1677

Gedanken zur Zeit 1677 19-02-10: Was mich manchmal bewegt

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18 Responses to 1677

  1. heiner sagt:

    @Globalnote:Ich habe 2001 das Buch von Herrn Arnim:
    Das System gelesen.400 Seiten zum Augenöffnen!!
    Nur kurz: Teil 1:Die politische Klasse schafft sich ihr eigenes System.
    Das ist bis heute so, zum Schaden des Volkes.
    Leider ist keine Änderung zu erkennen und zu erwarten.
    MfG

  2. hans-in-glück sagt:

    Es scheint ein Kennzeichen der sog. repräsentativen oder Parteiendemokratie zu sein, dass die sog. Volksvertretungen in keinster Weise weder die Struktur noch die Interessen des Volkes repräsentieren.
    Beispiel USA: der Anteil der Millionäre an der Bevölkerung liegt bei ca. 1,5%, der Anteil der Millionäre in Senat und Repräsentantenhaus zwischen 30 und 48%.
    Genausowenig spiegelt die Struktur der Bundestagsabgeordneten (Beruf, Geschlecht, Alter etc.) auch nur annähernd die (erwachsene) Bevölkerungsstruktur der Bundesrepublik wieder.
    Nun mag man darüber streiten, ob das so notwendig ist; ich denke, es würde einer Volksvertretung gut anstehen, wenn hier einigermaßen sinnvolle Proportionen herrschen würden.

    Viel wichtiger scheint mir der zweite Punkt, dass diese Leute grossteils vorher nie echte Verantwortung getragen haben, wenn sie in Führungspositionen geraten; ich nehme mal die Parteifunktionen aus – das ist keine Verantwortung, wenn die mögliche Höchststrafe der Rücktritt von der Funktion (bei vollen Bezügen bzw. Pensionsansprüchen) ist.

    Der weiterer Haupt“webfehler“ scheint mir, dass die Abgeordneten aller Vrertretungen NICHT ihren Wählern Rechenschaft legen müssen, was sie in der vergangenen Wahlperiode so alles angestellt haben – und dass der Wähler sie nicht während der Wahlperiode befragen oder zur Rede stellen kann.
    Das Wort „Stimmabgabe“ bei der Wahl erhält so einen doppelten Sinn – leider einen unguten.

    Solange niemand von den Herrschaften Angst haben muss, dass er/sie sich für sein/ihr Verhalten verantworten muss, bis hin zum Eingriff in die Pensionsansprüche (z.B. bei nachgewiesener Bestechlichkeit, Vorteilsnahme, Lobbyhörigkeit entgegen den Volksinteresssen etc.) – solange dürfen wir von den Damen und Herren „Volksvertretern“ nichts anderes erwarten als dass sie die zweite Hälfte von „Brot und Spiele“ für das tumbe Volk aufführen – und sich von diesem fürstlich dafür bezahlen lassen.

    Wie wäre es, wenn Herr WW sein soziales Gewissen entdeckt und zugunsten der H4-Empfänger seine Parteifreunde davon überzeugt, die nächsten 5 Jahre KEINE Steuern zu hinterziehen?

    • Cato sagt:

      @Hans-in-glück und die Mitlesenden:

      Natürlich kann man einen MdB anschreiben und ihn um Auskunft zu seiner Tätigkeit bitten. Ich bin mir sicher, daß die Auskünfte von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen würden, sowohl in Stil als auch im Informationsgehalt. Man mache nur das Gedankenexperiment in aktuellen Bezug auf Herrn Stroebele oder Herrn Westerwelle.
      Ich denke, daß es da auch ganz reputable Personen gibt, einen nannte ich gerade.

      Du schneidest aber mit diesem Zitat eine schon anders gerichtete Frage an:
      „…Abgeordneten aller Vrertretungen NICHT ihren Wählern Rechenschaft legen müssen…“

      Das halte ich für ein interessantes Diskussionsthema.

      Einen schönen Nachmittag wünschend

      • hans-in-glück sagt:

        @ Cato:

        Habe bereits mehrere Versuche gemacht, MdBs anzuschreiben. Oft bekommt man auch Antwort; selten vom MdB selbst (bei mir einzige Ausnahme Dr. Gysi). In der Regel Versprechungen und Bla-bla. Aber, wie Sie richtig sagen, es gibt auch (wenige) „reputable Personen“. Nur – ÄNDERN tut sich selten etwas.

        Vielleicht muss auch das gesamte Fraktions-Zwangsystem mal auf den Prüfstand gestellt werden.

  3. Gaby sagt:

    Guten Tag, Herr Dr. Jahnke,

    während der Lektüre Ihres Berichtes wurde mir eiskalt vor Schauder und Ekel.

    Prompt kam mir Franz Kafkas schaurige Geschichte „In der Strafkolonie“ in den Sinn, in der Kafka die preußisch dressierte Obrigkeitshörigkeit der Deutschen beschreibt.

    „Übrigens sah der Verurteilte so hündisch ergeben aus, dass es den Anschein hatte, als könnte man ihn frei auf den Abhängen herumlaufen lassen und müsse bei Beginn der Exekution nur pfeifen, damit er käme.“

    „Jawohl“, sagte der Offizier kopfnickend, mit starrem, nachdenklichem Blick. Dann sah er prüfend seine Hände an; sie schienen ihm nicht rein genug, um die Zeichnungen anzufassen; er ging daher zum Kübel und wusch sie nochmals. Dann zog er eine kleine Ledermappe hervor und sagte: „Unser Urteil klingt nicht streng. Dem Verurteilten wird das Gebot, das er übertreten hat, mit der Egge auf den Leib geschrieben. Diesem Verurteilten zum Beispiel“ – der Offizier zeigte auf den Mann – „wird auf den Leib geschrieben werden: Ehre deinen Vorgesetzten!“

    http://www.textlog.de/strafkolonie.html

    So ist es! Unser Urteil klingt nicht streng, denn wir ehren, trotz aller berechtigter Kritik, unsere Führungstruppe, egal ob in Politik oder Beruf, in geradezu hündischer Manier.

    Gaby

  4. Tim sagt:

    ein lesenswertes Buch zum Thema (zB bei ebay o.ä. noch erhältlich):

    „Die hohe Kunst der Korruption“ von Horst-Eberhard Richter

  5. HandaufsHerz sagt:

    @ hans-in-glück, @ Alle

    sehr gut analysiert und es stellt sich die Frage, wie werden wir diese Scheinverantwortung oder die Anspruchsmentalität der Politiker und der Finanzelite wieder los?
    Bleibt uns etwa nur noch der Wunsch, als Vater des Gedankens übrig, die wahren Intensionen zu entlarven, – eine Sisyphusarbeit in Anbetracht der Tatsache, dass die dekadenten Mainstream-Medien ihren Aufklärungsauftrag, als Wahrheitsmanipulationsinstrument kapitalistisch missbrauchen.

    Wir brauchen keine personifizierten Regierungsgottheiten, oder Finanzgottheiten.
    Wir brauchen eine ständige demokratische Entscheidungsfindung, bei der eine erfahrungsbasierte Verantwortung als Maß dient.

    Aber diese FDP-Ministerbubies geben das nicht her!!!

    Grüße
    Gisela

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Ja, mehr Mitwirkung und Report. Aber wie „ständig“ denn? Villeicht hilft es ja schon, wenn man die Verwendung der Haushaltseinkommen in den lokalen Budgets von Bürgerzustimmung abhängig macht. Und die direkte Wahl von Sheriff und Bürgermeister und deren Gehalt scheint in den USA die Volksverbundenheit der abhängig Gewählten zu erhöhen.

      MfG

      • hans-in-glück sagt:

        Sehr gute Vorschläge; bin mir nicht sicher, ob das reicht; denke wir sollten versuchen, massvoll weiter zu gehen.

        Wie wäre es mit Rechenschaftslegungen vor den Wählern des Wahlbezirkes, sagen wir alle drei Monate, das Ganze öffentlich im Internet übertragen, mit der Möglichkeit per email Fragen zu stellen; abschließend eine Abstimmung der life und elektronisch Anwesenden, was sie von der Arbeit ihres Abgeordneten halten?

  6. Paten sagt:

    Guten Tag. Sicher sind Herkunft und dortige Erziehung als prägende Merkmale der politischen Ego-Tripler ebenfalls zu bewerten, bevor es dann in die Politik ging.

    Dr. Jahnke brachte immer mal wieder Untersuchungen zur Entwicklung der sgn. Aufwärtsmobilität, also die deutlich sinkenden Chancen der Kindergenerationen v.a. in USA und auch DE, berufliche Karrieren und Einkommen im Lebensverlauf zu erreichen, wie noch die Elterngenerationen. Gleichzeitig wird Bildung und darauf basierendes Einkommen immer mehr zur Frage elterlicher Börse, also derer früheren Chancen zur Aufwärtsmobilität (sieht man vom Erbreichtum ab) in der Aufbauphase des Systems.

    Das führt zu einem Problem, das auch viele Ostdeutsche mit der Wiederherstellung des Reichsterritoriums und dem Beitritt zum darauf befindlichen staatlichen System der BRD-I erfahren mussten: Nach 40 Jahren war alles wesentliche Vermögen verteilt und im Besitz anderer und die Überkapazitäten brauchten keinen Besitzzuwachs an Produktionsmitteln. Und das wirtschaftliche Mitbringsel wurde entwertet und abgewickelt und nicht als Vermögensanlage für die Ostdeutschen benutzt, wie im Einigungsvertrag vereinbart.

    Die Vermögensfrage war also geklärt: Auto, Chemie, Maschinenbau, Bau, Banken, Versicherungen, Groß- und Einzelhandel- alles fest in der Hand von großen Konzernen in festen bis starren Strukturen und Hierarchien, die sich selbst mit Nachwuchs versorgten und auf den diese Drohnen versorgenden wirtschaftlichen Mittelstand mit Preisdruck und Verlagerung immer mehr einschlagen und der das seinerseits mit den Belegschaften tun muss.

    Die Spirale der sozialen Abwärtsmobilität in das neoliberale Zeitalter der Shareholder vs. Niedrigstlöhner durch abhängig machende Konzentration von Produktionsbesitz und Geld.

    Gleichzeitig wurde -schon vor der Einheit- die weggebrochene Chancengleichheit bezüglich Aufwärtsmobilität mit und ohne guter Ausbildung durch den ausufernden Beamtenstaat (>6 Mio. Beamte und Staatsdiener am Ende Kohl-Ära) vertuscht. Und wirklich, die noch hohen Steuereinnahmen sicherten vergleichsweise sehr hohe Gehälter, Ansehen, Kreditwürdigkeit, Kündigungsschutz und (2008 noch erkennbar) doppelt so hohe Pensionen wie Renten des normalen Volkes. Beamtenkindern ging es besser als den anderen.

    Die mit dem Beamtenstaat aufs engste verquickte Parteienklüngel-Politik saß am Verteilungshebel der Steuergelder. Ein Eldorado für mäßig begabte Schüler und Studenten – Aufwärtsmobilität durch Dummschwätzen vom Leistungsprinzip – immer nur für die anderen, während man Richtergehälter hochjubelte, um sich dann auf Augenhöhe ebenso und mehr nach eigenem Gusto zu bedienen und seine Schwatz-Leistung für’s Gemeinwohl maßlos zu überschätzen. Da trägt man doch gerne mal die Aktentasche und kriecht ein bisschen auf den Knien.

    Und dann endlich, wenn man in höchste Partei- und Staatsämter mit permanent verbogenem Rückgrat und Hornhaut auf Zunge und Ellenbogen und sozialen Scheuklappen vor Augen und Ohren als Zäpfchen seines Herrn/Dame gekrochen ist und endlich eigene Macht hat, dann endlich erfüllt sich auch noch der kindliche Traum der Aufwärtsmobilität im wahren Leben – in der Industrie, wo man die noch mit Mama und Papa lang ersehnten Spitzenfunktionen erhält – Müller, Clement, Schröder, Kohl, Möllemann …

    Man nennt das das Dilbert-Prinzip: mangels Ausbildung, Arbeit und praktischer Berufserfahrung fachliche und durch Übungsdefizite des Leitens soziale Inkompetenz erreicht immer höhere Posten in der Hierarchie – und wird damit mit seinen selbstherrlichen unprofessionellen und unethischen Entscheidungen zum maximalen Schädling für das Allgemeinwohl und Spielball lenkender Kräfte.

    Beispiele dürften jedem wohl genug einfallen.

    MfG

  7. Elfi sagt:

    Guten Tag,
    Um das hier angesprochene Phänomen warum Menschen bezw. Parteien an der Macht ihre humanen Ideale – sofern überhaupt vorhanden – so häufig verraten, möchte ich gerne noch etwas tiefer gehen.
    Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Und das Sein eines Individuums beginnt in den Armen seiner Mutter oder Vater ……………. Bevor wir zur Schule kommen haben wir schon eine Menge erlebt und erlernt.
    Unser Charakter – unsere soziale oder asoziale Antwort auf die Welt – hat sich in dieser Zeit geformt – als ein individuell gestaltetes Ergebnis unserer Erfahrungen mit unseren Erziehern, Geschwister, Omas, Opas, Tanten und Onkel, . Bis heute herrscht die Meinung vor: Der ist halt so – das hat er von Grossvater, Onkel, Tante u.s.w. geerbt. Genforschung hat dazu schon viel geschrieben, aber nichts bewiesen. Bewiesen ist aber dass der heutige Erziehungsstil von New York bis Japan und von Kap zu Kap unsachgemäss ist. Das lässt sich ohne Fachlatein sagen. Aber das ist ein Gedanke, der nur schwer aufgenommen wird – von uns allen auch von den Psychologen, denn er setzt das ganz tiefe Wissen vorraus, was Kinderstuben (später erst Schule und Arbeitswelt) in uns anrichten. Und wer weiss das schon bei sich selber? Die oft tägliche Kritik, der häufig ausgeübte auch sehr subtile Zwang, der oft mit „laisser faire“ abwechselt, die Nervosität und das Unverständnis vieler Eltern für die kindlichen Verhaltensweisen prägen uns. Sie hinterlassen ein Welt und Menschenbild im kleinen Heranwachsenden. Und dieses tief im Gefühl verwurzelte Menschenbild ist nicht gut. Es ist ein Feindbild – es macht weitgehend unfähig zu wirklichen Freundschaften, guten Ehen……………. Es macht unfähig zur Solidarität. Es bewirkt innerliche Kälte (siehe Westerwelle u. Co und und und wer nicht?). Es bewirkt Gleichgültigkeit gegenüber dem Nachbarn. Es bewirkt Ängste vor Menschen. Das eigene Kind kann in der Regel nicht einmal als Freund erlebt werden. Und das passiert auch Eltern, die alles besser machen wollten als ihre Eltern. Eltern wollen in der Regel das Beste für ihre Kinder. Nur wissen sie nicht was das Beste ist. Erziehhungsaufklärung täte Not in unseren Gesellschaften. Dass sie nicht wirklich stattfindet durch unsere Massnmedien hat natürlich massive politische Gründe: Gekaufte Medien! Psychologen, die aufklären könnten gäbe es – wenn auch nur wenige bisher. Aber die fristen ein Dasein in stillen Nischen und sind noch nie im TV zu sehen gewesen.
    Habe ich erst einmal in der Kindheit gelernt mich der Macht stärkerer zu beugen, vorauseilernden Gehorsam zu üben, dann werde ich (spätestens) auch mit Macht befrachtet bald einmal merken, dass es da doch irgendwo, meist – nicht öffentlich agierende, nicht sich einer Wahl stellende – noch Mächtigere gibt. Und an seine Rente und guten Ruf muss ja schliesslich jeder denken. Und und und…………….
    Wir tun uns schwer uns zu einem aufgeklärten Menschenbild und Weltbild hin zu entwickeln. Das geht nicht einfach so über den Kopf. Gefühle bestimmen unsere Gedanken. Nicht umgekehrt.
    Widerspuch werde ich ganz sicher für diese Gedanken bei fast jedem der Leser hier ernten. Das ist nur normal. Menschen gäbe es, die das Buch schreiben könnten, nur wer würde es verstehen? Es braucht doch die Erfahrung, das Erleben, die eigene Aufklärung was im eigenen Charakter los ist. und das geht nicht über Papier oder Bits. „Wenn die Ergebnisse dieser Wissenschaft einmal bekannt werden, wird kein Stein in diesen Gesellschaften auf dem anderen bleiben, die Inhalte sind revolutionär“,sagte mir einmal mitten in der 3. Welt (Kairo) eine Psychotherapeutin und Ärztin. Nur: 1. werden sie nicht bekannt unter dem Druck der heute auf Medien und Menschen lastet und 2. es wäre dann noch ein längerer Lernprozess bis das in den Gemütern sitzt. Solange werden wir wählen gehen und uns wundern warum Macht die korrumpierten Kinder dort „Oben“ korrumpiert. Und wir wie gaby sagt, sie auch noch wählen und gar bewundern.
    Elfi

  8. Cato sagt:

    Guten Tag Herr Jahnke und Mitlesende,

    ich glaube auch, daß die bisherigen Karrierewege der Anpassung zu diesem Erscheinungsbild geführt haben. Das geschah meines Eindruckes aber nicht losgelöst von Rahmenbedingungen. Die Karriereleiter innerhalb der Parteien ist lang und wird nicht umsonst als Ochsentour bezeichnet. Dafür benötigt man Zeit, die ein Beschäftigter des Verwaltungsdienstes/politischer Organisationen in der Regel besser als ein Arbeitender in der Industrie oder im Handwerk aufbringen kann.

    Es kommt hinzu, daß die für das eigene Argumentieren erforderliche Informationen bisher schneller in der Verwaltung beschaffbar waren als von außerhalb.

    Es kommt hinzu, daß in den Parteien viele Mitglieder existieren, die sich eine entsprechende Ochsentour selbst nicht antun wollen. Einige Motive sind: „ganz nah an einem Machtzentrum zu stehen“, etwas im politischen Sinne „zu erleben“, das einfache und verständliche Gefühl zu haben, „auf der richtigen Seite zu sein“. Menschen mit diesen Motiven haben selten den Willen, an dieser Stelle viel Kraft im Sinne von tatkräftiger Mitwirkung aufzubringen und sind deshalb froh, wenn Einer/Eine bei Kandidaturen die Hand hebt. Es sind nicht die Karteileichen, sondern jene, die oft bei Veranstaltungen anwesend sind aber selten irgendeinen erkennbaren inhaltlichen Beitrag leisteten („bloß nicht mit einem Wortbeitrag anstößig werden“). Auffallend ist das besonders in dem Fall, wie wenig Hände in den Versammlungen nach oben gehen, wenn es um den Vorsitz oder um ein Spitzenmandat geht und wieviel mehr Handmeldungen es dagegen bei den Beisitzerposten gibt. Diese Erscheinung spricht für sich. Die meisten sind froh, wenn sich einer/eine findet, sich einige Jahre dem Streß auszusetzen, egal ob sie persönlich für ihn/sie oder gegen ihn/sie eingestellt sind.

    Bedenken wir dabei einen Fakt. Etwas mehr 2 Millionen Deutsche sollen Mitglied einer Partei sein. Dagegen sind sicher 80 Millionen Deutsche kein Mitglied irgendeiner politischen Partei. Die Mitglieder sind demzufolge etwa 2,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Führt das zu repräsentativen Handlungsergebnissen in einer konstitutionell-repräsentativen(!) Demokratie? Warum ist es so und was sollte sich da möglicherweise ändern?

    Meiner Meinung kommt noch ein anderer und schwerwiegender Faktor hinzu. Politische Willensbildung wird in Deutschland überwiegend nur als Prozess innerhalb von Parteien (und ähnlicher Gruppierungen, z.B. FW) verstanden. Ein politischer Diskurs durch engagierte Einzelpersonen wird oft gering geschätzt und man betrachtet sie all zu oft als kuriose Außenseiter, obwohl sie nur ihr Verfassungsrecht als verantwortungsbewußte Staatsbürger wahrnehmen (individuelles demokratisches Handeln vorausgesetzt). Was ich meine, daß es an tragenden und wirkungsvollen Strukturen der Bürgerdemokratie fehlt und deshalb das Land auch organisatorisch entsprechend „gestrickt“ ist. In einigen Parteikreisen besteht sogar eine panische Angst vor Volksbegehren und ähnlichen Formen direkter Demokratie. Es fehlt bei uns an ausgeglichenen Formen des Ausgleichs!

    Mit anderen Worten, unsere gegenwärtige Demokratiepraxis besitzt nur einen Rumpfcharakter und kann mangels fehlender demokratischer Einflüsse aus der Gesamtbevölkerung so besser durch organisierte Klientelkräfte gelenkt werden. Dieser Zustand verstärkt sogar noch die Hinterzimmer-Vorgänge in der meinungsbildung.

    Der Artikel 21 vom GG sagt im ersten Absatz und ersten Satz: „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“. (bitte zweimal lesen) Dort steht nicht, daß sie die poltische Willensbildung für das Volk ausüben. Es wird von “Mitwirkung“ und nicht von Dominanz oder Repräsentanz gesprochen. Womit ist die authentische Wirkung des Volkes im Sinne GG 21(1) nun garantiert und organisiert? Petitionen, ePetitionen und Bittbriefe sind denkbar, gehen in vielen Fällen nur über den Weg zu den Abgeordneten aus den Parteien. Damit wird der Wille engagierter Menschen aus der Gruppe der 80 Millionen gefiltert und im Einzelfall behindert. Das ist mE unzureichend und inakzeptabel.

    Betracht man nun die gegenwärtige Praxis und einige im Raume stehenden Äußerungen gegen Formen der direkten Demokratie, kann man den Eindruck bekommen, daß sich gegenwärtige Praxi in der „Parteiendemokratie“ in grundgesetzwidriger Weise vollziehen.

    Das und noch mehr halte ich ebenso für Ursachen zu Gunsten des zu beobachtenden einförmigen personellen Erscheinungsbildes politischer Führungskräfte in Deutschland.

    Einen schönen Tag

    • Cato sagt:

      …muß mich gleich noch bei den Zahlen präzisieren, weil ich gerade nachschaute. Hatte alten Zahlen im Kopf.

      Mitlieder CDU: 522.944
      Mitglieder SPD: 512.520
      Mitglieder Linkspartei: 77.645
      Mitglieder FDP: 72.116
      Mitglieder Grüne: 48.163
      andere: mathematisch zu vernachlässigen

      Zusammen: aufgerundet 1,3 Millionen Parteimitglieder (Quelle: Wikipedia)

      Deutschlands Einwohner: 81,8 Millionen Einwohner

      Es sind also aufgerundet 1,59 Prozent Parteimitglieder in der Gesamtbevölkerungszahl.

      Führt das allein zu einer sich repräsentativ auswirkenden Mitwirkung? Auf welche Weise ist der Wille der anderen 98,41 Prozent angemessen berücksichtigt?

      Das macht sehr nachdenklich!

  9. ErhardsLudwig sagt:

    Gut, dass Sie dieses Thema hier ansprechen.

    Der Blick auf den Einzelnen und seinen Werdegang offenbart bereits eine ganze Menge, besonders hier für Deutschland. Ebenso die Frage nach der persönlichen Verantwortung und der Atomisierung derselben. Das Ausbleiben einer persönlichen Haftung ist bei Politikern und hohen politischen Beamten inzwischen selbstverständlich.

    Wann wird endlich Jörg Asmussen zur Rechenschaft gezogen für seine gemeinsame Sache mit Deutsche-Bank-Ackermann und anderen Vertretern der Finanzgroßwirtschaft, z. B. bei der „Deregulierung“ der Finanzmärkte in Deutschland und der Ausplünderung der Steuerzahler in Sachen Hypo Real Estate (HRE) und anderswo?

    Die Marginalisierung der persönlichen Haftung haben neben den Politikern auch und nicht zuletzt unsere angestellten Manager perfektioniert, allen voran diejenigen im Großbankenbereich.

    Folgt man Simon Johnsons Meilenstein-Artikel „The Quiet Coup“ in The Atlantic (May 2009)

    http://www.theatlantic.com/doc/200905/imf-advice,

    hat längst so etwas wie ein „stiller Staatsstreich“ stattgefunden.

    Der Blogger „Kuchentester“ war von diesem Artikel so angetan, dass er ihn spontan ins Deutsche übersetzt hat und diese eigene (nicht autorisierte) Übersetzung in seinen Blog

    http://kuchentester.blogspot.com/2009/04/der-leise-staatsstreich.html

    eingestellt hat.

    Auch Harald Schumann hat kürzlich im Berliner Tagungszentrum Urania einen entsprechenden Vortrag gehalten, dem er den von Simon Johnson entlehnten Titel „Der stille Staatsstreich“ gab. Der Tagesspiegel berichtete darüber am 20.01.2010: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Harald-Schumann-Finanzkrise-Urania;art130,3007974,4

    Ob wir nun „The Quiet Coup“ mit Der leise oder Der stille Staatsstreich übersetzen – Statsstreich bleibt Staatsstreich, und zwar auf erschreckend breiter Front in den meisten westlichen Industriestaaten. Dabei war und ist er so geräuschlos, dass nur wenige ihn bemerken und noch weniger aktiv dagegen angehen.

    Wenn es gelingt, das Bewusstsein dafür in breiter Form zu wecken, wobei das Internet gottseidank dafür einen früher nicht bekannten Rahmen bietet, wächst auch die Hoffnung auf zunehmenden aktiven Widerstand der Bürger, die sich diese Machtübernahme zum Nachteil der Gesellschaft nicht mehr länger gefallen lassen.

    Wir alle sind gefordert! Wenn wir wollen, können wir es!

  10. HandaufsHerz sagt:

    Hallo Elfi,
    ich gebe Dir rechtin dem Punkt, dass man über Erziehung Meilensteine für die (Un)Persönlichkeit eines Menschen setzt.
    Dafür müssten neue qualitative Bildungsinhalte
    und eine wirkliche Reform der Bildung her.

    Aber, ich habe nicht so viel Verständnis für die, da oben, weil ich glaube und erfahren habe, dass Eltern nicht alles falsch machen (ich habe es selbst erfahren, als Heranwachsende und als Eltern). Sie beeinflussen ansatzweise, aber die Persönlichkeitsbildung findet später autodezisiv für oder gegen die elterlichen Vorgaben statt, besonders bei den Leitfiguren unserer Tage.

    Ich stehe eher auf der Seite der Benachteiligten und Opfer, als auf der Seite der „Täter“.

    Jeder Professionelle neigt dazu den natürlichen nicht ausgebildeten Eltern jede Fehlentwicklung in die Schuhe zu schieben.

    Als entscheidendes Argument gegen eine solche Stigmatisierung erwähne ich, dass Eltern nicht ihre Brötchen an ihren Kindern verdienen, aber jeder Psychologe und Lehrer tut es.

    Eltern bekommen Kinder, weil sie einem natürlichen Wunsch der Generationserhaltung und Zukunftsbewahrung folgen, was wiederum als unprofessionell gilt.
    Als Mutter und Großmutter geht es mir dabei um das Wesentliche und nicht um die sogenannte professionelle Fokussierung auf Abweichungen.

    Gleich nach der Geburt eines neuen Erdenbürgers melden sich die patriarchalen Institutionen Kirche und Staat, deren kapitalistischen Organe und die selbsternannten Ausführer von Gottes Werk, (Finanzeliten), um sich ihren Einfluss durch Bestimmung des hierarchischen Rechtsbewusstseins zu sichern, – als da wären Kirchen, Schulen und Banken.
    Einflussnehmen und Profitieren heißt hier die Devise, – Verantwortung ist tabu.

    Mit den Auswirkungen der Einflussnahme und des Profitierens ohne Verantwortung haben sich gefälligst die „minderwertigen Nichtprofessionellen“ rumzuschlagen.

    Es gehört jede Menge Charakter und Kraft dazu, auf der Seite des natürlichen Rechts zu stehen und nicht auf der Seite der gehirngewaschenen und konstruierten Rechtshierarchie.

    Freundliche Grüße
    Gisela

    • Elfi sagt:

      Hallo Gisela,
      du schreibst:Jeder Professionelle neigt dazu den natürlichen nicht ausgebildeten Eltern jede Fehlentwicklung in die Schuhe zu schieben.

      Umgekeht hörst du auch die Eltern schimpfen auf die angeblich ausgebildeten Lehrer, die es trotzdem nicht bringen.
      Opfer sind in erster Linie, die Kinder, die Eltern, die Lehrer und zum Schluss wir alle. Mit 6-7 Jahren ist die Charakterbildung gelaufen, deshalb der Schwerpunkt bei den frühen Bezugspersonen , will man Prophylaxe betreiben. Du weisst, das hat für mich gar nichts mit Schuld oder Abschiebung von Verantwortung zu tun.
      Es geht nur um die Fakten und die Frage wie sehen, verstehen und wo ansetzen. Besonders im 1 Lebensjahr machen Eltern vieles noch richtig. Was oft dann später folgt, würde so manch einer sonst kaum noch überleben. Wie Kindheit und Erziehung verläuft, ist sehr individuell, und dennoch bleiben wir auch als Eltern Kinder unserer Zeit, wie du ja auch schreibst Kinder einer Kulur, die Zugriff hatte auf uns als Eltern und unsere Eltern und die jungen Genarationen. Es braucht ein Dorf für die Erziehung, nicht Schule oder Eltern allein können das leisten. Und genauer hinschauen sollten wir halt mal bei uns selber auch, ohne Schuldgefühle, die stören nur den Prozess des Erkennens.
      Liebe Grüsse
      Elfi

      • Gaby sagt:

        Liebe Elfi, liebe Gisela und Mitlesende,

        unser Erziehungssystem will und muss unsere Kinder und Jugendlichen in erster Linie auf unsere kapitalistische Lebensweise dressieren. Dazu gehört Pünktlichkeit, Sauberkeit, Obrigkeitshörigkeit, Flexibilität, Mobilität, Motivation, Leistungsbereitschaft, Bescheidenheit, Schnelligkeit, Egoismus, Individualität etc. pp.

        Ja, das hört sich zutiefst militärisch an, denn der Kapitalismus ist militärisch durchorganisiert. Alle im Gleichschritt marsch und alles in Massen genossen.

        Heutzutage lässt man ja nicht mal mehr Einjährige ausschlafen, sondern dressiert diese Winzlinge auf die Öffnungszeiten der Kinderkrippen. Bescheidenheit lernen sie ganz nebenbei, indem sie in einer wichtigen Phase ihrer Entwicklung auf die Mutter verzichten müssen. Und so geht das in einem fort weiter, immer härter, immer unmenschlicher.

        Von Dreijährigen, die nicht mal vernünftig Deutsch sprechen können, wird verlangt, dass sie Chinesisch lernen und es wird ihnen in kindgerechten Managerkursen spielerisch beigebracht, sich selbst erfolgreich zu verkaufen und noch erfolgreicher ein Mini-Unternehmen zu führen.

        Der Lern- und Leistungsdruck in der Schule ist so ungeheuerlich geworden, dass viele Kinder bis spät in den Abend über ihren Schulbüchern sitzen, gar das Fußballtraining oder die Musikschule wegen Zeitnot aufgeben müssen, denn für Eltern aus der Mittelschicht ist es eine Horrorvorstellung, dass ihr Kind das Abitur nicht schafft, also ein von unserem Leistungssystem aussortierter „Überflüssiger“ werden könnte.

        Leistung, Leistung, Leistung ab dem ersten Atemzug! Niemals zur inneren Ruhe kommen, niemals der Muße frönen, niemals stillstehen, immer weiter, weiter, weiter und immer im Gleichschritt. Und wenn sie erwachsen sind, wird sogar die Freizeit nichts anderes als eine verlängerte Werkbank, denn auch hier gilt Tempo, Tempo, Tempo.

        Als Erwachsene sind sie längst Gesellschaftsatome geworden, die einsam und allein nichts anderes von ihrem Leben erwarten, als Arbeit zu finden. Denn ohne Arbeit ist man nichts in diesem Land. Die Arbeit, das uns selbst verkaufen, ist unser Fetisch! Has’te nix – bis’te nix, wirst zum Sozialschmarotzer und –parasiten erklärt. Wirst depressiv, begehst Selbstmord.

        Ich verstehe nicht, warum an unserem Erziehungssystem genörgelt wird, es funktioniert doch prima, da kann doch keiner meckern. Der junge Erwachsene ist ein top angepasstes Wesen, das sich heutzutage ganz selbstverständlich als Ich-AG versteht, also als Unternehmer seines eigenes Körpers, das billig und willig in die gnadenlose Konkurrenz des Weltmarktes eintritt. Besser kann’s doch gar nicht laufen im vollkommenen Verwurstelungsprozesses des Kapitalismus.

        Bis denne,

        Gaby

      • Cato sagt:

        Ja, die Zustandsbeschreibung des Schulsystems kann ich bestätigen. Es mag bei manchen freien Trägern Ausnahmen geben, aber nur bei manchen.

        Diese merkwürdige Hamsterrad-Stimmung greift bis ins Private ein, wenn man da nicht ganz konsequent ist. Was mich aber etwas tröstet ist, daß noch nie ein Zeitgeist ewig währte.

        Wo ich Elfis Gedanken teile, ist der Einfluß der Eltern in der frühkindlichen Phase. Wer da sich nicht die Zeit nimmt oder sie einem nicht gelassen wird, kann das nie wieder an seinem Kind richtig gut machen. Das hat zwangsläufig Folgen, mal schwere mal kleine.

        Und das Verhältnis Eltern-Lehrer-Eltern. Oft mit Mißverständnissen beiderseits und mit nicht übereinstimmenden Erwartungshaltungen versehen. Aber das Faß will ich nicht aufmachen. Schule ist ein solch komplizierter Vorgang. Es gibt ein tolles Dokument zum Thema, das sehr praktisch angelegt ist. Wenn alle Schulen mit einem solchen Material arbeiten würden, hätten die Schulpartner vielleicht nur 50 % der bisherigen Diskussionen und Konflikte: http://www.bildungsdirektion.zh.ch/internet/bi/de/Direktion/planung/de/Projekte/Handbuch_SQ/download.html

        Das ist wirklichkeits- und situationsorientiert. Habe nie etwas besseres kennengelernt.

        Gruß Cato

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