1558

global news 1558 07-06-09: Die soziale Entgleisung seit 2002

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7 Responses to 1558

  1. dietrich sperling sagt:

    Da steigende Vermögenseinkommen wegen sinkender Erwerbseinkommen nicht sinnvoll „realwirtschaftlich“ investiert werden können, müsste ihre Mehrung in „Blasenbildung“ (asset inflation) stattfinden. Die finden wir in steigenden Rohstoffpreisen und im „Angebot“ von Geld für steigende Staatenverschuldung bei „Deflation“. Letztere wird allerdings noch nicht als „asset inflation“ gewertet. Doch welche „Rationalität“ betriebswirtschaftlicher oder volkswirtschaftlicher Art läßt sich im Handeln von Wirtschaftssubjekten noch entdecken, wenn Geld als globalisierte Ware zum wichtigsten Handelsobjekt wurde? Finanzmarktinstitutionen sind mit ihren Profitinteressen Selbstzerstörungskräfte selbst oligopolistischer (sogenannter) Märkte. Sie sind aber zugleich die Quelle der Finanzierung jener Fehlanalysen, die als herrschende Lehre in den Wirtschaftswissenschaften auftreten!

  2. Gaby sagt:

    Ja,

    das ist ein hübsches Sümmchen Geld, das wir alle während der letzten Jahre nicht in der Tasche hatten, also nicht ausgeben konnten und können, um der fußkranken Binnenkonjunktur Beine zu machen.

    Erinnert Ihr Euch noch an die markigen Sprüche unserer neoliberalen Einpeitscher, die uns darauf koditionierten, mit immer weniger Lohn-/Gehalt und höherer unbezahlter Mehrarbeit glücklich zu sein? Ein paar davon habe ich zusammengetragen.

    „Arbeit muss billiger werden!“
    Bert Rürup, 26. März 2003

    „Ich meine echte Vollerwerbsverhältnisse im Niedriglohnbereich. (…) Es geht hier immerhin um ein Potential von über zwei Millionen Arbeitsplätzen. Und es geht um den Anschluss Deutschlands an die führenden Länder im Dienstleistungssektor. (…) Deshalb müssen wir Lohzuschüsse geben, damit ein Niveau etwas über der Sozialhilfe erreicht wird.“
    Dr. Angela Merkel, 1.10.2003

    „Die Marktwirtschaft ist effizient, aber nicht gerecht. Da sich die Löhne nach dem Gesetz der Knappheit bilden, können manche Menschen nicht genug verdienen, um davon auskömmlich zu leben.“

    Prof. Sinn, Chef des ifo-Instituts, erschienen unter dem Titel „Arbeit für alle“, Die Welt, 1. März 2006, S. 9.

    „Wir befinden uns in einer schweren Beschäftigungskrise. Wenn wir nicht den Preis der Arbeit verringern, werden wir auf dem Weltmarkt nicht ausreichend neue Aufträge nach Deutschland holen können.“
    Roland Koch, 4. März 2006

    „Die Koalition sollte sich darauf besinnen, dass sie sich im zentralen Ziel einig ist, nur über den Weg streitet: Arbeit muss billiger werden. Beide Lager befürworten letztlich eine Entkoppelung, stärkere private Vorsorge und eine stärkere Steuerfinanzierung der Sozialsysteme.“

    Handelsblatt, 27.07.2007, „Arbeit muss billiger werden“

    Was unsere „Eliten“ nicht bedacht haben: Geringe Löhne und Gehälter schaffen keine Arbeitsplätze, sondern Arbeitslosigkeit. Jeder seriöse Ökonom weiß das!

    Je weniger Kaufkraft ein Volk hat, desto weniger Waren und Dienstleistungen werden im Inland nachgefragt. Automatisch steigt der Druck der Unternehmer, sich auf’s Exportgeschäft zu stürzen, wollen sie nicht pleite gehen.

    Und nun, in der Weltwirtschaftskrise, in der wir gut sieben Millionen Hartz-IV-Empfänger bzw. Lohnaufstocker haben und 1,5 bis 2 Millionen kurzarbeitende Menschen (= weniger Lohn/Gehalt!)und 3,5 Millionen offizielle Arbeitslose, bricht uns der Export weg und Finanzminister Steinbrück hofft immer noch mit Hilfe der propagandistisch willfährigen Mainstream-Medien, dass die Deutschen gerade jetzt, in der Krise, beherzte Konsumenten werden, die das Geld, das sie nicht besitzen, mit vollen Händen ausgeben, um den Binnenmarkt zu stützen.

    Die Wahrheit ist: Es besteht keine Hoffnung, dass die von unseren „Eliten“ über Jahre kaputt gewirtschaftete Binnenkonjunktur die wegbrechenden Exporte auch nur annähernd auffangen könnte. Die Chance, den Binnenmarkt zu stärken, haben unsere Exportfetischisten während der letzten Jahre grobfahrlässig vertan. Gerade jetzt entwickeln Deutschen Angstsparen, denn sie wissen nicht, was noch alles auf sie zukommen wird.

    Was das für die deutsche Wirtschaft insgesamt bedeutet und was da noch Schlimmes auf uns zukommen wird, überlasse ich Eurer Phantasie.

    Verabschieden will ich mich mit den zynischen Worten des laut BILD-Zeitung klügsten Ökonomen Deutschlands, Prof. Sinn vom ifo-Institut, der enger Wirtschaftsberater unserer Kanzlerin ist:

    „Wenn man die Ungleichheit akzeptiert, erzeugt sie hohe Einkommen.“

    Bis denne,

    Gaby

  3. hans-im-glueck sagt:

    Warum wir uns noch mit dem täglich wechselnden Gequatsche der Politiker und hirnlosen „Wirtschaftswissenschaftler“ befassen, weiß wohl nur Gott allein.
    Ich komme mir langsam ziemlich vera….t vor.

    Aber keine Angst, die Binnennachfrage MUß ja anspringen, spätestens dann, wenn die Leute begriffen haben, daß sie bald für ihr bunt bedrucktes Papier kaum noch einen realen Gegenwert mehr bekommen werden…

    Welch revolutionäre Gedanken Herr Dr. Jahnke schon äußert: den Einkommenszuwachs der unproduktiven Einkommen „wegzusteuern“ – erinnert fast an den „New Deal“ in den Dreißigern (wo die US-Großkonzerne übrigens einen Putsch gegen Roosevelt organisieren wollten – „leider“ machte der dazu auserkorende General nicht mit – siehe thecorporation.tv).

  4. Volker Hamburg sagt:

    Frage zu 14684: Bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen gibt es im 4. Quartal 08 einen deutlichen Sprung(ca. 5-7Mrd.€) nach oben, welcher sich im 1. Quartal 09 leicht abschwächt. Wie kommt der zustande, wenn man bedenkt, das in diesem Zeitraum die Finanzkrise schon erhebliche Wirkungen auf z.B. Kapitaleinkünfte gehabt haben sollte? Gibt es dafür signifikante Ursachen?

    • globalnote sagt:

      @Volker Hamburg

      Darauf habe ich keine sichere Antwort. Einerseits machten die Unternehmen noch gute Gewinne. Gleichzeitig drosselten sie die Investitionen, was mehr Ersparnis bedeutet und demensprechend Einkommen aus der Geldanlage. Auch die Sparquote der Haushalte stieg von 11,3 % auf 11,8 % des BIP und duerfte mehr Vermoegenseinkommen geschaffen haben, zumal auch die Wohlhabenden im Angesicht der Krise und der damit verbundenen Unsicherheiten begonnen haben, mehr zu sparen. Andererseits hat die Krise ja bisher nur einen relativ kleinen Teil der Einkommen generierenden realen deutschen Vermoegenswerte (Anlagen der Banken in giftigen Papieren) vernichtet und die Dividendeneinkommen etwas gedrueckt. Die meisten grossen Vermoegen sind erhalten geblieben und auf cash-Positionen gegangen, wo sie zwar weniger einbringen aber immer noch Einkuenfte schaffen.

      Die Entwicklung im 1. Quartal 09 zeigt nun allerdings den negativen Trend, nachdem sich die Krise in die Realwirtschaft hineinfrisst.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

      • Volker Hamburg sagt:

        Vielen Dank für Ihre Antwort! Der letzte Satz macht auch wieder klar, daß die „Schadenfreude“ über die Verluste „der Reichen“, vieler Bekannter von mir fehl am Platze ist… Ich habe den Verdacht, daß auch die Verluste dieser wirtschaftlichen Verwerfungen, gerade in Deutschland prima sozialisiert werden können, ohne das die meisten Menschen es wirklich realisieren. Und eigendlich macht „Reichsein“ erst richtig Spaß, wenn es der Mehrheit „dreckig geht“… -auch wenn das Vermögen auf dem Papier ein wenig abnimmt, wie im ersten Quartal 09…
        MfG, V.H.

  5. Gaby sagt:

    Hallo Volker,

    Du musst Dir die Weltwirtschaft, insbesondere Deutschland, China und Japan, wie einen mehrere Tausend Tonnen Tanker vorstellen, der über die Weltmeere schippert und urplötzlich, von jetzt auf gleich, eine Vollbremsung hinlegt. Wieviele Kilometer braucht so ein Schiff, ins Stoppen zu kommen?! Ganz, ganz viele! Ein solches Schiff ist nicht mit High-Tech-Panzern oder einem Auto vergleichbar.

    Das gleiche gilt für unsere globalisierte Wirtschaft. Deutschland ist ins Wanken gekommen, muss eine Vollbremsung hinlegen, aber der endgültige Stopp geschieht erst in 10 bis 15 Monaten. Dann können wir uns alle rappeln und gucken, wieviel Ladung wir verloren haben und ob der Zielhafen überhaupt noch existiert. Wir müssen uns mit Sicherheit neu orientieren.

    So erklärt sich, bildhaft gesprochen, die Diskrepanz aus Unternehmensgewinnen im 4. Quartal 2008 minus dem jetzt herrschenden Horror-Ergebnis.

    Bis denne,

    Gaby

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