global news 2424 03-07-11: Wenn die Politik nicht endlich aus der Krise an der Europeripherie lernt, ist die auch der Anfang vom Ende des Euro
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Milton Friedman schrieb 1997 bereits: “Geld schafft Streit Die endgültige Entscheidung über den Start der gemeinsamen europäischen Währung rückt näher. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Von Prof. Milton Friedman (Die Zeit, 12. September 1997) Eine gemeinsame Währung kann unter bestimmten Umständen eine wunderbare, unter anderen Umständen jedoch eine miserable monetäre Ordnung sein. Wie gut oder schlecht sie ist, hängt vor allem von den verfügbaren Anpassungsmechanismen zur Absorption der wirtschaftlichen Schocks und Verwerfungen ab, die auf die potentiellen Teilnehmer einer Währungsunion einwirken. Flexible Wechselkurse sind ein wirkungsvoller Anpassungsmechanismus für wirtschaftliche Schocks, die einzelne Staaten unterschiedlich treffen. Der Verzicht auf diesen Anpassungsmechanismus um der Vorteile niedrigerer Transaktionskosten und äußerer Disziplin willen lohnt sich nur, wenn es angemessene alternative Anpassungsmechanismen gibt. Die Vereinigten Staaten sind ein Beispiel für eine Situation, die für eine gemeinsame Währung günstig ist. Obwohl sie aus fünfzig Staaten bestehen, sprechen ihre Bürger ganz überwiegend dieselbe Sprache, sehen dieselben Fernsehprogramme und Filme, haben die Möglichkeit, frei von einem Landesteil in einen anderen überzusiedeln, und machen davon auch Gebrauch. Güter und Kapital bewegen sich frei von Staat zu Staat, Löhne und Preise sind mäßig flexibel, und die Regierung in Washington gibt ungefähr doppelt so viel Geld aus wie die Einzelstaaten und Kommunen. Die Haushaltspolitik unterscheidet sich zwar von Staat zu Staat, aber diese Unterschiede fallen im Vergleich zur nationalen Politik kaum ins Gewicht. Unerwartete Schocks können durchaus den einen Teil Amerikas mehr treffen als den anderen. Das Ölembargo der Nahost-Staaten in den siebziger Jahren zum Beispiel sorgte für zusätzliche Arbeitskraftnachfrage und Boomverhältnisse in Staaten wie Texas, während es die ölimportierenden Industriestaaten des Mittleren Westens in Depression und Arbeitslosigkeit stürzte. Diese gegenläufigen kurzfristigen Folgen wurden jedoch gemildert durch den Austausch von Menschen und Gütern, durch die Umschichtung der Geldströme von der Bundesregierung auf die Staaten und Kommunen und durch Preis- und Lohnanpassungen. Im Vergleich dazu ist Europas gemeinsamer Markt das Beispiel für eine Situation, die für eine gemeinsame Währung ungünstig ist. Er besteht aus unterschiedlichen Nationen, deren Bürger unterschiedliche Sprachen sprechen, unterschiedliche Gebräuche pflegen und gegenüber ihrem eigenen Land weitaus loyaler und anhänglicher sind als gegenüber dem gemeinsamen Markt oder der Idee “Europa”. Obwohl die Europäische Union eine Freihandelszone ist, bewegen sich Güter in Europa weniger freizügig als in den Vereinigten Staaten. Dasselbe trifft auf Kapital zu. Die Europäische Kommission verfügt nur über einen geringen Teil dessen, was die Regierungen der Mitgliedstaaten insgesamt ausgeben. Diese und nicht die europäischen Bürokratien sind die entscheidenden politischen Einheiten. Außerdem sind Industrie und Arbeitsmarkt stärker reguliert als in den Vereinigten Staaten, und diese Regulierungen variieren viel stärker von Land zu Land als innerhalb Amerikas. Als Folge davon sind Löhne und Preise in Europa weniger flexibel und Arbeitskräfte weniger mobil. Unter diesen Umständen stellen flexible Wechselkurse einen äußerst nützlichen Anpassungsmechanismus dar. Wenn ein Land negative Schocks erleidet, die – zum Beispiel – im Vergleich zu anderen Ländern niedrigere Löhne verlangen, dann kann diese Anpassung durch Änderung eines Preises, nämlich des Wechselkurses, leichter erreicht werden als durch die andernfalls notwendige Veränderung von Tausenden unterschiedlicher Lohnsätze. Die Nöte, die Frankreich wegen seiner Politik des “franc fort” auf sich nehmen mußte, zeigen, was es das Land kostete, aus politischen Gründen den Wechselkurs nicht als Mittel zur Anpassung an die wirtschaftlichen Folgen der deutschen Einigung einzusetzen. Großbritanniens Wirtschaftswachstum nach seinem Ausscheren aus dem Europäischen Währungssystem belegt die Effektivität des Wechselkurses als Anpassungsmechanismus. Befürworter des Euro beziehen sich oft auf die Ära des Goldstandards von 1879 bis 1914, um die Vorzüge einer gemeinsamen Währung aufzuzeigen. Aber der Goldstandard hatte auch seinen Preis. Die Jahre von 1879 bis 1896 waren durch fallende Preise geprägt, die Zeit danach durch steigende Preise und insgesamt durch starke Schwankungen innerhalb der einzelnen Perioden, vor allem in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Goldstandard war überhaupt nur deshalb möglich, weil die Regierungen schlank waren (sie geboten über rund zehn Prozent des Sozialprodukts, verglichen mit fünfzig oder mehr Prozent heute), weil Preise und Löhne äußerst flexibel waren und weil die Öffentlichkeit große Schwankungen von Produktion und Beschäftigung tolerierte oder keine Möglichkeiten hatte, diese zu beeinflussen. Ohne rosa Brille betrachtet, war dies kaum eine Zeit oder ein System, dem man nacheifern möchte. Derzeit erfüllt ein Teil der EU – etwa Deutschland, die Benelux-Staaten und Österreich – besser als die Union als ganzes die für eine gemeinsame Währung günstigen Bedingungen. Und diese Staaten haben gegenwärtig schon das Äquivalent einer gemeinsamen Währung. Österreich und die drei Benelux- Staaten haben ihre Währungen praktisch an die D-Mark gekoppelt. Allerdings unterhalten diese Länder immer noch eine Zentralbank und können daher die Koppelung bei Bedarf wieder lösen. Jedes Land, das sich stärker an die D-Mark anlehnen will, kann dies selbständig tun, indem es einfach seine Zentralbank durch ein “Currency Board” ersetzt, so wie es einige Länder außerhalb der EU (etwa Estland und Bulgarien) schon getan haben. Der Einsatz für den Euro ist politisch, nicht wirtschaftlich motiviert. Zum einen sollen Deutschland und Frankreich so eng aneinander gebunden werden, daß ein künftiger Krieg in Europa unmöglich wird, zum anderen soll die Bühne für die Vereinigten Staaten von Europa bereitet werden. Ich glaube aber, daß die Einführung des Euro den gegenteiligen Effekt haben würde. Sie würde politische Spannungen verschlimmern, indem sie wirtschaftliche Schocks, die die Länder unterschiedlich treffen, aber durch Wechselkursveränderungen leicht ausgeglichen werden könnten, in umstrittene politische Themen ummünzt. Politische Einheit kann den Weg für eine Währungsunion bereiten. Eine Währungsunion, die unter ungünstigen Bedingungen oktroyiert wird, wird sich aber als Hindernis für das Erreichen von politischer Einheit erweisen.” Jetzt haben wir den Salat. Sage jetzt niemand, das die Probleme nicht vorhersehbar gewesen wären.
Gerold Böhmer | 14/05/2010, 13:42
Wir haben keinen “Salat”, sondern eine Verschuldungskrise, die schon lange vor der Euroeinführung einsetzte, so dass die eigentliche Problematik mit dem Euro nur bedingt etwas zu tun. Das Problem derzeit ist lediglich das durch die Währungsunion die Probleme anderer Staaten auch indirekt zu unserem Problem werden.
Die Politik hat das nicht ausreichend bei der Euroeinführung berücksichtigt, sondern stattdessen einfach die No-Bail Out Klausel festgeschrieben. Die ist aber in der Realität nicht viel wert.
Und nein, Deutschland erfüllt ebenfalls die Euro-Konvergenzkriterien nicht.
Meiner Meinung nach ist das gesamte derzeitige Gesellschafts- und Geldsystem ein Nullsummenspiel. Des einen Schulden sind des anderen Gewinn. Wir reden immer nur über die Schulden, die Gewinner bleiben vollkommen im Dunkeln. Wenn wir als in der BRD offizielle 2 Billionen Staatschulden haben gibt es irgendwo jemanden der dies als Guthaben zu verbuchen kann. Alle weltweiten Schulden stehen in gleichem Masse Guthaben für irgendjemanden gegenüber. Und in unserem Geldsystem ist die exponentielle Verschuldung zwangsläufig. Ergo kann eine Entschuldung oder irgendeine andere Lösung innerhalb des “Systems” nur eine Kosmetik sein. Wir brauchen ein anderes Gesellschafts- und Geldsystem. Und dazu brauchen wir ein neues Bewusstsein bei den Menschen.
Das hast du richtig erkannt. In Deutschland wird das Nettovermögen auf 7 Billionen Euro beziffert, das meiste wird von den oberen 10 % gehalten. Die aktuelle Krise ist vor allem eine Verteilungskrise. Das ist eine grundlegende Problematik innerhalb des Systems, die Ursachen dafür sind vielschichtig.
Oberflächlich betrachtet haben die verschuldeten Staaten aber einfach mehr ausgegeben, als eingenommen. Punkt.
Beides muss gelöst werden!
Gruss
Thomas71
Sarkasmus angeschaltet: Die Lösung für das Problem finden wir in einem Gastbeitrag bei Spiegelfechter. Einfach griechisches Vermögen, das in der Schweiz einfach brachliegt, einsammeln und CDS verbieten. Dann läuft die Sache wieder.
Insoweit ist die tiefe Akzeptanzkrise des Jahrhundertwerks Euro auch Produkt eines arroganten Umgangs der politischen Klasse mit den Ängsten der Menschen und den tatsächlichen Risiken. Der Widerspruch zwischen öffentlicher Meinung und praktizierter Politik in Deutschland ist unübersehbar. Während die Bevölkerung Anfang 1998 zu über 70% dieses Projekt ablehnt, beträgt die Zustimmung durch die im Bundestag vertretenen Parteien nahezu 100%. Der beste Weg, diesen Widerspruch zwischen öffentlicher Meinung und Politik zu überwinden, ist umfassende Aufklärung über die Chancen, aber auch die Risiken, statt dessen werden in einem Propagandafeldzug nur Vorteile herausgestellt.
Die Politik und weitgehend die Medien beschwören die Chancen, während die manifesten Risiken nicht thematisiert werden….
So wird beispielsweise mit dem Argument zu ködern versucht, die Europäische Währungsunion entfache ein Jobwunder. Eine seriöse Begründung sucht man vergebens. Die deutsche Erfahrung mit der beinharten Geldpolitik, die wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung gekostet hat, weist in eine ganz andere Richtung. Bereits der Weg zur Euro-Mitgliedschaft über den europäischen Zwang zu Kürzungen öffentlicher Ausgaben, um die öffentliche Neuverschuldung zu reduzieren, ist mit Arbeitslosen gepflastert.
…. Die Komplexität dieses Projektes macht die Frage deutlich( wie wir heute wissen,(Der Schreiber):Wie kann es auf der Basis
unterschiedlichster ökonomischer Bedingungen gelingen, daß die Kreditfinanzierung neuer Fangnetze für einen Capri-Fischer nach denselben Regeln europäischer Geldpolitik beieinflußt wird wie die Aufnahme eines Kredits durch einen Kutterfischer an der Nordsee. Viele bange Fragen drängen sich auf…..
…..Griechenland ist das einzige Land, dem der Beitritt wegen seines den Kriterien nicht entsprechenden ökonomischen Entwicklungsstands verweigert wird.(Hätte Herr Hickel 1999 doch recht behalten!!)
alles aus: R.Hickel/Standortwahn-und Euro-Angst 1999
MfG