1525

global news 1525 10-05-09: Wirtschaftsprognosen: Warum ein abgesenktes L wahrscheinlicher als V oder U ist

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4 Responses to 1525

  1. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    wenn es tatsächlich zur L-Kurve, also zu einer längerfristigen Stagnation kommt, könnte ein Drittel der Industrieproduktion unserer Schlüsselindustrien verloren gehen. Somit würde die Arbeitslosigkeit vor allen Dingen in der Automobilindustrie, in der metallverarbeitenden Industrie, im Maschinenbau und in der Chemiebranche um eine bis zwei Millionen Arbeitslose steigen. Im Energiesektor und in der Technologiebranche werden die Verluste vermutlich weniger schwerwiegend ausfallen.

    Die Folgen einer Stagnation wären eine noch weiter einbrechende Binnenkonjunktur, stark sinkende Steuereinnahmen und sich dramatisch erhöhende Sozialausgaben, wodurch die Debatte über die Höhe der Sozialleistungen erneut entbrennt und sicher auch einzelne Steuerarten erhöht werden.

    Sollte uns eine Stagnation ereilen, trifft sie uns inmitten der in den letzten Jahren weltweit aufgebauten Güter-Überkapazitäten. Eine solch hoffnungslose Situation wird einige Staaten ganz bestimmt zum Protektionismus verleiten, worunter vor allen Dingen diejenigen Länder zu leiden haben, die sich in der Vergangenheit viel zu sehr vom Export abhängig gemacht haben.

    Nun sollten wir aber nicht in Depressionen verfallen, sondern uns lediglich mit dem Gedanken vertraut machen, dass die Wirtschaftswelt vermutlich bis ins Jahr 2013 hinein nicht mehr die ist, die wir vor Ausbruch der Krise kannten.

    Bis denne,
    Gaby

  2. hans-im-glueck sagt:

    Hallo Gaby,
    im Moment tun sich alle mit Prognosen schwer, die einen weil sie für den Wahlkampf trommeln müssen, die anderen weil sie oft genug von den WiWi-Instituten nur Schnee erzählt bekommen haben und denen nicht mehr glauben (zum Beispiel wir, die Leser dieser Website).

    Sie haben die deutsche Automobilindustrie (DAI) angesprochen, schaun wir uns die mal an.
    Sie lebt (= macht Gewinne) vor allem vom Premiumsegment und dessen Export in alle Welt (ich lass mal den deutschen Markt mit seinen steuerlichen Dienstwagen-Besonderheiten hier weg).
    Nun ist das mit dem Premium aber so eine Sache. Die Konkurrenz schläft nicht, und um immer weiter vorn zu bleiben, muss man den technischen Fortschritt mitbestimmen.
    Das hat die DAI in den vergangenen Jahren versäumt; sie hat wichtige Entwicklungen verschlafen (Hybrid) und versucht, aus der vorhandenen Technologie in kleinsten „innovativen“ Schritten moeglichst viel Geld zu machen (Motorverbesserungen bezüglich Leistung, Verbrauch, Emission etc. – hier ist die DAI echt Spitze).
    Böse Zungen behaupten, dass viele echte Innovationen (darunter das Elektroauto) seit Jahren in den Schubladen der DAI-Konzerne schlummern.
    Wie auch immer, die DAI ist nicht mehr Technologie-Treiber und kann damit die angestammten Märkte nicht mehr halten. Das führt dazu, dass Kapazitäten übrig sein werden, wenn es wieder aufwärts geht.

    Das „Argument“, jede Innovation suche sich den Weg in die Massenproduktion durch das Premiumsegment, ist wohl dadurch hinreichend entkräftet, daß die Japaner den Hybrid eben auch gleich im Kompakt-Segment eingeführt haben, ohne jahrelang im oberen Segment „abzufischen“.

    Nun haben die BRIC-Märkte mit ihrem Wachstum auch im Automobilbereich seit Jahren ihren Binnenmarkt abgeschirmt und die Konzerne gezwungen, vor Ort zu produzieren. Was zu einem weiteren Kapazitätsaufbau geführt hat. Weltweit wird geschätzt, dass bis zu 40% überschüssige Fertigungskapazität existiert.

    Und nun kommen wir zum Hauptpunkt. Das Peak-Oil ist seit einigen Jahren vorbei, d.h. (abgesehen vom jetzigen Kriseneinbruch) führt seit 2006 eine Preiserhöhung nicht mehr zu einer Mehrproduktion (Marktreaktion); ganz einfach weil das Erdöl zur Neige geht. Es wird ja seit Jahren auch kein bedeutendes neues Vorkommen mehr gefunden.
    Es führt also kein Weg daran vorbei, verbrauchsärmere und damit zwangsweise kleinere Autos zu bauen.
    Was macht die DAI? Sie promotet immernoch mit wahrhaft ungeheurem Werbeaufwand die Premium- und SUV-Klasse, also Spritfresser per exellence, und hat darin gerade in Deutschland beachtliche Erfolge in der Massenbeeinflussung (-verblödung?) erreicht. Die Mehrheit der Deutschen hält das Auto für ein Statussymbol, und nicht für einen Gebrauchsgegenstand, und definiert den eigenen Wert über „mein Auto“.

    Solange dies alles so bleibt und sich daran nichts Wesentliches ändert, werden wir mit sehr vielen weiteren Arbeitslosen aus der DAI (und deren Zulieferern) rechnen müssen, egal wie der weitere Verlauf der Krise sich buchstabenmäßig gestalten wird.
    Und wie soll sich in diesem Land etwas ändern, solange die Menschen nicht anfangen nachzudenken?

    Mein Ansatz ist, aus den Tanz um das goldene Kalb auszusteigen. Diese Entscheidung kann jeder Mensch für sich selbst jederzeit treffen.

    Es ist auch ganz einfach:
    man/frau hört einfach auf, jemanden anders nur dafür zu achten, dass er/sie sich ein besonders grosses Stück vom allgemeinen Reichtum angeeignet hat, und beurteilt seine Mitmenschen nach anderen Kriterien; zum Beispiel wie wertvoll er/sie für die Gemeinschaft ist, oder wie mitleids- und liebesfähig er/sie ist …

    Das setzt natürlich auch voraus, dass man/frau sich von der allgegenwärtigen Manipulationsmaschinerie unserer Mainstream-Medien abkoppelt und sein eigenes Hirn wieder in Betrieb nimmt…

  3. Gaby sagt:

    Hallo, Hans-im-Glück,

    mit großem Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen. Leider verspätet, weil ich ihn nicht direkt entdeckt habe. Sorry!

    Derzeit müssen sich alle Politiker und Wirtschaftsexperten mit Prognosen schwer tun, sie sind schlichtweg ratlos, gar in ihrem Amt überfordert, weil es keine Blaupause zur Großen Depression 1929 ff. gibt. Wir alle haben in den letzten 25 Jahren in einem Wirtschaftsexperiment namens Neoliberalismus gelebt und jetzt leben wir als Versuchskaninchen in der Lösung des daraus resultierenden Weltwirtschafts-Chaos. Nicht mehr und nicht weniger kann ich zu den derzeitigen Verhältnissen erzählen.

    Es ist vollkommen egal, ob die Deutschen in der Vergangenheit große Erfindungen gemacht und sie verschlafen haben, also andere Nationen mit deutschen Erfindungen wirtschaftliche Gewinne rekrutierten. Deutschland ist ein übersprudelndes Erfinderland und wir haben es bisher locker geschafft, Erfindungen wie das Fax-Gerät, Computer oder den Hybridantrieb andere Nationen vermarkten zu lassen, weil wir den Wert unserer eigenen Erfindungen nicht erkannten.

    Trotzdem sind wir nicht zum bitterarmen Entwicklungsland geworden. Wir sind noch immer, wirtschaftlich gesehen, die drittstärkste Nation der Welt und das werden wir in absehbarer Zeit auch bleiben. Hab mehr Mut und Zuversicht, Hans-im-Glück! Dein Nickname ist Programm!

    Da können noch so viele BRIC-Staaten daher kommen, die fortschrittliche Premium-Autos mit in Deutschland erfundenem Hybrid-Antrieb anbieten. Glaub mir, den vermögenden Deutschen sind deutsche Autos am liebsten und am liebsten mögen sie derzeit, wie all die Jahre zuvor, die SUVs. Je größer und edler, desto lieber gekaufter. Die Wirtschaftskrise ist noch nicht wirklich im Mittelstand angekommen. Hier liegen Milliarden von Privatvermögen, die sich gerne in große Autos „Made in Germany“ umwandeln. OK, da müssen sich unsere deutschen Premiumhersteller auf die Absatzzahlen der 1970er Jahre einrichten, was natürlich viele Arbeitsplätze kosten wird, trotzdem werden deutsche Premium-Marken immer bleiben – war in den 60er-, 70er-, 80-er Jahren ff. auch so.

    Der Peak-Oil wurde bereits vor mehr als 30 Jahren in Bälde voraus gesagt. Da war ich blutjunge Jugendliche und dachte bangen Herzens darüber nach, was wohl passiert, wenn es plötzlich kein Erdöl mehr gibt. Ich erlebte die beiden Öl-Krisen, wo die Autobahnen am Wochenende leergefegt waren, weil die Erwachsenen kein Auto fahren durften und ich erlebte den kernigen Kanzler Helmut Schmidt, der sich nicht vom Terror der RAF erpressen ließ.

    Das ist mehr als 30 Jahre her und wo der Peak-Oil tatsächlich ist, kann Dir kein Experte beantworten. Die überbordenden Preise im Sommer 2008 sind kein Indiz darauf, dass es den Peak-Oil abwärts rauscht. Diese hohen Preise waren reine Spekulation des Casino-Kapitalismus. Wäre das Erdöl tatsächlich knapp, müssten die Preise bis heute noch höher sein als im Sommer 2008.

    Neue Ölfelder wurden kürzlich in China, in der Bohai-Bucht entdeckt und vermutlich in Brasilien. Wenn die Vermutung Brasilien tatsächlich stimmt, haben wir dort ein Ölfeld zu fördern, das weit größer ist, als das der USA jemals war. Du bist vermutlich noch sehr jung und ich wette, Du wirst eines Tages sterben und hast nie erlebt, dass es kein Rohöl mehr zu fördern gibt.

    Menschen, das liegt in ihrer Natur, werden so lange nicht wirklich umdenken, solange sie ihr gewohnt gemütliches Leben weiter leben können. In Deutschland ist das derzeit noch größtenteils der Fall, deshalb protestiert auch niemand bzw. will gar nicht aufhören, ums Goldene Kalb herum zu tanzen.

    In Amerika ist das anders, da wachsen die Tent-Citys, also Zeltstädte der Häusle-Verlierer massenhaft um jede größere Stadt. Es ist das gleiche Bild wie in der Großen Depression 1929 ff. mit dem Unterschied, dass die heutigen Fotos und Filme bunt und nicht schwarz-weiß sind. Noch immer ist es so, dass täglich rund 8.000 Amerikaner ihre Häuser verlieren, weil sie ihre Kreditschulden bzw. die Zinsen für die Häuser nicht mehr bezahlen können.

    Und was machen die Amerikaner? Verfallen sie in Depression? Nöö, sie vertrauen auf Gott und glauben daran, dass es morgen wieder aufwärts geht. Steht ja schon seit langem auf dem Dollar-Schein: „Trust in God“.

    Dieses unerschütterliche Vertrauen wünsche ich Dir und allen Deutschen. Ich habe dieses Vertrauen in das Leben, in mich, in die Deutschen und die Welt, sonst könnte ich auf dieser Webseite nicht so viele kritische Kommentare hinterlassen, ohne darüber in Depressionen zu verfallen und letztlich als Kommentator auszufallen.

    Hab Mut, Hans-im-Glück, hab Zuversicht. Die Suppe wird nie so heiß gelöffelt, wie sie vom Herd in den Teller kommt.

    Bis denne,

    Gaby

  4. hans-im-glueck sagt:

    Hallo Gaby,
    vielen Dank für Deinen Mutmacher.
    Möchte fast mit einem Klassiker antworten: „Es gibt keine Optimisten oder Pessimisten, es gibt nur schlechter oder besser informierte Leute.“ ;o))
    Leider bist Du bei einigen Deiner Annahmen im Irrtum.
    1. Kennst Du das Grimmsche Märchen vom Hans im Glück?
    DAS ist Programm, wenn man nicht aufpaßt!

    2. Die Vermögensverteilung in D ist leider so, dass den obersten 10% der Bevölkerung etwa 2/3 des gesamten Vermögens gehören, während die untersten 10% hoffnungslos verschuldet sind. Die letzten 10 Jahre wurden gerade die 30% unterhalb der obersten 10% (also die Mittelschicht) stärker geschröpft als alle anderen Zentile. Der gesamte Vermögenszuwachs ist fast ausschließlich den obersten 10% zu gute gekommen.
    Wo bitteschön sollen da „Milliarden von Privatvermögen“ herkommen?

    3. Die weitverbreitete Unvernunft, seine 60 bis 100 kg Köper nur zusammen mit 2500 kg Metallgemisch (genannt SUV, im Volksmund – Entschuldigung – auch „Schwanzverlängerer“) durch die Gegeng zu bewegen, und das auch über kürzeste Entfernungen, macht mich maßlos traurig.
    Das hat auch mit Premium gar nichts zu tun, das ist einfach eine Kombination aus Geltungssucht, Raffgier und geistigem Tiefflug.

    4. Peak Oil ist durch, die jüngst so spektakulär „entdeckten neuen Vorkommen“ sind nur zu sehr hohen Kosten und mit großen Umweltrisiken erschließbar (Tiefsee); vom Volumen her sind sie in keiner Weise geeignet, den immernoch wachsenden Verbrauch der aufstrebenden BRIC-Länder zu decken (vergleiche bitte mit der täglichen Förderquote weltweit).
    Habe dazu diverse Grafiken und Artikel; wenn es Dich interessiert schreib an veden@freenet.de, ich schick sie Dir.

    5. Daß ich bei Dir den Eindruck eines jungen (geistig regen) Menschen hinterlassen habe, ist schön; real bin ich mit Sicherheit deutlich älter als Du. Es geht mir auch weniger um mich, sondern zum Beispiel um meinen vor Kurzem geborenen ersten Enkel. Wie wird er leben? Das treibt mich zunehmend um.

    6. Wie sich politisch etwas ändert, habe ich schon noch ein paar Ideen, natürlich in der Tradition dieser Website „streng im Rahmen des gegenwärtigen Systems“.
    Ändern müssen sich aber zuerst die Ansichten der Menschen, und dazu sind ja Krisen wie die jetzige eine Gelegenheit.

    7. Mir wurde übrigens heute aus betrieblichen Gründen gekündigt, obwohl meine Arbeit als sehr gut eingeschätzt wurde. Natürlich bin ich jetzt niedergeschlgen, aber das geht vorbei; es ist auch nicht das erste Mal. Das Leben geht immer weiter. Und es ist endlich, für jede/n.
    Jede/r sollte also solche „Nasenstüber“ zum Anlaß nehmen nachzudenken, was künftig besser zu machen wäre.
    Zum Beispiel, das Primat des Lebens über die Ökonomie wiederherzustellen (wir arbeiten um zu leben, nicht umgekehrt). Ist aber ein allgemeines Problem; die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.

    Und Letztens:
    ich kann nur jeden aufrufen, aus dem Tanz um das Goldene Kalb auszusteigen, wie ich oben skizziert habe. Zur eigenen Seelenrettung.

    Jede/r hat die unumschränkte Macht, EINEN Menschen zu zum Besseren zu verändern – sich selbst.

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