2396

global news 2396 02-06-11: Wenn nur noch ein kräftiger Euro-Soli die Eurozone retten kann, was dann?

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13 Antworten zu 2396

  1. Ich meine, auch ein Euro-Soli kann das Problem nicht nachhaltig lösen.

    Vorübergehend hatte ich eine Lösung favorisiert, wie sie diese Woche Marshall Auerback medienwirksam skizziert hat; „Wenn kein Schwacher austreten darf, dann muß der einzig Starke raus!“

    Aber, egal wie oft man dieses Sackloch namens Euro betrachtet, den gordischen Knoten zu lösen wird nicht ohne heftig(st)e Turbulenzen erfolgen können. Auerbacks Idee folgt der Logik der Euro-Einführung nach dem Motto, die Zeit wird den nötigen Rest schon richten. Aber auch ein Euro danach hat dann viel Schwache im Mix mit viel Stärkeren zu deckeln. Mag man dann aus Fehlern gelernt haben und Ausgleichsmechanismen neben gemeinsamen Regeln schaffen wollen, deren tatsächliche Verwirklichung und Funktionstüchtigkeit ich heftig bezweiflelte, das Europa, das sich dann bietet, wird immer noch Deutschland auf der Karte haben.

    Und da ist der wahre Hund begraben, Auerbacks Denkfehler liegt dort, wo Deutschland ja nur stark ist, so Euro draufsteht; wohlgemerkt der heutige Euro, dem Deutschlands Exportwirtschaft all’ die letzten Rekorde zu verdanken hat; träte Deutschland aus, wäre seine neue Währung im Sinne der Konkurrenz endlich der Stein an dem sich alle anderen Währungen weich reiben könnten; Deutschlands Exportwirtschaft verließe das Land wie die sprichwörtlichen Ratten, übrig bliebe wahrlich ein Wrack; wir dürfen davon ausgehen, daß das neoliberales Allgemeinwissen ist, was uns ja auch laufend und dummdreist unter der drohenden Überschrift „befriedetes Europa aber nur dank Einheitswährung“ verkauft wird.

    Ich höre förmlich diejenigen, die sagen, Deutschland habe es auch mit einer stetig härteren Mark immer geschafft. Richtig, das war aber vor einem Catch-22-Desaster namens Euro und vor allem, es war bevor die Globalen Neolibspiele es einem einzigen großen Spieler erlaubten, sich satt zu saugen an Ressourcen inklusive Arbeit verschärft durch eigene rot-gelbe Spielregeln nebst papierener Währung.

    Da hat sich seit der guten, alten Deutschmark etliches heftig verschoben.

    caw

  2. Christof sagt:

    Hallo Herr Jahnke,

    ein Soli solls mal wieder retten? Da haben wir in Deutschland ja die besten Erfahrungen mit…

    Besonders der Fall Irland hat es mir in Ihrem Artikel sehr angetan. Da stellte sich mir zunächst mal die Frage, wie ein solch kleines Land solche Berge von Verbindlichkeiten aufhäufen kann.

    Die von Ihnen genannte Zahl von 145 Milliarden Euro Verbindlichkeiten ergibt bei knapp 4,5 Millionen Einwohnern alleine schon pro irischer Nase (also vom Säugling bis zum Greis) einen Betrag von gut 32.000 Euro.

    Rechnet man das auf die Anzahl der 1.288.000 Haushalte um, sind wir bei sagenhaften 112.000 Euro.

    Fragt sich, wo diese Unsummen eigentlich entstanden sind. Der Spiegel zu diesem Thema: “Die irische Bankenkrise ist Folge eines halsbrecherischen Immobilienbooms.” Die Immobilienpreise sollen sich von 1996 bis 2006 vervierfacht haben, irische Banken natürlich munter und risikofreudig dabei, wie gehabt.

    Das Ende ist bekannt.

    Auch laut Spiegel wiederum haben die Iren private Immobilienschulden von 117 Milliarden Euro. Das ist pro Haushalt eine Summe von 90.000.

    Scheinbar hat sich halb Irland in den Boomjahren mit neuen Immobilien eingedeckt.

    Interessanterweise bewegen sich die Forderungen der deutschen Banken gegenüber Irland in etwa dieser Größenordnung, nämlich 115 Milliarden Euro.

    Also haut ein Soli – je nach Sichtweise – die irischen Häuslebauer raus, die sich in ihren schicken Neubauten und in einer stillen Stunde über den deutschen Soli-Michel herzhaft ins Fäustchen lachen dürften – oder alternativ könnten damit auch die Forderungen der deutschen Banken gesichert, bedient oder was auch immer werden.

    Also beim besten Willen: Während hier seit Jahren gehartzt, gedumpt, leihgearbeitet etc. wird, dass es nur so kracht – und anderswo Wild-West-Spekulationen mit Immobilien getrieben werden – soll das dann auch noch mit einem deutschen Soli belohnt werden?

    Das wäre das Schlaraffenland: Europas Pigs importieren im gewaltigen Stil deutsche Waren – und zusätzlich zu den Immobilienkrediten bezahlt auch das die deutsche Arbeitnehmerschaft mit einem Soli weitgehend selber.

    Guten Waren sozusagen noch das gute Geld hinterherwerfen.

    Warum wird das eigentlich nicht mal öffentlich diskutiert oder von Griechenland, Portugal, Irland etc. ins Spiel gebracht?

    Da wäre ich ja auf das Echo des “Volkes” gespannt.

    TINA? Oder gibt es doch eine Alternative?

    Sind Sie persönlich für einen Soli, Herr Jahnke? Das wäre dann in der Tat endlich die Transfer-Union.

    Beste Grüße!

    • globalnote sagt:

      Nein, persönlich bin ich überhaupt nicht für den Soli. Doch er wird leider kommen in der einen oder anderen Form. Jetzt will Frau Merkel erst einmal bis zu den Wahlen in 2013 kommen und erst danach sollen die Gläubiger, auch die deutschen Banken mitbluten, aber wenn sie dann wieder zu Lasten der Steuerzahler gestützt werden müssen bitte erst nach den Wahlen. Deswegen wird jetzt die weiche Lösung nach vorne geschoben: die Banken bekommen bei Fälligkeit ihr Geld zurück, legen es aber gleich wieder in den gleichen (hoch verzinsten) Staatspapieren an. Quasi eine freiwillige Umschuldung durch die Hintertür. Problem? Man muß den Banken einen Vorteil bieten, also irgendeine Form von mindestens teilweiser Garantie, daß sie ihr Geld zurückbekommen. Und wenn der Garantiefalls eintritt, dann natürlich erst nach den Wahlen.

      Das ist alles ein Spiel auf Zeit, das man das Problem nicht lösen kann, ohne den Zorn der Wähler zu riskieren. Wenn die deutschen Wahlbürger, was ich vermute, den Dauersoli oder eine ähnliche Belastung nicht akzpetieren, bleibt wirklich nur der Austritt aus der Eurozone für mindestens Griechenland und Portugal und vielleicht auch Spanien (Irland wäre schon bei positiver Handelsbilanz mit dem Ausland mit einer reinen Umschuldung der Schulden seiner Banken geholfen und das Land könnte danach im Euro bleiben). Allerdings müßten wir den Ausscheidern den Ausstieg finanziell ebenfalls erleichtern, allerdings wäre das eine Einmalhilfe und damit weit besser als Dauerzahlungen.

      Vor allem aber muß Deutschland endlich den Dumpingwettbewerb über Niedriglöhne in der Eurozone einstellen, sonst geht es nicht mehr um den Ausstieg von drei schwachen Ländern, sondern allen außer Deutschland, Niederlande und Finnland (und natürlich Luxemburg), sprich das Ende der Eurozone insgesamt.

      • C. Block sagt:

        Bedeutet ein Euro-Soli von der Gläubigerseite denn nicht auch eine Fortsetzung der Sparpolitik auf der Schuldnerseite? Wie ist die Reaktion letzterer demnach einzuschätzen?

      • globalnote sagt:

        Ja, natürlich müßten die Schuldner weiter sparen. Doch angesichts der enormen Höhe von Leistungsbilanzdefiziten und Verschuldung müßte ein solche Soli sehr viele Jahre lang eingesetzt werden.

      • … ja, ein Soli wird wohl kommen; er wird den Tod des Euro retardieren, den Vorgang des Sterbens nur quälender machen denn zu ihm gesellen müßte sich nachhaltiges Sparen begleitet von ebensolchem Wachstum während sich Inflation und Spekulation und die damit verbundenen Preissteigerungen tunlichst fernhalten sollten; nicht genug, der so solidarische Partner namens Deutschland müßte ein Einsehen haben und die Wachstumsmöglichkeiten des/der anderen nicht u.a. durch eigenes Lohndumping torpedieren; ergo, der müßte neben dem Soli sogar noch mehr abgeben!

        Let’s face it: das ist alles hinreichend unzureichend realitätsnah bzw. entbehrt jeder realistischen Betrachtungsweise.

        Was mich wirklich ärgert ist, daß niemand, kein Verantwortlicher, auch nur ansatzweise einsieht, daß es zu einer großen, mit größtmöglicher Intelligenz und Kreativität gemeinsam zu erarbeitender Lösung kommen muß, wenn man nicht die europäischen Idee riskieren will; man riskiert fast 60 Jahre wirklich harte Arbeit und Frieden um den Preis eines dubiosen Titels und für ein paar Euro mehr.

        caw

      • Christof sagt:

        Ihr Timing bezüglich 2013 besitzt einen gewissen Charme.

        Mögliche Sichtweise: Man wird den Verdacht nicht los, dass hier umgeschichtet wird. Das braucht Zeit. Fällt dann zufällig (?) mit den Wahlen zusammen:

        Verschleppung

        Griechische Zustände exemplarisch hier:

        Sturzflug

        Was da noch zu retten sein soll, erschließt sich mir im Moment nicht.

      • globalnote sagt:

        Natürlich hängt die deutsche Position eines Verschiebens von hair-cuts auf 2013 mit den Bundestagswahlen zusammen. Denn würde es vorher zu einem hair-cut kommen, müßten die noch nicht zurückgezahlten deutschen Banken z.T. noch einmal offen entschädigt werden. Nach 2013 ist dann nur noch der Steuerzahler dran.

  3. C. Block sagt:

    Danke für Ihre Antwort! Nur noch eine Frage: Wie ist Ihre Meinung zum Vorschlag von Auerback? Ich habe das Problem hin und her gewälzt und würde mich Herrn Wittke anschließen.

    • globalnote sagt:

      Deutschland wird nicht austreten wollen, weil ein durch die Krisenländer geschwächter Euro seinem Export in alle Welt dient. Da wird es am Ende zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone kommen müssen, die natürlich in jedem Fall mit teuerem deutschem Heftplfaster bis nach den Bundestagswahlen 2013 hinausgezögert werden wird. Doch wenn Deutschland weiter auf Lohndumping setzt, wird das auch mit Spanien, Italien und am Ende Frankreich nicht gut gehen. Dann wäre die Eurozone wirklich am Ende.

  4. Jens sagt:

    Doch was soll Finnland mit einen verantwortungslos exportierenden und sich dreist öffentlich verschuldenden “Vize-Exportweltmeister”? Auch die Niederlande haben eine solidere Finanzpolitik.
    Deutschland selber passt nicht in die EU. Es ist nicht stark, nur seine Exportunternehmen und Banken sowie ihre Lobby in der Politik.

  5. Vineyard sagt:

    Was soll man hier sagen?

    Griechenland wird hier einfach kaputt “geschockt”. Wer Naomi Kleins “Die Schock Strategie” gelesen, weiß was ich meine. Die Phase des Ausverkaufs steht ja nun kurz bevor.

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