1925

global news 1925 26-02-10: Die Wahrheit vom Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitslosigkeit in „Unterbeschäftigung" versteckt

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25 Responses to 1925

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag, Herr Dr. Jahnke und Mitlesende,

    vielleicht gehört mein Anliegen nicht in die Kategorie „Unterbeschäftigung“ – ich weiß es nicht. Fakt ist jedenfalls, dass ich seit 1. Nov. 2009 nicht mehr volltags arbeiten darf, sondern dauerhaft nur noch halbtags. Mein Arbeitgeber nennt diese Maßnahme „Kapazitätsanpassung“. Ich weiß von zwei weiteren Kolleginnen, die es ebenso unfreiwillig und unverhofft getroffen hat.

    Nun frage ich mich natürlich, wie viele Arbeitnehmer es in Deutschland gibt, die aufgrund der Wirtschaftskrise in ähnlich erzwungener Halb-Arbeitslosigkeit leben müssen. Eigentlich sollte sich gehören, dass ich und all die anderen ebenfalls statistisch erfasst werden, um ein genaueres Bild der Arbeitsmarktschäden zu erhalten, die die Krise bisher anrichtete.

    Aber dieser Gedanke ist mit Sicherheit utopisch, denn so genau will unsere Führungstruppe vielleicht gar nicht wissen, wie es um Deutschlands Arbeitsmarkt bestellt ist.

    Beste Grüße

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby.

      Der Wechsel in eine Halbtagsposition wird nicht einmal in der Unterbeschaeftigung gezaehlt, sonder gilt als „beschaeftigt“.

      Beste Grüße
      globalnote

    • Steffen sagt:

      Institut für Innovative Politik gegründet

      Frankfurt – Das Erwerbslosen Forum Deutschland und Klartext e.V. haben am 17. Februar 2010 das Institut für innovative Politikberatung (IP) gegründet und die Leitung Prof. Dr. Dr. hc. D. Ummbeutel übertragen. Alleinstellungsmerkmal des Instituts werden wegweisend innovative Vorschläge zu einer besseren Politik in Berlin sein.

      http://ip.blogsport.de/2010/02/23/erster-eintrag/

      Professor Dr. Dr. hc. D. Ummbeutel will Arbeitslose dauerhaft mit Hilfe von Schnee und Wasser in Arbeit integrieren

      Frankfurt – Außenminister Westerwelle stellte am 21. Februar 2010 Vollbeschäftigung in Aussicht, wenn es nur genügend schneien würde. Durch Schnee schippen könnte man die Arbeitslosen aus der Hartz IV-Falle befreien. Leider taute es einen Tag später so stark, dass kein Schnee mehr geschippt werden konnte.

      Professor Dr. Dr. hc. D. Ummbeutel (Institut für innovative Politikberatung (IP) schlägt deshalb den Einsatz von Schneekanonen vor, damit immer genug Schnee zum Schippen da ist. „Der Einsatz von Schneeräumungsmaschinen verbietet sich, da die Abschaffung insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit nur ohne Einsatz von Maschinen zu erreichen ist. Der Einwand, Schnee schippen erfülle nicht die gesetzliche Vorschrift der Zusätzlichkeit, ist nicht nachvollziehbar, da Schnee immer zusätzlich zur Kälte in Erscheinung tritt“, so der Wissenschaftler.

      Um eine ganzjährige Beschäftigung zu ermöglichen, regt das Institut an, die „Schneeschipper“ im Frühjahr, wenn der Schnee taut, zu Überschwemmungshelfern umzuschulen und weltweit einzusetzen, bis es wieder kalt genug ist, um Schnee mit Schneekanonen zu produzieren. So kann man Arbeitslose dauerhaft mit Hilfe von Schnee und Wasser, dem Grundbestandteil von Schnee, in Arbeit integrieren.

      http://ip.blogsport.de/2010/02/23/vollbeschaeftigung-durch-schnee-schippen/

      • Gaby sagt:

        Herzlich willkommen, Steffen und Mitlesende,

        in der freimarktlichen Vernichtungskonkurrenz des Neoliberalismus.

        Wer mit Schneeschippen Arbeitslosigkeit beseitigen will, empfiehlt auch, mit einer Aktentasche eine Lawine aufzuhalten. Beides funktioniert nicht! Beides ist Quatsch!

        Den Menschen als soziales Wesen in den Mittelpunkt der Marktwirtschaft zu stellen, gelang, historisch einmalig (!), unter der Anwendung Keynes’scher Wirtschaftstheorien in den 1960er bis zirka Ende der 1980er Jahre. Aber diese Zeiten relativen Wohlstands für die Mehrzahl der Deutschen sind endgültig vorbei, ebenso wie Orwells „1984“ längst vorbei ist, denn wir schreiben das Jahr 2010.

        Es liegt im Wesen des Neoliberalismus, in den ökonomisch „Aussortierten“, den „Herausgefallenen“, dem „white trash“, grundsätzlich Faulenzer und keine Marktverlierer zu sehen, schließlich findet jeder Mensch, der sich anstrengt, Arbeit, so dass Arbeitslosigkeit ein selbst gewählter, freiwilliger Zustand ist, der nicht geduldet werden darf, weil die nun auszugebenden sozialen Geldmittel zum existenziellen Erhalt des Faulenzers, die Bewegungen der freien Märkte stören. Man glaubt es nicht, aber das ist eine der Kernaussagen neoliberaler Theorien. Es gilt, dem angeblichen Faulenzer mit allen Mitteln seine Faulheit heraus zu „prügeln“, damit er nicht länger Bremsklotz der freien Märkte ist.

        Staatliche soziale Zuwendungen sind im Neoliberalismus grundsätzlich Wettbewerbsverzerrungen. Für Keynes hingegen waren soziale Leistungen unabdingbar nötig, die Massenkaufkraft zu stärken und per gesunder Konsumneigung die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern, also insgesamt den Wirtschaftskreislauf kräftig rund laufen zu lassen.

        Diese wohlwollend-kapitalistischen Zeiten sind leider vorbei und jeder von uns ist den Kräften der zügellos geworden Märkte ziemlich einsam ausgeliefert. Wer es nicht schafft, hat sein Versagen angeblich freiwillig gewählt. Wer es schafft, egal wie, ist der große Gewinner beim Tanz um’s Goldene Kalb. Die Mittel zum Sieg sind egal, schließlich heiligt der Zweck die Mittel. Erlaubt sind insbesondere ideologische Verblendung, Hartherzigkeit, Gier und juristische wie betriebswirtschaftliche Winkelzüge innerhalb unserer Wirtschafts- und Gesellschaftshierarchie.

        Der Neoliberalismus stellt den Menschen auf eine noch niedere Stufe, als es die Steinzeitmenschen je waren. Diese Wirtschaftsform ist bestrebt, alle menschliche Solidarität auszurotten und aus unserer Zivilisation einen grausamen Dschungel voller egoistischer Raubaffen machen.

        Meine Zustimmung findet die neoliberale Wirtschaftsform niemals!

        Gaby

  2. Paten sagt:

    Guten Tag. Wenn eine Regierung beginnt ihre Arbeitslosen zu verstecken, indem sie diese in „gerade Arbeit suchend“ und „gerade nicht“ aufteilt, will sie sogar in Krisenzeiten Jobwunder hochhebeln wie der alte L. Ehrhard. Dabei ändert das an der miserablen Einkommens- und Lebenssituation derer, auf die ein deutscher Vizekanzler verbal eindrischt, nichts. Egal wie man sie zählt. Aber davon will er ja ablenken. Wann feierte Frau Merkel gleich mit einem Arbeitslosen und 30 seiner Freunde im Kanzleramt dessen Geburtstag?

    Weit gefehlt. Wenn der Staat die Armut an sich ran lässt, dann nur in Form billiger Arbeiter, die er nach Herzenslust ausbeutet.

    Weder versteckt noch verschwunden aus Augen und Sinn der Regierung sind daher 1,37 Millionen „Aufstocker“. Das sind jene nach Westerwelle dekadenten Zeitgenossen, die wegen zu geringen Arbeitseinkommens zusätzliche „Hartz IV“-Leistungen beziehen -müssen, weil die Entlohnung als Arbeitssklaven zum Lebenserhalt nicht ausreicht. Auch das kein Grund für Mindestlohn? Statt solche ausbeutenden Arbeitgeber sozial- und arbeitsrechtlich in die Schranken zu weisen, nimmt man wieder Steuergelder und stockt auf – deren Gewinne.

    Und verkürzt dadurch den Abstand zu den Niedrigstlöhnern, Herr Westerwelle. Selbsttor!

    Aber, es kommt noch schlimmer:

    31.722 Personen, die als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte noch Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst die öffentliche Verwaltung, das Bildungs- und Sozialwesen sowie die Entsorgungswirtschaft.

    Ergo:

    Jeder z e h n t e Erwerbstätige, der aufstockt, ist im öffentlichen Dienst oder in einem Unternehmen im öffentlichen Sektor beschäftigt.

    Der Staat selbst macht also schon das, was der Rechtsaußenminister & Co. scheinheilig für Kommunen fordern: Er kassiert die Gegenleistung des Aufstockens auf Hartz-IV-Niveau in Arbeitsleistung – um ein Mehrfaches. Sozusagen gehebelt.

    MfG

    Quelle: Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ aus einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag

    • Thomas Müller sagt:

      Hallo lieber Paten,

      schön geschrieben. So mag ich das.

      Gruß

      Thomas

      • Paten sagt:

        Guten Abend.
        Thomas:
        Danke. Nun gucke ich nochmal, wofür ich -ist echt aufmunternd- gelobt wurde und — > Dabei habe ich mal wieder die Taste nicht getroffen – es muss131.722 Menschen heißen, die vom Staat ausgebeutet werden. Nun muss ich mich wohl bei 100,000 Betroffenen wegen Untertreibung des Elends entschuldigen. Mache ich hier gerne .

        Gebe mir natürlich weiter Mühe, nicht daneben zu liegen.

        MfG

  3. georg sagt:

    Hallo
    hab gerade Post vom Arbeitsamt bekommen.
    Da ich meine Pflegebedürfige Mutter betreue, stehe ich dem Arbeitsmarkt nicht vollständig zur Verfügung. Daher zähle ich nicht als arbeitslos. Ein Anspruch auf ALG 1 besteht daher nicht. So viel zum Thema Statistiken in einer Bananenrepublik.
    gruss georg

    • Gaby sagt:

      Guten Tag, Georg,

      Deinen Beitrag habe ich immer wieder durchlesen müssen, weil mir die Verweigerung Deines ALG 1 eine ungeheuerliche Zumutung ist. Das heißt wohl, dass Du ohne Umwege ALG 2 beantragen musst. Und das heißt wiederum, dass Du als Konsument, der den Binnenmarkt stützen könnte, weitgehend ausfällst und in Bälde Deinen allgemeinen Mangel verwaltest.

      Ich bin derart sauer auf unsere Technokraten, dass mir spontan die Idee kommt, alle Viertel-, Halb- und Vollarbeitslosen sollten sich weiße Bändchen ums Handgelenk befestigen, damit wir endlich sehen, wie viele wir sind. Ich würde auch ein solches Band tragen!

      Ich wünsche Dir alles Gute, Georg, und möchte gerne wieder von Dir lesen.

      Gaby

      • Tic sagt:

        Hallo Gaby,

        mein Bruder ist seit 1. Februar auch in einer neuen Firma. Sie nennt sich Transfer-Gesellschaft!
        Die alte Firma konnte ihn nach 24 Jahren Zugehörigkeit nicht mehr brauchen. Wozu auch? Er war ja nur Chef der Qualitätskontrolle in seiner Halle. Welcher Kunde legt schon Wert auf einwandfreie Ware? Weg mit dem Kerl, hat sowieso nur ständig rumgenörgelt.

        Und da er in der Transfer-Gesellschaft zusammen mit über 200 anderen „angestellt“ ist, zählt er natürlich nicht als Arbeitsloser!
        Wieviele solcher TGs zur Zeit in D existieren, würde mich schon interessieren. Denn dann wissen wir, was in ca einem Jahr auf uns zukommt!

        GRuß Tic

      • Gaby sagt:

        Guten Abend, Tic und Mitlesende,

        beim Arbeitgeber meines Mannes läuft es genau so. Im August letzten Jahres ist die Hälfte der Belegschaft, gut 300 Menschen, a) in einen Pool und b) in eine Transfergesellschaft gesteckt worden.

        Sie erscheinen natürlich nicht in der Arbeitslosenstatistik. Sie werden erst dann dort erscheinen, wenn sie sich im August 2010 arbeitslos melden müssen, denn der Aufenthalt im Auffang-Pool und der Transfergesellschaft dauert nur ein Jahr; die Bezahlung beläuft sich auf 67 % des letzten Bruttolohns. Das heißt, dass diese Menschen natürlich auch weniger ALG 1 erhalten werden, das sich ja vom Bruttolohn berechnet.

        Seit dem dieser harsche Schnitt gemacht worden ist, ist mein Mann nur noch auf Montage. Ehrlich! Der ist pausenlos in der ganzen Welt unterwegs und hat die Nase gestrichen voll, weil er die enorme Arbeitsbelastung kaum noch aushält. Seinen beiden Kollegen geht es genau so.

        Nun war kürzlich eine echte Notlage: Ein Monteur krank, ein anderer in Italien, Uli in Kanada und ein französischer Kunde schrie: „Hilfe, meine Maschine steht. Ich brauche sofort einen Monteur!“

        Es wäre logisch gewesen, einen Monteur aus dem Pool oder der Transfergesellschaft heraus zu nehmen. Das wurde aber nicht gemacht, weil die Geschäftsleitung gegenüber den „Aussortierten“ keine „falschen Hoffnungen“ wecken will. Es soll niemand glauben, dass er noch gebraucht wird!!!!

        Stattdessen wurde lieber der französische Kunde vergrätzt, denn er musste eine Woche auf einen Monteur warten und will nun selbstverständlich seine Produktionsausfälle beglichen haben, die sich im fünfstelligen Euro-Bereich befinden.

        Hat man da noch Worte?! Nein!

        Gaby

  4. Dagmar Brandt sagt:

    Westerwelles und Prof. Sinns Wirtschaftslogik lässt sich bildlich so beschreiben:

    Man setze viele Hungringe an einen mit wenig Essbarem gedeckten Tisch. Sie mögen nur schnell genug beim Essen zugreifen, dann würden sie schon satt, sagen ihnen die Wohlstandsbürger, die dieses „Festmahl“ in beispielloser Güte organisiert haben. Kaum haben sich die Hungrigen zu Tisch gesetzt, sind die Töpfe und Schüsseln auf dem Tisch schon leer.

    Aber die Wohlstandsbürger treiben die Hungrigen unverdrossen an, weiter in die leeren Töpfe und Schüsseln zu greifen – es lägen ja genügend Löffel zum Füllen der Teller bereit, man müsse die Löffel nur richtig handhaben.

    Die Hungrigen sind immer noch hungrig und möchten die Töpfe und Schüsseln neu gefüllt haben. Die gütigen Wohlstandsbürger beraten über Abhilfe und haben zwei grandiose Ideen:

    1) Die Hungrigen erhalten Nachhilfe im richtigen Gebrauch von Löffel und Gabel zum Füllen ihrer Teller. Wer sich weigert mitzumachen, wird aus dem Speisesaal geworfen.

    2) Die Hungrigen werden angewiesen, mit dem Besteck in ihren Händen die Bewegungen auszuführen, wie man sie beim Essen von einem gefüllten Teller ausführt.

    Zufrieden sehen die Wohlstandsbürger nun, wie die Hungrigen unverdrossen ihre leeren Löffel und Gabeln von leeren Tellern zu ihrem leeren Mund führen, um ihren leeren Magen zu füllen.

    Das „Festmahl“ für die Hungrigen wird ein voller Erfolg. Man müsse sich beim Essen nur richtig anstrengen, versichern die Wohlstandsbürger einander, wer nun noch hungrig bleibe, dem sei wirklich nicht zu helfen!

    Und wenn sie nicht gestorben sind, die Hungrigen, dann „schlemmen“ sie in alle Ewigkeit …

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Schön beschrieben.

      Noch schneller als man als Armer nichts kriegt ist nur wie schnell man wegen Geldverlusts arm wird.

      Hier die Kurzfassung der Finanzkrise. Viel Spass:

      MfG

    • Gaby sagt:

      Schönen guten Abend, Dagmar Brandt,

      ich bin von Deinem Kommentar sehr beeindruckt. Ja, genau so kann die staatliche Behandlung unserer „Aussortierten“ beschrieben werden. So stelle ich mir die Hölle vor und Deine „Übersetzung“ neoliberaler Umgehensweise mit den Verlierern dieses Systems, wird mir im Gedächtnis bleiben.

      Vielen Dank für Deine Zeit und Mühe,

      Gaby

  5. Taylor_two sagt:

    Guten Abend in die Runde!
    Kann mir jemand die Bedeutung der Kategorie „Gewinn“ in dieser wunderlichen deutschen Wirtschaft erklären? Wie kann ein Unternehmen Gewinn machen, wenn die Mitarbeiter durch Aufstockung auf Hartz 4-Niveau am Verhungern gehindert werden?

    mfg

    • Gaby sagt:

      Hallo, Taylor_two und Mitlesende,

      für einen Unternehmer ist allein die Gewinnmaximierung die Motivation seines Handelns. Ihm ist es grundsätzlich egal, ob jemand von seinem Lohn leben kann oder nicht.

      Produktionskosten werden durch Lohnkürzung, Produktivitätssteigerung, billigste Frauen- und Kinderarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern gesenkt, was wiederum gewinnsteigernd und im Kaufkraft schwindsüchtigen Deutschland zumindest gewinnstagnierend wirkt.

      Staatliche „Aufstockung“ ist nichts anderes als die Subventionierung von Unternehmen durch Steuergeld. Der Chef zahlt zu wenig Lohn und schickt seinen Arbeiter zur ARGE, sich den Fehlbetrag zur Aufrechterhaltung eines erbärmlichen Lebens abzuholen. Die „Aufstockung“ wirkt für den Unternehmer gewinnsteigernd. Auf die deutsche Volkswirtschaft wirkt das ganz praktisch desaströs, weil die Kaufkraft der Masse mehr und mehr schwindet. Das führt zwangsläufig zu hoher Arbeitslosigkeit und Arbeitslosigkeit ist wiederum ein Grund zur Lohndrückung. Und wenn im Inland kaum noch Absatz zu erwarten ist, stürzen sich die Unternehmer in den Export.

      Hartz-IV ist die deutsche Lohnuntergrenze. Drunter geht nicht! Und solange es in Deutschland keine gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlöhne gibt, streben die Löhne und Gehälter unaufhaltsam gegen 5,20 oder gar 2,20 Euro die Stunde, brutto, versteht sich.

      Allein der Gesetzgeber, der Staat, kann in diesen ruinösen Wettbewerb um Löhne und Gewinne positiv regulierend eingreifen. Aber Merkel schweigt und der Vize ereifert sich in wüster Weise über unsere Arbeitslosen und niemand unserer Führungstruppe scheint zu bemerken, dass sich Deutschland kaputt spart.

      Viele Grüße

      Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Dass sinkende Einzel-Kosten. darunter Lohn und Lohnnebenkosten, die gesamten Herstellungskosten senken und bei gleichem VP den Gewinn erhöhen , dürfte ersichtlich sein wie beim Familienbudget, wo niedrigere die Einkaufspreise die Sparquote die erhöhen und so ziemlich alle wrtschaftlichen Diskussionen udn Ahndlungen der Regierungsparteien der letzten 2 Jahrzehnte hinreichend erklären.

      Diese Aufstockung (1,37 Mio. Menschen in DE, davon sogar 10% vom Staat angestellt!) des Einkommens aus Steuermitteln auf H4- Niveau nenne man in den USA „negative Einkommenssteuer“ (teil der staatlichen Wohlfahrt). Kurios ist, das Obama im Wahlkampf die Idee hatte den verarmten Kreditnehmern der Finanzkrise aus der Schuldenfalle zu helfen durch Stundung ihrer Steuerzahlungen, also durch zeitweise Negativbesteuerung.

      Dann stellte sich heraus, dass se 2008 bereits 37% der privaten Steuerhaushalte so wenig Einkommen hatten, dass sie gar keine Steuern zahlen mussten, ergo auch keine gestundet bekommen konnten. Dann unterzeichnete Obama nach dem Wahlsieg so ein Gesetz für 2009 und da waren schon 49% nicht mehr steuerpflichtige Haushalte, etwas 72 Millionen Haushaltseinheiten (Singels, Paare einzeln und gemeinsam veranlangt, ältere Haushalte, Familien mit Kindern).

      Ergo bekamen die Reiche(re)n die Steuerstundung, während die Arbeitslosigkeit und Armut grassierte und wegen der Hängeparte gesundheitsreform noch 40 Mio. US-Amerikaner nicht krankenversichert sind. Das schafft einw weiteres Meer billiger Arbeiter.

      Sie haben natürlich recht, dass auf Dauer die mit den Einkommen sinkende Kaufkraft Umsatz und Gewinne im Binnemarkt killen wird. Aber die kostenseitig stark über normal erhöhten Gewinne sind ja auch periodenfremd, szs. aus der Zukunft. Das ist der Zeitraum, wo einseitig für die Arbeitnehmer die Krise samt Einkommenskrise ud sozialabastieg verlaufen wird. Nur für die.

      MfG

    • Cato sagt:

      Guten Tag, Taylor_two und Mitlesende, Am Beispiel der gegenwärtig umgehenden Begriffe „Gewinn“ oder „Arbeitslosigkeit“ wird eine Umdeutung von tatsächlich eindeutigen Worten versucht. Eine völlig neue Sicht auf solche bisher stets klaren Begriffe war wohl eines der wichtigsten Ziele einflußreicher „Think tanks“.

      In diesem Sinn ist also dann der „Gewinn“ jener Betrag, der unter Ausnutzung aller erdenklicher betriebswirtschaftlicher Erlöse und jeglicher anderweitiger Zuschüsse für eine kleine Gruppe Begünstigter zur Verfügung steht. Damit soll sich wohl auch der vielgepriesene Kapitalismus wandeln. Nicht mehr die Gewinnerzielung aus einem betreuten Marktsektor sondern die Gewinnmaximierung unter Hinzuziehung sozialer Systeme und Prinzpien. D.I.E. Protagonisten werden ein solches „Wirtschaften“ in Kürze als Soziale Marktwirtschaft preisen.

      Arbeitslosigkeit ist in diesem Duktus (welch‘ erhabenes, feinsinniges Wort, aus dem Lateinischen ducere für „führen“, dux – der Führer, im übertragenen Sinne das „Führerprinzip“) der Zustand, der aus politisch-ideologischen Gründen nützlich erscheint.

      Es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, daß auch die Worte „Demokratie“, „Bürger“ und „Wahlrecht“ dieser Umdeutungstendenz anheim fallen.

      Hinter diesen Tendenzen steht mE nichts anderes, als die Inanspruchnahme der Sprache als ideologisches Kampf- und Erziehungsmittel. Man möchte meinen, daß es sich um eine Lingua dell’Impero Quarta handelt.

      Zu dieser Taktik gehört die Abschottung der deutschen Bevölkerung von Denkströmungen und diskutierten Lösungsansätzen in den demokratischen Gesellschaften Europas. Die überwiegend mainstreamorientierten Sender hierzulande berichten auf gleichem Nachrichtenstand und in der nahezu gleichen Themensortierung. Das ist seit einigen Jahren auffallend.

      Wie Gaby oben schon sagte: „Der Neoliberalismus stellt den Menschen auf eine noch niedere Stufe, als es die Steinzeitmenschen je waren. Diese Wirtschaftsform ist bestrebt, alle menschliche Solidarität auszurotten und aus unserer Zivilisation einen grausamen Dschungel voller egoistischer Raubaffen machen.“ Das gelingt nur, wenn man die Erinnerung an humane Werte ausrottet und das wird mit der Umdeutung sprachlicher Ausdrucksformen begonnen.

      Mit diesen und anderen Mitteln wird verklärt, verschleiert und umgedeutet, was das Zeug hält. Das hat Tradition.

      Einen Ruf aus der Demokatie zur globalen Wirkung des Kapitalimus von einem leider seltenen Gast in unseren Medien gibt es heute im DLF ab 13.30 Uhr:
      http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/vorschau_dlf/1127950/

      • Gaby sagt:

        Lieber Cato und Mitlesende,

        wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, werden wir feststellen, dass wir unbewußt längst verbalen „Umdeutungen“ erlegen sind.

        Hier ein paar Beispiele:

        Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit. (Das stammt nicht nur von Hegel sondern führt direkt in die Sklaverei)

        Krieg bedeutet Frieden. (Ganz aktuell am Hindukusch)

        Unwissenheit ist Stärke. (Das gilt insbesondere für Konsumenten von Nahrungsmitteln, Waren, Dienstleistungen und Medien)

        Arbeitsqual und Arbeitshetze ist Selbstverwirklichung.

        Depressionen sind tiefenpsychologische Erlebnisse.

        Konkurrenzangst und –druck ist Selbstbehauptung.

        Der Burnout des Leistungswahns ist Selbsterfahrung.

        Unselbstständigkeit ist Selbstverantwortung.

        Die totale Selbstauslieferung in die freien Märkte ist Selbstbefreiung.

        Sozialismus ist der Weg in die Knechtschaft. (Hayek)

        Die katastrophale Weltmarktsituation ist die Chance, gestärkt aus der Krise hervor zu gehen.

        Sozial ist, was Arbeit schafft. (Egal zu welchem Bruttolohn!)

        „Hier steht die Statue der Freiheit!“ (Westerwelle) Und wieder bedeutet Freiheit für uns Bürger nichts anderes als marktradikale Sklaverei.

        Beste Grüße

        Gaby

      • Cato sagt:

        Danke Gaby, Deine Begrifflichkeitssammlung hierzu ist sehr treffend und eine wahrlich bedenkliche Auflistung. Das macht die Frage der Umdeutung von Kernaussagen oder Leitbegriffen sehr interessant, da sie wohl schon eine beachtliche Dimension erreicht hat. Die Lingua neoliberalis durchzieht bereits wie ein wucherndes Pilzgeflecht (Aspergillus lividus gilvus SMITH.) den medialen Alltagssprech.

        schönen Abend

  6. Taylor_two sagt:

    Guten Abend liebe Mitlesende,
    vielen Dank für Eure Bemühungen, mich über den Betriebsgewinn auzuklären. Ich will es so formulieren, ich halte eine Gesellschaft und damit auch ihre Wirtschaft für nicht überlebensfähig, wenn sie nicht in der Lage ist Gewinn durch den Absatz ihrer Produkte zu machen sondern durch Absenkung der Löhne unter das Existenzminimum.

    mfg

  7. Thomas Müller sagt:

    Hallo,

    wer die Macht hat, nutzt diese auch!! Einige Menschen sind halt so.

    Wir müssen uns besser organisieren und uns nicht gegen einander ausspielen lassen!! Was habt Ihr für Vorschläge zu diesem Thema?

    Gruß

    Terra

  8. Gaby sagt:

    Guten Abend, Thomas Müller und Portalvisitors,

    wie wäre es denn, wenn wir entsolidarisierten Gesellschaftsatome bei den nächsten Kommunalwahlen und der in weiter Ferne liegenden Bundestagswahl einfach mal „Die Linke“ wählen. Das muss ja nicht aus Überzeugung sein, der Wahl kann ja auch Protestverhalten gegenüber den übrigen Parteien zugrunde liegen. Das wäre doch mal ein deutliches Signal ans politische Establishment, oder nicht?

    Ja, ich weiß, jetzt kriechen die vielen Kritiker aus ihren Löchern und schwurbeln: „Nee, nee, geht nich’, wollen ja keinen Kommunismus, wollen wir nüscht haben!“ und diese Pseudo-Kritiker vergessen dabei völlig, dass wir uns in einer kunterbunten Parteienlandschaft befinden, aus der ganz bestimmt kein Diktator Gysi erwächst.

    Gaby

  9. Thomas Müller sagt:

    Hallo Gaby,

    habe leider früher immmer CDU gewählt, aber seit ich mir unsere Welt aus einem anderen (den richtigen) Blickwinkel anschaue, wähle ich die Linke.

    SPD hat nach der Hartz 4 – Regelung auf Lebenszeit verschissen.

    Gruß

    Thomas

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