1917

global news 1917 22-02-10: Wie zahnlos sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften?

Hier zum Text

Advertisements

12 Responses to 1917

  1. Paten sagt:

    Guten Tag. Scheint so als ob mit der DDR die westdeutschen Gewerkschaften untergingen, zumindest was den Biss für flächendeckende soziale Forderungen betrifft (hiermit möchte ich nichts gegen die vielen aktiven Betriebsräte sagen, die vor Ort Rechte sichern und durchsetzen.) Wer als Gewerkschaft ab 2000 bis dato in der sPD seinen bis dahin oppositionellen Sozialpartner und nicht den nicht erklärten -gegner sah und sich im Reisebüro des Peter Hartz durch die europäischen Bordelle als Incentive Reisen gondeln ließ, selber bei sich Niedrigstlohn-Jobber anstellte und gleichzeitig öffentlich nach Mindestlöhnen rief und und ansonsten wahrscheinlich wie die noch größere U.S.-Autogewerkschaft nur noch Anhängsel der Arbeitgeber (die mit s. Bahn und sgn. Christlichen Gewerkschaften sogar selbst gesteuerte eigene Lohnquetscher-Unterabteilungen schufen)ist, veralbert seine den oberen Luxus zahlenden Mitglieder ebenso wie die sPD-Führung ihre 2010-Basis.

    Seitdem der neoliberale Paternoster mit den AN einerseits nach unten fährt, fahren die Gewerkschaftsführungen mit den AG anderseits nach oben. Es geht doch nicht an, dass sich eine Minigewerkschaft wie die der Lokführer als einzige zu einem harten Arbeitskampf durchringen konnte, gegen private Shareholder und 51% Staatsanteil in persona des überwachungswahnsinnigen Steuerverschwenders Mehdorn als ihre Sozialgegner?

    Die Zerfurchung von Flächentarifverträgen, der ostdeutsche Sonderweg, beschleunigter Sozialabstieg ALG-I und -II, ungleicher Lohn für Männer Frauen für gleiche Arbeit, Rentenbindung an Brutto (und nach Kassenlage an Netto-Löhne), allwaltende Schwarzarbeit, Export von Arbeit nach Asien u.a. gegen Import derer Dumpinglöhne zur Profitmaximierung der deutschen Konzerne, braunendem FDP-Keim nicht laut widersprechen usw. usw.

    Sie sind inzwischen die Versteher der Umverteilung und der Neoliberalisierung, Blockpartner der CDU/CDU/FDP und wunderschön zugeritten und im Zaum gehalten durch die sPD. Mehr Lohn und soziale Sicherung für Soldaten und deren künftige Hinterbliebene im globalen Kampfeinsatz! Witwen brauchen Solidarität. Für bessere Bildungschancen derer Kinder!

    Ich frage mich, ob die Arbeitnehmer denen noch glauben? Man hört die ja nicht mehr. Oder ist es nur ein Nachfragetief nach sozialer Gerechtigkeit? Fehlt der Besteller? Ist Opel-Franz der neue Typus?

    MfG

  2. Cato sagt:

    Guten Abend, Deine Aufzählung kann noch interessant ergänzt werden: http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/suedaf1.htm

    http://www.labournet.de/branchen/auto/vw/vw-hv2000.html

    Ein interessantes Beispiel wie die IG-Metall damals agiert hat und dieser sPd-Vorzeigemann in Uitenhage entschied. Bemerkenswerte Allianzen.

    Inzwischen ist hier einiges passiert, zum Beispiel Hartz-IV. Dieser Spruch müsste, obwohl sehr alt, bekannt sein: Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Spruch ist bekannt. Allerdings darf ich unterscheiden zwischen Basis und diese Basis und Ideale an allen historischen Wegmarken (Weltkrieg I, Hitler Ermächtigung, SED-Hybrid Ost, Arbeiteraristokratie West, gesetzliche Mitbestimmungsaufgabe bis Hartz-IV und neuen Militarismus in Eigenschöpfung) konstant verratender Führung. Die konservativen Parteien habe es hier einfacher, weil sie als antikommunistischer Schutzwall des Kapitals (privaten Eigentums an PM) ideologisch homogen sind mit ihrer Klientel-Basis und sich nicht proletarisieren lassen wollen, während die anderen liebend gerne sich ideologisch und materiell verbürgerlichen lassen mit allerhand Mätzchenbegründungen zur Selbstbedienung.

      Die CDU/CSU/FDP musste sich nicht ändern nach dem Mauerfall. Die sPD hätte sich mit Wegfall des östlichen -auch sozialen- Gegengewichtes auf die Verschärfung des Vorgehens des Kapitaleigentums gegen die Arbeitnehmer einstellen müssen und völlig andere Positionen zur Sicherung des Sozialstaates annehmen müssen. Offenbar war und ist selbst die Basis dermaßen entideoligisiert und bürgerlich im Sozialstaatsdenken der 60/70ger verfangen, dass sie auf dem rechten Auge für Abgrenzung und auf dem linken Auge zur Verteidigung ihrer eigenen Belange blind geworden ist. Nicht nur das, mit der neoliberalen Agenda 2010 hat sie auch noch die Dreckarbeit des Kapitaleigentums zur Umverteilung des jährlichen Volksvermögen gemacht und damit ihren Beitrag für die globale Krise heute samt deren Feedback = Abbau der Sozialstaatlichkeit ohne jede Not geleistet.

      Eine DDR-basierte Linke dagegen hat die Wurzeln der Einheitspartei (aus stalinistischer KP der sowjetischen Besatzungszone des Deutschen Reiches und deutscher sPD), die also durch die ebenfalls von außen verliehene Macht der Verfassung Alleinherrscherin war (führende Rolle rückwärts)und damit weitgehend keine der westdeutschen Wirklichkeit vergleichbare Position und Erfahrung im System Kapital-Arbeit. Die PDS war daher so was wie die Kreation der sPD eines „Superministers“ (Clement) – die Einheit der Interessenvertretung von Kapital und Arbeit: Als Vertreter der herrschenden Eliten unfähig die Interessen der Beherrschten zu vertreten. Da hilft auch kein telegener Sprechzwerg (oder zwei). Mit Machteinbindung und Verlassen des Deckungsgrabens der Opposition haben alle bewiesen, dass sie keinesfalls Interessenvertreter derer sind, denen sie sich als Wahlvolkbasis anbiedern.

      Alle Länderregierungen samt sPD und PDS und Grüne stimmten einstimmig für die von der sPD im Bundesrat am Parlament vorbei in einer Nachtsitzung eingebrachten Regelsätze, womit die alte deutsche Sozialstaatsordnung von links mit Hartz-I bis IV abgeschafft wurde. Das BVG verkündete dazu leider nichts Neues, außer dass es 16 Landesregierungen aller angeblich differenten coleurs in Tateinheit gelang ohne eine einzige Frage und unter zielstrebiger Ignoranz der Hinweise des wissenschaftlichen Dienstes und von Kommissionen des BT verfassungswidrig gesetzgebend und -ausführend zu handeln und das so gegen das grundlegende Rechtsverständnis Beschlossene auch fleißig in jeweiliger Regierungsrolle umzusetzen. Der Rest ist pure Heuchelei.
      Und so lässt man es aus Dünkel und egoistischem Besitzstreben zu, dass deutscher Sozialstaat und Volkswohlstand sich durch sieghafte Teilnahme am Globalisierungswettlauf, als ob es wieder um Kolonien geht, in künftige Generationen betreffende Schuldenberge von Staat,Ländern, Kommunen, Unternehmen und Bürgern verwandeln.

      Wenn einem Volk nichts mehr gehört außer der Fähigkeit gegen immer weniger Lohn zu arbeiten für fremde Schulden früherer angeblich dem Sozialstaatsgebot verpflichteter Regierungen, dann ändert sich die gesellschaftliche Ordnung wohl von Grund auf. Neugeborene sind vorrangig Schuldner. Und das verteidigen wir am Hindukusch? Wir brauchen dringend einen außerparlamentarischen gesellschaftlichen Dialog und neuen Kräfte, weil dieser Ort, das Parteien-Parlament, inzwischen der denkbar ungeeignetste Ort dafür scheint. Siehe fehlende Zuständigkleit für soziale Regelsätze, aber für Kampfeinsätze.

      MfG

      • Cato sagt:

        @Paten, treffender kann man es kaum formulieren. Es kommt nicht das raus, was drauf steht. Das ist wohl das Kernproblem.

  3. Cato sagt:

    …noch einer (ab Kapitel 1.3): http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/gsg.html

    Bezugnehmend auf Abschnitt 2.1 Inhaltsloser Flügelkampf im IG-Metall-Vorstand. und weiter bis Abaschnitt 2.3, sehr aufschlußreich.

    Verfall überall.

  4. Volker Hamburg sagt:

    Hallo!
    Tja, es ist vielleicht weniger die Zahnlosigkeit als die Verzahnung mit Parteien und AG- Vorständen, welche den DGB und die meisten seiner Einzelgewerkschaften an einer echten Vertretung der Arbeitnehmerinteressen hindern. Das sich Gewerkschaftler, die via Mitbestimmung zu Aufsichtsräten werden, plötzlich für Manager halten, konnte man schon oft genug beobachten… -z.B. bei VW, worauf Paten schon anspielte, aber auch Klaus Zwickels erbärmliches Verhalten im Mannesmann Aufsichtsrat, als es um Boni, u.a. für Vorstand Esser, ging sind hierfür augenfällige Beispiele. Auch werden Gewerkschaftsfunktionäre seit Jahrzehnten, von den Schreiberbatallionen der Medienkonzerne, für „moderate Abschlüsse“ und „Lohnzurückhaltung“ gefeiert. Ihr Credo ist der „Arbeitsplatzerhalt“ oder auch die „Sicherung von Arbeitsplätzen“… -damit können sie gegenüber der Basis maue Tarifabschlüsse immer wieder rechtfertigen… -sie selbst werden ja nicht danach entlohnt… -und was die Beschäftigung betrifft, ist das Ergebnis meist eh nicht messbar. Im Endeffekt haben wir in Deutschland „Staatsgewerkschaften“ die eher als demokratische Feigenblätter fungieren, denn als echte Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten. So war denn auch der „Widerstand“ des DGB gegen den Sozialstaatsverat, der SPD durch die Agenda 2010, allenfalls rituell…

  5. G. G. sagt:

    Wann hatten die dt. Gewerkschaften Zähne? Das muß vor sehr langer Zeit gewesen sein.

    Als die DDR noch existierte, hat man das westdeutsche Volk bzw. die Gewerkschaften an der langen Leine laufen lassen. Mehr nicht.

    Im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarn ist in D-Land z. B. der Generalstreik verboten. Auch daran kann man die „bissstärke oder bissschwäche“ der dt. Gewerkschaften erkennen.

  6. dmd sagt:

    Es gibt kein Gesetz in Deutschland, welches einen Generalstreik verbietet.

  7. dmd sagt:

    Soso, da gibt es also ein Gutachten, was vor 60 Jahren erstellt worden ist ( übrigens : zu beachten dabei die Herkunft des Gutachters).

    1952 gab es den §175 (Homosexualitätsverbot bei Männern!)
    Ehemänner durften ihrer Frau verbieten, arbeiten zu gehen.

    Dann gab es noch viel mehr Gutachten :

    Die Erde ist eine Scheibe (ganz alt)
    Geschwindigkeiten über 35 Km/h schaden der Gesundheit (zur Einführung der Bahn )
    Der Bedarf an Comoutern in England wird im Jahre 2000 bei maximal 50 stehen (ca. 1963)

    Es ist aber vielleicht auch ein Mentalitätsproblem.
    Ich habe mal irgendwo gelesen :
    Der Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen
    In Frankreich ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist, dagegen in Deutschland ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.

  8. Ironman sagt:

    So ein Blödsinn. Als wenn durch höhere Inflation oder höhere Steuern mehr Geld eingenommen wird. Wo soll das denn her kommen? Das Gegenteil ist der Fall. Leute werden sich immer weniger leisten können und das führt zu mehr Firmenpleiten und Arbeitslosen und weniger Steuereinnahmen. Diese sogenanten Wirtschaftsexperten sind alles Dummschwätzer!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: