arbeitdez09

Arbeitslos im Dezember 09

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9 Responses to arbeitdez09

  1. Gaby sagt:

    Halloli miteinander,

    wir leben mittlerweile in der Dritten industriellen Revolution, nämlich in der der Mikroprozessoren.

    Die Revolution der Dampfkraft und die der Fließbänder haben wir bereits hinter uns mit allen kapitalen Katastrophen, die aus diesen Epochen entstehen konnten, wie die Weltwirtschaftskrise 1930 ff., den ersten und zweiten Weltkrieg und dem industriell-fließbändisch organisierten Holocaust.

    Es ist ein Irrtum zu glauben, die Geschichte der Menschheit bliebe von der Entwicklung des Kapitalismus unberührt. Seit dem Merkantilismus erzeugt die Annahme, Geld sei wertvoller als Menschenleben, nichts als fürchterlichste Revolten, Kriege, Mord und Totschlag.

    Die dritte industrielle Revolution bringt uns wieder nicht das durch die Maschinen verursachte und längst versprochene Paradies auf Erden, sondern ebenso, wie all die Jahrhunderte zuvor, bringt es nur Krieg, geplatzte Finanzblasen, Massenarbeitslosigkeit, grassierende Armut und somit unbeschreibliches Leid für Millionen von Menschen, auch in der Bundesrepublik Deutschland.

    Gibt uns die neoliberale Brüss’ler EU-Glucke Antworten auf die künftig zu erwartende Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und dem restlichen Europa? Ja, das tut sie und zwar in der Groteske steinzeitlich anmutender Marktradikalität:

    Löhne/Gehälter noch weiter senken, denn nur so können (???) Jobs entstehen. Die Lohnnebenkosten am besten ganz abschaffen, Unternehmersteuern noch weiter runter und vor allen Dingen die Wohlfahrt wünschenswerter Weise auf Null absenken, denn staatliche Zuwendungen verleiten die Menschen dazu, sich in der Arbeitslosigkeit auszuruhen auf Kosten der noch arbeitenden Bevölkerung und das ist laut der Ökonomen Friedrich August von Hayek und Milton Friedman höchst ungerecht dem noch (!!!) in Lohn und Brot stehenden Volk gegenüber. Mit all den überflüssigen staatlichen Intervention wird das nix und nüscht mit den herbei gesehnten „freien Märkten“, die allen Menschen Wohlstand versprechen, sofern sie sich nur genug anstrengen. Es liegt also an der jämmerlichen Genügsamkeit der Menschen, nicht an der Produktivkraft einer Volkswirtschaft, ob sie erfolgreich ist oder nicht. Wie krank im Kopf muss ein Ökonom eigentlich sein, solche Standpunkte zu vertreten?

    Jeremy Benthams Bevölkerungs- Disziplinierungsmaßnahmen haben im Zeitalter der Dritten industriellen Revolution ihre absolute Vollkommenheit in GPS, Nacktscannern, Computerüberwachung, staatlicher Trojaner, Überwachungskameras, Tasern und Fußfesseln erlangt. Dagegen ist George Orwells Roman „1984“ ein seichter Spaziergang über eine duftende Frühlingswiese. Waren wir je sauer auf Schäuble und betrachteten ihn als Pathologen? Das ist ein Irrglaube! Schäuble war nur der verlängerte Arm Jeremy Benthams in der Dritten industriellen Revolution, wogegen Benthams Ideen zur Selbstdisziplinierung jedes Einzelnen in der Ersten industriellen Revolution entstand und wir alle sie heute verinnerlicht haben, aufgrund von Erziehung im Elternhaus, aufgrund der Schulbildung, der Ausbildung, dem Beruf. Jeder überwacht sich selbst, passt sich ängstlich an, will nicht auffallen, wie einst in den gruseligen Panoptiken des Jeremy Benthams. Bentham hat ganze Arbeit geleistet, bis heute.

    Es sind ab 1997 in England, USA und Deutschland neue Dienstleistungs-Sektoren entstanden, nämlich die des staatlich bezahlten „Sozialschnüfflers“, dessen Aufgabe es ist, sozial benachteiligte Menschen zu erschnüffeln und dafür zu bestrafen, dass sie die komplizierten Formulare zur Erlangung der staatlicher Alimente (deutsch = Hartz IV) falsch ausgefüllt haben, also angeblich kriminelle Sozialschmarotzer sind, obwohl ihnen und uns aufgrund der enormen Produktivität der Maschinen und Erfindergeist ein Hundertfaches dessen zustehen würde, was dem Staat durch echte kapitale Betrüger millionenfach weggenommen wird. Erinnert Euch an die Gier der Banker, die per Staat und Bürgersteuern milliardenschwer vor ihrem Untergang gerettet wurden und jetzt wieder fleißig millionenfach Boni kassieren und genau das mörderische Monopoly fröhlichst weiterspielen, das uns diese Weltwirtschaftskrise eingebrockt hat.

    Komisch, da protestiert kein Sozialschnüffler, kein Blockwart! Und wenn die Staatsanwaltschaft mal einen superreichen Steuerhinterzieher erwischt, lässt sie ihn kaum gerupft laufen und schon gar nicht im Gefängnis darben. Was ist das für ein Ungeheuer, dieser neoliberale Kapitalismus, der ganz wenige Menschen superreich werden lässt und Millionen in die Armut stürzt?

    Freie Märkte erzeugen freie Menschen. Folglich ist jedes Individuum einer längst atomisierten, also nicht mehr vorhandenen Sozialgemeinschaft gezwungen, in der Dritten industriellen Revolution sein eigener Unternehmer zu sein und seine Haut täglich in Eigenregie zu Markte zu tragen, um sich letztlich das allernötigste, das sein Leben erhält, kaufen zu können. Wir werden zu gut überwachten Tagelöhnern, missbraucht dazu, das schwer angeschlagene, kaum noch schnaufende Ungeheuer Leviathan, das Thomas Hobbes einst erfand, am Leben zu halten.

    Ein Tipp von mir: Wer die Historie seines Volkes und das seiner Nachbarvölker nicht kennt, weiß weder um seine Gegenwart, noch um seine Zukunft. Er lässt sich treiben und glaubt, alles, was ihm heute widerfährt, sei ultramodern und somit erstrebens- und nachahmenswert. Dass es nichts Neues unter der Sonne gibt, fällt einem solchen Michel im Traum nicht ein!

    Gaby

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Betham erinnert mich an „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Bei ihm hieß es im 19. Jhd. :„Gut ist, was der Allgemeinheit nützt“. Beide Thesen verzichten auf die zulässige Wegbeschreibung und Mittelanwendung. So kann Sklavenarbeit eines 1€-Jobbers oder Leiharbeiters hier oder wie in Chinas Kloakenindustrie oder in VEBama‘s GM-Autoindustrie (s. Kürzungen Löhne und Sozialleistungen weltweit auch in Deutschland) von den Christlichen als soziale Errungenschaft ausgegeben werdenm nur weil es irgendeine Art von Arbeit gibt. Betham erklärte den Menschen zum natürlichen Egoisten, also asozial. Ergo kann er nur der Allgemeinheit (aus allen Asozialen?) unter Zwang und Kontrolle des Überwachsungsstaates dienen bis hin zum „Panoptikum“ (Rundes Gefängnis mit Totalüberwachung aus im Gegenlicht nicht einsehbarer Mitte, so dass die blanke Vermutung der Überwachung zur Selbstkontrolle und vorauseilendem Gehorsam führt). Also wieder: Ängstige und herrsche.

      Wer schafft aber Arbeit? Wer bestimmt den Nutzen für die Allgemeinheit? Hier wie da – eine besitzende Minderheit an der Macht (Verfügungsgewalt über das Volksvermögen).

      Sozial oder nicht ist, w i e man Arbeit schafft. Und gesellschaftlich gut oder schlecht ist, w i e diese Arbeit der Allgemeinheit oder immer mehr einer immer mehr besitzenden Minderheit dient.

      Also ob gesellschaftliche Arbeit (ausbeutungs)freie Arbeit aller für alle ist oder nicht, d.h. ob die Gesellschaft selbst frei ist oder nicht. Freiheit gemessen daran, ob die Gesellschafter unter ihrer regierenden Wahl-Geschäftsführung frei oder unfrei in der Verfügungsgewalt über das tagtäglich durch ihre Arbeit geschaffene Gesellschaftsvermögen sind. Ob also das erzeugte Vermögen der Gesellschaft auch das Eigentum aller Gesellschafter und damit der Gesellschaft selbst ist. Wenn ja, dann ist das allgemeine Eigentumsrecht am Volksvermögen durch die gemeinschaftliche Verfügung darüber nur durch die allgemeine Pflicht zur demokratischen Ordnung und Mitwirkung daran zu verwirklichen und zu wahren.

      Wenn also die Allgemeinheit direkt demokratisch bestimmt, was sozial und was der Allgemeinheit nützlich ist. Wer sonst?

      MfG

  2. heiner sagt:

    Dazu passend heute: Der „Wirtschaftsweise“ Franz fordert
    eine Absenkung des ALLG2 Satzes auf 251€ (weltonline)und Arbeitspflicht für diese Leistung.Arbeitsdienst? gabs doch irgendwann schonmal!
    MfG

  3. Gaby sagt:

    Lieber Paten und Mitlesende,

    nicht Bentham erklärte den Menschen zu einem Egoisten, nein, das war Thomas Hobbes und prompt fügte er hinzu, dass der Mensch einsamer als ein Tier ist. Hobbes kann gut und gerne als der erste Neoliberale durchgehen.

    Für Bentham, den Gutmenschen, waren arme Leute grundsätzlich Kriminelle, die es auf das Geld der Reichen abgesehen haben. Folglich galt es sie zu disziplinieren und weil nicht hinter jeden Armen ein Polizist gestellt werden kann, kam Bentham auf die Erfindung der „Panoptiken“, also der öffentlichen Überwachung, die wir heute in moderner Form in jedweder Coleur vorfinden. 1984 ist übrigens vorbei, falls das noch nicht bemerkt wurde!

    Tja, da kann man nur staunen, zu welch „hochwissenschaftlichen“ Gedanken und Taten der Frühkapitalismus die Menschen bewog. Und diese intellektuelle Manipulation, uns den Kapitalismus schmackhaft zu machen, hat nie aufgehört und setzt sich heute fort.

    Gaby

  4. Mitleser sagt:

    Guten Tag!

    In den akribisch zusammengestellten Daten vermisse ich einen Hinweis, wie hoch eigentlich die für die (auch offiziellen) Berechnungen zugrundegelegte Zahl der Erwerbsfähigen ist, respektive wie hoch die prozentuale Arbeitslosenquote unter Einbeziehung der Unterbeschäftigung ausfällt. Ich sehe immer nur den Trend zum Vormonat/Vorquartal/Vorjahr usw., aber ich kann den absoluten Bezugspunkt nicht erkennen. Entweder habe ich es überlesen, oder er fehlt tatsächlich. Zur Gesamtbewertung wäre er aber sehr hilfreich.

    Mit freundlichen Grüßen
    – ein Mitleser

    • globalnote sagt:

      @Mitleser,

      Mit Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit = 10,6 %, mit Kurzarbeit 11,6 %. Doch das bleibt alles Erbsenzählerei, weil es auch noch die Stille Reserve gibt, die die BA nicht erläutert, und die vielen Aussortierten, und die über 58 Jahren Aussortierten etc., deren Zahlen ebenfalls nicht vermeldet werden.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  5. Dieter sagt:

    Hallo,
    es bleibt doch die Frage, mit welchem Gesellschaftskonzept können die Probleme der Mehrheit der Menschen gelöst werden ?

    Kapitalismus oder soziale Marktwirtschaft in der gegenwärtigen Form (Neue Soziale Marktwirtschaft) – Fehlanzeige

    Der real praktizierte Sozialismus in vielen Ländern – gescheitert.

    Kommunismus – Utopie.

    Ich halte eine soziale Marktwirtschaft in ihrer ursprünglich konzipierten Form für die einzige Grundlage eines gesellschaftlichen Konsens in den entwickelten Industrieländern. Das setzt aber ein neues Denken und Handeln von Seiten der Unternehmerschaft, der Vermögenden und Reichen voraus, wo die gesellschaftlichen Interessen das Primat gegenüber der unbegrenzten Profitgier haben.
    Vielleicht bin ich aber auch ein Utopist.

    Viele Grüße

    • Paten sagt:

      Guten Tag. Ursprünglich lag alles in Trümmern und D. war okkupiert und von Selbstbestimmung und Welthandel abgeschnitten. Also brauchte man für den Wiederaufbau Anreize für Volks (Konsumgüter) und gleichzeitig war dieser schier unendlich wachsende Bedarf die Chance der deutschen Kapitaleigner und Kriegsgewinnler wieder über die nationale Produktion (als gesellschaftliches Aufbauwerk) in den freien (von Besatzerrechten) Welthandel und damit wieder in die finanzielle Selbstbestimmung zu kommen. Dazu half die Lehre aus dem Versailler Vertrag für England, dass man nie seinen größten Absatzmarkt per Beutezug zerstören sollte, wenn man nicht selbst die eigene Wirtschaft zugrunde richten will. So wurden am Ende der europäischen Schwächeexzesse (1914 bis 1945) die USA Weltmacht. Die Idee der sozialen Marktwirtschaft hatte also den Anreiz den deutschen Konsumenten wieder aus Arbeit und Einkommen zahlungsfähig zu machen für die Güter vor allem der USA. Dem war dann der Marshallplan gewidmet, in dessen Zuge alle kontinentalen westeuropäischen Regierungen und die Konzernherren eigene Währung und Kredite über Stützung durch den -noch Gold gedeckten- U.S.Dollar (1,6 Milliarden für alle) bekamen und im Gegenzug für den Wiederaufbau in den SUA einkaufen mussten und später weiter liefern. Dieses als „Wirtschaftswunder“ verbrämte bürgerliche (CDU, nicht linke) Wohlstandskonzept war also die beschleunigte Kapitalisierung des deutschen Konsumenten, um später die Gewinne per sozialer Umverteilung abzuschöpfen, ein Prozess, in dessen globalisierten Endstadium wir heute sind.

      Als Katalysator wirkte zudem der auch sozialspolitische Wettbewerb des nicht erst durch China bekannten „Ein Land, zwei Systeme“ mit BRD-I und DDR als Protagonisten im geteilten Reichsterritorium. Ein Umstand der Wohlstandsverteilung aus dem BIP u. BNP, der dank Gorbatchovs „Umbau“ = Sprungschanze in die puristische neoliberale Wirtschaftsführung heute das Adjektiv „soziale“ überflüssig macht.

      Es ist daher im Lichte der historischen Gestehung der sozialen Marktwirtschaft und der durch die neoliberale Umverteilung, die verlagernde Internationalisierung des Wirtschaftens und Finanzierens (Globaliserung) und die das alles unterstützende Demokratie- und Rechtsstaatsentwicklung zwar edel wieder sozial wirtschaften und verteilen zu wollen, allerdings müsste man heute die neuen realen Eigentums-, Umverteilungs-, Konzentrations- und Zentralisierungs- sowie die globalisierenden Integrationsprozesse der nationalen Plutokratien rückgängig machen und kontrollieren, bevor die die Staaten in die offene Überwachungs-, Kontroll- und Straflager-Diktatur umbauen können.

      Also demokratische Rechte stärken (direkte Demokratie und Rechenschaftspflicht), darüber Kapitaleigentum und v-w Erträge wieder in die Verantwortung für die Allgemeinheit nehmen und so die Distributionsverhältnisse wieder als demokratisches Verwaltungsziel eines sozialen (bzw. damit eher sozialistischen) Marktwirtschaftens unter demokratische Kontrolle und Hauptanliegen der Staatsverwaltung zu bekommen.

      MfG

  6. Gaby sagt:

    Hallo, Dieter und Mitlesende,

    ich halte Deinen Ansatz, zur „Sozialen Marktwirtschaft“ zurück zu kehren, für einen erträglichen Weg, schlimme Auswüchse des Kapitalismus (extreme Armut, extremen Reichtum und die Verwüstung dieses Planeten) in relativer Balance zu halten. Aber, wie Paten schon schrieb, gehört hierzu ein drastisches Umdenken, das leider nicht in Sicht ist.

    Die Entwicklung des Kapitalismus hat uns allen gezeigt, zu welch enormen technischen Innovationen, zu welch unglaublicher Produktivität die Menschen fähig sind. Leider liegt dieser Entwicklung Profitgier und nicht Menschenliebe zugrunde. So kommt es, dass überall auf der Welt Menschen an simplen Krankheiten sterben, weil sie kein Geld haben, sich Medikamente zu kaufen und gleichzeitig werden diese Medikamente vernichtet, sobald sie ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Die ungeheuren Mengen Agrar-Erzeugnisse dienen nicht grundsätzlich dazu, Menschen zu ernähren, sondern Gewinne zu machen. Anders ist nicht zu erklären, dass Millionen von Menschen verhungern und gleichzeitig Tonnen von Nahrungsmitteln vernichtet werden.

    Der Kapitalismus steht meines Erachtens auf einer falschen Grundlage, eben weil in diesem System der Mensch nur dann einen Wert hat, wenn er Geld besitzt. Was gäbe ich drum, wenn sich diese Ideologie zugunsten der Menschen ändern würde. Wenn das einträte, würde es uns schwer fallen, von armen Menschen als „überflüssigem Menschenmüll“ zu sprechen, denn wir würden den Wert jedes Menschen erkennen und seine Fähigkeiten wertschätzen und nicht in erster Linie auf die Dicke seiner Geldbörse schauen.

    Gaby

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