Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Donnerstag, 3. November 2011 um 10:12 pm und eingeordnet unter Uncategorized. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
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in den 1990er Jahren hat sich eine Methode durchgesetzt, die Besten der Besten mit den Schlechtesten zu messen und die scheinbaren Erfolgsrezepte der besten Volkswirtschaften zu übernehmen. Auch Deutschland nahm sich dieser Methode, Benchmarking genannt, an und setzte unter Ex-Kanzler Schröder eine Arbeitsgruppe gleichen Namens im Rahmen des “Bündnisses für Arbeit” ein. Am 10. Mai 1999, die Arbeitslosenzahlen lagen bereits bei rund 4,5 Millionen, stellte die Gruppe um Wolfgang und Rolf Heinze, Gerhard Fels und Heide Pfarr folgende Rezepte vor (Anm.: Es handelt sich hier um eine Zusammenfassung in meinen eigenen Worten – Gaby):
- In erster Linie sind Arbeitgeber von Kosten zu entlasten (Sozialbeiträge, Steuern).
- Es sind neue “aktivierende” Methoden der Arbeitsvermittlung nach Vorbild des niederländischen Maatwerks oder der Zeitarbeit zu erarbeiten und durchzusetzen.
- Verbesserte Sanktionsmöglichkeiten sollen Empfänger von Sozial- und Arbeitslosenhilfe zur Annahme niedrig entlohnter Arbeit zwingen.
- Nötig ist eine flankierende Qualifizierungspolitik zur Förderung der Mobilität von Arbeitslosen in gering produktive Beschäftigung.
- Nötig ist eine Neuorganisation der Schnittstelle von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe und die Dezentralisierung der Arbeitsmarktpolitik zur Verbesserung ortsnaher Maßnahmen.
- Einführung eines Mindestlohns zur Absicherung des Tarifgefüges nach unten!
Die geschätzte Neuschaffung von Arbeitsplätzen nach diesen Rezepten lag damals bei vier bis sechs Millionen im produktiven wie vor allem dienstleistenden Gewerbe.
Bis auf den bisher nur teilweise realisierten Mindestlohn wurden alle Maßnahmen in den letzten Jahren peu á peu angewendet und kumulieren sich seit Anfang des 21. Jhr. unter dem Schimpfwort “Hartz IV”.
Und jetzt frage ich bewußt provokativ: Was haben uns alle diese Benchmarking-Analysen gebracht; was hat es Deutschland gebracht, sich in der Arbeitsmarktpolitik an den Niederlanden und den USA zu orientieren? Nichts!!!! Die Arbeitslosigkeit ist derzeit mindestens so hoch wie in 1999, das zerbröselnde Tarifgefüge kennt seit 20 Jahren kaum noch Lohnzuwächse und Hartz-IV hat dazu geführt, dass es heutzutage noch nicht einmal mehr unanständig, also sittenwidrig ist, eine deutsche Friseuse für 3,80 Euro/brutto die Stunde auszubeuten.
Rein gar nichts haben uns die zauberhaften Arbeitsmarktmaßnahmen gebracht, außer, dass die Deutschen immer ärmer und die eh schon Reichen immer reicher wurden. Die Arbeitslosigkeit ist heute so hoch wie ehedem und wächst munter weiter, da können die realen Zahlen von offizieller Seite schön gerechnet werden, wie sie wollen.
Wenn das keine mißlungene Wirtschaftspolitik ist, was ist es dann? Wie nennt man den Wahnsinn, wenn der immer maroder werdende nationale Arbeitsmarkt den nationalen Binnenmarkt gleich mit in die Tiefe reißt? Horror-Ökonomie!
Ach ja, ich sollte fairerweise erwähnen, dass es immer um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab ging, was im neoliberalen Sinne impliziert, dass die Deutschen gefälligst zu so niedrigen Löhnen zu arbeiten haben wie beispielsweise die chinesischen Fabrikarbeiter. Aber warum wurde nie in die andere Richtung gedacht? Warum wird kein Wert darauf gelegt, dass weniger entwickelte Volkswirtschaften erst einmal per auskömmlicher und wachsender Löhne einen stabilen, wohlhabenden Binnenmarkt aufbauen und sich erst dann vorsichtig in den Export begeben und die gleiche Exportrücksicht von allen ihren Partner erwarten dürfen? Kapitalismus ist nämlich nur so lange ein destruktives Raubtier, wie es nicht an die Kette gelegt wird!
Sofern ich unseren Weltenlenkern keine bewußt bösen Absichten unterstelle, wird mir ihr antiquiertes, neoklassisches Vorgehen zeitlebens ein Rätsel bleiben.
Die Herrschaften da oben wissen schon längst, dass der Zug nach Nirgendwo schon lange abgefahren ist. Jeder versucht in diesen Zeiten doch nur noch, seinen eigenen Arsch zu retten.
Propaganda auf Teufel komm raus heißt die Devise um die scheinbare Ruhe im Volk zu bewahren. Wer nicht mitmacht, fliegt raus! Und wenn ich dann heute höre, dass Wolfgang Niedecken Schlaganfälle bekommen hat, weine ich.
Aufbauend ist , dass mir persönlich noch niemand begegnet ist, der die Arbeitslosenquote als wahr interpretiert. Das ist auch gut und richtig so. Sie wird auch nicht wahrer dadurch, dass das “Zählen der Arbeitslosen” durch die Bundesarbeitsagentur vorgenommen wird. Die Arbeitslosenstatistik erfasst nämlich nicht wirklich alle tatsächlich Arbeitssuchende. Arbeitslos ist in Deutschland nämlich nur, wer höchstens 15 Wochenstunden arbeitet, Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet ist. Sind all die Menschen, die durch die Unterstützung des Partners leben können, aber Arbeit suchen, jedoch keinen Anspruch auf ALG II haben, nun arbeitslos oder nicht!? Sind 1 € Jobber oder kranke Arbeitlose oder in der Warteschleife befindliche Arbeitssuchende tatsächlich erwerbstätig, nur weil die Einen für ein paar Wochen irgendwo untergekommen sind und die Anderen mit Fieber im Bett liegen und darüberhinaus wieder andere keine Arbeitsstelle finden und Beruhigungspillen schlucken müssen, um überhaupt finanzielle Unterstützung zu bekommen?
Nein, die Arbeitslosenstatistik ist nicht wirklichkeitsnah!
mir ist zwar auch noch nie jemand begegnet, der den Worten unserer Politiker Glauben schenkt, aber dennoch wählen diese braven, pflichtbewussten Kälber immer wieder ihre ökonomischen Metzger selber.
Sie schreiben: “Arbeitslos ist in Deutschland, wer höchstens 15 Wochenstunden arbeitet.” Stimmt! In den USA gilt als arbeitslos, wer höchstens eine Stunde pro Woche arbeitet und als beschäftigt gilt, wer Bewerbungen schreibt. Deutschland zählt also in vorbildlicher Weise seine Arbeitslosen, mag nun so mancher neumodischer Moneymaker behaglich reüssieren und schon mal den Rotstift für weitere Manipulationen in die Hand nehmen.
Im klassischen Sinne soll der Arbeitslohn gewährleisten, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft erhalten kann und gleichzeitig frisches Humankapital großzieht, das später im kapitalistischen Sinne ausbeutbar, auch als Kanonenfutter brauchbar ist. Alles, was darüber hinaus gezahlt wird, ist für den Kapitalisten rausgeschmissenes Geld, weil es seine Profite beschneidet. So war das zu Zeiten Karl Marx’.
Da wir in modern-klassischen Wirtschaftszeiten leben, also ökonomisch eine Rolle Rückwärts hinlegen, unterliegen Löhne und Gehälter logischerweise wieder der Schrumpfung auf’s Lebensnotwendige, wie uns der wachsende deutsche Niedriglohnsektor und Hartz IV plastisch vor Augen führen. Mittlerweile werden Löhne gezahlt, von denen die Menschen nicht leben können, also stockt der Staat ein bisschen auf, um die Gewerkschaften kleinlaut zu halten, wie einst Bismarck die Arbeiterbewegung.
Bisher gilt der Niedriglohn für rund 1,2 Millionen deutsche Arbeitnehmer mit steigender Tendenz. Das heißt, wir leben unter’m Strich in grausameren Zeiten, als sie Marx je gekannt hat und merken das mehrheitlich nicht, weil wir mittlerweile alle topmoderne Individualisten geworden sind – glauben wir jedenfalls, weil wir Apples iPhone in der Hand halten und uns an vielerlei moderner Hightech-Produkte und Privatfernsehen erfreuen, allen voran dem Computer mit Internetanschluss. Das ist, wie Anfang des 20. Jhr., als Deutscher exotische Bananen essen zu dürfen und zur Verteidigung der Bananen in den Krieg zu ziehen.
Die Arbeit, besser gesagt, der Lohn, soll also im klassischen Sinne die Arbeitskraft des Arbeiters erhalten und ihm/ihr ermöglichen, Kinder großzuziehen. Das bedeutet heute (5. Nov. 2011), dass jemand, der keine Arbeit, dafür aber einen Ernährer hat, im Sinne des Neoliberalismus nicht arbeitslos ist; für Ehefrauen gilt dieses Prinzip seit Ende des 2. Weltkriegs sowieso, wurde also bereits in der Sozialen Marktwirtschaft und noch sehr viel früher für die Frauen im Kapitalismus etabliert. Die neoliberale Blaupause für diese in Deutschland heute vor allen Dingen Männer, kapitalistisch-historisch von Frauen abgekoppelte, entwürdigende Denke, liefern die Entwicklungs- und Schwellenländer, wo ein Arbeitsloser, bar jeglicher staatlicher Fürsorgesysteme, sofort in den Schoß der Familie zurück fällt, wenn die Arbeitslosigkeit zugeschlagen hat; welchen Einfluss der IWF dabei spielt, lasse ich hier außen vor. Von dieser Warte aus betrachtet, leben wir Deutschen tatsächlich immer noch in einer Sozialen Marktwirtschaft, denn bei uns gibt es ein Jahr lang Arbeitslosengeld, lebenserhaltendes Hartz IV und die gesetzliche Krankenversicherung, die Arbeitslose nicht aus ihrem System rauswerfen darf und Ehefrauen, die einen Ernährer haben, gelten nach den Gesetzen der Sozialen Marktwirtschaft seit jeher nicht als Arbeitslose, im Neoliberalismus sowieso nicht.
Fazit: Arbeitslose Deutsche sind also keine armen Schlucker, weil sie per Arbeitslosigkeit längst nicht auf ihre Familien angewiesen sind. Sie bleiben in Deutschland atomisierte Individuen, wie der Bruder von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der ein Hartz-IVer ist und Ex-Kanzler Schröder sich während seiner Amtszeit nicht um ihn gekümmert hat.
Ein 1-Euro-Job, um auf Ihre Frage, Herr Steingrube, einzugehen, ist eine Erwerbstätigkeit; das Wort “Job” steckt ja entlarvender Weise in diesem Wortungetüm mit drin. Es ist sogar eine Luxustätigkeit, ermöglicht sie doch einen minimalen Zuverdienst zur staatlichen, lebenserhaltenden Alimente.
Leute, die sich in Warteschleifen befinden, sind nicht arbeitslos, weil sie beschäftigt werden und Menschen, die krank im Bett liegen, sind deshalb nicht arbeitslos, weil sie sich mit ihrer Genesung beschäftigen also dem Arbeitsmarkt eh nicht zur Verfügung stehen.
Meiner Auffassung nach entlarvend sittenwidriger und zynischer über alle meine bisher genannten Betrachtungen hinaus ist die ernsthafte Diskussion, ob Hartz-IV für einen Menschen, der im Krankenhaus liegt, gekürzt werden darf, schließlich wird er ja im Krankenhaus ernährt. Das ist nicht der Gipfel, aber ein heftiger Ausschlag der sozial-ökonomischen Perversitäten des Neoliberalismus.
Ich bekomme seit einiger Zeit immer bedrückender das mich innerlich heftig schmerzende Gefühl, dass wir Deutschen nicht einmal in unseren Alpträumen ahnen, wie eiskalt der betriebswirtschaftlichen Logik folgend, die neoliberalen Weltenlenker denken und handeln. Nicht anders ist mir zu erklären, dass wir Deutschen seit 1999 jedes Mal überrascht sind, zu all den bereits erlebten sozialen Grausamkeiten immer noch mehr und mehr Zumutungen zu erdulden, ohne ernsthaft dagegen zu protestieren.
Anscheinend hoffen wir alle auf ein durch die unsichtbare ökonomische Hand inszeniertes soziales Happyend, Weiblein wie Männlein gleichermaßen. Das wird aber nicht eintreten!
Trotz trüber Aussichten für den Arbeitsmarkt des kommenden Jahres finden sich in Fernsehen und Zeitungen nun gehäuft Meldungen der Marke “Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Die Wirtschaft boomt.” Ob damit in irgendeiner HInsicht Stimmung gemacht werden soll, weiß ich nicht. Aber diese Meldungen erwecken bei mir tiefstes Misstrauen.
Schönen guten Tag,
in den 1990er Jahren hat sich eine Methode durchgesetzt, die Besten der Besten mit den Schlechtesten zu messen und die scheinbaren Erfolgsrezepte der besten Volkswirtschaften zu übernehmen. Auch Deutschland nahm sich dieser Methode, Benchmarking genannt, an und setzte unter Ex-Kanzler Schröder eine Arbeitsgruppe gleichen Namens im Rahmen des “Bündnisses für Arbeit” ein. Am 10. Mai 1999, die Arbeitslosenzahlen lagen bereits bei rund 4,5 Millionen, stellte die Gruppe um Wolfgang und Rolf Heinze, Gerhard Fels und Heide Pfarr folgende Rezepte vor (Anm.: Es handelt sich hier um eine Zusammenfassung in meinen eigenen Worten – Gaby):
- In erster Linie sind Arbeitgeber von Kosten zu entlasten (Sozialbeiträge, Steuern).
- Es sind neue “aktivierende” Methoden der Arbeitsvermittlung nach Vorbild des niederländischen Maatwerks oder der Zeitarbeit zu erarbeiten und durchzusetzen.
- Verbesserte Sanktionsmöglichkeiten sollen Empfänger von Sozial- und Arbeitslosenhilfe zur Annahme niedrig entlohnter Arbeit zwingen.
- Nötig ist eine flankierende Qualifizierungspolitik zur Förderung der Mobilität von Arbeitslosen in gering produktive Beschäftigung.
- Nötig ist eine Neuorganisation der Schnittstelle von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe und die Dezentralisierung der Arbeitsmarktpolitik zur Verbesserung ortsnaher Maßnahmen.
- Einführung eines Mindestlohns zur Absicherung des Tarifgefüges nach unten!
Die geschätzte Neuschaffung von Arbeitsplätzen nach diesen Rezepten lag damals bei vier bis sechs Millionen im produktiven wie vor allem dienstleistenden Gewerbe.
Bis auf den bisher nur teilweise realisierten Mindestlohn wurden alle Maßnahmen in den letzten Jahren peu á peu angewendet und kumulieren sich seit Anfang des 21. Jhr. unter dem Schimpfwort “Hartz IV”.
Und jetzt frage ich bewußt provokativ: Was haben uns alle diese Benchmarking-Analysen gebracht; was hat es Deutschland gebracht, sich in der Arbeitsmarktpolitik an den Niederlanden und den USA zu orientieren? Nichts!!!! Die Arbeitslosigkeit ist derzeit mindestens so hoch wie in 1999, das zerbröselnde Tarifgefüge kennt seit 20 Jahren kaum noch Lohnzuwächse und Hartz-IV hat dazu geführt, dass es heutzutage noch nicht einmal mehr unanständig, also sittenwidrig ist, eine deutsche Friseuse für 3,80 Euro/brutto die Stunde auszubeuten.
Rein gar nichts haben uns die zauberhaften Arbeitsmarktmaßnahmen gebracht, außer, dass die Deutschen immer ärmer und die eh schon Reichen immer reicher wurden. Die Arbeitslosigkeit ist heute so hoch wie ehedem und wächst munter weiter, da können die realen Zahlen von offizieller Seite schön gerechnet werden, wie sie wollen.
Wenn das keine mißlungene Wirtschaftspolitik ist, was ist es dann? Wie nennt man den Wahnsinn, wenn der immer maroder werdende nationale Arbeitsmarkt den nationalen Binnenmarkt gleich mit in die Tiefe reißt? Horror-Ökonomie!
Ach ja, ich sollte fairerweise erwähnen, dass es immer um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab ging, was im neoliberalen Sinne impliziert, dass die Deutschen gefälligst zu so niedrigen Löhnen zu arbeiten haben wie beispielsweise die chinesischen Fabrikarbeiter. Aber warum wurde nie in die andere Richtung gedacht? Warum wird kein Wert darauf gelegt, dass weniger entwickelte Volkswirtschaften erst einmal per auskömmlicher und wachsender Löhne einen stabilen, wohlhabenden Binnenmarkt aufbauen und sich erst dann vorsichtig in den Export begeben und die gleiche Exportrücksicht von allen ihren Partner erwarten dürfen? Kapitalismus ist nämlich nur so lange ein destruktives Raubtier, wie es nicht an die Kette gelegt wird!
Sofern ich unseren Weltenlenkern keine bewußt bösen Absichten unterstelle, wird mir ihr antiquiertes, neoklassisches Vorgehen zeitlebens ein Rätsel bleiben.
Gaby
Die Herrschaften da oben wissen schon längst, dass der Zug nach Nirgendwo schon lange abgefahren ist. Jeder versucht in diesen Zeiten doch nur noch, seinen eigenen Arsch zu retten.
Propaganda auf Teufel komm raus heißt die Devise um die scheinbare Ruhe im Volk zu bewahren. Wer nicht mitmacht, fliegt raus! Und wenn ich dann heute höre, dass Wolfgang Niedecken Schlaganfälle bekommen hat, weine ich.
Aufbauend ist , dass mir persönlich noch niemand begegnet ist, der die Arbeitslosenquote als wahr interpretiert. Das ist auch gut und richtig so. Sie wird auch nicht wahrer dadurch, dass das “Zählen der Arbeitslosen” durch die Bundesarbeitsagentur vorgenommen wird. Die Arbeitslosenstatistik erfasst nämlich nicht wirklich alle tatsächlich Arbeitssuchende. Arbeitslos ist in Deutschland nämlich nur, wer höchstens 15 Wochenstunden arbeitet, Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet ist. Sind all die Menschen, die durch die Unterstützung des Partners leben können, aber Arbeit suchen, jedoch keinen Anspruch auf ALG II haben, nun arbeitslos oder nicht!? Sind 1 € Jobber oder kranke Arbeitlose oder in der Warteschleife befindliche Arbeitssuchende tatsächlich erwerbstätig, nur weil die Einen für ein paar Wochen irgendwo untergekommen sind und die Anderen mit Fieber im Bett liegen und darüberhinaus wieder andere keine Arbeitsstelle finden und Beruhigungspillen schlucken müssen, um überhaupt finanzielle Unterstützung zu bekommen?
Nein, die Arbeitslosenstatistik ist nicht wirklichkeitsnah!
Guten Tag, Herr Steingrube und Mitlesende,
mir ist zwar auch noch nie jemand begegnet, der den Worten unserer Politiker Glauben schenkt, aber dennoch wählen diese braven, pflichtbewussten Kälber immer wieder ihre ökonomischen Metzger selber.
Sie schreiben: “Arbeitslos ist in Deutschland, wer höchstens 15 Wochenstunden arbeitet.” Stimmt! In den USA gilt als arbeitslos, wer höchstens eine Stunde pro Woche arbeitet und als beschäftigt gilt, wer Bewerbungen schreibt. Deutschland zählt also in vorbildlicher Weise seine Arbeitslosen, mag nun so mancher neumodischer Moneymaker behaglich reüssieren und schon mal den Rotstift für weitere Manipulationen in die Hand nehmen.
Im klassischen Sinne soll der Arbeitslohn gewährleisten, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft erhalten kann und gleichzeitig frisches Humankapital großzieht, das später im kapitalistischen Sinne ausbeutbar, auch als Kanonenfutter brauchbar ist. Alles, was darüber hinaus gezahlt wird, ist für den Kapitalisten rausgeschmissenes Geld, weil es seine Profite beschneidet. So war das zu Zeiten Karl Marx’.
Da wir in modern-klassischen Wirtschaftszeiten leben, also ökonomisch eine Rolle Rückwärts hinlegen, unterliegen Löhne und Gehälter logischerweise wieder der Schrumpfung auf’s Lebensnotwendige, wie uns der wachsende deutsche Niedriglohnsektor und Hartz IV plastisch vor Augen führen. Mittlerweile werden Löhne gezahlt, von denen die Menschen nicht leben können, also stockt der Staat ein bisschen auf, um die Gewerkschaften kleinlaut zu halten, wie einst Bismarck die Arbeiterbewegung.
Bisher gilt der Niedriglohn für rund 1,2 Millionen deutsche Arbeitnehmer mit steigender Tendenz. Das heißt, wir leben unter’m Strich in grausameren Zeiten, als sie Marx je gekannt hat und merken das mehrheitlich nicht, weil wir mittlerweile alle topmoderne Individualisten geworden sind – glauben wir jedenfalls, weil wir Apples iPhone in der Hand halten und uns an vielerlei moderner Hightech-Produkte und Privatfernsehen erfreuen, allen voran dem Computer mit Internetanschluss. Das ist, wie Anfang des 20. Jhr., als Deutscher exotische Bananen essen zu dürfen und zur Verteidigung der Bananen in den Krieg zu ziehen.
Die Arbeit, besser gesagt, der Lohn, soll also im klassischen Sinne die Arbeitskraft des Arbeiters erhalten und ihm/ihr ermöglichen, Kinder großzuziehen. Das bedeutet heute (5. Nov. 2011), dass jemand, der keine Arbeit, dafür aber einen Ernährer hat, im Sinne des Neoliberalismus nicht arbeitslos ist; für Ehefrauen gilt dieses Prinzip seit Ende des 2. Weltkriegs sowieso, wurde also bereits in der Sozialen Marktwirtschaft und noch sehr viel früher für die Frauen im Kapitalismus etabliert. Die neoliberale Blaupause für diese in Deutschland heute vor allen Dingen Männer, kapitalistisch-historisch von Frauen abgekoppelte, entwürdigende Denke, liefern die Entwicklungs- und Schwellenländer, wo ein Arbeitsloser, bar jeglicher staatlicher Fürsorgesysteme, sofort in den Schoß der Familie zurück fällt, wenn die Arbeitslosigkeit zugeschlagen hat; welchen Einfluss der IWF dabei spielt, lasse ich hier außen vor. Von dieser Warte aus betrachtet, leben wir Deutschen tatsächlich immer noch in einer Sozialen Marktwirtschaft, denn bei uns gibt es ein Jahr lang Arbeitslosengeld, lebenserhaltendes Hartz IV und die gesetzliche Krankenversicherung, die Arbeitslose nicht aus ihrem System rauswerfen darf und Ehefrauen, die einen Ernährer haben, gelten nach den Gesetzen der Sozialen Marktwirtschaft seit jeher nicht als Arbeitslose, im Neoliberalismus sowieso nicht.
Fazit: Arbeitslose Deutsche sind also keine armen Schlucker, weil sie per Arbeitslosigkeit längst nicht auf ihre Familien angewiesen sind. Sie bleiben in Deutschland atomisierte Individuen, wie der Bruder von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der ein Hartz-IVer ist und Ex-Kanzler Schröder sich während seiner Amtszeit nicht um ihn gekümmert hat.
Ein 1-Euro-Job, um auf Ihre Frage, Herr Steingrube, einzugehen, ist eine Erwerbstätigkeit; das Wort “Job” steckt ja entlarvender Weise in diesem Wortungetüm mit drin. Es ist sogar eine Luxustätigkeit, ermöglicht sie doch einen minimalen Zuverdienst zur staatlichen, lebenserhaltenden Alimente.
Leute, die sich in Warteschleifen befinden, sind nicht arbeitslos, weil sie beschäftigt werden und Menschen, die krank im Bett liegen, sind deshalb nicht arbeitslos, weil sie sich mit ihrer Genesung beschäftigen also dem Arbeitsmarkt eh nicht zur Verfügung stehen.
Meiner Auffassung nach entlarvend sittenwidriger und zynischer über alle meine bisher genannten Betrachtungen hinaus ist die ernsthafte Diskussion, ob Hartz-IV für einen Menschen, der im Krankenhaus liegt, gekürzt werden darf, schließlich wird er ja im Krankenhaus ernährt. Das ist nicht der Gipfel, aber ein heftiger Ausschlag der sozial-ökonomischen Perversitäten des Neoliberalismus.
http://www.gegen-hartz.de/urteile/hartz-iv-kuerzungen-bei-krankenhausaufenthalt-09288.html
Ich bekomme seit einiger Zeit immer bedrückender das mich innerlich heftig schmerzende Gefühl, dass wir Deutschen nicht einmal in unseren Alpträumen ahnen, wie eiskalt der betriebswirtschaftlichen Logik folgend, die neoliberalen Weltenlenker denken und handeln. Nicht anders ist mir zu erklären, dass wir Deutschen seit 1999 jedes Mal überrascht sind, zu all den bereits erlebten sozialen Grausamkeiten immer noch mehr und mehr Zumutungen zu erdulden, ohne ernsthaft dagegen zu protestieren.
Anscheinend hoffen wir alle auf ein durch die unsichtbare ökonomische Hand inszeniertes soziales Happyend, Weiblein wie Männlein gleichermaßen. Das wird aber nicht eintreten!
Viele Grüße
Gaby
Hallo!
Trotz trüber Aussichten für den Arbeitsmarkt des kommenden Jahres finden sich in Fernsehen und Zeitungen nun gehäuft Meldungen der Marke “Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Die Wirtschaft boomt.” Ob damit in irgendeiner HInsicht Stimmung gemacht werden soll, weiß ich nicht. Aber diese Meldungen erwecken bei mir tiefstes Misstrauen.