global news 2451 30-07-11: Tariflohnentwicklung: Das Statistische Bundesamt unter dem Kommando des Bundesinnenministeriums treibt die Desinformation immer toller
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Für mich, der fast täglich damit zu tun hat, ist das eigentlich keine sehr große Überraschung. Allerdings ist der große Abstand nun doch überraschend. Deutschland erreicht ja nicht einmal europäisches Mittelmaß. Und das muss ja begründet sein. Die Deutschen sind zwar nicht gerade bekannt für große Lebensfreude, doch allein daran kann es nicht liegen, dass die Arbeitszufriedenheit der Deutschen dermaßen in den Keller gegangen ist. Es müssen also mehrere Faktoren in einem längeren Zeitraum zusammengekommen sein. Ähnlich wie in einer Beziehung, in der es knallt, weil mehrere persönliche negative Aspekte aufeinander getroffen sind, ohne sie angesprochen zu haben, damit sie aus dem Wege geräumt werden können. Die Erklärungen für eine so große Arbeitsunzufriedenheit sind sicherlich sehr umfangreich. Es fängt schon damit an, dass durch staatliche Repressionen Arbeitslose und Hartz IV Bezieher in Arbeit gezwungen werden, falls sie weiterhin finanzielle Unterstützung haben wollen, die nicht wirklich gerne ausgeübt wird und darüber hinaus auch noch finanziell weit unterhalb des Existenzminimums liegt. Ich rede hier von prekären Arbeitsverhältnissen, die durch Rot/Grün erst in diesem Umfang in einem bis dahin nie gekannten Ausmaße möglich wurden. In erster Linie ist hier wohl die Leiharbeit zu benennen, die oft genug unter „erschwerten Bedingungen“ (lange Anfahrtswege, sehr häufige Arbeitgeberwechsel, hohe soziale Unsicherheit, sehr starke körperliche Beanspruchung etc.) ausgeführt werden muss und zudem noch hundsmise-rabel entlohnt wird. Zudem darf nicht unterschätzt werden, dass manche Unternehmer nicht besonders zimperlich mit ihren Belegschaften umgehen, wenn es um direkte Gewinnmaximierungen durch personelle Einzelmaßnahmen geht. Mir sind zahlreiche Unternehmen aus meiner Region bekannt, die unglaublichen Druck (durch Einzelgespräche) auf ihre Mitarbeiter ausgeübt haben, wenn sie sich z.B. nicht für die 40 Stundenwoche entscheiden würden. Hierzu muss man wissen, dass in der IG Metall die 35 Stundenwoche tarifvertraglich geregelt ist. Es sind mir weiterhin Fälle bekannt, in denen Arbeitnehmervertreter regelrecht erpresst wurden, wenn sie nicht bestimmte Zugeständnisse machen sollten. In diesen Fällen ging es regelmäßig um Androhungen durch Verlagerungen ins Ausland. Gerade an diesem Punkt wird oft angesetzt. Ausgebuffte Personaler haben sehr wohl gute psychische Kenntnisse und wissen ganz genau wo sie ansetzen müssen. So etwas muss man nicht studieren, so etwas wird auf speziellen Seminaren vermittelt, die bundesweit angeboten werden. Wer so etwas schon einmal mit gemacht hat, ahnt sehr genau, wovon ich rede.
Eine weitere Ursache für die große Arbeitsunzufriedenheit ist in der Globalisierung zu suchen. Gemeint ist damit, dass aufgrund des globalen Wettbewerbs Kosten eingespart werden. Kosten einzusparen kann vieles bedeuten. Mir geht es hier um das Personal eines Unternehmens. Das Personal ist in den vergangenen Jahren dermaßen zusammen gespart worden, dass es zum einen nur noch vereinzelte Arbeitsplatznischen (z.B. Pförtner) in Unternehmen gibt, zum anderen Dienstleistungen jedweder Art (manchmal bis nach Indien) ausgelagert wurden. Das Stammpersonal wird in der Regel nur noch selten aufgestockt, und wenn doch, dann nur befristet. Das heißt im Umkehrschluss, es findet eine massive Arbeitsverdichtung innerhalb der Unternehmen statt, die in „Hoch“zeiten oft nur wenig Luft zum Atmen lässt. Das wird deutlich, wenn ich von 18 und 21 Schichtensystemen spreche, wobei das 18er Modell rund um die Uhr an 6 Tagen in der Woche und das 21 Schichtenmodell an 7 Tagen in der Woche läuft. Diese Modelle werden auch zur Kostensenkung und Personaleinsparungen eingesetzt. Jeder kann sich ausmalen, dass bei diesen Arbeitszeiten nur noch wenig Zeit vorhanden ist, um soziale Kontakte (Sportverein, Theaterbesuche etc.) aufrecht zu erhalten. Sie können nur noch schlecht eingeplant werden. Das führt auch zu einer sehr, sehr schlechten Stimmung in den Unternehmen, die immer mehr dazu übergehen. Jedenfalls in solchen, in denen es möglich ist.
Dass die über 50jährigen (eigentlich schon darunter) äußerst unzufrieden sind, wundert mich wenig. In den Medien ist zwar manchmal zu lesen, dass eine ganze Reihe von Unternehmen auf den demografischen Wandel innerbetrieblich durch neue Modelle (Weiterbildung von älteren Arbeitnehmern, Gesundheitszirkel etc.) reagieren würden, doch tatsächlich können mit Sicherheit nur die wenigsten Journalisten wirklich ansatzweise erklären, inwieweit dies zum greifenden und tatsächlichen Erfolg führen wird. Dies kann einfach nur solchen Journalisten gelingen, die derartige Projekte tatsächlich langfristig begleiten. Ich glaube jedenfalls an keinen überwiegenden Erfolg solcher Meldungen. Es gibt ca. 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland. Ich schätze, nicht einmal 5% beteiligen sich tatsächlich ernsthaft an einem Projekt ältere Arbeitnehmer weiterzubilden.
Die Benachteiligung der Frauen in Deutschland ist facettenreich. Eines aber steht unumstößlich fest: In Deutschland ist es außerordentlich schwer für Frauen, Familie und Beruf in Balance zu bringen. Knackpunkte sind die Arbeitszeiten und die Kinderbetreuung. Das nutzen nicht wenige Unternehmen schamlos aus und stellen den Frauen finanzielle Bedingungen. In ihrer Not müssen sie jede Arbeit annehmen. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele gerade im Discounterbereich. Darüber hinaus ist es Frauen (eben auch wegen der Kinderbetreuung!) sehr häufig verwehrt, sich den neuen Bedingungen in einem Unternehmen anpassen zu können, um neue Erkenntnisse und Fähigkeiten durch Weiterbildungen zu erwerben. Damit werden sie aus Bonus-, Zielvereinbarungs- und Leistungssystemen weitestgehend ausgeschlossen. Und das bedeutet eben auch weniger Lohn.