2571

global news 2571 29-12-11: Einbrechender Euro-Kurs: Immer mehr Verwerfungen in Richtung einseitiger Exportlastigkeit bei zusammengepreßter Binnenkaufkraft

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3 Antworten zu 2571

  1. Christof sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    mit Ihren Schlüssen bin ich weitgehend einverstanden.

    Bei fallendem Euro wird die Exportwirtschaft begünstigt, die Importseite – Rohstoffe aus dem nichteuropäischen Raum bspw. – werden verteuert. Höhere Spritkosten etc.

    Soweit d’accord.

    Allerdings würde ich den Zeitraum im Euro-Chart auch einmal etwas längerfristiger betrachten. Wir hatten Anfang des Jahrtausends einen Wechselkurs, der unter 0.90 lag. Weiterhin kann ich mich erinnern, dass vor Jahren – als der Euro sich anschickte, die 1.30 zu nehmen, schon vom Todesstoß für die deutsche Industrie die Rede war. Der zeitweilige Überschießer an die 1.60 hat allerdings den Exporten auch nicht wesentlich geschadet. Solange sich also der Euro nicht wieder mit Riesenschritten der Parität nähert, würde ich hier zunächst einmal keine Bedenken haben.

    Es geistern 3 Krisen durch die Medien: Schuldenkrise, Bankenkrise, Eurokrise. Ob der Euro als Währung tatsächlich „in der Krise“ steckt – da bin ich nicht so sicher. Gegenüber dem Dollar auf jeden Fall, langfristig betrachtet, nicht. Der hält sich relativ stabil. Andere Währungen wären gesondert zu untersuchen.

    Was ich allerdings heute interessant fand: Die Meldungen über den Niedriglohnsektor in Deutschland. Hierbei half ein Artikel im Spiegel. Ich nenne einmal die Berufsgruppen, die dort genannt wurden: Konditoren, Fleischer, Gärtner, Hotel- und Gastgewerbe, Friseure, Textilreinigung, Einzelhandel. Weiterhin sind in einer angehängten Tabelle aufgeführt: Abfallwirtschaft, Gebäudereinigung, Maler, Lackierer, Pflegeberufe, Sicherheit.

    Alles Branchen, die mit Export so gut wie nichts zu tun haben.

    Rein strukturell betrachtet gehe ich von folgender These aus: Es gibt in Deutschland einen starken exportorientierten Kern, der zwar in den letzten Jahren Lohndisziplin geübt hat, dennoch aber überdurchschnittlich gut verdient. Durch gute Ingenieurleistungen und damit hohe Produktivität halten sich die Lohnstückkosten in diesem Bereich jedoch in Grenzen und machen deutsche Produkte weiterhin extrem konkurrenzfähig.

    Um diesen Kern herum besteht jedoch ein auch zahlenmäßig beachtlicher Dienstleistungssektor, der eben mit dieser miesen Bezahlung zu leben hat.

    Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch an die in den 80er-Jahren selbst erlebte gigantische Bezahlung selbst des einfachsten VW-Bandarbeiters erinnern. Da wurden wir alle blass vor Neid.

    Eventuell wäre es wert, hier einmal genauer nachzuforschen.

    Grüße,
    Christof

    • globalnote sagt:

      Hallo Christof,

      Mir geht es nicht um die Vergangenheit sondern den Trend in die Zukunft. Und da hat der Euro ernste Probleme, weil das Wachstum der Eurozone wegen der Sanierungspolitiken sehr schwach oder wahrscheinlich negativ ausfallen wird, anders als im Dollarraum. Da muß der Euro noch nichteinmal durch Griechenland oder eher noch Italien gekippt werden.
      Der Euro war in meinem Verständnis nie so unterbewertet für die deutsche Exportwirtschaft wie derzeit, weil die Stücklohnkosten jetzt schon nur noch von den Krisenländern unterboten werden und weil die deutschen Löhne auch derzeit kaum nach oben gehen. Das gilt auch für die gewerbliche Wirtschaft, nicht nur den Dienstleistungsbereich und auch für Exportbranchen (von einigen Ingenieurssparten mal abgesehen). Mal dies anschauen: http://www.jjahnke.net/rundbr88.html#2572 . Auch die Exportwirtschaft arbeitet mit viel Leiharbeit. Und die Exportunternehmen sehen sich zunehmend im Wettbewerb mit dem Angstgegner China und halten schon deshalb die Löhne unten.

      Das hat mit den vom Statistischen Bundesamt heute ausgewiesenen Niedrigstlohnbereichen nicht allzuviel zu tun. Doch auch die Dienstleistungen kommen indirekt den Exportunternehmen zu gute. Auch die brauchen Gebäudereinigung, Maler und alles andere. In diesem Sinne macht es wenig Sinn, die Exportwirtschaft isolieren zu wollen, zumal sie von vielen Zulieferern abhängt, die nicht selbst exportieren.

      Mit der Vor-China-Zeit der 80er Jahre zu vergleichen macht gar keinen Sinn mehr. Die neoliberale Globalisierung hat seitdem alles verändert.

      Beste Gruesse
      Joachim Jahnke

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