global news 2555 03-12-11: Wie die Vermögenden in Deutschland von der Verschuldung Deutschlands und anderer Staaten profitieren
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Guten Morgen,
“Ackermann legt noch oben drauf: Wenn Europa es nicht schaffe, seine Einheit zu vollenden, liefen die europäischen Nationen Gefahr, nicht mehr selbst über ihr Schicksal bestimmen zu können. Es drohe letztlich der Verlust der Freiheit…..”
Ich habe Ackermanns Rede nicht gehört. Das klingt sehr unkonkret, wischi waschi und abra kadabra….
Welche Freiheit meint Ackermann und an wen sollen wir sie verlieren????
Versteht das jemand hier?
Viele Grüsse
Elfi
Hallo Elfi und miteinander,
die liberal-konservative ZEIT hat den liberal-konservativen Papst, äh, Banker, Josef Ackermann, gestern in eine Kirche eingeladen, damit er vor erlauchtem, natürlich liberal-konservativem Publikum, eine Predigt, sorry, eine Rede, gar eine Generalabrechnung hält. Ich hoffe, diese (Un)Tat wird der ZEIT noch sehr viel mehr Abonnentenkündigungen einbringen, als das völlig deplatzierte Hohelied auf Guttenberg.
Dieser Akt symbolisiert jedoch glasklar und absolut schamlos, dass die Marktwirtschaft sich nach zwei Weltkriegen und der ökonomischen Überwindung des Ostblocks endgültig von allen christlich-mittelalterlichen Tugenden getrennt hat und der neoliberal globalisierte Kapitalismus ein fester Bestandteil unseres Alltagsglaubens an die Märkte geworden ist. Ein weiteres Indiz für die Ablösung des mittelalterlichen Gottesglaubens ist, dass die modernen Banken seit Ende des 20. Jhr. die Kirchturmspitzen um Längen überragen. So viel Selbstbewußtsein wie im 21. Jhr. hatten die Kapitalisten noch nie zuvor!
Als Papst des modernen Glaubens an die Märkte sagt Ackermann allerdings nichts anderes, als ein Pfarrer in vagen Worten und voller unverständlicher Andeutungen sonntags von der Kanzel predigt. Es geht um verlorenes und wieder zu findendes Vertrauen, es geht um die Aufgabe der Selbstbestimmung für irgendeinen höheren Zweck, es geht um die Beschreitung eines nicht näher bestimmten, aber unbedingt rechten Weges in die eventuelle Glückseligkeit und es geht um schmerzhafte Opfer, die zu erbringen sind, den erzürnten Gott der kapitalistischen Marktwirtschaft zu besänftigen. Elfi hat gemerkt, was das für ein ackermann’sches pseudochristliches Wischiwaschi ist und sie fragt zurecht, welche Freiheit wir konkret zu verlieren haben.
Es sind, das ist meine Meinung, die letzten Reste der nationalen europäischen Selbstbestimmung und die letzten Reste der Demokratie, denen wir ob dieser Banken- und Staatsschuldenkrise gerade verlustig werden. Entweder beugen sich die europäischen Bürger und Bürgerinnen einer europäischen Zentralregierung, die selbstverständlich von Technokraten geleitet wird oder ihre Geschicke werden künftig von mächtigeren Marktteilnehmern, beispielsweise den USA oder China geleitet. Wenn es künftig darum geht, die Verfassung der Nationalstaaten vorrangig zu behandeln oder die Märkte, dann dürfen wir alle sicher sein, dass stets zugunsten der Märkte entschieden wird.
Die Medien betreiben derzeit Augenwischerei, wenn sie behaupten, Ackermann sei besorgt um die europäische Integration. Der Josef ist in meinen Augen kein besorgter europäischer Papa, sondern ein mitleidsloser Global Player, der einzig und allein das Wohl der Märkte im Visier hat und natürlich die Geldbeutel seiner Spezis, dass sie immer prall gefüllt bleiben. Zur Erreichung dieses “höheren Ziels” ist es in liberal-konservativen Augen durchaus legitim, nationale Selbstbestimmung und Demokratie auf dem Altar des Götzen Kapitalismus zu opfern.
Der Liberalismus, also die ideologische Grundlage des Kapitalismus, ist immer der asoziale Volkshorror geblieben, der er von Anbeginn seiner Existenz im 17. Jhr. war; allein die milden 40 Jahre der Soziale Marktwirtschaft haben uns den Blick auf das wahre Menschenbild und die äußerst destruktiven Mechanismen des Kapitalismus verstellt. Wir werden nun aber immer rascher lernen, wie bitter es ist, von entfesselten Kapitalisten abhängig zu sein und ihnen jeden Tag unsere Haut (Arbeitskraft) bettelnd und winselnd zum geringsten Preis anbieten zu müssen und dieses Mal hilft den Deutschen kein Leviathan (Staat) in der Gestalt von Bismarck, Erhardt, Brandt & Co.
Viele Grüße
Gaby
Hallo Gaby,
du hast Ackermanns im Nebel waberneden Freiheitssorgen inhaltlich gefüllt und auf den Punkt gebracht.
Dazu noch meine Art der Interpretation in der nächsten Inland-PS.
Beste Wünsche
Elfi
Sehen Sie Monsieur Ackermann, es ist so:
Am Grunde eines Problems sitzt immer ein Deutscher!
Voltaire
Hallo, Heiner und Mitlesende,
kleiner, dezenter Hinweis:
Sich mit Voltaires Zitaten zu schmücken, kann ein Bumerang werden, denn auch dieser Herr gehört zu den ideologischen Wegbereitern des Kapitalismus und hat mit seiner Pseudo-Aufklärung viel dazu beigetragen, dem Rassismus, der sich im 18. Jhr. durch den marktwirtschaftlichen Konkurrenzdruck eng mit dem Kapitalismus zu verschränken begann, ein bürgerlich akzeptiertes Fundament zu geben indem er beispielsweise die Überzeugung vertrat:
“Die Rasse der Neger ist eine von der unsrigen völlig verschiedene Menschenart, wie die der Spaniels sich von der der Windhunde unterscheidet [..] Man kann sagen, dass ihre Intelligenz nicht einfach anders geartet ist als die unsrige, sie ist ihr weit unterlegen.”*
Die Kolonialherren des 19. Jhr. haben es die dunkelhäutigen Menschen extrem grausam spüren lassen, wer die vermeintlichen Herren dieses Planeten im Zeichen der Moderne sind und diese Grausamkeiten immer wieder mit den passenden Ideologien der angeblichen Aufklärer gerechtfertigt; die Nazis haben das späterdings auch getan.
Am Grunde aller existenzieller Probleme seit der Epoche der Aufklärung steht nicht das deutsche Volk, sondern solche menschenverachtenden, arroganten Spinner wie Mandeville, Malthus, Bentham, Voltaire, Rousseau, Locke, Hume, Schopenhauer, Nietzsche, Kant, Herder, Fichte & Co. die mit ihren pathologischen Gedanken die Menschen in eine immer entsetzlichere ökonomische wie individuelle Unfreiheit getrieben haben. Wir sind die mittellosen Erben dieses jahrhundertewährenden, ideologischen Schwachsinns!
Bis denne,
Gaby
*Quelle: Essai sur les moeurs et l’esprit des Nations (1755)