1600

global news 1600 03-07-09: Die Eurostatdaten zeigen Deutschland auf dem Wege von der Sozialen Marktwirtschaft zur neoliberalen Spitzengruppe

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7 Responses to 1600

  1. Gaby sagt:

    Hallo zusammen,

    wir sehen, breite deutsche Schichten verarmen immer mehr und immer schneller. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere ist, dass Arme ein hochexplosiver politischer Faktor sind. Das hat uns die Französische Revolution eindrucksvoll gezeigt.

    In den 1830ern glaubten die einfachen Menschen, vor allen Dingen die Weber, schlimmer geht’s nimmer. Aber es kam noch viel dicker: In England wurde der mechanische Webstuhl erfunden, die Preise für Textilien fielen dramatisch und vor allem die schlesischen Weber litten tiefe Not. Es entstanden Hungeraufstände, die blutig niedergemetzelt und die Loyalität zum Herrscherhaus zerstörten. Heinrich Heine legte den Aufständischen ein Kampflied in den Mund:

    „Ein Fluch dem König, dem König der Reichen
    Den unser Elend nicht konnte erweichen
    Der den letzten Groschen von uns erpresst
    Und uns wie Hunde erschießen lässt.«

    „Die 48er“ nannte man die Revoluzzer, die 1848 auf die Barrikaden gingen, die Demokratie und bessere soziale Verhältnisse forderten. Sie hielten sich kaum ein Jahr, veränderten aber für immer das politische Bewußtsein der kleinen Leute; sie wurden sich ihrer Macht bewusst und politisierten sich. Karl Marx und Friedrich Engels griffen die „soziale Frage“ auf das blieb Weißgott keine theoretische Gefühlsduselei.

    Die Arbeiter taten sich plötzlich zusammen, organisierten sich, gründeten die Vorläufer der späteren Gewerkschaften. Durch den Erfolg der Arbeiter im Kampf gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit, zeigten sich in Folge auch die Kirchen solidarisch. Diese kirchlich gestützten Arbeiterbewegungen bildeten die Vorläufer der „linken Sozialausschüsse“ und mündeten letztlich in der CDU und CSU. Als Arbeiterpartei im eigentlichen Sinne verstand sich jedoch ausschließlich die SPD.

    Bismarck reagierte auf die „Sozialistengefahr“, indem er nicht nur sozialdemokratische Funktionäre verfolgen und erschießen ließ, sondern indem es erstmals in der Geschichte der Deutschen eine Kranken-, Unfall- und Altersversicherung gab, die den Arbeitern das Gefühl einer sozialen Sicherheit geben sollten.

    Dauerhaft ließ sich die Arbeiterbewegung nicht unterdrücken und so war es die SPD, die Pate stand bei der Gründung der Weimarer Republik. Die SPD stellte sogar den ersten Reichspräsidenten, Friedrich Ebert, 1871 – 1925. Endlich konnte eine Politik für die sozial Schwachen und die Arbeiter betrieben werden. Den meisten Bürgern gefiel das alles nicht, sie sehnten sich Kaiser Wilhelm zurück und die Linken liebäugelten mit dem Kommunismus. Bürger und Arbeiter standen sich als Klassenfeind gegenüber.

    Als Sieger dieses Konfliktes ging Adolf Hitler hervor. Zwar verbot der „Führer“ Gewerkschaften, SPD und kommunistische Partei und verfolgte seine Anhänger, doch die sozialen Errungenschaften der Arbeiterbewegung ließ er unangetastet. Hitler war klar, dass er, wollte er sein Ziel des totalen Krieges durchsetzen, auf die Arbeiter angewiesen war. Das Naziregime führte in Krieg und Niederlage, Deutschland teilte sich und im Osten realisierte sich die Planwirtschaft, wohingegen im Westen die „Soziale Marktwirtschaft“ entstand, die den Wettbewerb zwar zulässt, aber die Auswüchse des Kapitalismus durch Gesetze verhindert. „Eigentum verpflichtet!“, lautete die Devise. Vor allem aber erhielten die Arbeiter mehr Rechte und gleiche Bildungschancen wie der Mittelstand.

    Auch die CDU kehrte ihre soziale Komponente heraus. Ihr ging es um Werte wie Familienfreundlichkeit, Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Erst Ende der 1980er, unter Helmut Kohl, sank dieser Gleichheitsgedanke auf bis dahin in der BRD unbekanntes Niveau. Dieser Prozess, die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse bis in die Unerträglichkeit zu verzerren, hält bis heute an und nennt sich „neoliberale Globalisierung“. Auch die Politik der SPD ist seit der rot-grünen Ära davon erfasst. Der von Dr. Jahnke dargestellte Gini-Koeffizient zeigt das eindrucksvoll, wie sehr sich unsere Gesellschaft entsolidarisiert hat.

    Warum ich das alles schreibe?
    Um Euch Mut zu machen!

    Je unsozialer die Verhältnisse werden, desto leichter sind sich die darunter leidenden Menschen einig, dass sie etwas unternehmen müssen. Es finden sich intellektuelle Vordenker und es finden sich Menschen, die sich organisieren. Und wenn sie beharrlich ihre Forderungen vertreten, werden sie die Dinge zum Positiven ändern. Das geht nicht immer gradlinig und auch nicht immer unblutig, aber letztlich setzt sich der Gerechtigkeitsgedanke durch. Selbstverständlich gibt es immer wieder Rückschläge, muss das Erkämpfte teilweise losgelassen werden. Aber unter’m Strich verbessern sich die sozialen wie wirtschaftlichen Verhältnisse unaufhaltsam.

    Bis denne,

    Gaby

  2. localenot sagt:

    Die Wahlsonntagsfrage

    „Könnt ihr?“

    „Wen und was?“

    „Uns wählen?“

    „NO, WEEKEND!“

  3. Gaby sagt:

    Hey, Localenot,

    rappel Dich auf, hab Mut, geh voran.
    Wir sind mental bei Dir!

    Nicht den Kopf in den Sand stecken! Geh vorwärts, vertraue Deinem eigenen Verstand, Deinem Bauchgefühl.

    Gib nicht auf, lieber Localenot.

    Gaby

  4. localenot sagt:

    @Gaby

    bin konform mit Dr. Jahnke’s Analysen und hab sicher seine Besucherzahlstatistik schon einige Monate immer wieder hochgeschraubt, nur um Dinge abzugleichen und neugierieg auf Neues zu warten. Hab unter 1382 zum Asmussen-Revival versucht ein paar Mechanismen in Zusammenhänge zu setzen, die Dr. Jahnke zuvor im statistischen Detail und bewerttend erhellte: Beschleunigte politische Umverteilung des Volksvermögens in Westeuropa – Aufbau US-Kreditmarkt – parallel Aufbau China als Billig-Lieferant dahin um jeden Preis gegen Kreditdollar (auch) aus Deutschland- China-Exportdollar zurück in USA als Staatsanleihen gegen (nie aus Wirtschaftsleistung bezahlbarer)%% zur Finanzierung Defizitwirtschaft und Komsum auf Pump, militärischer Investitionen in Rohstoffbeschaffung, Steuersenkungen für exekutive Unternehmen dieser Politik und letztlich – Vertiefung sozialer Abhängigkeit Mittelstand und Unterschicht (Zeltstädte und Gefangnisse)- Abwälzung des Zahlungsdefizits für laufende Kosten und Schulden auch auf europäische Arbeitnehmer (politische Umverteilung Nationaleinkommen) und so weiter.
    NAtrürlich muss mit steigender Suppression zur Umverteilung auch die Überwachung und Deliktfähigkeit der Bürger steigen, die diese Medialdemokratie abgezinst am Fernsehen geniessen sollen.

    Im übrigen kann und will ich mir keinen Sand zum Kopfreinstecken leisten oder ein Sandmännchen aus dem Internet (s. eingangs), TV oder Zeitung einladen, weil’s dann nach Tausendmal „Mr. Sandmann, bring me a dream…“ auch mental nichts mehr wird.

    Danke für’s gut gemeinte Mut machen! Aber die Nichtwählbarkeit denkbarer neoliberaler Koalitionen am Wahlsonntag („NO, WEEKEND!“) nach dem „Weiter so auf Eure Kosten“ ist wohl indiskutabel. Die werden erst Angebote machen, wenn sie nicht gewählt werden und Pfründe und Macht über das Volksgeld weg sind. Dazu bedarf es seriöser alternativer Angebote. Und genau hier beginnt des deutschen TV-Michel Problem.

  5. Gaby sagt:

    Hallo, localenot,

    ich find’s prima, dass Du hierher gefunden hast. Deine Ausführungen zu „1382“ habe ich aufmerksam und zustimmend gelesen. Ab da wurde mir klar, dass Du keine/keiner bist, die/der zu irgendetwas ermuntert werden muss. Im Gegenteil: Bei Dir liegt im positiven Sinne Power auf Lauer!

    Ich freue mich, wieder von Dir zu lesen und verbleibe bis dahin mit den besten Grüßen

    Gaby

  6. Paten sagt:

    [nur privat]

    Hall Dr. Jahnke, die Verlinkung 1721 führt zu 1600 vom Juli.

    MbG

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