1551

global news 1551 03-06-09: Warum die Krise noch längst nicht zu Ende ist

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9 Responses to 1551

  1. Gaby sagt:

    Halloli miteinander,

    in der Dekade nach 1929 gab es immer wieder Anzeichen der Erholung, ebenso wie heute. Begierig wurden diese vermeintlich positiven Meldungen von Politikern und Medien publiziert, ebenso wie heute. Und nur allzugern glaubten die Menschen, das Gröbste sei bereits überstanden, ebenso wie heute.

    Aber es kam immer schlimmer!

    John D. Rockefeller sen., seinerzeit der reichste Mann der Welt, verzockte sich ordentlich, als er eine Woche nach dem Börsencrash, im Glauben, dass die Situation des Landes gesund ist, wieder in den Aktienmarkt einstieg. Warren Buffet ist ähnliches passiert, als er eine Woche nach der Lehmann-Pleite Milliarden USD in Goldman Sachs investierte. Verluste über Verluste!

    US-Präsident Herbert Hoover, einer der naivsten Schönfärber der Großen Depression, versicherte dem amerikanischen Volk im Dezember 1929, die starke und gesicherte Lage der Banken sei es gewesen, die das gesamte Kreditsystem ohne Schwächung des Kapitals sicher durch die Krise gebracht hat. Er irrte sich fatal, denn die wahre Krise stand noch bevor.

    Im Mai 1930 erklärte Hoover, dass nun das Schlimmste überstanden sei und nun mit vereinter Kraft fortgefahren werden könne, eine schnelle wirtschaftliche Erholung herbei zu führen. Frau Dr. Merkel glaubte noch im Frühjahr 2008, dass uns die Krise allenfalls „berühren“ werde. Bevor sie im Herbst/Winter 2008 die ersten Bankinstitute Milliarden Steuergeld und Bürgschaften rettete, behauptete sie noch, die deutschen Banken seien solide.

    Ab dem 11. Mai 1931 sollte die deutsche Danat-Bank unter dramatischen Umständen untergehen. Ein Ereignis, das ebenso katastrophal war, wie der Untergang von Lehmann Brothers. Der Untergang der Danat-Bank schwächte die gesamte Liga der Berliner Großbanken.

    Am 11. und 12. Juli 1931 versammelten sich alle Berliner Großbankiers im großen Konferenzsaal der Reichskanzlei vor den Eliten aus der Welt der Wirtschaft und machten sich gegenseitig heftige Vorwürfe über unlauteres Geschäftsgebahren, gefälschte Bilanzen und ihren desolaten finanziellen Stand. Gegenüber der Politik aber verharmlosten die Banker den Ernst der Lage. Der Deutsche Bank-Chef Oskar Wassermann versicherte immer wieder, dass die Lage der Berliner Großbanken nicht schlechter ist als sonst irgendwo auf der Welt.

    Als der Reichskanzler fragte, wie es um die Dresdner-Bank bestellt sei, wurde das von den Bankern als fiese Beleidigung aufgefasst. Drei Tage später stand die Dresdner-Bank vor der Pleite und musste gerettet werden.

    Am 24. Oktober 1929 fiel der Dow Jones von 305 auf 272 Punkte und die Daily Investment News jubelte „Börsenkrise vorbei!“ Den tatsächlichen Tiefststand erreichte der Dow Jones drei Jahre später, im Juli 1932 mit einem Index von 41 Punkten. Es sollte 22 Jahre dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht war.

    Sogar Präsident Roosevelt, Nachfolger Hoovers, glaubte bei seinem Amtsantritt 1933, das Schlimmste sei bereits überstanden. Ein fataler Irrtum, wie wir heute wissen.

    Damals wie heute die gleichen positiv stimmenden Sprüche, die sich aber nie bewahrheitet haben.

    Fazit: Prognosen sind deshalb so schwierig, weil wir nicht in die Zukunft schauen können.

    Gab es damals soziale Unruhen?
    Ja!

    Die Große Depression gilt heute als das (!) böse, schreckliche Schlüsselereignis des vorigen Jahrhunderts. Aus ihr heraus entwickelte sich bitterste Armut, extreme Arbeitslosigkeit und Hitlers totaler Krieg.

    Bis denne,

    Gaby

  2. Peter Wilhelm sagt:

    Außergewöhnliche Phrasen unter Google ergeben mitunter außergewöhnliche Ergebnisse…

    —–

    Man sollte sich nicht mit fremden Federn schmücken; denn es könnte auffallen.
    Ein verweisender Link (s. u.) auf die Autorengruppe wäre demnach das Mindeste gewesen, was man erwarten könnte…

    —–

    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/92/79/dokument.html?titel=Unheimliche+Parallelen&id=65169729&top=SPIEGEL&suchbegriff=unwetter&quellen=&qcrubrik=kultur

    —–

    Ein anderes Thema:

    Meine Frau und ich waren seit vergangenem Freitag bis Pfingstmontag zu Gast in einem Hotel im Butjadinger Land; konkret im Ortsteil Tossens. Das Butjadinger Land (auch genannt Halbinsel Butjadingen) befindet sich am rechten oberen Rand des Jadebusens. Also hin zur offenen Nordsee.

    Hotel gut, Örtlichkeit gut und Umgebung gut.

    Weniger gut am Beispiel des Frühstücksbuffets:

    Frühstück in der Zeit zwischen 08 h 00 und 10 h 00.

    Pünktlich an jedem Morgen um 09 h 15 ging immer irgendetwas zur Neige…

    – Keine Brötchen mehr im Korb
    – Kein Toast mehr im Korb
    – Kein Käse mehr
    – Kein heißes Wasser mehr zur Teezubereitung

    Pünktlich an jedem Morgen um 09 h 15 mußte die Servicekraft darauf hingewiesen werden (von den verschiedensten Tischen aus!), daß da etwas fehlt…

    Regelmäßig an jedem Morgen mußte die Servicekraft beim Betreten des Frühstücksraumes darauf hingewiesen werden, daß sie nun bitte die Kanne Kaffee (dort so Usus) an einen bestimmten Tisch bringen möge…

    Und pünktlich an jedem Morgen mußte ihr (der Servicekraft – m/w) darüber hinaus dreimal erklärt werden, an welchem (reservierten!) Tisch man denn nun säße…
    (Eine wirkliche Fachkraft wüsste, an welchem Tisch ich sitze!)

    Irgendwie also so, wie man es von Otto und den zahlreichen Ostfriesenwitzen her kennt…

    Fazit:

    a) Auch in der dortigen Gastronomie hält die Einfalt Einzug…

    b) die gleichen Aushilfskräfte wissen am Morgen nicht mehr, an welchem reservierten Tisch der Hotelgast am Abend zuvor saß…

    Das kennen wir aus der Vergangenheit anders:

    War es in Tunesien und auch in der Türkei:
    Den Gast einmal gesehen und die Servicekraft weiß, an welchem Tisch Du sitzt!

    Gründe…?

    Raten Sie einfach…

    Freundliche Grüße

    Peter Wilhelm

  3. Lopez Suarez sagt:

    Zur weiteren Vertiefung von Gabi’s Gedanken empfehle ich zur Lektüre die Anfangskapitel von Adam Tooze „Ökonomie der Zerstörung“.

  4. elfi sagt:

    Ergänzend zu den Ausführungen von Gaby:
    Wer sich noch genauer über die Grosse Depression, deren Ursachen und den Crash der Jahre 1929 ff informieren will, sollte unbedingt das Buch von John Kenneth Galbraith:“Der Grosse Crash 1929″ lesen.
    Eine sehr spannende Lektüre von ca 200 Seiten. Gebraucht gekauft ist es nicht teuer.
    Schönen Tag
    Elfi

    • globalnote sagt:

      @Elfi,

      Die Zahlen habe ich übernommen. Jetzt habe ich mir selbst nochmal ein Bild gemacht. Das Eurozonen-BIP beträgt ca. 9,2 Billionen Euro. Die Anlagen der Banken der Eurozone (total assets) innerhalb und außerhalb derselben werden von der EZB per April dieses Jahres mit 34,6 Billionen Euro angegeben. Das sind also 376 %. Bei den USA beträgt das BIP 14,3 Billionen Dollar. Die Fed gibt die Assets kommerzieller Banken der USA (Total bank credit) mit 9,9 Billionen Dollar an. Das sind dann also 69 %. Das heißt die Grössenordnung stimmen etwa.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

  5. elfi sagt:

    Heute schreibt Herr Jahnke:
    „Immerhin haben die europäischen Banken gigantische und zu großen Teilen miese Anlagen in Höhe von 330 % des BIP aufgetürmt, gegenüber nur 50 % bei den amerikanischen Banken,….“

    Verwirrend sind diese Zahlen für mich. Es fehlt mir Wissen und Phantasie mir konkreter und genauer vorzustellen welche Konsequenzen diese enormen Unterschiede zwischen europ. und amerik. Banken da real für die Volkswirtschaften zu erwarten sind.
    Was denken andere aus diesem Blog dazu?
    Viele Grüsse
    Elfi

  6. Gaby sagt:

    Hallo Peter Wilhelm,

    erst einmal herzlichen Dank für den Link, den ich tatsächlich nicht (!) kenne. Aber mit großer Freude habe ich den Bericht gelesen.

    Meine Quellen sind folgende:

    Printausgabe „Geschichte des Alltags des deutschen Volkes“, Band 5, 1918 – 1945, Jürgen Kuczynski. In diesem Buch habe ich gelesen, unter welch äußerst dramatischen Umständen die Danat-Bank zusammen gebrochen ist.

    Gleiches auch hier „Die deutschen Bankiers in der Bankenkrise von 1931“

    http://megahoschi.blog.de/2009/04/28/politik-news-wirtschaft-propaganda-6020717/

    Interessantes über John D. Rockefeller habe ich mit glühenden Ohren in diesem Buch gelesen:

    http://www.amazon.de/B%C3%B6rsen-Crash-1929-Carsten-Priebe/dp/3833409819

    Die Jubeleien des Daily News Investment werden hier zitiert:

    http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/boersenkommentar-vorsicht-falle_aid_396249.html

    Wie sich der Dow Jones entwickelte, kann man hier sehr schön sehen:

    http://www.boersennotizbuch.de/marktdaten/dow-jones-langfristiger-chart-logarithmisch

    Und dass die Große Depression das Schlüsselereignis für die Kriege des letzten Jahrhunderts waren, ist mir bereits in der Schule beigebracht worden.

    Ich hoffe, ich habe nun ausreichend genug Quellmaterial angegeben.

    Beste Grüße

    Gaby

  7. Gaby sagt:

    Ups, der Link „Die deutschen Bankiers in der Bankenkrise von 1931“ lautet:

    http://buecher.hagalil.com/dtv/2008/banken-1931.htm

    Gaby

  8. Gaby sagt:

    Hallo Elfi,

    BIP ist die Abkürzung für Bruttoinlandsprodukt. Dieses Wort bezeichnet alle Güter, Waren und auch Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen produziert wurden und von den Bürgern konsumiert werden können.
    Das europäische BIP betrug im Jahr 2005 10,957 Billionen Euro.

    http://europa.eu/abc/keyfigures/tradeandeconomy/production/index_de.htm

    Wenn nun Dr. Jahnke schreibt, dass europäische Banken 330 % des BIP aufgetürmt haben, gehe ich davon aus, dass er das europäische BIP meint. Somit haben europäische Banken miese und gute Anlagen in Höhe von 36,161 Billionen in den Bilanzen.
    Das amerikanische BIP beträgt 10,011 Billionen Euro. Das heißt, diese Banken haben Anlagen in Höhe von ca. 5 Billionen Euro angehäuft.

    Wenn ich falsch liege, möchte mich Dr. Jahnke bitte berichtigen.

    Bis denne,

    Gaby

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