2554

global news 2554 02-12-11: Eurokrise: Viele deutsche Linke arbeiten ebenso mit vereinfachend irreführendem Populismus wie die Rechten

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8 Antworten zu 2554

  1. ben sagt:

    Danke für die gute Darstellung beider Seiten der Medaille, die man sonst eigentlich nie findet. Für den Leser, der sich “nur” informieren will, ist das extrem hilfreich.

  2. Vineyard sagt:

    Ich glaube übrigens, es überrascht sie nicht Herr Jahnke, dass die “Nachdenkseiten” das Flassbeck Interview wieder als Topnews herausgebracht hat. (Müller und Flassbeck sind halt Duz Freunde..^^)

    Ohne hier jetzt den Basher raushängen zu lassen, aber allein in den letzten 2 Wochen gingen mir NDS mit einer imo. ziemlich linken Scheinheiligkeit extrem auf die nerven ,besonders bezüglich der Naziterrordebatte..

    Und, dass Fr. Wagenknecht, die letzte Rednerin auf dem aktullen NDS Treffen nun offiziell mit Lafontaine liiert ist, überrascht auch wenig…

    Zu ihrem Artikel:

    Wieder sehr informativ, bitte weiter so.

  3. Henning sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Eine Verständnisfrage habe ich aber: sie schreiben von “hohen Lohnsteigerungen” in Spanien, Portugal und Griechenland. Wie kamen diese zustande, wenn die Arbeitsproduktivität sie nicht begründen konnte?

    • globalnote sagt:

      In einem ständigen Katz- und Mausspiel mit der Inflation unter Druck der Gewerkschaften, die dort sehr viel leichter als in Deutschland ihre Mitglieder massiv auf die Straßen bringen.

  4. Gaby sagt:

    Hallo in die Diskutierrunde,

    davon abgesehen, dass Dr. Jahnke wieder einen hervorragenden Artikel geschrieben hat, beweist er darüber hinaus eine seltene Klugheit und Nachdenklichkeit, denn er vertritt die Auffassung: “Die Schuld, soweit man überhaupt von Schuld reden kann, liegt also auf vielen Seiten. Eine einseitige Schuldzuweisung an Deutschland á la Flassbeck führt nicht weiter [..].”

    Meine Meinung dazu ist: In den Wirtschaftskrisen der Moderne, die gerne auch in militärisches Gerangel münden, neigen wir Menschen durch Jahrhunderte lange Systemdomestikation dazu, nicht den Kapitalismus schlechthin in Frage zu stellen, sondern Sündenböcke auszugucken. Wir schieben die Schuld auf die Unzulänglichkeit der Märkte, auf die nicht systemangepassten Marktteilnehmer, auf die Gier der Spekulanten, auf die Zinsen, auf die Kosten, die die Arbeitslosigkeit verursacht, auf die Staatsverschuldung und, und, und. Diese Betrachtungsweise ist ausgesprochen irrational, befreit unser Bewußtsein allerdings davon, die Bedingungen unsere eigenen Existenz kritisch zu prüfen.

    Diese naive Betrachtungsweise kommt dem Liberalismus jedoch höchst willkommen entgegen, hat doch diese Ideologie seit dem 17. Jhr. noch nie die wahren Gründe sozialer wie wirtschaftlicher Schieflagen hinterfragt, sondern alle sichtbaren Probleme stets subjektiviert. Schuld an irgendwelchen Wirtschaftskrisen sind immer die viel zu anspruchsvollen Armen, die faulen, undisziplinierten Arbeitslosen, die Bildungsverlierer, die unsere Sozialsysteme aushöhlenden Ausländer, die schlecht erzogenen Kinder, die grundsätzlich kriminell werden, die Knappheit der Rohstoffe, das angeblich überschießende Bevölkerungswachstum etc. pp. Wie beschränkt und menschenverachtend eine solch liberale Sichtweise ist, wird kaum jemandem bewußt, aber alle wissen natürlich, wovon sie reden, vor allem die politisch Linken wie Rechten. In der liberalen Ideologie liegt unverkennbar der gemeinsame Nenner, der Links wie Rechts seit gut 200 Jahren wie eine unsichtbare Klammer eint und in Krisenzeiten noch schwerer differenzierbar macht, wie in den Zeiten der Wirtschaftsaufschwünge.

    Ich warne ausdrücklich vor einseitigen Schuldzuweisungen und erinnere daran, dass eine Gesellschaft, die das Geheimnis ihrer Existenz (Kapitalismus) nicht lüften will, immer dazu neigt, barbarische Menschenjagden zu veranstalten, sobald die Marktwirtschaft in die Krise gerät. Da lobe ich mir solche Aufklärer, wie Dr. Jahnke, die keine Furcht davor haben, hinter die Kulissen der zusammenbrechenden Glitzerwelten zu schauen und die Morbidität, die “stummen Zwänge” (Marx) des Systems beim Namen zu nennen. Aber solche Aufklärer sind in Deutschland absolut selten.

    Bis denne,

    Gaby

  5. Jens sagt:

    Bei den Gegenüberstellungen Deutschlands mit den konsumierenden Schuldenstaaten entsteht immer wieder der unlogische Eindruck, man sei ein starkes und mächtiges Land. Dass Deutschland nur ein Gewinner innerhalb der Verlierergruppe der europäischen Staaten ist, wird dabei viel zu selten erkannt. Im Gegenteil wird die derzeitige innereuropäische Konstellation als Bestätigung des kurzsischtigen neoliberalisierten Standortwettbewerbes gefeiert. Doch leider kann man die 25 Schandbilder http://www.jjahnke.net/rundbr88.html#2551 bald mit ins Altenheim http://www.jjahnke.net/rundbr88.html#2553 nehmen und sich dort an die Wand hängen.

  6. Jochen sagt:

    Guten Tag Herr Jahnke!

    Ich habe den Artikel von Herrn Flassbeck und ihren ebenfalls komplett gelesen.

    Allerdings bin ich mit ihren Aussagen sehr unzufrieden. Mir ist auch in vorigen Interviews sehr stark aufgefallen, dass sie immer nur Herrn Flassbecks Artikeln zitieren und dann ihre “Ergänzungen” dazu geben. Allerdings bedenken sie dabei keinesfalls die generelle Meinung (unabhängig von den Artikeln) die Herr Flassbeck vertritt und argumentieren auch nicht mit den Gesamtkonzepten, die er überlicherweise vertritt.

    Ich persönlich beistze 4 Bücher von Herrn Flassbeck und ich weiß, dass Herr Flassbeck alle Arguemnte, die sie gegen ihn aufführen, selbst kennt. Deshalb, trotz ihrer sonst guten Argumentationsarbeit, kann ich über ihre Hinweise zu Gunsten ihrer Meinung manchmal wirklich nur den Kopf schütteln und muss deshalb eine Lanze für Herrn Flassbeck brechen.

    Ein Hauptgrund dafür, dass Herr Flassbeck in Interviews & Artikeln natürlich einen Sprachgebrauch benutzt, der viele Fragen offen lässt, liegt in jedem Fall an dem begrenzten Spielraum in Form von mangelnder Zeit oder Artikellänge, die es Herrn Flassbeck dann auch nicht immer möglich macht auf jedes Detail einzugehen. Jemandem wie ihnen, der sich ausschließlich auf den Blog als Öffentlichkeitsarbeit beschränkt, hat da natürlich einen flexibleren Erklärungsspielraum und muss auch nicht auf die Fragen von Moderatoren eingehen. Zudem kritisieren sie ja selbst oft energisch und zu Recht die Leistungsbilanzüberschüsse ohne jedesmal alle anderen Problemfaktoren anzusprechen. Das nehme ich ihnen nicht übel, denn ich kenne ja ihre Meinung. Ich finde es dann aber nicht besonders sportlich, bei anderen sofort alle diese fehlenen Punkte anzuprangern, nur weil diese aus einem Mangel aus Spielräumen nicht erwähnt werden. Den ein oder anderen Meinungsunterschied mal ausgenommen.
    Aber jetzt mal zu ihren Aussagen & ihrer Kritik:

    1. Herr Flassbeck hat nie behauptet, dass es nicht auch andere Probleme bezüglich Lohnzurückhaltung oder überzogener Lohnsteigerungen gibt. Allerdings kritisiert er vor allem die deutsche Art und Weise mit der Krise umzugehen, weil deutsche Politik sich massivst dafür einsetzt, dass wir keine stärkeren Lohnerhöhungen brauchen und im Gegenzug südeuropäischen Ländern Lohnsenkungen aufbrummt werden. Darin sieht er Flassbeck eben das Problem der Deflation durch massive Senkung der Preise und die Abwürgung wirtschaftlicher Impulse. Aus diesem Grund möchte er von Deutschland eine Führungsrolle hinsichtlich dieses Problems einfordern, dass aber auch verlangt, dass die Griechen und andere Problemstaaten eine Lohnkostenstagnation betrieben, nur eben keine Senkung.

    Außerdem muss ich über ihren Vorschlag, die wettbewerbsschädliche Inflation durch die Zentralbank zu bekämpfen doch sehr schmunzeln. Durch die Kredite der Zentralbank wurden mit ziemlicher Sicherheit viel zu wenige wettbewrbs- und exportrelevante Güter nachgefragt, als dass man damit einen Preisanstieg dieser Güter hätte bewirken können. Nachgefragt wurden mit diesen vielen vor allem ausländische Güter und lokale Dienstleistung, die für die eigene Wettbewerbslage eher unrelavant sind. Dazu reicht ein Blick auf die Entwicklung der Industrieproduktion für die relavanten Länder. Wenn es um die Steigerung der Nachfrage durch Kredite geht, dann hätte hier die Inflation der deutschen Güter steigen müssen. Theoretisch müsste man übrigens auch die Lohnstückkosten um den Anstieg der Löhne des öffentlichen Dienstes etc bereinigen, wenn man die Wettbewerbseffekte realistisch angeben möchte. Dann erhält man auch ein Bild, wie weit die unterschiedlichen Lohnstückkosten von dem Inflationsziel der EZB entfernt waren. Deutschland liegt hier eben spürbar weiter unter dem Inflationsziel, als andere drüber. Damit sollte man keine einseitige Schuldzuweisung machen, aber man sollte schon massiv darauf hinweisen dürfen, dass es keine deutsche Unschuld gibt. Und genau so interpretiere ich Herrn Flassbecks Äußerungen.

    Ein Austritt aus dem Euro der Griechen, um über diesen Weg die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, sollte man angesichts eines möglichen Bankruns und einer enormen Aufwertung der Schulden wohl mit äußerster Vorsicht genießen. Wenn die Griechen Geld wegen eines Angst um ihr Kaital aus den Banken nehmen, dann kann das ungeahnte Folgen für Girechenland, die Banken und 7unangenehme Rückkopplungseffekte auf das internationale Bankensystem haben. Außerdem kann und Dominoeffekt anderer Nationen nicht ausgeschlossen werden und wenn alle gleichzeitig und ruckartig abwerten ist dies alles andere als gesund für die gesamte EU.

    2. Schuldenschnitte sind ein riskantes Unterfangen. Hier kann man sicherlich geteilter Meinung sein, ob damit die negativen Signale an die Finanzmärkte oder die positiven der geringeren Schuldenlast überwiegen.

    Herr Flassbeck plädiert hier für eine Reform des Finanzwesens, dass die Staaten generell aus der Abhängigkeit der Finanzmärkte nimmt. Staatsschulden sollten ohne EInfluss auf die Zinsen von der Zentralbank oder alternativ von einer öffentlichen Bank übernommen werden. Nicht prinzipiell über gedruckte Kredite, sondern vor allem über Gespartes der Bevölkerung. Und auch nicht so viel wie gewollt, sondern nach Konjunktur und unter vorgegebenen Kriterien. Damit würde langfristig zumindest das Hauptproblem der hohen Zinsen bewältigt werden. Herr Flassbeck ist sich sehr wohl bewusst, dass Japan zu über 90% bei der eigenen Bevölkerung verschuldet ist, wie er es in einem anderen Gespräch schon einmal erwähnt hat. Hierbei erwähnte er, dass das Hauptproblem eben die Zinsen und nicht prinzipiell die Schuldenhöhe selbst ist. Und Zinsen könnte man zum Beispiel auch schon eindämmen, wenn man das Krisenhandeln von Anfang an besser koordiniert, keine Wirtschaft killenden Sparmaßnahmen sondern Wachstumsimpulse gesetzt und eine Regulierung der Finanzsystem unternommen hätte. Und Lohnerhöhungen Deutschland, sowie eine vorsichtige Lohnstagnation in Südeuropa wären hinsichtlich einer Wachstumstrategie zum kojunturfreundlichen Abbezahlen der Schulden und dementsprechend geringer Zinsen ebenfalls hilfreicher als eine Senkung, um nochmal auf die Lohnproblematik zurückzukommen.

    3. Dass das Steuersystem in Griechenland sozial ungerecht ist, wird auch Flassbeck sicherlich nicht bestreiten wollen. Aber auch das Geld der Reichen liegt ja nicht einfach so rum, sondern steht den Banken zur Verfügung oder wird zum Teil auch konsumiert. Allein durch eine solche Umverteilung kann man nicht automatisch die Schuldenprobleme lösen, höchstens Gerechtigkeitsprobleme bei der Lastenverteilung. Vor allem, wenn die Banken Geld verlieren, dass vorher noch in Griechenland investiert wurde und es zum Tilgen von Auslandsschulden benutzt wird, wird auch das die Wirtschaft Griechenlands erstmal schwächen.

    4. Herr Flassbeck räumt sogar in dem Artikel ein, dass das Gelddrucken der EZB nicht wirklich etwas bringt, wenn die Gesamtstrategie falsch ist. Daher plädiert er doch selbst nur unter den entsprechenden Bedingungen zu diesem Instrument.
    Und der Vergleich mit der Schweizer Zentralbank ist nach meinem Verständnis von Herrn Flassbeck so zu verstehen, dass er damit zeigen möchte, dass privatwirtschaftliche Effekte nicht immer konstruktiv sind und manchmal nur durch staatliches Handeln überhaupt eine Möglichkeit bestehet, diese Probleme abzuwenden. So wie eben das Zinsproblem, dass die Staatsschuldenprobleme hauptsächlich ausmacht, durch die EZB abgemildert werden könnte, wenn die EU nicht so blöd wäre und die Wirtschaft mit Lohnsenkung und Sparmaßnahmen kaputtmacht.

    Da sie, im Gegensatz zu mir und meines Wissens auch Herrn Flassbeck, jedoch verängstigter gegenüber Inflation durch die Geldpolitik sind, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sie der EZB-Politik skeptischer gegenüberstehen. Ich halte geringe Zinsen zum Anregen der Konjunktur für unausweichlich und daher eine Reform des Finanzmarktes für nötig, die das Ausgeben von Krediten strikt nach Art der Kreditverwendung regelt, um hochspekulative Effekte zu verhindern. Ich wüsste auch nicht, wie in einer Zeit schwächelnder Konjunktur von großen Preissteigerungen durch die Geldpolitik gesprochen werden kann. Niemand kennt den Unterschied zwischen frischem Geld und bestehendem und wieso sollte ich bei kaum ausgelasteten Kapazitäten dann die Preise erhöhen, wenn jemand mehr Geld ausgibt? Wenn diese Kredite denn überhaupt ausgegeben werden, wenn die Bedingung für höhere Investitionen, also der Konsum, so schwach ist.

    Freundliche Grüße,
    Jochen

    • globalnote sagt:

      Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich denke, daß ich Ihnen eine ausführliche Antwort schulde.

      Leider muß ich damit leben, wenn begeisterte Flassbeck/Nachdenkseiten-Anhänger, die in der Regel auch Anhänger der Linkspartei sind, mit meinen Beurteilungen sehr unzufrieden sind. Das hält mich aber nicht davon ab, meine Ansichten zu äußern so, wie ich sie für richtig halte.

      Ich kann ja nur zu Äußerungen von Flassbeck Stellung nehmen, die er tatsächlich vorträgt und nicht – wie Sie – vier Bücher von ihm lesen und dann zu den vier Büchern Stellung nehmen. Dazu hätte ich auch gar keine Zeit. Jeder muß sich so ausdrücken, daß man nicht alle seine Bücher gelesen haben muß. Total einseitig verzerrende Aussagen kann man auch nicht mit mangelnder Zeit entschuldigen. Flassbeck ist gelernter Volkswirt und kann sich durchaus differenziert ausdrücken, wollte es aber nicht, weil er das Feuer eben nur auf die Bundesregierung legen wollte. Das ist gefährlicher Populismus pur. Und bei dieser in der Linkspartei verbreiteten Haltung wird sie nie zu einem politischen Gegengewicht zur Vertretung der sozialen Interessen der Benachteiligten werden, und schon gar nicht, wenn sie deren Interessen dabei vernachläßigt. Deswegen sage ich, daß sich solche Linken in der Art ihrer Argumentation nicht von den Rechten in Deutschland unterscheiden.

      Im übrigen kenne ich durchaus Flassbecks Argumentationskonzept und halte es für an vielen Stellen als durchaus nicht schlüssig, z.B. wenn er Deutschland als Gewinner der Globalisierung hinstellt, obwohl die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer über die letzten 10 Jahre verstärkter Globalisierung real erhebliche Lohneinbußen hinnehmen mußten. Oder wenn er China für einen fairen Wettbewerber betrachtet und jeden Kritiker als Protektionisten abtut. Oder wenn er, wie die Linkspartei insgesamt, die ungehemmte Notenpresse der EZB verlangt, als würden die langfristig zu erwartenden Inflationsfolgen nicht gerade die kleinen Leute, die einen sehr hohen Anteil ihres vergleichsweise niedrigen Einkommens in den täglichen und dann inflationsbedrohten Verbrauch stecken, treffen. Oder wenn er, wie die Linkspartei insgesamt, einen Marshall-Plan für Griechenland fordert, der schwupp-dich die Wettbewerbslücke schließt.

      Die Krisenländer haben sich weitgehend selbst mit viel zu sehr steigenden Stücklohnkosten aus dem Wettbewerb manövriert und sind vor allem unter die Räder des chinesischen Niedrigstlohn-Wettbewerbers geraten, der genau bei ihren traditionellen Exportgütern angetreten ist, während sie selbst nicht – wie Deutschland – mit modernsten Industrieausrüstungen und Luxuskarossen auf dem chinesischen Markt punkten konnten.

      Deutschland hat in der Tat mit der Lohnbremse die Importe erschwert, was aber in erster Linie die höher entwickelten Industrieländer, vor allem Frankreich, Italien oder die USA mit deren Produkten, aber kaum Griechenland und Portugal und wohl auch kaum Spanien als Gegenbeispiele getroffen hat. Sehr viel mehr Oliven aus Griechenland oder Wein aus Portugal/Spanien hätten die Deutschen auch bei höheren Löhnen nicht konsumiert und für Billigtextilien und –lederwaren haben sich die sparsamen und Geiz-ist-Geil-Verbraucher in Deutschland leider auf China-Schnäppchen geworfen, was die meisten von ihnen auch bei einer besseren Lohnentwicklung getan hätten.

      Das sind etwas holzschnittartig (auch ich habe nicht genug Platz und Zeit, um alles im Detail darzustellen) leider die Realitäten. Wenn sich Flassbeck für deutsche Lohnsteigerungen einsetzt, ist das nicht zu beanstanden und ich trete ebenso dafür ein, aber die Lösung der Eurokrise auschließlich daran festzumachen, wie er es in dem Interview getan hat, ist einfach Blödsinn. Bedenken Sie bitte, daß von 2000 bis zum Ausbruch der Krise Ende 2009 die Löhne nominal – und das entscheidet den Wettbewerb – in Griechenland um 42 % und in Spanien um 46 % gestiegen sind und damit die Stücklohnkosten um 34 % bzw. 28 %. Da bricht die Wettbewerbsfähigkeit nicht nur gegenüber den lohnbremsenden Deutschen sondern der gesamten Welt ein.

      Wenn Sie über die Inflationsgefahren aus der Notenpresse schmunzeln wollen und meinen, ich sei verängstigt, ist das Ihre Sache. Das Schmunzeln kann Ihnen durchaus in einiger Zeit vergehen. Natürlich wird die Inflation nicht in der derzeitigen Rezessionsphase noch viel über die schon ziemlich hohen 3 % der Eurozone steigen, aber sicher, sobald die Nachfrage zurückkommt. Auch heute liegt die Inflation in Deutschland – entgegen Ihrer Aussage – deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 % und, wer seine Cents mehrfach umdrehen muß, spürt die Verteuerung schon recht deutlich (vielleicht gehören Sie nicht dazu und Flaßbeck bestimmt nicht). Zur Vergangenheit habe ich auf die viel zu tiefen Zinsen der EZB hingewiesen, die den schädlichen weil künstlichen Boom in den Krisenländern kräftig angeheizt haben. Ohne die hätte es auch den Immobilienboom nicht gegeben, und wären in den Krisenländern sehr viel weniger Schulden hochgefahren. Das ist nun mal so.

      Übrigens nehmen die Griechen – entgegen Ihrer Darstellung – schon längst in großem Umfang Kapital aus den Banken, besonders diejenigen, die viel davon haben, und schieben es über die Landesgrenzen. Das Geld der reichen Griechen steht eben nicht mehr wie bisher den griechischen Banken zur Verfügung oder wird in Griechenland konsumiert (nur ein sehr kleiner Teil davon). Da dichten Sie sich sehr viel zusammen.

      Es ist schön, daß Sie sich um die internationalen Banken sorgen, die sonst immer als die eigentlichen Übeltäter von Links angegiftet werden. Herr Ackermann wird es Ihnen bestimmt danken. Schön auch, daß Sie reiche Anleger und Spekulanten von Schuldenschnitten verschonen wollen und dafür die kleinen Leute vor allem in Deutschland bluten lassen wollen, denn die werden in jedem Fall die Masse der Verluste tragen, wenn die Steuern angezogen werden müssen.

      Komplett und definitiv alle Staatsschulden von der EZB oder einer anderen gemeinsamen Bank zu übernehmen, heißt nichts anderes als die Schulden zu vergemeinschaften, weil bei Verlusten die EZB an die Bundesbank, die Bundesbank an die Bundesregierung und diese an den deutschen Steuerzahler herantreten wird. So ist das eben. Ich ärgere mich, daß alle, die für solche Einfachvorschäge eintreten, gerade die Interessen derer verraten, die sie angeblich in Deutschland verteidigen wollen. Dann sollen doch mal Lafontaine u.Co. sagen, wie der Eurosoli aussehen soll, der da am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Schuldengemeinschaft in Deutschland herauskommen kann. Oder träumen die von einem anderen Steuersystem, das mal so eben vom Himmel fällt?

      Der Vergleich Griechenlands mit Japan war einfach ein blödsinniger Schnellschuß, der einem Flassbeck wirklich nicht passieren sollte, und zeigt nur, wie die Menschen auch von ihm für dumm verkauft werden. Das gilt auch für den Vergleich von Schweizer Nationalbank mit EZB.

      Ihr Versuch, Flassbeck hier herauszuhauen, zeigt mir eigentlich nur, daß er Anhänger hat, die ihm die Argumente blind abzunehmen bereit sind. Deswegen bleiben sie aber trotzdem falsch. Und deswegen fühle ich mich animiert, dagegen zu halten.
      Auch Ihnen beste Grüße

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