1599

global news 1599 03-07-09: Die Sintflut nach den Wahlen

Hier zum Text

Advertisements

3 Responses to 1599

  1. Gaby sagt:

    Au Backe,

    liest sich fies, nicht wahr?!

    Der Vollständigkeit halber will ich anfügen, dass die Staatsverschuldung stets brutto betrachtet wird. Die Forderungen Deutschlands gegenüber anderen Staaten werden nicht Schulden mindernd eingerechnet. Leider kenne ich die Forderungen Deutschlands gegenüber anderen Staaten nicht, sonst würde ich sie Euch mitteilen.

    Am Eingang des Berliner Plenarbereichs steht in großen Lettern: „Dem deutschen Volke“. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der letzten 25 Jahre diente jedoch „Der deutschen Wirtschaft“ und diese neoliberale Regierungsform hat viel Schaden über das deutsche Volk gebracht. Am phänomenalen Misserfolg deregulierter Märkte knabbern nun wir Deutsche, knabbern nun alle Volkswirtschaften dieser Welt.

    Ob die Rückzahlung von Staatsschulden gelingt, hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes ab. Der Binnenmarkt muss unbedingt gestärkt werden in Form von kräftiger Erhöhung der Löhne/Gehälter, also der Wiedererstarkung der Gewerkschaften und der Nivellierung von Steuerungerechtigkeiten. Es muss der Mut aufgebracht werden, Reiche steuerlich sozial so gerecht zu belasten, wie es in den „goldenen Jahren“ der Bundesrepublik, als der Virus des Neoliberalismus die Soziale Marktwirtschaft noch nicht zerstörte, üblich war und sich damals niemand darüber beschwerte, dass der Reiche mehr abgibt, als der Arme.

    Entscheidend ist aber auch die Ausgabenpolitik des Staates. Ein Staatshaushalt ist nicht mit einem in finanzielle Not geratenen Privathaushalt zu vergleichen! Das ist ein Irrglaube. Wer als Finanzminister in einer Konjunkturkrise an allen Ecken und Enden spart, verliert den Kampf gegen die Schulden, die werden sich nämlich automatisch mehren, statt sich zu verringern, weil das Volk immer weniger Möglichkeiten hat, Geld zu verdienen und auszugeben und zudem ein psychologisch-privater Angst-Sparwahn eintritt.

    Die vor wenigen Tagen beschlossene „Schuldenbremse“ wird sich künftig würgend um unsere Hälse legen. Wir werden es mit deftigem Abbau staatlicher Sozialleistungen und staatlicher Investitionen zu tun kriegen. Das Ehrenamt wird von Präsident Horst Köhler noch mehr beschworen werden als ehedem, um ein Minimum an Menschlichkeit dessen aufrecht zu erhalten, wofür eigentlich der Staat zuständig ist und wir viele Steuern zahlen.

    Wer in die Krise hinein spart, vermehrt die Staatsschulden. Das hat unser „eisernes Sparhänschen“, der examinierte Gymnasiallehrer mit Studium der Germanistik, Philosophie, Geschichte, Politik und Erziehungswissenschaften, Hans Eichel, bitter erfahren müssen, als er von 1999 bis 2005 Bundesminister der Finanzen war. Er hat die deutsche Volkswirtschaft durch seine Sparpolitik verschlimmbessert, vermutlich, weil er kein Nationalökonom ist und der Logik folgte, der auch die diplomierte Physikerin Dr. Angela Merkel anhängt, indem sie beneidenswert blauäugig das „sparsame Wirtschaften der schwäbischen Hausfrau“ beschwört. Und wir nicken alle mit dem Kopp, weil es ja ach so logisch klingt und unserer eigenen täglichen Wahrnehmung im Kreise unserer Familie entspricht.

    Au Backe, wer solches Spitzenpersonal hat, braucht keine Kavallerie um sich in seiner Existenz bedroht zu fühlen. Die Existenzbedrohung kommt aus dem Innern, ganz ohne Kanonen und Schießgewehr.

    Bis denne,

    Gaby

    • globalnote sagt:

      @Gaby,

      Hier geht es um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Da gibt es keine Forderungen zum Gegenrechnen, anders als bei der Verschuldung Deutschlands gegenüber dem Ausland.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Hallo, Herr Dr. Jahnke,

    da habe ich tatsächlich im Eifer des Gefechts übersehen, dass Sie von „öffentlichen Haushalten“ reden und nicht davon, wie die Gesamtverschuldung Deutschlands bilanziert wird.

    Danke für den Hinweis!

    Aber, liebe Mitleser/innen, da könnt Ihr sehen, was dabei heraus kommt, wenn ein Nichtökonom sich anschickt, Wirtschaftspolitik zu machen. Ein Laie scheitert schon an der ersten Hürde, nämlich dem Erkennen des Unterschiedes zwischen der Verschuldung öffentlicher Haushalte und der Staatsverschuldung inklusive den Forderungen gegenüber dem Ausland.

    Ernesto Che Guverara erging es einst ebenso kläglich, als er Ende der 1950er/Anfang der 1960er Finanzminister in Kuba war.

    Der examinierte Arzt hatte von Ökonomie keinen Schimmer, brachte aber seine Vorstellung von idealer Marktwirtschaft derart forsch voran, dass die reichen Kubaner mit ihrem Vermögen vorzugsweise nach Florida flohen, seitdem Exil-Kubaner heißen und sich die Wirtschaftsleistung Kubas in extremer Geschwindigkeit halbierte, obwohl Che doch nur das Allerbeste für das kubanische Volk beabsichtigte.

    Bis denne,

    Gaby

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: