1561

global news 1561 09-06-09: Industrieaufträge und OECD-Indikatoren: Noch keine Krisenentspannung bei Deutschland

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One Response to 1561

  1. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag miteinander,

    heute habe ich die Umsatzzahlen „Mai 2009“ meines Arbeitgebers gesehen. Da gibt es keinen Grund, einen „Silberstreif“ am Horizont zu vermuten. Das Minus liegt immer noch bei 28,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat.

    Wir haben nicht nur Absatzprobleme unserer Produkte, wir haben vermehrt Probleme mit Rohstofflieferanten, die pleite gehen, also uns nicht mehr beliefern können. Zwar gibt es mindestens einen Alternativlieferanten, aber der ist nun häufig derart mit Aufträgen überbelegt, dass er nicht so rasch liefern kann, wie wir die Rohstoffe brauchen. Paradox: Die einen gehen pleite, die anderen können nicht liefern, weil sie viel zu viele Aufträge abzuarbeiten haben.

    Schlimm wird es, wenn wir nur einen Alleinlieferanten für einen ganz bestimmten chemischen Rohstoff haben und der pleite macht. Das bedeutet für unsere Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung extrem viel Arbeit, denn wir müssen per aufwendiger, höchst verkürzter Prüfverfahren einen neuen Rohstoff finden, der den pleite gegangenen ersetzt. Und das bei angeordneter Kurzarbeit von 20 %!!!!!

    Die Entwicklungsabteilung rotiert hechelnd! Dieses Desaster ist uns seit Herbst 2008 bereits drei Mal passiert und nie haben wir es geschafft, die einstige Produktqualität wieder herzustellen. Das macht böse Kunden, die sich nun ihrerseits, wenn sie ein besseres Produkt finden, von uns verabschieden.

    Dann kommt erschwerend hinzu, dass uns immer mehr langjährige Kunden aus Preisgründen die kalte Schulter zeigen. Entweder gehen sie direkt in die Pleite, dann sind sie halt leider tot. Oder sie lassen sich vom Preiskampf verlocken, der gerade am Markt tobt. Billig, billiger, am billigsten, aber immer Topqualität verlangend, das ist das ziemlich unfaire Gebot der Stunde! Da können wir nicht mithalten. Kein Unternehmen kann dauerhaft unter Herstellkosten verkaufen.

    Aber genau hier springen die Asiaten in die Breche. Die haben unsere westlich-industriealisierten Produkte und die unserer Wettbewerber in der Vergangenheit derart akribisch analysiert, deutsche bzw. europäische oder amerikanische Produktionsmaschinen gekauft, das Knowhow sogar noch durch den Expansionsdrang des Westens erlernt, dass es ihnen ein leichtes ist, westliche Produkte nachzustellen und weit unter westlichem Preis zu verkaufen.

    Unsere Kunden sind durchaus bereit, für ein Produkt, das nur 50 % Leistung bringt, letztlich 30 % des verlangten asiatischen Preises zu zahlen. „Made in Germany“ bedeutet ja immerhin 200 %ige Sicherheit, die der Kunde aber meist nicht braucht. Es tut auch die 50 %ige Sicherheit zum 30 %igen Preis des Alernativ-Produktes.

    Das ist der Grund, warum ich behaupte, die Asiaten, allen voran China, werden, aller innerpolitischen und –sozialen Widersprüche zum Trotz, siegreicher aus dieser Krise hervorgehen als zum Beispiel wir Deutsche.

    Und das Paradoxe ist:

    Je länger die Krise dauert, desto mehr Fehler werden in allen Hierarchien meines Brötchengebers gemacht. So unkonzentriert, fahrig, nervös, schreckhaft, trübe Gedanken spinnend, unausgeschlafen, aggressiv, mobbend und einfach nur fies, habe ich die Mitarbeiter/innen meines Arbeitgebers in all den 24 Jahren meiner Firmenzugehörigkeit nie erlebt und aus diesem Verhalten erwachsen viele vermeidbare, vorher nie aufgetretene Fehler, die sich in der Produktqualität niederschlagen und vermehrte Reklamationen kundenseitig hervor rufen. Das rupft nicht nur an unserem weltweit guten Ruf, sondern lässt auch die Versicherungssummen gegen Reklamationen steigen.

    Leute, ich sag’ Euch: Nie hätte ich geglaubt, mich je in einer Spiegelwelt wiederzufinden. Seit Januar 2009 ist mein Berufsleben auf den Kopf gestellt, da ist wirklich alles vertauscht, was mir je vertraut war. Ich muss mich an Dinge gewöhnen, die all die Jahre zuvor undenkbar gewesen sind, so auch an meine eigene Kurzarbeit und die Tatsache, dass ich deswegen einen Batzen Geld weniger verdiene.

    Bis denne und haltet die Ohren steif!

    Gaby

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