2417

global news 2417 27-06-11: Euro ohne Netz und Boden: Keine Regeln zur rechtzeitigen Begrenzung des Gelddruckens nationaler Notebanken zu Lasten aller anderen – deutsches Risiko im schlimmsten Fall bis 405 Mrd Euro

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31 Antworten zu 2417

  1. Stefan sagt:

    Dazu folgender Link.

    Sinnloser Ökonomenstreit um Target2-Salden

    Während Ifo-Chef Hans-Werner Sinn in seiner Panikmache die Realität ignoriert, gehen auch die Argumente seiner Gegner letztlich am Thema vorbei.

    http://www.eu-infothek.com/content/reader/reader-info.php?art=00446&channel=1

    • globalnote sagt:

      Nun habe ich das neue Papier von Sinn sehr sorgfältig gelesen. Seine These, daß die Bundesbank die deutsche Wirtschaft wegen Target2 nicht ausreichend bedienen könne, ist darin nicht mehr enthalten. Er räumt nun auch ein, daß dies kein direkter Kredit der Bundesbank ist, und die Bundesbank nur im Rahmen ihres Anteilsschlüssels für das Eurosystem haftet. Das Fragezeichen bleibt, was bei einem Scheitern des Euro passieren würde, das nicht mehr total ausgeschlossen werden kann, weil bei einer Pleite Spanien mit einem Überspringen auf Italien die Bevölkerung in den weniger verschuldeten Euroländern wahrscheinlich gegen entsprechende Steuererhöhungen für das Durchfüttern der negativen Leistungsbilanzen dieser Länder in den Streik gehen würden. Ich halte es jedenfalls schon für äußerst fragwürding, daß hier so bequem Geld für grenzüberschreitende Transaktionen gedruckt werden kann.

    • globalnote sagt:

      Habe noch einmal leicht umformuliert, um die Diskussion um Prof. Sinn aufzufangen. http://www.jjahnke.net/rundbr84.html#2417

  2. rockenergy sagt:

    Ich bin ja gelegentlich sehr sinnig; es kann dann vorkommen, daß mir eine Situation schon mal erlebt erscheint; ich war da schon mal bzw. der andere darf da eigentlich noch nicht gewesen sein.

    Meiner Erinnerung nach war Professor Sinn immer ein glühender Verfechter des Euro; für mich galt er damit als geradezu abgehakt, als einer der den Vorgaben des mainstreams nacheiferte, einer, der auf dem falschen Gleis fuhr bzw. fährt und damit für meine Meinungsbildung weitgehend wertlos war und ist. Nur „weitgehend“ natürlich, denn beobachtet habe ich aus den Augenwinkeln schon, daß seine Haltung im Vergleich zu den Anfängen etwas kritischer wurde; sinnige Lösungsvorschläge fehlten allerdings bzw. waren alle nicht zu Ende gedacht. So hat er im Frühjahr 2010 davon gesprochen, Griechenland solle doch austreten, vorher hatte er 2008 die Bankenrettung als das Gelbe vom Ei gelobt; nicht zu vergessen, seinen eher dümmlichen Vergleich zwischen Juden und Managern.

    Wer globale Spielchen zum non-plus-ultra erklärt sollte doch wenigstens mal den europäischen Teil des Globus betrachten; der Economist hilft da, der Hinweis auf den Artikel fand sich bei Weissgarnichts . Die Komplexität dieser Catch-22 Situation wird natürlich nicht besser, wenn man sich die EZB anschaut, die meines Wissens nach so um die 450 Milliarden an PIGS Anleihen hält, aber was wissen wir schon? Übrigens Papiere, die sich in ihrer Gegenseitigkeit gerne auch als vernetzter Schrott bezeichnen lassen.

    Nun bin ich gespannt, wann Sinn sich der auch recht neuen Meinung seines Kollegen, Herrn Professor Hankel anschließt; ich schätze Hankel sehr, aber auch er kommt erst jetzt zu dem Schluß, wonach nur ein reset auf den europäischen Wechselkursverbund es richten kann. Ich erwähne es der Vollständigkeit halber: auch das geht nicht ohne richtige Schmerzen, letztendlich aber solchen, die sich immerhin als endlich erweisen können. Und wenn das resetting nicht rechtzeitig kommt, droht zumindest in Teilen ein Rückfall auf vor 1958. Nun frage keiner, was „rechtzeitig“ bedeutet, Guru kann hier keiner.

    Irgendwie denken die Herr- und Frauschaften auch mit noch so hehren Titeln in öffentlichen Ämtern alle ziemlich langsam; daß kann natürlich bei den vielen einen an der abhängigen Bettung liegen und bei bisher noch wenigen anderen daran, daß Überheblichkeiten scheinbar immer vor der Aberkennung kommen.

    Nichts für ungut; wir kommen nur mit einen reset raus. Dazu hat schon vor vielen Monden (2009) James Galbraith gesagt, was eigentlich jedem klar sein muß:

    …as long as the old management is in place, there are no incentives to cooperate in the evaluation you need to make.

    …There was clearly a systematic failure. But that does not mean there was no criminal energy around.

    …When a bank is insolvent, the incentives for normal banking practice disappear. They become perverse.

    Ergo, auch der reset hilft nur, so das Ergebnis des soeben Gelernten ummittelbar in denselben einfließt!

    Schwierig!

    caw

    • Stefan sagt:

      Wir brauchen keinen “europäischen Wechselkursverbund”, sondern eine Reform des Finanzsystems. Die Griechen haben sich ihre Kredite schließlich nicht selbst gegeben.

      Es ist erstaunlich dass das aktuelle Problem nun auf den Euro reduziert wird, während das Finanzsystem nicht auf den Prüfstand kommt. Man hat weder aus dem US-Immobiliendesaster, noch aus der irischen oder isländischen Krise gelernt und man lernt jetzt aus der Griechenlandkrise auch nicht. Stattdessen werden Rettungspakete verabschiedet und Diskussionen über Wechselkurse geführt.

      • globalnote sagt:

        Sie dazu jetzt hier: http://www.jjahnke.net/rundbr84.html#2417 . Doch ein neues Finanzsystem ist Illusion, oder haben Sie einen guten Vorschlag?

      • rockenergy sagt:

        @Stefan

        Ich bin ja sehr für Reformen, besonders, wo sie erfolgsversprechend sind.

        Um aber eine globale Finanzreform auch nur annäherungsweise durchsetzbar werden zu lassen müssen alle Beteiligten, alle verantwortlichen Legislativen, so stark sein, daß sie in jeder Form den Interessen der Finanzwelt entgegenstehende Reformen durchzusetzen in der Lage sind.

        Das erachte ich per heute als nicht gegeben und gerade diese mißliche Lage, aus deren Gegenteil heraus wir eigentlich vor Euroeinführung noch hätten zielgerichtet agieren können stellt jetzt möglicherweise die europäische Einigung in Frage.

        Deshalb bitte ein schnelles reset, um gewissermaßen auf eine funktionierende Version des Zusammenlebens zurückfallen zu können und dann Buße tun, Wunden lecken und gemeinsamen Einfluß nehmen, um möglichst schnell aus einem dann wieder sauber funktionierenden, starken Verbund heraus gerne an einer globalen Finanzreform arbeiten zu können.

        Schon die Einigung auf einen reset wird die globalen Players alt aussehen lassen, i.e. sie werden selbst Gegenwind verspüren, wo sie heute versuchen, die Stürme allein in ihrem eigenen Interesse aufrecht zu erhalten.

        Aber, keine Illusionen, global muß dann heißen – wie das Wort sagt – erdkugelweit alle; auch die, die bisher ihre eigenen Suppen, Währungen und Gesetze kochen und damit alle Arten von Schieflagen verursachen.

        caw

      • Stefan sagt:

        Eine Reform des Finanzsystems gestaltet sich schwierig, da die Finanzsysteme global vernetzt sind global tätig sind. Wir haben bei der Tobin-Steuer gesehen das die Angelegenheit sich als schwierig erweist. Dennoch ist im europäischen Kontext eine Reform durchführbar, die zumindest für etwas mehr Stabilität sorgen kann.

        Zunächst einmal wäre es entscheidend Basel III zu verschärfen. Erhöhte Standards für den bankenaufsichtlichen Überprüfungsprozess sind erforderlich. Die Eigenkapitalquoten müssen weiter angehoben werden, auch wenn das bedeutet das die Liquidität der Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. Großbanken sollten noch schärfere Quoten erfüllen müssen, da sie systemimmanent ein deutlich höheres Risiko für das gesamte System nach sich ziehen. Die Haftung von Bankvorständen und Managern muss überarbeitet werden. Die Stärkung der Transparenz der Finanzmärkte muss ein weiteres Ziel sein, was auch die Ratingagenturen betrifft. Desweiteren muss die Marktmacht der drei amerikanischen Ratingagenturen gebrochen werden. Eine von der Politik unabhängige europäische Ratingagentur ist zu etablieren. Im Euroverbund ist Eurostat mit weitreichenden Kompetenzen auszustatten, um jederzeit über die Haushalte der Mitgliedsstaaten im Bilde zu sein. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist mit handfesten Sanktionsstrafen zu unterfüttern, die automatisch in Kraft treten, sobald gegen die Konvergenzkriterien verstoßen wird. Es müssen ganz klare Regularien bei einer Staatspleite ausgearbeitet werden. Die EZB darf keinesfalls zu einer Bad Bank verkommen. Private Gläubiger müssen wieder in Haftung genommen werden und für ihre erwirtschafteten Renditen auch ein höheres Risiko in Kauf nehmen. Die Landesbanken gehören fusioniert, sofern sie selbst keine nachhaltige Geschäftsgrundlage nachweisen können.

        Bei den Banken müssen für die Derivatgeschäfte sowie für Verbriefungen gesonderte Kontrollen seitens der BaFin stattfinden. Oberstes Ziel ist Transparenz und Reduktion von systemischen Risiken.

        Viele Reformen werden Zeit in Anspruch nehmen, aber gegenwärtig sorgt das Finanzsystem für eine massive Instabilität und ist eine ständige Gefahr für die Weltwirtschaft. Vor allem der Umgang der Politik, die Banken aufgrund von Risiken für das Finanzsystem mit Steuergeldern permanent zu stützen hat zu einer fatalen Fehlentwicklung geführt, bei der das Risiko vollständig der Allgemeinheit aufgebürdet wurde. Wir haben bei vielen Beispielen, wie mit der BayernLB gesehen, wie Milliarden versenkt wurden, während gewisse Individuen, wie ein Tilo Berlin Millionen kassierten. So kann das nicht weitergehen!

      • Stefan sagt:

        Ihr Vergleich gegenüber dem Schweizer Franken ist nur bedingt aussagekräftig. Es ist keineswegs nur der Euro oder der US-Dollar, der schwach ist. Ob das nun der US-Dollar ist, der japanische Yen, die türkische Lira, der argentinische Peso, der chinesische Yuan, der indische Rupie, das britische Pfund oder der südafrikanische Rand, alle diese Währungen haben teilweise noch deutlich stärker abgewertet.

        Es gibt nur wenige Währungen, die gegenüber dem Euro aufgewertet haben. Dazu zählt z.B. der Schweizer Franken. Die Stärke des Franken ist aber auf mehrere Aspekte zurückzuführen. Zum einen erweist sich die Wirtschaft der Schweiz als sehr solide, zum anderen hat die Schweiz seit 2003 eine Schuldenbremse. Die Anleger sehen den Franken als sicheren Hafen. So sicher, das die Schweizer Notenbank schon seit Monaten zu Lasten des Franken interveniert.

        Von einer vergleichbaren Schuldenbremse ist die Eurozone oder die USA weit entfernt. Deutschlands Staatsverschuldung kennt seit 20 Jahren nur eine Richtung, steil aufwärts!

      • globalnote sagt:

        Die Schweiz ist als Vergleich schon wichtig, weil sich zeigt, wie weit wir von den DM-Zeiten weggekommen sind, als der Vergleich zum Schweizer Franken meist wenig Bewegung zeigte.. Das Abrutschen des Euro gegenüber dem Schweizer Franken ist außerdem erst seit Ausbruch der Krise zu beobachten, also seit Mitte 2007, und verstärkt erst seit Ausbruch der Eurokrise, hat also wenig mit 2003 zu tun. Hier spiegelt sich in meinem Verständnis vor allem die Krise an der Europeripherie, die ich mit diesem Vergleich verdeutlichen wil. Wenn sich die Krise weiter verschärft, wird der Euro auch gegenüber dem Dollar noch viel an Wert verlieren (einige tippen schon auf Parität).

      • Stefan sagt:

        Der Euro begann in der Tat Ende 2007 gegenüber dem Franken an Wert zu verlieren und verliert seitdem kontinuierlich. Die Finanzkrise hat vorallem die Eurozone hart getroffen. Das europäische Bankensystem sah dabei sehr schlecht aus.

        Ich stimme mit ihnen auch überein das der Kursverfall einen Vergleich zur seinerzeit zum Franken relativ stabilen DM ermöglicht.

        Dennoch ist anzumerken das die Schweiz mit einem Schuldenstand von rund 40 % einen Vorteil hat und im Zuge der Finanzkrise hat sich gezeigt das die Märkte beginnen das zu realisieren. Zuvor galten Staatsanleihen als bombensichere Wertpapiere. Das hat sich deutlich verändert.

        Ich persönlich sehe den Eurokurs derzeit aber nicht als großes Problem an. Immerhin drückt der Kurs in der Eurozone auch die Importe und beflügelt die Exporte gegenüber wichtigen internationalen Märkten. Die Inflationsraten sind auch moderat.

      • globalnote sagt:

        Die Märkte schätzen das Risiko aus deutschen Staatsanleihen, die immer noch als sehr sicher gelten, bisher nicht viel höher als aus schweizer ein. Ein schwacher Euro treibt die Importpreise von in Dollar gehandelten Waren, wie Energie und viele Nahrungsmittel, in die Höhe. Das ist nicht gut, zumal diese Preise ohnehin steigen.

      • Stefan sagt:

        Die Zinssätze für Staatsanleihen sind derzeit alles andere als objektiv. Der Markt hat griechische Bonds noch vor 2 Jahren mit 3 % eingestuft. Das hat also wenig Aussagekraft.

        Die steigenden Preise bei Importgütern sind die Kehrseite einer schwächeren Währung. Ich spreche bewußt von schwächeren Währung, denn der Euro ist zwar im Moment schwach, wie die meisten weltweit relevanten Währungen, aber er ist keinesfalls zu schwach.

  3. Gaby sagt:

    Schönen guten Tag rockenergy und Mitlesende,

    joh, der Euro ist wirklich eine feine Sache. Steckt ein Land in der Krise, kann seine nationale Notenbank Geld drucken. Das ist unglaublicherweise (!!!) nicht verboten. Das ist Extrageld, das für Waren-, Vermögens- und Dienstleistungstransaktionen im restlichen Euro-Raum ausgegeben wird.

    Mich hat die Lektüre des “Working Papers” von Prof. Sinn beeindruckt, weil der Prof. mit einem Mal, ganz im Gegensatz zu all den Jahren zuvor, eine unmißverständliche Krisen-Sprache spricht. Zwar benutzt der Prof. die Vokabel “unwahrscheinlich” ziemlich gerne, aber nach Tschernobyl, Fukushima, der Finanzkrise 2008 und der Krise der Euro-Zone wissen wir, dass “unwahrscheinlich” heutzutage eher “wahrscheinlich” bedeutet.

    Prof. Sinn ist lernfähig (oder wendehälsig?), wie dieses kurze Video beweist. Viel Spaß damit.

    Gaby

    • rockenergy sagt:

      Danke Gaby, wenn es nicht so ernste Konsequenzen hätte, wäre es wirklich zum Lachen.

      Nur bei Herrn Professor Sinn kommt hinzu, daß er das liest was er spricht. I.e., seine Weisheit und seine Professur sind seine Profession – da hört der Spaß auf und in normalen Verhältnissen auch die Professur.

      caw

    • Stefan sagt:

      Im Augenblick geht ein Video einmal mehr durch die Landschaft der Blogger.

      Es ist trivial, zeigt aber auch ein fundamentales Problem auf. Die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich und die damit einhergehende Stärkung der Finanzmärkte als Renditekasino.

  4. matt_us sagt:

    Ich moechte hier noch mal auf die Emergency Liquidity Assistance (ELA) aufmerksam machen, die auch bei Sinn in dem ifo Papier erwaehnt werden. Er spricht da von 54 Mrd Euro. Das Geld wird in Irland gedruckt, und kostet den Staat absolut gar nichts. Denn die Banken, die damit Staatsanleihen kaufen, erhalten Zinsen vom Staat fuer die Papiere. Aber da die Banken dem Staat gehoeren, finanziert sich damit der Staat fuer nichts.

    Damit spart der irische Staat 54 Mrd mal 6% (EFSF Zinssatz) = 3 Mrd Euro, etwa 2% seines BIPs.

    Das sollte auch Griechenland machen. Wenn die ein Drittel ihrer Staatschulden so finanzieren koennten, spart das mindestens 6 Mrd Euro, wenn nicht noch mehr. Das waeren etwa 3% des BIPs fuer Griechenland.

    Das schlaegt Sinn aber nicht vor – warum nicht?

    Und warum geht er nicht auf die Gefahr von Credit Default Swaps ein?

    Denn die machen diese Geschichte doch wirklich erst gefaehrlich.

    Wenn man Umschulden fordert, ohne gleichzeitig zu sagen, dass die CDS abgeschafft werden sollen, ist diese Forderung, meine ich, unserioes.

    Und Sinn, der ja schon mal auf die Gefahren von CDS aufmerksam gemacht hatte, sollte nicht nur Target 2 Salden beleuchten, sondern auch die Gewinne, die man machen kann, wenn man CDS hat. Sagte ich schon heute morgen hier.

    http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/25/hans-werner-sinn-ein-ubermasig-aktiver-blogger-und-schmutzige-tricks/comment-page-1/

    Hier noch mal zur Erinnerung, was Warren Buffet von CDS und anderen Derivaten haelt, sollte man mal schleunigst verbieten.

    http://eurogate101.com/2011/06/27/finanzielle-massenvernichtungswaffen/

    • globalnote sagt:

      Von den drei großen irischen Banken ist Anglo-Irish inzwischen „bad bank“. Bei der Bank of Ireland hat der Staat nur 36 %. Bei Allied Irish Banks sind 93 % staatlich. Die Not-Finanzierung aus ELA durch die Irische Notenbank war nötig, weil der Staat die Banken über Wasser halten mußte oder wollte und die Mittel der EZB nicht ausgereicht haben dürften, bzw. die geforderten Sicherheiten nicht ausreichten. Später kam das dann Rettungspaket von EU/IWF, das auch Mittel für die irischen Banken enthält. Doch die EZB bestand nun auf einem Stopp weiterer ELA-Finanzierung, was sie nach ihren Statuten mit Mehrheit der Mitglieder kann. Die Irische Notenbank erhielt für ihre Kredite an die Banken Sicherheiten, darunter „promissory notes“ der Regierung und auch Bonds der National Asset Management Agency (NAMA), der vom Staat eingerichteten Bad Bank. Das sind also keine Staatsanleihen. Eine gute Beschreibung durch citi befindet sich hier http://www.nber.org/~wbuiter/ela.pdf

      • matt_us sagt:

        Vielen Dank fuer die Richtigstellung. Es sind keine Anleihen, sondern andere Schuldscheine. “Promissary Notes”, die die Iren herausgeben. Und wenn der Staat nicht die Mehrheit der Bank of Irland hat (da lag ich also auch falsch), ihm gehoeren wohl die anderen zwei grossen Banken.

        Obwohl Anglo-Irish, die Bad Bank, eigentlich abgewickelt werden soll, lagern dort wohl viele dieser Promissory Notes. Das kann man in der Bilanz der Anglo Irish Bank sehen.

        Weder Buiter noch Sinn nehmen aber in Ihren Papieren Stellung zu der Tatsache, dass die Finanzierung der Staatsschulden quasi gratis ist. Das ist sehr vernuenftig von der Irischen Zentralbank, sich so Geld zu verschaffen. Und deshalb hatte Irland ja auch immer abgestritten, unter den Retuungsschirm zu muessen.

        Jetzt stellt sich natuerlich die Frage, wenn die Iren das duerfen, Geld umsonst drucken, bis zu 1/3 der Staatsschulden, (oder fast 1/3 des BIPs,) warum duerfen die Griechen und Portugiesen es nicht? Oder warum machen sie das nicht?

        Unkontrolliiert duerfte das natuerlich nicht gemacht werden, aber in Notfaellen wie diesen, sollte die lokale Geldschoepfung erlaubt sein. Wenn man dadurch so viel Zinsen spart.

        Aber damit sind wir entscheidenden Punkt. Will man jetzt diese Laender bestrafen (mit Zinsen von 6% vom EFSF) oder ueber 20% (Marktzinsen im illiquiden Sekundaermarkt). oder will man ihnen helfen, indem man ihnen erlaubt Geld zu 0% selber zu drucken?

        Das sollte mal besprochen werden, anstatt sich ueber die Target2 Salden auszulassen, wie Sinn das tut – als gaebe es nichts wichtigeres. Also was ist ein angemessener Zinssatz in Notfaellen – 0%, 6%, oder 20%?

      • globalnote sagt:

        Die drei großen irischen Banken sind die von mir genannten. Nur bei Allied Irish hat der Staat an einer lebenden irischen Großbank eine Mehrheit. Anglo-Irish wird abgewickelt, auch mit starkem Gläubiger-Schnitt auf deren Anlagen (nicht viel anders als in Deutschland HypoRealEstate). Bei Allied Irish Banks wird jetzt auch ein Gläubiger-Schnitt betrieben, zunächst bei den nachgeordneten und mit Zustimmung der EZB, die bisher aussteht auch bei den senior. In beiden Fällen kann die Finanzierung durch die Notenbank und die Deckung durch den Staat dann drastisch zurückgefahren werden. Mit einer versteckten Finanzierung des Staates, wie Sie vermutet hatten, hat das wirklich nichts zu tun. Daher ist das irische temporäre Beispiel auch nicht auf die griechischen Staatsschulden übertragbar.

        Mit den Zinssätzen hat diese temporäre Kreditgewährung durch die Notenbank nur bedingt zu tun, da auch die EZB kaum Zins in der Finanzierung der Banken erhebt. Sie müssen wirklich den temporären Charakter berücksichtigen. und daß es sich um die Finanzierung der Banken und nicht des Staates handelt.

        Dauerhafte Geldschöpfung ohne Zins ist Gift, schon weil es zur Droge wird. Da liegt Jens Berger eben total falsch. Niemand will diese Länder bestrafen. Sie erhalten angesichts des Risikos auch bei um 5 % einen spottbilligen Kredit. Denn das Risiko ist so (und nicht wegen des Zinses, sondern wegen der total aus dem Ruder gefahrenen Wettbewerbsfähigkeit (außer bei Irland), daß die Gläubigerländer am Ende definitiv ihr Geld verlieren werden. Jetzt haben sie ja schon beim ESM auf die ursprünglich vorgesehene Seniorität gegenüber anderen Anlegern verzichtet.

        Sie liegen also m.E. wirklich falsch mit Ihren Vorschlägen, ebenso wie Jens Berger. Dagegen ist Target2 ein echtes Problem, weil hier auf Schleichwegen die Haftung des deutschen Steuerzahlers weiter geradezu dramatisch hochgefahren wird und die einzigen Gewinner die deutschen Exporteure sind, die auf diese Weise eine dicke Exportsubvention einstreichen.

  5. Stefan sagt:

    CDS abschaffen ist keine Lösung! CDS sorgen zwar für zusätzliche Intransparenz und erhöhen damit die Risiken, aber es handelt sich um legitime Finanzwerkzeuge.

    • matt_us sagt:

      Es ist sicherlich richtig, dass das Abschaffen von CDS nicht alleine die Fehlentwicklungen in der Europeripherie berichtigen kann.

      Aber Sie sagen ja selber, dass CDS das Risiko und die Intransparenz erhoehen. Wir brauchen aber kein erhoehtes Risiko, sondern in niedrigeres.

      Deshalb ist es legitim, die abzuschaffen. Genau wie Rauchen das Risiko zu sterben erhoeht, oder das Fahren ohne Sicherheitsgurt gefaehrlich ist, sollte man auch CDS abschaffen. Man darf nicht alles, der Staat sollte entscheiden, das ist zu gefaehrlich – fertig. Dann sind die Dinger verboten.

      Genau wie Rauchen oder Fahren ohne Sicherheitsgurt, sind die Risiken und Kosten zu gross fuer die Allgemeinheit, deshalb wird das verboten. So sollte das auch mit CDS sein.

      Nur hoert man ueber die Dinger gar nichts. Nicht mal ein mal erwaeht, in einem halben Dutzend Talkshows:

      http://eurogate101.com/2011/06/28/griechenlandkrise-in-den-talkshows/

  6. anon sagt:

    Zitat Rundbrief: “Die fand – anders als bei der Geldschöpfung durch die Bundesbank – gegen höchstriskante Sicherheiten der Banken in den GIPS statt, vor allem Staatsanleihen und andere Papiere, die im Pleitefall des Landes nichts mehr wert sind.”

    Das Kriterium der Notenbankfähigkeit der Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte werden von der EZB für alle NZB der Eurozone festgelegt.
    Wenn also eine Staatsanleihe dieses Kriterium erfüllt, muss die Bundesbank genauso wie die gr. ZB diese Staatsanleihe als Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte akzeptieren.
    Dies erfolgt nat. zum Marktwert der Staatsanleihe sowie einem Bewertungsabschlag, sinkt der Marktwert über eine bestimmte margin hinaus, wird ein margin call ausgelöst und die Geschäftsbank muss andere Sicherheiten nachliefern.

    Genauere Informationen liefert die General Documentation der EZB: http://www.ecb.int/pub/pdf/other/gendoc2011en.pdf

    Entsprechend sind Target2 Salden eben nicht nur “bei der Finanzierung deutscher Exporte in die GIPS entstanden” sondern weisen nur zusätzlichen Refinanzierungsbedarf, damit die Nachfrage nach Zentralbankgeld, der GIPS-Geschäftsbanken aus. Zentralbankgeld fließt seit Beginn der Krise aus den GIPS ab und sammelt sich u.a. in deutschen Geschäftsbanken, dementsprechend verringerte sich ihr Refinanzierungsbedarf.
    Ob diese Zentralbankgeld nun zur Bezahlung von Exporten genutzt wird oder als Kapitalanlage bei ‘sicheren’ dt. Geschäftsbanken dient, lässt sich nicht unterscheiden.

    • globalnote sagt:

      Das mag nach den Grundsätzen so ein. Ich bezweifele jedoch die einheitliche Anwendung. Schon die Bewertungsabschläge werden sehr willkürlich vorgenommen und mußten zuletzt nach einer SPIEGEL-Recherche selbst bei der Bundesbank teilweise korrigiert werden.

      (Aus SPIEGEL: Selbst der Bundesbank unterliefen Fehler bei der Bewertung der Sicherheiten, die die Banken bei der EZB einreichen. Zwei Schuldscheine der HRE Tochter Depfa wurden mehrere Monate lang mit einem zu niedrigen Abschlag versehen. Auf den Fehler aufmerksam gemacht, hatte die Bundesbank eine falsche Bewertung bestritten und am 21. Februar erklärt: „Unsere internen Prozesse bei der täglichen Überprüfung notenbankfähiger Sicherheiten stellen in hohem Maße sicher, dass keine Wertpapiere fehlerhaft auf die EZB-Liste gelangen können.“ Eine Woche später mussten die Abschläge auf die Papiere drastisch erhöht werden. „Die Bundesbank bedauert diesen Vorgang außerordentlich“, hieß es vergangene Woche. Sie habe sich auf einen externen Datenanbieter verlassen. Der müsse nun seine „Prozesse überprüfen, um solche Vorfälle in Zukunft auszuschließen“).

      Ich habe selbst darauf hingewisen, daß es nicht nur um die Bezahlung deutscher Exporte geht, doch scheint das nach den Feststellungen von Sinn zur Parallelität von Target2 und Leistungsbilanzen der GIPS der Hauptgrund zu sein.

      • anon sagt:

        Die einheitliche Anwendung können sie natürlich bezweifeln, aber können sie dies auch beweisen? Es wäre immerhin der Bruch der EZB/ESZB Statuten sowie europ./nat. Gesetze.

        Die Festlegung der Bewertungsabschläge ist in meinen Augen auch alles andere als willkürlich, dies wird in der oben verlinkten General Documentation doch präzise dokumentiert (Seite 70+). Dementsprechend wird für die erst 2040 fällige griechische Anleihe GR0138002689, auch ein Abschlag von 10,5% auf den Marktwert fällig. Für jeden nachprüfbar unter:
        https://mfi-assets.ecb.int/query_EA.htm

        Auch eine niedrigere Neubewertung einer hinterlegten Sicherheit führt erstmal nur zum margin call also zur Nachschusspflicht der Geschäftbank, schließlich enthalten die Refinanzierungsgeschäfte der ZB eine Rückkaufvereinbarung, sie sind doch Pensionsgeschäfte.

        Die Target2 Salden ergeben sich einfach nur daher, dass die Aufgaben/Beschlüsse der EZB/ESZB in der operativen Ausführung von den NZB übernommen werden. Sowie daher, dass diese Salden nicht mehr am Tagesende über die EZB-Bilanz abgeglichen werden, im Gegensatz zum Vorgänger des Target2 Systems.
        Deswegen steigen diese auch mit der Überführung in die ‘Single Shared Platform’ des Target2 Systems ab 2007.

        Es ist ein Zahlungssystem und keine zusätzliche Kreditlinie oder geheimer Rettungsschirm wie von Sinn behauptet, dies wird auch deutlich liest man den Jahresbericht:
        http://www.ecb.int/pub/pdf/other/targetar2010en.pdf

        Die in den GIPS-ZB hinterlegten Sicherheiten hätte die Bundesbank genauso für Refinanzierungsgeschäfte akzeptieren und anstatt unter “Forderungen innerhalb des Eurosystems” eben unter “Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet” bilanzieren müssen.
        Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Geschäftsbanken mit erhöhten Refinanzierungsbedarf eben auch im Geschäftsbereich der GIPS-ZB liegen und nicht der Bundesbank.

        Es ist eine Konstruktion Sinn’s, dass das nach Deutschland fließende Zentralbankgeld hauptsächlich zum Kaufen bzw. bezahlen von Exportgütern genutzt wird und nicht etwa die Geldanlagen der GIPS-Bürger von unsicheren GIPS-Geschäftsbanken in vermeintlich sichere deutsche Geschäftsbanken fliest.

      • globalnote sagt:

        Ich habe mit dem vom SPIEGEL herausgefundenen Beispielen bei der Bundesbank zeigen wollen, wie wenig korrekt hier bisweilen die Abschläge praktiziert werden. Wenn das schon bei der Bundesbank passiert, was muß man dann bei den Notenbanken der GIPS befürchten? In Spanien haben die Banken massenhaft Hypotheken-ASB produziert, nur um sie bei der EZB als Sicherheit für Kredite zu verwenden und die EZB hat sie treu und brav angenommen. Das mag ja so sein, das der Wegfall der zeitnahen Saldenabgleichung bei der EZB ab 2007 zum Aufbau der Salden beiträgt. Doch beruhigen kann mich das angesichts der astronomischen Beträge nicht. Das neue Papier von Sinn scheint mir da logischer zu sein. Es wäre jedenfalls Aufgabe der EZB und der Bundesbank eindeutig zu erklären, was hinter diesem Saldenaufbau steht, Exportfinanzierung oder Anlagen verunsicherter GIPS-Bürger. Es sollte nicht bei uns liegen, darüber zu rätseln.

      • anon sagt:

        Sie brauchen bei den GIPS-ZB nicht mehr oder weniger befürchtet als bei der Bundesbank, da alle die gleichen Regeln anwenden müssen, alles andere ist ein Rechtsbruch der einem Beweis verlangt.
        So erhalten die spanischen ABS Papiere je nach Eigenschaften auch Bewertungsabschläge von 16-64,5%, egal ob die Bundesbank oder die span. ZB das Refinanzierungsgeschäft operativ ausführt.
        Bei all den Risiken im Finanzsystem sind die Refinanzierungsgeschäfte der ZB die letzten die implodieren würden, weit nach der Insolvenz einer Geschäftsbank und nicht einmal dies lässt man derzeit geschehen.

        Sinns Interpretation der Target2 Salden fällt in sich zusammen sobald der griechische Unternehmer eben keinen deutschen LKW in der größten Krise des eigenen Landes kauft (wegen der Erwartung einer positiven Geschäftsentwicklung etwa?), sondern sein Geld in Sicherheit bringt. Diese Möglichkeit wird auf S.14 seines Working Papers auch beschrieben aber nicht weiter verfolgt.

  7. matt_us sagt:

    @globalnote
    “Mit den Zinssätzen hat diese temporäre Kreditgewährung durch die Notenbank nur bedingt zu tun, da auch die EZB kaum Zins in der Finanzierung der Banken erhebt. Sie müssen wirklich den temporären Charakter berücksichtigen. und daß es sich um die Finanzierung der Banken und nicht des Staates handelt.”

    Das ist zwar alles richtig, was Sie sagen, die irische Emergency Liquidity Assistance Finanzierung wurde gemacht, um den Banken Liquiditaet bereitzustellen in erster Linie, und nicht um sich Staatskredite zu 0% Zinsen zu schoepfen, durch die irische Zentralbank.

    Aber im Endeffekt ist es so, dieses Geld kostet Irland nichts. Ich bin mir nicht sicher, ob die Papiere, die von der irischen Zentralbank angenommen werden als Sicherheiten, auch von der EZB angenommen wuerden. Damit fiele dann die EZB als Alternativfinanzierer aus (zu 1,25% Zinsen).

    Dann wuerde es Irland 3 Mrd Euro pro Jahr mehr kosten, sich das Geld vom EFSF zu leihen. Das kostet 6% Zinsen – ausser wenn die Iren Ihre Koerperschaftssteuer hochsetzen – dann steht man den Iren einen ermaessigten Satz von 5% zu (dank Merkel/Sarkozy Schulterschluss hier, der mich direkt an die Achse Berlin-Vichy erinnert)

    Also ich koennte mir vorstellen, dass solche Vorschlaege, die aus Deutschland kommen, einen Schwall von four-letter words bei den Iren hervorrufen, und “Nazi” waere mit Sicherheit dabei.

    Dann muss man dabeisagen, dass 3 Mrd Euro fuer Irland kein Pappenstiel ist. Das sind 2% des BIPS, etwa 4% – 5% der Staatsausgaben. Dass das die irischen Zentralbanker wissen, und auch die Politiker ist doch klar, auch wenn das nicht oeffentlich diskutiert wird. Also ich wuerde mich nicht wundern, wenn diese “temporaere Kreditgewaehrung” sich ueber Jahre hinweg erstrecken wird. Warum sollten die Iren die guenstigste Finanzierungsmoeglichkeit (ELA) fuer ein Drittel ihrer Staatschulden zuerst zurueckzahlen, das macht fuer die als Schuldner ueberhaupt keinen Sinn. Und sie werden diese Massnahme auch solange wie moeglich benutzen.

    Und ich habe da durchaus Verstaendnis dafuer. Wieso sollen Iren 3 Mrd Euro an Zinsen an die EFSF zahlen, und die Finanzindustrie, die mitverantwortlich fuer die Misere ist? Man kann hier durchaus mit “aussergewoehnlichen Umstaenden” argumentieren. In denen sowas erlaubt sein sollte. Deutschland sollte nicht von so einer Solidarfinanzierung profitieren – meine ich.

    Denn was passiert hier wirklich, durch ELA? Der Finanzindustrie und Deutschland entgehen Gewinne. Es ist somit im weitesten Sinne eine Glauebigerbeteiligung, das also was immer gewollt wird.

    Und das bringt uns dann wieder zu Griechenland, Denn wenn die Iren das machen, warum duerfen es nicht die Griechen?

    @globalnote
    “Dauerhafte Geldschöpfung ohne Zins ist Gift, schon weil es zur Droge wird.”

    Ich halte das durchaus fuer ein wichtiges Argument, umso mehr, wenn man sich nicht an die Maastricht Kriterien halten kann, egal ob in Deutschland oder Griechenland.

    Andererseits wurde das Inflationsziel aber eingehalten, das von der EZB ueberwacht wurde. Also, das man alles gerissen hat, ist auch nicht richtig.

    Man sollte m.E. auch dagegenhalten, dass die Finanzindustrie hier im Moment genug Instrumente in der Hand hat, um gegen die Euriolaender zu spekulieren. Das ist auch ein Gift, was die Finanzmaerkte beeinflusst. Darum geht es ja in meinem Blog.

    Was jetzt das groessere Gift ist, Derivate und CDS einerseits, oder zinslose Geldschoepfung andererseits, laesst sich natuerlich lange darueber streiten. Man sollte auch mal sehen, wer von beiden Giften profitiert!

    Ich werde mir das mal bei Gelegenheit alles genau durchlesen, was ja durchaus von serioesen Oekonomie Professoren vorgeschlagen wird. Modern Money Theorie (Bill Mitchell, Randall Wray) oder Positive Money (Richard Werner).

    Wer es noch nicht gesehen hat:

    http://eurogate101.com/2011/06/27/finanzielle-massenvernichtungswaffen/

    • globalnote sagt:

      Vielen Dank (auch wenn Sie hier nicht für Ihre Webseite werben müssen). Sie unterstellen immer noch, daß es sich bei Griechenland um eine über den Zinssatz beherrschabe Verschuldung handelt. Ich bestreite das mit vielen anderen.

      Außerdem geht es bei Griechenland – anders als bei Irland – nicht primär um eine Überschuldung der Banken, sondern des Staates selbst. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Und schließlich wird Irland das Schuldenproblem durch Umschuldung von Bankenschulden lösen können, was auch bei privaten Schulden der immer korrekte Weg ist (dem sich hier Merkel/Sarkozy/EZB) bisher in den Weg stellen. Griechenland hat diese Möglichkeit nicht. Dort gehen die Banken erst in die Pleite, wenn der Staat pleite ist; bei Irland ist die Lage umgekehrt.

    • Stefan sagt:

      Für die Märkte bieten alle Krisen auch massive Renditechancen. Nie wird mehr Geld verdient bzw. wechselt mehr Geld den Besitzer, als in Krisen. Insofern ist die Griechenlandkrise für viele Spekulanten ein Bombengeschäft.

      Das ändert aber alles an den grundsätzlichen Problem nichts. Die Staaten haben zu lange ihre Schuldenquoten hochgetrieben und das konnte und kann nicht ewig funktionieren. Griechenlands Verschuldung, effektiv vor allem durch ausländische Investoren finanziert, musste zum Zusammenbruch führen, vor allem weil das Land strukturelle Probleme hat. Das zeigen die anhaltenden Leistungsbilanzdefizite seit den Neunzigern.

      Diese Probleme sind nicht erst vor zwei Jahren entstanden, sie sind die Folge eine jahrzehntelangen Fehlentwicklung.

      Eines steht jedenfalls fest. Griechenland braucht mehr als nur diktierte Sparprogramme. Das Land kann seine Schulden in dieser Lage nicht mehr signifikant abbauen und schon garnicht in der von den Märkten erzwungen kurzen Zeitspanne.

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