global news 2398 06-06-11: Angehörige langzeit-pflegende Frauen (auch Männer) sind in Deutschland noch schlechter dran als in vielen anderen Ländern
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Hallo in die Runde,
in Deutschland wird von den Frauen selbstverständlich erwartet, dass sie sich um kranke und jahrelang pflegebedürftige Angehörige kümmern. Das ist eine Arbeit, die Männer selten und wenn, nicht gerne tun. Und weil das Hegen und Pflegen die “natürliche Bestimmung” der Frauen ist, kräht kaum ein Hahn danach, ob und wie sie die oft jahrelange Überforderung von Familie, Haushalt, oft auch noch den Beruf und das heimische Pflegen hilfloser Senioren bewältigen. Frauen haben zu funktionieren. Basta! Und wenn sie das nicht tun, werden sie häufig genug krank geredet und es werden ihnen Medikamente und Therapien verordnet, um sie wieder funktionstüchtig zu machen.
Das Pflegen hilfsbedürftiger Angehöriger wird von der Gesellschaft ebenso mit Geringschätzung belegt, wie die Aufzucht der Kinder, das Führen des Haushalts oder der Beruf der Frau, die unter solchen Umständen häufig NUR halbtags- oder stundenweise Geld verdient. Das Häusliche bringt keine Entlohnung, keine Anerkennung und das Berufliche bringt nur lächerliche Brosamen. In den Kategorien des Kapitalismus erbringen Frauen mit ihren sozialen “Ticks” keine erwähnenswerten Leistungen, so nötig die Reproduktionsarbeit für die Gesellschaft auch ist. Frauen wird lediglich der Teil der gesellschaftlich nötigen Arbeiten zugeschobene, die für die Kapitalisten nicht unmittelbar verwertbar ist. Deutsche Frauen haben sich bescheiden, geduldig, ohne zu Murren und ohne Lohn bzw. Anerkennung um die “toten Kosten”, die “Durchhaltekosten” zu kümmern.
Die psychische wie körperliche alltägliche Überforderung vieler Frauen anzusprechen, ist im Grunde noch immer ein gesellschaftliches Tabu, das die Frauen nur vereinzelt durchbrechen. Ein Tabu ist aber auch, körperliche Gewalt gegenüber pflegeabhängigen Angehörigen zur Sprache zu bringen. Auch hierüber wird kaum gesprochen, denn die Deutschen lieben die heile Welt, in der der Mann das Sagen hat und der Frau oft nur das kleinlaute Gehorchen in wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Ehemann bleibt. Diese krude Mischung aus der vielfältigen Mißachtung der Bedürfnisse der Frauen, die ja nichts anderes als indirekte Gewalt ist, erzeugt bei den pflegenden Angehörigen mitunter ohnmächtige, wortlose Wut, die sich im Umgang mit den Schwächsten der Familie entlädt. Aber auch Männer begegnen der Überforderung der häuslichen Pflege alter Menschen gewaltvoll.
Häusliche Gewalt gegen Alte!
http://www.aerztekammer-bw.de/20/gewaltgalte/broschuere.pdf
Ich glaube nicht, dass sich in Deutschland an diesem erbärmlichen Zustand je etwas ändern wird. Ich vermute sogar, mit fortschreitender Krise des Kapitalismus werden insbesondere die Frauen mit immer neuen und immer schwerwiegenderen Zumutungen konfrontiert werden.
Daneben gibt es aber immer mehr gut ausgebildete junge Frauen, die vollumfänglich begreifen, wie unsere Gesellschaft funktioniert und sich aus diesem Grunde bewußt gegen eine Heirat und gegen Kinder entscheiden. Sie gehen lieber ihren eigenen Weg, statt sich von Angehörigen herumschuppsen zu lassen.
Schönen Tag noch,
Gaby