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global news 2446 26-07-11: Weder die SPD noch die LINKE haben bisher die Gefahren aus der neoliberalen Globalisierung begriffen: jüngstes Beispiel Eurorettungspaket

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26 Antworten zu 2446

  1. dr. gunnar kroker sagt:

    da gab es ja schon vor etlichen jahren ein sehr schönes buch. da stand das alles bereits ausführlichst drin geschrieben. wenn mich nicht alles täuscht hieß es ” die globalisierungsfalle….”, und in der sitzen wir jetzt!

  2. G. Perthen sagt:

    Bravo für diesen erhellenden Kommentar.

    Aber wie kommt es, dass sich weder in der SPD noch in der LINKEN genügend unabhängige Geister finden, die sich ohne ideologische Scheuklappen die existierenden Probleme ansehen und in die Zukunft weisende Lösungen diskutieren und auch deren negative Seiten nicht aussparen? Jeder Denkende sollte doch wissen, dass die aus pharmazeutischen Beipackzetteln bekannte Formulierung “Risiken und Nebenwirkungen” auch in der Politik gelten (“law of inintended consequences”), wenn Maßnahmen irgendeine Wirkung haben.

  3. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    @Dr. Kroker: Das Buch “Die Globalisierungsfalle” hat mir in 2001 jemand zum Lesen ausgeliehen. Nach den ersten Seiten klappte ich das Buch zu, weil ich es für einen schauderhaften Science-Fiktion-Roman hielt. Erst in 2005 ist mir schlagartig klar geworden, dass der Buchinhalt der gegenwärtigen und heutigen Weltwirtschafts-Situation entspricht, also habe ich das Lesen des Buches nachgeholt. Allerdings weiß ich mittlerweile, dass die Autoren nur die äußeren Erscheinungsformen des globalisierten Neoliberalismus beschrieben haben – zu den Ursachen unserer heutigen Misere sind sie nicht vorgedrungen. Ein solche Sichtweise nennt man “verkürzte Kapitalismuskritik”.

    @G. Perthen: Dass die Linken wirtschaftspolitisch so blind sind, liegt an der Ideologie des Arbeitermarxismus des 19. Jhr., von dem sie sich bis heute nicht wirklich gelöst haben. Man halte sich vor Augen, dass Karl Marx zu Lebzeiten öffentlich erklärte, er sei kein Marxist. Damit hat er seine Kapitalismusanalysen scharf von der verkürzten Kapitalismuskritik der Marxisten, Sozialisten und Kommunisten abgegrenzt. Die Schwäche der Linken, das ist meine Meinung, war und ist, dass sie die Marx’schen Analysen entweder nie ernsthaft studiert oder nie wirklich verstanden haben. Sie haben lediglich verstanden, dass das Kapital die Menschen in eine herrschende und eine unterdrückte Klasse teilt. Deshalb ihr Ansinnen, die Klassen zu egalisieren bzw. ganz abzuschaffen. Aber das kann gar nicht funktionieren, solange sich die Linken gesellschaftspolitisch innerhalb der kapitalistischen Kategorien “Arbeit – Ware – Geld – Profit” bewegen. Die angeblichen (!) Alternativen zum Kapitalismus, als da wären real existent gewesener Kommunismus und Sozialismus, haben bewiesen, dass eine neue, bessere Welt nicht zu erreichen ist, wenn die alte nicht vollständig überwunden wird.

    @: Die Schwäche der Linken ist, seit dem 19. Jhr. die Kategorien des Kapitalismus als gottgegeben, unumstößlich und höchstes Ziel der Menschheit akzeptiert und verinnerlicht zu haben. Eine Welt ohne die Rahmenbedingungen des Kapitalismus kommt in ihrer Denke größtenteils seit ca. 1848 nicht mehr vor. Seither biedern sie sich den Kapitalisten an und verlangen lediglich ein bisschen mehr “soziales Öl”, also ein paar Brosamen besseren Lohn und kürzere Arbeitszeiten und natürlich Solidarität mit den Schwachen. Dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, das ist eine gute Sache. Aber trotzdem darf kein Linker auf lange Sicht glauben, dass daraus eine bessere Welt, ein menschenfreundlicherer Kapitalismus entstehen würde, denn es gibt keinen Kapitalismus, der des Menschen Freund wäre! Der Kapitalismus folgt seinen eigenen ökonomischen Gesetzen und stößt dabei permanent an seine inneren Schranken, an seine inneren Widersprüche, die nicht zu überwinden sind, ohne immer wieder in Wirtschaftskrisen zu taumeln und große Teile der Menschheit jedes Mal in bittere Not zu stürzen.

    Hier ist nicht der Platz, Marx dritten Band der Reihe “Das Kapital” zu erläutern und zu erörtern. Ich empfehle aber jedem, da mal reinzuschauen. Das wahre Hindernis der kapitalistischen Produktion, die Ursachen aller Überproduktion, Börsen- und Kreditblasen ist das Kapital selbst und nicht der profitgierige Unternehmer, der Spekulant, der allzu sparsame Konsument oder gar die Zinsen. Solange wir nicht wieder dazu übergehen, für die tatsächliche Bedarfsdeckung der Menschen zu produzieren, sondern an der bekloppten Geld-Plusmacherei festhalten, wird es keine Welt geben, in der der Mensch wertvoller ist als Geld.

    Karl Marx hat uns übrigens, allen anders lautenden Unkenrufen zum Trotz, keine Blaupause für die “Garküche der Zukunft” hinterlassen. Er hat den Kapitalismus aber in bis heute unübertroffener Weise analysiert und uns gezeigt, wie das Ding funktioniert. Den Rest müssen wir selbst erledigen.

    Mir ist bewußt, dass ich Euch vermutlich ziemlich rückwärtsgewandt und staubig vorkomme, weil durch den Zusammenbruch des kommunistisch-sozialistischen Kasernenkapitalismus der Eindruck entstanden ist, Marx sei ein Spinner gewesen, dabei hatte er sich beide Systeme gar nicht ausgedacht. Meine Erfahrung nach der teilweisen Lektüre “Das Kapital” ist jedenfalls, dass Marx noch nie so aktuell war wie heute.

    Bis denne,

    Gaby

  4. Johannes_7 sagt:

    SPD und Linke sehen hin und verstehen nicht, weil sie sich nicht tiefgreifend und faktenbasiert mit dem Thema Transferunion befassen. Eines meiner zentralen Motive die Petition Nr. 18123 einzureichen ist genau das was in diesem Artikel beschrieben wird. Die Reichen aller Länder vereinigen sich, um die Armen weiter auszubeuten. Es bleibt am Ende des Transferprozesses viel weniger Geld für Sozialleistungen übrig als die meisten denken.

    Auch ich verstehe SPD, Linke und auch die Gewerkschaften nicht. Sie müssten aufschreien, ob der sich abzeichnenden massiven Einengung der Verteilungsspielräume. Aber sie schweigen.

  5. saito sagt:

    Ich denke mal, daß weder alle von den LINKEN, noch von der SPD, zu blöd ist, zu verstehen, daß sie eigentlich dem Klassenfeind bei der schärferen
    Unterdrückung der Werktätigen helfen.

    Das Problem dürfte eher sein, daß die wirklich scharfsinnigen Analysten in diesen Parteien, nicht nach oben gelangen, sondern rechtzeitig ausgebremst und kaltgestellt werden und die Karrieregeilen sich um der Vorteile willen, eben kaufen lassen.Das Gleiche gilt für den DGB “Mitbestimmung” hieß das Zauberwort, das die Gewerkschaftsbosse an den Tisch der Manager und zu üppigen
    Zahlungen brachte. In Frankreich, wo mehrere Gewerkschaften untereinander konkurrieren, war diese Art der Korrumpierung nicht so einfach, weshalb auch die Proteste vorhanden sind.
    Dennoch sind die Franzosen auf den Schwätzer Sarkozy hereingefallen!

    Die einfältigen Mitläufer werden es zu spät merken, wie noch immer.

    Wie hieß es doch einst so schön: “Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!” Bald wird der alte Spruch, erweitert umd die LINKE,. wieder aktuell sein.

  6. carolus sagt:

    dass solche leute wie breiweik sich so radikalisiert haben ist für mich auch kein wunder.die bedingungen werden sich durch die wirtschafts und sozialprobleme in der euro-zone noch zu ganz anderen aktionen verschärfen.die migranten werden zur mehrheit und deshalb kann dieses land den qualitätsanspruch made in germany vergessen.china wird die gesamte produktion,die momentan noch existiert direkt durch auslagerung oder indirekt durch aufkaufen an sich ziehen.
    dass die sozialdemokratie sich so auf die neoliberale welt eingelassen hat,ist ein armutszeugnis.die linke hätten sich seit ihrem triumph bei der bundestagswahl 2005 zu einer alternative entwickeln können.aber jetzt ist sie nur eine splittergruppe,die nichts kapiert und nur noch versucht ihre haut zu retten.
    die spd kann man sowieso vergessen,wenn es stimmt was die auguren in den medien so flüstern und was einige umfragen suggerieren,dass steinbrück als kanzler 2013 antritt.ein mann,der bei der letzten wahl eine fortsetzung der grossen koalition gewünscht hat.allein solch einen wunsch zu hegen ist für mich unverständlich.zwei grosse volksparteien als dauerlösung ist wie eine einparteiendiktatur.da ist der wahlausgang 2009 cdu/csu-fdp koalition die bessere wahl.auch wenn ich beide parteien,die den neoliberalismus in reinkultur etablieren wollen, nie wählen würde.

  7. Wolfgang sagt:

    SPD und Linke in einen Topf zu werfen, ist mir etwas zu pauschal. Die beiden Parteien haben wenig miteinander zu tun und wollen das auch nicht. Wer in den letzten Monaten die Reden im Bundestag verfolgt hat, weiß, daß es hier einen himmelweiten Unterschied gibt. Die Linke, zum Beispiel Frau Wagenknecht (Pleisweiler Gespräche in den oft gescholtenen Nachdenkseiten aufzurufen oder ihr Buch, Freiheit statt Kaoitalismus) analysieren die Krise im Wesentlichen so wie Herr Jahnke. Auch die Rolle Chinas wird zumindest von Teilen der Linken richtig eingeschätzt. Das ist wenigstens mein externer Eindruck.Die Linke sieht insbesondere in den Niedriglöhnen die Hauptursache der Krise. Diesen Standpunkt wird man in der SPD selten finden. Dort sind es eher die Spekulanten und Gieraffen. Bitte nicht so sehr auf dem hohen Roß sitzen. Wer recht gehabt hat, weiß man meistens erst hinterher. Keine Frage, die Analyse von Marx ist sehr nützlichl zum Verständnis der Ursachen und der Zwangsläufigkeit von Krisen. Solche Instabilitäten sind eingebaut im kapitalistischen System und können nicht durch Wohlfart vermieden werden (Marktwirtschaft). Der Wachstumtheoretiker Thomas Malthus hat sich im 18. Jahrhundert in London für die Einrichtung von Armenhäusern eingesetzt. Nur wer nachweisen konnte, daß er arbeitsunfähig war, bekam einen Platz. Schon damals dienten die Armenhäuser wie Hartz 4 eher der Abschreckung für die Arbeiter als der Fürsorge. Als Theoretiker wäre noch Adam Smith zu erwähnen und seine Lehre von der unsichtbaren Hand, die den Markt regelt, wenn alle nur nach ihrem Eigeninteresse handeln. Diese Lehre haben die Chicagoboys neu aufgelegt. Charles Darwin hat das Prinzip der Selbstorganisation durch Eigennutz und Kampf ums Dasein von Smith und Malthus übernommen. Bei der Evolution scheint das zu funktionieren. Aber auch dort gibt es globale Krisen.

    • globalnote sagt:

      Leider muß man SPD und Linke bei Iher Haltung zum angeblichen Rettungspaket und zur neoliberalen Globalisierung im Weiteren ziemlich pauschal in einen Topf werfen, wie ich konkret ausgeführt habe, natürlich nicht in anderer Hinsicht, wie z.B. Hartz4. Es geht nicht nur um die Niedriglöhne bei der Eurokrise und dem Rettungspaket, sondern ob es überhaupt ohne richtige Umschuldung funktionieren kann und wenn nicht – was ich vermute – wer dann in Deutschland für die Transferunion zahlt. Hier scheinen sowohl SPD wie LINKE verdammt blauäugig zu sein. Auch in der Schuldzuweisung an Spekulanten gibt es nach meinem Eindruck keinen großen Unterschied zwischen SPD und LINKE. Die Rolle Chinas wird z.B. von Frau Wagenknecht, die dazu kein kritisches Wort verliert, gar nicht kritisch eingeschätzt. Zu Frau Wagenknechts Buch habe ich hier http://www.jjahnke.net/gedanken63.html#1973 kritisch Stellung bezogen. Sie träumt, wenn Sie sich einen Sozialismus ohne kapitalistischen Unterbau vorstellen möchte.

      Ich sitze da nicht auf einem hohen Roß, sondern bringe nur immer sachliche Argumente als Kritik vor, die natürlich nicht jedem gefallen müssen. Vor allem Anhänger der LINKE scheinen mir inzwischen bei der Misere ihrer Partei sehr dünnhäutig und kritikunverträglich geworden zu sein.

      Die soziale Marktwirtschaft war meilenweit besser und sozialer als das, was wir heute haben. Dorthin zurückzukehren wäre schon ein enormer Fortschritt.

  8. Wolfgang sagt:

    Mit der Zustimmung zur Transferunion im linken Lager haben Sie leider recht. Auch Hickel unterstützt Eurobonds. Interessant ist in dem Zusammenhang ist ein Interview mit Stieglitz in der Zeit: http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-07/Joseph-Stiglitz-Interview/
    Er begrüsst, daß die EU Griechenland nun als Strukturproblem der EU begreift und nicht nur als singuläres Problem der Griechen. Auf die Frage warum die Reichen in den USA so wenig Steuern zahlen sagt er:
    “Sie zahlen nicht nur kaum Steuern, sie haben auch alle wirtschaftlichen Gewinne der vergangenen zwölf Jahre für sich vereinnahmt! Der Mehrheit der Amerikaner geht es heute schlechter als vor zwölf Jahren, sie haben überhaupt nicht vom Wachstum profitiert. In unserem heutigen politischen System können die Reichen im Grunde genommen die Politik kaufen, die sie wollen – durch Wahlkampfspenden, Lobbyismus und so weiter. Es ist für sie rentabler, in die Politik in Washington zu investieren als in die Realwirtschaft.” So ähnlich wie hier auch.

  9. langweiler sagt:

    ich weiß nicht, ob man beim Türkeibeitritt zur EU allein an die Menschen aus Anatolien denken soll, die eine neue Unterklasse und Druckpotential für Dumping der Industrie repräsentieren. Es bedarf vieler Faktoren, dass ein Mensch seine Heimat dauerhaft verläßt. Die Menschen sagen nicht einfach ich wandere jetzt nach D aus, auch wenn die Türkei in der EU ist.

    Die Menschen aus Anatolien kommen zwar aus einer agraisch strukturierten Region, jedoch ist das kein Beleg, dass diese die einzigen Bildungsverlierer sind. Die Bildungsverlierer entstehen doch, weil das das Bildungssystem D selektiv ist. Manche türkischen Eltern, die schon länger in D wohnen, bestehen darauf, dass ihre Kinder einen guten Bildungsabschluss machen.

    Mit dem Lebensstandard sinkt die Geburtenrate. Dies gilt auch für Menschen türk. Herkunft, die in D leben. Das bedeutet, dass es von Generation zu Generation weniger Geburten geben wird und die zugezogenen sich nach und nach dem Geburtsniveau annähern werden. Dieser Effekt ist auch in mehr entwickelnden Ländern zu beobachten.

    Der Begriff Migrationshintergrund finde ich nicht aussagekräftig genug. Wer hat einen solchen. Der bzw.- diejenige, die nicht europäisch oder deutsch aussieht, wer schon 15 Jahre in D lebt, wer in D geboren ist und eine deutsche Schule besucht. Mit dem Begriff wird irgendwie alles zusammengefasst, was anders ist bzw. nicht deutsch ist, nicht der deutschen Gesellschaft zuzuzählen ist, weil er/sie anders sind.

    Aus diesem Grund finde ich auch mit Mehrheit und Minderheit zu argumentieren nicht ganz passend. Denn Gesellschaft ist nichts homogenes bzw. mit solchen Kategorien zu klassiefizierendes. Gesellschaft ist zwar eine Struktur, welche sich aber stetig verändert durch Leben, Sterben und Migration.

    Ich finde es nur legitim, dass eine Personengruppe ihre Rechte einfordert. Dies resultiert für mich aus den demokratischen Prinzipien. Jeder soll im gesamten in dieser Weise partizipieren kann. Natürlich muss dies alles auf dem Boden des Grundgesetzes und der Menschenrechte geschehen.

    DIeser Umstand wird eine Herausforderung für jede Gesellschaft werden, insbes. durch die weitere Globalisierung.

    gruß

    • globalnote sagt:

      Ich weiß nicht, wie Sie, ohne Bezug auf statistische Erhebungen und die Fakten, solche bestimmte Aussagen wagen.

      Die meisten nach Deutschland eingewanderten Türken kommen nun mal aus Anatolien. Da sie hier so ziemlich unter sich in geschlossenen Gemeinschaften leben und jetzt schon in deutschen Großstädten im Kindesalter Mehrheiten darstellen (der türkische Ministerpräsident hat sie wiederholt vor Integration gewarnt), ist das auch ein ideales Milleu für Nachrücker aus Anatolien. Das ist dann nicht eine gewagte Auswanderung sondern quasi ein Anschluß an Klein-Türkei. Wenn die Türkei in der EU ist, haben sie auch alle Rechte, bis zum Wahlrecht, selbst wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit noch nicht haben. Natürlich ist das deutsche Bildungssystem nicht besonders geeignet, um diesen Menschen gute Berufschancen zu vermitteln. Doch wenn die Eltern völlig ungebildet sind und zu Hause türkisch gesprochen wird, ist das die größte Bildungshürde für die Einwanderer. Übrigens schneiden türkische Einwanderer auch in den anderen OECD-Ländern besonders schlecht mit der Schuldbildung ab (siehe unten). Es liegt also wohl mehr an der Herkunft. Das sollten Sie bitte nicht verharmlosen.

      Deutschland hat einen besonders hohen Anteil an Jugendlichen mit türkischem Hintergrund. Er liegt in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre und nicht in Ausbildung an allen entsprechenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 50 % und damit weit höher als in anderen Ländern (http://www.jjahnke.net/index_files/15277.gif). Türkische Einwanderer erreichen auch in anderen Ländern trotz besserer Schulsysteme nur selten einen höheren Bildungsabschluß (http://www.jjahnke.net/index_files/15274.gif). Vor allem in der Türkei geborene und ausgewanderte Frauen haben im internationalen Vergleich den geringsten Anteil an erfolgreichen Studienabschlüssen, und das ohne Rücksicht auf die spezifischen Einwanderungsländer (http://www.jjahnke.net/index_files/15275.gif).

      Wenn die Geburtenrate mit dem Lebensstandard sinkt, so sinkt sie jedenfalls bei Menschen mit türkischem Hintergrund längst nicht so weit wie bei den Deutschen, die mit Portugal Europameister im Nicht-Kinderkriegen sind. Auf dieses Niveau sinken die Geburtenraten bei den Immigranten nicht entfernt. Das ergibt auch der Migrationsbericht der Bundesregierung. Dies hier aus meinem an Hand amtlicher Daten gründlich recherchierten Wochenbrief:

      „Nun sind aber Frauen mit Migrationserfahrung viel seltener kinderlos als die in Deutschland geborenen Frauen. So haben nach dem letztjährigen Migrationsbericht der Bundesregierung von den 35- bis 44-jährigen Zuwanderinnen (Jahrgänge 1964 bis 1973, Altersangaben bezogen auf das Jahr 2008) 13 % keine Kinder, bei den in Deutschland geborenen Frauen sind es dagegen 25 %. Unter den 25- bis 34-Jährigen haben 39 % der Frauen mit Migrationserfahrung bisher noch keine Kinder, bei den Frauen ohne Migrationserfahrung sind es mit 61 % erheblich mehr. Allerdings ist davon auszugehen, dass bei diesen jüngeren Frauen der Anteil der Kinderlosen noch sinken wird.

      Unterschiede im Geburtenverhalten zeigen sich außerdem in der Zahl der Kinder je Mutter: Die Mütter, die im Ausland geboren wurden, haben – bezogen auf alle Jahrgangsgruppen – seltener nur ein oder zwei, aber häufiger drei Kinder (17 % gegenüber 14 % bei in Deutschland geborenen Müttern) und erheblich öfter vier oder mehr Kinder (11 % gegenüber 6 %). Waren die Unterschiede bei den Frauen der Jahrgänge 1933 bis 1943 noch nicht so gravierend, nehmen sie in den jüngeren Geburtsjahrgängen zu. So ist beispielsweise der Anteil der Frauen mit Migrationserfahrung an allen Müttern mit vier oder mehr Kindern überdurchschnittlich hoch und hat sich von 14 % bei den älteren Jahrgängen (1933 bis 1943) auf 42 % bei den 1964 bis 1973 geborenen Müttern erhöht. Bei den Müttern zwischen 24 und 34 Jahren mit vier Kindern und mehr liegt der Anteil derer mit Migrationshintergrund an allen Müttern dieser Gruppe schon bei 54 % (http://www.jjahnke.net/index_files/17033.gif, http://www.jjahnke.net/index_files/17032.gif). Wie bei den in Deutschland geborenen Müttern haben auch bei den Müttern mit Migrationserfahrung die jüngeren Jahrgänge immer seltener vier oder mehr Kinder: Von den 1933 bis 1943 geborenen Müttern mit Migrationserfahrung haben 21 % mindestens 4 Kinder zur Welt gebracht. Von den zehn Jahre jüngeren (Kohorten 1944 bis 1953) Frauen haben 15 % mindestens 4 Kinder und von den zwischen 1954 und 1963 geborenen Frauen mit Migrationserfahrung, bei denen es aufgrund ihres Alters nicht mehr zu großen Veränderungen der Kinderzahl kommen wird, haben nur noch 11 % 4 oder mehr Kinder. Das sind allerdings immer noch weit mehr als bei Müttern ohne Migrationserfahrung.“

      „Migrationshintergrund“ ist ein sehr neutraler und dabei treffender Begriff. Nennen Sie einen besseren. Die Gesellschaft insgesamt ist nicht homogen, die mit türkischem Hintergrund in den Großstädten aber doch. Wie ich immer wieder bei Besuchen in Bonn beobachte, gehen türkische Jugendliche miteinander aus und vermengen sich relativ wenig mit deutschen. Dazu trägt bei Frauen noch die oft von den Eltern verordnete Kopfbedeckung bei.

      Das Einfordern demokratischer Rechte habe ich nicht beanstandet. Doch habe ich auf die Gefahren rechtsextremer Entwicklungen hingewiesen, wenn die deutsche Bevölkerung mit ihren Interessen dabei majorisiert werden sollte. In diesem Sinne ist ein Türkeibeitritt ein gefundenes Fressen für den Rechtsradikalismus in Deutschland.

      Sie verharmlosen wieder total, wenn Sie schreiben, es sei eine Herausforderung für jede Gesellschaft. Es ist schon wegen der Demographie, der starken Konzentration der Immigration auf eine besondere Herkunft und der mangelden Immigrationspolitik sowie einem generell schlechten Schulsystem für sozial Schwache eine viel größere für Deutschland. Vielleicht lassen Sie sich meine zahlreichen faktischen Hinweise noch einmal durch den Kopf gehen. Ich habe mir jedenfalls sehr viel Zeit genommen mit meiner Reaktion.

      • carolus sagt:

        das deutsche schulsystem dient nur den leuten,die es sich leisten können.es werden schulstoffvorgaben gemacht,die so dicht und komprimiert sind,dass dies nur über massive(privat zu finanzierende) repetitorien zu leisten ist.
        und jetzt soll über das herausziehen der leistungsträger aus den krisenländern dieses hausgemachte deutsche problem gelöst werden.wobei ich skeptisch bin ob da deutschland so attraktiv ist wegen der schlechten löhne und der schlechten willkommenspolitik..
        es fehlen in der deutschen politik leute wie karl schiller oder auch franz josef strauss,die sich damals im rahmen der damaligen grossen koalition für die richtige wirtschaftspolitik entschieden haben d.h. soziale marktwirtschaft und nicht “neue soziale marktwirtschaft”.

  10. loureley sagt:

    ich möchte hier auch noch einmal auf die frage der türkisch-stämmigen zurückkommen. ich habe ihren austausch mit langweiler gelesen. und muß trotzdem noch etwas dazu sagen. vorweg. ich habe momentan keine passenden zahlen und statistiken zur hand. aber ich habe einige jahre in der integrationssozialarbeit gearbeitet und später dann kleinere studien (hier in berlin) dazu gemacht. im wesnetlichen ging es um “jugendliche mit migrationshintergrund” (mehrheitlich türkisch) im übergang schule-ausbildung/beruf.
    und hier muß ich ihnen leider sagen, daß sie veralteten vorstellungen aufsitzen, die sagen wir noch ende der 80er/ anfang der 90er gültig waren, heute aber nicht mehr. aus mehreren gründen:
    1. hat die türkei seit einigen jahren einen enormen wirtschaftlichen aufschwung zu verzeichnen. schon aus dem grund ist der zuzug nach deutschland längst nicht mehr so attraktiv. unattraktiv ist es zum anderen auch wegen der stetig sinkenden löhne insbesondere in den bereichen, wo “ungebildete” eingesetzt werden können. gerade die se bereiche sind ja, unter anderem, auch in die türkei abgewandert. industrie, die sich auf einfache arbeitskraft stützt, hat sich aus deutschland zu einem hohen prozentsatz verabschiedet und ist in länder ausgewandert, bspw. osteuropa und auch die türkei, wo diese relativ unqualifizierte arbeit billiger ist.
    und dies ist einer der gründe, warum der zuzug gerade dieser arbeitskräfte gar nicht mehr so hoch ist. mglw gibt es noch zuzüge, die familiär bedingt sind, oder auch durch politische verfolgung bedingt. wirtschaftlich begründete zuwanderung jedoch ist eher im rückgang begriffen.
    ich würde ihnen dies gerne durch zahlen und statistiken belegen. aber mir fehlt die zeit dazu, diese jetzt im internet zu suchen. mir ist aber die “migrationsforschung” einiegrmaßen vertraut. und so schreibe ich “freihändig” hier diese kleine zusammenfassung.
    2. was die migrationsforschung erst langsam begreift, das ist die tatsache, daß es einen zunehmenden anteil von rückkehrern gibt. es gibt sicherlich einen gewissen “bodensatz” an türkischstämmigen migranten und deren familien, die auch heute noch “bildungsfern” sind und auch deren kinder sind dies. allerdings sei bemerkt, daß (und dies bezieht sich auf berlin) ein hoher anteil der betroffenen migranten, die heute mehrheitlich arbeitslos sind, eben auf die abwanderung von industrie aus berlin zurückzuführen ist. viele der ungelernten einfachen arbeiter finden heute keine beschäftigung mehr, weil die anforderungen heute einfach höher sind. viele sind auch schlicht krank und durch ihre jahrelange harte arbeit “verbraucht”.
    es ist jedoch ein märchen, daß gerade die türken eine besonders schlechte bildungsprognose haben. bzw. man muß hier ein wenig genauer hinschauen als nur allein auf statistiken. ich bin mit dem lesen und verstehen von statistiken vertraut. und weiß daher genau, daß es zum einen darauf ankommt, sie in den richtigen kontext zu stellen, um die richtige interpretation der bloßen zahlen zu bekommen. zum anderen sind eben diese zahlen auch nur begrenzt auskunftsfähig. sie sagen nämlich mindestens nichts über hintegründe oder motivationen aus.
    die in deutschland lebenden türken bzw. türkischstämmigen haben sich längst ungefähr so ausdiferenziert wie die deutsche bevölkerung auch. es gibt einen immer noch sehr hohen anteil von sehr bildungsbeflissenen. nicht zuletzt hat bereits die zweite generation die bildungseinrichtungen verlassen. und mindestens nach den statistiken aus berlin sind es gerade die jungen türkischen frauen, die eine sehr hohe bildungsaspiration aufweisen. und viele von diesen ziehen dies auch straff durch. ich habe in meiner bisherigen beruflichen praxis viele dieser jungen frauen getroffen, die sozusagen als “pionierinnen” gelten können, selbst mit einem relativ ungebildeten elternhintergrund. sie sind hoch motiviert und wie gesagt; sie ziehen das auch durch.
    bei den jungen sieht das etwas anders aus. hier gibt es tatsächlich einen relativ hohen anteil, dem die perspektive fehlt und die aus eben diesen gründen auch schlechte bildungsabschlüsse haben bzw. die schule gleich ganz abbrechen. das liegt mehrheitlich daran, daß die für diese gruppe wünschbaren berufsperspektiven fehlen. für die mädchen sieht das ganz anders aus. sie orientieren sich auf berufe, die in büros angesiedelt sind und die oft auch weiterbildungsperspektiven bieten. das ist für viele der türkischen jungen noch nicht vorstellbar. die männertypischen arbeiterberufe aber sind nicht mehr in ausreichendem maße zur verfügung.
    3. (wohin ich eigentlich schon bei punkt 2 zielte) es gibt bereits einen recht hohen anteil von gut ausgebildeten türkischen jungen leuten. diese jedoch haben zunehmend probleme, in deutschland einen adäquaten beruf zu bekommen. das liegt zu einem immer größer werdenden anteil an der sich in deutschland unterschwelligen ausländerfeindlichkeit. und auch an dem bild, daß türken sich nicht für die “besseren” berufe eignen. ich habe in interviews arbeitgeber gehört, die sagten, sie befürchteten bei der einstellung türkischer jugendlicher probleme. was auch an dem allgemein vorherrschenden bild liegt, welches von rütli-schule etc. geprägt ist.
    diese (im deutschen schul-, ausbildungs- und studiensystem) gut ausgebildeten jungen leute (von denen nicht wenige auch einen studienabschluß besitzen) orientieren sich schon seit einigen jahren immer stärker in das heimatland ihrer eltern: in die türkei. dort erhoffen sie sich bessere chancen, vor allem aber können sie dort davon ausgehen, daß sie nicht diskriminiert werden. erst kürzlich aber las ich, daß diese jungen leute sich auch in der türkei nicht so recht integrieren können, da sie doch sehr stark eben in deutschland geprägt wurden, und viele von diesen pendeln beruflich zwischen deutschland und der türkei, übernehmen also in firmen, die bspw. in beiden ländern ansässig sind oder agieren, eine mittlerrolle.

    und dies alles sind doch recht positive tendenzen.

    was die geburtenzahlen angeht, so stimme ich “langweiler” im wesentlichen zu. sie gleichen sich den deutschen geburtenzahlen nach und nach an. mag sein, daß dies noch eine weile dauern wird. aber die tendenz ist da ziemlich eindeutig.

    ich bitte noch mals darum, zu entschuldigen, daß ich hier freihändig schreibe, ohne verweis auf die aktuellsten statistiken und andere zahlenwerke. mir fehlt jetzt einfach die zeit, diese zu suchen. aber es gibt sie.

    es tut mir leid, dies sagen zu müssen, herr jahnke: aber in diesem falle ist ihr bild von den türken in deutschland einfach etwas veraltet. hier ergeben sich seit einigen jahren einige veränderungen, die sie womöglich noch nicht registriert haben, weil sie in irland wohnen und nicht zu oft hier vor ort sind. nicht alle tendenzen sind positiv. manche machen auch noch erhebliche sorgen. aber zu verzeichnen sind jedoch teils erhebliche veränderungen. und man muß auch einmal hinter die statistiken schauen. diese allein reichen manchmal nicht aus, um die lage zu beurteilen.

    ich kürze das an dieser stelle ab. es gibt probleme, die noch nicht bewältigt sind. aber

    • globalnote sagt:

      In meiner Reaktion auf langweiler habe ich mir sehr viel Mühe mit der Faktenaufbereitung aus amtlichen Quellen gegeben. Man kann ein so schwieriges Thema nicht nur mit dem Bauchgefühl diskutieren oder aus dem engen Blickwinkel einer persönlichen Erfahrung im Umgang mit türkischen Immigranten. Ich nehme meine Fakten auch nicht aus den 80er Jahren oder sitze solchen auf, sondern ganz aktuell aus heutigen Zeiten.

      Die Türkei hat in der Tat seit einigen Jahren einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen, aber eben nicht in Anatolien, wo die Armut und Arbeitslosigkeit noch sehr groß ist. Damit geht eine enorm hohe Geburtenrate zusammen (diese Statistik ist für 2010: http://www.jjahnke.net/index_files/15679.gif gerade von Eurostat herausgegeben). Eine so starke Bevölkerungsentwicklung überfordert jede Gesellschaft durch den enormen Bedarf an zusätzlichen und ausreichend bezahlten Arbeitsplätzen. Die Jugendarbeitslosigkeit lag in der Türkei (nicht speziell Anatolien) 2009 bei 25,3 %, der Anteil der langfristig Arbeitslosen in ähnlicher Höhe. Die Gesamtarbeitslosenrate war um etwa 2/3 höher als in Deutschland. Das leider viel zu niedrige Lohnniveau in Deutschland ist immer noch sehr viel höher als in der Türkei, vor allem aber auch die Sozialleistungen im Gesundheitsbereich und anderen Bereichen. Die Attraktion Deutschland für die Auswanderung aus der Türkei dürfte in den hier bereits vorhandenen sehr kompakten Gesellschaften von Türkischstämmigen in den Großstädten liegen. Man wandert aus, bleibt aber in einer türkisch geprägten Umgebung.

      Natürlich werden in Deutschland auch einfache Arbeitskräfte verlangt, wenn sie nur billig genug sind. Der größte Teil der deutschen Beschäftigung ist nicht in der von Ihnen erwähnten Industrie, sondern im Dienstleistungsbereich, der bisher nicht abwandert oder gar nicht abwandern kann, weil lokal gebunden.

      Bei der Bildung verharmlosen sie entgegen allen statistischen Nachweisen geradezu dramatisch, wenn Sie meinen „es gibt sicherlich einen gewissen “bodensatz” an türkischstämmigen migranten und deren familien, die auch heute noch “bildungsfern” sind“. Und Ihre “pionierinnen” ändern daran von der Zahl her sehr wenig.

      Eine Diskussion mit Ihnen macht leider sehr wenig Sinn, wenn Sie die Fakten, wie sie statistisch nachgewiesen sind, einfach nicht zur Kenntnis nehmen und sich hinter fehlender Zeit verstecken. Ich habe auch sehr wenig Zeit und bemühe mich trotzdem faktisch zu argumentieren und nicht mit Erfahrungen von Vorgestern.

  11. loureley sagt:

    es tut mir leid, herr jahnke. ich kann ihnen in dieser frage überhaupt nicht folgen. nicht nur daß sie mir unterstellen, “aus dem bauch heraus” zu argumentieren. dem ist mitnichten so. ich bin sozialwissenschaftlerin, und habe eine bereits mehrjährige erfahrung in dem bereich hinter mir, wie ich im vorigen beitrag bereits andeutete, und dies sowohl in der praxis der sozialarbeit als auch in der theorie eines eigenen forschungsprojektes bzw. mitarbeit an studienprojekten. aus diesen heraus ist mir auch die bisherige literatur der migrationsforschung bekannt. und diese attestiert in der tat seit einiger zeit veränderungen in der gruppe der migranten bzw. hauptsächlich der nachkommend er 2. und 3. generation. die aber offenbar sie nicht wahrhaben wollen.
    ich habe versucht, ihnen einige der veränderungen nahezubringen. allerdings tatsächlich ohne literaturnachweis oder statistiken. es sind dies allgemeine erkenntnisse, die gesichert sind.
    wenn sie diese nicht zur kenntnis nehmen wollen, und ihr bild der migranten und derer “mit migrationshintergrund” in deutschland aufredcht erhalten wollen, so kann ich daran wenig ändern.
    aber ich kann ihnen sagen, daß sie damit einem diskriminierenden bild folgen und dieses auch weiterhin fortsetzen.
    dies soll jetzt nicht als “totschlagargument” mißverstanden werden. es wird auch dies erforscht, welche argumentationsmuster zu diskriminierung führen, ein negatives bild von migranten zeichnen und dies auch verfestigen. dieses negativbild ist derzeit eines der hauptgründe, wie ich bereits schrieb, daß migranten bzw. genau genommen deren nachkommen, die “mit migrationshintergrund” der 2. und 3. generation, es sehr schwer auf dem arbeitsmarkt haben. was ind er tat auch dazu beiträgt, daß die arbeitslosigkeit in dieser gruppe wiederum höher ist als ind er vergleichsgruppe der nichtmigrantischen jugendlichen. so trägt also das vorurteil dazu bei, daß es sich in der realität manifestiert. diesem wiederum versuchen gerade die gut ausgebildeten zu entgehen, indem sie in das herkunftsland ihrer eltern zurück kehren, und dies obwohl sie keinen festen bezug zu diesem land haben und es überwiegend von ferienaufenthalten kennen.
    zur geburtenentwicklung in der türkei kann ich tatsächlich nicht viel sagen. hier muß ich ihnen glauben. daß allerdings deutschland attraktiv ist für neu-zuwanderer aus der türkei in den billiglohnbereich, das halte ich für ein gerücht. hier ist deutschland längst nicht mehr attraktiv. selbst nicht mit einem funktionierenden gesundheits- und sozialsystem. es hat sich auch bis in die türkei bereits herumgesprochen, daß es auch in deutschland in den letzten jahren veränderungen gegeben hat.
    zudem ist diese argumentation der zuwanderer in die sozial- und gesundheitssysteme deutschlands ein argumentationsstrang, der bis in die späten neunziger jahre verfolgt wurde, aber so nicht bestätigt werden kann. es ist dies ein tatsächlich diffamierendes argument. um zu verstehen, warum es einen so hohen anteil von “migrantischen” arbeitslosen gibt, sollte man sich auch einmal von den statistiken selbst wegbewegen und die gründe untersuchen. ich wiederhole mich, wenn ich sage, daß diese hautsächlich in dem abbau der industriearbeitsplätze liegt. das argument mit dem dienstleistungsbereich trifft auf die türkischstämmigen mehrheitlich gar nicht zu. viele haben sich zwar selbständig gemacht. bereits herr sarrazin erwähnt ja die dönerläden und gemüseverkäufer. hierhin haben sich viele der gesunden geflüchtet, umd er arbeitslosigkeit zu entgehen. bzw. dies ist ein bereich, in welchen so mancher nach einer langen arbeitszeit im industriesektor sein verdientes geld investiert hat, um selbständig zu werden. beides gibt es bzw. gehört zt auch zusammen. das handwerk bemüht sich seit einigen jahren verstärkt um diejenigen jugendlichen “mit migrationshintergrund”. doch ist dies gerade für die türkischstämmigen bisher bis auf einige gewerke wenig attraktiv, auch wegen der fehlenden perspektiven und beruflichen aussichten. aber dies ist einer der bereiche, in den verstärkt diejenigen mit migrationshintergrund gelenkt werden sollen. insbesondere, und das ist eine besonderheit, um im gleichen zuge die löhne zu senken. dies ist im übrigen eine beobachtung, die fast überall gemacht werden kann, wo verstärkt migranten zum einsatz kommen (sollen). das gilt ähnlich auch für den gesundheits- und pflegebereich.
    was die sinnhaftigekeit einer diskussion angeht, so ist dies ihnen überlassen. ich mag mich nicht allein mit statistiken beschäftigen. sie sind nur begrenzt ausagefähig. leider neigt viele forschung heute zur überinterpretation von statistiken. was auch daran liegt, daß dies eine sehr schnelle (und kostengünstige) form der forschung ist. man muß auch hinter die zahlen schauen. vor allem auch, um fehlinterpretationen zu vermeiden.

    • globalnote sagt:

      Sie unterstellen mir eine blinde Zahlen- oder Statistikgläubigkeit und verschanzen sich selbst hinter einer Sozialwissenschaft, die die Probleme bisher jedenfalls nicht lösen konnte. Diese Art von Diskussion bringt wirklich nichts. Natürlich weiß auch ich, daß sich in zweiter und dritter Generation Veränderungen ergeben. Allerdings ist das Bildungsniveau, teilweise aus Gründen des deutschen Schulsystems, weiterhin erheblich niedriger und gibt es hohe Anteile an nicht abgeschlossener Schul- oder Berufsausbildung. Die Zahlen dürften Ihnen doch bekannt sein. Was soll eine Sozialwissenschaft eigentlich, wenn sie nicht mit Statistiken arbeiten kann?

      Wir haben in Deutschland leider den Fehler gemacht, uns lange Jahre als Nichteinwanderungsland zu betrachten und keine Einwanderungspolitik gehabt wie die anderen Einwanderungsländer. Die Industrie konnte die Menschen ins Land holen, die am anspruchslosesten an den Fließbändern einzusetzen waren in der Erwartung, daß sie eines Tages zurückkehren würden. Große Einwanderungsländer, wie USA, Kanada, Australien oder in Europa Großbritannien haben die Einwanderung nie so unkontrolliert zugelassen.

      Sie haben übrigens eine Fähigkeit, meinen konkreten Argumenten und faktischen Hinweisen einfach aus dem Weg zu gehen, wenn sie Ihnen nicht passen. Auch das macht eine ernsthafte Diskussion unmöglich. Wir sollten nun wirklich Schluß machen.

  12. loureley sagt:

    es tut mir leid, herr jahnke, auf dieser ebene kann ich nicht mit ihnen debattieren. sie antworten jedesmal auf eine art und weise, die zeigt, daß sie gar nicht diskussionsbereit sind. (“sie verschnanzen sich…”) es tut mir elid, so kommen wir nicht auf eine diskussionsebene.
    ich empfinde Sie als jemanden, der sich verschanzt. und neue entwicklungen nicht zur kenntnis nehmen kann oder will.

    wenn ich auch sonst ihren blog als außerordentlich lehrreich empfinde, aber hinsichtlich migranten vertreten sie einen standpunkt, der tendenziell in eine diskriminierend erichtung geht. das aber ist tendenziell auch geistige brandstiftung, die ich grundsätzlich ablehne.
    wer nicht zur kenntnis nehmen will, daß es nicht DIE migranten gibt, sondern mittlerweile eine breite palette und ausdifferenzierung innerhalb dieser gruppe, sondern weiterhin ein negatives bvild pflegt und propagiert, mit dem kann ich wirklich nicht diskutieren zu diesem thema.

    ich kann ihnen nur zwei dinge mit auf den weg geben, über die sie vielleicht einmal nachdenken sollten:

    1. sie pflegen ein längst veraltetes bild über migranten, das vielleicht bis ende der 80er jahre so stimmig war, vielleicht teilweise auch noch bis in die neunziger jahre hinein, sich ab diesem zeitpunkt aber zunehmend wandelt. aber sie nehmen dies nicht zurr kenntnis, sondern beharren auf ihrem bild.

    2. sie pflegen mit mir einen abwehrenden diskussionsstil, indem sie mir dinge vorwerfen, die ich ihnen einfach zurückweisen muß. ja schlimmer noch: was sie mir vorwerfen, ist quasi das, was sie selbst mir gegenüber tun. die psychologie nennt so etwas projektion. und projektion dient der abwehr von eigenem erkennen. (ganz grob zusammen gefaßt.)

    da ich lange zeit selbst in sozialen projekten gearbeitet habe und vielerlei verhalten kennen lernen durfte dabei, bin ich gott sei dank nicht ganz unerfahren im erkennen solcher muster.

    ich weiß nicht, warum sie mir gegenüber mithilfe von projektionen und abwehr argumentieren. aber eines weiß ich: auf dieser ebene ist diskussion dann nicht möglich.

    ich möchte ihnen empfehlen, bei ihrem nächsten deutschlandbesuch genauer hinzusehen und nicht nur die oberfläche, die sie auf der straße sehen können (und die sie möglicherweise nervt). ich denke, sie haben in ihrem wohnsitz in irland einige der stattfindenden prozesse in deutschland nicht mehr hautnah erlebt. aber ich hatte eigentlich erwartet, daß sie offener sind und sich argumenten öffnen können, die ihnen eine neue sicht eröffnene auf ein thema, welches ihnen weniger bekannt ist als ihr eigenes. leider habe ich mich da wohl getäuscht. schade, kann ich dazu nur sagen.
    ich möchte sie nur bitten, zum thema “migranten in deutschland”, ob nun türken, aussiedler oder wer sonst, keine weiteren beiträge mehr zu schreiben. sie würden damit eine tendenz in deutschland fördern, von der sie womöglich so weit entfernt von diesem lande auch noch nicht viel mitbekommen haben: latenter ausländerhass und alltagsdiskriminierung, das verschieben von frust auf eine bevölkerungsgruppe, die für die misere in deutschland verantwortlich gemacht wird: migranten. (aber auch arbeitslose.) leider folgen sie diesem tenor ebenso. was ich, wie gesagt, sehr schade finde.

    • globalnote sagt:

      Sie haben hier mit keinerlei Fakten diskutiert, sondern sich immer nur auf Ihre angeblichen Erfahrungen berufen, die Sie pauschaliert und nicht näher erläutert haben. Ich bezweifele, daß Sie überhaupt Sozialwissenschaften studiert haben, wie Sie vorgeben, weil Sie sonst mit Fakten umgehen können müßten.

      Statt dessen wollen Sie mich nun in die Ecke geistiger Brandstiftung schieben. Eine solche Diskussion mit Ihnen kann ich nur als total unsinnig bezeichnen. Sie ist hiermit von meiner Seite beendet.

      Nehmen Sie doch bitte erst einmal die Fakten zur Kenntnis (viele finden Sie im Infoportal aus amtlichen deutschen und internationalen Statistiken). Sie erträumen sich offensichtlich eine Welt, die so nicht existiert. Und kommen Sie nicht mit aus der Luft gegriffenen Behauptungen, wie von einem enormen Wirtschaftsaufschwung in der Türkei, der die Auswanderung nach Deutschland uninteressant mache und von Löhnen und Sozialverhältnissen in Deutschland, die sich ungünstig mit denen in der Türkei verglichen. Natürlich ist der Umgang mit den Fakten arbeitsintensiv. Aber diese Zeit müssen Sie sich nehmen, wenn Sie seriös diskutieren wollen.

  13. lorelei sagt:

    herr jahnke, es ist wenig fair, mich zu blockieren, ohne dies überhaupt mitzuteilen.

    sie nehmen meine argumente nicht an. und diskreditieren mich erneut. diesmal zweifeln sie sogar meine qualifikation an. ich kann ihnen gern die kopie meines diplomzeugnisses senden. die liegt digital vor. im übrigen habe ich auch mein diplom zum thema geschrieben.

    ich verabschiede mich allerdings nun tatsächlich von hier. da sie weder diskussionsbereit sind noch offen für argumente, die ihr bild nicht bestätigt, gibt es keine diskussionsebene. außerdem ist ihr diskussionsstil unfair.

    ich werde auch das abo dieser seite kündigen. denn da sie bei diesem thema, welches ich sicher besser kenne als sie, eine sichtweise verteidigen, die ganz offensichtlich veraltet und damit nicht mehr korrekt ist, so kann ich ihre anderen themen auch nicht mehr als seriös annehmen.

    ich sage es noch einmal: statistiken allein reichen nicht aus, um die realität zu verstehen und zu interpretieren.

    • globalnote sagt:

      Sie hatten wirklich Zeit genug, Ihren Standpunkt hier immer wieder vorzutragen (2.371 Worte!), bis zu dem beleidigenden Begriff der Brandstiftung. Irgendwann ist dann eben Schluß. Mir tut nur die Zeit leid, die eine so unsinnige Diskussion ohne jeden Faktenbezug frißt. Statistiken mögen nicht ausreichen, aber leere Behauptungen sind noch schlimmer. Meine Webseite kann man nicht kaufen. Deshalb ist mir Ihre Kündigung ziemlich egal. Leben Sie wohl. Vielleicht stolpern Sie doch noch einmal über die Fakten, die sich ja bekanntlich am Ende gegen unsere Hoffnungen und Träume durchsetzen.

      • globalnote sagt:

        Hier noch ein Schlußwort zu dieser Diskussion von meiner Seite http://www.jjahnke.net/gedanken63.html#1975 : “Bin ich ein Brandstifter?” (oder darf man Sorgen vor einer ungeordneten Immigration schulisch meist völlig unvorbereiteter Menschen mit oft gebremster Integrationsneigung oder -fähigkeit aus dem Armenhaus der Türkei aussprechen?)

  14. Gaby sagt:

    Hallo in die Runde,

    ich möchte etwas zu dem uns Deutschen viel zu schnell auf der Zunge liegenden und in den Fingern juckenden Begriff “Brandstifter” erzählen.

    Gestern, am späten Nachmittag, habe ich zufällig und zu meiner riesengroßen Überraschung und Freunde entdeckt, dass die Wissenschaftssendungen “Querschnitt” der 1970er Jahre, moderiert von Hoimar von Ditfurth, in youtube.de eingestellt worden sind. Ich kenne diese Sendungen aus meiner Jugend und bin froh, sie heute noch einmal anschauen zu können, vor allen Dingen, weil nun ein paar Jahrzehnte dazwischen liegen und ich das Gestern mit Heute vergleichen kann.

    Als ich den Zweiteiler “Der Ast, auf dem wir sitzen” anschaute, in dem es um die Überbevölkerung der Erde und die hierdurch zwangsläufig entstehende Umweltzerstörung und die Klimaverschiebung geht, wurde mir mit einem Mal ganz schlecht, weil Hoimar von Ditfurth die Vokabel “Überbevölkerung” ziemlich oft verwendet. Wütend und per Ekel behaftet, dachte ich: “Da feiert der Menschenhasser Malthus im 20. Jhr. fröhlichste Auferstehung und das bei dem als seriös geltenden H. v. Ditfurth. Wer hätte das gedacht!!!”

    Aber dann, im weiteren Verlauf der beiden Videos, wurde mir klar, wo der Unterschied zwischen Malthus und Ditfurth liegt. Malthus hat im 19. Jhr. versucht, die durch den Frühkapitalismus verursachte Armut der englischen Bevölkerung damit zu rechtfertigen, dass es schlichtweg zu viele Menschen gibt. Er nahm auf subtile Weise die Kapitalisten und die asozialen Löhne in Schutz, forcierte also den Kapitalismus. Hoimar von Ditfurth hingegen verweist darauf, dass überall dort, wo die Zahl der Menschen per Geburten explodiert, es also keine Empfängnisverhütung gibt oder sie nicht angewandt wird (er verklagt auch den Papst), die Tragfähigkeit der Erde schlichtweg überfordert ist, auch im kapitalisierten Europa, auch in den USA. Das ist ein grundsätzlich anderer, nämlich menschenfreundlicherer Ansatz, als Malthus ihn hatte, nämlich ein wissenschaftlicher, der sich auf Fakten stützt und nicht auf persönliche Einschätzungen, wie ihn Malthus vertrat, nur um die Kapitalisten zu schützen.

    Ich will mit den vorangegangenen Zeilen erklären, dass es bei oberflächlicher Betrachtung durchaus zu Mißverständnissen in der Theorie und Praxis des Themas “Überbevölkerung” und heutzutage in Deutschland, vor allen Dingen seit Sarrazin, zum Thema “Migration/Immigration” kommen kann.

    Wenn aber nun in unseren Köpfen ein solches Mißverständnis, ausgelöst durch eine bewiesenermaßen seriöse, um Neutralität und Fakten bemühte Person wie Dr. Jahnke oder H. v. Ditfurth eintritt, haben wir die humane Pflicht, unseren negativen oder allzu positiven Eindruck zu überdenken, indem wir uns die Fakten sehr genau ansehen und versuchen, sie im Zweifelsfalle durch andere seriöse Quellen bestätigen oder widerlegen zu lassen. In einer Demokratie ist das möglich – da muss man/frau sich allerdings viel Zeit nehmen zu recherchieren und darf um Quellenangaben nicht verlegen sein.

    Es gibt für mich keinen Zweifel, dafür ist die wissenschaftliche Faktenlage in unserer Multikulti-Republik viel zu erdrückend, dass Dr. Jahnke kein (!) Rassist ist, ebenso, wie es für mich keinen Zweifel gibt, dass H. v. Ditfurth die von mir absolut abgelehnten, menschenfeindlichen Theorien des unternehmerfreundlichen Malthus nicht hat auferstehen lassen.

    Der Schein trügt oft und der Grat zwischen sozialpopulären Ressentiments und seriöser Wissenschaftlichkeit ist sehr schmal, verschränkt sich oft, wie wir das im 19. und 20. Jhr. während der Biologisierung und Darwinierung des Kapitalismus historisch dokumentiert vorfinden. Deshalb sollten wir stets sehr genau und noch genauer hinsehen, bevor wir uns ein Urteil erlauben, was natürlich voraussetzt, dass wir viel Zeit zum Lesen und Recherchieren haben.

    Diese Zeit, das ist mir vollkommen bewußt, haben die allermeisten Deutschen nicht, weil die tägliche Arbeitszeit und die Reproduktion ihrer selbst mittlerweile einen Tag von 30 Stunden Länge erforderlich macht, sofern es einen Tag von mehr als 24 Stunden gäbe.

    Mein Fazit: Dr. Jahnke ist kein Brandstifter und kein Rassist!

    Mit lieben Grüßen

    Gaby

  15. alfredbenz sagt:

    Nein, Sie sind sicherlich kein geistiger Brandstifter. Das Argument von lorelei, dass viele hochqualifizierte Leute mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen, weil sie hier keine ihrer Qualifikation entsprechende Stelle finden, ist aber korrekt. Da ergeht es den Leute mit Migrationshintergrund nicht anders als denen ohne.

    Und das ist für mich der springende Punkt: Warum schafft es die deutsche Wirtschaft nicht, die Talente im Land zu halten? Es ist doch völlig unsinnig, darüber zu diskutieren, wie viele Leute ihren Schulabschluss nicht schaffen, wenn die deutsche Wirtschaft nicht mal an Leuten mit Hochschulabschlüssen interessiert ist.

    Sie brauchen nur die Nachrichten zu verfolgen, um diesen Irrsinn zu erkennen. Da werden auf der einen Seite Gelder ausgegeben, um möglichen Auszubildenden aus Polen die deutsche Sprache beizubringen (Brandenburg), während gleichzeitig die bereits ausgebildeten Deutschen von den Betrieben nicht übernommen werden (Thüringen).

    Die deutsche Wirtschaft weigert sich, die hier ausgebildeten Menschen zu angemessenen Löhnen zu beschäftigen und kräht stattdessen nach Arbeitskräften aus dem Ausland, egal ob aus Polen, Türkei, Indien oder von sonstwoher.

    Insofern ist es völlig unsinnig an dieser Stelle die Türkei anzugreifen. Die Schuldigen saßen und sitzen in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft ruiniert Deutschland. Nicht die Einwanderer. Die Schuldigen sitzen in “deutschen Chefsesseln” und nicht irgendwo in Brüssel oder in der Türkei.

    • globalnote sagt:

      Sie erheben ebenfalls den falschen Vorwurf, wenn Sie sich an meine Adresse wenden. Ich habe nicht „die Türkei“ angegriffen. Ich habe auch nicht die Abwanderung qualifizierter Deutscher oder Immigranten angesprochen. Sondern die Zuwanderung unqualifizierter weil schulisch nicht vorbereiteter Menschen aus Anatolien, falls die Türkei in die EU aufgenommen werden sollte, und das mit ausreichend guten Argumenten, wie dem enormen Lohngefälle zwischen Deutschland und Anatolien, der dortigen immensen Arbeitslosigkeit, der sehr hohen dortigen Geburtenrate, die die jungen Arbeitslosen (Arbeitslosenrate für Ganz-Türkei über 25 %, wieviel in Anatolien??), den dramatisch besseren Sozialleistungen in Deutschland, vor allem im Gesundheitsbereich (lassen Sie sich mal in Anatolien in einem Krankenhaus behandeln), der hohen Konzentration von bereits aus dieser Ecke Kleinasiens zu uns Eingewanderten und ihren Kindern.

      Sie gehen an dieser Diskussion, wie schon die mich als „Brandstifter“ diffamierende Dame, total vorbei. Die Motive für die Auswanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus Deutschland sind sicher sehr unterschiedlich und hier nicht im Detail zu analysieren. Außerdem ist die deutsche Wanderungsbilanz positiv. Dies aus dem Statistischen Bundesamt: „Im Jahr 2010 sind 798 000 Personen nach Deutschland zugezogen. Davon 684 000 ausländische Personen, das waren 77 000 (13%) mehr als im Jahr 2009. 671 000 Fortzüge aus Deutschland wurden 2010 verzeichnet, dies waren 63 000 weniger als im Jahr 2009. Die Zahl der Fortzüge ins Ausland reduzierte sich sowohl bei ausländischen Personen (– 49 000 auf 530 000 Personen) als auch bei deutschen Personen (– 14 000 auf 141 000 Personen). Aus der Bilanzierung der Zu- und Fortzüge ergibt sich für 2010 ein Wanderungsüberschuss von insgesamt 128 000 Personen. Seit der Wiedervereinigung wurde in jedem Jahr mit Ausnahme der Jahre 2008 und 2009 ein Wanderungsüberschuss verzeichnet.“ Die Zahl der Fortzüge ist also – entgegen Ihren dramatischen Annahmen – zurückgegangen und liegt erheblich unter den Zuzügen. Oder ist das auch für Sie wieder nur Statistik??

      • alfredbenz sagt:

        Na was denn nun? Sehen wir uns jetzt nur die “Wanderungsüberschüsse” an und freuen uns darüber, dass mehr Leute einwandern als auswandern oder sehen wir uns im Detail an, wer da einwandert und auswandert?

        Wenn der “Wanderungsüberschuss” aus Anatolien stammt, per “Familienzusammenführung” zum Beispiel, dann hält sich Ihr Jubel doch in Grenzen, oder?

        Was glauben Sie, welche tollen “Wanderungsüberschüsse” Deutschland hat, wenn die Türkei in die EU aufgenommen wird?

        Das, was Ihrer Meinung nach nicht zu analysieren ist, nämlich warum die qualifizierten Leute das Land verlassen, ist der springende Punkt.

        Weil die Bruttolöhne zu niedrig sind? Weil die Nettolöhne zu niedrig sind? Weil die Arbeitsbedingungen zu schlecht sind? Weil die Leute keinen ihrer Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz finden? Weil die Winter zu kalt und die Sommer zu verregnet sind? Weil das Land zu kinderfeindlich ist? Weil es zwar jede Menge Arbeit, aber keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt?

      • globalnote sagt:

        Lorley hatte behauptet, daß keine Sorge wegen Einwanderung aus Anatolien nach EU-Beitritt berechtigt sei, weil Deutschland nicht mehr attraktiv sei. Sie hatten das mit der Abwanderung von Arbeitskräften untersützen wollen. Dem habe ich entgegengehalten, daß die Migrationsbilanz für Deutschland positiv ist, wobei natürlich niemand die Motive kennt. Aber wenn man die Motive nicht kennt und damit auch nicht den Umfang der von Ihnen behaupteten Auswanderung aus sozialen Motiven, so haben Sie keine Grundlage für Ihr Argument.

        Ich habe nie behauptet, daß derzeit viel Einwanderung aus Anatolien stattfindet, da die Türkei ja bisher nicht zur EU gehört und die Einwanderung stark limitiert ist. Meine Sorge bezog sich ausdrücklich auf die Zukunft nach einem Beitritt. Dem haben Sie bisher kein einziges Argument entgegensetzen können. Noch einmal: Es geht hier nicht abstrakt um Einwanderung sondern um ein ganz konkretes Problem mit der Türkei nach EU-Beitritt. Können wir denn nicht beim Thema bleiben?

        Außerdem enthält die Wanderungsbilanz nicht die illegale Einwanderung von Arbeitssuchenden, z.B. auch aus der Türkei.

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