungsinstrument zur Verfügung zu stellen. Spätestens seit Adam Smith bedeutet Liberalismus nicht mehr verantwortungsvolle Freiheit, sondern die Verwilderung des sich selbst überlassen Seins, nicht nur in ökonomischer, sondern auch in humanistisch-sozialer Hinsicht.

      Am besten zusammengefasst hat dieses ganze Geschwafel Ludwig von Mises: „Das Grundprinzip des Liberalismus ist die Marktwirtschaft, das heißt die auf dem Sondereigentum an den Produktionsmitten beruhende arbeitsteilige Wirtschaft.“

      Damit ist alles gesagt! Nämlich, dass der Wirtschaftsliberalismus nicht die Freiheit der Menschen meint, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, sondern die Menschen arbeitsteilig zu versklaven, ihre Arbeitskraft gar als Sondereigentum anzusehen, das nicht einmal eines Mindestlohnes bedarf, schließlich können Produktionsmittel nicht ohne Menschenkraft bedient werden.

      Und damit ist auch gemeint, dass die Geldmenschen, also die einflussreichen, schwerreichen ökonomischen wie gesellschaftlichen Weltenlenker der globalen Wirtschaft, nichts so sehr lieben wie die verwilderte Marktwirtschaft und somit ganz selbstverständlich unsere Politiker als Diener des Kapitals ansehen und aktiv für ihre Zwecke missbrauchen. Wenn die Politiker nicht parrieren, wird halt mit Arbeitsplatzabbau und Abwanderung nach China oder sonst wo hin gedroht. Das ist keine Entschuldigung für das offensichtliche Versagen unserer Polit-Narren, sondern soll zeigen, welcher Kybernetik sich die Geldmenschen bedienen.

      Der nach dem zweiten Weltkrieg installierte, wirtschaftsregulierende „Vater Staat“ hat mit dem bewusst herbei geführten Untergang der Keynes’schen Ökonomie im kurzen, 30-jährigen Sommer westlichen Wohlstands, der für fast (!) alle Menschen der westlichen Hemisphäre galt, seit Anfang der 1990er Jahre endgültig ausgedient.

      Daraus folgt, dass der von Dir, ErhardsLudwig, zitierte Krisenexperte Johnson mit einem wurmstichigen Holzschwert gegen den Neoliberalismus kämpft, wenn er meint: „Die wichtigste Lehre der Krise sollte sein, dass wir Banken keinen politischen Einfluss mehr geben dürfen, wir müssen die Macht der Wall Street brechen.“ und der von Dir zitierte Harald Schumann tatsächlich begriffen hat, in welch absurdem Stadium sich der Kapitalismus derzeit befindet, indem er titelt: „Politik und Banken: Ein Schauspiel der Ohnmacht.“

      Ich wünsche Euch allen eine fröhliche Kalenderwoche 10 des Jahres 2010,

      Gaby

  10. Paten sagt:

    Guten Tag. Die 4%-Diskussion vom IWF hat aber den Inhalt, dass die Zentralbanken alle bei Null oder knapp drüber sind bei den Zinsen an die Großbanken. Noch billiger kann man Geld nicht machen und es kommt auch nichts mehr per Zins zurück und damit ist eine Regulierungsgrenze für die Liquiditätsschöpfung erreicht. Die Liquiditätsfalle: Wenn dennoch kein Wirtschaftswachstum generiert wird, welches das viele Geld in Güterpreisen und Einkommen (BIP) absorbiert.

    Die US Fed verleiht laut Statut an die Regierung gegen 6% plus Kosten, die aus Steuern zurück müssen. Dann bestehen noch zwei Zinssätze: An Großbanken und Konzerne und der, wenn sich Banken untereinander Geld leihen aus ihren Zwangseinlagen und den Einlageüberschüssen (freien Geldern) in der Fed.

    Der billige Dollar fliesst zudem massenhaft in carry-trade Geschäfte ins Ausland ab, wo in anderer Währung mehr Zins gezahlt wird und kommt dann als weit höher verzinsliche Anleihe zurück. Das ist unter dem Strich so, als ob jeder Nullzins-Dollar der Fed plötzlich 4% Steuern kostet, obwohl er schon mit 6% vom bailout belastet ist. Daher die 10%. Das killt das Rest-BIP der USA per Deflation des BIP (working poor auf Staatsfinanzebene), was erst daraufhin in Inflation umschlägt, weil die Güter teurer und knapp werden. Dann verramscht China -nach der Kaufverweigerung ab 2009- noch die USD- Anleihen für ’nen Appel und’n Ei, womit sagenhafte Spekulations-Gewinne gegen den USD generiert werden können und schön weren Öl und Gas aund alle Weltgüter in dieser Abhängigkeit sehr teuer – globale Hyperinflation möglich. Die USA -inzwischen kontrollfrei (!) ermächtigt die 700 Mrd. $ Bailout „bei jeder einzelnen Schuldenaufnahe des Schatzamtes bei der Fed“ als unendlichen Kredit ohne Rechenschaft zu betrachten- rollen dieses Emission und zahlen China und Japan etc. aus, die sich dafür nichts kaufen könne für die Dollars bis die Realwirtschaft …. also niemals. Abwertung.

    Die +4% sollen nur das $-Sterben aufhalten und Geld in die USA ziehen, statt in Hochzins zahlende Länder wie ggf. DE für GRE in gemeinsamen Anleihen.

    Eigentlich kämpfen alle Metropolen um den starken Platz in der kommenden multipolaren NWO mit der BIZ als Weltzentralbank der Plutokratie. Ackermann wurde ja deshalb gerade stellvertretend für Europa um zwei Stufen wegen düsterer Aussichten abgewertet und muss nun zurückschlagen. Wahrscheinlich mit Europäischer Ratingagentur.

    MfG

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