1566

global news 1566 11-06-09: Tragen die falschen Wirtschaftspolitiken von China und Deutschland die Hauptschuld an der globalen Krise?

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6 Responses to 1566

  1. Peter sagt:

    Hi, sind also nun die Sparer in Deutschland daran „schuld“, dass die Finanzkrise ausbrauch. Nicht die Schuldner die über Saus und Braus lebten. Es wird immer verwirrter.

    • globalnote sagt:

      @Peter,

      Sparer sind hier deutlich als die angesprochen, die schon alles haben (die finanzielle Oberklasse bei immer ungleicherer Einkommensverteilung), und Volkswirtschaften, die den eigenen Konsum für den Export ausgebremst haben, um statt die volkswirtschaftliche Ersparnis zu Hause zu investieren, sie auf den Finanzmärkten anzulegen oder ihre Abnehmer zu finanzieren. Ich sage das nun seit Beginn der Krise in meiner Anlalyse und andere sagen es auch. Da ist nichts verwirrt. Und einen Psychiater brauche ich auch nicht. Bitte noch einmal nachdenken oder nachlesen!

      Die anderen konnten nur ueber Saus und Braus leben, weil die doofen Chinesen, Deutschen, etc. in ihrer Exportversessenheit ihnen den Saus und Braus unbedingt ermoeglichen wollten! Und zur Strafe fuer soviel Naivitaet oder Versessenheit leiden sie nun mehr als ihre Schuldner. Mit den Doofen meine ich die jeweiligen Regierungen und Exportinteressenten. Leider haben die deutschen Arbeitnehmer nicht einmal den angeblichen Boom auskosten duerfen anders als die in anderen Laendern. Fuer so viel Dummheit wird man nun mal vom Schicksal bestraft.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  2. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    ich denke, der erste Vorschlag Martin Wolfs ist sehr vernünftig, aber utopisch, denn da müssten sich ja etliche Länderchefs an einen Tisch setzen und die künftige Wirtschaftsstrategie, die sich von der neoliberalen unterscheidet, festlegen.

    Mir fehlt die Phantasie, mir solche Schulterschlüsse vorzustellen.

    Bis denne,

    Gaby

  3. skeptiker33 sagt:

    Dass die in 6 Jahren angehäuften Leistungsbilanzüberschüsse von „nur“ 1,7 Billionen Dollar für Deutschland diese gigantische Krise wesentlich verursacht haben, kann ich nicht nachvollziehen, auch wenn ein verstärkender Effekt sicherlich vorhanden war. Welche Summe wurde von deutschen Investoren denn tatsächlich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt investiert?
    Nach meiner Meinung haben die sog. Finanzinnovationen wie ABS (forderungsbesicherte Wertpapiere) und das mögliche Verkaufen des Kreditrisikos über CDS das Problem vervielfacht. Hinzu kommen die Fehlleistungen der Rating-Agenturen (alle amerikanisch, warum?). Ohne das Triple A Rating wären die verbrieften Kreditforderungen nicht in diesem Maße gekauft worden, weil die Anforderungen zur Hinterlegung mit Eigenkapital viel höher gewesen und somit die Eigenkapitalrendite viel niedriger gewesen wäre.

    Man kann Deutschland auch nicht vorwerfen, dass die Produkte, die es produziert, im Ausland sehr gefragt sind. Wer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, kann eben mehr exportieren. Der deutsche Exporterfolg wird ja nicht mit dumping-Preisen erzeilt, sondern durch bessere Qualität.

    Außerdem:
    Was soll in unserer Überflußgesellschaft der durchschnittliche Deutsche denn noch alles konsumieren, um dass System zu retten? I-pod, playstation etc. hat doch heutzutage schon jeder HarzIV-Haushalt!

    • globalnote sagt:

      @skeptiker33

      Sie scheinen mir zu vergessen, wie schlecht inzwischen ein großer Teil der Deutschen lebt und wie sich die Armut in einem reichen Land ausgebreitet hat. Der I-pod im HartzIV-Haushalt ist reine Polemik. Alle unsere EU-Nachbarn zeigen uns, wie man in der Vergangenheit Arbeitseinkommen und Verbrauch erhöhen konnte. Deutschland hat seit 2000 bei Weitem die schlechteste Entwicklung der privaten Nachfrage siehe hier http://www.jjahnke.net/index_files/12998.gif„>hier .

      1,7 Billionen Dollar in so kurzer Zeit ist ein wahnsinniger Betrag, wenn neben der anderen Überschußliquidität auf die Finanzmärkte geworfen. Mit allen ihren gigantischen Interventionen hat die Fed bisher erst 1,2 Billionen Dollar an Loeschwasser ins System gepumpt. Die europäischen Finanzinstitutionen halten mehr an den miesen Hypothekenpapieren als die amerikanischen, und in Europa die deutschen am meisten. Das sagt doch eine ganze Menge. Natürlich haben auch die Rating-Agenturen faul gespielt. Aber die leichtsinnige Vergabe der Hypotheken in USA war durchaus weltbekannt und die deutsche Bankenaufsicht hätte das Ausparken dieser faulen Eier in eigenen nicht kontrollierten Zweckgesellschaften der Banken nicht durchgehenlassen dürfen. In Spanien wurde das z.B. nicht akzeptiert und auch in Italien wurde das Anlanden dieser Papiere verhindert.

      Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse wurden durch unsinnig mit Verlagerungsdrohung erzwungene Lohnverzichte der Arbeitnehmer und entsprechend mieser Binnenkonjunktur erzielt, neben der Qualität natürlich. Und es ist absolut sträftlich über Jahre solche Überschüsse aufzubauen, die nicht zurückgezahlt werden können ohne eine Inflationierung der Weltwirtschaft, und die nun im Gegenzug zu dem dramatischsten Exporteinbruch führen, den Deutschland je erlebt hat, mit entsprechend schlechter Wirtschaftsentwicklung (die zweitschlechteste nach Japan unter G7-Ländern) und besonders stark anlaufender Arbeitslosigkeit. Das muß man jedenfalls der deutschen Wirtschaftspolitik vorwerfen. Die deutsche Arbeitnehmer wurden daran gehindert, die Vorteile des angeblichen Booms zu genießen, und zahlen jetzt auch noch die Zeche für eine verfehlte Wirtschaftspolitik.
      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  4. Stefan Padberg sagt:

    Hallo,

    ich finde Ihren Hinweis auf die problematische Rolle der deutschen, japanischen und chinesichen Exportorientierung sehr wichtig. Das wird hierzulande einfach ignoriert.

    Jahrelang hat man uns zum „Gürtel enger schnallen“ angehalten und hat gesagt: „Wenn es den Unternehmen wieder besser geht, entstehen auch wieder Arbeitsplätze und dann geht es auch den Arbeitnehmern wieder besser.“ Aber was haben diese „Knallchargen“ gemacht? Statt in die Realwirtschaft zu investieren, haben sie sich für die exportierten Güter wertlose Bonds und was weiß ich nicht alles andrehen lassen!

    Warum haben sie das gemacht? Ich meine, sie hätten sich doch auch in Dollars resp. Euros oder Renmin oder Yen bezahlen lassen können. Wahrscheinlich hätte das die Wechselkurse zu ungünstig beeinflusst und die Exporte zu sehr verteuert. Wenn diese Vermutung von mir richtig ist, dann muss ich Ihnen zustimmen, dass die Exportorientierung zusammen mit der Bereitschaft, das verdiente Geld in den USA zu lassen, eine starke Mitschuld an der Krise trägt.

    Aber ich will auch die US-Geldpolitik nicht aus dem Schneider lassen. Das FED hat eine Politik des billigen Geldes betrieben, damit der Irak-Krieg finanziert werden konnte. Gleichzeitig wurde der Konsum der US-Bevölkerung mitangekurbelt, um den Eindruck zu erwecken, dass das alles nichts kostet und aus der Portokasse bezahlt werden kann.

    Wenn die US-Regierung und die FED sich ihrem eigenen neoliberalen Anspruch entsprechend verhalten hätten, dann hätten sie so eine massive Verschuldung niemals zulassen dürfen. Aber als bei uns noch massiv das Wasser der Austeritätspolitik gepredigt wurde, da tranken sie in den USA schon lange den Wein der Verschuldungspolitik.

    Unsere Politiker und Wirtschaftsführer sind strohdumm, aber die treibenden Kräfte hinter der US-Geldpolitik sind machtbesessen und ungeheuer berechnend und langfristig planend. Ich glaube, da haben wir hier im deutschen Kirchturm noch gar kein richtiges Bild, mit welcher Kaltschäuzigkeit wir es da zu tun haben. Deshalb neige ich insgesamt doch dazu, die Dummheit unserer deutschen elite nicht für die eigentliche Ursache zu halten.

    Konsumquote erhöhen, Binnenmarkt stärken, in Umwelt, Bildung und Kultur investieren: ja gerne, bloß wer macht’s? Die Grünen sind die Einzigen, die angefangen haben, in diese Richtung zu denken, nachdem auch sie jahrelang in der rotgrünen Regierung alles mitgetragen haben, woran wir jetzt zu knacken haben.

    Mindestlohn, Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, Arbeitszeitverkürzung: Wir sollten nicht mehr so bekloppt sein, und für den Export uns krumm und buckelig schuften.

    Lieber weniger und wenn, dann für die Umwelt und die Mitmenschen arbeiten, und dafür dann auch noch mehr Geld bekommen – das wäre doch mal ein schickes Wahlprogramm!

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