1672

Gedanken zur Zeit 1672 15-02-10: Immer mehr BILD-Schutz für Westerwelle

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38 Responses to 1672

  1. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie der Herr Außenminister in eben seiner Funktion, Deutschland nach Außen zu vertreten, mit dem Rest der Welt umgeht.

    Da er ja nicht dumm ist, muß er eine „hidden agenda“, ein wahres Ziel haben; ist das die Wahl in NRW? Aber so blöd kann man doch gar nicht sein!

  2. Paten sagt:

    Guten Tag und Bravo! Mir ging es bei der zitierten Bild“lektüre“ in Gedanken genauso – seit Westerwelles rechtem General-Angriff auf den Recht- und Sozialstaat kippen die BILD-Nationalen ins profaschistische pettyfogging – eine spitzfindige (hier an der Psychologie der Werbespots orientierte) wiederholende Wortwahl, die stets untergründige Bedrohung und „Hartz-IV-Empfänger“ quasi in die neuen Juden verwandelt. Ausgerechnet per schwulem Außenminister.

    Spielt nicht mit ihren grindigen Kindern. Redet nicht mit ihnen. Kauft nichts von denen. Nehmt ihnen das Wahlrecht bevor sie euch überstimmen. Denunziert sie als Sozialschmarotzer. Verbietet ihnen die Reproduktion … Man kann es schon hören. Dresden wurde nicht Westerwelle. Die braune Seite der deutschen Macht, die die mutigen Dresdner nicht durchließen. Weil sie sich erinnerten.

    Hier nun mal die Wahl-Bedrohung in Zahlen: 40 Millionen Erwachsene haben Arbeit. 4 Millionen (v.d. Leyens Statistik) dieses Jahr nicht.

    Laut Grundgesetz haben doch Erwerbslose 10 Wahlstimmen = 40 Mio und Arbeitende 0,5 = 20 Millionen.

    MfG

  3. Gaby sagt:

    Schönen guten Abend,

    wir sind Zeugen eines neoliberalen Kreuzzuges gegen die Beleidigten und Erniedrigten des Krisenkapitalismus. Unseren neoliberalen Terrorstrategen geht die Düse – die haben Panik, weil ihre zauberhafte Geldwelt dem Koma entgegen torkelt.

    Alle neoliberalen Wirtschaftsrezepte der vergangenen Jahrzehnte haben kläglich versagt, wie sich an der wachsenden Zahl Arbeitsloser und Unterbeschäftigter in peinlichster Weise zeigt. Aber dieses Versagen will nicht eingestanden werden!!!! Vielmehr werden wir damit vertröstet, dass Arbeitslosigkeit eine „gewöhnliche Härte“ ist; sozusagen ein Naturgesetz.

    Unterdessen wird unsere Führungselite mit jedem Tag rasender vor Wut, schlägt in der widerlichsten Weise verbal um sich und trifft gezielt diejenigen Menschen, die so dreist sind, das offenkundige Versagen ihrer aalglatten Theorien in den Hungerpalästen der ARGEn zu demonstrieren. Die Wut auf die herausgefallenen, „überflüssigen Esser“ wird künftig zu immer mehr asozialen Debatten und Zwangmaßnahmen führen, ohne im Ergebnis etwas anderes zu bewirken, als den Krisenprozess zu beschleunigen.

    Gaby

  4. Cato sagt:

    Guten Tag, daß Medien als Instrument zur Verbreitung von Ideologien eingesetzt werden, muß nicht wirklich verwundern.

    Artikel 3 GG (1) „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Darin liegt eine Einschränkung, nämlich nur vor dem Gesetz! Damit definert man den Gleichheitsanspruch in der Gesellschaft nur formaljuristisch und nicht staatsbürgerlich-ethisch. Dieses klägliche Defizit im GG ist offenkundig und verhindert mM in D das Aufkommen eins Citoyen-Gedankens. Deshalb ist es für manche Journalisten leicht, sich für solchen Kampagnen nicht zu schade zu sein. Eine aus diesem Defizit fast „folgerichtige“ Entwicklung.

    Eine auch nicht ganz neue „Qualität“ hingegen ist der verdeckte Ruf nach Einschränkung des Wahlrechtes für einen Teil der Bürger. Genau dieser Gedanke, daß Transferleistung-beziehende Bürger eigentlich nicht das gleiche Wahlvotum ausüben sollten, wie die Bürger innerhalb des regulären Arbeitsprozesses ist meiner Erinnerung nach im Jahr 2008 innerhalb der Union zur Diskussion gestellt worden (http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/RCDS-Wahlrecht-CDU;art122,2536469).

    Hier wird argumentativ ein Feld bearbeitet, um in der Gesellschaft eine bestimmte Gruppe durch strukturelle Vorgaben (Wahlrecht) immer weiter in eine pejorative Lage zu bringen („Strukturelle Diskriminierung“ ist der Fachbegriff in der Soziologie).

    Zur Verfolgung eines solchen Zweckes hatte man 1951 in der Südafrikanischen Union ein Gesetz erlassen, das einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ein einschränkendes Sonderwahlrecht zuordnete. Dieses Gesetz hieß „Separate Representation of Voters Act“.
    Damit wollte man den staatsbürgerlichen Einfluss einer betroffenen Bevölkerungsgruppe auf die Gestaltung der Gesellschaft nicht nur verringern sondern auch über eingesetzte Wahlmänner beeinflussen. Dieses Mittel ist u.a. ein Kennzeichen von Rassismus. Nach Albert Memmi ist:
    „Der Rassismus […] die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.» (Albert Memmi, Rassismus, Frankfurt a.M. 1987, S.164)“,

    Siehe auch Johannes Zerger (Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81): „Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden.“

    Muß man da noch etwas komnmentieren? Ja doch noch etwas. Einer meiner Lehrer gab uns in der Schule auf den Lebensweg mit: „Sag mir wer deine Freunde sind und ich sage dir, was du für ein Mensch bist.“

    Einen schönen Abend.

  5. Volker Hamburg sagt:

    Moin, moin,…
    -dem ewigen Pennäler Westerwelle kann man seinen sozialen Autismus fast nachsehen. In der Speckschicht der alten BRD aufgewachsen, als Sohn eines Rechtsanwalts auf dessen Schoß ein Jurastudium absolviert und den Rest seines bisherigen Lebens als Parteifunktionär verbracht… da ist ein Mangel an echter Lebenserfahrung und sozialer Kompetenz zwangsläufig. Vielmehr überrascht die geistlose und primitive Form mit der er diese Kampagne führt. Vollkommen fassungslos machen einen aber mal wieder Teile der gern als „Vierte Gewalt“ titulierten Mietschreiberschaft der Konzernmedien, welche Westerwelles Ausfälle, wie die eines Tilo Sarrazin als „mutigen Tabubruch und Denkanstoß“ verkaufen… -und das nicht nur in BILD! Auch in der WELT und natürlich beim SPIEGEL, ist man sich dafür nicht zu schade…
    Aber bei den scheinheiligen Empörungsritualen über Westerwelles „Black Out“, der Hartz IV-Parteien SPD und GRÜNE wird mir ebenfalls schlecht… -haben die Sozis schon die Sprüche von W. Clement („Sozialschmarotzer“) oder ihren „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“- Müntefering vergessen? Und letzterer kam als Arbeitnehmer über die Gewerkschaft in „die Politik“… -im Gegesatz zu Westerwelle fehlt hier jenes, oben vorgebrachte, Entschuldigungsmoment! Endgültig in den Teppich beißen möchten man, wenn man Feststellt, das sich in Deutschland ein Teil von Arbeitnehmern tatsächlich von dem Geschwätz eines Politfunktionärs wie Westerwelle und den Schmiermicheln von der BLIND- Zeitung, gegen Arbeitslose in Stellung bringen lassen, anstatt zu begreifen, in welchem Boot sie wirklich sitzen… -auf Westerwelles „Sunseeker“- Yacht nämlich bestimmt nicht!

  6. Manul sagt:

    Aber auch in den Medien, die vermeintlich zumindest neutral berichten hält sich die Kritik bisher in Grenzen. Es wird so getan, als wäre die niedrige Kaufkraft und damit verbundenen niedrigen Löhne ein Naturgesetz. Dabei ist das eine Spirale, die ins Bodenlose gehen kann, wenn nicht Massnahmen ergriffen werden, die das stoppen. Und es sind Massnahmen, gegen die sich die gesamte FDP wehrt, es ist daher ein widerliches Konglomerat, der Menschen verhungern lassen würde, nur damit ihr verquertes Weltbild stimmt. Ein Weltbild, an dem aber kaum einer wirklich rüttelt und so beisst sich eben die Schlange selbst in den Schwanz.

  7. Gaby sagt:

    Hallo, Cato und Mitlesende,

    ich finde Deine Gedankengänge ausgesprochen interessant und habe darüber nachgedacht, komme allerdings zu dem Ergebnis, dass weniger unser Grundgesetz Vorschub zur Diffamierung einzelner Gesellschaftsgruppen leistet, als vielmehr die Ausdifferenzierung der „Überflüssigen“ aus der internationalen wie nationalen Betriebswirtschaft, die sich parallel auf „molekularer“, also gesellschaftlicher Ebene fortsetzt, denn unser Bewusstsein ist ein gesellschaftliches, auch von den Medien manipuliertes Produkt! Dein Lehrer hat also Recht mit dem Rat, den er Dir gab.

    Die Nähe der gesellschaftlichen Ausgrenzung zur betriebswirtschaftlichen Unvernunft zeigt sich daran, dass die Diffamierung, gar die Vernichtung der „Überflüssigen“, kein rein deutsches Phänomen ist, sondern sich weltweit in den privat- und staatskapitalistischen Staaten beobachten lässt und zwar immer dann, wenn der Kapitalismus in eine schwere Konjunkturkrise schliddert. Läuft die Wirtschaft hingegen „rund“, kommt es kaum zu verbalen Beschimpfungen und Übergriffen gegenüber Ausländern, Behinderten, Arbeitslosen und „Asozialen“. In guten Wirtschaftszeiten wird vielmehr die Solidarität und das Nationalbewusstsein beschworen. Der wahre Akteur hinter allen politischen Entscheidungen, seien sie nun demokratisch oder totalitär, ist immer der stumme „Markt“, der uns mittlerweile wie ein Naturgesetz vorkommt, dem wir uns ganz selbstverständlich zu beugen haben.

    Deshalb ist zu beobachten, dass die Justiz- und Polizeiapparate in „schlechten Zeiten“ ziemlich milde mit solch menschenverachtenden Diffamierungen umgehen, in Deutschland ganz besonders, denn vom Tatbestand des Rassismus und Antisemitismus haben wir uns nie vollständig gelöst, weil das fest verankerte Elemente unserer nationalen Tradition sind, die sich im 19. Jhr. entwickelten, als Deutschland die Transformation von der Agrar- zur Industriegesellschaft zu vollziehen begann.

    Ich verbinde die derzeitige Hetze gegen unsere Arbeitslosen also mit der eiskalt-herzlosen betriebswirtschaftlichen (Un)Vernunft, die den „verrückten Formen“ des Kapitalismus, wie Marx sie nannte, zugrunde liegt. Das Gemeinwohl ist den Auswüchsen des Marktes untergeordnet – nicht umgekehrt.

    Kurzum, wir sollten schleunigst in den Keynes’schen Medizinschrank greifen und unserer Volkswirtschaft das Fläschchen „Mindestlohn“ verabreichen, um noch wüstere Ausschreitungen gegenüber den „überflüssigen Essern“ zu verhindern. Das Lohnabstandgebot zu den Hartz-IV-Sätzen bliebe vorläufig gewahrt und würde uns eine Verschnaufpause verschaffen, indem es eine Menge sozialen Drucks aus dem brodelnden Kessel der neoliberal in die Sackgasse geführten Ökonomie nimmt.

    Und noch eins gebe ich warnend zu bedenken: Die Große Depression des letzten Jahrhunderts ist in Deutschland deshalb nicht so verheerend ausgefallen wie in den USA, weil es auf dem deutschen Land noch reichlich vorkapitalistische Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgung) gab. Dieses Element der selbstständigen Aufrecherhaltung unserer Existenz fehlt uns heute in großem Maße – vom romantischen Tomatenzüchten im Blumentopf werden wir jedenfalls nicht satt.

    Gaby

  8. Hagnum sagt:

    Moin!

    Wie sollte denn in NRW mit der bisherigen Politik Schluß sein?
    In NRW werden die Grünen Westerwelles gelben Orden ersetzen.
    Schön,daß die Gelben in NRW aus der Regierung fliegen,aber viel anders wird es mit den Grünen auch nicht.

    In mehreren Kommentaren wird schon über das zu erwartende „spannende Schwarz-Grüne Experiment“ in NRW schwadroniert.

    Grüße
    Hagnum

  9. Cato sagt:

    Guten Tag Gaby und Mitlesende,

    da gebe ich Dir völlig recht, die Ausgrenzung, Diffamierung, Differenzierung … ist eine Erscheinung, die nicht allein in Deutschland vorkommt. Da leisten offensichtlich tief verwurzelte Ressentiments den emotionalen Vorschub. Wie sicher viele andere Menschen bewegt mich die Frage, wie konnte es von Beginn der Hartz-IV-Entwicklung bis zu dieser heutigen Situation kommen. Bei diesen Überlegungen fragt man sich, wie die Stellung des Bürgers in unserer Gesellschaft überhaupt gesichert und umschrieben ist. Natürlich sind im Kern die Auswüchse eines hemmungslosen Kapitalstrebens die Ursache für die aktuelle Diskussion.

    Wenn die Sozialgesetzgebung und andere Gesetze, die den Bürger in seinen Rechten als Individuum betreffen, vom Bundesverfassungsgericht derart deutlich korrigiert wurden, wirft das meines Erachtens nicht nur Fragen zu den korrigierten Rechtsvorschriften selbst auf. Es stellt sich dann die Frage, auf welcher Grundlage eine solche gesetzgeberische Schieflage überhaupt zu Stande kommen konnte.

    Wenn ich mich nicht völlig täusche, hat das GG Verfassungscharakter. Eine solche oberste Rechtsnorm ist doch in keinem demokratischen Land nur eine Art „Justizverfassungsgesetz“ oder „oberste Verwaltungsverfahrensrichtlinie“ sondern beschreibt Normen, Regeln, Gebote, ausgewählte Verbote, die das gesamte Leben/Alltag eines Volkes im allgemeiner Form betreffen, also Staatsziele. Da gibt es juristische Aussagen im engeren Sinne und ethisch begründete Aussagen. Wir sollten stärker über solche Staatsziele diskutieren.

    Bei der uns alle bewegenden zentralen Frage, wieso Menschen in kurzer und langer Arbeitslosigkeit, arbeitende Menschen, denen man sittenwidrige Löhne gewährt (und Ergänzungsleistungen auf Antrag erhaltend) sowie Menschen mit vorbildlicher Erziehungsleistung und deshalb auf Transferbezüge der Gemeinschaft angewiesen; warum man alle diese Menschen in eine solche diskriminierende Situation kommen lässt? Ich sehe da mindestens den Bundespräsidenten zur Einflußnahme in der Pflicht.

    Die Gemeinschaft hat Möglichkeiten zur Beeinflussung ihrer Rahmenbedingungen. Das liegt mE in einer eindeutigen und auf den Menschen abgestellte Rechtslage. Wenn die sich als ungenügend erweist, das BVG handelte nun auf Antrag, muß es da ein Defizitproblem geben.

    Ich stimme Deiner Forderung nach Mindestlöhnen voll zu. Daran führt kein vernünftiger Weg vorbei. Reicht das aber zur Behebung unserer Schieflage aus? Dann bastelt man eben an anderen Umgehungsvarianten. Würde es zu diesen erheblichen Verwerfungen kommen, wenn wir im GG folgendes Gebot hätten: „Der Staat trägt gemeinsam mit der Wirtschaft zur Erfüllung des Sozialstaatsgebots und zur wirtschaftlichen Stabilität in der Bevölkerung bei“?

    • Gaby sagt:

      Guten Abend, Cato,

      vermutlich hat unsere Not damit zu tun, dass wir die soziale Marktwirtschaft neoliberal demontierten.

      Gaby

      • Cato sagt:

        …ja, wie Du es mit einem Satz sagst. Ich hoffe nur, daß wir mal an einem Punkt anfangen, die schrägen Verhältnisse zu korrigieren. Schön wäre es, wenn man mal die Menschen (ergebnisoffen) fragte, wie sich sich ihr Land als Sozialstaat künftig vorstellen und daran mitwirken lassen würde.

        schönen Abend wünscht Cato

      • Gaby sagt:

        Hallo, Cato und Portalgänger,

        ich denke, die Menschen sind recht glücklich, wenn sie von persönlichen negativen Einflüssen wie schwere Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Billigstlohn, Krieg und Hyperinflation unbeschadet ihr Rentenalter erreichen und noch ein paar arbeitsfreie Jahre ohne Altersarmut genießen dürfen.

        Unserem Gemeinwohl dienlich wäre, wenn wir ein paar Glaubenssätze wie „Wer rastet der rostet“ oder „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ über Bord würfen, denn solcher Aberglaube assoziiert in Wirtschaftskrisen ganz automatisch, dass Arbeitslose faul und träge sind und es sich auf Staatskosten „gut gehen“ lassen. Wir sollten uns bewusst machen, dass es die neoliberale „betriebswirtschaftliche Vernunft“ und der globale Konkurrenzdruck ist, die die Menschen immer billiger arbeiten lässt und zuletzt arbeitslos macht.

        Die „soziale Marktwirtschaft“ habe ich deshalb erwähnt, weil mir keine andere Epoche einfällt, in der auch ein gering ausgebildeter Mensch die reale Chance hatte, es in seinem Leben zu ein bisschen Wohlstand zu bringen und den Weg zu bereiten, dass es seine Kinder, ökonomisch gesehen, einmal besser haben.

        Um dorthin zurück zu gelangen, müssten wir rund 25 Jahre neoliberaler Entwicklung rückgängig machen und das halte ich derzeit für eine Utopie. Solange der globale Markt einigermaßen, wenn auch auf niedrigstem Niveau, funktioniert, gibt es keinen „betriebswirtschaftlich vernünftigen“ Grund, eine Kursänderung einzuschlagen, obwohl die menschliche Vernunft sehr wohl weiß, dass dringend ökonomische Korrekturen durchgeführt werden müssen.

        Viele Grüße

        Gaby

    • Paten sagt:

      Guten tag. Das BVG hat aber gar nichts und schon gar nicht deutlich korrigiert. Es hat nur die fehlerhafte Begründung der Sätze (Klagepunkt 1), nicht aber deren Höhe als Existenzminimum (Klagepunkt 2) bemängelt. Wie schon früher das Bundessozialgericht, welches schlicht gegen Klagen konstatierte, die Regierung habe das grundgesetzmäßige Recht die Sätze festzulegen, weil die Verfassung dem nicht entgegensteht oder einengende Vorschriften mache.
      Nun drückt der Niedrigstlohnsektor den Lohnabstand nach unten und schon schreit es von rechts „Sicherheitsabstand einhalten“, sprich ALG senken.

      Kurz: Für Maximalprofite und Kapitalexport gibt es keine gesetzliche Beschränkung oder Steuerpflicht, für breiten Mindestlohn keinen politischen Willen der Regierungen, das Unterlaufen der Tariflöhne per Leiharbeit und Ost-West-Gefälle der Entlohnung ist legal (außer beim Staatsapparat) und die rhythmisch erzeugten Arbeitslosen ohne Inflationsausgleich sind an die Renten ohne Anspruch auf wenigsten Inflationsausgleich gebunden und die wieder mit einem Multiplikator nach unten versehen und an die sinkenden Löhne gekoppelt.

      Durch die breite Anwendung niedrigster Einkommen wird jede ehemals sittenwidrige Ausnahme zum Normalzustand bis das ALG sittenwidrig hoch wird.

      Das Sozialbudget mit >730 Mrd. € kennt 7 Gruppen mit 28 Leistungen für Sozialtransfers, ALG ist nur eine und nicht mal die größte.

      Wenn 100% der Staatseinnahmen durch die Regierung in Budgets bei B/L/K verteilt sind und Haushaltsausgaben nur durch >400 Mrd. € Umschuldung gedeckt sind bei schon 1.600 Mrd. € Staatsschuld (67% BIP 2009) und man dann noch Steuersenkungen will und die Wachsenden Tilgungen und Zinsen von den ALG-Beziehern abknapsen will, während Tausende Milliarden im Ausland den deutschen Kapitaleigner 250 Mrd. € Zinsen und Gewinne brachten (sind keine BIP-Anteile) und laut BuBa in Frankfurt 1.400 Millionen € Derivate gehandelt wurden, den Börseneignern und Banken dei gebührendafür, dem Staat aber nicht einen %Punkt Börsenumsatzsteuer gönnen will (der das ganze Schuldenbudget sofort ins Plus ziehen würde, wie es der produktiven deutschen Arbeitsgesellschaft zusteht), dann ist es angesichts der Möglichkeiten des mit gesetzgeberischer Macht ausgestatteten BVG (der eigentliche Verfassungsschutz)die materielle Sicherung der Menschenwürde zu gewährleisten geradezu erstaunlich, dass das Gericht keinen Handlungsbedarf sieht als dümmliche Begründungen der Regelsätze durch weniger dümmliche zu ersetzen und sich Frau v.d. Leyen mit nebensächlichen -nicht für die Masse repräsentativen- Härtefällen (ALG-Rollstuhlfahrer kann Treppenhaus nicht reinigen ist aber lt. Mietvertrag verpflichtet und riskiert jetzt die Obdachlosigkeit und weiterer Schwachsinn), als Sozialministerien beschäftigt. Dafür ist der Technologie Minister für Frauen zuständig und seit Schröders 2010-Clement vetritt dieses Minsiteium gleichteitig Arbeitgeber und Arbeitnehmer (außer die staatlichen, das macht der Innenminister).

      Mindestlöhne ja- für Parlamentarier und Minister und Richter etc., die solche Zustände schufen, begünstigten und weiter ausbauen lassen. man kann sehr wohl deren nicht von Gott gegebenen Löhne an den erreichten Volkswohlstand, Gesundheit, Beschäftigungsgrad, Einkommensentwicklung etc. Koppeln.

      MfG

  10. Cato sagt:

    Guten Tag, ich habe die Aufgabe des BVG so verstanden, daß es sich in seinen vorhandenen Rahmenbedingungen, an erster Stelle das Grundgesetz, zu strittigen Rechtsnormen auf Antrag äußert. Ich habe jetzt nicht nachgeschlagen, es hat aber nach meiner Kenntnis kein Selbstbefassungsrecht, um aus eigener Ansicht initiativ handeln zu können. Es überprüft auf Antrag von dritter Seite Rechtsnormen nach Maßgabe unserer verfassungsrechtlichen Grundlagen. Zur konkreten Ausgestaltung/Anpassung/Veränderungen des Sozialstaatsprinzips sind andere zuständig, beispielsweise auch der Bundestag. Dieser und andere haben ein Initiativrecht. Deshalb kann man vom BVG nicht erwarten, daß es die Rechtslage im Detail korrigiert. Das gesetzgeberische Handeln des Bundestages sollte sich im Idealfall an den Verhältnissen im Land orientieren. „Globalisierung“ hin und her (gab es schon mit den Phöniziern), deren Vorgänge sind von Menschen gemachte Verhältnisse. Also können auch Menschen sie ebenso verändern. Meist sind das dann andere Menschen.

    Globalisierung von heute ist keine Naturgewalt sondern ein Modell zu Gunsten einer Minderheit. Um zu Formen des Miteinanders im Sinne der auch von mir ebenso geschätzen Idee einer „sozialen Marktwirtschaft“ zurückzukehren bedarf es den expliziten Willen im Land, das auch deutlich zum Ausdruck zu bringen. Wahrscheinlich will es auch eine Mehrheit so. Solange einseitige Parolen durchs Land geblasen werden, sind andere Stimmen nicht vorhanden oder in summa nicht ausreichend. OK, Herrn Jahnkes Stimme fehlt nicht und einige andere ebenso. Die sind deutlich wahrnehmbar, wenn man es hören will.

    Mein auf Initiative gerichteter Gedanke ist der, daß man sich wieder bewußt werden sollte, daß „Staat“ nicht nur Parteien oder Verwaltung heißt. Wir alle machen unseren Staat aus und deshalb sind alle unsere Meinungen in den grundsätzlichen(!) Fragen der Staatsziele wichtig und unverzichtbar. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich um Zustimmung für die globalisierungsbegünstigenden Gesetze gefragt worden bin. Mich hat hat auch niemand um Einverständnis für die Bankenzuschüsse gefragt, die ich möglicherweise mit meinen Steuern mitfinanziere.

    Die Zahlung sittenwidriger Löhne beruht auf dem betriebswirtschaftlichen Automatismus einer bestimmten Haltung, übrigens betrifft das zwei Seiten. Primär entspringt diese Haltung mE einem defizitären Menschenbild. Der arbeitende Mensch ist das Objekt und nicht das Individuum in einem ökonomischen Umfeld.

    Die andere Seite ist ein Teil vorhandener Verbraucherhaltungen, für die alles nur noch billig sein muß. Ursprünglich kurzsichtig, ein billiges Produkt kann nur von einer billigen Arbeitskraft geschaffen werden. Nicht falsch verstehen: Ich werfe keinem Menschen mit geringem Einkommen (Transferbezüge, kleines Arbeitseinkommen) eine solchen Haltung vor. Diese Menschen sind Opfer dieser Haltung und können sich zur Zeit nicht anders verhalten.

    Wichtig: Erinnern wir uns des Anfanges von der Demontage der sozialen Marktwirtschaft (da gab es noch keine Hartz-IV-Gesetze). Da tönte ein junger, möglicherweise deshalb sehr unerfahrene Herr des wellenhaften Politikgeschehens herum: „Wir benötigen mehr Wettbewerb“, „Wir benötigen ein Rabattgesetz“ und wenig später „Wir benötigen einen Niedriglohnsektor“.

    Warum eigentlich? Gab es vorher keinen Wettbewerb, und keine niedrigen Gehälter? Warum diese Forderungen? Heute kann nun jeder sehen, in wessen Interessen das geschah. Ich kann nicht erkennen, daß es im Sinne einer Sozialstaatlichkeit geschah, eher wohl einer Asozialstaatlichkeit. Letzteres ist aber nicht mein Staatsbegriff und wohl auch nicht der in der Mehrheitsbevölkerung. Ich kann mich erinnern, daß es damals primär nicht die Geringverdiener sondern die Mittel- und Gutverdiener waren, die es ganz irre, (später geil) fanden, daß man nun alles billiger bekommt, ja sogar fern von hier fertigen sollte. Die Protagonisten (nicht nur Neidgelbe, auch einige Scheinrote, Grünschnäbelige und uns Schwarzverkohlende) die diese Haltungen fahrlässig oder schuldhaft herbeigeredet haben, ihnen Gesetzeskraft gaben, scheinen an einem defizitären Menschenbild Gefallen gefunden zu haben. Sie dachten nicht wie Erwin Teufel: „Der Maßstab allen Wirtschaftens ist der Mensch“!

    Deshalb sollten die aufmerksamen Bürger stärker zum sozial-verantwortungsvollen Handeln übergehen. Zeigen wir den Neoliberalen die Rote Karte und erteilen wir ihnen Spielverbot, denn sie spielen mit vielen Menschen, deren Zukunft und einer kulturstiftenden Staatsform, der Demokratie. Sozialstaatsverantwortung und Demokratie ist kein Spielplatz für defizitäre Haltungen!

    Einen schönen Tag wünscht Cato

  11. Paten sagt:

    Guten Tag. Ich gehe mit dem Aufruf zu mehr Zivilcourage gegen die immer mehr einreißende Asozialisierung unserer gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Verhältnis und für Korrekturen auch der (Um)Verteilungsverhältnisse gerne mit. Und betrachte mal das Wahlergebnis von vor nur 5 Monaten für die nächsten 4 Jahre. Ziemlich einsamer Rufer in der Wüste. Daher ist es eine Herausforderung auf über das Infoportal eine Gegenöffentlichkeit zu bilden (im doppelten Sinne).
    Zu einigen Aspekten:
    Das BVG wurde in der Klage zur Begründung u n d zur Höhe der Regelsätze um Befassung gebeten. Es lehnt aber faktisch ab zu entscheiden, was ein Existenzminimum ist und wie es berechnet werden muss. Macht mal neu, ist die Aussage. (In DE ist übrigens jeder Richter verpflichtet Straftatbestände ihm bekannt werden Rechtsverletzungen von Amts wegen zu verfolgen.)

    Der Bundestag ist zwar mit dem Recht auf Gesetzesinitiative ausgestattet, hat aber faktisch keine Macht, auch welche anzunehmen, solange Länderinteressen und Länderfinanzen betroffen sind. Das machen dann die 16 Kronprinzen im Bundesrat alleine. Sie nahmen auch einstimmig (alle BuTa-Parteien waren dabei !) die Regelsatzverordnung eingereicht von Schmidt/Steinmeier an. Die später verfassungswidrige Verwaltungsvermischung von BAA und Kommune (Jobcenter) betraf die KdU (Kosten der Unterkunft) zahlbar durch die Kommune und damit tatsächlich reine Ländersache lt. GG und die Zahlung ALG-II: Eigentlich zentral gleich für alle und aus dem Bundesbudget Steuereinnahmen: damit reine Bundessache, also Gesetzesrecht Bundestag. Damit nicht die Linken dran erhöhend rumschrauben wurden dann eben mal schnell 90 Optionskommunen eingeführt (die zahlen dann das ALG-II wohl weil sie zu reich sind) und schon ist ALG-II raus aus dem Bundestag. Und der kann jetzt initiieren, was er will an Gesetzen, ohne OK des Bundesrats (selbst nach dem Vermittlungsausschuss), das heißt der 16 MP geht nichts. Auch hier wieder NRW-Wahl ggf. eine Schicksalsfrage für den Niedrigstlohnsektor bei ggf. sinkendem ALG-II (und dazu muss man den Rentenfaktor nach unten setzen, weshalb die Rentner Westerwelles eigentliches Ziel sind).

    Globalisierung hier bitte nicht nach Phönizien vor 5000 Jahren verlagern: Hier geht es um die heutige und uns Lebendige wirklich betreffende neoliberale Form der Globalisierung der kapitalistischen Wirtschaftsweise durch deren Hauptländer EU/DE, USA, JAPAN/CHINA. Globalisierung ist eben nicht demokratische Beschlusssache oder durch Volkswillen zu steuern. Sie ist eine Lebensbedingung des Systems. Wenn alle die durch Produktivitätszuwachs im Wettbewerb der zum Monopolismus strebenden Kapitaleigner die nationale Konsumfähigkeit ihrer Lohnempfänger (und über Steuern Transferleistungsbezieher wie Rentner, Pensionäre, Beamte, Ärzte, Richter … und AL) immer mehr übersteigenden Gütermengen, die alle auf Kredit vor ihrem Verkaufserlös produziert werden müssen, n i c h t auf fremden Märkten verkauft würden, wäre das System mangels Refinanzierung geldlich am Ende oder es hörte auf im Wettbewerb nach Profiten zu streben und bleibt in seinen nationalen Grenzen bei geringem Handelsaustauch der Überschüsse an Gütern.

    Die Zahlung sittenwidriger Löhne oder die Nichtzahlung gesitteter Löhne sind direkte Folge der neoliberalen statt mäßig-kapitalistischen Wirtschaftsweise (soziale Marktwirtschaft genannt), also maximaler Wettbewerb für maximales Profitreben durch maximale Globalisierung, welches stets ein Wettkampf besserer unlauterer Wettbewerb um die niedrigsten Stückkosten ist – MMM: Material, Maschine und Mensch darin. Und genau diese dafür notwendige maximale technologische Produktivität senkt die Stückkosten gewaltig – um den Preis der Zunahmen der Gütermenge. Relative zur nationalen Kaufkraft der immer weniger werdenden und trotz höherer Leistungskraft immer schlechter bezahlten Arbeitnehmer Überproduktion an Gütern trifft auf relativ dazu sinkende nationale Unterkonsumption bei arbeitszeitlich wachsender Unterbeschäftigung. Das treibt die Ware ins Ausland und zieht so immer mehr Länder in dieses System – zuletzt Osteuropa und dann China, was nun uns niederkonkurriert, wenn wir diesem in seinen laufenden Krisen offenkundig gescheiterten neoliberalen Freihandel nicht eindämmen. Ein paar Manager und ingenieurtechnische du wissenschaftliche Arbeitskräfte, die hochbezahlt sind, könne eine hochproduktive Hochtechnologie bedienen. Das ist die Tendenz des staatlichen Strukturumbaus begleitet von immer billigeren Dienstleistungslöhnen, der sogenannte Niedrigstlohnsektor samt ALG-II, seit der deutschen Einheit.

    Die geforderten Elemente direkter Demokratie sind unbedingt zu unterstützen, da die Tendenz der vollständigen Abschaffung des sozialen Elements der bundesdeutschen Marktwirtschaft durch die Eliten der transnational agierenden Kapital- und Finanzeigner in PPP (private public partnership) mit der noch nationalen Politik auch die Beseitigung der demokratischen Elemente zu Folge haben werden, um das ins Asozial-Inhumane mutierende System zu behalten und gegen den Volkswillen zu beherrschen. Und hier muss man aufpassen, dass nicht auch der Rechtstaat und seine obersten Gerichte zum Handlanger werden.

    MfG

  12. Gaby sagt:

    Lieber Paten, lieber Cato, liebe Mitlesende,

    Cato und Paten, ich habe Eure Beiträge aufmerksam verfolgt. Ja, ich gehe mit Euch. Ich nehme meine Umwelt ähnlich war.

    Aber trotzdem bleibt in mir die Frage unbeantwortet, welcher Umstand die neoliberale Globalisierung eigentlich ausgelöst hat. Diesem ganzen Prozess muss, nach meinem Gefühl, etwas anderes, sehr viel Größeres, Bedeutenderes zugrunde liegen, als die Öffnung Chinas in den Welthandel.

    Auch ohne China, ohne den Fall der Mauer, ohne den Untergang der Sowjetunion hätten die demokratischen Industrienationen des Westens doch schon viel früher die Möglichkeit gehabt, Lohn-, Sozial- und Ökodumping zu betreiben und die östliche Hälfte dieser Welt hätte trotzdem neidvoll auf uns geschaut und den Kapitalismus als heimlichen Sieger im Wettstreit um die beste Ökonomie, Staats- und Gesellschaftsform angesehen und trotzdem weiter existiert bis zum Exitus, den wir als Zeitzeugen in 1989 und 1991 erlebten.

    Warum lösten sich die Nationalökonomien erst Mitte der 1990er Jahre auf und sprudelten in eine scheinbare Weltökonomie, die das Etikett „Globalisierung“ trägt, wo sie doch zuvor in gleicher Weise eine westlich-neoliberal getriebene Ökonomie hätte betreiben können, die, meinem Gefühl nach, in begrenztem Rahmen ebenso funktioniert hätten, wie die heutige Globalisierung – aber eben nur in der Hälfte der Welt, der westlichen.

    Herr Dr. Jahnke, entschuldigen Sie bitte solche für Sie sicherlich naiv anmutenden Gedanken, die ich an dieser Stelle äußere.

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Sie brauchen Sich sicher nicht zu entschuldigen. Aber ich will gerne versuchen, Ihnen eine Antwort zu geben. Der Neoliberalismus ist natürlich schon eine ziemlich alte Religion. Er wurde von der Chicago Schule vor allem in Lateinamerika praktiziert, teilweise unter Einsatz des Militärs (Naomi Klein beschreibt das sehr gut). Bei uns konnte er allerdings erst Fuß fassen, nachdem das Gegenmodell in Moskau und Ostberlin gründlich demontiert war, weil nun keine Gefahr mehr drohte mit sozialer Unruhe usw. Das kam mit dem Fall der Mauer. China ist so wichtig, weil Friedman auch dort zunächst Beistand in der Einführung seiner Ideologie leistete und dann dort zum ersten Mal mit dem Riesenheer an Billigstarbeitern ein echter Verlagerungsdruck und damit auch Druck auf alle Sozialstrukturen in den alten Industrieländern aufgemacht werden konnte. Siehe hier auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=9LyMkXKDxB8

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

    • Cato sagt:

      Liebe Gaby, ich bin nicht Herr Jahnke und kann auch nicht mit einer vergleichbaren exzellenten Lebens- bzw. Berufsbilanz aufwarten. Trotzdem will ich einen kühnen wie bescheidenen Versuch einer Antwort auf Deine Frage unternehmen, die ich nicht als naiv empfinde (im Gegtenteil, von analytischer Notwendigkeit).

      Drei Gründe sehe ich:

      1. China war 1990 nicht in der politisch-gesellschaftlichen Verfasstheit, um diese heutige Rolle einzunehmen. Das bildete sich erst einige Jahre später heraus.

      2. Die neoliberalen Politikkonzepte waren 1990 noch nicht praxistauglich im Sinne heutiger Anwendungsstrategie entwickelt und hatten bis dato nur eine nationale Erprobungsdimension in einigen wenigen Ländern erlangt, die da schon etwas älter war. Es gab in D noch keine politische Kraft, die dafür alles andere über Bord geworfen hätte. In D.E.R. Partei waren damals noch Personen in Verantwortung, denen der hohe Wert von Demokratie und Sozialstaatlichkeit bewußt war, trotz wirtschaftspolitischer Präverenz. Die Erosion des rechtsstaatlichen Programmgedankens trat in der Kinkel-Periode durch eine strategische Schwächungsphase ein, die als Selbstverwirklichungschance von Anderen mit inzwischen völlig anderen politischen Zielen erkannt wurde und mangels Personalalternativen leicht umzusetzen war.

      3. Die zwei Machtblöcke vor 1989 korrelierten gegeneinander die Weltpolitik und deshalb konnte keine wirtschaftliche Globalisierung mit diesem heutigen Totalanspruch entstehen. Das hätte in die anderen Machtinteressen zu sehr eingegriffen und einen großen Konflikt heraufbeschworen.

      Grüße Cato

      • globalnote sagt:

        @Cato,

        Einverstanden. Doch dürfen wir China mit seinem hunderte Millionen Heer an Billigstarbeitnehmern nicht so zur Seite legen. Natürlich brauchte die neoliberale Globalisierung Zeit um sich auch in den alten Industrieländern zu entwickeln. Die Aufnahme Chinas in die WTO mit dem freien Marktzugang zu den Marktwirtschaftsländern selbst für ein Staatshandelsland wie China in 2001 war dann der entscheidende Schritt auf diesem Weg.

        Zweitens hatte der Washington Consensus schon 1990 die Politikkonzepte entwickelt und in der Dritten Welt praktiziert. Sie konnten jetzt nahtlos mit Liberalisierung, Privatisierung und Abbau der Sozialleistungen auf die alten Industrieländer übertragen werden. Das geschah per Reagan, Thatcher und mit Verspätung Kohl/Schröder in Deutschland.

        Nicht nur fielen drittens 1989 die Machtblöcke weg, die Staaten des „realen Sozialismus“ stürzten sich in den neoliberalen Kapitalismus als neue Heilslehre mit Deng in China, Jelzin in Rußland und den anderen Osteuropäern in der Hoffnung, so noch schneller in Nato und EU zu kommen.

        Beste Gruesse
        Joachim Jahnke

      • Cato sagt:

        Lieber Herr Jahnke,

        d’accord et très bien! Gruß Cato

  13. Cato sagt:

    @ Paten, …wir sind uns in der Situationseinschätzung völlig einig. Um ein Zitat aufzugreifen: „offenkundig gescheiterten neoliberalen Freihandel […] eindämmen“. Genau das meinte ich mit meinem Gedanken, daß das System von Menschen erdacht und geschaffen wurde und es deshalb auch von (anderen) Menschen verändert bzw. abgeschafft werden kann. Der Verweis auf die Phönizier diente nur dazu darauf hinzuweisen, daß es Fernhandel schon immer gab, dieser sich aber volkswirtschaftlich nicht ruinös bzw. binnenschädlich auswirken muß.

    Die heutige Globalisierungsideologie ist es aber und in besonders aggressiver Weise. Meiner Einschätzung nach ist sie sozialstaats- und demokratiegefährdend. Diese Tendenz resultiert aus der zunehmenden Ausbeutung und Entrechtung der Mehrheitsbevölkerung.

    Dieser Situation war in ihrem Anfangszustand noch locker beherrschbar, indem man der großen Mittelschicht irgendwelche Gewinnerszenarien („wir sind Gewinner der Globalisierung“) vorgaukelte (Phase I). In der Phase II wurde innerhalb der Mittelschicht ein Wettbewerbsdruck erzeugt und die bereits arme Schicht als faul, unfähig, eben allgemein pejorativ charakterisiert. Das erzeugte eine mit Abstiegsangst verbundene Absetzbewegung und schuf völlig beabsichtigt eine rassistische Grundstimmung. Ab hier beginnt eine Meso-Epoche, nennen wir es Phase IIB. Die besonders hartgesottenen und rücksichtslos veranlagten Vertreter der Mittelschicht steigen bis in eine quasi-oligarchische Ebene auf und haben dort ihren maximalen gesellschaftlichen Gipfelpunkt erreicht, was sie meist noch nicht wissen. Parallel verkauft man mit Propaganda der anders veranlagten Mittelschicht, die nun sozial absteigt, den Abstieg als notwendiges Opfer der „Leistungsträger“ zum Wohle einer besseren Zukunft. Das hält sie in der irrigen Annahme, daß sie nichts mit dem Prekariat verbindet. Damit spaltet man sie von den Armen, drängt sie aber in eine Vorstufe der Armut. Politisch-propagandistisch versucht man damit einen Schulterschluß zwischen beiden Gruppen zu verhindern.

    Wenn sich diese Tendenz stabilisiert hat, beginnt Phase III. In diesem Abschnitt wird der Rechtsstaat demontiert und in eine globalisierte Diktatur umgewandelt. Das geschieht u.a. durch die Einführung eines differenzierten Wahlrechts. Tatsächliche Mitbestimmung über Wahlen wird durch Einkommens- und Bildungsverhältnisse definiert. Wahrscheinlich wird man das mit dem historischen Vorbild „Bürger“ bzw. „Stadtbürger“ begründen. Das gemeine Volk kann auch wählen, aber keine Personen aus seiner Mitte sondern von der Oligarchie vorgeschlagene Wahlkreisrepräsentanten. Es besitzt im republikanischen Sinne keine vollwertigen Bürgerrechte mehr. Man wird diese Bevölkerungsgruppe wahrscheinlich mit der Aussicht ködern, daß sie in ihren Wohngebieten eine autonome Verwaltung bekommt, was wie Selbstbestimmung aussieht und einen aufwertenden Duktus vermittelt. Der oberste Chef ist einer von „unten“, wird aber von den eingesetzten Wahlrepräsentanten ausgesucht, kontrolliert und erhält durch die von oben nach unten wirkende Machtstruktur seine tatsächliche Legitimierung. Seine Wahl durch das Volk ist ein alternativloses Votum.

    Wenn diese Stufe gesichert ist, beginnt Phase IV. Damit verbindet sich die komplette Versklavung der Bevölkerung zu einem neoliberalen Arbeitsheer, was auch keine klassischen Familienstrukturen mehr kennt. „Familie“ ist Opposition, weil sie auf der Grundidee einer Solidargemeinschaft beruht. Das ist für die neoliberale „Wirtschaftsordnung“ schädlich, ineffizient und deshalb verboten. Politischer/bürgerschaftlicher/ziviler Protest auf hohen intellektuellem Niveau ist nahezu unmöglich, weil bereits seit Phase II die Qualität der Schul- und höheren Bildung strukturell geschwächt wurde und der Zugang zur Hochschulberechtigung von der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Familien und einer zunehmend geforderten politischen Konformität abhängig war. Zwei Generationen sind ausreichend, um der Oligarchie und ihren Erfüllungsgehilfen in der Quasi-Oligarchie das nötige elitäre Niveau von Hoheitswissen zu sichern und den anderen, großen Teil der Bevölkerung mit mittelmäßiger Bildung sowie faktisch verweigerten Aufstiegschancen von einer höheren Qualifikation auszuschließen. Übrigens, innerhalb dieser Phase sind Bücher verboten und wurden schon seit Phase II durch lächerliche Werbung gegen elektronischen Spielzeuge ausgespielt und verspottet (damit gesellschaftlich unattraktiv), später ähnlich wie der Besitz von Waffen unnachgiebig verfolgt.

    Das alles wurde bereits im 20. Jahrhundert durch Soziologen erdacht und im „Freilandversuch“ erprobt.

    Einen schönen nachdenklichen Abend!

  14. Gaby sagt:

    Guten Morgen, Herr Dr. Jahnke, Cato und Mitlesende,

    vielen Dank für Eure Nachsicht und Eure Erklärungsversuche, die allerdings genau das sind, was ich ja auch seit Monaten vertrete und immer wieder in dieser Internet-Plattform nieder schrieb.

    Mein mittlerweile entwickeltes Unbehagen, ich kann es (noch) nicht in Worte fassen, bezieht sich nicht auf die äußeren, offensichtlichen Symptome des Kapitalismus, die sich mit dem Wort „Neoliberalismus“ zusammen fassen, sondern auf seine innere Entwicklung der letzten Jahre.

    Stets war es so gewesen, dass der Kapitalismus an Nationen gebunden war. Die betriebswirtschaftliche Ratio unterlag, vom sehr frühen Frühkapitalismus einmal abgesehen, nationalen, also staatlichen Regularien. Nun verdichtet er sich in eine Art Weltökonomie, die aber, im Gegensatz zur Nation, keine internationale Regulierungsinstanz kennt, asoziale kapitalistische Auswüchse im Zaum zu halten.

    War die Schaffung des Mehrwertes bisher an die menschliche Arbeitskraft gebunden, so entlässt der Kapitalismus spätestens seit der Dritten industriellen Revolution (Mikroelektronik) seine Kinder in die Massenarbeitslosigkeit. Ich habe den Eindruck, das ganze System verselbstständigt sich und verfällt in die Agonie des reinen Selbstzwecks, die darin besteht, aus einem Euro zwei und mehr zu machen, wie es uns die Gebaren der Finanzmärkte so überdeutlich zeigen, die sich erst mit Hilfe der Mikroelektronik von der Realwirtschaft lösen konnten.

    Ich betrachte Kommunismus und Sozialismus lediglich als gescheiterte Zwischenstadien der Evolution des Kapitalismus. Der Untergang dieser beiden Systeme fiel meines Erachtens deshalb nicht weiter ins Gewicht, weil der westliche Kapitalismus zu diesem Zeitpunkt fortschrittlicher, also konsumtiver gewesen ist, so dass er beide Bankrottsysteme und seine Menschen aufsaugen konnte.

    Wenn nun aber der globalisierte Kapitalismus zusammen brechen sollte, wer rettet uns dann? Es gibt keine übergeordnete Instanz, die uns „aufsaugen“, also in ein fortgeschritteneres System einbetten könnte.

    Ich habe das unbestimmte Gefühl, der Kapitalismus stößt derzeit, gnadenlos konkurrenzgetrieben, an eine innere Schranke, die die „unsichtbare Hand“ nicht wird öffnen können, denn der Kapitalismus bleibt auf diesem Planeten gefangen. Mir kommt es tatsächlich so vor, als würde sich das ganze System derzeit wie ein wildes Tier verhalten, das in einen Käfig gesperrt wurde. Anders kann ich die wütende Irrationalität der globalen Betriebswirtschaft nicht beschreiben.

    Ebenso wenig kann ich mir die Frage beantworten, aus welchem Grund der Kapitalismus derart außer Rand und Band geraten ist, dass er nun mehr und mehr auf die Nerven, die Muskeln, Herz und Hirn derjenigen Lebewesen pfeift, von denen er existentiell abhängig ist. Was sich derzeit global abspielt, ist in meinen Augen kapitaler Selbstmord.

    Mit nachdenklichen Grüßen

    Gaby

    • Cato sagt:

      Guten Tag Gaby und Mitlesende, ich empfinde es ebenso, wie Du es beschreibst. Die neoliberalen Nutznießer und ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik werden nervös und aggressiver, weil sie deutlich spüren, daß ihre Vorstellungen jenseits anerkannter und erprobter ethischer Grundsätze liegen. Deshalb gibt es in der aktuellen Diskusssion von D.E.N. nur noch die Devise: „Nun erst recht!“ Ich denke, daß sie kurzzeitig auch noch Zulauf erhalten werden, weil die laufende Propaganda auf Egoismus abgestellt ist. Dafür bekommt man immer einen gewissen Prozentsatz Leute hinter sich. Das sind die Leute, die aus welchen Gründen auch immer keinem aufgeklärt-verantwortungsvollen oder gegenwärtig sogar einem defizitären Menschenbild folgen.

      Jeder Mensch hat Eigeninteressen. Das halte ich für normal, natürlich und akzeptabel. Zum Egoismus werden diese Eigeninteressen, wenn sie nicht mehr die Interessen Anderer berücksichtigen, wenn dabei die Balance verloren geht. Sozialstaat hat nichts mit dem verunglimpfend propagierten Duktus „Sozialismus“ zu tun, sondern mit menschenwürdiger Balance – also mit Vernunft. Demokratie ist nichts anderes als Interessensausgleich (Balance halten) zwischen verschiedenen Menschen und ihren Eigeninteressen.

      Neoliberalismus verletzt diese Jahrtausende alten Erfahrungen und Werte. Er ist meiner Meinung das Pendant zu dem, was wir heute als Stalinismus bezeichnen.

      Ich habe an anderer Stelle Erwin Teufel zitiert: „Der Maßstab allen Wirtschaftens ist der Mensch.“ Obwohl ich dessen Partei noch nie gewählt habe, muß und will ich trotzdem anerkennen, daß es ebenso dort Menschen mit sozialstaatlichem Verantwortungsgefühl gibt! Man könnte auch Heiner Geißler als weiteren Exponenten dieser Haltung im konservativen Lager zitieren.

      Was ich damit sagen möchte ist, daß ich es für möglich halte, eine auf Ausgleich bedachte Gesellschaft zu haben. Der Spaltpilz in der Gesellschaft hat drei Punkte im Namen!

      Einen schönen Tag.

      • Gaby sagt:

        Lieber Cato und Mitlesende,

        es hört sich fast liebevoll niedlich an, wenn Du schreibst, „Nun erst recht!“

        Die Wirklichkeit sieht völlig anders aus. Seit Mitte der 1990er Jahre ist in allen westlichen Industriestaaten eine soziale Radikalisierung ohne nennenswerte Gegenbewegung zu beobachten. Und das Allerschlimmste ist, dass uns das alles so verdammt normal, gesund, vernünftig und unumgänglich anmutet.

        Es beginnt damit, soziale staatliche Stützen systematisch wegzuschlagen und Arbeitslose öffentlich zu diskriminieren. Für mich ist es eine asoziale Grausamkeit, das Kindergeld eines Hartz-IV-Empfängers als Einkommen zu betrachten und mit dem staatlichen Bettelpfennig zu verrechnen. Es ist eine Unverschämtheit, der arbeitslosen alleinerziehenden Mutter jedes Geldgeschenk ihrer Eltern als Einkommen vorzurechnen und selbst Geldgeschenke an Kinder arbeitsloser Eltern wie ein Einkommen zu behandeln, das den Kinder vom Staat gleich wieder weggenommen wird.

        Allein diese Radikalisierung führt dazu, dass sich Nachbarn neuerdings wieder bespitzeln und denunzieren, um das allgemeine Armutsniveau zu stabilisieren, von der entsolidarisierenden Wirkung staatlich bezahlter Sozialschnüffler mal ganz abgesehen.

        Aber es geht noch weiter, denn schlimmer geht immer: Stets, wenn der Staat seinen Bürgern nichts mehr zu bieten hat als Verarmung und Billigjobs, von denen niemand leben kann, schlägt die Stunde der Outlaws und Räuber und schlägt der staatliche Leviathan grausam zurück inform von immer mehr Gefängnissen, immer mehr Jugendzuchthäusern, der Diskussion über die Einführung der Prügelstrafe und immer ausgefeilteren Überwachungstechniken.

        Sogar der mittelalterliche Pranger ist in den USA zurück gekehrt. Es ist üblich geworden, gefasste Diebe vor das bestohlene Geschäft zu stellen, ihnen ein Pappschild in die Hand zu drücken wo drauf steht: „Ich habe in diesem Laden geklaut!“ Dabei ist es vollkommen egal, ob aus materielle Gier oder schierem Hunger gestohlen wurde!

        In den letzten Jahren haben 80 % der US-amerikanischen Städte ein nächtliches Ausgehverbot für Kinder und Jugendliche eingeführt. Dieses „Kinder-Kriegsrecht“ wird allgemein akzeptiert. Polen folgt diesem Beispiel und sicher bald auch Deutschland.

        In den USA ist es vollkommen normal geworden, auffällig gewordene Kinder und Jugendliche in geschlossene Anstalten zu sperren, wo sie unter hartem Drill ein menschenunwürdiges Dasein frißten und mitunter ihr Leben lang nicht mehr entlassen werden. Ganze Busladungen Kinder und Jugendlicher werden dorthin gekarrt und gezwungen, sich die Insassen anzusehen – sozusagen als Abschreckung.

        Erinnert Euch, über welche perfiden Überwachungsmethoden Schäuble während seiner Amtszeit als Innenminister sinnierte. Und die Forderung, die Bundeswehr im Innern einzusetzen, ist vor wenigen Tagen wieder aufgeflammt. Und mit dem seit 1. Jan. 2010 existierenden Überwachungsorgan ELENA sind wir endgültig zu gläsernen Menschen geworden. Fehlt nur noch die Tätowierung unserer Steueridentifikationsnummer am rechten Unterarm oder das Chipen unserer persönlichen Daten in den Hals, wie man es bei Haustieren zu deren Identifikation tut.

        Willkommen in der „schönen neuen“ Welt, die entstand, nachdem die Sozialdemokraten des 20. Jhr. ihre keynes’schen Häute verloren.

        Gaby

      • Cato sagt:

        Hallo Gaby,

        „es hört sich fast liebevoll niedlich an, wenn Du schreibst, „Nun erst recht!““

        Da haben wir uns wahrscheinlich mißverstanden. Ich bezog das auf die gegenwärtige verbale Kampagne des einzelnen Politikers innerhalb der Medienlandschaft.

        Na klar, es läuft schon lange so. Du beschreibst es deutlich und man kann noch mehr hinzufügen.

        a) Ich erlebte, wie man die Arbeit von einer Grünanlagen-Pflegetruppe der Stadt auf der Straße abschätzig kommentierte : „So wie die arbeiten kommt doch nichts heraus, kein Wunder, daß die keine Arbeit finden.“

        b) Vergütungsdrückerei von Firmen gegenüber ihren Subfirmen.

        c) Was glaubst Du, was Selbständige mit kleiner Firma sich von vereinzelten Kunden anhören müssen bzw. wie sie behandelt werden? Es gibt Leute in Kundenrolle, die beginnen das erste Gespräch mit einer offenkundigen Beleidigung des Dienstleistenden.

        d) Ich war vor etwa 3 Jahren Zeuge eines Gesprächs mit einer ratsuchenden Familie, worin die Frau (eine gelernte Verkäuferin) erzählte, daß sie von ihrer Chefin im Supermarkt an den Kopf geworfen bekam, daß sie sich zwischen Arbeiten und Kindererziehung bitte entscheiden solle. Grund: Arbeitsunfähigkeit wegen krankem Kind.

        Das mit der Bespitzelung nehme ich auch so wahr. Das ist eine psychologisch begründete Auswirkung unter gedemütigten Menschen. Mit der Denunziation bekommt einer Macht über einen Anderen. Das klappte gut im Kaiserreich, im Nazireich und auch noch danach. Heute wieder und es wird sicherlich noch zunehmende Auswüchse geben. Man machte es immer zum politischen Instrument: „Man liebt der Verrat aber nicht den Verräter“

        Ich denke, daß wir zusammen die Aufzählung nicht erweitern müssen. Das alles sind die „Gesichter“ der Globalisierungshydra und ihrer Ideologie, des Neoliberalismus. Diese Ideologie initiiert bewußt die dunkle Seite im Menschen. Das bekannte Milgram-Experiment ist ein exemplarischer Modellfall dafür.

        Dahinter steht ein defizitäres Menschenbild!

        Gruß Cato

      • Gaby sagt:

        Lieber Cato,

        Du hast ganz Recht: An den kleinen Veränderungen im Verhalten der Menschen können wir bereits heute erkennen, dass die Dämonen der Vergangenheit (Sozialdarwinismus) wieder aufleben. Die dünne Maske des „politisch Korrekten“ fällt.

        Es ist unheimlich, Zeuge des Verfalls von positiven sozioökonomischen Entwicklungen zu sein und Furcht haben zu müssen, dass wir in die soziale Barbarei verfallen. Leider tendiert die neoliberale Marktradikalität dazu, die niedersten Instinkte der Menschen anzusprechen, wie z.B. Sozialneid, Egoismus und Elitedenken. Und diese destruktive Tendenz gefährdet unsere Demokratie.

        Mit den besten Grüßen

        Gaby

  15. Paten sagt:

    Guten Tag. Gaby, das unangenehme Gefühl –neben den um sich greifenden psychosomatischen Schäden aus realer und geschürter Versagens- und Existenzangst (etwas Schlimmes könnte passieren, wenn man das sich immer schneller drehende Hamsterrad nicht bremst), stellt sich immer dann ein, wenn man sich nur als Einzelnen vor dieser Riesenmaschine – schön gesagt „globale Betriebswirtschaft“- stehen sieht und niemals seine Hand ins Getriebe stecken würde, dessen Teil man ist. Es ist vielleicht ein Gefühl des Ausgeliefertseins, was in der deutschen Geschichte schon Soldaten und zur Vernichtung freigegebene Minderheiten hatten oder die amerikanischen Indianer und die schwarzen Afrikaner und Inselbewohner im Zuge der europäischen Globalisierung auf der Suche nach Gold für die Kriege der Könige ab dem Mittelalter.

    Aber jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft. Actio = Reactio. Tatsächlich sind die Kasinospielchen bereits heute Agonie. Weniger eines im täglichen Leben für die meisten unfassbaren „Kapitalismus“ (das sind doch nur die privaten Besitzverhältnisse an den Produktionsmittelen, die sich ihre Rechtstaatlichkeit und finanziellen und politischen Systemkomponenten zur Wahrung dieses Drehmomentes entsprechend einrichten), sondern seiner besitzenden und politisch führenden Eliten. Die Globalisierung der kapitalistischen Wirtschaftsweise und damit der ihr zugrunde liegenden Besitzverhältnisse hat sich nun schon des –kommunistischen, sozialistischen- Reserveterritoriums für den Konsum der nationalen Überproduktion Osteuropa bis Asien bemächtigt. Wachstuuum! Die DDR kam insofern zu spät in das System und wurde vom Leben bestraft, als die westdeutsche Produktivität zwar deren Konsumenten, nicht aber deren weiter aufzubauende Produzenten benötigte. Du schreibst sehr gut, dass das System immer mehr auf die pfeift, von denen es abhängt.

    Paralleles Wachstum von Überproduktion und Unterkonsumption und Unterbeschäftigung. Das ist die nationale und auch globale Formel der Systementwicklung. Die Profitraten-Rettung (Gewinn zu Kostenaufwand seiner Erzeugung tendenziell fallend) macht den technischen Anteil der Güterproduktion immer teurer (Maschinen, Anlagen, Rohstoffe, Energie) und den menschlichen eben deshalb immer billiger. Hightech und Sklaven ist dann das letzte Ergebnis der Maximierung der Profitraten – das heutige China. Dagegen können –monetär, nicht sozial- nur noch produktivere Maschinen und noch billigere Sklaven ankämpfen. Auch das einst aufgeklärte und demokratische Deutschland hat sich in diesen monetären Strudel ziehen lassen. Profite über alles in der Welt! Nur keine sozialen.

    Aber: Die Massenarbeitslosigkeit bei sinkender Kaufkraft der anderen Einkommensbezieher und sinkender nationaler Wertschöpfung ist die zweite Seite des sich immer weiter auftuenden systemischen Widerspruchs: Immer mehr und billiger Produktion und immer weniger kaufkräftige Konsumenten. Die kapitalistische Globalisierung, nach 150 Jahren einmal um den Globus und alle Territorien erfasst, muss nicht nur auf ein Wachstumsende (Kaufkraft und Ressourcen) treffen, sondern auch die monopolitisch clusternden Produzenten finanziell ruinieren, weil immer mehr auf Kredit produziert Ware nicht mehr absetzbar ist, da die globalen Binnenmärkte weiter wie heute verarmen müssen. Der Anteil ausfallender Produktion wird so immer mehr und die davon betroffene Beschäftigung immer weniger – und die Kaufkraft sackt nochmals ab.
    Globalisierung birgt also die Kraft die kapitalistischen Produktionsverhältnisse durch Vernichtung (globale Bankrotte) des Privateigentums an den Produktionsmitteln seiner Erzeugung selbst abzuschaffen. Das ist das dumpfe Gefühl, welche sich einem aufdrängt, wenn man sich fragt, wie immer weniger, da abgewanderte Arbeit, Binnenkaufkraft auch in DE künftig noch ein normales Konsumniveau halten soll, wenn gleichzeitig der Rest exportiert und dem Volksvermögen privat entzogen wird?

    Die Eliten samt ihrer braunen Gelblinge kommen außer Rand und Band, weil die letzte globale Krise so viel ihres Kapitals vernichtete und weiter vernichtet, dass die in Haftung genommenen Nationalstaaten am Maximum der Erstattungsfähigkeit ankamen (EU 30% BIP = bailout Banken) und nun immer mehr der Staaten selbst zum bankrotten Pflegefall werden. Das ist historisch einmalig und was im Inneren passiert wenn USA, GB, DE und JAP pleitegehen und wie sich die Chinesen oder muslimische Feinde dabei verhalten – völlig unerprobt und unvorhersehbar.

    Es kommt die Phase, wo sich Erkenntnis in politische Forderungen verwandelt und die Auswüchse der neoliberalen Globalisierung zrückgedrejt werden müssen. Schutzzölle und Re-Lokalisierung von Produktion bis Enteignungen systemischer (eben deshalb) Komponenten der Volkswirtschaft sind geeignet Mittel. Wenn Gelbbraun das System (Steuern hoch für Arme, gesetzliche in private rente verwandeln, Militarismus) in diese Richtung kippen will, ruft das dennoch unvermeidlich eine Gegenkraft hervor, die es gilt die politische Oberhand erringen und ein re-sozialisertes System schaffen zu lassen. Da ist dann Deutschland bestimmt nicht alleine in Europa.

    MfG

  16. carolus sagt:

    hallo gaby und an alle,die hier lesen und schreiben,

    der kapitalismus ist sicherlich kein wirtschaftssystem,dass sich um die solidarität schert.es ist das passende system für menschen,die sich nur für sich und sonst nichts interessieren.dazu wäre eine gesellschaft als korrektiv erforderlich,die bereit ist,sich um die probleme der menschen zu kümmern.
    in ansätzen gab es hier dieses system in den 70gern.mit dem wechsel von der sozialliberalen(mehr demokratie wagen) zur christliberalen(geistig-moralische wende) koalition wurde nach und nach dieser ansatz zugunsten der“leistungsträger“ verschoben,auf kosten von menschen,die es eigentlich nur als arbeitssklaven geben durfte.ich erinnere mich noch sehr gut an die gastarbeiterbaracken bei uns am bahnhof(es waren ungeheizte bretterbuden).wie extrem muss es den menschen in den heimatländern gehen,dass sie sich solchen zuständen freiwillig unterwerfen.ein heer von billigarbeitern wie in china gab es also auch in der eu.ich bin abgeschweift.
    durch den wirtschaftsaufschwung nach dem krieg,hat sich hier in deutschland eine breite mittelschicht entwickelt,die sich jetzt unter dem einfluss des real existierenden neoliberalismus so langsam auflöst.durch die gestiegene massenkaufkraft auch dank der keysenianistischen wirschaftspolitik der ersten grossen koalition in den 60gern,hat sich dieses land wirtschaftlich positiv entwickelt.
    wie in den postings von herrn jahnke auch schon mehrfach erwähnt,hat aber nach fall des eisernen vorhangs,sich keiner der deutschen politiker der volksparteien für soziale belange interessiert.politik ist nicht mehr dem volke dienlich,sondern nur noch machtfaktor im eigenen interesse.
    wie man es anders macht zeigt beispielsweise gorbatschov.wenn er nur an sich gedacht hätte,dann wäre er eisern auf parteilinie geblieben und hätte sich nicht um perestroika und glasnost(umbau des staates und offenheit) bemüht.putin zeigt eher die alte parteilinie.
    kapitalismus ist nichts anderes als eine von menschen gemachte wirtschaftslehre,die man jederzeit an menschliche bedürfnisse von allen menschen anpassen kann.man muss nicht bis in alle ewigkeit dies nur einigen wenigen überlassen wie man den kapitalismus real ausgestaltet oder ihnen allein die erklärungsmacht überlässt wie kapitalismus zu sein hat.dies geschieht ja auch hier auf dieser seite und es ist für mich sehr wichtig hier zu lesen.
    wir dürfen es nicht mehr zulassen,dass einige nach oben kommen,die sich das land zr beute machen und es ausnehmen.kapitalismus wird von den schröders und fischers dieser welt ausgenutzt und sie kümmern sich nicht um andere.hauptsache ihnen gehts gut.nach mir die sintflut.wenn man die einzelnen biographien wie die von fischer betrachtet,dann war fischer ein dieb und schläger,der sich mit hilfe der“spontis“die macht bei den grünen erschlichen hat.und das weitere kennt man.keiner hat ihn aufgehalten.

    gruss carolus

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Ich geh mit allem mit, aber nicht, was Gorbatchov betrifft. In diesen Punkten kann ich leider nur einer anderen faktologischen historischen Bewertung sein als der Perestrojka und Glasnost Mythos es in den Medien oktroyiert. Er hat auch nie gesagt: „Wer zu spät kommt…“

      Putin hat inzwischen seine anerzogenen Gestaltungsgrenzen erreicht. Um es mit Murphy’s Gesetz zu sagen: Er hat die Grenze seiner Unfähigkeit erreicht.

      MfG

      • Cato sagt:

        sorry, geschätzer Paten, das Peter-Prinzip! Aber Murphy ist auch gut. Es geht schief, was schief gehen kann.

        gruß Cato

      • Paten sagt:

        Guten Tag. Danke. Richtig. Prof. Peter 1969.
        Um es mit Cato dem Censor zu sagen:
        multa cadunt inter calicem supremaque labra (zwischen dem Rand der Lippe und des Bechers kann sich viel ereignen)

        Ich hatte erst Murphy, dann das darauf beruhende Dilbert-Prinzip* anziehen wollen und dann blieb es falsch stehen.

        *Unfähige Arbeiter werden schnell zu Leitern befördert, wonach ihnen sowohl die notwendige fachliche als auch die soziale Kompetenz zur Aufgabenerfüllung fehlt. 😉

        MfG

  17. Gaby sagt:

    Lieber Paten und liebe Mitlesende,

    ich vermute, ich kann Deinen Ausführungen folgen und befürworte sie.

    Allerdings drängt sich mir seit einiger Zeit folgender Gedanke auf: Wenn der eigentliche Sinn des Kapitalismus darin liegt, aus einem Euro zwei zu machen, sind alle produzierten Waren einschließlich der Konsumenten nur lästige Abfallprodukte der „wunderbaren Geldvermehrung“. Zwangsläufig wird nicht zum Wohle der Menschen und der Umwelt produziert, sondern auf Teufel komm raus wird der unsinnigste Kram gewerkelt, nur, um durch künstlich erzeugte Nachfrage den erhofften Mehrwert (Profit)abzuschöpfen.

    Nun will ich nicht behaupten, dass ein bisschen Wohlstand eine schlechte Sache ist. Aber objektiv betrachtet, fand dieser uns bekannte Wohlstand erst nach dem 2. Weltkrieg statt und nur in den westlichen Industrieländern. Wir haben nach dem Krieg einen kurzen Frühling und Sommer des wirtschaftlichen Wohlergehens erlebt und nun zieht schon wieder der jahrhundertelang wohlbekannte Herbst und somit der bitterelende kapitalistische Winter herein.

    Wenn ich nun den ersten Gedanken weiter spinne, erscheinen mir plötzlich alle supertollen Erfindungen der Neuzeit, im kleinen wie im großen Maßstab, lediglich dem Konkurrenzdruck und dem Finden neuer Absatzmärkte geschuldet zu sein. Das sieht man meines Erachtens sehr schön am Sektor der „weißen Haushaltsware“. Im Nachkriegsdeutschland wollten natürlich alle Frauen Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher etc. pp. haben und die Väter Autos. Um sich diese teuren Waren leisten zu können, wurden die Frauen alsbald flächendeckend in den Arbeitsmarkt integriert und das ganze wurde „Emanzipation der Frau“ genannt und ich habe das jahrzehntelang geglaubt, obwohl in Wirklichkeit nichts anderes geschehen ist, als für neue Produkte neue Absatzmärkte im Segment „Weiblichkeit“ zu finden.

    Wenn ich darüber nachdenke, wird mir ganz, ganz schwummrig, denn es bedeutet letztlich, dass ich mein gewohntes, 48 Jahre währendes Leben, in einem völlig anderen Licht sehe und ich mich des Eindruckes nicht erwehren kann, dass der warenproduzierende Druck nicht den Gegendruck der Menschen provoziert, sondern fröhliches Mitmachen.

    In Zeiten von Wirtschafskrisen ist es halt ein depressives Mitmachen und der Frust mündet allzu leicht in einen Krieg oder, wie jetzt, in einen verbalen Krieg, der sich gegen unsere Arbeitslosen richtet.

    Kein Zahnrädchen im Getriebe der großen Maschine käme jemals auf die Idee, sie zu verlassen, egal, wie heiß und wund dieses Rädchen gezwungen ist zu rennen. Und genau so verhält es sich meines Erachtens mit den Menschen.

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Wohlstand, Gesundheit und Frieden sind wichtige Errungenschaften.

      Konsumterror (alle 3 Monate eine neues Handy auf dem Markt, jedes Jahr ein Jahreswagen), „Mobilität“ (Wahlspruch der Autoindustrie),“Flexibilität“ (Wahlspruch der FDP – jede Arbeit ist gut genug für einen ALG-2-Bezieher) und Wohlstand sind getrennte Dinge.

      Die permanente Produktivitätssteigerung im Konkurrenzkampf zwingt die großen Produzenten zu globalisieren (Kundschaft auf Außenmärkten erschließen und ggf. dort produzieren wie Daimler und Siemens…), andererseits werden eben auch alle Absatzoptimierungen im Inland durchgeführt, die den Umsatz bei man Frau und Kind erhöhen. Die Konsumgeschwindigkeit und -menge des Bürgers muss stets gesteigert werden, ohne ständig Schrott zu produzieren. Werbung allerorten – wälderweise, wenn amn das in Holz ausrückt. Um Werbeblöcke werden Lock-Filme gezeigt. Dafür wurden Permanent-Werbesender entwickelt wie RTL, Sat1, Pro7 bis hin zu Spezialwerbesendern für Urlaub, Schmuck.
      Sogar das Schuldrecht wurde geändert: Statt nach den biblischen 7 schon nach 6 Jahren ist die Verbraucherinsolvenz bei Wohlverhalten mit Schuldenfreiheit und neuer Kreditwürdigkeit belohnt. Versandhäuser fragen nicht nach Kreditwürdigkeit und riskieren eben auch mal hohe Ausfälle, die dann im Du-Du Fernsehen gezeigt werden. Sonst wären bald keine Käufer mehr da, wenn alle bei Schufa-Scoring in den Miesen sind. Frauen sind Hauptzielgruppe, weil sie meist den Haushalt machen und die Anschaffungen dafür und für die Kinder. Und die sind Hauptzielgruppe, damit sie ihre Eltern nerven mit den unseligen Markenklamotten-Wahn statt schulischer Leistungen usw.

      Wohlstand ist nicht maximaler Besitz mit exponentieller Erneuerungsrate für die Weltmeisterschaft der humanoiden Heuschrecken im Konsumieren des Planeten.

      Was man täglich aber immer aufs Neue konsumieren kann, ist das Infoportal, das solche Themen aufgreift. (Da kann so schön kostenlos die BILD-Zeitung als Digest bekommen :-))

      • Gaby sagt:

        Hallo, Paten und Hallo in die Runde,

        Du beschreibst sehr schön eines der Grundübel des Kapitalismus: Immer schneller, immer weiter, immer effektiver, immer mehr und mehr von allem. Wir alle müssen ständig in Bewegung sein, denn am allermeisten hasst dieses Wirtschaftssystem Muße und Müßiggang.

        Unsere Unmöglichkeit, jenseits des Kapitalismus zu denken, zeigt sich alltäglich in hunderten Fassetten, wie z.B. in Deiner winzigkleinen Anmerkung „Da kann so schön kostenlos die BILD-Zeitung als Digest bekommen“.

        Unsere Gedanken kreisen ständig um’s Geld und wir freuen uns so vital wie unmündige Kinder, wenn wir etwas kostenlos ergattern können.

        Gaby

    • heiner sagt:

      @Gaby:Als Individium kann man dem System als ganzes sowie so nichts entgegen setzen, ausser man durchschaut es. Z.B.: Kaufen. Kaufen macht eben nicht frei sondern unfrei. Das Bedürfniss geht am nächsten Tag wieder los, nach dem vorigen Tag.
      Also: weniger ist mehr, auch wenn das kleine Rad langsamer dreht und weniger zur Verfügung steht.
      Das muss der Kopf des Menschen klären und nicht das indoktrinierte Bedürfniss irgendetwas zu kaufen.Was über das uns vorgeglitzerte/sinnlose hinaus geht!
      Dann laufen auch kleine Räder zufrieden!
      Drüber stehn!
      MfG

    • Cato sagt:

      @ Gaby, Paten und heiner, keine Sorge, wir bekommen schon wieder Bewegung in die Köpfe. Dafür gibt es einen Kronzeugen:

      Henry Ford: „Autos kaufen keine Autos“!

      Das Materielle ist seit der letzten Westwärtswelle out – Geist ist geil!

      Für Letzteres gibt es das Infoportal von Herrn Jahnke. Politisch correct sage ich: Achtung, dessen Konsum kann süchtig machen! Machen sie richtig mit oder fangen sie erst gar nicht damit an.

      Gruß Cato

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