2569

global news 2569 27-12-11: Achtung drohende Stealth-Strategie der Notenbanken für die Entschuldung der Staaten (und Sanierung der Eurozone)!

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6 Antworten zu 2569

  1. Gaby sagt:

    Guten Tag in die Runde,

    vor einigen Wochen hörte ich im Deutschland-Radio, dass das öffentliche Leben im Zweite-Weltkriegs-Deutschland bis zur Kapitulation deshalb so gut funktionierte, weil es jeder Deutsche als seine Pflicht ansah, jeden Tag (sofern möglich) pünktlich an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen und seine Arbeit tadellos zu erfüllen. Als herausragendes Beispiel deutscher Gründlichkeit wurden die deutschen Beamten genannt, insbesondere die Postbeamten.

    Als es nicht mehr möglich war, die Post per Eisenbahn zu transportieren, weil die Kohle knapp wurde, wechselten die Postbeamten auf Motorräder. Als das Benzin knapp wurde, nahmen sie Fahrräder. Als es kein Material mehr gab, kaputte Fahrradreifen zu reparieren, trugen sie die Post zu Fuß über die Berge an jede Haustür.

    Wenn die Regierenden der EU-Währungsunion die Tarnkappen-Strategie der Inflation bevorzugen, um ihre Staatsverschuldungen abzubauen, werden es die Deutschen sein, die sich zuallererst mit der steigenden Inflation per mehr und mehr wachsendem Konsumverzicht versöhnen, da bin ich mir ganz sicher und das weiß auch unsere Kanzlerin. Wir Deutschen werden nicht massenhaft auf der Straße protestieren, sondern wir werden jeden Tag unsere Arbeitskraft dem Götzen Kapital opfern und ohne Klage dauerhaft Konsumverzicht üben. Auch, wenn wir hungern müssen, werden wir diszipliniert, ruhig und vor allem pflichtbewußt bleiben.

    Das Wesen der Deutschen hat Franz Kafka treffen geschildert in seiner Schrift “In der Strafkolonie”:

    “Übrigens sah der Verurteilte so hündisch ergeben aus, daß es den Anschein hatte, als könnte man ihn frei auf den Abhängen herumlaufen lassen und müsse bei Beginn der Exekution nur pfeifen, damit er käme.”

    Die EU-Währungsunion ist für alle davon betroffenen Völker nichts anderes als eine Strafkolonie und wir Deutschen erwarten, setzen gar voraus, dass sich alle Völker so brav und lammfromm zur Schlachtbank führen lassen wie wir.

    Wenn wir uns da nicht ins eigene Fleisch schneiden!

    Gaby

  2. georgi sagt:

    Lieber Herr Dr. Jahnke!

    Der Verweis in ihrem WordPress-Blog geht auf den falschen Artikel. Der muß hierher gehen:

    http://www.jjahnke.net/rundbr88.html#2569

    Man muß sich vorstellen: bei 1 % Zins und 5 % Inflation sind die Schulden nach 17 Jahren halbiert und nach nur 10 Jahren schon um ein Drittel abgebaut.

    Diese Logik finde ich wenig schlüssig. Damit nach 17 Jahren die Schulden halbiert sind, müssen höhere Einnahmen her. Danach sieht es aber langfristig gesehen nicht aus, wenn die Wirtschaft wegen der negativen Realzinsen durch erhöhte Rohstoffpreise und den internationalen Niedriglohnwettkampf erdrosselt wird. Die Kosten steigen auf der anderen Seite. Die Ausgaben für HartzIV, Renten etc. steigen ja mit der Inflation.

    • globalnote sagt:

      Das mit der Halbierung der Schulden ist simple Mathematik, nicht meine Erfindung. In GB ist der Negativzins bereits heute bei fast 5 %. Deflation ist kein ungewöhliches Phänoment. Es hat Japan viele Jahre lang geplagt. Gerade die von Ihnen erwähnten Rohstoff- (und Energie-)preise treiben die Inflation an. Ein sich wegen der Eurokrise abschwächender Euro wird ein Übriges tun. Lassen Sie uns das einmal abwarten. Die von Ihnen angemahnte Logik der Mathematik ist jedenfalls zwingend.

      • Christof sagt:

        Hallo zusammen,

        wenn ich das richtig verstanden habe, werden mitnichten die Schulden halbiert, sondern verringern sich allenfalls in prozentualer Relation zum BIP. Das zeigt auch die Grafik 16723 sehr schön

        Entscheidend ist ja folgender Satz:

        “Gesucht wird mehr (!) Inflation bei niedrigsten(!) Zinsraten.”

        Das muss beides zusammentreffen. Nehmen wir mal ein Beispiel mit 5% Inflation und (nominal) Nullzins bei den Staatsanleihen.

        Dann würde sich in 14 Jahren rein inflationsgetrieben das BIP verdoppeln, während die (bisherigen) Staatsschulden gleich bleiben bzw. diesen Inflationsschub nicht mitmachen.

        Folge: In Relation zum BIP haben sich die Schulden halbiert. Rein nominal bleiben sie natürlich konstant.

        Wobei ich bei diesem Szenario hierzulande etwas skeptisch bin, dass die Löhne entsprechend mitmachen.

        Grüße,
        Christof

      • globalnote sagt:

        Es geht immer um die Veränderung in realen Werten. Bei 5 % Inflation und 1 % Zins würden sich die Staatsschulden nach 17 Jahren real halbieren.

  3. CAW sagt:

    Die Strategie, über Inflation Schulden abzubauen, kann funktionieren; hier und heute aber wird sie das nicht tun, weil alle wesentlichen Wettbewerbsteilnehmer sich zeitgleich in gleichen Tricks versuchen: über negative Realzinsen im Verbund mit einer jeweils schwachen Währung soll die In-flatio über die De-flatio siegen während Wachstum ausschließlich durch den Allerheilsbringer Export erzielt werden soll.

    Den Naivlingen dieser kindischen Sicht, mainstream läßt grüßen, gehen allerdings die harten Währungen ab, an denen sie sich reiben könnten (e.g.: die USA sind heftigst beleidigt weil der Euro nicht zur DM taugt!); daß es dazu nur eine (üb-)erhöhte und breite Nachfrage sein kann, die die Preise ins Inflatorische treibt, läßt die eindimensional dummdreiste Ideologie des neoliberalen mainstreamings nicht zu; und daß SPD und Linke da mitschwimmen wundert nicht: seit Jahren wird an Ausbildung, Bildung und Erziehung gespart, wo soll da aus einem warmen Sitz des Berufspolitikums die eigene Denke aus Wissen und Erfahrung herkommen? Erbarmung!

    Deflation und Depression sind angesagt und das auf einem Markt, i.e. Globus, der keine weiße Flecken mehr kennt, der nie dagewesene Massen ertragen muß, auf dem das Meiste erfunden ist und alles Wesentliche knapp wird: wer unter diesen Umständen mit dem Feuer spielt wird darin umkommen.

    Einen unter diesen Umständen guten Rutsch zu wünschen bekommt da eine ganz andere Bedeutung!

    caw

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