1920

global news 1920 21-02-10: Wird Deutschland ein Land der Hilfsarbeiter?

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9 Responses to 1920

  1. tomo sagt:

    Die immerwährende Hochqualifitiertenlüge geht weiter. Wenn man die Diskussion, wie ich, seit Jahren verfolgt, wird eines klar. Warschau bildet nicht mehr und bessere Fachkräfte aus… die sind einfach billiger, daher qualifizierter.

    Apropos Qualifikation, diese scheint nur noch Nebensache zu sein. Die DIHK trommelt seit Jahren um Fachkräfte aus dem Osten, nicht nur um die, sonder auch um Lehrlinge aus dem Osten. Zitat Originalzitat vom Präsidenten der Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vom 7/2008 . „Hier hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht, denn auch Azubis oder Facharbeiter (aus dem Ausland) werden dringend in Deutschland gebraucht“….
    hier schließt sich der Kreis mit der Behauptung“.. der Pisa-Studie, liege Warschau vor Berlin.“ und „Er fordert eine Bildungsreform. Deutschland müsse mehr Ingenieure und andere Akademiker ausbilden.“ der „CEPS“. Durchsichtige Propaganda, für sehr viele nicht einfach druchschaubar. Go east, go cheap.

    Man senkt den „Mindestlohn“ für hochqualifizierte Ausländer von ca. 87.000 Euro Brutto/Jahr auf 64.000 Euro, im weiteren wird es eine Senkung auf 35.000 Euro umgesetzt. Wieso wandern so viele Hochqualifizierte aus Deutschland aus? Wirbt man so Fachkräfte an? Was hat das mit Quailfikation zu tun? NICHTS.

    Der Anteil der arbeitslosen Akademiker beträgt um die 10%. Gestern gab es einen schönen Artikel in der SZ über die Überqualifizierung. 19% der Absolventen gelten als überqualifiziert und machen zwangsweise Jobs für die sich der Aufwand eines Studiumd nicht gelohnt hat. In der Gesamt-EU sogar 25%. Das ist die Wahrheit.

    • globalnote sagt:

      @tomo,

      Ihre Argumentation zum deutschen Bildungssystem ist mir viel zu pauschal. Deutschland schafft es ja nicht einmal, ausreichend Normalqualifizierte auszubilden. Die Bildungsfinanzierung ist ein Riesenproblem und „ohne nichts ist nichts“. Und alles hängt viel zu sehr vom finanziellen und gesellschaftlichen Status der Eltern ab.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • tomo sagt:

        @Herr Jahnke,
        meine Argumente sind nicht pauschal, sie haben Hand und Fuß, wie man so schön sagt.

        Wenn man das X% BIP von Polen mit dem von x% von Deutschland vergleicht, dann sollte man doch reale Zahlen benutzen um die tatsächlichen Ausgaben zu vergleichen! Das BIP von Polen beträgt um die 330 Milliadren Euro, das deutsche BIP ca. 2 Billonen. Rund das siebenfache. Polen gibt 5,7 % vom BIP (also 330 Milliadren), also etwas über 18 Milliaden Euro aus. Deutschland hingegen gibt 4,8% vom BIP (von über 2000 Milliarden) also aus 96 Milliarden aus. Stellt man diese Zahlen gegenüber und berücksichtigt auch noch dabei das Polen, großzügig gerechnet, die Hälfte der Einwohner Deutschlands hat, ergibt sich folgendes Bild.Tatsächliche Ausgaben in Euro:

        Bildungsausgaben Polen 18 Mrd. Euro
        Bildungsausgaben Deutschland 90 Mrd Euro

        Auch wenn man die polnische Bevölkerung verdoppelt, um auf die Bevölkerungszahl von Deutschland zu kommen, würden sich in dieser Relation Ausgaben um die 36 Mrd Euro bewegen.

        Also 36 Mrd.Euro Polen vs. 90 Mrd Euro Deutschland („bereinigt“).

        Das heisst das Deutschland REAL mehr als das doppelte an Bildunsausgaben hat als Polen. Da sollten die %vom BIP nicht einem die Sicht nehmen.

        „Deutschland schafft es ja nicht einmal, ausreichend Normalqualifizierte auszubilden.“
        Gerade deshalb wird seitens der DIHK immerwider zyklisch nach Azubis aus dem Osten gerufen? Wie deuten Sie die permanente Forderung, dass man sich Azubis aus zB Polen wünscht? Mit welchem Hintergrund sind diese Aussagen getätigt worden? Ist es denn tatsächlich so, dass man es *hier* nicht schafft hier die jungen Leute auszubilden? Aber gerade *hier* wird nach den jungen Menschen aus dem Ausland gerufen. Wieso?

      • globalnote sagt:

        @tomo,

        Da muß ich Ihnen doch noch mal widersprechen, weil wir sonst an einander vorbei diskutieren:

        In meinem Rundbrief wird zunächst mal vor allem das Lehrpersonal pro Arbeitnehmer verglichen und das sagt schon eine Menge aus und hat nichts mit der Wirtschaftsleistung zu tun. Der Vergleich mit Polen ist hier völlig korrekt gewählt.

        Und dann hängen Sie sich bitte bei den Ausgaben pro BIP nicht bei Polen auf. Hier sind jede Menge andere Länder auf dem deutschen BIP-Niveau aufgeführt, von denen Deutschland dramatisch nach unten absticht. Außerdem mehrere Grafiken, die mit der Zahl der Schüler vergleichen, was gar nichts mit dem BIP zu tun hat. Vergessen Sie auch bitte nicht, wie miserabel die Immigrantenkinder schulisch integriert sind. Und wie hoch das Versagen in Deutschland bei Kindern aus der Unterschicht ist http://www.jjahnke.net/index_files/13090.gif . Es gibt einen ganzen Schwerpunkt zur Bildung http://www.jjahnke.net/bildung.html . Mit der Ausbildung Normalqualifizierter meinte ich den Schuldabschluß, den sehr viele nicht schaffen, nicht die Lehrlingsausbildung, die ja ohne Schulabschluß ohnehin meist nicht infrage kommt.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • tomo sagt:

        Kleiner Zusatz:
        „Und alles hängt viel zu sehr vom finanziellen und gesellschaftlichen Status der Eltern ab.“
        Da gebe ich Ihnen 100% Recht, Meine Freundin studiert und es wird mir jeden Tag klar, dass wir mittels unserer sehr schlechten finanziellen Situation einen echten Kampf führen müssen. Das muss man erleben, um zu wissen, wie das so ist.

      • Manul sagt:

        @Tomo:
        Scharf beobachtet muss ich sagen. Dennoch muss ich für das polnische Hochschulwesen die Lanze brechen. Hier wurden nämlich bisher keine mit heisser Nadel gestrickten Reformen durchgesetzt, die die Hochschullandschaft ruiniert haben, wie in Deutschland. Gerade die Ausbildung in der MINT-Fächern geniesst in vielen Ländern deshalb einen guten Ruf und die Fachleute werden gerne genommen. Die Grundschulausbildung ist inzwischen aber wahrlich schlecht. Die staatlichen Schulen und Kindergärten sind akut unterfinanziert, so dass Eltern, die es finanziell leisten können, ihre Kinder in private Einrichtungen schicken. So wird eine gute Ausbildung immer mehr vom Portemonaie der Eltern abhängig.

        Dennoch sind die Ausführungen von Herrn Jahnke das deutsche Bildungswesen betreffend nicht falsch. Deutschland hat nämlich die selbe Entwicklung bestritten, wo es genauso von den Finanzen der Eltern abhängig wurde wie gut die Ausbildung der Kinder ist. Zusammen mit den unsäglichen Reformen der letzten Jahre wurde damit das staatliche Bildungswesen im Prinzip komplett demontiert und das ist für ein Land wie Deutschland ein geistiges Armutszeugnis, was aber mit dem politischen Willen zusammenhängt.

        Deutschland soll wohl ein Land der Hilfsarbeiter werden, der wuchernde Niedriglohnsektor und Hartz4 sind ebenfalls Symptome davon. Die entwerten nämlich massiv die schon auf dem Arbeitsmarkt vorhandenen Arbeitskräfte, die dazu gezwungen werden Stellen anzunehmen, für die sie überqualifiziert sind. Das führt nicht nur zum Lohnverlust der einzelnen Arbeitnehmer und damit verbundenen Verlust für sie Sozialkassen, sondern auch, dass sie als Fachkräfte nicht diesen Wert haben, der ihnen gebührt. Nach unten gehts nämlich heutzutage schnell, aber sich wieder hoch zu arbeiten ist eine Herkulesaufgabe.

        So wird auch das Heer der Hilfsarbeiter immer grösser, da man auch in der Berufsausbildung die schon seit Jahrzehnten vorhandenen struktrullen Probleme niemals löste. So verweigert man den jungen Menschen das Recht darauf überhaupt am Arbeitsmarkt als vollwertige Teilnehmer aufzutreten. Wer nichts gelernt hat, hat ein Problem und kann nur noch darauf hoffen über den zweiten Weg vielleicht noch etwas zu lernen und selbst hier sind die Möglichkeiten begrenzt.

  2. Cato sagt:

    Guten Tag. Im Sinne der fragenden Überschrift: Ja, das werden wir wohl. Denn genau das benötigt eine neoliberale Wirtschaft. Diese und ihre verantwortungslosen Helfershelfer in der Politik werden sich hier dadurch dem Vorwurf zu entziehen versuchen, daß sie nur in Fernost tätig seien. Die notwendigen Fachräfte sind wegen der Digitalisierung und Systemvernetzung nur noch in geringer Zahl im Wirtschafskreislauf einer bestimmten Region/Land als früher erforderlich. Da drückt man doch mal alles langfristitg nach unten. Gewinne hoch und Chancengleichheit nach unten. Klingt wie aus einem BT-Wahlprogramm.

    Würde man regionale und deshalb gesunde Wirtschaftskreisläufe erhalten, fördern und schützen, gäbe es wieder mehr Arbeitsplätze für alle Qualifikationsebenen. Es ist eine bösartige Täuschung von Teilen der Politik, daß es nur um Akademiker gänge. Nicht jeder soll und kann einen akademischen Abschluß haben, aber jeder kann einen Platz in einer solidarischen Gesellschaft haben.

    Nirgendwo steht geschrieben, daß hier künftig „gedichtet und gedacht“ werden muß. So viel Lyrik ist unter Neoliberalen sowieso oft unbequem.

    Besonders arg wird es wohl jene Bundesländer treffen, wo eine frühe Selektion (ja richtig gelesen, dieses bedeutungsschwere Wort wird dafür verwendet) ab der 4. Klasse betrieben wird. Da verballert man Jahr für Jahr jungen Menschen (vorrangig Jungen, durch eine sich geschlechtsdiskriminierend auswirkende Auswahl) einen chancenreicheren Bildungsweg. Die sogenannte Durchlässigkeit der Schulformen ist formell gegeben, wird aber praktisch wenig wahrgenommen (geringe Zahlen). Was man da so alles zu hören bekommt, wenn ein Schüler später aufs Gymnasium wechselt, weil er sich in der Realschule nach oben gearbeitet hat. Diese Vorbehalte sind oft keine Unterstützung für den Jeweiligen. Gleichzeitig entwertet man im öffentlichen Ansehen die Realschule und Berufsabschlüsse.

    Wie sollen eigentlich „allseits bereite“, „höchstflexible“ und „hoch motivierte“ arbeitende/arbeitsbereite Eltern die erforderliche Zeit für Ihre elterliche Erziehungsarbeit finden? Sie sind keine Maschinen sondern Menschen mit endlichen Kräften. Wenn dann der Verlauf der Schulkarriere ihrer Kinder problematisch wird (Schulverweigerung, vorzeitiger Schulabbruch, Abbruch der Lehre), ist es natürlich immer die alleinige Schuld des Elternhauses und nie die staatlich organisierten Zustände. Nicht jedes Kind schüttelt es aus dem Ärmel und gerade sensible Kinder leiden unter Druck und Mobbing durch Erwachsene und Gleichaltrige. Deshalb ist Unterstützung durch Eltern an erster Stelle notwendig. Wie läßt man das zu? Den Betroffenen bleibt, sofern man es nicht hinter deren Rücken ausspricht, oft das Wort im Halse stecken. Die gesellschaftspolitische Impertinenz von manchen Amtsträgern kennt kaum Grenzen. Keine Fiktion sondern selbst erlebt.

    Wer Eltern ihre Zeit zur Erziehung und Familie im Allgemeinen durch Öffnungszeiten bis 22 Uhr und möglichst noch am Sonntag stehlen wollte und will, setzte diese fatale Entwicklung in Gang. Es sind immer die gleichen Täter gewesen.

    Natürlich gibt es Eltern, die für den Schulverlauf ihrer Kinder kaum Interesse oder wenig Zeit aufbringen. Wären wir ein an den gesicherten Menschenrechten orientierter Sozialstaat, hätten wir familiengerechte Arbeitsprozesse überall, wäre also die Zahl dieser Eltern geringer.

    Eine Buchempfehlung von einem, der es gut beurteilen konnte (Die Schulkatastrophe Schüler brauchen Lernfreude statt Furcht, Zwang und Auslese): http://www.prof-kurt-singer.de/index.htm

    Danke Herr Professor Singer für Ihr großartiges Vermächtnis zu Demokratie und Schule. Ihre Beiträge sind alle nachdenkliche Wegmarken und dringende Mahnung für uns!

    Ich habe seinen Tod erst heute mitbekommen. Diese Nachricht tut mir sehr weh. Er hatte mir ohne es zu wissen und ohne mich zu kennen sehr geholfen.

    Cato

  3. Taylor_two sagt:

    @Dr. Jahnke
    Guten Abend Dr. Jahnke,
    ich folge Ihrer Argumentation. Ihre Grafiken zeigen sehr schön die Unterschiede in den Ländern auf. Meine These, wenn die systematische Zerstörung des Bildungssystems so weitergeht, wird Deutschland den ökonomischen Wettbewerb – mit großen Verwerfungen seiner Gesellschaft – verlieren. Diese Ansicht wird bestärkt durch die Tatsache, daß Deutschland es nach der Wende geschafft hat, die gesamte wissenschaftliche Elite der DDR zur Unwirksamkeit zu verdammen. Das Resultat dieser Entwicklung trägt ebenfalls zum erbärmlichen Zustand des gegenwärtigen Bildungswesens bei.
    Hier ein Beispiel zur Illustration

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0213/magazin/0310/index.html

    Beste Grüße

  4. heiner sagt:

    Zum Thema:
    http://www.wiso.uni-koeln.de/finanzfors/pdf/Wachstums-und-nachhaltigkeitswirksame-oeffentliche-Ausgaben-WNA.pdf
    Die Langfassung: Monatsbericht/Bundesfinanzministerium/3/2004
    Das Fazit der Langfassung von Töhne ist die gleiche wie von Herrn Jahnke(vielleicht nicht in Richtung Hilfsarbeiter, aber:die Richtung!! die WNA Ausgaben des Bundes haben sich seit 1975 fast halbiert!!
    MfG

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