1601

Gedanken zur Zeit 1601 15-12-09: Von der Sehnsucht nach der einfachen Formel, die alles erklärt

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13 Responses to 1601

  1. Ralf Hagelstein sagt:

    Danke für die klaren Worte!

  2. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    Menschen denken häufig nicht formal-logisch. Das ist unbestreitbarer Fakt!

    Sie verwenden oft das in der Denkpsychologie so genannte Werkzeug der Urteilsheuristik. Dabei entstehen systematische Denkfehler, die als Bias (engl. = Vorurteil, Tendenz, Voreingenommenheit) bezeichnet werden.

    Unlogische, aber vom Inhalt her glaubwürdige Schlussfolgerungen werden oft für wahr gehalten bzw. logische, aber unglaubwürdig erscheinende Tatsachen werden irrtümlich als falsch eingestuft (= belief bias).

    Noch weiter verbreitet ist die Neigung, falsche Schlussfolgerungen dann für wahr zu halten, wenn sie die eigenen vorurteilsbehafteten Überzeugungen bestätigen (= confirmation bias).

    Fazit:

    Eine neue Information besteht aus Prämissen und Axiomen. Die grundsätzliche geistige Herausforderung des Menschen ist, aus der Menge der Prämissen und Axiome diejenigen herauszufiltern, die in ihrer Konklusion einen wahren, also unbestreitbaren Informationszuwachs und am besten eine daraus resultierende weitere innere Reifung des Menschen erbringen.

    Dr. Jahnke deckt in Sachen „neoliberale Globalisierung“ etliche Vorurteile auf, in denen andere Menschen noch verhaftet sind und sich vielleicht auch nie aus ihren Hirngespinsten lösen.

    ABER:

    Wen der Alltag, wie auch immer quält und dem Menschen keine Muße zum intensiven Nachdenken lässt, wem der Geldbeutel leer ist und das Morgen ungewiss, wer von der Hand in den Mund lebt, derjenige meiner MitbürgerInnen hat keine Ruhe, keine Zeit und keine Lust, sich davon zu überzeugen, ob er in so einem abstrakt-ungewohnten Gebiet wie der Ökonomie einem Hirngespinst aufsitzt oder nicht. Da ist es einfacher, zu einem Bias zu greifen und die Welt ist erst einmal in Ordnung…., bis morgen oder übermorgen. Dann sehen wir weiter.

    Das eigentliche Problem der völlig natürlichen geistigen Irrungen und Wirrungen der Menschen ist die Leichtigkeit ihrer politischen Instrumentalisierung. Am Schlimmsten haben wir das wohl unter Hitler erlebt. In der jetzigen Krise vermuten wir die Lösung aller Weltwirtschaftsprobleme beispielhaft im sorgfältigen Haushalten der von Frau Dr. Merkel mehrfach beschworenen „schwäbischen Hausfrau“. Auch dieses einfache Modell der Wirtschaftlichkeit ist ein Trugschluss! Frau Dr. Merkel (spitzfindig Mutti Merkel genannt) benutzt einen Bias, um uns Ökonomie nahe zu bringen und uns gleichzeitig so naiv zu beruhigen, als wären wir kleine Kinder.

    Und je ärger die sozialen wie finanziellen Probleme unseres Staates uns Individuen über den Kopf wachsen, desto einfacher haben es Demagogen und Publizisten wie die von der BILD, ein Volk zu zwei- gar zu vierteilen, es aufeinander zu hetzen und letztlich in den wie auch immer gearteten Untergang zu führen.

    Dies ist eine bitter ernst gemeinte Warnung an meine Mitmenschen, die vielleicht noch nicht darüber nachgedacht haben, ob sie tatsächlich der/die sind, für den/die sie sich gemeinhin halten.

    Gaby

  3. heiner sagt:

    Es war schon immer aufwändiger dicke Bretter zu bohren, als über leichte Planken zu laufen!
    MfG

  4. hans-in-glück sagt:

    Einfache Lösungen in einer komplizierten Zeit – alles Geniale ist einfach – Zweifel müssen zulässig sein, egal worum es geht – sachliche Auseinandersetzung und Toleranz – Kritik nicht abschmettern, sondern argumentieren – Fakten aufbereiten und unvoreingenommen interpretieren …

    Vieles davon finde ich auf der Seite und im Blog sehr oft schon vor; dafür Herrn Dr. Jahnke Dank und Anerkennung, weil er sich nicht zu schade ist, selbst zu nicht ganz sachlichen Kommentaren Stellung zu beziehen.
    Allen anderen mehr oder weniger Dauergästen ein freundliches Hallo und Dank für die Geduld und Sachkenntnis.

    Wahrscheinlich sind wir (leider?) bald an der Stelle, wo es leichter fällt, das Trennende hintenan zu stellen und sich gemeinsam auf das Verbindende zu konzentrieren, weil es dann „um Alles“ geht.
    Meinungsverschiedenheiten nicht unter den Teppich kehren, aber zugunsten fruchtbarer Diskussion und Veränderung die Differenzen (nachdem sie deutlich gworden sind) nicht ständig zu betonen.

    Meine Wünsche für das Fest und das Neue Jahr.

  5. Paten sagt:

    Guten Abend und Morgen. Ich bin gerade (etwa) vom Gespräch mit meiner 31-jährigen, aufgeschlossenen und netten Lieblingsbettlerin vor dem (bis 24h offenen) Supermarkt zurück. Jedenfalls war ich mal wieder glücklich, dass sie mal wieder glücklich war über Essen, Trinken, Hundefutter, Flaschenbon und etwas Geld und dass ich ihr Hoffnungen machen konnte ihre Hepatitis C wegzukriegen (Schwester starb an AIDS, infizierender Mann lebt noch wie auch ihr HepC Spender), weil ich mir das wegen meiner kleinen Tochter lange vorgenommen hatte und jetzt die weltbesten Spezialisten und Lösungen dafür mitinitiiert habe. Das, was so einfach klingt und ich jahrelang als „Projekt“ hatte, machte ihr echt zu schaffen, weil sie hier zwar früher behandelt wurde, jetzt aber vom Amt ständig kein Geld bekommt wegen allerlei „Fehlern“ und daher nicht versichert ist. Ergo Betteln vorm Supermarkt. Sie ist Deutschland.
    Dann kam noch ein Kumpel, der am Eingang vermummt gegenüber stand (wir haben um 0°C). Im Gespräch mit ihr: Guck mal, was die mir auf dem Weihnachtsmarkt geschenkt haben. Sie: Du kannst eh keine Mandeln essen mit deinen Zähnen. Er gab ab. Alles ganz schnell, friedlich, normal. Jedem das Seine.
    Inzwischen schleppte ihr -sehr hübscher- zitternder ???Hund mir alles zum Spielen an, was metallisch war. Ich stoße/werfe weg, Hund bringt zurück. Allen ist kalt, außer man bewegt sich. Nach Hause, Ich in meine Wohnung, der Kumpel ins AL-Heim, sie in den Bauwagen für 20 €. Und glaubte mir immer noch nicht, dass HepC heilbar ist. Ihre Oma wurde 103. Sie sagte, das wäre wohl der Lohn für ihre Menschlichkeit und Gutherzigkeit gewesen. Sie möchte auch so sein. Und belohnt werden. Der Hund bellt, damit es das ganze Viertel mit 5.000 Leuten auch hört. Sie sagt er sei gut erzogen. Ich widerspreche. Tschüs. Tschüs. Wir sehen uns am Supermarkt wieder und es arbeitet bis dahin in uns ob der einfachen Wahrheiten vor unseren Augen.
    ***
    Zurück, lese ich Dr. Jahnkes „Von der Sehnsucht nach einfachen Formeln“ und Hans-in (?)-Glück, der mir nicht böse ist, obwohl auch ich ihn -sachlich- abgebürstet hatte und nicht alleine weiter diskutieren wollte (ich hab auch nicht die Zeit, ganz ehrlich, achte aber alle, die es ehrlich meinen). Weihnachtszauber. Wieder das Gefühl, du kannst dich nicht verständlich mitteilen. Man glaubt nicht mir nicht, sondern sich selbst nicht.
    ***
    Es war heute abend kalt. Nur Temperaturschwankung nach unten? Das Geld war knapp bis abwesend. Zinsen? Fehlanzeige.
    ***
    Globalisierung? Armut? Merkel? Guttenberg? Bist du ‚links‘ oder ‚rechts‘ arm? Globale Temperaturschwankungen? Hähhh? Meine Oma war eine ehrliche Frau.
    ***
    Mir ist jetzt kalt. Ich ging dann auch ’nach Hause‘.
    ***
    Worum geht es hier?

    MfG

  6. Manul sagt:

    Nun, Problem an politischen Richtungen, ob sie nun von links oder rechts kommen, ist immer, dass es auch sehr beschränkte Menschen gibt, die bestimmte Zusammenhänge einfach gar nicht wirklich verstehen können. Für mich gibt es deshalb heutzutage kein wirkliches links-rechts mehr, sondern reaktionäre und progressive Strömmungen und derzeit gibt es nur wenige wirklich progressive Strömmungen und Menschen, die diese auch vertreten würden. Unsere Gesellschaft krankt an Ideenarmut, was auch bei den heutigen Lebenverhältnissen und -realitäten kein Wunder ist. Dadurch wird der Westen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell den Bach unter gehen, allein schon, weil alles zur exlusivem Gut gemacht wird, inklusive Bildung. Die Welt ist aber zu komplex geworden, um Milliarden Menschen, wie im tiefsten Mittelalter dumm zu halten und unsere ‚Eliten‘ weltweit sind viel zu sehr damit beschäftigt virtuelle Konten zu füllen, als dass sie überhaupt wüssten, was die Welt von morgen braucht. Gerade deshalb ist eine Arbeit, wie hier auf diesem Portal so wichtig, egal, ob man immer der Meinung des Machers ist (was ich auch nicht immer bin ;)), weil sie das ungeschönt darstellt, was uns gerne verschwiegen wird.

    Noch etwas zu der Linken selber: ich beobachte die Strömmung nun auch ein Weilchen und die Schwäche war und ist, dass hier oft auf eine ganz krasse Weise reaktionäre und progressive Kräfte aufeinander treffen, die keinerlei gemeinsamen Nenner ermöglichen und somit die Stömmung selbst dadurch sehr zerfranst ist. Eines haben die meisten jedoch gemeinsam – sie setzen sich für eine egalitäre Weltordnung ein, die aber selbst im 21. Jahrhundert eigentlich immer noch eine schöne Utopie ist. Stattdessen erleben wir, wie die schlimmsten Dystopien Wirklichkeit werden und die Menschen wie gelähmt davor stehen und sich wie die Schafe auf die Schlachtbank führen lassen. Das lässt die krassen Unterschiede in den linken Ideologien, die es so gibt, noch sichtbarer werden, denn alle Wege führen hier irgendwie schon nach Rom, bloss manche verlaufen sich im Wald auf dem Weg dahin und finden ihren Weg nicht wieder. Das ist auch der Grund warum die Linken in dieser Krise kaum wirklich profitieren.

    • Paten sagt:

      Guten Abend. 11 Mio. Deutsche haben ein Einkommen unter der Armutsgrenze. 1,35 Mio. können von ihrem Einkommen nicht leben. 1 Mio. Menschen )’Kunden‘ werden von den sgn. ‚Tafeln‘ verköstigt und bekleidet, weil sie sonst (ver)hungern und frieren würden. Das ist reaktionär, weil man die Armut in einem Bankerboni- und Hochdiätenland so schön verschwinden lassen kann und keine gesellschaftliche bzw. staatliche Lösung zur Selbsthilfe (Einkommen aus Arbeit) mehr angestrebt wird. Und in den Entwicklungsländern bis hin zum Kundus versprühen wir zur Armutsbekämpfung die Weisheit, die bräuchten Hilfe zur Selbsthilfe (=Arbeitsplätze), was richtig ist und das Gegenteil von Agenda 2010 und Hartz IV, die ja Reichtumsförderungsstrategien für wenige sind. Arbeitsplätze ins Ausland wie China abgeben bei Massenarmut und Bildungssauschluss durch Ressourcenverweigerung (ALG-II hat das nicht im Regelsatz der 2 Mio. Bezieher-Kinder)im eigenen Land, gehört zur Schizophrenie und Heuchelei – von links bis rechts, die das alles einstimmig im Bundesrat abgesegnet haben und sich heute ausschweigen. Die Würde des Menschen … Reaktionär oder progressiv bzw. sozial oder asozial – dort verlaufen die politischen Grenzen in Deutschland.

      MfG

      • hans-in-glück sagt:

        Vor kurzem gab es eine Sendung, die hieß „Arm und abgeschrieben“, ist bei youtube in mehreren Teilen anzusehen (Teil1 unter http://www.youtube.com/watch_popup?v=odyb5OKrmlg); sie illustriert sehr ausführlich, was Paten hier sagt.
        Und er hat recht:
        Es gibt nur eine Trennlinie in unsere Gesellschaft – die zwischen arm und reich.
        Danke für die Klarheit.

  7. HandaufsHerz sagt:

    Hallo an Alle,

    was mich an dem Auftritt der Promis und an den Vertretern der Koenigshaeuser auf der Klimakonferenz stoert, ist die Tatsache, dass alle Promis auf die Traenendruese druecken, – von Umweltschutz reden und das groesste Geschaeft der Zukunft meinen naemlich den Emissionshandel. Es geht hier um die Geburt eines neuen Marktes, der mehr, als das doppelte Volumen des Oelmarktes beinhalten soll. Was mich an den Neolibs und Neokons stoert, ist, dass sie die Emotionen der negativ Betroffenen ausnutzen, um sich ihre Pfruende zu sichern.

    Weil viele Menschen im Lande Weihnachten nicht feiern koennen, kann ich leider, auch aus Solidaritaet, dem Weihnachtsrummel nichts Positives abgewinnen.
    Es ist wieder die Zeit des wohlgefaelligen, steuerabsetzbaren Wohltaetigkeitsgeprotzes der Gutbetuchten.

    Gruesse
    Gisela

  8. Klaus sagt:

    @HandaufsHerz
    Treffender wäre wohl der Ausdruck:
    ABLASSHANDEL

  9. Taylor_two sagt:

    @Gaby

    Du schreibst:
    „…allein schon, weil alles zur exlusivem Gut gemacht wird, inklusive Bildung….“
    Hierzu möchte ich auf ein Buch aufmerksam machen, das hier

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12342

    rezensiert ist (das Vorwort gibt es als PDF-File).
    Noch ein weiteres Buch:
    Dietrich Dörner:
    „Die Logik des Mißlingens“
    RORORO 1992.

    Schöne, besinnliche Feiertage

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