1691

Gedanken zur Zeit 1691 01-03-10: Die technokratischen Teufelsschüler hinter der Politik

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9 Responses to 1691

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Köhler & Co. der Anti-Faust? Der überschrieb dem Teufel Mephisto seine Seele gegen das Recht auf umfassende Erkenntnis und Wissen über das Diesseits. Weswegen ja Adam und Eva ursprünglich aus dem Paradies flogen (vom Baum der Erkenntnis genascht, denn die Wege des Herrn sind unerforschlich). Bei ganz Geheimrat Goethe führte der Weg hin zur Wissensgesellschaft zum Verlust der Seele. Sei’s drum. Was Gott nicht gab, liefert eben sein Pendant, wenn nur der Preis stimmt.
    Das alles haben unsere Christenkinder der neoliberalen Menschenversuche nicht zu fürchten. Als Teufelsschüler schon seelenlos und soziopathisch dürfen sie es wagen dem beseelten Volk ihren Arm und Geleit anzutragen. Bei jeder Wahl. Nachdem, was die für Säue durchs neoliberale Dorf jagen, sind die Teufelsschüler auch noch die lehrenden Schweinepriester ihrer asozialstaatlichen Irrlehre.

    Der Schweizer Milliardär und bürgerliche SVP-Chef Blocher trat am 27.02. vor seiner Partei auf mit einem Vortrag: „Weshalb unsere Eliten mit dem Rücken zur Wand stehen?“
    Es sieht durch den selben Typus Beamter die Schweizer direkte Demokratie und den Nationalstaat gefährdet. Die größte Bedrohung käme von innen durch die eigenen politischen Eliten, den Rechts- und Verfassungsbruch und Verrat daran inzwischen egal sei in ihrem Streben anderen Eliten wie den Deutschen zu gefallen, statt sich von ihrem Mandat, der Verfassung und Volkes willen leiten zu lassen. Er macht das fest am eilfertigen illegalen Nachgeben der Landes-Führung gegen alle Forderungen von außen zur Aufgabe des Bankkundengeheimnisses, auf welches sich wesentlich der Schweizer Wohlstand und Neutralität gründen (OECD-Drohung mit schwarzen und grauen Listen als „Steueroase“, US-Forderung UBS Konten von Amerikanern offenzulegen, Aufgabe der strafrechtlichen Trennung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung + Informationsabgleich mit EU-Steuerbehörden, Steuereintreibung und Überweisung von Hunderten Millionen € Quellensteuer für die EU-Länder, keine Strafverfolgung gegen Datendiebstahl in Banken und Verkauf an Deutschland mit der schwachsinnigen Begründung, es sei kein Diebstahl, da die deutschen Konten da bleiben wo sie sind, nur die Information darüber würde ja verkauft). Dieselben Recht brechenden Beamten würden auch in die EU streben, die mit dem unsinnigen Euro sich als extrem krisenanfällig für Kurs, Kaufkraft und Wirtschaftsentwicklung erwies, weil nun immer mehr Staaten am Abgrund stehen. Ergo kein Grund sich als Schweiz einem solch labilen System, das keinen Wohlstand halten kann, anzuschließen und seinen Wohlstand aufzugeben.

    Er stellt dann die Frage, was denn die fremden Mächte antreibt unerlaubt vom Schweizer Volk sich schwacher, ängstlicher und willfähriger Beamter gegen deren Volk zu bedienen, um das Bankkundengeheimnis anzugreifen und die Schweiz in die EU zu ziehen? Seine Schlussfolgerung: Die Eliten der EU haben alles in den Sand gesetzt und mit dem Euro noch verstärkt und Billionen Verluste eingefahren, die die bankrotten Nationen nicht mehr decken können. Da das Mittel der militärischen Eroberung fremder Nationalbanken ausfällt, wird der Bankraub zur Schuldendeckung über die politischen Eliten geführt mit dem Ziel der Einverleibung der Schweiz in die Eurozone und dadurch die Integration der Schweizer Gelder in die EZB zur Verlustdeckung zu erreichen. Und für die Kontrolle darüber müsse zunächst das Bankkundengeheimnis weg.

    Ein großbürgerlicher Schweizer und Anhänger der direkten Demokratie und hoher sozialer Standarts des Wahlvolkes als wirksames Korrektiv zum Beamtenstaat sieht die Lösungsansätze zur EU-Finanzkrise nicht nur im grossflächigen Sozialabbau durch die Teufelsschüler, also die Plutokratie -vertreten durch den inzwischen bereiten jedes Gesetz zu brechenden Beamtenstaat- gegen Arbeitnehmer und deren Angehörige, sondern bereits im offen räuberischen Kampf der Eliten untereinander um ihr Finanzkapital.

    Und die Geister, die ich rief…

    MfG

    http://www.blocher.ch/uploads/media/Weshalb_unsere_Eliten_mit_dem_Ruecken_zur_Wand_stehen.pdf

  2. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    nach der Lektüre des Gedankens 1691 stellt sich mir spontan die Frage, ob wir es heute, im Zuge der mikroelektronisch gestützten Globalisierung, überhaupt noch mit Nationalökonomien zu tun haben.

    Eine Nationalökonomie zeichnet sich durch zwei Schutzschilde aus – eine, die nach innen gerichtet ist und eine, die vor externen Einflüssen schützt. Der innere Schutzschild setzt sich zusammen aus Rechts-, Steuer- und Sozialsystemen, die nationale Währung, zahlreiche weitere Regulationsmechanismen und der Garantie infrastruktureller Aggregate. Das äußere Schutzschild zähmte die unregulierten Weltmärkte und wandelte sie in eine binnenökonomisch verträgliche Konkurrenz und Betriebswirtschaft. Die EU zeigt uns sehr schön, wie sich europäische Nationen auflösen und aus unseren Volkswirten sind längst Weltwirte geworden.

    Weltweit sind diese Auflösungserscheinungen der Nationen zu beobachten, allerdings können sich die Nationen, auch nicht die EU, die ganz aktuell beginnt zu bröckeln, in einen globalen Überbau, sozusagen eine Welt-Nation flüchten, denn die gibt es nicht. Die Auflösungssymptome führen deshalb, so sehe ich das, zum Verwildern der Nationen. Von innen heraus gärt und brodelt der Spaltpilz der globalen Konkurrenz, dem unsere Politiker und Ökonomen ganz offensichtlich nichts entgegen zu setzen haben. Überall dort, wo der Virus „Neoliberalismus“ um sich greift, schrumpfen die Nationen kümmerlich, inklusive ihrer inneren wie äußeren ökonomischen Schutzschilde.

    Hat der Kapitalismus einst die Bildung der Nationen erzwungen, so koppelt sich der globale Neoliberalismus nun von seiner Basis ab und zerstört sie. Wenn ich diesen Gedanken weiter spinne, muss der Neoliberalismus zwangsläufig…. aber lassen wir das.

    Für mich trägt der ökonomische Teufel den Namen „Dritte industrielle Revolution = Mikroelektronik“, denn ohne die Mikroelektronik, die Ende der 1970er Jahre global eingeführt wurde, wären weder unsere minütlich gewaltigen transnationalen Finanztransaktionen möglich, noch die Zersplitterung einst nationaler Produktionsprozesse in die globalen Standorte, die die günstigsten betriebswirtschaftlichen Bedingungen bieten. Ohne die Mikroelektronik wäre es unmöglich, dass ein Unternehmen sein Stammwerk in Deutschland hat, die Produktion in China betreibt, die Buchhaltung in Indien erledigen lässt, den Warenversand in Irland organisiert und sein Marketingbüro in Rumänien unterhält.

    Erst Mikrochips und Software haben meiner Meinung nach möglich gemacht, dass die Wirtschaftsform des Neoliberalismus ein globales, ungezügelt gieriges Ungeheuer werden konnte, das an keine Nation gebunden ist.

    Wenn der Neoliberalismus also keine Nationen mehr braucht, wozu brauchen die Menschen dann eigentlich noch Politiker? 😉

    Gaby

  3. HandaufsHerz sagt:

    Hallo an Alle,

    Über Wirtschafts-Teufel und ökonomische Sprengmeister habe ich in der letzten Zeit einiges, nichts Gutes, vernommen.

    Die Charakterisierung dieser (Un)Persönlichkeiten, deren „Sozialisierung“ (incl. beruflichen Werdegangs), oder besser, deren „Elitisierung sowie der daraus resultierenden, fast zwangsläufigen Handlungsstrategien ist Herrn Jahnke gut gelungen.

    Dem ist eigentlich nichts mehr hinzufügen.

    Zwecks Perfektionierung der Gewinnmaximierung werden Sozialkompetenzen und Verantwortung für das eigene Handeln und Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen und der Realwirtschaft zu nostalgischen Anachronismen erklärt.

    @ Gaby,
    zu Deiner Frage:
    Wenn der Neoliberalismus also keine Nationen mehr braucht, wozu brauchen die Menschen dann eigentlich noch Politiker?

    Antwort:
    Ja, eine Gesellschaft braucht Politiker.
    Denn ich sehe Politik als Regulativ und Korrektiv intersozialer Aktivitäten;
    Zur Bewahrung und Herstellung von sozial verträglichen Verhältnismäßigkeiten;
    Zum Schutz existenzieller Bedürfnisse und zur Regulierung der Missverhältnisse – mittels demokratisch-verantwortlicher Entscheidungsfindung, demokratischer-verantwortlicher Beteiligung und demokratischer-verantwortlicher Kontrolle.

    Ich glaube, dass es der Neoliberalismus und dessen Anhänger ist, die keine Politiker haben wollen, weil sie so, ohne Hindernisse ihre Ideologie praktizieren können. Das Volk würde ohne Politiker vielleicht die letzte Möglichkeit der Einflussnahme verlieren und es wäre den Banken und der Finanzelite ausgeliefert.

    Deshalb sollten wir uns unbedingt die Politik, als letzte Bastion zur Verteidigung unserer Menschen- und Bürgerrechte wieder zurück erobern und verteidigen.
    Denn ich glaube sogar, dass es ganz im Interesse der Neolibs und Neokons liegt, das Fußvolk
    gegen eine ihnen nicht genehme Regierung aufzuwiegeln, um massiv außerparlamentarischen Einfluss zu nehmen.

    Freundliche Grüße
    Gisela

    • Gaby sagt:

      Liebe Gisela und Mitlesende,

      Kapitalismus ist seit jeher in erster Linie eine männliche Angelegenheit und hat Frauen diejenigen Arbeiten zugewiesen, die sich nicht gewinnbringend vermarkten lassen, aber unbedingt getan werden müssen, also Haushalt, Kinder, Familie, Pflege der gebrechlichen Angehörigen etc. pp. Aus dieser Tradition entspringt auch die schlechtere Bezahlung der Frauen, wenn sie sich dem kapitalen Verwertungsprozess unterwerfen, also lohnabhängig arbeiten gehen. Das ist bis heute so.

      Solche Dinge wie „Sozialkompetenz“ und „Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen“ gehören nicht zum Wesenszug des Kapitals und schon gar nicht zur kalten Vernunft der Betriebswirtschaft.

      Abgesehen von dem kurzen Sommer des Keynes’schen basierten „Wohlstands für alle“, in dem sich auch der Luxus der „Sozialkompetenz“ ausbreitete, den wir Deutsche und andere westliche Industrieländer nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 1980er Jahre erlebten, waren die Deutschen im kapitalistischen System stets auf die Stufe erbärmlicher Kartoffelfresser reduziert, die in zwei Weltkriegen nicht nur sich selbst verheizten, sondern in wilder Wut und ideologischer Verblendung ein ganzes Volk und Menschen jenseits deutsch-eugenischer Maßstäbe ausrotten wollten.

      Der Kapitalismus braucht Rahmenbedingungen, um zu funktionieren. Dieser Rahmen ist die jeweilige Nation, in der dieses Wirtschaftssystem installiert ist, mit allen äußeren wie inneren Schutzschilden, die ich in meinem vorigen Beitrag nannte. Politiker sind die Regulatoren, aber nur so lange, wie sie sich nicht vom Kapital korrumpieren lassen, also Gesetze schaffen, dem Kapital ungebremste Energie zu geben und das mit „Sachzwängen“ entschuldigen.

      Leider ist genau das im Zuge des mikroelektronisch gestützten, globalen Neoliberalismus passiert. Der kapitale Teufel, der aus der Flasche gelassen wurde, ist meiner Meinung nach nicht mehr in die Flasche zurück zu zwingen. Das Kapital ist nicht mehr national, sondern transnational und unsere Politiker sind zu einem Haufen hilflos blind um sich schlagender Akteure geworden, die noch (!) vom Bundesverfassungsgericht eine Ohrfeige nach der anderen kriegen. Heute schon wieder wegen der Datenvorratsspeicherung.

      Mit der Auflösung der nationalen Schutzschilde lösen sich auch die Nationen auf, sie verwildert von innen heraus und so ist es auch vorbei mit dem kapitalen Luxus der Sozialfürsorge und Amokläufe an Schulen werden zur Normalität. Die Westerwelle-Hetze gegen Arbeitslose, die wir gerade erleben, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was wir in Bälde an Verteilungskämpfen zu erwarten haben.

      Meine Güte, wie bewundernd schaue ich seit Jahren auf Skandinavien, insbesondere Dänemark! Diese Länder leben im Mainstream des Neoliberalismus, aber deren Politiker besitzen mehr Rückgrat und Vernunft und die Bevölkerungen sind stolz auf die Produkte ihres Landes und konsumieren sie fleißig. Vor einigen Jahren habe ich gelesen, dass die Dänen gut 60 % der Produkte ihres Landes selbst konsumieren, den Rest exportieren sie. Importiert werden vor allem Produkte aus skandinavischen Ländern.

      Von einem solch beschaulich-gesunden Wirtschaftskreislauf können wir Deutsche nicht einmal träumen. Unsere knallhart rendite-terroristische Realität zwingt uns in die restriktive Handlungsfähigkeit und stattet uns mit individualbiographischem Tunnelblick aus.

      Liebe Grüße

      Gaby

    • Cato sagt:

      Guten Tag Mitlesende, ich teile diese Einschätzungen.

      „…Gemeinwesen und der Realwirtschaft zu nostalgischen Anachronismen erklärt.“ Das ist genau die Umdeutung von Begriffen, die seit längerer Zeit abläuft. Demnächst gibt es möglicherweise eine solche Umdeutung von „Sozialstaat“, wenn die Neolibs „endlich“ über das Sozialwesen in unserem Land „reden dürfen“ (was sie schon ständig tun).

      Ebenso wird das „Buch“ bzw. das „Lesen“ durch eine einseitige Medienmacht des Pixelkrams versucht in eine randständige Lage zu verdrängen. Man muß sich dabei deutlich machen, daß das „Buch“ das Hauptinstrument der Aufklärung war. Heute plagt sich die Gesellschaft mit einer Bildungsmisere herum, die vorallem auf Defiziten des Lesens und des Leseverstehens beruht. Einmal an Bilder und bildhafte einfache Textbotschaften gewöhnt, verliert eine Generation nach der anderen die kritische Urteilsfähigkeit über die gesellschaftlichen Verhältnisse, weil es ihr am Zugang zu alternativen Informationen (erst recht fremdsprachige) und zunehmend an der notwendigen qualifizierten Informationsaustauschfähigkeit untereinander mangelt. Menschen dieser Fähigkeiten sind den Drahtziehern, die sehr gut nach neoliberalen Kriterien ausgewählt und eingesetzt werden, weitgehend schutzlos ausgeliefert. Das ist in einem relativ kurzen Zeitraum erreichbar und läuft gerade ab.

      Was ist aus dem „Bildungsgipfel“ geworden? Worte und Taten der Akteure stimmen nicht überein! Da war mir klar, auf diese Absichts-Spiegelfechterein kann man nichts geben. Immanuel Kant: „Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir“

      siehe hier http://derstandard.at/1256745525704/Sterbende-Kinder-vergisst-man-nicht?_seite=5&sap=2

      „…im Zuge des mikroelektronisch gestützten, globalen Neoliberalismus…“ Die Digitalisierung wurde zur zentralen „Peitsche“ des Neoliberalismus. Sie entfremdet die Menschen untereinander und wird letztendlich als eine unmenschliche Technologie eingesetzt. Hierzulande besonders erfolgreich, da in unserem Land der Mensch eben nicht der Maßstab für alles Wirtschaftens ist (frei nach Erwin Teufel) und wir eine traditionell begründete Technikgläubigkeit haben. Wo der Grundsatz „Liberté, Égalité et Fraternité“ (bzw. etwas ähnliches) fehlt, breitet sich der Egoismus um so besser aus. Die Vereinzelung der Individuen hilft dabei enorm. Ich halte das nicht für einen Zufall. Warum fand die Digitalisierung so große Unterstützung seit BK Schröder?

      Der Begriff „Politik“ wurde schon vor Jahren in das Handlungsfeld der Parteien umgedeutet. Tatsächlich ist Politik sehr vieles, was die Menschen bereits tun und noch zusätzlich tun können. Sich kritisch mit den Verhältnissen auseinanderzusetzen, sich als BürgerIn ehrenamtlich verschiedenster Art einzubringen oder sich als verantwortungsvoller Konsument beim Einkauf zu verhalten. Das alles verstehe ich als „politisches Handeln“. Ein verantwortungsbewußter Bürger wägt aber ab, ob er mit seinem Engagement den Neoliberalismus und seine Helfershelfer in der Parteien-/Parteibuch-Behördenlandschaft unterstützt. Um dieses gesellschaftlich-verantwortungsvolle Verhalten der BürgerInnen zu behindern oder zu unterbinden erfinden die Herätiker des Neoliberalismus immer weitere Angstszenarien mit Gesetzeskraft um Mißtrauen zu säen. Stattdessen sollten wir ihnen mit Mißtrauen begegnen.

      Der verfassungsgemäße Grundsatz aus dem GG Art. 21 muß seinen Worten nach beachtet werden: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Mitwirkung!!!! und keine Dominanz oder Repräsentanz des Volkes. Parteimitglieder gibt es weniger als 2 % in der Bevölkerung Deutschlands. Deren Anzahl ist keineswegs repräsentativ und war in den vergangenen Jahren oft rückläufig!

      Deshalb sind alle Formen der Willensbildung zunächst wirkungsvoll auszuschöpfen, schauen wir beispielsweise in die Demokratien Skandinaviens oder anderer Länder mit einer politisch beteiligten Bürgergesellschaft. Was kann man von ihnen lernen? So lange vieles bei uns im Argen liegt, kann man von ordnungsgemäßen demokratischen Verhältnissen nicht sprechen.

      …von der Wertekrise und dem zu Grunde liegenden Neoliberalismus – eine bemerkenswerte kritische Stimme aus dem fernen Süden: http://www.here-now4u.de/die_globale_krise_-_eine_krise.htm

      Salve!

    • Elfi sagt:

      Hallo Gisela,und Mitlesende,
      den Staatsbegriff den du beschreibst ist m.E. sehr jungen Datums und nur ein Aspekt davon. Und wie es sich mehr und mehr zeigt ist die soziale Klausel darin – die du betonst – auch vorübergehenden Datums. Als Korrektiv zur krassesten Ausbeutung – aber durchaus im Sinne der Erhaltung des Kapitalismus – kreierte Bismarck seine Sozialrente und erst nach dem 2. Weltkrieg bekamen wir so etwas wie die Soziale Marktwirtschaft – auch im Interesse der Erhaltung des Kapitalismus. Sie war ein Versuch der kapitalismusgefährdenden Attraktivität der Marxschen und anderer szialistischer Ideen Zügel anzulegen.

      Schauen wir zurück in der Geschichte so wird eines klas klar: Kein Ausbeutungssystem kann auf Dauer bestehen, wenn es keinen Staat gäbe. Auch die FDP, die den Staat ganz klein und ohnmächtig halten will, wird nie auf ihn verzichten wollen und können.

      Warum nicht? Staatlichkeit ist auch heute anerkanntermassen das Monopol auf die Ausübung von Gewalt.
      Wer sind die gewaltausübenden Instanzen? Gesetzgeber (Parlamente) Es ist auch das Justizwesen. Dieses schützt das Eigentum an Produktionmittel (Fabriken)und dem Besitz von Land (häufig noch Grossgrundbesitz oder auch Besitz von Wohnraum-Mietshäuser in Städten) Es sind unsere Gesetze die erzwingen können – mit Hilfe des Polizei und Gefängniswesens zur Not auch mit Militär – die Aufrechterhaltung noch so eigentümlicher Besitzverhälnisse. Diesen Teil der Staatsmacht will ich hier betonen. Neuern geschichtl. Datums ist erst die Klausel, dass Eigentum dem Gemeinwohl dienen sollte. So neu wie diese Klausel ist so wenig ernst wird sie ja offensichtlich genommen.

      Die Eigentümer bekommen dadurch Macht über Arbeiter und Mieter. Die Macht ist im unserem Rechtsstaat nur um weniges eingedämmt. Ich widederhole: Justiz erzwingt mir Hilfe von Polizei und Gefängnissen, die Aufrechterhaltung dieser Ordnung. Versuchen die Wähler über Wahlentscheidungen an dieser Ordnung etwas zu ändern, wird es schwierig, wie in Lateinamerika zur Zeit beobachtbar.
      Genügt das alles nicht, so hat man neben der Polizei noch das Militär, das zur Not hilft Landbesetzter oder Fabriken besetzende Arbeiter in Schach zu halten und ihnen den „richtigen“ Weg wieder zu zeigen.
      Wir mögen es nicht gerne hören, aber nicht zuletzt haben auch Religionen immer wieder nicht den Widerstand gegen Ausbeutung unterstützt, aber die Ausbeuter.
      Mal kurz gesagt: So ungerechte Verhältnisse wie wir sie haben – und weit zurückgehend in der Geschichte hatten – liessen sich niemals lange aufrechterhalten,
      würde das nicht durch das Gewaltmonopol des Staates aufrechterhalten.
      Menschen sind nicht so blööde, dass sie nicht regelmässig mal aufwachen und merken, dass ihre Eliten (Leistungsträger!) nicht leisten, was sie vorgeben. An der Basis würde sich auch ausserhalb der Wahlen manch sehr aktiver Widerstand regen, wenn wir nicht genau wüssten, dass der streng geahndet wird und wurde.
      Wenn Gaby meint wozu brauchen die Neokons dann noch Politiker (d.h.einen Staat) so lese ich das als polemischen Einwurf, der berechtigt ist.

      Nur gerade die Neokons in FDP und CDU usw. würden auf die disziplinierende Rolle des Staates nie verzichten wollen. Sie wissen zu genau, dass ihr Gesellschaftskonstrukt nicht mehr lange Bestand hätte. Die Habenichtse würden sich langsam aber sicher in Bewegung setzen und das verändern.
      Sie haben es getan in der Geschichte wieder und wieder: Bauernaufstände wenn wir Jahrhunderte und mehr zurückschauen, Sklavenaufstände Arbeiteraufstände in neuerer Zeit. Sie alle wurden niedergeknüppelt mit Hilfe der staatlichen Gewaltmittel einschliesslich Militär.
      Wer hat gesagt: Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still?
      Und: Die herrschenden Gesetze sind immer die Gesetze der Herrschenden.
      Und: Die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden.
      War das nicht Karl Marx!
      Wir könne uns schn unseren individuellen Staatsbegriff machen, aber die historisch überprüfbare Rolle des Staates sollten wir uns auch anschauen – und das sehr genau.
      Viele Grüsse
      Elfi

      • Gaby sagt:

        Liebe Elfi und Mitlesende,

        ich finde Deine Ausführungen ganz richtig. Ist Demokratie eigentlich etwas anderes als „gefrorene“ Diktatur?

        „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, ist ein Gewerkschaftsspruch. Er diente der Inspiration des Grabsteins Hans Böcklers.

        „Die herrschenden Gesetze sind immer die Gesetze der Herrschenden“, stammt von Berthold Brecht.

        „Die herrschenden Gedanken sind immer die Gedanken der Herrschenden“, kommt aus dem Textkonvolut „Die deutsche Ideologie“, geschrieben von Karl Marx, Friedrich Engels und Moses Hess in den Jahren 1845 bis 1847.

        Beste Grüße

        Gaby

  4. Rumpel sagt:

    Dr. Jahnke hat es in diesem Beitrag auf den Punkt gebracht, und die Beiträge hier bieten auch wichtige Denkanstöße. Es gibt übrigens einen interessanten Artikel in der FR:

    Dynamitpreise für Ökonomen
    Greenspan, Friedman, Summers – die Ökonomen eint ihr emsiger Beitrag zur fast gelungenen Sprengung der Weltwirtschaft. Es gibt auch Kandidaten in Deutschland. Der Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel nennt sie.

  5. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Elfi,

    dem stimme ich durchaus zu, wenn man davon ausgeht, dass der Staat ein hierarchisches Rechtssystem ist.
    Ich bin von einem Staatsbegriff als Gesellschaft ausgegangen. Eine Gesellschaft braucht ein Regulativ und ein Korrektiv für intersoziale Aktivitäten, die aber nicht als Dominanz sondern als lebendige Orientierung von mir gedacht ist. Denn leider können wir nicht alles gleichzeitig erledigen. Es gibt noch heranwachsende Generationen, die das Leben und Überleben lernen wollen/müssen und das geht nicht nur über „Laissez-faire“. Die Pflege in Krankheitsfällen, die Begleitung in Sterbefällen usw. (Ich erwähne hier nicht den Erwerbsbereich). Das bedarf einer Gemeinschaft, Gesellschaft, weil das nicht individuell zu bewerkstelligen ist.
    Das alles muss doch irgendwie reguliert und ausgeführt werden. Damit das geschehen kann, brauch man auch verantwortungsvolle Leute, die für die Regulierung zuständig sind. Diese Leute müssen von uns bestimmt werden und nicht von den Ausbeutern, Profiteuren und Machtbesessenen. Deren Verhaltensweisen sollten auch über die Erziehung reguliert werden im gemeinschaftlichen Konsens und nicht nach hierarchischen Rechtsansprüchen.

    Grüße
    Gisela

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