Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Samstag, 2. Juli 2011 um 9:56 pm und eingeordnet unter Uncategorized. Du kannst den Antworten zu diesem Eintrag mit Hilfe des RSS-2.0-Feeds folgen.
Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite schicken.
Ihren Eindruck einer Einkehr in ein fremdes Land bestätigt mein eher diffuses Gefühl, dass das Leben mir hier irgendwie fremd geworden ist.
Ja,die Freiräume sind größer geworden, viel hat sich seit den 68ern verbessert. Andererseits, da gibt es Zumutungen, den “mündigen Bürger” betreffend, sich beispielsweise permanent mit Preisvergleichen beschäftigen zu müssen, oder man sei selbst Schuld an Kostensteigerungen wie etwa bei Strom, Wasser, Gas, Telefon.
Extrem wird es, wenn Politiker, Journalisten und Wirtschaftsprofessoren beispielhaft zeigen, wie es geht. Die einen schicken natürlich ihre Mitarbeiter zur Recherche aus, die anderern recherchieren selbst, aber alle werden für ihre Recherche bezahlt. Und? Wir machen das so nebenbei?
Wie war das noch mit dem Dialer-Unwesen? Wer Glück hatte, bekam auf dem Kulanzweg eine Ermäßigung. Jahre später erst gab es gesetzliche Regeln.
Als wir Babyboomer Mitte der 60ger zur “Volksschule” gingen, blieb mir eine Aussage der Lehrerin im Gedächtnis, dass in Indien die Bevölkerung notwendigerweise stark wachsen müsse. Nur Kinder garantierten die Versorgung der Eltern im Alter und bei Krankheit, eine deutsche Sozial- und Rentenversicherung gäbe es dort nicht.
2008 stachen mir in Nimes Studenten ins Auge, die an einer stark belebten Kreuzung Geld mit Scheibenwaschen verdienten. Das erinnerte mich an einen Actionfilm aus den 60ern, der in Brasilien spielte. Europa hat sich reformiert, kam mir so in den Sinn. In Deutschland habe ich das noch nicht gesehen, verboten?
Den Aufbau von Parallelgesellschaten halte ich nur für konsequent. Dass sich das erstmal im türkischen “Migrantenmillieu” deutlich sichtbar manifestiert, ist klar. Diese Menschen haben offensichtlich Gemeinsamkeiten und bilden eine Gemeinschaft. Andere werden und müssen folgen.
Lothar Gall beschreibt im Buch “Das Bürgertum in Deutschland” die Regierungskritik des liberalen Politikers Bassermann (1811 -1855) wie folgt: “Statt ihre Augen vor allem auf die Steuerprivilegien und die arbeitslosen Einkommen aus Kapitalrenten und ähnlichem zu richten, ziehe die Regierung die Steuerschraube dort an, wo dies, wie bei den unteren Schichten, die nackte Existenz und, wie bei dem Wirtschaftsbürgertum, die Konkurrenzfähigkeit und damit letztlich auch die Existenzbedrohe.”
Vielleicht sind wir nur zurückgekommen in die gute alte Zeit. Klar ist, der einzelne, der dem Wettbewerb ausgesetzt ist, verliert. Zum Spaß zähle ein jeder Apotheken und Lebensmittelgeschäfte in seiner Umgebung.
Sie schrieben “Wie meine Generation von Deutschen an einem Verbrechen gegenüber den nachwachsenden Generationen mitschuldig wurde”.Ihre Ansicht teile ich nicht, es war und ist meine Generation, die der “Babyboomer”.
Interessant ist, dass Sie sagen, wie gut es Ihre Generation hatte. Anfangs sehr hart, aber es wurde immer besser. Das ist heute ganz anders.
Da gibt es die gescheiterten- selbst Schuld und die Macher- eigener Verdienst.
“Wohlstand für alle” oder wir nehmen möglichst jeden mit. Dazu Bedarf es wohl einer starken Kollektiverfahrung wie etwa die, nachhaltig bombardiert zu werden. Reichtum, Armut, Gesellschaftsschicht- egal, der Zufall enschied, wen es traf.
Na ja, ich bin mal gespannt, wie es ausgeht. Mir scheint, seit der Finanzkrise hat sich nichts wesentliches geändert. Es gibt nur neue, zur Zeit noch solidere Schuldner und wenn die dann zahlungsunfähig werden?
Doris Lessing hatte 1974 eine Vision, “Bericht einer Überlebenden”. Wenn es so eintreffen sollte, haben die Menschen, die sich in Parallelgesellschaften zusammengefunden haben, deutliche Vorteile.
es gibt mittlerweile viele konservativ-bürgerliche, also brave, in preußisch-traditionellen Tugenden an diese Gesellschaft angepasste Menschen, die spüren diffus, dass das ökonomische Terrorsystem, welches sich Kapitalismus nennt, in seinem Zerstörungs- und Selbstzerstörungsprozess nicht mehr aufgehalten werden kann. Die Nationen versinken in Schulden! Und was kommt danach? Etwa die globale Barbarei?
Mit jedem neuen Rettungspaket, sei es in Form einer Konjunkturhilfe, einer Bankenrettung oder der Rettung ganzer Nationen, schwindet der Deutschen Vertrauen in die Politik und die Ökonomie. Kaum noch Vertrauen in die Zukunft zu haben, macht die Menschen mürbe, gleichgültig und ängstlich. Da passt es nur ins Bild, dass die Kirchen immer mehr an Einfluss verlieren, die CDU mehr und mehr ihre konservativen Grundsätze verrät, der soziale Zusammenhalt ebenso zerbröselt wie die gesunde Infrastruktur unserer Städte, die SPD nix mehr zu melden hat und uns unser Bildungssytem mittlerweile vorkommt wie ein großes schwarzes Loch mit ungewissem Ausgang. Alle Werte, die einst das Rückgrat des Mittelstandes ausmachten und an dem sich auch die Arbeiterklasse orientierte, bröckeln in der gleichen Geschwindigkeit dahin wie das Vertrauen in unsere Ökonomie gepaart mit exorbitanter Staatsverschuldung.
Es gibt mir jedenfalls arg zu denken, dass sich in meinem Bekanntenkreis immer mehr politisch wie ökonomisch absolut desinteressierte Menschen melden, die plötzlich ein reges Interesse an beiden Disziplinen entwickeln und die Sachverhalte durchblicken. Die Empörung macht mittlerweile auch nicht vor Artgenossen, weiblich wie männlich, halt, die älter als 70 Jahre sind und die sich doch eigentlich einen gemütlichen, sorglosen Ruhestand gönnen könnten. Ja, da regt sich mächtig was unter der glitzernden Oberfläche unserer Gesellschaft!
Und unsere Politiker kriegen das anscheinend gar nicht mit. Am deutlichsten zeigt sich der gesellschaftliche Wandel des bürgerlichen Bewußtseins im Umgang mit unseren Arbeitslosen. Galten sie früher als faule, arbeitsscheue Gesellen, so gelten sie heute als Unglücksraben, die trotz Willen und Fleiß großes wirtschaftliches Pech haben. Guido Westerwelle hat von diesem Wandel nichts mitbekommen, sonst hätte er nicht so derb vermittels spätrömischer Dekadenz über Hartz-IV-Empfänger geschimpft, ein Umstand, der ihn etwas später den Pateivorsitz kostete. Die Deutschen sind längst nicht so vergesslich und asozial, wie ihnen gerne unterstellt wird!
Und was regt sich unter dem Makeup der Deutschen? Etwa ein postmodernes Revoluzzertum? Gehen unsere Senioren/innen aktiv auf die Barrikaden? Nein, das nicht, aber es entwickelt sich eine Kultur der Verweigerung, eine Kultur der kritischen Theorie, sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen. Das äußert sich beispielsweise darin, jede Mitverantwortung für die entgleisende Marktwirtschaft und die schrumpfende Demokratie zu verweigern, also nur noch Minimaldienst nach Vorschrift zu machen und die, die noch Arbeit haben, sabotieren den kapitalistischen Betrieb immer häufiger, wann immer das unentdeckt möglich ist.
Immer mehr Deutsche erkennen, dass es besser ist, Emigrant im eigenen Land zu werden, als den inhaltsleeren Kunstwörter-Disputen unserer Politiker Beifall zu klatschen. Die Nichtwähler sind nicht umsonst die heute größte potentielle Wählergruppe.
Trotz dieses lächerlichen XXL-Aufschwungs spüren viele Menschen die Zerfallsprozesse des neoliberal gefärbten Kapitalismus und besinnen sich wieder auf die wahren Werte, nämlich ihre Fähigkeiten/Talente und darauf, dass die Gedanken frei sind und frei bleiben, komme, was da wolle! Vor diesem Hintergrund ist mir absolut schleierhaft, warum unsere Eliten so viel Geld und Energie in die Propaganda stecken. Das Heraufbeschwören der besten deutschen Nation, die es wirtschaftlich je gab, verfängt nicht wirklich in den Köpfen der real existierenden und oftmals wirtschaftlich ruinierten Deutschen.
“Viele Läden schließen und werden teilweise durch Armutskommerz ersetzt, wie die Annahme von Zahngold und anderen Verwertungen oder Läden für gebrauchte Kleidung.”
Wow. Wo waren sie denn da in Deutschland? Ich lebe derzeit in Saschen und da beobachte ich genau das Gegenteil. Überall wird gebaut und alles wird schöner. Oh und Bayern (wo ich herkomme) war schon immer schön.
“Daneben entwickelt sich eine florierende Geschäftigkeit von und für Immigranten meist türkischen Ursprungs. Die richten zunehmend Läden ein, in denen vorwiegend die zugezogenen Landsleute einkaufen.”
Ah. In Berlin. oder im Ruhr-Pot?
Hier richten sie vornehmlich Dönerläden ein, wo alle einkaufen. Oder Blumenläden.
“Bettler habe ich viel mehr gesehen als in Frankreich oder Irland.”
Naja. Wenn wir die auch einfach rausschmeißen würden wie in Frankreich, dann wären es hier auch weniger. Und wenn wir ne Insel wären…
“Und die Kernenergie wurde nirgendwo in der Welt so ängstlich weggeschoben wie hierzulande.”
Und ich hatte das für ne mutige Entscheidung mit ungewissem Ausgang gehalten.
“Deutschland scheint weit mehr in Angst zu leben als früher.”
Nein: Sie haben jetzt mehr mit älteren Menschen zu tun und die Jammern einfach mehr. “Früher, da war alles besser.” Nein da waren die Menschen noch jung.
Da mag ja nun jeder andere Beobachtungen machen. Meine waren in einer Großstadt im Rheinland, und die habe ich nicht erfunden. Und früher sah es da jedenfalls anders aus. Natürlich stoßen sich Bettler nicht an Grenzen und ich kann auch nicht sagen, wo die von mir beobachteten herkamen, es waren aber auch einheimische darunter. Das mit dem Zahngold ist widerlich (und erinnert mich an die Menschenverwertung weiland in deutschen KZs). Davon habe ich gleich mehrere Läden, die das neben Verkauf billigen Schmucks betreiben, gesehen (und die Kunden schienen mir Deutsche zu sein). Solche Anpreisungen für Zahlgold gab es früher überhaupt nicht. Mit alten Menschen und Jammern hat das gar nichts zu tun. Meine Augen sind noch ziemlich jung.
Daß der Angstpegel heute in der Gesellschaft viel höher ist, entspricht wirklich nicht nur meinen Feststellungen. Angstsparen ist sein deutlichster Ausdruck, der Wechsel zu Billigläden auch. Jede simple Statistik zeigt im Übrigen, daß die Einkommens- und Vermögensunterschiede heute weit größer sind als früher und daß sich diese Schere in Deutschland schneller öffnet als in den meisten Vergleichsländern. Die Krise und die Art der Lastenverteilung hat jetzt noch dazu beigetragen.
ich bin rund 20 Jahre jünger als Dr. Jahnke und lebe in einem ländlich geprägten Ortsteil einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt. Trotzdem kann ich Dr. Jahnkes Eindrücke aus eigener Ansicht voll und ganz bestätigen. In meiner rheinland-pfälzischen Heimat ist es ein riesengroßer sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Unterschied, ob man in der Kreisstadt oder in einem der einst selbstständigen, in den 1970er Jahre jedoch eingegliederten Ortsteile lebt.
In meinem Ortsteil gibt es keine Bettler, aber zwei völlig unauffällige, gut integrierte türkischen Familien, keine heruntergekommenen Typen, keine sichtbare Armut, keine randalierenden Jugendlichen. Da kann sogar das Auto über Nacht nicht abgeschlossen sein und da können die dollsten Dekos vor der Haustür stehen – es wird nix geklaut!!!
Dafür gibt es rege Nachbarschaftshilfe, lustiges Vereinsleben und allerorten wachsame Blicke, will heißen, in meinem Dorf (5.500 Einwohner) schaut der eine auf den anderen, weil man sich kennt und es hagelt Kritik, wenn sich jemand daneben benimmt. Auch Kinder, die sich (sehr selten) rotzfrech geben, werden sofort öffentlich getadelt. Bei uns ist es sogar so, dass die Kinder noch die Erwachsenen auf der Straße grüßen mit einem deutlich ausgesprochenen “Guten Tag”, so, wie ich es als Kind gelernt habe.
Kürzlich sah ich ein kleines Mädchen, dessen Mutter es ermahnte: “Auf andere Leute zeigt man nicht mit dem Finger!” Ja, diese konservative Erziehung habe ich vor 47 Jahren auch genossen und wundere mich dankbar, dass es diese Erziehung heute noch unter jungen Eltern gibt. So versucht also jeder in diesem ländlich geprägten Ortsteil, sich möglichst angepasst zu verhalten, sein Häuschen zu pflegen und in der Öffentlichkeit einen freundlich-höflichen, stets hilfsbereiten Eindruck zu hinterlassen. Dieses sozio-kulturelle Verhalten wird mittlerweile vielfach als “deutsche Gartenzwerg-Idylle” gebrandmarkt von Menschen, die jeder kapitalistisch geprägten Kultur Hohn sprechen und nicht mal ihre eigene deutsche Geschichte kennen.
In der Kreisstadt, die gerade mal 5 Kilometer von meinem Ortsteil entfernt liegt, sieht die Welt völlig anders aus und zwar genau so, wie Dr. Jahnke seine Eindrücke aus der Großstadt beschreibt. Hier leben vorzugsweise atomisierte Individuen, gesellschaftlich isolierte Monaden. Das ist der Grund, warum ich die Kreisstadt seit etlichen Jahren nur sehr ungern besuche – ich habe keine Lust, Armut und Zerfall der Menschlichkeit live zu sehen, habe keine Lust, plötzlich ein vereinsamtes Stück Mensch unter Tausenden vereinsamter Menschen zu sein.
Die Wohnungs- und Geschäftsleerstände in meiner Kreisstadt sind beängstigend und die vielen 1-Euro-Läden, die teilweise in die verschwundenen Fachgeschäfte eingezogen sind, laden mich absolut nicht zum Einkaufen ein. Allerorten wird nicht nur Schmuck-, sondern auch Zahngold angenommen, dort gibt es mittlerweile ein Pferdewettbüro, mehrere Puffs und Sex-Shops, Lottobüdchen, eine Säuferecke mitten in der Stadt mit Bölkstoff-Kiosk und ständig betteln Fremde die Passanten an: “Haste mal’n Euro?” Obwohl es mir wirklich widerstrebt, es zu erwähnen, aber wohl fühle ich mich wirklich nicht, wenn ich mal wieder den Eindruck gewinne, die Deutschen seien in der Kreisstadt mittlerweile in der Minderzahl. Ich bin nicht die Einzige/Einziger, die/der das Gefühl hat, dass der Ausländeranteil jedweder Couleur mittlerweile bei 50 % liegt. Die Stadt selbst gibt keine Auskunft über den tatsächlichen Ausländeranteil. Ich nehme seit Jahren stets meinen Ehemann mit, wenn ich unbedingt meinen Fuß in die Kreisstadt tun muss. Mit ihm fühle ich mich sicherer.
In der Kreisstadt ist die seit dem Jahr 2005 rasant um sich greifende Armut vollumfänglich sichtbar. In der Kreisstadt ist vor allem die Verrohung der guten Sitten nicht mehr zu kaschieren – da wird rumgepöbelt, da werden Passanten am helllichten Tag zusammengeschlagen und beraubt. Die Bürger leben dort in Angst vor realen Gewaltexzessen und der Oberbürgermeister hat keine Mittel, vermehrt Polizei einzusetzen, gar Polizisten, die, wie zu meiner Kinder- und Jugendzeit, durch die Straßen patrouillieren und nach dem Rechten sehen. Es herrscht allgemeine Unsicherheit.
Die Kreisstadt wird, wann immer es geht, vermieden zu betreten und wer kann, zieht weg in die weitaus familiärer, traditionell geprägten Ortsteile. So kommt es zu immer mehr Wohnungsleerständen und Geschäftsaufgaben und diese Lücken werden mit Reste-Rampen, Ein-Euro-Geschäften und Migranten-Unterbringungsmöglichkeiten gefüllt. Mittlerweile sind Aldi, Lidl, Kaufhof, Claus und das Pfandhaus aus der Kreisstadt geflüchtet. Das sagt doch schon alles, oder?!
Wer sich die kulturelle Gepflegtheit meiner Heimat-Kreisstadt in “alten Bildern” anschaut, die voll und ganz meinen Kindheits- und Jugendeindrücken der längst vergangenen Zeiten der Sozialen Marktwirtschaft entsprechen, schließlich bin ich in der Kreisstadt aufgewachsen, kann sich heute nur wundern, wie schlimm die Stadt runtergekommen ist. Diese rheinland-pfälzische Kleinstadt macht Angst – nur Angst!!!!
Junge Leute nennen diese neoliberale Entwicklung “Hipp Hopp”, ich nenne diese Entwicklung “Zerfall des neoliberalen Kapitalismus ins Faustrecht”. Es liegen oft nur 5 Kilometer Entfernung zwischen einem Deutschland, wo die bürgerliche Welt noch liebevoll familiär existent ist und einer Welt, die eher der US-Bronx mit ihren verrohten Sitten inklusive Mord gleicht.
“Junge Leute nennen diese neoliberale Entwicklung „Hipp Hopp“, ich nenne diese Entwicklung „Zerfall des neoliberalen Kapitalismus ins Faustrecht“. Es liegen oft nur 5 Kilometer Entfernung zwischen einem Deutschland, wo die bürgerliche Welt noch liebevoll familiär existent ist und einer Welt, die eher der US-Bronx mit ihren verrohten Sitten inklusive Mord gleicht. ”
In den 70ern gab es weitaus mehr Mord und Totschlag als heute. 1,3/100.000 Einwohner heute ca. 1. Es zerfällt nur unsere Medienlandschaft. Es wird mir einfach auch zuviel rumgeheult. Fruher war der RocknRoll böse heute isses halt HippHopp, Metal, Computerspiele. Und derweil sinkt die Zahl der begangen Morde kontinuierlich.
vergessen Sie nicht, dass in einer Kleinstadt auch beengte Verhältnisse herrschen, Gemauschel, Getratsche etc. an der Tagesordnung sind. Wehe, man ist anders, dann geht das Gelästere los. Würde mch persönlich in sowas niemals wohlfühlen, stehe auf Großstädte! Ist lebendig, bunt, total unterschiedliche Menschen, toll! Traurigerweise sieht man auch immer mehr Leute, die den Abfall durchsuchen…
Die Beschreibungen hier sind zweifellos zutreffend. Nur, offene Grenzen fordern eben ihren Preis. Diese hübschen Kleinstädte gab es zu Zeiten, in denen Deutschland durch Einfuhrzölle und/oder Eisernen Vorhang gegen im Ausland produzierte Waren teilweise geschützt war. Und gegen ausländische Arbeitskräfte.
Wenn die Wirtschaft aber mittels Lobby dafür sorgt, dass sie billig in Fernost oder sonstwo produzieren und die Produkte ohne hohe Zölle einführen darf, dann werden eben Arbeitsplätze exportiert und der Lebensstandard der Durchschnittsbevölkerung sinkt.
Diese Politik wird hier seit Jahrzehnten betrieben und hat dazu geführt, dass die Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern kleiner werden: Der Lebensstandard steigt in China, Polen, Tschechien, (Ost)Deutschland, Türkei usw. und er sinkt in (West)Deutschland, Frankreich, USA usw.
Alles hat eben seine Vor- und Nachteile. In Vorpommern leben mittlerweile Polen, die tagsüber in Stettin arbeiten. Weil die Wohnkosten in Deutschland niedriger sind (als in Polen) und die Löhne in Polen höher sind (als in Deutschland).
Dafür gibt es zum Beispiel in Berlin ein riesiges Industrieproletariat, nur dummerweise keine Industrie mehr. Die Arbeitsplätze dort sind in den 90er Jahren verloren gegangen. Und die übrig gebliebenen Proleten hängen jetzt in den öffentlichen Grünanlagen rum und saufen. Was sollen sie machen? Zum Ingenieur wird man sie kaum qualifizieren können. Und wenn sie im Einzelhandel auftauchen, ist der Schock bei den Touristen riesig. Die konnten mal Maschinen bedienen, aber keine Menschen.
Die Bundesrepublik hat viele Jahre lang vom Eisernen Vorhang profitiert. Die Zeiten sind vorbei. Und sie kommen auch nicht zurück. Denn: noch sind die Grenzen für Arbeitskräfte aus Afrika verschlossen. Aber auch diese Mauer wird nicht ewig halten. Dann wird es hier noch lustiger.
Eine Welt ohne Mauern ist unbequem und gefährlich, ja. Säufer, Mord und Totschlag inklusive.
Ihren Eindruck einer Einkehr in ein fremdes Land bestätigt mein eher diffuses Gefühl, dass das Leben mir hier irgendwie fremd geworden ist.
Ja,die Freiräume sind größer geworden, viel hat sich seit den 68ern verbessert. Andererseits, da gibt es Zumutungen, den “mündigen Bürger” betreffend, sich beispielsweise permanent mit Preisvergleichen beschäftigen zu müssen, oder man sei selbst Schuld an Kostensteigerungen wie etwa bei Strom, Wasser, Gas, Telefon.
Extrem wird es, wenn Politiker, Journalisten und Wirtschaftsprofessoren beispielhaft zeigen, wie es geht. Die einen schicken natürlich ihre Mitarbeiter zur Recherche aus, die anderern recherchieren selbst, aber alle werden für ihre Recherche bezahlt. Und? Wir machen das so nebenbei?
Wie war das noch mit dem Dialer-Unwesen? Wer Glück hatte, bekam auf dem Kulanzweg eine Ermäßigung. Jahre später erst gab es gesetzliche Regeln.
Als wir Babyboomer Mitte der 60ger zur “Volksschule” gingen, blieb mir eine Aussage der Lehrerin im Gedächtnis, dass in Indien die Bevölkerung notwendigerweise stark wachsen müsse. Nur Kinder garantierten die Versorgung der Eltern im Alter und bei Krankheit, eine deutsche Sozial- und Rentenversicherung gäbe es dort nicht.
2008 stachen mir in Nimes Studenten ins Auge, die an einer stark belebten Kreuzung Geld mit Scheibenwaschen verdienten. Das erinnerte mich an einen Actionfilm aus den 60ern, der in Brasilien spielte. Europa hat sich reformiert, kam mir so in den Sinn. In Deutschland habe ich das noch nicht gesehen, verboten?
Den Aufbau von Parallelgesellschaten halte ich nur für konsequent. Dass sich das erstmal im türkischen “Migrantenmillieu” deutlich sichtbar manifestiert, ist klar. Diese Menschen haben offensichtlich Gemeinsamkeiten und bilden eine Gemeinschaft. Andere werden und müssen folgen.
Lothar Gall beschreibt im Buch “Das Bürgertum in Deutschland” die Regierungskritik des liberalen Politikers Bassermann (1811 -1855) wie folgt: “Statt ihre Augen vor allem auf die Steuerprivilegien und die arbeitslosen Einkommen aus Kapitalrenten und ähnlichem zu richten, ziehe die Regierung die Steuerschraube dort an, wo dies, wie bei den unteren Schichten, die nackte Existenz und, wie bei dem Wirtschaftsbürgertum, die Konkurrenzfähigkeit und damit letztlich auch die Existenzbedrohe.”
Vielleicht sind wir nur zurückgekommen in die gute alte Zeit. Klar ist, der einzelne, der dem Wettbewerb ausgesetzt ist, verliert. Zum Spaß zähle ein jeder Apotheken und Lebensmittelgeschäfte in seiner Umgebung.
Sie schrieben “Wie meine Generation von Deutschen an einem Verbrechen gegenüber den nachwachsenden Generationen mitschuldig wurde”.Ihre Ansicht teile ich nicht, es war und ist meine Generation, die der “Babyboomer”.
Interessant ist, dass Sie sagen, wie gut es Ihre Generation hatte. Anfangs sehr hart, aber es wurde immer besser. Das ist heute ganz anders.
Da gibt es die gescheiterten- selbst Schuld und die Macher- eigener Verdienst.
“Wohlstand für alle” oder wir nehmen möglichst jeden mit. Dazu Bedarf es wohl einer starken Kollektiverfahrung wie etwa die, nachhaltig bombardiert zu werden. Reichtum, Armut, Gesellschaftsschicht- egal, der Zufall enschied, wen es traf.
Na ja, ich bin mal gespannt, wie es ausgeht. Mir scheint, seit der Finanzkrise hat sich nichts wesentliches geändert. Es gibt nur neue, zur Zeit noch solidere Schuldner und wenn die dann zahlungsunfähig werden?
Doris Lessing hatte 1974 eine Vision, “Bericht einer Überlebenden”. Wenn es so eintreffen sollte, haben die Menschen, die sich in Parallelgesellschaften zusammengefunden haben, deutliche Vorteile.
Von “Gefahr der Perversion” sprechen andere:
http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=8036
Hallo in die Runde,
es gibt mittlerweile viele konservativ-bürgerliche, also brave, in preußisch-traditionellen Tugenden an diese Gesellschaft angepasste Menschen, die spüren diffus, dass das ökonomische Terrorsystem, welches sich Kapitalismus nennt, in seinem Zerstörungs- und Selbstzerstörungsprozess nicht mehr aufgehalten werden kann. Die Nationen versinken in Schulden! Und was kommt danach? Etwa die globale Barbarei?
Mit jedem neuen Rettungspaket, sei es in Form einer Konjunkturhilfe, einer Bankenrettung oder der Rettung ganzer Nationen, schwindet der Deutschen Vertrauen in die Politik und die Ökonomie. Kaum noch Vertrauen in die Zukunft zu haben, macht die Menschen mürbe, gleichgültig und ängstlich. Da passt es nur ins Bild, dass die Kirchen immer mehr an Einfluss verlieren, die CDU mehr und mehr ihre konservativen Grundsätze verrät, der soziale Zusammenhalt ebenso zerbröselt wie die gesunde Infrastruktur unserer Städte, die SPD nix mehr zu melden hat und uns unser Bildungssytem mittlerweile vorkommt wie ein großes schwarzes Loch mit ungewissem Ausgang. Alle Werte, die einst das Rückgrat des Mittelstandes ausmachten und an dem sich auch die Arbeiterklasse orientierte, bröckeln in der gleichen Geschwindigkeit dahin wie das Vertrauen in unsere Ökonomie gepaart mit exorbitanter Staatsverschuldung.
Es gibt mir jedenfalls arg zu denken, dass sich in meinem Bekanntenkreis immer mehr politisch wie ökonomisch absolut desinteressierte Menschen melden, die plötzlich ein reges Interesse an beiden Disziplinen entwickeln und die Sachverhalte durchblicken. Die Empörung macht mittlerweile auch nicht vor Artgenossen, weiblich wie männlich, halt, die älter als 70 Jahre sind und die sich doch eigentlich einen gemütlichen, sorglosen Ruhestand gönnen könnten. Ja, da regt sich mächtig was unter der glitzernden Oberfläche unserer Gesellschaft!
Und unsere Politiker kriegen das anscheinend gar nicht mit. Am deutlichsten zeigt sich der gesellschaftliche Wandel des bürgerlichen Bewußtseins im Umgang mit unseren Arbeitslosen. Galten sie früher als faule, arbeitsscheue Gesellen, so gelten sie heute als Unglücksraben, die trotz Willen und Fleiß großes wirtschaftliches Pech haben. Guido Westerwelle hat von diesem Wandel nichts mitbekommen, sonst hätte er nicht so derb vermittels spätrömischer Dekadenz über Hartz-IV-Empfänger geschimpft, ein Umstand, der ihn etwas später den Pateivorsitz kostete. Die Deutschen sind längst nicht so vergesslich und asozial, wie ihnen gerne unterstellt wird!
Und was regt sich unter dem Makeup der Deutschen? Etwa ein postmodernes Revoluzzertum? Gehen unsere Senioren/innen aktiv auf die Barrikaden? Nein, das nicht, aber es entwickelt sich eine Kultur der Verweigerung, eine Kultur der kritischen Theorie, sich von der eigenen Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen. Das äußert sich beispielsweise darin, jede Mitverantwortung für die entgleisende Marktwirtschaft und die schrumpfende Demokratie zu verweigern, also nur noch Minimaldienst nach Vorschrift zu machen und die, die noch Arbeit haben, sabotieren den kapitalistischen Betrieb immer häufiger, wann immer das unentdeckt möglich ist.
Immer mehr Deutsche erkennen, dass es besser ist, Emigrant im eigenen Land zu werden, als den inhaltsleeren Kunstwörter-Disputen unserer Politiker Beifall zu klatschen. Die Nichtwähler sind nicht umsonst die heute größte potentielle Wählergruppe.
Trotz dieses lächerlichen XXL-Aufschwungs spüren viele Menschen die Zerfallsprozesse des neoliberal gefärbten Kapitalismus und besinnen sich wieder auf die wahren Werte, nämlich ihre Fähigkeiten/Talente und darauf, dass die Gedanken frei sind und frei bleiben, komme, was da wolle! Vor diesem Hintergrund ist mir absolut schleierhaft, warum unsere Eliten so viel Geld und Energie in die Propaganda stecken. Das Heraufbeschwören der besten deutschen Nation, die es wirtschaftlich je gab, verfängt nicht wirklich in den Köpfen der real existierenden und oftmals wirtschaftlich ruinierten Deutschen.
Bis denne,
Gaby
Seh ich ganz genau so!
“Viele Läden schließen und werden teilweise durch Armutskommerz ersetzt, wie die Annahme von Zahngold und anderen Verwertungen oder Läden für gebrauchte Kleidung.”
Wow. Wo waren sie denn da in Deutschland? Ich lebe derzeit in Saschen und da beobachte ich genau das Gegenteil. Überall wird gebaut und alles wird schöner. Oh und Bayern (wo ich herkomme) war schon immer schön.
“Daneben entwickelt sich eine florierende Geschäftigkeit von und für Immigranten meist türkischen Ursprungs. Die richten zunehmend Läden ein, in denen vorwiegend die zugezogenen Landsleute einkaufen.”
Ah. In Berlin. oder im Ruhr-Pot?
Hier richten sie vornehmlich Dönerläden ein, wo alle einkaufen. Oder Blumenläden.
“Bettler habe ich viel mehr gesehen als in Frankreich oder Irland.”
Naja. Wenn wir die auch einfach rausschmeißen würden wie in Frankreich, dann wären es hier auch weniger. Und wenn wir ne Insel wären…
“Und die Kernenergie wurde nirgendwo in der Welt so ängstlich weggeschoben wie hierzulande.”
Und ich hatte das für ne mutige Entscheidung mit ungewissem Ausgang gehalten.
“Deutschland scheint weit mehr in Angst zu leben als früher.”
Nein: Sie haben jetzt mehr mit älteren Menschen zu tun und die Jammern einfach mehr. “Früher, da war alles besser.” Nein da waren die Menschen noch jung.
Da mag ja nun jeder andere Beobachtungen machen. Meine waren in einer Großstadt im Rheinland, und die habe ich nicht erfunden. Und früher sah es da jedenfalls anders aus. Natürlich stoßen sich Bettler nicht an Grenzen und ich kann auch nicht sagen, wo die von mir beobachteten herkamen, es waren aber auch einheimische darunter. Das mit dem Zahngold ist widerlich (und erinnert mich an die Menschenverwertung weiland in deutschen KZs). Davon habe ich gleich mehrere Läden, die das neben Verkauf billigen Schmucks betreiben, gesehen (und die Kunden schienen mir Deutsche zu sein). Solche Anpreisungen für Zahlgold gab es früher überhaupt nicht. Mit alten Menschen und Jammern hat das gar nichts zu tun. Meine Augen sind noch ziemlich jung.
Daß der Angstpegel heute in der Gesellschaft viel höher ist, entspricht wirklich nicht nur meinen Feststellungen. Angstsparen ist sein deutlichster Ausdruck, der Wechsel zu Billigläden auch. Jede simple Statistik zeigt im Übrigen, daß die Einkommens- und Vermögensunterschiede heute weit größer sind als früher und daß sich diese Schere in Deutschland schneller öffnet als in den meisten Vergleichsländern. Die Krise und die Art der Lastenverteilung hat jetzt noch dazu beigetragen.
Guten Abend, Brick und Mitlesende,
ich bin rund 20 Jahre jünger als Dr. Jahnke und lebe in einem ländlich geprägten Ortsteil einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt. Trotzdem kann ich Dr. Jahnkes Eindrücke aus eigener Ansicht voll und ganz bestätigen. In meiner rheinland-pfälzischen Heimat ist es ein riesengroßer sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Unterschied, ob man in der Kreisstadt oder in einem der einst selbstständigen, in den 1970er Jahre jedoch eingegliederten Ortsteile lebt.
In meinem Ortsteil gibt es keine Bettler, aber zwei völlig unauffällige, gut integrierte türkischen Familien, keine heruntergekommenen Typen, keine sichtbare Armut, keine randalierenden Jugendlichen. Da kann sogar das Auto über Nacht nicht abgeschlossen sein und da können die dollsten Dekos vor der Haustür stehen – es wird nix geklaut!!!
Dafür gibt es rege Nachbarschaftshilfe, lustiges Vereinsleben und allerorten wachsame Blicke, will heißen, in meinem Dorf (5.500 Einwohner) schaut der eine auf den anderen, weil man sich kennt und es hagelt Kritik, wenn sich jemand daneben benimmt. Auch Kinder, die sich (sehr selten) rotzfrech geben, werden sofort öffentlich getadelt. Bei uns ist es sogar so, dass die Kinder noch die Erwachsenen auf der Straße grüßen mit einem deutlich ausgesprochenen “Guten Tag”, so, wie ich es als Kind gelernt habe.
Kürzlich sah ich ein kleines Mädchen, dessen Mutter es ermahnte: “Auf andere Leute zeigt man nicht mit dem Finger!” Ja, diese konservative Erziehung habe ich vor 47 Jahren auch genossen und wundere mich dankbar, dass es diese Erziehung heute noch unter jungen Eltern gibt. So versucht also jeder in diesem ländlich geprägten Ortsteil, sich möglichst angepasst zu verhalten, sein Häuschen zu pflegen und in der Öffentlichkeit einen freundlich-höflichen, stets hilfsbereiten Eindruck zu hinterlassen. Dieses sozio-kulturelle Verhalten wird mittlerweile vielfach als “deutsche Gartenzwerg-Idylle” gebrandmarkt von Menschen, die jeder kapitalistisch geprägten Kultur Hohn sprechen und nicht mal ihre eigene deutsche Geschichte kennen.
In der Kreisstadt, die gerade mal 5 Kilometer von meinem Ortsteil entfernt liegt, sieht die Welt völlig anders aus und zwar genau so, wie Dr. Jahnke seine Eindrücke aus der Großstadt beschreibt. Hier leben vorzugsweise atomisierte Individuen, gesellschaftlich isolierte Monaden. Das ist der Grund, warum ich die Kreisstadt seit etlichen Jahren nur sehr ungern besuche – ich habe keine Lust, Armut und Zerfall der Menschlichkeit live zu sehen, habe keine Lust, plötzlich ein vereinsamtes Stück Mensch unter Tausenden vereinsamter Menschen zu sein.
Die Wohnungs- und Geschäftsleerstände in meiner Kreisstadt sind beängstigend und die vielen 1-Euro-Läden, die teilweise in die verschwundenen Fachgeschäfte eingezogen sind, laden mich absolut nicht zum Einkaufen ein. Allerorten wird nicht nur Schmuck-, sondern auch Zahngold angenommen, dort gibt es mittlerweile ein Pferdewettbüro, mehrere Puffs und Sex-Shops, Lottobüdchen, eine Säuferecke mitten in der Stadt mit Bölkstoff-Kiosk und ständig betteln Fremde die Passanten an: “Haste mal’n Euro?” Obwohl es mir wirklich widerstrebt, es zu erwähnen, aber wohl fühle ich mich wirklich nicht, wenn ich mal wieder den Eindruck gewinne, die Deutschen seien in der Kreisstadt mittlerweile in der Minderzahl. Ich bin nicht die Einzige/Einziger, die/der das Gefühl hat, dass der Ausländeranteil jedweder Couleur mittlerweile bei 50 % liegt. Die Stadt selbst gibt keine Auskunft über den tatsächlichen Ausländeranteil. Ich nehme seit Jahren stets meinen Ehemann mit, wenn ich unbedingt meinen Fuß in die Kreisstadt tun muss. Mit ihm fühle ich mich sicherer.
In der Kreisstadt ist die seit dem Jahr 2005 rasant um sich greifende Armut vollumfänglich sichtbar. In der Kreisstadt ist vor allem die Verrohung der guten Sitten nicht mehr zu kaschieren – da wird rumgepöbelt, da werden Passanten am helllichten Tag zusammengeschlagen und beraubt. Die Bürger leben dort in Angst vor realen Gewaltexzessen und der Oberbürgermeister hat keine Mittel, vermehrt Polizei einzusetzen, gar Polizisten, die, wie zu meiner Kinder- und Jugendzeit, durch die Straßen patrouillieren und nach dem Rechten sehen. Es herrscht allgemeine Unsicherheit.
Die Kreisstadt wird, wann immer es geht, vermieden zu betreten und wer kann, zieht weg in die weitaus familiärer, traditionell geprägten Ortsteile. So kommt es zu immer mehr Wohnungsleerständen und Geschäftsaufgaben und diese Lücken werden mit Reste-Rampen, Ein-Euro-Geschäften und Migranten-Unterbringungsmöglichkeiten gefüllt. Mittlerweile sind Aldi, Lidl, Kaufhof, Claus und das Pfandhaus aus der Kreisstadt geflüchtet. Das sagt doch schon alles, oder?!
Wer sich die kulturelle Gepflegtheit meiner Heimat-Kreisstadt in “alten Bildern” anschaut, die voll und ganz meinen Kindheits- und Jugendeindrücken der längst vergangenen Zeiten der Sozialen Marktwirtschaft entsprechen, schließlich bin ich in der Kreisstadt aufgewachsen, kann sich heute nur wundern, wie schlimm die Stadt runtergekommen ist. Diese rheinland-pfälzische Kleinstadt macht Angst – nur Angst!!!!
Junge Leute nennen diese neoliberale Entwicklung “Hipp Hopp”, ich nenne diese Entwicklung “Zerfall des neoliberalen Kapitalismus ins Faustrecht”. Es liegen oft nur 5 Kilometer Entfernung zwischen einem Deutschland, wo die bürgerliche Welt noch liebevoll familiär existent ist und einer Welt, die eher der US-Bronx mit ihren verrohten Sitten inklusive Mord gleicht.
Bis denne,
Gaby
“Junge Leute nennen diese neoliberale Entwicklung „Hipp Hopp“, ich nenne diese Entwicklung „Zerfall des neoliberalen Kapitalismus ins Faustrecht“. Es liegen oft nur 5 Kilometer Entfernung zwischen einem Deutschland, wo die bürgerliche Welt noch liebevoll familiär existent ist und einer Welt, die eher der US-Bronx mit ihren verrohten Sitten inklusive Mord gleicht. ”
In den 70ern gab es weitaus mehr Mord und Totschlag als heute. 1,3/100.000 Einwohner heute ca. 1. Es zerfällt nur unsere Medienlandschaft. Es wird mir einfach auch zuviel rumgeheult. Fruher war der RocknRoll böse heute isses halt HippHopp, Metal, Computerspiele. Und derweil sinkt die Zahl der begangen Morde kontinuierlich.
Liebe Gabi,
vergessen Sie nicht, dass in einer Kleinstadt auch beengte Verhältnisse herrschen, Gemauschel, Getratsche etc. an der Tagesordnung sind. Wehe, man ist anders, dann geht das Gelästere los. Würde mch persönlich in sowas niemals wohlfühlen, stehe auf Großstädte! Ist lebendig, bunt, total unterschiedliche Menschen, toll! Traurigerweise sieht man auch immer mehr Leute, die den Abfall durchsuchen…
LG
Die Beschreibungen hier sind zweifellos zutreffend. Nur, offene Grenzen fordern eben ihren Preis. Diese hübschen Kleinstädte gab es zu Zeiten, in denen Deutschland durch Einfuhrzölle und/oder Eisernen Vorhang gegen im Ausland produzierte Waren teilweise geschützt war. Und gegen ausländische Arbeitskräfte.
Wenn die Wirtschaft aber mittels Lobby dafür sorgt, dass sie billig in Fernost oder sonstwo produzieren und die Produkte ohne hohe Zölle einführen darf, dann werden eben Arbeitsplätze exportiert und der Lebensstandard der Durchschnittsbevölkerung sinkt.
Diese Politik wird hier seit Jahrzehnten betrieben und hat dazu geführt, dass die Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern kleiner werden: Der Lebensstandard steigt in China, Polen, Tschechien, (Ost)Deutschland, Türkei usw. und er sinkt in (West)Deutschland, Frankreich, USA usw.
Alles hat eben seine Vor- und Nachteile. In Vorpommern leben mittlerweile Polen, die tagsüber in Stettin arbeiten. Weil die Wohnkosten in Deutschland niedriger sind (als in Polen) und die Löhne in Polen höher sind (als in Deutschland).
Dafür gibt es zum Beispiel in Berlin ein riesiges Industrieproletariat, nur dummerweise keine Industrie mehr. Die Arbeitsplätze dort sind in den 90er Jahren verloren gegangen. Und die übrig gebliebenen Proleten hängen jetzt in den öffentlichen Grünanlagen rum und saufen. Was sollen sie machen? Zum Ingenieur wird man sie kaum qualifizieren können. Und wenn sie im Einzelhandel auftauchen, ist der Schock bei den Touristen riesig. Die konnten mal Maschinen bedienen, aber keine Menschen.
Die Bundesrepublik hat viele Jahre lang vom Eisernen Vorhang profitiert. Die Zeiten sind vorbei. Und sie kommen auch nicht zurück. Denn: noch sind die Grenzen für Arbeitskräfte aus Afrika verschlossen. Aber auch diese Mauer wird nicht ewig halten. Dann wird es hier noch lustiger.
Eine Welt ohne Mauern ist unbequem und gefährlich, ja. Säufer, Mord und Totschlag inklusive.