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global news 2550 28-11-11: Eurokrise: Die Zinsen laufen dem Rettungsschirm und den Eurobonds weg

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6 Antworten zu 2550

  1. Gaby sagt:

    Guten Tag in die Runde,

    die letzten Tage bin ich in diesem Forum selten geworden, denn ich habe am 16. Nov. 2011 ein 230 Gramm leichtes Igelkind gefunden, mich entschlossen, es mit nach Hause zu nehmen, über den Winter großzuziehen und habe deshalb intensive Kontakte zu http://www.Pro-Igel.de und einer kompetenten Tierarztpraxis vor Ort aufgenommen. Das hat sehr viel Zeit gekostet, aber der Igel ist nun gesundheitlich über den Berg und seine einzige Aufgabe besteht jetzt darin, ordentlich zu futtern, um im Mai 2012 mit einem Gewicht von mindestens 1.300 Gramm der Natur zurück gegeben zu werden.

    Gleichzeitig hat die Piratenpartei meinen Mitgliedsantrag bewilligt, mir einige virtuelle Schlüssel geschickt, um aktiv am Parteileben teilnehmen zu können und seither mache ich mich mit einer mir völlig neuartigen Mitmach-Demokratie vertraut, beispielsweise hier:

    https://lqfb.piratenpartei.de/

    Das ist ein Demokratieverständnis, das die Grünen zwar nicht kennen, aber, mit Ansage, rotzfrech kopieren wollen. Die Grünen wollen die besseren Piraten werden! Na dann, viel Erfolg, ihr Torfnasen und Gurkenschieber, die ihr unter Kanzler Schröder einst aktiv daran mitgearbeitet habt, die Finanzmärkte zu deregulieren und Hartz-IV einzuführen. Wer vertraut euch eigentlich noch? Ich seit 2003 nicht mehr!

    Hat wirklich jemand ernsthaft geglaubt, Europas Rettungsschirm EFSF könnte 250 Milliarden schwere Schwimmwesten für absaufende Staaten zur Verfügung stellen und diese geringe Menge vermehrte (hebelte) sich von ganz allein durch die unsichtbare Hand des Marktes?! Wenn ich ein Super-Investor wäre, würde ich nicht in europäische Staatsanleihen investieren! Die Wackelstaaten bringen zwar tolle Renditen, wären mir aber per hoher Laufzeiten und europäischer Jack-in-the-Box Politik viel zu unsicher und die AAA-Staaten bringen eine Rendite, die unterhalb der EU-Inflation liegt. Investorengeld wird in Europa arbeitslos! Ups, wer hätte so was je gedacht?!

    Es ist die Rede davon, dass Frau Dr. Merkel keine Eurobonds will; Merkels Begründung ist richtig. Sie will auch nicht die Notenpresse der EZB anwerfen; auch hier ist die Begründung richtig. Gleichzeitig wird von Stabilitätsfonds gesprochen, die sie mit Sarkozy ausheckt. Heute hörte ich gar etwas von Elitefonds. Das alles ist nichts anderes als die Vergemeinschaftung der Verschuldung der EU-Währungsunion und Deutschland wird am heftigsten zahlen müssen mit der riesengroßen Unsicherheit, ob sich eine gewisse Mindestanforderung der Haushaltsdisziplin (z. B. Steuereintreibung) in der EU-Währungsunion flächendeckend durchsetzt.

    Diese ganze Unkerei verheißt mir, dass unsere Bundesregierung über kurz oder lang dem Druck der Finanzmärkte, aber auch dem Druck der US-Regierung nachgeben und den Euro mit der Bazooka (EZB-Notenpresse) explosiv inflationieren wird. Vor knapp einem Jahr war ja auch noch undenkbar, dass sich der IWF je in die Belange Europas einmischen wird und dann tat er es doch. Das Festhalten am politischen Euro lässt die schlimmsten bürgerlichen Alpträume wahr werden!

    Die einzige Aufgabe der Schwächsten unseres deutschen Volkes und der Schwächsten der Völker des übrigen Europas ist per Vergemeinschaftung der Schulden, ökonomisch wie sozial noch sehr viel mehr zu leiden, als seit der deutschen Einführung von Hartz-IV und der permanenten Verweigerung flächendeckender deutscher Mindestlöhne, von denen ein lohnabhängiger Mensch wenigstens satt würde. Schlimmer, als Menschen hungern zu lassen, geht immer!

    Wie mich dieser außer Rand und Band geratene Kapitalismus ankot.., kann ich nicht in Worte fassen!

    Gaby

  2. Christof sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    Sie schreiben:

    „Umso mehr wird sich der politische Druck vergrößern, die Notenpresse der EZB total freizugeben und auf Teufel drauf los Euros drucken zu lassen, um die Schulden der Euroländer zu finanzieren. Dann zahlen die Verbraucher über die Inflation die Zeche.“

    Hierzu suche ich nach wie vor einen Weg, wie ich mir das Ganze vorzustellen habe. Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass mit „Euros drucken zu lassen“ nicht wirklich der physische Vorgang des „Gelddruckens“ gemeint ist, indem eine beliebige Anzahl von Scheinen tatsächlich hergestellt wird.

    Irre ich mich da?

    Soweit ich das verstanden habe, geht es hier um den Ankauf von Staatsanleihen aus den europäischen Problemländern durch die Europäische Zentralbank (EZB). Und tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass durch die simple „Erzeugung“ von Nullen und Einsen in digitalen Verzeichnissen ein Anspruch auf die angekauften Staatsanleihen „eingebucht“ wird ebenso wie auf der Ausgabenseite die Kosten dafür verbucht werden müssen (also noch mal für mein Verständnis: Da werden nirgendwo irgendwelche Koffer voller Geld transportiert, abgeliefert und dafür einige nette Staatsanleihen-Urkunden wieder mitgenommen).

    Soweit, so gut! Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.

    Wenn (!) ich soweit richtig liege:

    1. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB erzeugt (nach meinen rudimentären buchhalterischen Kenntnissen) weitere Posten als Aktiva und Passiva in deren Bilanz. Lassen wir einmal die Frage beiseite, ob die EZB das eigentlich darf oder wie lange sie das noch macht etc. Rein von der Bilanz betrachtet kann die EZB das natürlich OHNE Verlustrisiko machen, wenn sie davon ausgeht, dass die gekauften Anleihen ihren Wert zum Zeitpunkt des Ankaufes auch weiterhin behalten, denn „Verluste“ (wer trägt die dann eigentlich?) entstehen ja nur, wenn mein Asset nach Kauf an Wert bzw. an Preis verliert, den ich bei einem möglichen Wiederverkauf auf „dem Markt“ erzielen könnte. (Stellt sich nebenbei die Frage: Wenn die nicht ewig bei der EZB schlummern sollen, wie lauten die Szenarien eines möglichen Abstossens dieser Papiere?). Und selbst dann bleibt die Frage: Wie wird dort bilanziert? Zum Zeitwert? Zum Anschaffungswert?

    2. Bezugnehmend dazu las ich auf den DMN einen interessanten Artikel, in dem Goldman Sachs Angela Merkel zum Gelddrucken rät (siehe oben dazu). Begründung:

    „Goldman erwartet keine Inflation, wenn die EZB unbegrenzt Geld druckt. Die Begründung der Investmentbank: Das Geld komme ja niemals bei der realen Wirtschaft an, sondern geht direkt an die Banken, die seit Jahren mit Schrottpapieren spekulieren.“

    Ehrlich gesagt, Herr Jahnke: Ich finde diesen Vorgang spannend. Da wird ja qua EZB „aus dem Nichts heraus“ Geld erschaffen (o.k., das wusste ich auch vorher), aber da kommt ein grosses Bankhaus daher und verlautbart, dass dieses so geschöpfte Geld ja nie in der Realwirtschaft ankäme und deshalb keine Inflationsgefahr bestünde.

    Um mein Erstaunen über einen solchen Mechanismus in einem Satz auszudrücken: Ein Perpetuum Mobile ist nichts dagegen.

    Können Sie einem Laien wie mir in wenigen Sätzen erklären, was hier eigentlich vor sich geht (oder gehen soll)?

    Welche Bedingungen bräuchte es, damit daraus tatsächlich eine inflationäre Wirkung entstünde?

    Und da ichs gerade lese: In einer Pressemitteilung der EZB

    http://www.ecb.int/press/pdf/md/md1110.pdf

    sehe ich jährliche Wachstumsraten für M1-M2-M3 zwischen 1,7 und 2,6 Prozent. Das riecht nicht wirklich nach Inflation…

    Grüsse,

    Christof

    Hier noch der Link:

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32840/

    • globalnote sagt:

      Leider kann ich hier keine sehr lange Antwort auf ein schwieriges Thema versuchen. Nur so viel: Natürlich geht das „Gelddrucken“ heutzutage elektronisch und nicht per Scheine. Doch das Ergebnis für die Volks- und Finanzwirtschaft ist dasselbe.

      Die EZB hält die Staatsanleihen, selbst wenn auf Ramschniveau angekommen, immer noch zum Anschaffungswert, was keine seriöse Bank tun würde. Sie macht das, weil sie sonst sofort Pleite wäre und ihre Eigentümer, wie die Bundesbank, um Nachschub bitten müßte. Und die Bundesbank müßte sich dann das Geld vom deutschen Fiskus und der vom deutschen Steuerzahler holen.
      Die angebliche Darstellung von Goldman Sachs ist Unsinn, da sehr viele Staatsanleihen, die von der EZB auf dem Sekundärmarkt aufgekauft wurden, von Privatleuten in den Krisenländern und im Ausland, von Versicherungen, Pensionsfonds und durchaus seriösen Banken gehalten wurden. Das Geld kommt also dort an, wo es auch wieder ausgegeben werden kann.

      Die Inflation tritt natürlich nicht sofort ein, weil viele der Verkäufer von Staatsanleihen das Geld sparen, indem sie es anders anlegen und zeitweise dem Kreislauf entziehen. Doch irgendwann kommt es immer in der Realwirtschaft an und erzeugt Inflation. Historische Erfahrungen gibt es dafür genug. Die Inflationierung wird ja geradezu von den Notenbanken beabsichtigt, weil sie Schulden abbaut und die Wirtschaft anschiebt. Inflation träte nur dann nicht ein, wenn die EZB die Monetarisierung vermeiden würde, indem sie immer im gleichen Umfang Geld aus dem Markt nehmen würde, indem sie Anleihen verkauft oder Zinsen anhebt. Aber genau das ist in schwieriger Konjunkturlage unmöglich und wird in besserer vermieden, um den Aufschwung nicht zu gefährden oder wird vermieden, um den Schuldenabbau per Inflation zu ermöglichen.

      • Christof sagt:

        Danke, das reicht mir völlig aus. Habe das auch gut verstanden. Sie bestätigen, was ich mir in etwa gedacht habe.

        Bleiben die Fragen, wie sie etwa die „Süddeutsche” formuliert:

        „Die Befürworter [des Ankaufs von Anleihen durch die EZB] argumentieren, dass sich das Inflationsrisiko kontrollieren lässt. Wenn die EZB den Geschäftsbanken im gleichen Umfang Geld entzieht, wie sie Anleihen kauft, erhöht sich die Geldmenge nicht, und es kommt nicht zu Inflation. Weil die Banken derzeit wegen des absehbaren wirtschaftlichen Abschwungs sowieso nur zögerlich Geld verleihen und also weniger brauchen, könnte diese Strategie aufgehen. Die Befürworter verweisen auch darauf, dass die Notenbanken der USA, Japans und Großbritanniens seit langem in großem Stil Staatsanleihen aufkaufen, ohne dass diese Volkswirtschaften kollabiert wären.

        Auf der anderen Seite ist wegen des Misstrauens gegen den Euro nicht klar, wie viele Anleihen die EZB wirklich kaufen müsste und ob nicht doch Inflation heraufzieht. Massive Verluste drohen der Notenbank und damit Europas Steuerzahlern, falls einer der Euro-Staaten seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Das größte Argument gegen den Einsatz der EZB aber ist ein anderes: Wenn sich die maroden Euro-Staaten auf die EZB verlassen, könnte der Sparwillen erlahmen.“

        Im Moment sieht es aber so aus, als ob das Ziel, die Anleihenzinsen der Krisenländer durch diese Ankäufe via EZB auf einem akzeptablen Niveau zu halten, nicht erreicht ist. Zehnjährige Italien über 7 Prozent; und Belgien „spielt“ jetzt auch mit: ungefähr 5,7 Prozent.

        Zu Frankreich gibt es neue Gerüchte:

        „Zwei Wochen ist es her, dass S&P Frankreichs Rating irrtümlich herabgestuft hat. Jetzt will die Ratingagentur angeblich wirklich zur Tat schreiten. Einem Medienbericht zufolge kann es sich nur noch um Tage handeln. Die Konkurrenten Moody’s und Fitch haben die Bonität der Grande Nation ebenfalls auf dem Schirm.“

        Sehr schön, Herr Jahnke, auch Ihre Grafik über den nach BIP gewichteten synthetischen Zins von Euro-Bonds. Die zeigt schon das ganze Dilemma…Verdoppelung alle 14 Jahre…

        Danke, wieder was dazugelernt.

        Grüße!

  3. Gaby sagt:

    Hallo miteinander,

    ich frage mich ernsthaft, ob ich die Ankündigung des Euro-Zusammenbruchs, gar den Untergang Europas verpennt habe, oder warum bastelt SPON seit heute früh an einem dramaturgisch einwandfreien “Liveticker zur Eurokrise”?

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,800534,00.html

    Danke, Heiner, für den Link. Jetzt drängt sich mir aber in aller Deutlichkeit die Frage auf, wer “die Märkte” eigentlich sind! Weder der Kapitalismus, noch “die Märkte” sind gottgegeben vom Himmel gefallen, sondern eine Erfindung der Menschen, werden von Menschen Tag für Tag am Laufen gehalten und, das sagt mir mein Bauchgefühl, von einer Handvoll superreicher Menschen im Sinne ihrer eigenen Interessen manipuliert.

    Ich habe gestern geschrieben, dass ich, wäre ich ein superreicher Investor, aus Gründen der unsicheren politischen Finanzlage nicht ins Euroland investieren würde. Aber was ist, wenn genau diese Unsicherheit als bewußte Waffe gegen die Währungsunion eingesetzt wird, nach dem Motto: “Wir investieren nicht, solange ihr Europäer unsere Vorstellungen von neoliberalen Reformen nicht komplett durchgepeitscht habt, koste es euch Politiker und EU-Kommissionäre, was es wolle! Uns sind sowohl eure Karrieren, wie die asozialen Konsequenzen, die sich innerhalb eurer Völker abspielen, vollkommen egal. Uns geht es nur um unseren Profit!”

    Wer je das “Gesellschaftsspiel” Monopoly gespielt hat, weiß, wie mitleidslos und von innerer Grausamkeit getrieben dieses Spiel gespielt wird. Da zeigen wohlbekannte, stets soziale Menschen plötzlich ein ganz anderes Gesicht! Geld verdirbt den Charakter!

    Ist es abwegig, wenn ich befürchte, dass der neoliberale Kapitalismus eigentlich “Monopoly” heißen muss? Und wenn unsere Realität doch so benannt werden muss, was bliebe dem einzigen globalen Gewinner letztlich, außer überall verbrannte Erde vorzufinden, die ihn selbst verhungern lässt? Das ergibt keinen Sinn!

    Oder geht es um etwas ganz anderes? Nämlich die Menschen dieser Welt einzuteilen in 20 %, die gebraucht werden, um den Kapitalismus am Leben zu erhalten und die übrigen 80 % müssen verrecken?

    Das ging im Roman H. G. Wells “Die Zeitmaschine” bereits schief. Die sorgenfreien Sonnenkinder Eloi wurden von den in Höhlen wohnenden Morlocks, den Verlierern des asozialen Systems, Nacht für gefressen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitmaschine

    Bis denne,

    Gaby

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