1530

global news 1530 14-05-09: Ein Bundeswirtschaftsminister, der sich aus einer internationalen Steuerstudie nur das herauspickt, was ihm in den Wahlkampf paßt, ist nicht besonders seriös

Hier zum Text

7 Responses to 1530

  1. HAL9002 sagt:

    Mal eine paar Fragen an Sie als „Statistik – Joda“.
    1. Was ist das durchnittliche Monatseinkommen?
    Ist das nicht komplet irreführend sich darauf zu beziehen? Schließlich haben wir es nicht mit einer Normalverteilung zu tun, sondern mit einer extrem asymetrischen.
    3. Natürlich habe ich gegooglet, aber nirgendwo eine gute graphische Aufarbeitung gesehen, die die einzige Möglichkeit darstellt, sich einen echten Überblick / Eindruck zu verschaffen

    • globalnote sagt:

      Nun bin ich sicher kein „Joda“. Die OECD orientiert sich an den durchschnittlichen Arbeitskosten, die die Sozialbeitraege der Arbeitnehmer und Arbeitgeber einbeziehen, das ganze in Dollar nach Kaufkraftparitaet, wegen der internationalen Vergleichbarkeit. Die durchschnittlichen Arbeitskosten werden dabei fuer Deutschland bei 61.635 Dollar angesetzt. Bei 2/3 der durchschnittlichen Arbeitskosten, also den geringer Verdienenden, ergibt sich eine Steuer-Belastung per Einzelperson von 16,4 %, was im oberen Mittelfeld liegt.

  2. celle sagt:

    Hallo,
    ihre Aussage zur Besteuerung von Einkommen von Eltern oder kinderlosen Personen in Deutschland

    “ Dagegen verschweigt der Minister, daß Deutschland bei Familien mit zwei Kindern die drittniedrigste Position an Steuerbelastung nach den Niedrigststeuerländern Irland und Luxemburg, hält (Abb. 13376). Das ist besonders wichtig, weil die Familiensituation, sprich Zahl der Kinder, über die Zukunft der deutschen Steuer- und Sozialbelastung maßgeblich mitentscheidet. In diesem Sinne „schmarozen“ kinderlose Einzelpersonen in ihrer Altersversorgung von der Kinderzahl der Familien mit Kindern und werden zurecht höher besteuert. “

    kann ich so nicht zustimmen. Die Steuerlast ist die gleiche. Nur der Soli und die Pflegeversicherung sind geringfügig weniger. Das macht bei einem Einkommen von 62.000 Euro für den Soli 138,99 Euro pro Jahr aus. Steuern sparen kann man nur, wenn man verheiratet ist und ein Partner deutlich weniger (am besten gar nichts) verdient. Kinder sind dazu nicht notwendig.

    Das ist doch auch eine interessante Politik, der Staat fördert die Ehe wenn ein Partner nichts verdient. Mit Kindern hat das gar nichts zu tun (die bringt ja dann der Storch wohl automatisch).

    Schönen Gruß,
    celle

    • globalnote sagt:

      Ich kann ja nur die offiziellen Vergleichswerte der OECD kommentieren und andere gibt es nicht. Die aber zeigen ganz eindeutig, daß Deutschland im internationalen Vergleich bei Familien mit zwei Kindern relativ niedrig besteuert. Um mehr geht es mir nicht. Wenn der Partner gar nichts oder wenig verdient, ist es meist die Frau, die Kinder und Haushalt versorgt. Warum soll das eigentlich nicht steuerlich honoriert werden? Und Kinder hängen oft davon ab, daß die Mutter sich um die kümmern kann. Oder ist das nur noch eine altmodische Vorstellung?

  3. Gaby sagt:

    Hallo, miteinander,

    um den Streit zu beenden, schlage ich vor, dass Ihr Euch eines Netto-Gehaltsrechners bedient.

    Hier meine Empfehlung einer Software, die ziemlich zuverlässig rechnet. Spielt bitte alle möglichen Szenarien, die Euch gerade in den Sinn kommen, durch. Die Ergebnisse werden Euch lehren Frieden miteinander zu schließen, sofern Ihr nicht zu de Superreichen, sondern zu den Leistungsträgern der BRD gehört.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,223811,00.html

    Diese Software berücksichtigt natürlich nicht die massenhaften staatlichen Subventionen, die der deutsche Staat an Familien mit Kindern ausschüttet, wie z.B. in einigen Bundesländern kostenlos vorhandene bzw. teilweise subventionierten Kita-Plätze, kostenloser bzw. teilweise subventionierter Kindergarten, in allen Bundesländern kostenlose Schulen, in einigen Bundesländern vorhandene Hilfen für Erstklässler von Hartz-IV-Empfängern, hier und da vorhandene Ganztagsschulen mit kostenlosem Mittagessen, kommunal subventionierte Tafeln, Suppenküchen etc. pp.

    Über das deutsche Steuersystem zu steiten geht in die Leere und wir werden uns nur sinnlos vor Wut gegenseitig die Haare ausraufen, weil jeder glaubt, ganz besonders vom deutschen Steuersystem gerupft zu werden. Jeder empfindet das ziemlich undurchsichtige deutsche Steuerssytem als ungerecht, jeder schimpft, aber profitieren tun wir alle davon.

    Wir alle können nicht ohne Staat leben und ein Staat kann nicht ohne Steuereinnahmen existieren. So einfach ist das.

    Bis denne,

    Gaby

  4. Gast sagt:

    Hier ist ein Link zur Pressemitteilung der Mitteilung der OECD für Deutschland:

    http://www.oecd.org/document/33/0,3343,de_34968570_35008930_42729633_1_1_1_1,00.html

    ( Kleiner Tip an Joachim Jahnke: Ab und zu ein Link zu den Orginalquellen im Informationsportal wäre nicht schlecht! )

    Durchschnittseinkommen bezieht auf das durchschnittliche ( arithmetrischer/rechnerischer Schnitt etwa 60-70% Grenze) Jahreseinkommen eines Vollzeitarbeitnehmers, in Deutschland 43942 Euro ( der Median, geometrischer Schnitt, 50% Grenze, für Vollzeitarbeitnehmer liegt bei etwa 35-36000 Euro ). Die Steuer- und Abgabenlast wird als Gesamtabgabenbelastung auf das Arbeitnehmerentgelt ( Bruttoeinkommen + Arbeitgeberbeiträge ) minus einiger Finanztransfers wie z.B. Kindergeld berechnet.

    „Die Steuer- und Sozialabgabenlast auf die Arbeitskosten berechnet sich aus Einkommenssteuer abzüglich Bartransfers (z.B. Kindergeld) plus Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber. Pauschale Absetzungen von der Steuer für Werbungskosten oder Sozialversicherungsbeiträge werden ebenfalls berücksichtigt. Nicht enthalten in der Berechnung sind positive oder negative Einkünfte aus anderen Einkunftsarten (Kapital, selbständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung etc.), Steuerabschläge, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind (z.B. für Berufspendler) und Transfers, die ausschließlich für Bezieher geringer Einkommen gezahlt werden (z.B. Wohngeld).“

    Zudem werden nur Steuern und Abgaben erfasst, die auf nationaler Ebene anfallen. Gesonderte Abgaben und Steuern, wie sie zum Beispiel viele US-Bundestaaten oder Schweizer Kantone erheben, werden nicht berücksichtigt. Abzüge für eine private Kranken- oder Rentenversicherung, die etwa in den USA häufig sind, bleiben aussen vor.

    Außerdem liegt das deutsche durchschnittliche Bruttoeinkommen für Vollzeitarbeitnehmer mit 43.942 Euro/ 51.630 US-Dollar PPP, kaufkraftbereinigt, ( zumindest nach Rechnung der OECD ) vergleichsweise hoch. In der Schweiz sind es 76.740 Franken / 46.031 US-Dollar PPP, in Österreich 38.653 Euro / 43.891 US-Dollar PPP.

    http://www.oecd.org/document/28/0,3343,de_34968570_35008930_42729820_1_1_1_1,00.html

    http://www.oecd.org/document/38/0,3343,de_34968570_35008930_42729766_1_1_1_1,00.html

    Darüberhinaus ist die Jahresarbeitszeit eines deutschen Vollzeitarbeitnehmers ( französischen, niederländischen, dänischen… ) deutlich kürzer als etwa die eines Amerikaners ( ca. 300 Stunden / knapp zwei Monate weniger ) oder Japaners.

    Für einen objektiveren Vergleich müßte man das Einkommen auf Basis der gearbeiten Stunden berechnen und dann das kaufkraftbereinigte Nettoeinkommen und die Gesamtabgabenbelastung inklusive vergleichbarer privater Abgaben ( die in manchen Ländern das staatliche System ergänzen/ ersetzen ) und Belastungen auf regionaler Ebene angeben.

    Dennoch zeigt die OECD-Statistik einige Probleme des deutschen Systems auf. So werden vor allem untere und mittlere Einkommen, bei schrumpfenden Sozialleistungen, durch Steuern und Sozialabgaben verhältnismäßig hoch belastet. Gerade die gehobene Mittelschicht ( mit Einkommen zwischen 40000 und 70000 Euro ) wird arg geschröpft. Für Spitzenverdiener sinkt hingegen die Abgabenlast wieder. Einkommensmillionäre haben hierzulande aufgrund der Kappungsgrenzen bei den Sozialabgaben und den vielfältigen Steuersparmöglichkeiten etwa die gleiche prozentuale Abgabenlast wie Niedriglöhner.

    Insgesamt liegt die Steuer- und Abgabenquote allerdings unter dem Durchschnitt der OECD oder EU. Da gibt es in Deutschland wenig Grund zur Klage. Bezogen auf alle Steuer- und Abgabenarten ist die Pro-Kopf Belastung eines Deutschen kaufbereinigt etwa genau so hoch wie die eines Amerikaners ( bei ähnlicher Produktivität pro gearbeiteter Stunde, die Unterschiede im BIP liegen vor allem in den Arbeitszeiten ) und deutlich niedriger als die eines Franzosen, Briten, Österreichers, Holländers oder Skandinaviers.

    Was hingegen nicht stimmt ist die Verteilung der Abgaben. Arbeitseinkommen werden verglichen mit leistungslosen Kapitaleinkommen sehr hoch besteuert. Untere und mittlere Einkommenbezieher zahlen im internationalen Vergleich relativ viel, Spitzenverdiener ( Einkommen über 100000 Euro ) vergleichsweise wenig. Hier bestände eigentlich dringender Handlungsbedarf für die Politik.

    Erfahrungsgemäß wird die Politik genau das Gegenteil des Notwendigen tun und die Situation weiter zu Lasten der breiten Bevölkerung verschlechtern.

    • globalnote sagt:

      @Gast
      Ja, gelegentlich werde ich die Quelle angeben, falls man sie nicht einfach googeln kann. In diesem
      Fall war das ausfuehrliche OECD-Papier nur einem beschraenkten Kreis frei zugaenglich.

      „Was hingegen nicht stimmt ist die Verteilung der Abgaben. Arbeitseinkommen werden verglichen mit leistungslosen Kapitaleinkommen sehr hoch besteuert.“ Das unterschreibe ich natuerlich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: