1919

global news 1919 23-02-10: Eingetrübtes Geschäftsklima: Was ist da überraschend?

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8 Responses to 1919

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Dass die Antwort-Experten vor lauter Minuswachstum aufs Wetter kommen statt auf den Hundt, ist nicht verwunderlich, denn das Institut für Dauer-La-Olas im freien Fall der Wirtschaft ist ja das einzige deutsche reelle Klima-Forschungsinstitut: eben des Geschäftsklimas. Aber eben auch nicht des Geschäftswetters. (Werbespot des Dreiwetter-Business-Index-Froschs: „Frankfurt; 14 Uhr: der Nadelstreifenanzug sitzt!“)
    Sinnfreiheit für die Welt der ökonomischen Begriffe ist ein demoskopischen Grundrecht.

    „Denn das Wort ist wahr, dass ein Extrem regelmäßig das entgegengesetzte Extrem auslöst. Das gilt so beim Wetter, in unseren Körpern und erst recht bei den Staaten.“ Sokrates
    😉
    MfG

  2. Gaby sagt:

    Halloli in die Runde,

    bei uns gab es gestern eine Abteilungsrunde. Der Chef hat keines der neuen Entwicklungsprojekte genehmigt mit den Worten: „Die Geschäftsleitung und ich sehen keine Perspektive. Entwicklungstopp für die nächsten 12 Wochen. Dann sehen wir weiter.“

    Joh, das hat große Verwunderung und unter den Entwicklern Entsetzen ausgelöst. So etwas gab es noch nie! Und jetzt ist jeder am Grübeln, was das wohl zu bedeuten hat. Die Gerüchteküche brodelt und der Betriebsrat kann sich vor Anfragen um die Zukunft der Firma nicht mehr retten.

    Ich habe schon einmal geschrieben, dass mein Arbeitgeber Produkte herstellt, die als Compounds Eingang in alle möglichen Consumer Goods finden und zwar weltweit. Wenn es einen echten Aufschwung gäbe, würden wir es sofort am Umsatz merken.

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Abend. Ist ja mal wirklich eine sehr bedauerlich eingetrübte Geschäftsaussicht bei Euch. Von denen, die ifo sonst befragt. Im Normalfall ist F&E der Bringer für die Zukunft der Arbeitsplätze und eine Dauerveranstaltung. 12 Wochen Pause ist ja nicht nur unsinnig – was für einen betriebswirtschaftlichen oder Marketingeffekt oder Kreditwürdigkeitsfaktor oder Kundenbindungsfaktor soll das bringen, auch wenn MA ohne Gegenleistung bezahlt werden?

      Vermutlich gehört Euer Unternehmen einem Hedgefond, dem die Ex-Familieninhaber (auch die MA) verkauften. Sags durch die Blume. ;-(

      MfG

      • Gaby sagt:

        Tja, lieber Paten,

        Du schreibst die gleichen Gedanken, die auch wir uns seit gestern machen.

        Wir (die Arbeitsstätte) sind keine AG und gehören keinem Hegdefond. Mangels Erben haben sich die alten Firmenpatriarchen Ende 1990 zurück gezogen und einen modernen Manager eingesetzt.

        Meine erstaunliche Beobachtung ist, dass mein Arbeitgeber bereits im Sommer 2008 alle Leih- und Zeitarbeiter entließ und das im Frühjahr 2008 angekündigt wurde während einer Betriebsversammlung. Da sprach der Geschäftsführer offen von einer „aufziehenden Schlechtwetterlage“. Das war lange vor Ausbruch der offensichtlichen Banken- und Finanzkrise und zu einer Zeit, als das ifo-Institut noch von Aufschwung faselte.

        Das sagt mir, dass ein wachsamer Geschäftsführer instinktiv spürt und aufgrund der Zahlen aus der Controlling-Abteilung abschätzen kann, wie sich die Märkte entwickeln. Dafür braucht er offensichtlich keinen Prof. Sinn.

        Außerdem kann ja niemand überprüfen, ob die Fragebögen des ifo-Instituts tatsächlich nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt werden. Ich denke, diese Dinger unterliegen durchaus Schönfärbereien.

        Gaby

  3. Cato sagt:

    Guten Abend. Wirtschaft war zu Zeiten des guten alten Erhard „zu 50 Prozent Psychologie“. Im Zeitalter der Globalisierung haben wir uns gesteigert und erreichen fast 100 Prozent. Der Rest ist zu vernachlässigen und auch völlig sinn-entleert. Export ist out, wir sind nun Psychologie-Weltmeister geworden, somit ein dringender Fall für die Anstalt.

    Dieser Wirtschaftsprophetie fehlt die Kassandra – sie war schon ausverkauft (alles muß raus!). Diee mythische Lichtgestalt hatte mit ihren Weißsagungen wenigstens Recht, obwohl ihr keiner Glauben schenkte. Heute ist das ganz anders. Die Master of disaster in Berlin glauben fest an die Tageslosungen aus den Instituten und es tritt nichts davon ein. Was für Lichte Höhen kann man da erreichen!

    Das entwickelt sich möglicherweise zu einen völlig einzigartigen und medizinisch bisher unbekannten pathologischen Zustand: Volk und Regierung wissen in naher Zukunft nicht mehr, was Realität und was Fiktion ist. Dann endlich diktiert die Prognose allumfassend die Politik der ruhigen Kanzlerin und die früheren Regierungsansprachen nennt man nun Extrapolation und Stochastik.

    „Total recall“ war dagegen ein fast eindimensional simpler Streifen. Allerdings haben wir keinen Durchreißer wie Arnold S. unter Vertrag, dafür aber heldenhafte Terroristenbändiger, Supermütter, Retter der Meinungsfreiheit, Ritter von trauriger Gestalt und viele schweigende Lämmer.

    „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat!“ Dafür haben wir leider noch keine Umschulung.

    Euer „Malmsheimer“

  4. Gaby sagt:

    Guten Morgen, Cato und Mitlesende,

    die derzeitige Wirtschaftslage hat wohl weniger mit Psychologie als eher mit harten Fakten zu tun. In 2009 sind uns schon viele Klein- und Mittelkunden weggebrochen, entweder wegen Insolvenz oder wegen Einstellung von Produktlinien.

    Die Creditreform und andere Kreditauskunfts-Institute laufen heiß, die kommen nicht mehr nach mit Warnungen vor Wackelkandidaten. Solche Kunden werden von uns nur noch per Vorkasse beliefert oder vorsichtshalber gar nicht mehr. Das heißt, auch wenn diese Firmen produzieren wollten, können sie oft nicht, weil sie kein Bargeld haben. Das Nichtproduzieren können wirkt sich nun wiederum fatal auf deren Bilanzen aus und schwupps ist wieder einer über die Wupper, der selbstredend durch seinen Ausfall andere Betriebe ins Ungemach stürzt.

    Allein im Januar 2010 sind uns bereits drei Großkunden abhanden gekommen. Es geht jetzt um Großkunden, wohlgemerkt. Einer ist pleite, zwei andere stellen Produktlinien ein. Diese beiden kommen aus der Automobil- und Bauindustrie und haben uns bisher jährlich Millionenumsätze beschert.

    Und dann gibt es seit letztem Jahr immer wieder überraschende Zahlungsausfälle: Heute noch seriöser Kunde – morgen schon in Schieflage. Das erzeugt ein enormes Mißtrauen. So haben sich die Zahlungsbedingungen verschärft! Galt in 2008 noch, dass sich eine Firma 30 oder 60 Tage Zeit lassen konnte mit dem Bezahlen, ist das Zahlungsziel mittlerweile auf 14 Tage geschrumpft oder wurde per se auf Vorkasse umgestellt.

    Die einzige Psychologie, die ich erkennen kann, ist ein riesengroßer Vertrauensverlust unter den Geschäftspartnern, der sich so rasch nicht wird kitten lassen. Einer reißt den anderen durch irgendwelche Bedingungen oder zwingende Umstände ins Verderben. Unter Kaufleuten sind das ziemlich geschäftsschädigende Vorgänge und in gesunden Wirtschaftszeiten wären solche harrschen Verhaltensweisen undenkbar. Aus allen diesen Umständen erwächst über die Länge der Zeit Perspektivlosigkeit.

    Meine Meinung ist, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist. Und wenn wir dennoch einen guten Aufschwung erleben würden, wie soll das zerstörte Vertrauen, die gewachsene Feindschaft unter den Geschäftspartnern, geheilt werden? Am Groll untereinander wird die Wirtschaft noch lange kranken.

    Gaby

  5. Hagnum sagt:

    Moin!

    Nein,überraschend war das nun wirklich nicht.Überrascht hat mich bloß,das die statistische Flunkerei nicht noch ein wenig weiter geht.

    Aber das jetzt auch weniger konsumiert wird,macht im übrigen gar nix.
    Meine Regionalzeitung,die Fuldaer Zeitung,hat mich schon letzte Woche belehrt,
    daß jetzt der Export wieder die Konjunktur stützt,und Rettung aus China kommt.

    Laut der FZ redet schon niemand mehr über die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft.Konsum wozu?Den braucht kein Mensch.Der Export zieht wieder an,und alles wird gut..

    Grüße
    Hagnum

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