1908

global news 1908 17-02-10: Wie die Deutschen in den Euro geschwindelt wurden und ihnen jetzt ein weicher Euro schmackhaft gemacht wird

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21 Responses to 1908

  1. Danke für die umfassende Auffrischung!

    Die „Art von Schwindelei“ würde ich allerdings als vorsätzlichen und fortwährenden Betrug bezeichnen.

    Ich erinnere mich auch noch ganz genau wie u.a. mit Herrn Prof. Hankel umgegangen wurde, so er auch nur ansatzweise versuchen wollte, die Gefahren zu erläutern, die darin lagen/liegen, unterschiedlichste Volkswirtschaften unter den Deckel einer gemeinsamen Währung zu zwingen UND dabei keinerlei Vorkehrungen zu treffen, aus dem Konstrukt wieder aussteigen zu können. Beschämende Momente waren das, sind es bis heute; schon damals waren die Medien auf Gleichklang und das Wort jedes Erfahrenen, Mahnenden oder schlicht Hinterfragenden wurde als ein obszöner Akt des Widerstands hinweggefegt.

    Jetzt sind sie alle Gefangene ihrer eigenen Blind- und Blödheit und können, auch wenn es der einzige Ausweg bliebe, nicht mal Griechenland entlassen. ClubMed mal ganz anders – der – wenn schon Titanic, dann 1. Klasse.

    • ErhardsLudwig sagt:

      Sie sagen es!

      An rechtzeitigen Warnungen von Expertenseite hat es hier in Deutschland wirklich nicht gefehlt. Die zweifelsfrei Mutigsten waren die vier „Musketiere“ (Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Joachim Starbatty und Karl Albrecht Schachtschneider ), die bis zum Scheitern vor dem Verfassungsgericht in vorbildlicher Weise alles in ihren Kräften Stehende getan haben, den Euro zu diesem falschen Einführungszeitpunkt zu verhindern.

      Schon weit vorher im Juni 1992 (noch vor der Ratifizierung der Beschlüsse von Maastricht) warnten 60 Wirtschaftswissenschaftler, unter ihnen Klaus Rose, Karl Schiller, Jochen Schuhmann, Friedrich Sell, Roland Vaubel und Christian Watrin, in einer öffentlichen Stellungnahme, dass die grundlegenden ordnungspolitischen, ökonomischen und fiskalischen Folgen der Währungsunion von den Vertragspartnern ignoriert würden:

      „Eine funktionsfähige Wirtschafts- und Währungsunion erfordert als Vorbedingung eine dauerhafte – über mehrere Jahre hinweg nachgewiesene – Angleichung der relevanten Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer. Eine einmalige – stichtagsbezogene – und damit mehr oder weniger zufällige Erfüllung einzelner Kriterien ist kein Nachweis der erforderlichen Konvergenz.“

      „Die ökonomisch schwächeren europäischen Partnerländer werden bei einer gemeinsamen Währung einem verstärkten Konkurrenzdruck ausgesetzt, wodurch sie aufgrund ihrer geringeren Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit wachsende Arbeitslosigkeit erfahren werden. Hohe Transferzahlungen im Sinne eines Finanzausgleichs werden damit notwendig. Da bisher noch keine Vereinbarungen über die Struktur einer politischen Union existieren, fehlt hierfür jedoch ein demokratisch hinreichend legitimiertes Regelungssystem.“

      Diese 60 Experten konnten kein ökonomisch zwingendes Argument dafür erkennen, von oben eine monetäre Einheit auf ein wirtschaftlich, sozial und interessenpolitisch noch uneiniges Europa zu stülpen. Sie prognostizierten, die überhastete Einführung einer Währungsunion werde Westeuropa starken ökonomischen Spannungen aussetzen, die in absehbarer Zeit zu einer politischen Zerreißprobe führen könnten. Sie sollten Recht behalten.

      Und im Februar 1998 haben 155 deutsche Wirtschaftsprofessoren in einem offenen Brief noch einmal verdeutlicht, warum der Euro zu früh kam und so nicht dauerhaft Bestand haben kann. Sie riefen zu einer Verschiebung der Euro-Einführung auf. (Vgl. hierzu meinen Beitrag vom 13.02.2010 zu 1902)

      Die Politik hat all diese gravierenden Argumente schon damals in den Wind geschlagen und mit allen zur Verfügung stehenden propagandistischen Mitteln bekämpft. Medien als willige Mitstreiter gab es zuhauf. Nun sind die Probleme für jedermann sichtbar und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später zum Zerfall der Eurozone führen und einem gemeinsamen Europa schaden.

      Übrigens hatte auch Axel Weber den offenen Brief der 155 seinerzeit unterzeichnet.

      • Genau so war es und genau so ist es noch bzw. noch viel schlimmer.

        Ich habe Ihre links noch einmal nachgelesen, danke dafür; sie kommen einer Zeitreise gleich, zurück, näher an das, was einmal Wahrheit genannt wurde. Es verstärkt sich das Gefühl, meines, zugegeben, daß heute die Medien wirklich perfekt gleichgeschaltet sind, mehr noch als sie es damals, vor gerade mal 10, 15 Jahren, waren. Nehmen Sie noch die Berichterstattung „Westerwelle“ hinzu und das, was sogenannte „Deniers“ heute anrichten können so ist eine Beschreibung mit Hilfe des Wortes Propaganda noch viel zu harmlos.

        Was einmal der Goldstandard für Währungen war das waren Objektivität und Wahrheitstreue für den Journalismus. „Sucht, so werdet ihr finden“ gilt in diesem Sumpf schon lange nicht mehr.

  2. … das sollte natürlich „ClubMed… – oder – Titanic…“ heißen. Vor lauter Ärgern fehlen einem die Buchstaben!

  3. ErhardsLudwig sagt:

    Weicher Euro – noch mehr Staatsverschuldung – Inflation zur Schuldentilgung – Blanchards Ja zu mehr Inflation

    Im System unserer substanzlosen Papiergeldwährungen haben die Staaten das zweifelhafte Privileg, ihre aufgetürmten Schuldenberge durch Inflationen abbauen zu können. Und das ohne jede Verwertung von Schuldnervermögen als Schadensbegrenzung für die Gläubigerseite. Auch dafür bereitet Blanchards IWF-Papier den Boden.

    Wir werden zukünftig nicht entweder Deflation oder Inflation erleben, sondern mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit beides, und zwar weitgehend nacheinander: zunächst eher Deflation, dann aber jede Menge Inflation.

    Letztere könnte zwar begrenzt werden, wenn die Notenbanken die zur „Rettung“ der politisch höchst einflußreichen Finanzgroßwirtschaft enorm vergrößerten substanzlosen Papiergeldmengen schnell wieder einsammeln und still legen würden.

    Die dafür nötigen Instrumente stehen ihnen zur Verfügung. Es gibt aber mindestens zwei gravierende Gründe, die zweifeln lassen, ob die Notenbanken dann wirklich die Geldmenge im erforderlichen Umfang zurückfahren werden.

    1. Eine derartige Restriktionspolitik verlangt kräftige Zinserhöhungen und führt zu Liquiditätsengpässen, die den Bankenapparat, den aufkeimenden wirtschaftlichen Aufschwung und letztlich unser gesamtes derzeitiges Wirtschaftssystem stark gefährden. Welcher Regierungs-Politiker wird dann darauf verzichten, den Versuch zu unternehmen, die Notenbank von einer solchen Restriktionspolitik abzuhalten. Auf eine regierungspolitische Unabhängigkeit der Notenbanken sollte man hier lieber nicht vertrauen.

    2. Welcher Politiker wird darüber hinaus der Versuchung widerstehen, auf die oben beschriebene und aus seiner Sicht wohl auch „elegante“ Weise die zukünftige Generation von der erdrückenden, auf übliche Weise eben nicht mehr bedienbaren Schuldenlast zu befreien? Und das alles ganz ohne jede Verwertung staatlichen Schuldnervermögens.

    Die in der laufenden Weltwirtschaftskrise massiv gewachsene Staatsverschuldung begrenzt die zukünftigen geldpolitischen Handlungsspielräume der Notenbanken.

    Schon die Zinssenkung auf Discountniveau verpufft, wenn jeder private Kreditnehmer mit Billionen an Staatspapieren konkurrieren muss.

    Noch problematischer wird es, eine heraufziehende Inflation bekämpfen zu wollen. Da die Banken ihre Bilanzen mit Staatspapieren gefüllt haben, bringt der mit kräftigen Zinserhöhungen verbundene Abschreibungsbedarf das Bankensystem ziemlich schnell wieder an den Rand des Ruins.

    Auch ist die Laufzeit der Staatspapiere im allgemeinen wesentlich länger als die Laufzeit für das bei der Notenbank zum Discountzins geliehene Fremdkapital. Finden die Geschäftsbanken keine passende Anschlussfinanzierung, müssen sie Staatspapiere verkaufen. Ein massiver Verkaufsdruck wäre katastrophal, auch für den Staat, dessen zukünftige Kreditkosten dann ins Unbezahlbare steigen.

    Sollte auch diese Blase platzen, wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende des Wirtschaftssystems, wie wir es kennen. Dies zu verhindern, müßten die Notenbanken auf die Zinserhöhung verzichten und hilflos zuschauen, wie die vorher künstlich geschaffenen Billionen in der Realwirtschaft ankommen und dort die Inflation anheizen.

    Glaubt denn noch wirklich jemand daran, die Notenbanken würden die neu geschaffenen substanzlosen Geldmengen rechtzeitig wieder einfangen können, selbst wenn sie wollten? Und keiner weiß, ob sie letztlich überhaupt wollen (dürfen).

    Die Büchse der Pandora ist geöffnet, jetzt auch beim IWF.

  4. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    vermutlich ging es zuerst darum, den größten bzw. zweitgrößten BIP-Binnenmarkt der Welt zu basteln und jetzt geht es darum, daraus flächendeckend ein Dumpinglohn-Gebiet zu ebnen, um den asiatischen Konkurrenten auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Vorgehensweise würde jedenfalls der neoliberalen Marktlogik entsprechen und die Verschuldung der PIGS diente und dient von Anfang an als Alibi.

    Nachdem Deutschland schon seit Jahren freiwillig zeigt, was ein willfähriger Dumping-Meister ist, muss es das störrische Griechenland eben fühlen und dieses Exempel wird jetzt statuiert, indem man dem Land „Beine macht“, „die Zügel kräftig anzieht“, es zum „Rapport“ zitiert (Focus) oder triumphierend erklärt, „mit aller rechtlich möglichen Brutalität [ ] das Land unter Aufsicht zu stellen, [ ] seine Souveränität zu nehmen [ ]“ (Süddeutsche).

    Das klingt in meinen Ohren wie eine Kriegserklärung. Aber ist die Vernunft der neoliberalen Betriebswirtschaft etwas anderes als die Fortsetzung des Krieges mit feineren Mitteln? Früher hat man Länder im Stechschritt und Bombengeheul erobert – heute genügt eine kleine Kommission in gemütlichen Plüschsesseln.

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Mit 2% Euro-BIP ist GRE eher unwichtig. Die 20% Welt-Transportschiffe sind Privatbesitz und die Besitzer agieren steuerfrei in London. GRE ist -aus den Plüschsesseln heraus- das Polygon der Finanzwelt. Eine erste Schießübung. Nach den Banken gehen jetzt reihenweise Staaten pleite. Da braucht es nie dagewesener Instrumentarien, die erst erprobt werden müssen, bevor man sie an den systemisch wichtigen großen Staaten ausprobiert.

      MfG

  5. Gaby sagt:

    Hallo, in die Runde,

    und während alle Welt nach Griechenland guckt und die närrischen Deutschen ihren „Kater“ behandeln, hat Horst Köhler das überaus umstrittene Netzsperren-Gesetz unterzeichnet; das Ding ist jetzt rechtskräftig, obwohl die neue Regierung per Koalitionsvertrag Abstand von diesem Zensur-Monster genommen hat.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,678511,00.html

    Nun aber bitte keine Diskussion an dieser Stelle. Ich wollte nur drauf hinweisen, was so alles im Hintergrund passiert, während wir uns Gedanken über den Euro und Griechenland machen.

    Gaby

  6. heiner sagt:

    Ich denke, entweder wird um den ersten möglichen Umfalldominostein Griechenland ein äusseres Gerüst an Versprechen und Zusagen aufgebaut(das innere müssen dann die Griechen selber leisten)(das Fundament)oder der erste Euro Dominostein fällt. Das würde dann aber katastrophale
    Auswirkungen auf die Bond Märkte haben, und auf die anderen Dominosteine in Südeuropa.Im übrigen sind ja auch die deutschen Banken und Versicherer nicht gerade mit Peanuts im dortigen Anleihemarkt involviert.
    MfG

    • Gaby sagt:

      Lieber Heiner,

      Griechenland wird per ökonomischer Schock-Therapie (siehe Naomi Klein) in den Neoliberalismus gezwungen.

      So einfach ist das, was da derzeit in Europa läuft.

      Gaby

      • globalnote sagt:

        @Gaby,

        So wie die Steuerlast dort verteilt sind, sind die schon ziemlich lange neoliberal aufgestellt. Auch hatten sie in den letzten Jahren eine stink-konservative Regierung.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Gaby sagt:

        Schönen guten Tag, Herr Dr. Jahnke,

        Ihr Einwand ist mit Sicherheit richtig, aber ich vermute, Sozial- und Lohndumping haben die Griechen bisher noch nicht in dem hohen Maße erlebt, wie die Deutschen. Diese beiden Brechstangen aus dem ökonomischen Handwerkskasten der Neoliberalen dürfte für die Griechen neu sei, oder sehe ich das falsch?

        Beste Grüße

        Gaby

      • globalnote sagt:

        @Gaby,

        Ja, Lohnreduzierungen werden neu sein. Doch die Lohnsteigerungen der letzten Jahre waren viel zu hoch und nur auf Kredit finanziert und die Lohnkürzungen sind wohl vor allem für den öffentlichen Dienst vorgesehen, wo es keinen internationalen Wettbewerb mit Dumping gibt. Daneben will die sozialistische Regierung die Reichen von der Steuerkorruption abbringen. Alles das ist eigentlich nicht typisch für die Beschreibung der neoliberalen Schock-Therapie.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Gaby sagt:

        Ach, so ist das! Da habe ich wohl etwas verwechselt, Herr Dr. Jahnke.

        Bisher dachte ich, dass Griechenlands Bilanz-Flunkereien öffentlich geworden sind und sich die gewaltigen Schuldenberge ebenso offen zeigen, sei ein beschämender ökonomischer Schock sowohl für die griechischen, als auch für die EU-Bürger und böte der EU-Kommission prompt die Gelegenheit, die Griechen neoliberal zu dressieren.

        Nun ja, gegen relativ hohe Gehälter habe ich nichts, aber wenn sie auf Pump bezahlt werden, ist das natürlich eine desaströse Luftnummer, zumal der staatliche Dienstleistungsbereich ja wohl kaum Werte schöpft, sondern von erschöpften Werten lebt, die aber nur vorhanden sind, sofern Steuern gezahlt werden.

        Ich bin ziemlich gespannt zu sehen, wie die Griechen ihr Steuer-, öffentliches Gehalts- und Korruptionsproblem in die Griff bekommen – wenn überhaupt.

        Schönen Tag noch und alles Gute,

        Gaby

      • Paten sagt:

        Guten Abend. Auch Gabys halbiertes Gehalt ist solange auf Pump bezahlt, bis alle Betriebsausgaben durch Umsatzerlöse wieder rein (refinanziert) sind.

        Im Regierungshaushalt sind aktuell >400 Mrd. € Schulden, die jedes Jahr mehr Zinsen kosten und durch immer wenige Gaby bezahlt werden müssen (weil ihre den betrieb besitzenden Chefs ja immer mehr Guido-entlastet werden sollen.)

        Damit haben wir -beliebig darstellbar- fremd finanzierte AL, Staatsdiener, ex-Staatsdiener oder aktuelle Parlamentarier, Politiker, Minister oder gar bombige Oberste Klein.

        Wenn Dr. Jahnke die hohen (>DE) Lohnsteigerungen in GRE anging, dann nur, weil diese schon zu den Zeiten = seit Anbeginn des Euro-Beitritts auf Pump erfolgten ohen jede Chance auf Rückzahlung. Gaby hat in die Unternehmenskasse gegriffen – und die ganze Gaby-Gemeinde samt umliegender Unternehmen zahlt freiwillig dafür ohne Strafe. Hurra! Du-Du.

        Insofern sind echte Kredite und erschwindelte different. Aber seit den staatlich gestützten und nie verfolgten Kreditbetrag der G-20 Eliten mit den (zunächst) subprime Hypotheken 2000-2007 in den USA scheint es egal zu sein, wer wen uns wie ums Erarbeitete betrügt. Nichts gegen ehrliche Darlehensnehmer. Außer deutsche Studenten – Bafög als künftige Arbeitsschuld ist eine Schande für eine von Bildung abhängige Gesellschaft. Woher sollen Heil, Gabriel, Westerwelle u.a. aber was davon verstehen? Gut, dass Gaby nichts wählen braucht.

        MfG

        MfG

      • Gaby sagt:

        Lieber Paten und Mitlesende,

        der erste Satz Deiner Ausführungen ist, glaube ich, der wichtigste. Du sprichst nämlich eine gewaltige Ungeheuerlichkeit unserer Marktwirtschaft an, die vereinfacht so ausgedrückt werden kann: Ein Blecheimer ist erst dann ein Blecheimer, wenn er einen Käufer gefunden hat. Solange er niemanden findet, der ihn kauft, ist der Eimer vorfinanzierte „abstrakte Arbeit“.

        Sich das vorzustellen, ist schon irre genug, aber nun wird noch einer draufgesetzt: Je höher die Produktivität eines Unternehmens und je höher die Nachfrage nach z. B. Blecheimern (Massenkonsum), desto mehr Geld muss der Unternehmer, häufig inform von Krediten, vorfinanzieren, um lagerfüllend produzieren zu können und wenn plötzlich die Nachfrage nach Eimern abreißt, bleibt er auf seinen unbezahlbaren Krediten bzw. verblechtem Geld sitzen. Nun ist der Unternehmer im Eimer, also bankrott.

        Der Moderne liegt also ein völlig anders Wirtschaften wie in vorkapitalistischer Zeit zugrunde, in der Waren meist für den direkten Gebrauch (Auftragsarbeiten) bzw. Verkauf (kleines gezieltes Angebot trifft auf kleine gezielte Nachfrage) produziert wurden.

        Mein Vater war Schreiner und Bestatter. Er wäre nie auf die Idee gekommen, wie am Fließband z. B. Fenster zu fertigen und in seine Werkstatt zu stellen, in der Hoffnung, sie würde jemand kaufen. Nein, er hat stets Aufträge seiner Kunden abgearbeitet, war sich also sicher, dass seine Ware einen Abnehmer hat. In diesen kleinen, überschaubaren Kreislauf musste er auch keine Kredite pumpen.

        Bei den Särgen verhielt es sich anders herum: Er hatte einige im Schauraum und im Lager stehen, aber er hätte niemals angenommen, dass dieses Angebot freudig freiwillige Nachfrager findet und trotz der nicht ernst gemeinten Werbung „Praktisch denken – Särge schenken“, ließ sich der Umsatz nicht auf legalem Weg steigern und illegale Wege beschritt mein Vater nicht. Der Umsatz mit Beerdigungen unterlag vielmehr klimatischen Zyklen und wurde als gottgegebene Normalität betrachtet, wohingegen ein Versiegen des künstlich erzeugten Massenkonsums ungeheure Massenpleiten und Massenarbeitslosigkeit erzeugt.

        Gaby

      • Paten sagt:

        Guten Tag. Dennoch: Auch der Herr Vater hat auf Kredit produziert, solange der Tausch Ware-Geld nicht vollzogen wurde. Entweder hat er Holz, Beschläge, Verkleidung, Strom und sein seien Arbeitskraft erhaltendes Essen bis zur Fertigstellung selbst vom Ersparten avanciert oder von der Bank Kredit oder vom Lieferanten oder von der Mutter oder Nachbarn oder vom Käufer selbst. Egal. Bis zum Verkaufserlös ist alles Kredit.

        Abstrakte Arbeit: Ist Arbeit an sich. Konkrete Arbeit ist schleifen, feilen, sägen, bohren, anmalen … Die führt , hübsch kombiniert, zu einem Produkt (Hervorgebrachtes)dieser Arbeit. Kommt das Teil dann auf den Markt und wird verkauft, wird es zur Ware: W-G. Für das erlöste Geld kauft der Verkäufer wieder irgendwas auf dem Markt ein. Jetzt ist der Zyklus Produzieren und verkaufen, um etwas von anderen Produziertes einzukaufen, beendet: W-G-W1 usw. Der Tausch ist also W-W1. In beiden verschiedenen Waren steckt konkrete Arbeit, die ihr den Tauschwert W für W1 gibt. Nur kann niemand auf W und W1 draufgucken und sagen, xW entspricht yW1 oder feilen = sägen oder anderes Abwegiges. man kommt also für das quantitative Tauschverhältnis der qualitativ verschiedenen Tauschwerte über den Vergleich qualitativ völlig verschiedener konkreter Arbeit (bohren und fräsen) zu keiner Aussage.

        Das Dilemma löst sich erst über die Feststellung, dass in beiden Waren Arbeit an sich steckt, egal wie die konkret ist. Die verschiedenen Qualitäten der konkreten Arbeit werden über deren Abstraktion, als gebe es „Die Arbeit“ (oder Das Auto), die an sich in beiden Waren steckt, qualitativ gleich- (abstrakte Arbeit)und damit für den Austausch W – W1 vergleichbar gemacht.

        Der nächste Schritt für die quantitative Bestimmung wie viel W für W1 zu geben ist, ist die Abstraktion: Wie viel abstrakte Arbeit in W gegen wie viel ebensolcher Arbeit in W1 zu tauschen wäre.

        Und da schließt sich jetzt auch dialektisch der Bogen von Konkreten zum Allgemeinen zurück zum Konkreten, wenn man für die Arbeit an sich in jeder Ware als Tauschwert einen messbaren, quantifizierbaren Maßstab findet: Die Arbeitszeit. Was auch immer konkret genagelt und gefeilt wird: es dauert seine Zeit. Die Zeitdauer wie lange abstrakte Arbeit (an sich), also egal welche, vom arbeitenden Menschen in der Produktion aufgewendet wird ist das, was in allen Waren steckt und damit wird jede qualitativ verschiedene Arbeit messbar, damit vergleichbar und damit das Austauschverhältnis erst quantifizierbar.

        Der Rest der Geschichte (Stundenlöhne, Produktivität, Wochenarbeitszeit, Urlaubszeit, Lohnfortzahlung ohne Arbeitsleistung, sämtliche Gewerkschaftskämpfe= – alles ging und geht stets um die Arbeitszeit und deren Kosten. Auch ein Westerwelle, Hundt, Sinn usw. usf. reden alle nur um Stückkosten und damit über das Bestimmunsgrecht über die vertragliche oder in Anlehnung an die Sklaverei staatlich erzwungene (ALG-II) Arbeitszeit, von der möglichst viel an die Kapitaleigner als Gewinn und nicht als Lohn abgeliefert werden soll. Zeit ist Geld.

        MfG

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Sinkt das Rating, werden auch die vergebenen deutschen Kredite viel teurer (in der Rückzahlung), was ein Wettbewerbsnachteil bis Risiko ist. Solange die deutsche Finanzanlage ein AAA-Rating hatte, brauchte die Bank hier kein Eigenkapital als TIER-1 -Kapital Rückstellen (min. 4%). Mit der Runterstufung dürften nun >300 Mrd.€ plötzlich in Europa zu besichern sein,was /25 = >12 Mrd. € Eigenkapital erfordert und serh lange binden wird. Dazu das reale Ausfallrisiko. Eineigen banken dürfte mal wieder ds Wasser bis zu HAls stehen und der weisse Ritter wird bald am EZB-Horizont der deutsch-französischen Steuerzahler mit der helfend- einnehmenden Hand winken. (Abgesehen von den griechischen -schon jetzt bad- Banken selbst).

      MfG

  7. Gaby sagt:

    Guten Abend, Paten,

    selbstverständlich hast Du Recht, wenn Du sagst, mein Vater habe kreditiert gearbeitet, schließlich musste er aus seinem kleinen Erspartem heraus die von ihm produzierten Waren vorfinanzieren, um sie dann, mit ein wenig Gewinn (Mehrwert), dem Auftraggeber auszuliefern.

    Da fällt mir eine kleine Begebenheit aus meinem Elternhaus ein, die meinen Eltern monatelang schlaflose Nächte bereiteten.

    In den 1970er Jahren mussten sie einen neuen Leichenwagen kaufen. Vater entschied sich für einen „Opel Admiral“, der im Werk für Bestattungszwecke umgebaut, also verlängert wurde und mit entsprechender Innenausstattung versehen, die gebraucht wird, Särge sicher zu transportieren. Den Eltern fehlten damals 5.000 DM, um den Wagen komplett bar zu bezahlen, denn nur Bares war für meine Eltern Wahres. Beide empfanden es als große Schande, dass sie nun gezwungen waren, einen Kredit aufzunehmen. Sie vermieden aber, zur Bank zu gehen, sondern liehen sich das Geld bei einem wohlhabenden Verwandten. Es wurde ein Vertrag gemacht und ein Zinssatz (5 %)ausgehandelt. Der Gedanke, am Bankschalter um Geld zu betteln, war für meine Eltern so beschämend unerträglich, dass sie diese Möglichkeit von Anfang an ausschlossen.

    Acht Monate zahlte Vater das geliehene Geld penibel zurück und die ganzen acht Monate habe ich meine Eltern wer weiß wie oft, ängstlich beieinander sitzend, rechnen sehen. Das gab es nie davor und nie danach!!!!!

    Nicht, dass wir ein armes Leben geführt hätten und nicht, dass meinem Vater die Schreinerei-Aufträge oder die Leichen ausgegangen wären waren der Grund für diese Ängstlichkeit. Der Grund war einzig und allein, dass die beiden Erzkonservativen von der imaginären, schlaflos machenden Sorge bedrückt waren, dem Verwandten auch nur einen Pfennig weniger monatlich zurück zahlen zu können. Meine Eltern hatten riesengroße Angst vor dieser Schande, denn einen Kredit aufnehmen zu müssen, hielten sie für ein gesellschaftliches Armutszeugnis und so wurde ich in dem Bewusstsein groß, dass Schuldenmachen ebenso schlimm ist, wie anderen Leuten öffentlich an die Haustüre zu pullern.

    Selbstredend, dass ich keine Schulden habe und nicht selbstredend, wie stark sich doch die Mentalitäten der Menschen innerhalb von 30 Jahren ändern. Heute ist „Schuldenmachen“ gesellschaftsfähig und gehört zum guten Ton. Und wohin uns das im großen Stil gebracht hat, sehen wir derzeit in der aktuell kochenden Weltwirtschaftskrise.

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Abend. Ja, da sind wieder – die kleinen netten Beobachtungen aus Gabys Umwelt, die so schön ins große Gefüge der Welt passen. So waren auch meine Eltern und Großeltern – Schulden machen nur die anderen und die sind verdächtig, weil sie nicht mit Geld umgehen können, wenn sie sich welches leihen müssen.

      Es gab bei den Großeltern noch die Sitte die Pfennige, 5er und 10er in Zigarrenschachteln zu sammeln und jede Schachtel stand für eine zukünftige Anschaffung. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“- war der Slogan.

      Aber auch die Verbraucherkredite heute haben ja nur den Zweck, die per Bankkredit an die Produzenten erzeugte Überproduktion mit mehr Kaufkraft als aktuell erarbeitet abzubauen und zu verhindern, dass die Bank den Betriebsmittelkredit mangels Umsatzes nicht wiedersieht und die Arbeitnehmer das womöglich noch durch heftiges Sparen ihrer Löhne das Bankrisiko erhöhend beschleunigen. Das endet dann wie in den USA, die ja immer vorneweg sind beim Krisengipfel vorbereiten.

      Ansonsten ist auch nicht öffentliches Haustür- Bepullern schlimm. 🙂

      MfG

  8. Lutz sagt:

    Hallo in die Runde,

    im Artikel heißt es, „Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel versprachen damals…“
    So weit ich informiert bin, waren Kohl und sein Finanzminister Getriebene, die den Euro als Preis dafür akzeptieren mussten, dass Frankreich und Großbritannien die Wiedervereinigung akzeptierten. Deutschland sollte in ein Korsett gezwängt werden, das es uns für immer unmöglich machen würde, mit dem wieder vereinigten „Großdeutschland“ die Anrainer zu erdrücken. Herr Kohl wollte die Wiedervereinigung um jeden Preis. Und den bezahlen wir jetzt.

    MfG,
    Lutz

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